Gerichtssaar.
Ein Hauptmann als Mörder.
In M a d r i d begann die Verhandlung in einem Mord Pro',eß, der als der sensationellste in der (beschichte der spanischen Verbrechen bezeichnet wird. S a n ch e z, ein früherer Jnsanteriehauptmann, der im spanisch-amerikanischen Kriege aus dem Unterofsizierstand hcrvorging, und seine Tochter Luisa stehen unter der Anklage, einen reichen Grundbesitzer von Navarra namens Jalon ermordet zu haben, der Anfang Mai auf geheimnisvolle Weise aus Madrid verschwand. Jalon war ein Spieler und ein bekannter Lebemann. Kurz vor seinem Verschwinden erhielt er von dem Kassierer bev Casino de la Bellas Artes einen Spielbon über 5000 Pesetas. Der erste Verdacht wurde wach, als Luisa Sanchez im Kasino erschien und den Bon cinzulösen versuchte. Tas Verbrechen soll auf dem Gelände der Höheren Militärschule, an der Sanchez eine Stellung bekleidete, verübt worden sein. Der Leichnam war in Stücke geschnitten, Teile davon wurden in die Kanalisationsröhren geworfen, während der Rest in den Abflußröhren, die das Regenwasser auffingen, verborgen wurde. In der Verhandlung klagte der Staaisanwalt beide des Mordes an und behauptete, daß die Angeklagten, nachdem sie Jalon ermordet hatten, den Leichnam beraubt und zerstückelt haben. Er verlangte die Todes- strase gegen Sanchez und lebenslängliche Gefängnisstrafe für dessen Tochter.
Bor dem Kriegsgericht begann Dienstag nachmittag das Verhör non Luise Sanchez: ein dichter Schleier bedeckte ihr Gesicht, ihre Antworten überstürzten sich und waren zum Teil zusammenhanglos. Sie erklärte: Ich kann mich nicht erinnern, ob der ermordete Jalon, als ihn mein Vater nicderwars, um ihn zu zerstückeln, schon tot war oder nicht. Ich habe nicht geglaubt, daß mein Vater Jalon töten wollte. Ich nahm vielmehr an, das; er ihn nur zwingen wollte, ihm Geld zu geben. Ich glaubte, wahnsinnig zu werden, als ich sah, wie mein Vater sein Opfer mit .Hammerschlägen ans den Hintcrkopf bearbeitete: ich versuchte dabei, den zlveiien Schlag zu verhindenr. Es entstand eine tragische Szene, als einer der Beisitzer die Mitangeklagte fragte, ob sie sicher sei, daß ihre zwei Kinder tyn ihrem eigenen Vater stammten. Luise warf sich vor dem Vorsitzenden auf die Knie und rief: Ich schwöre es, ich bin dessen sicher, nichts ist mir heiliger als meine beiden Kinder. Sie sind die Kinder meines Vaters, ich habe niemals von jemand anderem als von ihm ein Kind gehabt. Tann trat die Angeklagte zurück, hob die Anne zum Himmel und rief: Erbarmen, Erbarmen, ich bin unschuldig, ich habe nichts getan.
?luf die Fragen des Staatsanwalts blieb Hauptmann Sanchez bei seinen Unschuldsbcteuerungen und erklärte, Jalon nicht zu kennen, er wisse von dem Verbrechen nur, was die Zeitungen davon erzählten, er glaube, daß seine Tochter direkt an dem Mord teilgenommen habe im Einverständnis mit Personen, die ein Interesse daran hätten, ihn, Sanchez, in der Kriegsschule zu ruinieren. Ter Angeklagte versuchte dann für die Blutflecken in seinem Hause eine natürliche Erklärung zu geben. Der Staatsanwalt verlas sodann seinen Strafantrag/ den Zanchez bisweilen unter Tränen anhörte, wobei er sich an seine Verteidiger mit den Worten wandte: Welche Infamie! Ter Verteidiger erklärte, Sanchez sei wohl der Urheber eines tatsächlichen Mordes, aber er sei unverantwortlich, es handele sich um einen aus Eifersucht ent st andenen Wahnsinnsfall, als er gesehen habe, daß seine Tochter den Hul- biflitngcn seines glücklichen Rivalen Jalon nachgegebcn habe. Der Angeklagte zeige alle Merkmale körperlicher und geistiger Degeneration und krankhafte geistige Veranlagungen, mehrere seiner Verwandten seien nervöse Alwholiker. Sodann wurde das Verhör: unterbrochen. * I
Gleiwitz, 17. Sevt. Der neue Prozeß gegen den Amts- xichter Knittel ans Rybnik beginnt am 29. September d. Js. vot der hiesigen Strafkammer.
Vermischte».
