Ausgabe 
17.9.1913 Erstes Blatt
 
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Arbeiterbewegung.

Birmingham, SeW. ZwölkVahnarbeiter auf dem Güter bahn Hof der Midlandrcnlwav, die sich rortgerten, die ton Liverpool kommenden (thurr um- und au^ulobcn, wuroen ent­lassen Taraushin legten die anderen Arbeiter bi? Arbeit nieder Gegenwärtig feiern tausend Arbeiter des Güterbahnhoss

Lnftschiffahrt.

Ueber den geplanten Ausbau des Luftschiffs- und Flug­wesens in der deutschen Marine

erfahren wir: Tic Katastrophe mit dem ersten Marinelust- schiss bei Helgoland wird die Pläne deS Reichsmarineamts bezüglich des Ausbaues des Marineflugwesens nicht erschüt­tern. Zunächst wird der neueL 2" von der Marineverwal­tung übernommen und sofort in Ticnit gestellt werden, tur den untergegangenen Marineluftkreuzer wird ein Ersatz- bau bestellt werden. Irn nächsten Jahre werden wettere Bestellungen auf Marineluftschisfe erfolgen. Die Pläne der Verwaltung gehen dahin, z e h n s o l ch e r Luits d) i N c allmählich zu erwerben und zwar sollen alle L'inncbinc aei Curdaven stationiert werden. Zn Dienst gestellt werden amt Schiffe, '.wei bleiben als Materialrcservc. Für die acht rd)inc der Ausklärungslustflotte sind vier Doppeldrehhallen, für die Reserve zwei feste Hallen geplant. Dazu kommen Kasernen für die Marinelustschifsertruppen. Die Kosten werden von Jahr zu Jahr etat^mäßig angeiordert werden, bis der C'ic samtplan ausgesührt ist Die L bcnsdauer j ^e-' Lustkreuzers währt vier Jahre, nach Ablauf dieser Zei. ist ein Ersatz einzustellen. ' p

Für die Flugzeuge besteht folgender Plan: Zu schat- sen sind eine Mutterstation und sechs Aunenstationen mit einem Bestände von 50 Flugzeugen, 36 Flugzeuge stehen im Dienst, 14 bleiben in Reserve Die Mutterstation erhält einen Flugplatz und Kasernements. 3in Frieden sind die Ausjenstalionen nicht besetzt, erhalten aber Flughallen und Materialbedarf. Das zurzeit durch die Helgoländer Kata­strophe zusammengeschmolzene Personal wird von Jahr zu Fahr verstärkt werden, je nach den fortschreitenden In­dienststellungen in der Marinelustslotte. Die Maximalstärke wird 1480 Mann betragen.

Diese Pläne sollen in etwa a ch t Jahren durch- ge führt sein. Die nächsten beiden Etatsjabrc (1914 und 1915) werden etwa 22 Millionen Mark erfordern.

Zunächst mögen diese Pläne noch etwas abenteuerlich erscheinen, namentlich nach der Helgoländer Katastrophe, die bei vielen Fachmännern die Verwendbarkeit der Zeppeline im Verbände der Flotte bezweiseln läßt. Man wird aber aus dem eingeschlagenen Wege trotz alledem fortschrcitcn. Noch vor wenigen Jahren besäst Deutschland noch kein ein­ziges Unterseeboot, 1906 das erste, bald werden cs 72 Boote sein. Vor sieben Jahren 50 Mann Untersecbootspersonal, zurzeit 827 Mann, im nächsten Jahre 2600 Mann. Aehn- lief) wird die Entwicklung bei der jüngsten Waffe fein.

(Ein Automobilunsall »es deutschen Militärattache'; v. winterseldt in Paris.

Paris,. Sept. Der deutsche Militärattache in Paris, Major v. Winterseldt, welcher Deutschland bei den großen Armeemanövern int 3üben Frankreichs vertritt, fuhr heute früh mit seinen russischen und griechi- schen Kollegen in einem Automobil, in welchem auch der mit der Führung der fremden Offiziere im Manöver­terrain betraute französische Oberst Dupont säst, infolge deS Bruclws eines vorderen Pneumatiks gegen einen Baum. Die Insassen wurden herauSgeschleudert. Dabei erlitt Major v. Winterseldt Quetschungen an der Brust und an den Beinen, welche jedoch keinen sehr gefährlichen Cha­rakter zu tragen scheinen. Major v. Winterseldt behielt volles Bewusttsein. Er wurde sofort in einem aus Toulouse herbeigeholten Ambulanzauto in das Militärhospital ge- sdiafst. Die anderen Militärattaches erlitten leichte Ver­letzungen.

