163. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 186
Gießener Anzeiger
Erscheint IL-iich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
Tie „-ietzener Fa«iiiendlät1er" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt fir bti Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „rmibwirftchastlichen Zett, fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Montag, U. August 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätS - Buch- und Stcinbrudeteu 9L Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^tbl. Redaknonre^NL. Tel.-Adr.: AirzelgerDießelu
aus KitarkfrWädtters Petersburger Erinnerungen
Im nächsten Hefte von „Westcrmanns Monatsheften" beginnt Georfle (S Ic inow mit einer Reihe von Aufsätzen, die den verstorbenen Staatssekretär v. ttiixrlcn-®ä(fiter als N^enschen schildern. Dabei bringt Cleinow aus dem reichen brieflichen Nachlasse des Dipkonraten eine Fülle noch un- bekannten Nraterials bei, ivodurch Kiderlens origineller und unabhängiger Cl-arakter in interessanter Weise beleuchtet wird. Im Ial/re 1880 entschied Bismarck, daß er nach Petersburg gehen solle, „auf einen Posten, wo es viel zu tun gibt, ttw man viel lernen kann, sich viel in den Salons bewegen muß“. Mitten im Winter 1881 kam der jllnge Diplomat auf dem neuen, durch seinen großen Ches historisch gewordenen Felde seiner Tätigkeit an, und kurz darauf machte er bereits anläßlich der Neujahrsfcter eine große Hoffestlichkeit mit, die er in einem Brrefe vom 13. Januar 1881 ebenso anschaulich wie witzig geschildert hat. Der inlereffcntte Brief lautet:
„Neujahr. Morgens ging ick auf einen Sprung aus die Kanzlei, gratulierte dem Botsäzafter zum neuen Jahr und fuhr schließlich im höchsten Gala zum Winterpalais, wo um 12 Uhr Neujahrscour war. Das Wintcrpalais ift ein kolossales, senster- und säulenbelaftetcs Steingebäude, das mehr durch seine Größe als durch seine Schönheit imponiert; das mächtige äußere Quadrat wird durch eine Menge Zwischengebäuve verbunden, so daß innen ein riesiger Raum sein muß; die Hinterfront geht auf den Kat am mächtigen Nclvaftrorn, jenseits dessen sich die Pauls- feste mit ihrem hohen spitzen Turm majestätisch präsentiert. Die eine Seitenfront stößt an die „Eremitage“, ein steinernes Gebäude, das einen kolossalen Borbau hat, der von gigantischen Granitsiguren getragen wird. Die vordere Seite zieht auf einen großen freien Platz, gegen den alle Plätze in Berlin — dem Umfang nach — ein Kiiiderspicl sind. In der Mitte des Platzes Tagt, von einem bedeutenden Engel gekrönt, die mächtige Älexandersäule hoch in die Luft, aus einem einzigen Granitblöck gehauen. Dem Winterpalais gegenüber wird der Platz halbkreisförmig von einem Alonstregcbäudc umschlossen, in dem außer dem alten Gort-, säzakoss eine gan,ze Menge Ministerien untergebracht sind. Die Mitte deö Gebäitdes, der Senat, wölbt sich in ungeheurem Bogen über die unten durchführende Fahrstraße. Der Bogen ist prachtvoll anzuschauen, unter demselben pfeift aber stets ein diabolisd)er Wind, der überhaupt — von Nord oder Ost kommend — hier ein regelmäßiger Olast ist, das Klima ungesund und die Kälte so empfindlich macht.
