Ausgabe 
7.10.1913 Zweites Blatt
 
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llr. 255 ZWeites Blattx

163. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.

TieGiehener $aartlienblättet" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gietzen" groeimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dienstag, 7. Moder 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Sieindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­

straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Wer es nicht weiss mil

S8JW3S ^n6Ä= Myrrhoiinseife. (b12/o)

Erbschaft

neue Konkurse überhaupt

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sich daß

an arme Verwandte und Bekannte 18 000 Mark, für Erbschafts­steuer und Gerichtskosten zahlte er 28 000 Mark, so daß von der gesamten Summe von über 400 000 Mark dem Genossen Bebel nur 182 000 Mark, also nicht einmal die Hälfte, ver­blieben.

Was Bebel über diese Summe hinaus an Vermögen erworben hat, stammt aus dem Ertrag seiner Bücher und Schns - t e n , von denen z. B.Die Frau" allein 51 Auflagen erlebte. Bebel hatte als Vorsitzender der Partei eine monatltche Entschä­digung von 50 Mark zu beanspruchen. Bebel hat diesen Betrag jedoch niemals erhoben, sondern diese 50 Mark der Pasteikafse überwiesen, ivorüber monatlich in der Parteiguittung öffentlich quittiert worden ist. , , r . ,

In seinem Xe ft am ent hat Bebel der sozialdemokratckchen Partei 20000 Mark vermacht. Außerdem öermadtfc er 100 000 Mark zu Unterstützungszwecken dem Verein der Arbeiter­presse. Ferner hat Bebel der Stadt Wetzlar 6000 Mark ver­macht und außerdem setzte er an sonstigen kleineren -.egaten 3000 Mark aus.

Natürliche Personen . . . . Nachlässe........

Einzelfirmen.......

Offene Handelsgesellschaften. . Kommanditgesellschaften . . . Akliengesellschaiten.....

Gesellschaften m. b. H. ... Bergbauliche Gewerkschaften . Andere Gesellschaften . . . . Eingetragene Genossenschaften . Andere Gemeinschulbner. . .

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politische Tagesschau.

Konkursstatistik.

Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht im 3. Vi^'teljahresheft zur Statistik deS Deutschen Reiches 1913 die vorläufigen Ergebnisse der Konkursstatistik für das 2. Vierteljahr 1913. Danach gelangten im Deutschen Reich 3289 neue Konkurse zur Zählung (gegen 2994 im 2. Viertel­jahr 1912). Es wurden 2513 Konkursverfahren eröffnet und 776 Anträge auf Konkurseröffnung mangels hinreichender Masse abgelchnt.

Universitäts-Nachrichten.

Vom 1. Oktober 1913 ab wurde an der Universität München ein psychologisches Institut unter der Leitung eines der Ordinarien für Philosophie eingerichtet.

In Berlin starb am 5. d. M. der Direktor des Kaiserin-Friedrich-Hauses für das ärztliche Fortbildungswesen Prof. Dr. Robert Kutner im 47. Lebensjahre.

In Erlengut bei Zürich ist der ordentliche Professor und Direktor des pharmazeutischen Instituts an der Universität Straßburg i. E. Dr. Eduard Sch a er im 71. Lebensjahre gestorben.

Heber Bebels lesen wir imVorwärts":

