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165. Jahrgang
Erster Blatt
M. 107
.Vermischtes" unb
.Gerichtssaal": K. Neu-
(Sntlmrrfc für die Dommosaikru zählen zu seinen Hauptwerken. I verdient die Darstellung des Daniel durch Her: Ohne je Menzels künstlerischer Kraft sich zu nähern, ohne eigent- mann, den der Zettel als Gast nannte.
starkes Talent um ein Darmstädter Engagement zu bewerben.
liche malerische Begabung, aber als Zeichner von geschickter Hand
1910.
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s? < Er Rathaus, die Wandmalereien tin Cas6 Bauer und die ment angemessen zu türmen. — Frl. Heu mann gab die Mirza, vielen DarstelliUigen aus -dem französischen Kriege,, später diel schlicht und echt, ganz wie cs dieser Msagd geziemt. Beachtttng
Aus eines
und Kostüme >varen Kempin _ abgestimmt.
Goetz ton",
rn Armin Wasser- Hicr scheint sich ein
Die heutiqe Nummer umfaßt 10 Seiten.
Verständnis für das Schicksal dec Judith, die um den „einzigen Mann" der Erde trauert. Freilich das hieße den Holoscrnes restlos spielen, und diese Kraft ist wohl nur ganz vereinzelten Darstellern gegeben. Die Begabung des Herrn Heinz aber fordert zu dieser Betrachtung heraus; seine gestrige Schöpfung ruhte scholl auf den Grundpfeilern zu einem solchen Bau; er mag cs sich nicht verdrießen lassen, nun Stein auf Stein diesem Funda-
Ortschaften nach Landau, das reichen Festschmuck angelegt hatte. Unter den .Hochrufen der spalierbildenden Jugend, Vereine und einer tausendköpfigen Menschenmenge erfolgte die Fahrt zu der Festhalte, wo in dem prächtig geschmückten Festsaal die , Begrüßungsansprachen seitens der Spitzen der Behörden, Geistlichkeit usw. stattfanden. Nach dieser Huldigungsseier begaben sich die Herrschaften nach dem Paradefeld, wo die Parade, der Garnison stattfand. Um 12 Uhr trafen die hohen Herrschaften wieder in Villa Ludwigshöhe ein.
und ungetrübtem Blicke, hat Werner hier manches Bild geschaffen, das als zeitgenössische Urkunde seinen Wert behalten wird. In Werners Bildern aus jenen Tagen, die iwch keine Mo- mentphotoßraphie kannten, ist eine mit unglaublicher Gewissenhaftigkeit bis ins letzte Detail hinein durchgearbeitetc Bilderchronik erhalten.
Bei der Neuorganisation der Berliner Akademie wurde Werner Hochschuldirektor, und der Posten des Akademiepräsidenten wurde abgetrennt. Seit 1873 gehört er der Akademie an, außerdem neun anderen Mademien bis noch Earacas hin. Die höchsten
Anton von Werner.
Am 9. Mai begeht der Direktor der Berliner akademischen Hochschule für die bildenden Künste, Wirklicher Geheimer Rat Professor Anton v. Werner, seinen 70. Geburtstag Anton v. Werner, der Sproß einer zwar altadligen, aber verarmten Familie, hat sich aus der Enge emporgearbeitet. In Frankfurt a. O- als Sohn eines Tischlers geboren, wurde er wegen seiner früh sich zeigenden Vorliebe für Zeichnen zum Dekorationsmaler bestimmt. Als Sechszehnjähriger kam er nach beendigter Lehre 1859 an die Berliner Akademie. Als Illustrator verdiente er sich sein Brot. Arbeiten nach Adolf Schrödter, dem humorvollen Maler des Don Quichote, zogen ihn 1862 nach Düsseldorf. Sein bewegliches Talent, das besonders von Karl Friedrich Lessing Anregungen empfing, erntete hier bald gute Erfolge mit den Illustrationen zu den Dichtungen Scheffels.