DieAgence HavaS" meldet noch folgende Einzelheiten:

Der Unfall ereignete sich auf der Garonm-brücke in Grisolles. Der Wagen fuhr in mästigem Tempo, als ihm ein Fuhrwerk entgegenkam, das auf der Mitte der Straste fuhr. Ihn einem Zusammenstoß auszuweick>en, machte der Chauffeur einen großen Bogen und bremste. Das Tempo war bereits sehr verlangsamt, als der Reifen des Auto­mob i l s platzte. Der Wagen kippte um und im selben Auaenblick fing der Bsuzinbe Halter Feuer. Die Insassen der folgenden Automobile kamen den Verunglück­ten zur Hilfe. Man hob v. Winterseldt sofort auf und trug ihn in ein Privathaus in Grisolles, wo ihm Militärärzte die erste Hilfe angedeihen ließen und feststellten, daß der Zustand nicht ernst zu sein schien, obgleich er über sehr heftige innere Schmerzen Nagte. Er trug zwei leichtere Verletzungen am Kopfe, jedoch keinen Bruch davon. Sobald Präsident Poincarb von dem schweren Unfall erfuhr, sandte er den Oberst Aubert von seinem militäri­schen Ok'folgc, um sich nach dem Befinden des Verletzten zu erkundigen. Ein ivenifl später, als der Präsident der Republik nm 10.30 Uhr in l Isle Ioudain an kam, konnte er zu seiner Befriedigung erfahren, dast der Zustand des Verletzten nicht so ernst ist, wie anfangs geglaulK nmrbd. Der nriegsminister Etienne telegraphierte, sobald er von dem Unfall Kenntnis erhielt, an das .Hauptquartier, um Einzelheiten über den Unfall und um Meldungen über den Zustand des Verletzten zu erhalten. Er setzte die deutsche Botschaft davon in Kenntnis.

2tii5 Stabt iinb Land.

Gießen, 17. September 1913.

Vom Manöver des 18. Armeekorps.

fr Hauptquartier ©i rite in, 16. Sept. Sieg brr Hess en über die P r c u ft c n.

Tic blaue beniiebe 25 Tiviiion war bekanntlich geftern abend östlich des Rabenstriner Grundes auf Freien-Steinau lurüdgcgau- gen, batte auf Befehl ibrcd Kommandeurs, des Generalleutnant v Plüskow, den südwestlich von Freien-Steinau liegenden Winter­berg geschanzt und dann biwakiert.

Die rote 21. Division unter ihrem Kommandeur Gcncrallcut- nant v Hollen folgte ben Aiitürfgc bcnh.it 7 ruinvn bis an bat 8al*- bach westlich Rebsdors nad) dem Hoherotd-Berq bin und hatte bert die II. ^nfantericbrigabc, bei Fi|chh»ni die 12. Biwaks be­zogen

Mit beginn en dem Licht tratRot" beute den Vormarsch zwi­lchen Rabmübl und Wettges auf Salz an. doch infolge des berr- frtienbeit starken Ncl'dd vcrzögcNc sich der Vormarsch, zumal die Aufllärung kaum möglich gewesen