* Zum Unfall des Militärgttachees v. Win- terfeldt wird aus Paris gemeldet: lieber den Besuch des Präsidenten Poincarö, den dieser in Begleitung des Kriegsmini- fters dem bei dem vorgestrigen Automobilunsall verletzten Oberstleutnant v. Winterfeldt abstattetc, wird berichtet: Der deutsche Mlitcrrattachcc dankte dem Präsidenten und dem Kriegsminister lebhaft für ilfren Besuch. Er erklärte, daß er sich besser fühle und
er äußerte seinen herzlichen Tank für die ihm zuteil gewordene Hilfe und Pflege. Ter behandelnde Militärarzt erklärte einen! Berichterstatter, der Verunglückte befinde sich so gut als irgend möglich. Falls keine Komplikationen nervöser Natur eintreten, hofft man ihn in drei bis vier Tagen transportieren zu können, wohin er wünscht. Nach einer anderen Meldung ist der Zustand des Verletzten erregt. Eine neue Untersuchung ergab, daß er einen Bruch des Beckens davongetragen hat. v. Winterfeldt ist operiert worden. Die Aerzte stellten fest, daß die Blase unverletzt ist. Es handelt sich um einen Harnleiterbruch. Die Operation, die in der Narkose vorgenommcn worden ist, dauerte 50 Minuten und scheint geglückt zu sein. Frau von Winterfeldt weilt bei ihrem Gatten. Der Besuch des Präsidenten Poincare dauerte etwa 10 Minuten. — Ter französische Kriegsminister ließ dem deutschen Militärattachee v. Winterfeldt im Namen des Präsidenten Poincare durch General Joffre das Osfizierskreu» der Ehrenlegion überreichen.
* Der Mörder Schmidt. In Aschaffenburg besuchten mehrere Journalisten die Eltern des Mörders Schmidt, die sich hier des besten Ansehens erfreuen. Frau Schmidt ist gänzlich gebrochen und liegt an einem schweren Herzleiden darnieder. Der Vater erzählt u. a.: Sein Sohn habe schon auf dem Klerikalseminar in Mainz den Spitznamen „Der verrückte Doktor" gehabt. Bor etwa 7 Jahren haben sich bei ihm in Frankfurt a. M. die ersten Spuren stärkerer; geistiger Erkrankung gezeigt, indem sein früher sehr melancholisches Wesen in völlige Ausgelassenheit umschlug. Es traten deutliche Spuren von Größenwahn hervor. U. a. legte er sich den Doktortitel bei, ohne daß er das Recht dazu hatte. In seinen Kanzelreden in Gonsenheim brachte er oft so krauses und absonderliches Zeug vor, daß die Kirchenbesucher laut lachten. Von hier verschwand er plötzlich, um dann in München aufzutauchen, wo er wegen verschiedener Vergehen (u. a. hat er dort Maturitätszeug^ nisse gefälscht) vor Gericht stand. Eines Tages wurde dann Herr Schmidt nach München gerufen, wo der Staatsanwalt ihm den Sohn mit den Worten überantwortete: Ihr Sohn ist geistig unzurechnungsfähig. Wir können ihn nicht mehr verfolgen. Tun Sie ihn in eine Anstalt.
Kleine Tagesckronik. f
Aus Kassel wird berichtet: Bei einer Bootsfahrt au der Werra stürzte die siebenjährige Tochter des Oberschweizcrs Gyser in den Fluß. Bei dem Versuch des Vaters, daL Mädchen zu retten, kenterte das Boot. Dieser, seine Tochter und der ebenfalls im Boote anwesende Sohn ertranken.
Handel.
Santiago de Chile, 18. Sept. Tie Regierung prüft die Schaffung eines Tabak Monopols. Es sollen Fabriken ähnlich denen des französischen Staates eingerichtet werden. Man schätzt den Jahresmindcstertrag aus 10 Millionen Franks.
Märkte.
tb. Gießen, 17. Sept. Der gestrige R i n d v i e h m a r k t hatte einen Vorrat von etiva 1000 Stück Großvieh und zirka 450 bis 500 Jungtieren und Kälbern. Der Vormarkt brachte in allen Vieh- aattnngen schon ein sehr flottes Geschäft, bei dein, da gute Preise daiür geboten wurden, jnnae Rinder und Stiere für Mast- und Zuchtzwecke ansverkaust wurden, ebenso deckten die Koblenzer Ein- käuier schon ihren Bedarf an feilen Kühen, die diesmal in guten Stücken am Markte waren, film Vormarkt sowohl ivie gestern am eigentlichen Markt war jehr starke Nachfrage nach guten tragenden und frischmelkenden Kühen, die sehr gnt bezahlt werden mußten, weil der starke Bedarf darin nicht gedeckt werden konnte. Händler ans Thüringen, die gekommen waren, um Milchkühe einzukaufen, konnten nicht preisivert genug ankommen und schüttelten den Kops über Preise, die die Frankfurter und Wiesbadener Einkäufer, die allerdings nur beste Stücke kauften, anlegten. Das Geschäft auf dem Kälbermarkt verlief ohne Aufregung. Tie Einkäufer aus den Großstädten beherrschten das Geschäft und kauften zu leidlichen Preisen fast den ganzen Vorrat auf, so daß die wenigen Gießener Metzger, die an den Markt gekommen waren, um Kälber zu handeln, nicht in das Geschäft eingriffen. Die wenigen Stücke fetter Rinder, die in Qualitätsware am Markt standen, wurden nach Bad-Nauheim und Wiesbaden verkauft. Einige Paare Fahrochsen gingen nach Hessen-Nassau ab. Bezahlt wurde je Stück: für Milchware 1. Qual. 625-725 Mk., 2. Qual. Mk. 530—600, 3. Qual. Mk. 375—480, junge Stiere und Rinder zur Zucht und Mast, bis 6 Monate alt, 9)1 f. 150—170, 7 bis 9 Monate alt Mk. 180—230, bis l1/, Jahre alte Tiere Mk. 250—300, je nach Form