Kürz vor dem Krieg begann er seine erste große Aufgabe, Wandgemälde int Kieler Gymnasium. Da traf ihn die.Kriegsnachricht. Als Augenzeuge bei der Kaiserproklamation, in Ver^ sailles bereitete er das Bild vor, das die deutschen Fürsten 1877 dem achtzigjährigen Kaiser zum Geschenk darbrachten. Als die siegreichen Truppen in Berlin einsogen, schuf Werner das große Velarium vor dem Platz am Brandenburger Tore „Kampf und Sieg", dann den Fries für die Siegessäule, der in Venedig in Glasmosaik ausgeführt wurde.
Ans Grund dieser Arbeiten traten die Berliner Künstler mit einer Eingabe an den Kultusminister heran, Werner die seit Gottfried Schadow verwaiste Direktorstelle der Akademie zu über tragen. 2lm 6. April 1875 ronrde Werner Direktor. Er galt als ärgster Revolutionär. Einen Sturm des Univilleiis über den hereinbrechenden Naturalismus gab es, als der neue Rektor gleich an eine Reorganisation der Akademie ging und nacheinander ■ Schaper, Hertel, Gussow, Gude als Lehrer heranzog. Die Besuchs- Ziffer vervielfachte sich jedenfalls, und mit der Einführung des Atelierunterrichts, mit durchgreifenden Maßnahmen, erwarb sich Werner gerade damals große Verdienste um die Hochschule. Ms sie 25 Jahre später das langersehnte neue Heim in der Harden bergstraße bekam, galt sie allerdings nicht mehr als Stätte des Fortschritts.
Die siebziger und achtziger Jahre waren des Künstlers Glanzzeit. Er matte für das Berliner Rathaus das Bild des Berliner Kongresses, dem er selbst beigewohnt hat, richtete auf Bismarcks Wunsch die ersölgreiche Deutsche Abteilung der Pariser Welt
ausstellung von 1878 ein, schuf die Rathausbilder für Saarbrücken, zwei Bilder für die Nuhmeshalle im Zeughause. Als 1880 die Panoramamanie begann, malte er mit Engen Bracht und anderen das Sedanpanorama. Tie Treppenhansbilder im
Die Reife des Prinjregeuten von Sayern.
Edenkoben, 8. Mai. Um 2 Uhr fuhr das Prinz- re g e n t e n p a a r im Hvfsonderzug nach F r a n k e n t h a l, überall in den von dem Zug berührten Ortschaften von der Bevölkerung jubelnd begrüßt. In Frankenthal erfolgte die Ankunft um 2.45 Uhr. Nach Empfang am Bahnhof durch den Bezirksamtsvorstand uijj) den Bürgermeister erfolgte im Automobil die Fahrt durch die festlich geschmückte Stadt unter dem Jubel.des Publikums nach dem Rathcms, wo die offizielle Begrüßungsfeier stattfand. Von hier ans erfolgte dann tviederum im Automobil die Fahrt nach Bad Dürkheim zum Besuch der herrlich gelegenen Ruine Limburg. Hierauf erfolgte die Rückkehr nach Bad Dürkheim. Nach dem Vorbeimarsch der Winzer und Winzerinnen in Pfälzer Trachten erfolgte die Weitcrfahrt nach Hildenbrandseck, wo bei Reichsrat Buhl der Tee eingenommen wurde. Bon da aus erfolgte die Rückfahrt nach der Billa Ludwigshöhe.
