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18.9.1913 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

165. Jahrgang

219 _____Erster Blatt 165. Jahrgang Donnerstag, 18. September 1915

s Gleßener Anmaer wirtschaftliche Zeittro-en ▼▼ l ▼▼ uSSeS

^"'vrech-Anschl.,se: IIÄF OM AJF Verantwortlich für den

l*ir rbtC 9^rK-1 politischen Teil: August

ZMLL- General-Anzeiger für Gberhefsen sLZsL

fcT'ÄS Hofationsöru» und Verlag dervrühl'schen Univ.vuch- und Lleindruckerc, R. tauge. Reöaltion, Lrpeditisn und vruckerei: Lchulstrahe 7. Ö-e.Ses'für ben bis vormittags 9 Uhr. Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Tageskalender aus dem Jahre 1813.

18. September. Der russische General Thielemann nimmt Merseburg ein.

Vie Eröffnung der General-Staaten der Niederlande.

Nus Amsterdam schreibt uns unser dortiger Mit­arbeiter:

Heute (Dienstag) mittag fand, wie bereits telegraphisch gemeldet, die feierliche Eröffnung der Generalstaaten durch die Kömgm statt. Von ihrem Palast aus fuhr die Königin in der prachtvollen, mit 8 Pferden bespannten, größtenteils aus massivem Gold bestehenden Staats-Eguipage nach demBin­nenhof", >vo im Rittersaal der feierliche Akt vor sich geht. .... . Die Thronrede läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wie in Hinblick auf die letzten Wahlen nicht anders zu -erwarten war, stellt sie die Acnderung der Verfassung bezügl. der Einführung des allgemeinen Wahlrechts an alle männ­lichen Niederländer von einer noch festzustellenden Alters- grenze, und die Wegräumung der verfassungsmäßigen Hin- dermsse für die Gewährung des Wahlrechts an Frauen in .Aussicht. Mit größerer Spannung sah man jedoch der Aeuße- -rung über die Staatspcnsivnieruiig entgegen, da der neu' ernannte Handclsminister Dr. Treub sich bekanntlich früher als em Gegner derselben gezeigt hatte. Es scheint aber, daß Herr Treub inzwischen anderer Ansicht geworden ist, denn es beißt m der Thronrede:Die Einführung eines Gesetzes zur kostenlosen ^Gewährung von Altersrente an untcrstützungs- bednrftigc 70 jährige, die in einem gewissen Zeiträume keine Unterstützung von Wohlsahrtscinrichtungen genossen haben, rann im Laufe der Legislaturperiode erwartet werden.

Für Heer und Marine werden keine neue Ausgaben ge­fordert, als diejenigen, tvelche zur Durchführung der be­gonnenen Neuerungen nötig sind sicherlich ein weit­gehendes Entgegenkommen den Sozialdemokraten gegen­über, die auch mit ruhigem .Gewissen für die Baukosten des geforderten neuen Schlachtschiffes stimmen können, da nicht das Mutterland, sondern Hvllänbisch-Jnbicn den Dreadnought" bezahlen wird. Die Thronrede weist ferner auf den gerade nicht blühend zu nennenden Stand der Staatskasse hin und stellt die Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer sowie eine Erhöhung der Erbschaftssteuer in Aussicht. Was die Kolonien anbetrifft, so will Herr Cort van der Linden den Boltsunterricht in Indien den Wünschen der verschiedenen Gruppen der indischen Bevölke­rung anpassen, d. h. ihnen Gelegenheit für besseren Unter­richt bieten, ohne daß sie ihre Zuflucht zu den Missionaren nehmen müssen. Man will also auf diese Weise dem in den letzten Fahren stark zugenommenen Missionswesen nach Möglichkeit Einhalt tun. Es wird wohl nicht ausbleiben, daß diese Politik zu Konflikten mit dem jetzigen klerikalen General-Gouverneur von Indien führt. Mit'der Trocken­legung derZuiderzee soll nun endlich tatkräftig begonnen werden, die Regelung der Frage bezl. des öffentlickzen und des privaten Unterrichts soll einem Ausschuß übertragen werden, der darüber beraten soll, inwiefern eine allgemein befriedigende Lösung dieser Frage unter Berücksichtigung der Unterstützung der privaten Schulen durch den Staat möglich ist.