Die bürgerliche Presse aller Parteirichtungen beschäftigt mit der Hinterlassenschaft des Genossen Bebel und behauptet, Bebel als Milionär gestorben wäre. Die Artikel und Notizen der bürgerlichen Presse knüpfen meist an eine Nachricht des Pariser Journal" an, das berichtet hatte, daß Bebels Erben in die Erb­schaftsdeklaration für die Züricher Verwaltung den Betrag von 1 170 000 Frank gegeben hätten. Diese -Nachricht desJour- nal" ist unwahr. Bebels Erben haben eine Erbschaftsdeklaration bisher weder bei der Verwaltung in Zürich noch bei der einer an­deren Stadt abgegeben. Die Erbschaft, die etwa ein Drittel der angegebenen Summe betragen dürfte, ist «4-«^ / de­klariert worden. Das von Bebel hinterlassene Vermögen stammt zum größten Teile aus einer Erbschaft, die Bebel im Jahre 1904 gemacht hatte. Damals hatte ihn der bayrische Leutnant a. T K. zum Miterben seines Vermögens eingesetzt. K. hatte außer Bebel einen Bruder bedacht, seine anderen Geschwister jedoch nicht. Der Grund für die Enterbung waren Differenzen in der Familie, die mit Veranlassung waren, daß es zu einem ehren­gerichtlichen Verfahren gegen K. kam, in dessen Verlauf dem Leutnant K. das Recht, die Uniform zu tragen, aberkannt worden mar. In diesem Verfahren hatte K. den Genossen Bebel wiederholt um Rat gefragt und auch persönlich eine Zusammenkunft mit ihm gehabt Nach dem Tode K.s erfuhr dann Genosse Bebel, daß K ihn zum Miterben eingesetzt hatte. K. war niemals Sozial­demokrat, ja er war Gegner der sozialdemokratischen Partei, wie aus seinen hinterlassenen Papieren und aus der Abschrift einer Eingabe an Wilhelm I. hervorging. Das Wort Sozial­demokratie kommt im ganzen Testament nicht vor. Aus der ganzen Sachlage ergab sich, daß der Leutnant K. nicht die Partei, sondern Bebel persönlich für ihm persönlich geleistete Dienste mit der Erbschaft bedacht hatte. Das Testament war unanfechtbar. Die vom Erbe ausgeschlossenen Geschwister wollten das nicht glauben und wiesen eine Abfindungssumme von 100 000 Mark, die ihnen Bebel bot, zurück. Dagegen willigten sie in einen Ver­gleich ein, nach dem der gewinnende Teil die gesamten Prozeß­kosten für alle Teile zu zahlen hatte. Vor dem Ulmer Landgericht ging der Prozeß für die Kläger verloren und die Begründung des Urteils brachte ihnen die Ueberzeugung, daß bei den folgenden Instanzen nichts mehr zu erwarten fei. Bebel trat aber aufs neue an die enterbten Geschwister des Leutnants K. heran, ob­gleich ein gesetzlicher Grund dazu nicht vorhanden war, denn die Erbschaft war ihm sicher. Die nicht bedachten Geschwister des Leutnants K. erklärten sich bereit, die Abfindungssumme an- zunelMen, die ihnen Bebel bot.

Das gesamte Vermögen des Leutnants K. belief sich auf über 800 000 Mark, rootnit über 400 000 Mark auf Bebel entfielen. Hiervon zahlte Bebel den nicht bedachten Geschwistern 132 000 Mark, an die sozialdemokratische Partei gab er 45 000 Mark,

Die neuen Konkursfälle verteilen sich wie folgt: davon mangels Masse

von denen man sagt, daß ihre Größe im umgekehrten Verhältnis zur Intelligenz der Züchter stehe, gut geraten sind. In Miß­jahren, wie mir sie trotz der letzten nassen ^ommer nicht gehabt haben, stirbt nämlich durch den Kartoffel Pilz das Kraut schon in der Mitte des Sommers ab, und da die Pflanzen keine Blätter haben, welche das Sonnenlicht zu Stärke verarbeiten können. Io gibt es in solchen Jahren nicht bloß wenig Kraul zu verbrennen, sondern auch wenig zu ernten. Endlich ist das Verbrennen des Kartoffelkrautes für die liebe Jugend, die bet der Kartoffelernte fleißig die Hände regen muß, ein Haupt ver­gnügen. Und von den vielerlei Rezepten, die man zmammen- geftellt hat, um die Kartoffel zu einem guten Bissen für Lecker­mäuler zu machen, ist vielleicht keines imstande, ihr den Wohl­geschmack zu verleihen, den die in ber glühenden Aiche des Kartoffelfeuers gebackene Bratkartoffel besitzt.

Landkreis Gießen.