Die Haue 25. Division gab. als ihr der Vormarsch der Roten gemeldet, die verschanzte 3tdhnta ant Winterberg au», ließ ne nur sänvach als Scheinstellung Irietzt, zog fid> nach Norocii nach dem Röder Büppel und nahm bter eine formidable i'mttien an. 3brr Artillerie, Regiment 25 int» 61, hatte

qrifjsrichtimg erkannt und bevor .Liot feine Bau erzen aufgeiahren Tic schweren Felddaubitzen standen mablgcbaft au» dem 'luovcl, bic rote 2L«5)iuüwn war gedeckt in dem Walde westlich Radmuhl

vorgerückt, auf dem rechten Flügel die 3nfantm?reqimader 38 und «7, links anschließend die Regimenter -^0 tnu 81 und hatte den Wald südwestlich von Salz erreicht Tiefer Vormarsch warBlau" rechtzeitig durch eine craftc Flicgermcldung imtgeteilt nvrscn. Der Nckel hatte sich, ic mehr die Stunden br-: Tages vorrückten, »er- zogen und war der Macht der Sonne gewichen, so bar die Fi.eger- oftizierc mit ihren Flugzeugen an der Uebung Mitwirken konnten, tnirbci ereignete es sich, daß eine Meldung von einem roten Flieger Blau zugeworfen wurde, die Mannschaften der blauen 10/117 auningen Gegen 11 llhr gingRot" durch Salz aut ben Röder-Küppel zum Angriff über, nachdem seine Artillerie, die Regimenter 27 und 63, aus der Höhe südwestlich Tal', aitfgef.ihren und oerwendungsberc11 war, die ichweren Fcldhaubitzci:, Fußart.-

Regt. 3, nordöstlich Wettges in Stellung gegangen, die Iniam rie. Regt. 88 und 87, dem Bereich des blauen Gewebrieuers genaht, die Artillerie ausreichend die feindliche Artillerie beschiftigt, einen möglidnt großen Teil ihrer Feuerkraft aber auf die blauen 117er gelenkt- Em überwältigendes Feuer wurde auf die blauen Truppen am Röder'Ä'üppel gerichtet, die noch zurückgehaltenen Teile der Artillerie eingesetzt und die Maschinengewehre 88 gegen die am westlichen Teil des Röder-Kuppels befindlichen Masclnncngewehrc 118 in Tätigkeit gesetzt. Unter dem Heulen der Geschütze, dem nervenerschülternden TafTafTal der Maschinengewehre und dem Geknatter der Gewehre stürmte die rote 41. Brigade gegen hie feindlichen Schützenlinien am Röder-Kuppel vor Mit Hurri wurde III. 117 geworfen. Die rote 42. Infanterie-Brigade auf dem linken Flügel jedoch konnte den Angriff nicht mumacken, da sie noch nicht gefechtsbereit war Während III 117 geschlagen zurückflutete, zog Blau Verstärkungen heran zum Gegenstoß. Er gelang Tic 87er und 88er wurden auf Salz zurückaeworfen und gleichzeitig vom blauen Ins -Reg. 118, das aus ter Richtung von Freien-Steinau vorbrach, der rote rechte Flügel, Reg 88, völlig umfaßt und niedergerungen, ehe die 42 Brigade, Regimenter 80 unb 81, Hilfe bringen konnte In dem Moment wurde das Gefecht durch das SignalDas Ganze Halt?" abgebrochen. Das Manöver des 18. Armeekorps, ein in allen seinen Teilen kriegs­mäßig durchgeführtes, hatte fein Ende erreicht. Die Trutoen der 21. unb 25. Division bezogen am Nachmittage nun friedlich nebeneinander Biwak bei Nieder Moos, von wo sie morgen unter Führung des kommandierenden Generals v. Sckenck aufbrechen und gegen einen markierten Feind kämpfen werden.

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Orden Sangelegenheit. Der Großherzog hat dem Großherzoqlichen Gesandten und bevollniächticiten Minister am Königlich Preußischen Hofe und Bevollmächtigten zum Bundesrat Geh. StaatSrot Dr.-Ing. Maximilian Freiherrn von Biegeleben die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen deS ihm vom Großherzog von Sachsen-Weimar- Eisenach verliehenen GroßkreuzeS deS HauSordenS der Wach­samkeit oder vom weißen Falken erteilt.

Auszeichnung. Der Groß Herzog hat dem Landbriefträger Adam Scholl in Fränkifch-Crumbach daß Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste verliehen.

** Wegen des Geburtstages der Großher­zogin, die heute ihr 42. Lebensjahr beginnt, sind die Schulen geschlossen und die amtlichen Glebäube beflaggt. Auch einige Behörden haben Feiertaqsbienst.