Die Thronrede lehnt sich im allgemeinen an das von den vereinigten liberalen Parteien vor den Wahlen ent­worfene Programm an: inwieweit auch die aus der Regie­

rung verdrängten Klerikalen damit einverstanden sein wer­den, wird allerdings die Zukunft lehren.

Tie von dem Niederländischen Frauenbund aus Anlaß der Eröffnung der Kammern geplante Kundgebung für das Wahlrecht war allerdings ein Fiasko, da die Polizei denBinnenhof", wo diese Kundgebung stattfinden sollte, abgefperrr hatte, doch können die holländischen Frauen auch ohne diesen Aufzug mit dem heutigen Tage zufrieden sein, da ihnen ja die Gewährung des Wahlrechts, wenn auch nicht direkt, so doch für später verheißen wurde.

Haag, 17. Sept. Der Finanzmini st er legte der Kam­mer das Budget für 1914 vor in der gewöhnlichen Abrechnung über den Stand der Finanzen, aus der hervorgeht, daß das Rechnungs­jahr 1913, in dem ein Defizit von neun Millionen erwartet wurde, dank der außergewöhnlichen Zunahme der Einnahmen mit einem Ueberschuß abschließt. Der Minister ist der Ansicht, daß die größte Sparsamkeit notwendig und eine Erhöhung der Einnahmen unvermeidlich ist durch eine Steuer aus das Einkommen und, bis über diese Steuer abgestimmt ist, durch Beibehaltung des Zuschlages auf die Gewerbe- und Vermögenssteuer, außerdem durch eine Aendening des Gesetzes über die Erbfolge.

Haag, 17. Sept. 800 Frauen veranstalteten heute nach­mittag eine Kundgebung zu Gunsten des F rauen - st i m m'r e ch t s, da die Thronrede nicht die Gleichheit der Männer und Frauen ankündigte. Vorher hatte der Ministerpräsident eine Abordnung von zwei Frauen empfangen, die ihm einen offenen Brief überreichten, in dem sie ihrer Unzufriedenheit Aus­druck geben. Der Ministerpräsident antwortete, der Gesetzgeber wurde nach der angekünoigten Versassungsrevision das Frauen­stimmrecht gewähren können. Die Frauen zogen darauf schweigend an dem Gebäude vorbei, in welchem die Zweite Kammer tagte.

Der Kaifcr in Oefterreichisch-Zchlesien.

Troppau, 17. Sept. Der Bürgermeister Kudlich bot dem Kaiser beim gestrigen Empfange auf dem Staats­bahnhofe namens der Stadtvertretung und der ganzen Be­völkerung der ehrerbietigsten herzlichsten Willkommcnsgruß. an und drückte die Freude aus, daß der erhabene Verbündete des glorreichen Monarchen des Landes die schlesische Landes­hauptstadt, wenn auch nur flüchtig, mit einem Besuche be­ehre. Der Kaifcr erwiderte, er sei ganz gerührt von dem ihm in Troppau bereiteten großartigen Empfange und ersuchte den Bürgermeister, den Dank auch der Bürgerschaft und der ganzen Bevölkerung zu übermitteln und fügte hinzu, er teilte bereits Kaiser Franz Joses den schönen Empfang mit, der ihm in Troppau und Graetz bereitet wurde. Beim Stadtkommandanten Obersten P a t t e p erkundigte sich der Kaiser angelegentlich nach dem Stande der Armeemanö­ver in Südböhmen. Den Vizebürgermcister Krammer fragte der Kaiser nach der Einwohnerzahl Troppaus. Ganz besonders habe ihm die große Kinderschar, die am Empfange teilnahm, gefallen.

C a d i n e n, 17. Sept. Der Kaiser ist um 2,30 Uhr hier eingetroffen.