= Steinbach, 6. Oki. Bei der Gemeinderats­wahl am 27. September war die Beteiligung sehr rege. Gewählt wurden der Schuhmachermeister Karl Balser V., der Landwirt Heinrich Walb I. und der Landwirt Ludwig S'ch n e i d e r I. Von 265 Wahlberechtigten machten 233 Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

-r. R e i s k i r ch e n, 6. Oft. Zwei bedauerliche Unglücks- fälle ereigneten sich heute in unserem Ort. Der Maurer und Landwirt Ludwig Damm stürzte heute mittag beim Birnenpflücken durch Bruch eines Astes aus sieben Meter Höhe zur Erde. Schwere innere Verletzungen bedingten eine sofortige Ueberführung in die K'ttuik nach Gießen durch die rasch herbeigeeilte Sanitätskolonne. Der andere, nicht min­der bedauerliche Unglücksfall geschah einem an der Heber­landzentrale beschäftigten Monteur namens Mühl. Er stürzte beim Drahtspannen vom Hausdache eines hiesigen Einwoh­ners. Ob schwere Verletzungen vorliegen, ist noch nicht be­kannt. Heute abend erstrahlte unser Dorf zum erstenmal im Glanze des lang herbeigesehnten elektrischen Lich- t e s. Manches alte Mütterchen sah man ob des ungewohn­ten Anblicks staunend und kopfschüttelnd an den Hauseckeu stehen. Hoffentlich wird das schon hohe Steuerbudget der Gemeinde durch die Lichtanlage nicht allzu sehr belastet

Kreis Büdingen.

Q Bisses, 6. Okt. Eine schlimme Kinderkrankheit die spinale Kinderlähmung hat in unserer Gemeinde ihren Einzug gehalten. Die Krankheit ist bis jetzt in zwei Familien verbreitet und ein achtjähriges Mädchen daran gestorben. Jedenfalls ist die Seuche von auswärts ein­geschleppt worden.

= Unter-Schmitten, 4. Okt. Bei der hier abgehal­tenen Gemeinderatswahl mürbe Gaftmirt Hrch. Konr. Seiler miedergemäahlt. Neugewählt wurden dagegen Zimmer- meister Otto Ullrich, Zimmermeister Friedrich Ußnero und Landwirt Wilhelm Schneider. Die Wahlbeteiligung war eine rege. Die Apselernte fiel hier in diesem Herbste geringer aus als im vorigen Jahre. Für Kelterobst erhielten die hie­sigen Landwirte 12 Mk. für das Malter: von TaselLpfeln kostet : der Zentner 1415 Mk. Von Tafelbirnen ist besonders die 1 Pastorenbirne reichlich vorhanden. Der Zentner wird mit 9 bis

10 Mk. bezahlt.

abgelebnte'ilnträgc auf Konkurseröffnung 347

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Ans Ktadt unfc Ccm&e

Gießen, 7. Oktober 191-3.

** Vom Vogelsberger Höhen-Club wird uns ge­schrieben: Einem, namentlich in Touristenkreisen schon langst emp­fundenen Bedürfnis nachkommend, hat der V. H.-C. Gießen in diesen Tagen ein Kärtchen herausgegeben, auf dem sämtliche W e g e b e z e i ch n u n g e n in der Umgebung von Gießen mit Anfang und Zeitdauer der einzelnen Wanderungen ange­geben sind. Die Kärtchen sind ans starkem Papier gefertigt, haben eine handliche Form und sind zum billigen Preise von 15 Pfg. in den hiesigen Buchhandlungen erhältlich. toamn jetzt sei daraus hingewiesen, daß der Verein eine meckere Neue­rung zum Frühjahr 1914 plant, die bei mandersrohen Natur­freunden großen Anklang finden roirb. Es ist dies die Heraus­gabe einer Touristenkarte, die Gießen zum Mittel­punkt hat und auf der sämtliche Wegebezeichnungen um Gießen eingezeichnet siiid. Da der V. H.-C. Gießen die Markierungen in ber Umgebung unserer Vaterstadt seit einigen Jahren ausführt und darin sehr gewissenhaft zu Werke geht, >o ist uns auch die Gewähr geboten, daß diese Karte in bezug auf Korrektheit nichts zu wünschen übrig lassen roirb. .