** Unser Regiment kehrt ficute nacht zwischen 1 unb 2 Uhr aus bcm Manöver zurück.

** Kunftexamen. Dem Schreiner Will» Heiner hier, der auf Grund hervorragenber Leistungen aus bcr Bau­sachschule zu Blankenburg am Harz zur erleichterten Prüfung für ben Einjährig-Freiwilligen-Dienft zugelasfen war, hat gestern biese Prüfung bestanben.

"Ein st ellungbesBer fahrens. Wir berichteten s. Ht. barüber, baß bcr Apotheker geh ilfe H. bahicr wegen MeineibsvcrbachtS in Untersuchungshaft genommen worben fei. Die uns bamals geworbene Information, baß der k l a r c Beweis für seine Täterschaft erbracht fei, hat sich als nicht zutreffenb erwiesen. Herr H. ist vielmehr burch Beschluß bes Großhcrzoglichen LanbgerichtS Gießen, Ferienslraskam- Sner, vom 23. August 1913 außer Verfolgung gesetzt, bcr gegen ihn erlassene Haftbefehl aufgehoben, unb bie Kosten bes Verfahrens sind ber Staatskasse auferlcgt worben. Da bic Staatsanwaltsck-aft biefen Beschluß nicht angefochten hat, so ist bas gegen Herrn H. eingeleitetc Verfahren enbgültig eingestellt. Wir hatten über bic Einstellung bes Verfahrens bereits kurz berichtet, haben aber ber vorstchenbcn Zuschrift 'wchmals Raum gegeben, weil, wie uns mitgeteilt wirb, bic Meinung verbreitet ist, Herr H. sei nur gegen Sicherheits­leistung auf freien Fuß gesetzt.

** Ein Weltreifender. Heute morgen sprach bei uns ein Weltreisender Emmerich von Fiebinger vor, bcr bereits seit dem H>. Dezember 1904 von San Franzisko aus unterwegs ist und Kanada, Alaska, Nordasien, Japan, Edina, Arabien, Nord asrika, Spanien, Frankreich, Italicn, Griechenland, Balkanstaolen, Ungarn, Oesterreich, Schweiz, Württemberg, Baden, Pfalz, Luxem­burg, Belgien, Rheinproviuz, HessewNapau und Hessen bereist bat. In Bad-Nauheim baue Herr Fiebinger drei Tage Station und wegen hoben Fiebers das Krankenhaus aussuchen müssen. Von Gießen aus will er über Kassel nach Berlin marschieren, iuh von Berlin nach Emden wenden, von dort nach England über­setzen. Nach England bat er noch 1000 Milometrr in Südafrika zu erledigen und bereift nachher Australien 6000 Kilometers Durch Südafrika kehrt er nach San Franzisko zurück. Ter Aelt- reisende gedenkt in Jahren spätestens wieder in San Franzisko zu sein Er hat noch zirka 14 000 iHlometer zurückzulegen, während er bereits 96 650 Krlometer hinter sich hat. Emmerich von Fiebinger legt durchschnittlich 40 Kilometer am Tage zurück unb bat trotz seines langen Marsches seinen Humor noch nicht verloren. Zur Weltausstellung im Jahre 1915 will er wieder in San Franzisko sein. Falls ihm dies gelingt, dann hat er seine Wette, die Welt in 12 Iuhren ohne Geld zu durchreisen, ge­wonnen und bat in verhÄtniSmäßig kurzer Zeit die 60 000 D. verdient, die ihm als Lohn für ferne Entbehrungen und Müden werden, v. F., der aus Siebenbürgen stammt, ist seinem Berufe nach Ingenieur, und wird voraussichtlich hier einen Vortrag über feine Reife halten.

Landkreis Gießen.

a. Hungen, 16. Sept. Bei der heutigen Gemeinde- ratSwahl wurden gewählt: Karl Stein, Landwirt, mit 161, August Schäfer, Holzhändler, mit 137 und Johanne« Verleit, Kaufmann, mit 107 Stimmen.

Kreis Alsfeld.