und Qualität. ES wurden verkauft der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder, erstklassige Tiere Mk. 94—96, fette Kühe 1. Qual. Mk. 90 (waren nur vereinzelt am Markt), 2. Qual. Mk. 84—86, 3. Qual. Mk. 76—82. Kälber 1. Qual. Mk. 96—98, vereinzelte extra schwere Tiere bis Mk. 102, 2. Qual. Mk. 88—92, geringere Tiere waren nur wenig am Markt, so daß eine Preisbildung nicht stattfinden konnte. Fuhrochsen wurden in mittelschwerer Ware zu Mk. 1100—1250 das Paar abgegeben. Tie Untersuchung des Viehes ging diesmal, durch 3 Tierärzte vorgenommen, recht flott von statten. ES herrschte am Markt sowohl wie am Vormarkt zwischen den Parteien eine sehr friedliche Stimmung. Die Beamten kamen, wo sie nur einigermaßen konnten, den Handeltreibenden entgegen, ivosür diese offenbar sehr dankbar ivarcn. ^.er Markt wickelte sich sehr glatt ab und ivar nach 10 Uhr schon zu Ende. Nächste Markttage am 30. September und 1. Oktober d. Js., am zweiten Tage P f e r d e m a r k t und K r ä m e r m a r k t.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.
Wetteraussichten in Hessen für Freitag, den 19. Sept. 1913:
Wolkig, einzelne Regensälle, kühl.
Letzte Nachrichten.
Eine türkisch bulgarische Einigung.
Konstantinopel, 18. Sept. Die gestrige Sitzung der türkischen und bulgarischen Delegierten dauerte drei Stunden. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt, doch heißt es, daß sowohl über die Grenzen als auch über die Nationalitätenfrage eine völlige Einigung erzielt worden sei.
Das Herzogspaar von Cumberland.
Kopenhagen, 17. Sept. Das Herzogspaar von (Cumberland ist heute Bormittag 11 Uhr mit dem Berliner Expreßzug abgefahren. Auf dem Bahnho^ hatten sich eingefunden zur Verabschiedung die hier an. wesenden Mitglieder der königlichen Familie und das Königspaar.
Feuer in der Genter Weltausstellung.
Gent, 18. Sept. Um Mitternacht brach in dem Gasthaus Rheinland der Ausstellung Feuer aus, das auch auf den Pavillon der Konditor und Bäcker Übergriff und ihn zerstörte. Auch ein angrenzendes Privathaus wurde zerstört.
Straßenbahnunglück.
Nizza, 18. Septbr. Drei Wagen der von Cagnes nach Grasse führenden elektrischen Bahn stürzten in eine 15 Meter tiefe Schlucht. 12 Personen sollen gelötet, 30 verletzt worden sein. Die Bergung und die Rettungsar- bciten sind sehr schwierig, weil die Sohle der Schlucht sehr sumpstg und voller Gestrüpp ist.
Tausendfach bewährte Nahrung bei:
Brechdurchfall, Diarrhöe,
Darmkatarrh, etc.
Stuttgart, 16. Sept. Neunzehn Zöglinge der bekannten S P ö h r e r 'scheu Höheren Handel sschuleinCalw haben soeben vor der Königs. Prüfungskommission für Einjährig- Freiwillige das Examen mit Erfolg bestanden. hv^/g
3 18 merke man sich, >y„
wenn man wissen will, aus welchen der Sodener Gemeinde- heilauellcnFans ächteSodenerMineral-Paftillen — und nur diese! — gewonnen werden. 3 und 18 sind zugleich die mit air meisten verordneten n. benützten SodenerGemeinde-Heilguel« len, und der Wert von Fays Sodener Mineral-Pastillen ergibt sich sonach ganz von selbst. Man verwendet sie bei Heiserkeit Verschleimung, Katarrhen deö Kehlkopfs und der Bronchien, stimmlicher Indisposition mit stets gleich ausgezeichnetem Er- folg. Doch achte man auf den Namen „Fay", auf die amtliche Be- scheiuigung des Bürgermstr.-Amtes zu Bad Soden a. T. am weiß. Kontrollstr. u. lasse sich keine Nachahmung ausschwatzen.
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Die Giroverbindlichkeiten aus weilergegebenen Wechseln betragen 177 677.70
Die Bürgschastsverpflichtungen betragen.........X 168 879.39
Mitaliederstand Ende 1911/12: 108. Zugang: 7. Abgang: 9.
Milgliederstand Ende 1912/13: 106.
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Kassenbestand
Wertpapiere 169906 —
Abschreib. 205.-
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