Heute früh 8.30 Uhr fuhren der Prinz-Regent und seine Ge nrahlin mit den Prmzessineiitöchtern und Gefolge in fünf Auto mobilen von Villa Ludwigshöhe durch die festlich geschmückten
Ehrungen sind ihm zuteil geworden, die ein Künstler empfangen kann; er besitzt die großen goldenen Medaillen von Berlin und
München, den Orden pour le nteritc und ist Exzellenz seit
betrachtet, war ein Erfolg. Dekorationen mit feinem Farbensinn von Herrn Kurt Für die Spielleitung zeichnete Herr Hans
Sreitag, 9. Mi 1915
Bezugspreis: monatlich 75Pf^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantibortlich für den politischen Teil: August
— Judith im Darmstädter Hoftheater. Darmstadt, 8. Mai, wird uns geicbticben: Im Rahmen
für „Feuille-
Herr des Bundesstaats, also der König von Preußen. Und außerdem ist'in -den «meisten Bundesstaaten, anch in Preußen, die „Niederschlagung" durch Verfassungsbestimmungen beschränkt und beseitigt. Nach Art. 49 Abs. 3 der preußischen Verfassung kann der König bereits eingeteitete Untersuchungen nur auf Grund eines besonderen Gesetzes Niederschlagen. Einen Straferlaß also in jenen ältesten und gebräuchlichsten Sinne könnte Wilhelm II. zu seinem Regierungsjubiläum nicht aus eigener Machtvollkommenheit erlassen.
Man sieht, die Amnestiemöglichkeit ist, schon an sich gesetzlich und verfassungsrechtlich sehr beschränkt. Die Begnadigung ist überhaupt nur Beseitigung der Rechtsfolgen des Verbrechens, nicht der begangenen Straftat selbst; diese kann daher auch noch später, insbesondere zur Begründung der Rückfallschärfung, in Betracht gezogen werden. Tie Begnadigung beseitigt nur die Straffolgen, nicht die privatrechtliche Ersatz- und Genugtuungspflicht, läßt also die sog. Buße unberührt. Ebenso haben Berwaltungsmaß- rc'geln, wie die Unterbringung in eine Erziehungs- oder Besserungsanstalt, mit der Begnadigung nichts zu tun.
Trotzdem könnte zu Ehren und zur Feier deT Regie- rungsjubiläums Wilhelms II. manches getan werden, was zur Abmilderung des Strafrechtsdruckes beiträgt, so z. B. durch Begünstigung der S t r a f v e r j ä h r u n g. Tie Straf- Verjährung wird belanntlich durch gewisfe^Handlungen der Strafbehördeu unterbrochen, und diese haben cs in der Hand, hierdurch die vom Gesetz vorgesehene Verjährung einfach illusorisch zu machen. Tatsächlich wird vielfach kurz vor Ablauf der Berjährungspflicht der Steckbrief, der hinter einem Beschuldigten erlassen ist, immer wieder erneuert, so daß eine Verjährung nie eintritt. Eine derartige wahllose Unterbrechung ist mit dem Grundgedanken der Verjährung' unvereinbar und widerspricht dem allgemeinen Rechtsempfinden. Ter Ausschuß, der den Entwurf eines neuen Strafgesetzbuches ausarbeitet, will die Unterbrechung der Verjährung bei der Strafverfolgung ganz beseitigen. Ein königlicher Erlaß aus Anlaß des Regierungsjubiläums könnte bis zum Zustandekommen des neuen Strafgesetzbuches den vom Ausschuß gewünschten Zustand jetzt schon herbeiführen. Es wäre auch eine Amnestie.