Im Alsfeld, 16. Sept. Stadtvorstandsfitzuna.) Anwesend: Bürgermeister Dr. Vössing als Vorsitzender, die (Mc- mnnberxit6nutghebtT Koch. Ramspeck, Müller, Braun. Mlmgcl- bdffer, Gundrum, Jakob, Enocrs, Eder, Bastian, Arnold. Fest­setzung bcr Gebühr für bic Trichinenschau Ta.- Großd Ministerium des Innern bat dem i^emeinderatsdeschlusz vom 8 Juli 1913, bie Gebühr für TnannenfrfHu auf 25 Psg für da» -r-tiid festzusehen, wovon der Beschauer _*) Pig er halten unb der Rest in die Stadtkasse stießen solle, die l^cncbmigun« versagt, bo <4 Bedenk n trägt, daß eine so geringe B z chluna c»eS Beschauers nicht für eine sorgfältige Veoback tun oer Vorichiiw'i der Fleischbeichauordnung bürge und »anal eine geropfcnbiiftv Untenudning des Fleische» glichen sei 3n Schl eck, thöfen begenen in denen unter stündiger Kontrolle eines Tierarye» wu Hilke em es 7eid)tnoifoi** große Mengen von scdweincn untersucht würden erschein'- eine verhältnismäßig mebrige (Hfbübi »uLiHig. Im übrigen ist da» Minister-.um damit hnrrrftanN n. baß t*nx Tri- diinenfctaurT für die llnterfudning eines Schweines oder miet ein- geüHjrtcn Fleischstückes 50 Vfg. vergütet werden. Ter Staowoc-

stand beschließt, dem Vorschlag ber Schla^tbausk. mmisnon e:U- spreckend, die Trichinenschaugebühr auf 50 Vfg ür

ßstzusetzen unb zwar allgemein mit Strlung rom 1. Oktober 1913 ab Von dieser Gebühr 'oll der Beschauer 40 Pig. erhalten Erlaß erner Zusatzbestimmung für b i e trief tri« zitätSwerkSsatzung bejüglid; Sicher heiis lei­st ung. Ter Vorsitzende führt hierzu aus, daß das Beitreibung^- Dcriauren nicht bic genügende Sicberhen für den Gingang dce sbädtuchen Gefälle biete unb die Erfahrung gelehrt habe, rote not­wendig es fei, daß die Stac>t tu einem Mittel greife, welch > roettcren Verlusten der Scadt bet Konkursen usro. vorbeuge. Tic tiermit vom Staftvorstand bereits betraute Mommifiion schlage vor, in bic Satzung über die Abgabe von elektrischem Strom aus dem Eleftrijitätswerte zu Alsfeld eine Bestimmung auf zunehmen, wonach die Stadt Alsfeld berechtigt ist, für den Eingang des Stromgeldes Sicherheit in der von ihr zu bestimmenden Art und Höbe zu verlangen. Er bittet, diesen Vorschlag amunchmai. Gemeindcrat Jakob äußert Bedenkm dahin, daß es roobl nicht gut angängig sei, diese Bestimmung bei gewissen Vcrsonenklasscn durch zu üihrcn: er hält hingegen eine allgemeine Zurrbfübrung für ratsam. Nach eingehender Aussprache nimmt ber Stadtvor- stand den Vorschlag der Kommission an mit dem Zusatz, daß dem Gemcinderat in ,edcm einzelnen Falle bic Entscheidung milcht. Auf liochmaliges Schreiben des Großb. Finanzamts Alsfeld, worin das Verhältnis der auf die Gemarkungen Alsfeld und Eifa entfaltenden Teile der Bahnlinie genau angegeben ist, beschließt der Skadworstand, nunmehr unter Aufhebung seines Beschlusses vom 2. September l. I. btc Verteilung der (Gemeinbefteunn der Firma Werner u. Lücke so vorzunehmen, daß gleichmäßig die Hälfte auf die Stadt Alsfeld und dte Gemeinde Eifa enteilt. Geländeerwerb von der Firma L. Wallach zur Er­bauung bcr 3u fuhr ft raße. Die Firma L. Wallach hatte das in die zu erbauende Zufuhrftraße fallende Anlvefen am 1. Juli 1913 schulden- und lastenfrei an bic Stadt Alsfeld zu überliefern, worauf die Zahlung des Kauffchillings in Höbe von 50 000 Mark vertraglich zu erfolgen hatte Nachdem icdoch die Angelegenheit teils mit, teils ohne Verfchulden der Firma eine Verzögerung erfahren batte, und Zahlung des Kaufmeises nicht rechtzeitig und vertragsgemäß batte erfolgen können, ist die Firma L. Wallach um Erstattung des Zinsverlustes eingekommen und hat ihr Verlangen in einem von dem Vorsitzenden bcfanntgcgcbmcn schreiben insofern zu rechtfertigen gesucht, alS sie an der Ver­schleppung der Sache keine Schuld trage. Der Vorsitzende bemerkt hierzu, daß auch die Slabt in keiner Weise ein Verschulden treffe, unb er bereits das Ansinnen abschlägtich beantroortet habe. Herr Wallach wünsche jedoch eine Entscheidung durch den Stadtvorstand und die Finanzkommission habe demzufolge vorgeschlagcn, der Firma Wallach für den geltend gemachten Zinsanspruck, bic Zinsen von 50 000 Mark vom 10. Juli 1913 bis zur Auszahlung des KausgeldeS mit 4* ? Prozent zu vergüten. Nach eingehender Aus­sprache wird der Vorschlag zum Beschluß erhoben DeS weiteren