Beim (Eintritt in das Wiuterpalais fand ich den mir von den Stuttgarter und Berliner Hofbällen her bekannten Mummenschanz aller möglichen Uniformen; da toanberte neben dem schlanken Chevalier-gardes-Offizier der mißgestaltete Japaner, nicht viel größer als ein Kind; baitebeii auf Filzsohlen der bekannte chinesische Marquis Tseng mit einer Brille und einem alten, garstigen, aber unendlich klugen Gesicht. In Samt und Pelz mit krummem Säbel und in Stieseln, die wie Strümpfe aussahen, stolzierte ein kaukasischer Fürst vorüber, zwischen unzähligen Hof- urid Militä mnis armen sah man den mit Edelsteinen (echt?) überladenen persischen Geschäftsträger hindurchschimmern; aben standen Wachen von Efievalier-gardcs mit dem riesi- gni Doppeladler oben auf dem Helm, von Tscherkessen m roten langen Rücken und mit den bekannten Kartuschen auf der Brust und von reich vergoldeteii graubärtigen Schloßgardisten. Nun ging es durch eine lange Reihe im- posanter Säle, deren einer einen köstlichen Blick in einen Wintergarten gestattete. Alle fremden Adissionen wurden nun nach Rang und Aneiennität — die deutsche Botschaft voran — halbkreisförmig in einem Zimmer aufgestellt. Ich wurde vom Botschafter iwch allen möglichen Gästen vorgestcllt, unter anderen auch dem reichen Stieglitz (cf. Neckarblättle); der türkische Botschafter sprach längere Zeit mit mir, und .zwar französisch, nicht türkisch. Die Türken und Perser behielten ihre Kopsbedeckung auf. — Aus aller Herren Länder lvaren Vertreter da: „Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?“ Bei „aastlich“ will ich hier gleich, um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, bemerken, daß alles nur Augenweide war; materielle Genüsse wurden nicht verabreicht!
Endlich hörte man den Hof sich allmählich fieran- klopfen. Zuerst erschienen paarweise Acner, vom gemeinsten auswärts; dann in derselben Rechenfolge eine Anzahl KamMerjunlcr und -Herren, da gab5 alte und junge, schöne und häßliche, dicke und dünne, gerade und krumme, nüchterne und — nein, das waren sie doch alle, wenigstens taten sie so. Nach den Kammerherren kamen Generäle, Exzellenzen und solche Saären. Endlich erschien der Kaiser Alexander II., groß, schlank, elegant, aber doch recht alt. Er gab allen Missionschefs Ine Hand und sprach einiges wenige mit ihnen. Ich wurde vom Botschafter vorgestcllt, worauf Seine Majestät die allerhöchste Frage an mich richtete: „Württemberger?" und ich die aller- untertänigste Antwort gab: „Ja, Majestät." Damit schloß diese denkwürdige Unterredung. An den gleichfalls vorgestellten Eitgländer Hamilton richtete Seine Majestät eine ebenso lakonische Frage. Bon andern nachher befragt: „Qu’est-ce que S. M. vous a dit?“ antwortete Hamilton: „II m’a demande quelque chose, que je n’ai pas comprise, alors j’ai repondu, oui, Sire!“ — Echt englisch! Hinter dem Kaiser erschien der Cesare witsch (sprich: Cesarü- wilsch), ein großer, stattlicher, nicht posftiv magerer hübscher Mann, etwa was die Wiener „fesch" nennen, der mich ungefähr an den früheren Livingstone erinnerte. Er hatte zwei kleine Buben bei sich, wahrscheinlich eigenes Gewächs. Seine Gemahlin Dagmar, die der Kaiser gefüfirt hatte, sieht aus wie ein junges Mädchen, aber nicht eben wie ein allzu hübsches. Dann war ferner noch die Großfürstin Maria Panlowna und die Prinzeß Eugenie Dl^nburg da und eine Anzahl Großfürsten. Born Cesarewitsch abwärts hatten alle nichts zu tun, als, während der Kaiser cer feite, im Hintergründe zu stehen und dann beim Weggehen wreder hinter ihm herzumarschieren. Nachdem der kaiserliche Zug soweit durchpassiert war, kamen nun eine Maste Hofdamen and Hoffräulein, die ich schon oben aufspazreren lassen
wollte. -Sie taten nichts, als vorbeidefilieren: daß es so viele Hofdamen gibt, kommt daher, daß dies nur ein Titel ift, der verliehen wird wie bei uns Kammerjunker und Kammerherr. Uebrigens schien mir bei der Auswahl dieses Damenparks mehr auf guten Charakter als schönes Aenßerc gefeben worden zu jein. Der russische biaixmv artige Haarschmuck, den all die Damen trugen, sah übrigens recht gut aus. Nachdem auch diese Augenweide vorüber, kam noch einiges männliches Hofgefolge, dann gings dem Ausgang zu. Man trat sich gegenseitig auf die Hühneraugen und verabschiedete fidi."
hessischer Parteitag der Sozialdemokratie.