Hebbel-ZykluS wurde gestern „Judith" gegeben. Tie Aufführung in ihrer Gesamtheit
— D i e b a y r i s cd - t i r o l i f ä) e Bahnlinie Parten- ! i r tf) c it — Reutte. An der Südostgrenze des Deutschen Reiches scheidet die dem Zentralkamm der Alpen vorgelagerte sogenannte nördliche Kalkalpenkette Bayern von Tirol. Es führen eine Anzahl für Wagen gut benutzbare Pässe hinüber, aber mit Eisenbahnen hatte man lös zum vorigen Jahre dieses Greuzgcbirgc nirgendwo überquert, sondern bloß im Westen am Bodensee und im Osten unter Benutzung des Jnntals umgangen. Das ist nun seit dem Bau der Gebirgsbahn Innsbruck—Scharmtzpaß—Mittenwald— Partenkirchm, der namentlich auf österreichischer Seite manche technische Schwierigkeiten zu überwinden hatte, anders geworden. Während der durchgehende und der Güterverkehr andauernd die dem Inn folgende, aller größern Steigungen entbehrende Bahn linie München—Rosenheim—Innsbruck benutzen werden, ist es für Vergilügungsreisende, die von München nach Innsbruck fahren wollen, jedenfalls vorteilhaft, sich des landschaftlich schönen neuen Verkehrsweges zu bedienen. Ein weiteres reizvolles Stück alpinen Geländes wird dem Eisenbahnverkehr demnächst, wahrscheinlich schon zu Pfingsten, durch eine Art von Fortsetzung der 191 l» Kl ui. langen Strecke Innsbruck—Partenkirchen, nämlich durch die 42,2 Klui. messende Linie Partenkirchen - Reutte, erschlossen werden. Rentle ist der wichtigste Ort eines nördlich der ermähnten Kalkalpenkette gelegenen und durch sie vom übrigen Tirol geschiedenen österreichischen Gebietsstückes. Bisher besaß Reutte eine Eisen bahnverbindung bloß über Kempten nach Bayern hinein, nicht aber mit Oesterreich. Ein unvermittelter, nicht über deutsches Gebiet gehender Babiianschluß Renttes an Tirol und das übrige Oesterreich wäre bloß mittels der vielerörterten Fernpaßbahn möglich, bereu Bau aber noch in weitem Felde steht. Es ist also für Reutte und das ganze nördlich der Kalkalpen gelegene österreichische Ge biet ein großer Vorzug, daß jetzt mittels der demnächst zu eröffnenden neuen Bahn ein wenn auch über deutsches Gebiet gehender, so doch ununterbrochener Schienenweg mit Innsbruck hergestellt wurde. Die Vollendung der neuen Bahn ist einer seits von den Jnnsbruckiwn, denen der Fremdenverkehr Tirols am Herzen liegt, und anderseits von den Augsburgern, die durch München von ihrem alten Handelsverkehr nach Süden hin ale- gedrängt mürben, lebhaft herbeigesehnt morden. Dem Reisepublikum des heurigen Sommers sei, wenn es Oberbayern oder Tirol besucht, die Benutzung der neuen Linie angelegentlich empfohlen. Sie umgeht zwar in weitem Bogen den schönen Plausee, erschließt aber etwa halbwegs zwischen Partenkirchen unb Reutte jenen bem Westabsturz des W e 11 er stein- Gebirges unb der Zugspitze vorgelagerten weiten Talkessel, in bem unterhalb des Fern pap es die eigenartig altertümlichen Orte Ehrwald« Lernwos und Bieber iuicr liegen.
Der König von Spanien in Paris.
Trinksprüche.
Paris, 8. Mai. Präsident Poincare gab gestern abend zu Ehren des Königs von Spanien im Elysee ein Galadiner, dem die Präsidenten und zahlreiche Mitglieder des Senats und der Kammer, hervorragende Vertreter der Kunst und Wissenschaft und die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden beiwohnten. Hierbei hielt der Präsident folgenden Trinkspruch:
Sire! Frankreich, bas die beiden letzten Besuche Eurer Majestät in dankbarer Erinnerung behalten hat, gedenkt bewegt- der Sympathie, die Sie ihm stets bezeugt haben. Es ist glücklich, von neuem einen Herrscher zu bewillkommnen, der es durch seine Treue, Anmut und Tapferkeit zu bezaubern gewußt hat. Es begrüßt in Ihnen eine edle Nation, die der Geschichte so viele ruhmvolle Seiten diktiert und der Welt, so viele Beispiele von Ritterlichkeit geliefert hat. Ich beglückwünsche mich besonders, Eure Majestät nach bem einmütigen Votum empfangen zu können,, durch welches die üesetzgebenden Versammlungen unserer beiden Länder unseren M a r o k k o v e r t r ä g e n ihre Billigung gegeben haben. Die langen und höflichen llnterhand- lungen, die zu den jüngsten Abkommen geführt haben, würden, menu es dessen bedurft hätte, Spanien und Frankreich in die Lage gebracht haben, sich einander besser zu kennen und noch mehr zu schätzen. Nicht erst seit gestern haben die beiden großen benachbarten Völker die enge Solidarität ihrer Interessen unb die ständigen Ursachen ihrer überlieferten Freundschaft begriffen. Aber indem sie von jetzt an mit gegenseitige:n Vertrauen an einem Werke der Zivilisation und des Friedens Zusammenarbeiten werden, werden sie klarer als je in ihrer Nachbarschaft eine Lektion der Natur und in ihrer Verwandtschaft ein Gesetz ihrer Bestimmung erblicken. Ich erhebe mein Glas zu Ehren Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Königin, des Prinzen von Asturien und trinke auf die Größe und bas Gedeihen Spaniens! ,
Der K ö u i g erwiderte:
Sie haben mir soeben ein Willkommen geboten v.t Ausdrücken, bic nur die Bewegung steigern können, die mich ergreift, wenn ich mich aur bem Boden dieses edlen Frankreichs befinde, das mir immer so lebhafte Sympathien bekundet. Ihre Worte gehen mir unmittelbar zu Herzen. Sie werden auch die K ö- n i g i n tief rühren, die lebhaft bedauert, au dem heutigen Tage die kostbaren Zeichen der Freundschaft, die mir gegeben wurden, nicht mit mir empfangen zu können. Die spanische Nation nnrb mit Freuden in bem warmen Empfang, der mir bereitet, a b er - mal? b i e brüderlichen Gefühle f c ft ft e 11 c n , die das französische Volk für sie hegt. Unsere beiben Länder, bisher Nachbarn in Europa, luerben es von jetzt ab auch in Afrika sein. Sie werden sich freuen, in den von ihnen gesiegelten Verträgen die Bahn erweitert zu haben, die ihnen gestatten wird, jeden Tag mehr die zahlreichen sie einigenden Bande zu befestigen und ihre Mitarbeit immer enger zu gestalten an einem Werke des Friedens und des Fortschritts. Herr Präsident! Ich erhebe mein Glas auf Ihre Gesundheit unb auf das Wohl Frankreichs!
9lad) dem Galadiner unterhielt sich der König mit verschiedenen Herren, mit den Ministern, den Präsidenten des öcnaty und der Kammer, Lvubet, Driand und Bourgois. später fand ein glänzender iEmpsang statt, welchem viele Mitglieder der Diplomatie, der Wissenschaft, Kunst, Litcra-
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GietzenerFamilienblatter: -iveimalwöchenll.ureis- blatt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 i Adresse ^nr Depeschen:
Amwhme^von Anzeigen Kotationsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Fchukstrahe 7. Land": E.Heß;^sür den bis oom^^atog§n9nuf)r" Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.
Baicrneister, der sich zu einem recht tüchtigen Regisseur zu entwickeln scheint. Vielleicht hätte man die Volksszeneu etwas charakteristischer heransarbeiten können. Ein früheres Mitglied der Darmstädter Bühne, Frl. Teresina Oster «jetzt am Hoftheater in Dresden), spielte die Titelrolle. Manches beutete au, baß die Künstlerin noch rinnt al eine Judith iverdeu wird, heute ist sie es noch nicht. Sie muß iwch zu sehr am äußeren Gestalten arbeiten, das noch nicht organisch aus dem Innern hervorbricht. Die Künstlerin scheint das aber selbst zu fühlen. Sie sucht durch Sprachtechnik manches wett zu machen. Allein mit leisem, kaum vernehmbarem Ton werden keine Seelenkonflikte gebeutet. 9hm der Holofernes des Herrn Hein z. Schauspielerisch ohne Frage eine achtunggebietende Seifhmg. Die Wirkung des Dramas hängt aber wesercklich von dem iSinbrurE ab, beit wir von ber Gkftalt bes Holofernes empfangen. Sie muß ins Riesenmaß gesteigert sein. Sein Tob muß nicht allein befreien, sondern auch erschüttern. Empfinden wir so, dann erst haben wir das rechte
Line 3ubiläumsamneftie?