beschlossen, der Firma L. Wallach für Erfüllung deS ß 4 des Kaufvertrags vom 16. Januar 191.3 für das AiiSmauem ber Ccffnung am Giebel des alten Brauhauses einen Betrag von 40 Mark zu gewähren. Ob dieser Betrag bie Firma L. Wallach ober deren Rechtsnachfolger zu bekommen hat, soll brr Entscheidung ber Bürgermeisterei überlassen bleiben. Dem Gesuch brr Firma L. Wallach wegen Erwerb ber Mauer vor dem alten Braubanse wirb gegen eine Kaufsumme von 15 Mark ohne Pfeiler stattaegeben. Hierauf bringt Gemeinberak Koch ein Gerücht zur Sprache, nach bent bcr neue Balmbofsvlatz tiefer gelegt werden soll, unb somit die zu erbauende Zufuhrstraße eine mäßigere Steigung, als ursprünglich angenommen, erhalten solle. Die An­regung hierzu dürste gewesen sein, daß bcr Neu­bau Schäfer hierdurch mehr in seiner Lage gewinnen würde. Er bittet, ber Sache auf ben Grund zu geben. Der Vorsitzende er­widert. baß auch ihm bas Gerücht zu Obren gekommen sei Er habe sich mit bcm Vorstand bcr Eisenbahn baiiabteilung Als selb ins Benehmen gesetzt unb erfahren, haß »oohl Briese darüber ge­wechselt, aber feine Entscheidung zustande gekommen in frrrr Bau- inspektor Westphal habe versprochen, ber Eisenbabndirektion ent­sprechende Mitteilung zu machen. Herr Braun erklärt, baß er bet bcr Eisenbahnverwaltung diese Erwägung angeregt habe, da die vorgesehene Steigung von 1: 18 viel au steil sei unb zwar noch weit abschüssiger als bie rnftt bcr geplanten parallel laufcnbeir Marburger Straße. Wenn auch bas GesAle jetzt als nicht zu steil betrachtet werbe, so werbe bcr Stadtvorstand. nachdem die Anlage fertig fei, sicherlich seine Meinung ändern. Eine Tifierlrgung des BahnhosSvvrplatzes, wodurch bas Steigungsvcrhältnis der nennt Straße doch minbestens aus 1:22 bcrabgeniinbcrt werde, liege so- wohl int Interesse bcr Stabt als auch im Interesse des Herrn Schäfer, und auS binem Gesicht piintte hab