Die sozialdemokratisckie Partei im Großherzogtum Hessen hielt ihren diesjährigen Parteitag am Samstag, den 9., und Sonntag, den 10. August, in M ainz ab. Aus den 9 hessischen Reecke tags Wahlkreisen nahmen außer dem gesamten Landesvorstende 9 Kreisvorstände und 99 Delegierte aus 91 Orten daran teil, außerdem die vier Reichstags-Abgeordneten Dr. David, -tr. Luessel, Hasenzahl und Ulrich, und die meisten Mitglieder der hestischen Landtags Fraktion, sowie vom Parteworstande auf Bcr lin das Mitglied Muller. Zum 1. Vorsitzenden wurde Ulncfr Oisenback, zum 2. Vorsitzenden Seel-Mainz gewählt. Bei ,)c>l setzung der endgültigen Tagesordnung entspann sich eine längere Aussprache über den Antrag, den Parteitag in Jena als befon deren Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Dr- David.wider prach deni energisch, da cs sich hier nur um Erörtertukg der Frage des Massenstreiks handele. Den Luxus einer Massenstreik Debatte könne man sich am Schlüsse der Tagesordnung besser leisten. Diese wichtige Frage könne man nur vrinzipicll bebau dein. Der Antrag wurde schließlich zurückgezogen und es ge langte die vorgeschlagene Tagesordnung zur Annahme, lieber Punkt 1, Geschäfts- und Kassenbericht, berichtete der Landes sekretär Neumann- Offenbach, der den vorliegenden gedruckten Bericht nocli durch längere mündliche Ausführungen ergänzte. Nach den, Geschäftsbericht hat die Partei gegen das Vorjahr m 6 Reichstagswahlkreisen um 897 zu- und in 3 Wahlkreisen um 167 Mitglieder abgenommen, im ganzen also nur einen Zuwachs von 730 Köpfen erhalten. Abgenommen hat fic tu den Wahlkreisen mit meist ländlicher Bevölkerung, zugenommen tu den Industriestädten und deren nächsten Umgebung. Charakteristisch ist das Beispiel von Offenbach-Dieburg. Im Sirene Offen buch und der Stadt Offenbach Hatto» sic eine Zunahme von 593 gegen 99 abgehende Mitglieder, in dem ländlichen Kreise Dieburg dagegen eine Abnahme oon '154 gegen 86 Zunahme. Ler Markenverkauf hat mit 317 000 in 1912/13 einen starken Rückgang zu verzeichnen gegen 1911/12 und 1910/11 nut 404 000 bezw. 352 000. Auf 100 für die Partei in Hessen abgegebenen Stimmen bei der letzten Reichstagswahl hatte sie 21,8 Mitglieder, während der Durchschnitt im Reiche 23,1 Mitglieder ergibt, also auch hier ein Minus gegen das Reich. Die Zahl der vereine hat sich von 258 in 1911/12 auf 275 in 1912/13 erhöht. Die Parteipresse, die vollzählich vertreten war, hat 32 354 Leser. Die Einnahmen und Slusgaben der Landeskasse betragen 24 314,30 Mark, das Vermögen 6250,94 Mark.
In seinem mündlichen Vortrag betonte der Parteisekretär, daß es für die Partei vor allem notwendig fei, die Agitation unter den sogen. P a r t e i a n g e st e l l t e n stärker zu betreiben. Hier sei ein reiches und dankbares Arbeitsfeld. Dem Kamp um die Jugend sei die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Es sei beabsichtigt, den bekannten Lehrer Sonnemann aus Bremen in Bälde eine Agitationstour durch ganz Hessen zur Hebung der sozialdemokratischen Jugendbewegung unternehmen zu lassen und Psingsten 1914 in Darmstadt einen Landesjngendtag abzuhalten. Die Frauenbewegung sei im Vorwärtsschreiten begrinen Dagegen gingen die Beiträge zum Bezirks-Maifelcnonds sehr schlecht ein. Der Fonds besteht noch aus 1969 Mark.