Man schreibt uns:
Kaiser Wilhelm II. wirb, so heißt es, altem Brauche folgend, an seinem Regievungsju'biläum eine Amnestie erlassen. Man will darüber vorläufig nur soviel wisseu, daß sie. uicht Mer eine Strafgrenz.e von etwa 0 bis 8 Wochen oder 500 Mark hin aus-reich en werbe. Ein Straferlaß in großem Umfange sei kann: wahrscheinlich. Es stehe uicht zu erwarten, daß p o li tische. Veraehen in weiterem ALaße von der Amnestie betroffen werben. Die Beschränkung auf eine so uiebrige Skrafgretrze, wie bic genannte, erscheint allerbiugs wenig -großzügig, wenn man bedenkt, baß in einem1 Jahre in Straffachen ll/3 Millionen Deutsche verwickelt werdeu, V_> Million wegen Vergehen nnb Verbrechen verurteilt werden, wozu noch Hnnderttausenbe von Bestraften kommen, die wegen Uebertretung vom Gericht oder durch Polizeimaubat Strafe erlitten haben. Es wäre ein geradezu verschwindender Prozentsatz dieser Zahlen, ioeun eine so niedrige Straf grenze bei der JubiläumS- anmeftie eingehalten werden würde. Die Amnestie, die wörtlich ein Vergessen sund Verzeihen begangener Verbrechen bedeutet, ist nichts anderes als eine Form der Begnadigung, indem sie U.ttersuchungen niederschlägt, bereits verhängte Strafen erläßt oder beendigt und bic Folgen der ^erstandenen tilgt. Tie Amnestie unterscheidet sich von der gewöhnlichen Begnadigung nur dadurch, daß sie ein Akt der Politik ish daß sie einen mehr oder weniger allgemeinen Charakter trägt und daß sie die verwiritcn Strafen allen von ihr ergriffenen Personen ohne Rücksicht darauf erläßt, oh sie der Begnadignugsinstanz bekannt sind oder nick)t. Der Träger des ^Begnadmungsrecht ist in allen Fällen (auch in dem der Antrags- nno Privatklageverbrechen) der Staat intb zwar bäld das Deutsche Reich, das durch den Kaiser, bald die Hentschen Einzelstaaten, die durch ihre Landesherrn dezw. die Senate von Hamburg, Lübeck und Bremeu das Beguadigungsrecht ausüben. Wilhelm II. als Deutschem Kaiser steht das Begnadigungsrecht, nicht aber etwa die Niederschlaguug> allerdings nur in einem gesetzlich eng' begrenzten Umfange zu, nämlich nach der Strafprozeß- ockduung (§ 484) in Sachen, in denen das Reichsgericht in erster nntt letzter Instanz erkannt hat. Dies wäre also nicht nur bei Hoch-- und Landesverrat gegen Kaiser und Reich sowie bei Spionage, sondern auch bei deu gemäß § 3 der Strafprozeßordnung mit diesen „zusammenhängeuben" Verbrechen, der Fall. Also- auch bei Versuch und Teilnahme, nicht aber dei Begünstigung und unterlassener Anzeige. Zweitens hat der Kaiser Beanadigangsrecht nach bcml Gesetz vom 7. April 1900 betreffend die Konsulargerichtsbartiit § 72 in 'Sachen in b-enen ber Konful oder das Äonsnlargerich't in erster Instanz erkartnt hat. Auch in Elsaß-Lothringeu lierrscht kaiserliches Begnadigungsrecht. Es kann seiner Ausübung nach dem Statthalter, aber auch — und dies dürfte etwas bedenklich erscheinen — an die Vorsteher verschiedener Verwallungszweigc auf landesrechttichem Wege übertragen werden. Endlich steht dem Kaiser ein Bc- gM-digungsrecht zu hinsichtlich der Strafurteile der Mariue- gerichte, sowie der von bht Reichs v>erwa Ihm gsbe hör den er- i Offen en Strafverfügungen.
Ju allen üb eigen Fällen hat der Kaiser als solcher fein Begnadigungsrecht, sondern nur der Landes-