Wege bic bezeichnete Anfrage gestellt Herr Ramfpeck bcm er Fl hit- zu, daß man doch früher allgemein bic bezeichnete Slngung ge­billigt habe, auch Herr Braun habe sie für hinreichend erachtet: er bedürfe hier der Aufllärung und glaubt, cs fei richtiger ge­wesen, wenn Herr Braun im Stadtvorstand einen ent­sprechenden Antrag gestellt habe Gemeuiderat Eder pslicht^ der Ansicht Ramspcckü bei unb cradjtet ben Beweg»Trnnd zu der An­regung des Herrn Braun ticierliegnib, da doch irüber olles a& stimmt habe, unb jetzt stimme cS auf einmal nneber nicht. Gemeinde- rat Braun erwidert hierauf, daß er das Recht hab, eine Frage zu stellen. Das alte Brauhaus, bad ursprünglich alS Armenhaus gedacht war, soll nunmehr in bcr Schellengasse nach bem Vorschlag bcr Baufommission im 6lannt tn-r s>crberge aus­gestellt unb nach ben Plänen des städtischen Baubcamten im Erb- gesckroß als Wagenhalle unb barüber mit Wohnungen eingerichtet werden. Hierzu wird ein Kredit von 5000 Mk. bewilligt: bagegert stimmen bie Herren Braun unb Arnold Der Vorschlag bet md,u.,ofTnnnion über die Verwendung b« Anbaues bcr alten Volksschule al- Eichamt würbe angenommen Als Miete hierfür werben 300 Mk. jährlich beansprucht Verschiedene RechnimgS- facbcn toerben genehmigt. In lucbtöücntlidxr Sitzung inurbe .bcm Itädmchen Baubemntrn Herrn Egner bic befinitioe Anstellung' ocrlicbcn unb bic von ihm zu feinem Dzcnstvcrtrag gewünschten Adanberungen genehmigt. Als Wasen meister würbe Frau Bruno Herrmann angenommen. Zum Schlüße svrickü bcr Slabtvos- ftanb noch sein Unbehagen über bad Vorgeben brt 5iird>TTtorft<nibe b« bi-r Wiederhentcllung der Walpurgiskirckic au? Auf Ersuchen K»rd>envorstandeS be>'ct»loß der Stadtvorstand in seiner letzten Sidung. zu der bcantTaqtrn Neubcckimg des Chordacßes erst end- gültig Bc'chlutz zu fassen, wenn bie Bauleitung einen Voranschlaq über bic Hohe der von ber Stabt Alsfeld zu bewilligenden Kosten Vorleben werbe. Ohne teboch diesen Beschluß zu würdigen, hak der Kirchen Vorstand mit bcr Reuschiescrung des bezeichneten Tod>- talfÄ beginnen lassen unb erhofft trotzdem bie Bereitstellung des crrorbcTlidicn KrebitS. Der stadtvorstand war hierüber sehr un­gehalten unb versicherte mit Bestimmtheit, daß er spKnach ein nt derartigen Vorgeben bes Kirchcnvornaiides nunmehr zur Bewilli- aung bcr * oft en nicht bereitfinden lassen würbe. Beginn des Sitzung 5 Uhr Schluß 8 Uhr.

sS' Homberg, 16. Sept. Die bereits kur; gemelbet, gab es hier in bcr vergangenen Nacht wieberum Feuerlärm. Balo nam 3 Uhr hörte man Feuerrufe unb gleich darauf ertönten auch idron bie Sturmglocken. Im tiefsten Schlafe geweckr. eilten bie Bewohner unseres Städtchens zu bcm Branoplotz hin, ber sich biesmal im Mittelpunkt bcr Statzl bftanb. Das »yeucr war in einer vollgefüllten Scheune rnt- nanben, bie je zur Hälfte bcm Wcißbindermeistcr Fleisch­hauer und bcm Gastwirt Karl Rühl ^hörtc. Ein N.uchboa flCTQ^c ,m letzten Augenblick bie zwei Bf erbe N Hunt, bie hier untergebradst waren In wen' ?cn Aug,rn- ducken sprang das Feuer auf die angrenzenden Wohnhäuset über unb mit knapper Not nur konnten bic Leute ihre aller- notnwnbiqften Habseligkeiten in Sicherheit bringen. Rasch irin oa Feuer weiter um sich und so würbe auch der Sager- raum des W L. Schepp II. ein Raub der Flammen. Die 'rsuerw'hr batte alle Hände voll zu tun, um bic noch weiter angrenzenben CVbaubc zu retten, cS waren dies besonders die Scheune unb das Wohnhaus des Mctzaermeistcrs Christ. Einmal baue die Scheuer schon Feuer gefangen; es gelang