In der Diskussion beantragte Dr. David^ den „Hessischen Landboten" wieder abzuschaffen und an dessen Stelle wieder den trüberen Kalender einzuführen, änderte aber fernen Amrag dahin ab: „Der Landes Vorstand möge erwägen, ob nicht der „Hessische Landbote" Zu einem Kalender ausgestaltet und im Herbste un ganzen Lande gratis verteilt werden könne." Dieser Antrag und der Geschäfts- _unb Kassenbericht wurden angenommen, ebenso ein Antrag Worms: „Der Landesvorstand möge erwägen, eine Frauen beilage für Hessen herzustellen und diese den Partcidruckerele'.r zum Selbstkostenpieise zuzustcllen." Weiter wurde eine lebhafte Agitation unter den Klerndau er n und 2a nbarbeiter n beschlossen, die Schaffung einer Brldungs- zentrale für Hessen dagegen abgelehnt. Für agitatorisch tätige Genossinnen sollen in Zukunft sogen. Lehrkurie eingerichtet werden.
In seinem Schlußwort hob Parteisekretär Neumann gegenüber den Borwürfen, daß man es an der Agitation zur Einleitung einer Wahlrechtsbewegung fehlen laße, hervor, daß die Partei damit sick-crlich ein totales Fiasko zurzeft erleben wurde Man solle damit bis zu den Landtagswahlen rm nächsten Jahre warten. Dann werde diese Frage von selbir anuen. -cor eintntt in Punkt 2 der Tagesordnung begrüßten noch strobel-Mann- fieim und Müller-Berlin, letzterer für den ParteivRstand, die Taquna Ddüller sprach seine Freude aus, daß bei der all gemeinen (Stagnation im Reiche wenigstens in Hessen ein kleiner Fortschritt in der Partei festen st e l l e n sei, und betonte die Wichtigkeit der Jugendbewegung.
lieber Punkt 2 der Tagesordnung: Bericht derLandtags- F r a k t i o n, der irn Druck vorlag, berichtete B u s o l d - Friedberg, der auch vor allem davor warnte, jetzt eine Dahlrechtsbewegung eintzuleiten Sein mündlicher Vortrag bestand hauptsächlich in einer sehr scharfen Kritik und Polemik gegen die Erste und Zweite Kammer und die Mebrhritsvarteien der Zweiten Kammer, National- liberale Zentrum, Bauernband und die sogenannte Wirtschaftliche Vereinigung Dem Wegzüge vieler tüchtiger Beamten müsse gesteuert werden. An die Spitze des Landes gehörten solche Kräfte, die mich imstande seien, Großunternehmungen, wie sie das Hessenland darstelle, auch zu verwalten. Die hessische Zweite Kammer sei in ihrer heutigen Zusammensetzung zu positiver Arbeit nicht fähig. In der Aussprache fam es zu einer langen Auseinander- lepung über die landwirtschaftlichen Genosiem'chaften. Ein Antrag, die Landtags-Fraktion möge dahin wirken, daß die Stempelsteuer für Fa brr öder erst bei 2000 Mk. beginne und nicht wie bisher bei 1500 Mk. gelangte zur Annahme. Bei diesem Punkt der Tagesordnung kam es zu erregten Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Delegierten und Ulrich, denen letzterer Bosheit vorwar s, woraus diese -mit „Gemeinheit" Quittierten. Eine Flut persönlicher Bemerkungen ergeht sich in den Saal.
Als Punkt 3 bebanbette Abg. Dr. David-Mainz das Thema: Stellung der Sozialdemokraten zur Steuerfrage. Er betonte ?-unächst die prinzipielle Ablehnung der Heeresvorlage, um bann die 'ozialdemokratische Zustimmung zu den Deckungsfragen in einstündiger Rede zu begründen. Dabei machte er die interessante Mitteilung, bar die sozialdemokratische Fraktion beabsichtige, zu gegebener Zeit durch eine Anfiage im Reichstage, ob die Besteuerung der Fürsten auch erfolgt fei, diese wichtige prinzipielle Frage fti vollem Umfangt erneut aujzurollen, und namentlich die liberalen
Parteien zur Stellungnahme zu zwingen Die Frage des Massenstreiks umging David vollständig Folgende Entschließung gelangte gegen eine Stimme zur Annahme:
Der Parteitag stellt sich auf den Boden der von der Reictis- tags-Fraklion zu den Deckungsvorlacien abgegebenen^ Erklärung, und billigt ausdrücklich die Zustimmung der Fraktion zu den beiden Bcsitzsteuergesetzen.