Botschafter a. D. Graf von Alvensleben

Im 78. Lebensjahre verschied am Dienstag plötzlich in Erxleben der Wirlliche Geheime Rat und frühere deutsche Botschafter am St. Petersburger Hof Friedrich Johann Graf von Alvensleben, Mitglied des preußischen Herren­hauses. Der Tod des hochbetagten Diplomaten steht wohl in Zusammenhang lmit dem schweren Un lall, den sein zweiter Stiefsohn, der deutsche Militärattache in Paris, Major von Winterfeldt bei Toulouse erlitt. Graf Friedlich Johann von Alvensleben wurde am 9. April 1836 als Sohn des am 11. Juli 1889 verstorbenen Grafen Ferdinand v. Al­vensleben geboren. Er studierte in Bonn und Berlin Rechts­wissenschaften, und wandte sich 1861 der diplomatischen Laufbahn zu. Er wurde zunächst der Gesandtschaft in Brüssel als Attache zugeteilt, und war dann ununterbrochen an

mehreren auswärttgcn Gesandtschaften erfolgreich tätig. 1876 wurden ihm die Geschäfte des dcutscksen General­konsulats in Bukarest übertragen, 1879 wurde er Gesandter in Darmstadt und 1882 im Haag, welchen Posten er zwei Jahre später mit Washington und 1888 mit Brüssel ver­tauschte. Ms Graf Alvensleben 1900 an die Stelle des nach Paris berufenen Fürsten Radolin mit der Vertretung Deutschlands am russischen .Hose als Botschafter betraut wurde, war er dem St. Petersburger Hof kein Unbekannter. Bereits in den Jahren 187218/6 hatte er als Botschafts­rat der dortigen Botschaft angehört und in dieser Zeit den erkrankten Botschafter von Balan vertreten. Ueber fünf Jahre hat Graf Mvensleben am Petersburger Hof gewirkt und es verstanden, die bei Beginn seiner Botschaftertätig­keit start getrübten Beziehungen wieder freundschaftlich zu gestalten. Aus Gesundheitsrücksichten mußte Graf Mvens­leben im Herbst 1905 seinen Rücktritt nachsuchen, der ihm damals unter Verleihung des hohen Ordens vom Schwarzen Adler bewilligt wurde. Ein Jahr später wurde GrafAtvens- lebcn in das preußische Herrenhaus berufen.

Die neue türkisch-bulgarische Grenze.

K o n ft a n t i n o p c l, 18. Sept. Laut einer nach der heu-' tigen Sitzung der türkischen airib bulgarischen Delegierten ver­öffentlichten Mitteilung ist die Grenzfrage nunmehr endgültig ge­regelt. Die Grenze beginnt an der Mündung der Maritza und en­det in der Resnaymündung, nördlich von Jniada-Dimotika. Adria- nopel und Kirk-Kilisse verbleiben der Türkei, Malko-Tirnowo, Mu- ftapha Pascha unb Ortesköj fallen den Bulgaren zu.

Deutsches Reiche

Der Reichskanzler verließ am gestrigen Mittwoch bei ftrömenbem Regen Sils Maria, um über Davos direkt nach Berlin zurückzukehren.

In ben Prüfungsausschuß für Rüstungslieferungen, der auf Wunsch des Reichstags ins Leben gerufen ist und int November zusammentreten wird, werden von ben bürgerlichen Fraktionen des Reichstags entsandt werden: Die Abg. Dr. Bollert (natl), Erzberger (Ztr.): Liesching (Vpt.), Dr. Müller-Meinungeü (Vpt), v. Pullitz (kons.), Poland-Lücke (natl.), Speck (Ztr.), Gras Westarp (kons.).

Bebels Hinterlassenschaft.

Bald nach dem Tode Bebels wurde behauptet, daß Bebel etwa 900 000 Franken hinterlassen habe. Jetzt versichert das Variier Journal, daß seine Erben in der Erbschastsdellaratton für die Züricher Verwaltung den Betrag von 1 17 0 000 Franken angegeben haben.

Ausland.

Die Deutschen Amerikas

und die Weltausstellung in San Francisco.

Tie deutschen Verbände in den Städten Calisomien, Washing­ton, Oregon und Texas haben an ben Kaiser eine Depesche ge­richtet, in ber sie ihr Bebauern ausdrücken, daß das Reich auf der Weltausstellung in San Francisco nicht vertreten sein werbe unb bie angesehene Stellung der Deutschen in Amerika betonen.

Japan unb China.

Aus Tokio wirb gemelbet: Wie es scheint, hat sich China nur mit ben unbebeutenoen Forderungen Japans einverstanden erllärt, während auf die Forderung einer Entschuldigung und der Entlassung des Generals Changsuen noch keine Antwort cin- gegangen ist. Wie erklärt wird, hat bas japanische Auswärtige Amt bie britische Regierung über ihre Haltung im Falleei n er japanischen Aktion zu Wasser unb z u Laube son­diert, woraus ihm geantwortet wurde, daß England eine mili- tärische Aktion Japans mit Besorgnis betrachten würde, da sie

Die Intendanten-Krisis in Frankfurt a. M.