Punkt 4 betraf daS neue hessische Kommunal- Programm, da>.- un Entwurf gedruckt ivrlag. Hierüber sprach Redakteur Bruhns Oftenbach. Es liegen hierzu eine sehr große '.'In- '^ahl Ab°änderungsanträge vor, die in der übergroßen Mehrzahl angenommen nmrden. Zur Annahme gelangten u. a. ein Antrag auf Herausgabe eines Führers durch das neue befiiidx* OVemnnbe- steuergesetz, auf 'Mdaltnng einer Koiii'eren; der s»zia Idem >kratisclvn Gemeindevertreter Hessens im Saufe des Winkers. Fn der criüui’- abstimmung wurde das neue sozialdemokratische Kommunalpri- gramm angenommen, und bann der alle Landesvorttand durch Zinns wiedergewahlt. Daraus schloß Ulrich die Tagung mit dem üblichen Hoch.
Aus
Gießen, 11. August 1^13.
Trinker-Fürsorge st eUe für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden DienStag abend 6'/, bis 8 Uhr. .
"Die G r o ß fi. S t o a t ß f ch u l d e n k a s s e macht bekannt: Tie kostenfreie Ausgabe neuer Zinsscheinbogen (Fälligkeitstermin 1. April 1914 bis einschließlich 1. Oktober 1923) zu Schuldverschreibungen der 3l/i prozentigen Staatsanleihe vom 24. Juni 1898, Serie I, findet gegen Einreichung der ErnenerungSscheine (ZinSscheiuamveisiingeu) bei nachbezeichneten Stellen statt: in Darmstadt: bei der Großh. SlaatSschuldenkasse, Luisenplatz 2, der Hessischen LandeSfiypotfiekenbcmk, Nkoseiftraße 27, und bei der Bank ur Handel und Industrie; an anderen Orten d e s G r o ß fi e r z o g t u m S: bei den Großh. Beftrkö'assen und den mit Bersefiung von Bezirkökassengefchästen betrauten Dienststellen; in Frankfurt a. M. und in Berlin: bei der Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank). Bei Einreichung der ZinSscheiu - Anweisungen ist ein nach Nummern geordnetes Verzeichnis in zweifacher Ausfertigung mitzuliefern. Das Formular hierzu wird von der Großh. Staatßschuldenkasie und den genannten Ausgabestellen unentgeltlich abgegeben.
•• B a b n v e rs o n 9 l i e n. Innerhalb deS Eisenbahn- direltionsbezirks Frankfurt wurden In der Zeit vom 1 April 144 30. Juni 1913 aus Anian längerer Eisenbcibndiennzeit cuunaline Vobmulogcn gezahlt: nach 20jäbriger Eisenbalmdiensizeit je -0 9Jlf. on 34 'Uibcilcitcr, nach 25jäbtigci Eisenbabndicnstzeit je 50 Mk. an 46 Arbeiter, nach 30jähriger Eiseiibahncileiistzeit 60 Mk. an je 17 Arbeiter, nach 35|ä()riger Eisenbahndiensfteit je 80 Mk. an
IG Arbeiter, nach 4'ijähriger Eiscnbahndienstzeit je 10') Dtk. an
10 Arbeiter, nach 45)ähriger Eisenbahndiensizeit je 200 Mk. an
2 Arbeiter. An diesen Zulagen sind 12 Arbeiter auS G t e ß e n
beteiligt. - Ernannt wurden: Komniiss. Eisenbahnassistent Reinig in Vilbel zum Eisenbahnassistenten, VaDefrfiaffncc R 11 v P cr. ut Lauterbach zum Lademeisler, die 91 uöbelfer Schönberger zn Fehl-Ritzhausen und Amend zu Tieis zn Eisenbahngehilfen. versetzt wurde Rangiermeister B i e r m a n n von Frankfurt nach Friedberg. Tie Prüfung znm EisenbabnbetriebL'ing.emeur bestanden die technischen Eisenbahnsekretäre Holler und R ö d d e w i g zu Frankfurt (früher zn Gießen! Gestorben sind: Cbcr- babiialfiflent König und Kanzlist Herrman^ zn Darmstadt. Eine Belo h n u n g erhielt Hilfsbahnwärter Förster zn Akeerholz für Abivendimg einer Belriebsgefabr DieiistanSzeichnnngs- sckinüre erbielten