Holländers r o man t i s ch e Fl u ch t.

Frankfurt a. M., 17. Sept. Die Flucht Holländers nach Amerika, um sich dort mit einer jungen Berliner Schau­spielerin zu verheiraten, vorausgesetzt, daß die jetzige Ehe geschieden wird, bildet das Tagesgespräch Frankfurts. Und inan darf es heute ruhig sagens Frankfurts Kreise, die am Thcatcrlebcn interessiert sind, atmen erleichtert auf, daß er ging, daß ein schwerer Alpdruck von der gesamten! Künstlcrschast genommen wurde. Denn diese ging unter Hol­länders Regiment einer schweren Zukunft entgegen. Zahl­reiche der besten seit Jahren bewährten Kräfte wurden von dem Gewaltmenschen glatt an die Luft gesetzt und an ihrer Stelle unbekannte Schauspieler, die Holländer selbst nicht einmal kannte, dahin engagiert. Es sei nur an Bolz, Meyer, Krauß, Bayrhammer usw. erinnert. In den nächsten Tagen sollten unsere Heroine Rottmann und (der treffliche Bauer über die Klinge springen. Derfliegende Holländer" be­wahrte sic vor dem Geschick der andern, die, wie schon heute verlautet, im Triumph wieder zurück­geholt werden dürften.

Den verbleibenden Künstlern drückte Holländer das Ge­halt auf wahre Hunger löhne herab, während er andererseits fürfcine F re u n deund F renn di nnenTau sende frei machte. Eine Maschinenschreiberin erhielt z.B. 3300 Mark Gehalt, ein bekannter verheirateter Künstler 2400 Mark. Trotz dieser Gchälterherab- setzungen, die keine Spur sozialen und kollegialen Empfin­dens verrieten, ist das Defizit weiter um riesenhafte Sum­men geschwollen. Die Abonnements gingen dabei um nahezu 80006 Mark zu nick. Wenn das so weiter geht, dürfte die Unterbilanz bald 600 000 Mk. im laufenden Jahr erreichen.

Jedenfalls wird die Gesellschaft Holländer haftpflichtig machen wegen Kontraktbruchs und zugleich aber auch unter dem Schauspiel- und Bureaugefolge, das Holländer mit­brachte, gründlich Kehraus halten, damit endlich die dringend nötige Ruhe und Besonnenheit in der Weiterführung des .Spielplans einkehrt. Jedenfalls ist die gegenwärtige Krisis

die schwerste, an der das heimische Theater je zu tragen hatte und dürfte so leicht nicket überwunden werden. Tie Theatergeseltschaft wird noch in dieser Woche zusammen­treten, um über die Gestaltung des Provisoriums Beschluß zu fassen.

DieB. Z. am Mittag" weiß folgende Einzelheiten zu berichten:

Felix Holländer, der verheiratet ist, hatte bie Absicht, sich von seiner Fran scheiben zu lassen und eine Schauspielerin, bie vor zwei Jahren aus Wien an bas Deutsche Theater engagiert wor­den war, zu ehelichen. Dieser Absicht stellten sich jedoch Schwierig­keiten entgegen. Als Holländer nach Frankfurt ging, blieb bie Künstlerin in Berlin zurück. Er staub jeboch so sehr im Banne seiner Leiben schäft, baß er bie Trennung nicht ertrug. Er faßte ben Plan, feine Stellungen in Frankfurt unb Berlin aufzugeben und mit der Künstlerin nach Amerika zu gehen. Die Schauspie­lerin begab sich in ein Sanatorium, Holländer selbst fuhr nach Bremen, um sich von bert nach Amerika einzirschiffeu.

llebrigens kam es auch der Künstlerin wegen, bie die Wen­dung feines Lebens verursacht hat, und bereu Engagement in, Frankfurt er durchzusetzen bemüht war, zu Protesten.

Gras Scebadfs Rücktritt.

Tas Opfer einer höfischen 3 n t r t g u e.

Tie Theater- unb Jnteubantenkrisen häufen sich: nach ber plötzlichen Flucht Holländers in Frankfurt a. M. der Rücktritt Graf Seebachs, des Geueralintenbanteu ber Kgl. Hoftheater in Dresbeu. Aber biefe Nachricht sie wirb ber N. Bad Laub.-Ztg. in einer so bestimmten Form übermittelt, baß kaum an ihrer Authentizität zu zweifeln ist berührt viel schmerz­licher, als die aus Frankfurt: denn Graf Seebach, als Mensch untadlig und voll ritterlicher Vornehmheit, galt fast als der Jdeal- typus eines großzügigen Hoftheaterintendanten, dem es nach langer mühevoller Arbeit unb geleitet durch ein ungewöhnlich feines unb begeistertes Kunstverständnis, gelungen war, die Kgl. Bühnen Dres- bens aur eine hervorragenbe Höhe zu bringen.

Tie telegraphische Privattueldung über Seebachs Rück­tritt lautet: 4= Dresbeu 17. September. Gras Seebach, ber Intendant ber Königlichen Theater in Dresben, hat bem- nig Friedrich August sein Eutlassuugsgesuch überreicht mit der Bitte, bem Gesuche halb ftattzugebeu. Der Grund für bie Rück- ttittsabfichten liegt in ber bekannten Affäre, bie mit; ber geplan­

ten Aufführung von SchöuherrsGlaube unb Heimat" zusammen- häugt. Prinzessin Mathilde von Sachsen soll bem König erklärt haben, daß sie ben Hof verlasse unb ins Exil gehen würbe, wenn der König eine Ausführung des StückesGlaube und Heimat" zulafse. *

Darmstädter Hoftheater. Aus Darmstadt, 17. September, wird uns geschrieben: Zum Gebuttstage ber (Yroß- herzogin wurde heute im Hoftheater Boieldieus köstliche komische OperTie weiße Dame" neu einftubiert unb neu inszeniert gegeben. Tas Haus war fast ausverkauft unb festlich beleuchtet. Als bas Großherzogspaar in ber kleinen Ho flöge erschien, brachte Bürgermeister Mueller das Hoch auf bie Fürstin aus, in das die Besucher freudig einftimmten. Die Musik spielte darauf die Nationalhymne. Tie Aufführung selbst dar? als gut gelungen gelten. Ter Spielleiter Otto Nowack hat viel Sorgfalt aut den äußeren Rahmen gelegt, und Kapellmeister Paul Ötten- heimer zeigte sich als sicherer musikalischer Interpret des Wer­kes. Von den Darstellern zeichneten sich aus bie Damen Ka Ile n- ,ee,Beling-Schäfer unb Lischke. Ten George Brown sang Herr Globerger, ber mit einer kleinen Unpäßlichkeit zu kämmen hatte. Ein vottrefflicher Tickson war Herr Thomsen, in Spiel unb Gesang. Herr Stephani charakterisierte den tücknchen Verwalter Gaveston ausgezeichnet.

ks. Mondschein und drahtlose Telegraphie. Die drahtlose Telegraphie arbeitet bei Nacht besser, als bei Tage, weil bas Sonnenlicht bie elektrischen Wellen beeinträchtigt. Curtis macht nun darauf aufmerksam, daß bas Licht bes Monbes ähnlich störenden Einfluß auf die Wellentelegraphie hat, unb führt zum Beweise hierfür Beobachtungen an, bie er auf .einer Station für drahtlose Telegraphie in Brasilien gemacht hat. 5 bis 15 Minuten nach dem Mondaufgange werden nach diesen Beobachtungen die empfangenen Zeichen schwächer; ihre Krast nimmt ungefähr um ein Dreißigstel ab, dann^wächst sie wieder, nimmt wieder ab unb so geht es rociter. Die Stärke ber Wellen bleibt hinter ber nor­malen etwas zurück, bis an der Stelle ber Senbestation ber Mond aufgegangen ist. Zuweilen werden die Wellen dann sogar stärker, als zu erwarten wäre. Tie Klarheit ber übermittelten Zeichen erleidet also nach Cuttis eine Einbuße, und baß das Licht des Mondes hieran Schuld sei, wie der Beobachter meint, ist ziemlich wahrscheinlich. Freilich bleibt eine Bestätigung ber ^Beobachtungen von anderer Seite noch abzuwatten.