für fünfjährige zufriedenstellende Dienstzeit : Reservelokomotivführer Krause m Bondorf, Lokomotivheizer Rocke r und Schramm in Hungen und Albach in Friedberg, Eifenbabnqebilfe Wall in Bad - Nanheim, Battenfeld in Gießen, Schaffner Krämer und L u h in ßliefien, Weichensteller 2en ; in Bad-Nauheim, Panek in Gießen, Rangierführer ö a l) n in Gießen und Becker in Braunfels; für zehnjährige znfriedenstellende Dienstzeit: Eisenbahngehilfe S ch ä f c r tu Herborn und B u ß in Butzbach, Weichensteller I 1 ge in Burgsolms, 9iangier- fiihrer H e u s e r in Alsfeld, Gast in ''-acbetileid), Bahnwärter Wenzel in Langsdorf, vild in Katzenfurt, Weller in Tuten' Hofen, Bahnhofswärler Grothe in Betzdorf
•• Einteilung der Bahnmeistereien m Gießen. Am 1. September wird in Gießen eine neue Bahnmeisterei errichtet mit der Bezeichnung Gießen 2. Der neuen Bahnmeisterei 2 werden alle Signal- und Weichenstellwerke, Telegraphen-, Fernsprech- und Blockanlagen, elektrische Uhren, Unterhaltung der Stellwerksgebäude, Erfrischungtzstation und Lohlensaureiimfüllstation für KeroSbeleuchtung zugeteilt.
** Der Kriegervereiusbezirk Gießen von der Kricgerkameradschaft Hassia hielt gestern unter Leitung des Ae- zirisvorstehers D aa'o-Lollar seinen 2. Bezirkstag im Felsenkeller ab. Sämtliche 40 Vereine des Bezirks hatten ihre Vertreter dazu entsandt. Lehrer Daab eröftnete die Verhandlungen mit einer Ansprache, in der er die Bedeutung der Zahre 1813—1913 würdigte. Philipp Lepper-Beuern, der 25 Jahre im Dienst des Kriegervereinswesens gestanden hat, erhielt die von der Hassia gestiftete bronzene Denttnünze. Die lose Vereinigung der ehemaligen 116er des Bezirks Gießen überreichte dem Berirksvorsteher Daab und dem Bezirksrechner Volkmann-Heuchel heim je rin Geschenk. Dann erfolgte der Bericht über den Hassiatag in Hirschhorn. Rechner Volfinann-HeuchelhKm verliest die Fahresrechnung, die Einnahmen betragen 334,75 Mk., die Ausgaben 308,23 Mk., die M itg lieber beiträge 151,50 Mk. Zur Unterstützung an den beim Scheibenschießen verunglückten Kameraden M. Volp in Ober-Seibertenrod wurden 125,85 Mk. abgesandt. Der Hassiatag 1914 findet in Butzbach statt. Bei der Vorstandswahl für die nächsten drei Zahre wurden durch Zuruf wiedergewählt: Bezirksvorsteher Leftrer Daab-Lollar, Stellvertreter Landtagsabg. Bürgermeister Leun-Lollar, Schriftführer Kanzleirat Schiff nie-Gießen und Lel-rer Keil-Klein-Linden, Rechner Volkmann-Heuchelheim. Auch das Scknedsgericht verblieb auf weitere drei Jahre. Tas Bezirksfest 1914 erhielt der Verein Leihgestern, der sein 40jähriges Bestehen damit verbindet. Eine längere Aussprache erfolgte über das Regimentsfuriläum der 116er. Verschiedene Wünsche wurden dabei vorgebrack'4. Staatsanwalt Trümpert teilt mit, daß die Berirks- svarkasse Gießen 200 Mk. für bedürftige Veteranen innerhalb des Sparlässenbezirks gestiftet habe. Die Vereinsvorsitzenden des Bezirk- sollen die (Angaben an ihn ritfcien. Der Bezirksvorsteher teilt mit, daß die Gewehre, M-Krell 71—84, mit Aufgeld gegen Modell 88 umgetauscht werden Sinnen. Die Erhöhung oer Veteranenbeihilfe muß beim Bürgermeister beantragt werden. An alle Vorsitzenden wurden die ppm Präsidium herausgegebenen Schießvorschriften verteilt.