** Vom Naturheilverein wird uns geschrieben: Magenkrankheiten und wie verhüten rorr sie?" ist das Thema eines vom Naturheilverein am Mittwoch, 8. Oktober, abends 8V> Uhr, im Hotel Schütz stattsindenden Vortrags. Die Quelle aller Lebenstätigkeit und Sebendfreubtgfeit ist eine gute lErnälrrung und Verdauung; treten hierbei Störungen em, w können weder Geist noch Körper den Anforderungen genügen, die das Leben stellt. Jeder Mensch weiß dies und suhlt es auch, doch wenige Menschen sind imstande, ihren Körper so zu be­handeln und zu ernähren, baß sie eine gesunde Verdauung haben: so leicht dies oft genommen roirb, so schwierig ist es für viele, welche weber Zeit noch Lust haben, bie Gesundheitsregeln zu beobachten und zu befolgen. Die Verbauungskrankheiten häufen sich von Jahr zu Jahr, hervorgerufen burch stete .Schwächung der Verbauungsorgane, insbesondere infolge der verfehlten Ver­feinerung der Lebensmittel, durch Pikanterien in der Nahrung unb burch die rast- und ruhelose Tätigkeit der Mensck>en, die vielen von ihnen keine Zeit gibt, eine geordnete Mahlzeit abzu­halten. Erft als geringe Störung sich bemerkbar machend, die mau nicht beachten will, wird sie nach und nach zu einem chronischen Leiden, das einen bis zum Lebensende plagt, jeden Lebensgemiß und jeder Arbeitslust Fesseln anlegt. Es muß daher jebermann interessieren, wie bie Naturheilkunde Magenkrankheiten beurteilt

und behandelt. _

** D i e Kartoffelfeuer rauchen... Der blaue Dunst, ber in diesen Tagen in ungezählten Rauchsäulen von allen Höhen aussteigt, erfüllt als dicke Nebelschicht die Täler, kommt in die Dörfer und zieht durch das Wiesental in die Stadt. Man macht am späten Abend noch einen Gang ins Freie, bann sehen bie schwelenden Haufen Kartoffelkraut aus wie die Lager­feuer einer biwakierenden Armee. Manche Städter, welche empfind­lichere Geruchsnerven besitzen als die Landbewohner, schelten wohl über bie unangenehme R au ch b e l ä st i g un g. Sie meinen, das sei ein Unfug, über den man sich in einem Eingesandt beschwere^ müsse. 2tber so schlimm ist bie Sache nickst. Erstens ist bas Verbrennen bes schwer verwesenden, mijftben Pilzkeimen der Kar- toffeHranfbeiten behafteten Krautes M allein richtige Art der Beseitigung. Zweitens beweisen die Kartoffelfeuer, daß die Knollen,

Eine zeuerbach-Anrstellung in Frankfurt.

Gießen, 7. Okt.

22 Gemälde Anselm ^Feuerbachs nebeneinander zu sehen, lohnt schon eine Reise von Gießen nach Frankfurt, und btc Modernen dürfen es uns nicht verübeln, wenn die großen Morde der älteren vornehmen Stilkünstler uns noch in weiter Entfernung hinter sich herlocken. Ein Biograph unseres Kaisers hat uns jüngst verraten, dieser habe ein­mal bei einem abfälligen Urteil über die Bestrebungen per ^modernen Kunst die Bemerkung gemacht, der Künstler müsse sich von der Alltäglichkeit abwenden und habe die Aufgabe, in uns aroße, edle Empfindungen auszulösen. Wenn mau von dem Wortmuß" absieht, das in Dingen der Kunst in feiner Giltigkeit einzuschränken ist, enthalt der kaiserliche Ansfvruch etwas Wahres. Tie Künstler, die seine Bedin- Ea erfüllt haben, waren nicht die schlechtesten. Wir denken Wi frÄich Uicht in erster Linie an die Heldender Sieges- aNee an pathetische Reiterstandbilder, an die Verherrlicher und särMnder von Fürstenruhm; auch nicht au die vom Kaiser einmal geforderte Anlehnung an die klassischen Vor­bilder Und wenn der Historienmaler noch so große Stoffe sich wählt: das gibt noch keine Garantie einer künstlerischen Wirkung Wenn aber, um nur von der Malerei zu sprechen, mta Hnem Gemälde eine Seele zu uns spricht, so ge- s^lckdies meist auf den geheimnisvollen Schwingen eines

Stilgefühls blosse Anklänge und leere Rhetorik Ns nichd b erlaben wir uns an den Werken ernes Sckwindt eines Boecklin, eines Feuerbach. SBarum lallte Se Waterei nicht mehr sein, als etn bloßes Schauen aus

HAharbictcnbe Naturstucke, warum tollte das 8Uf? 1 ^nAcibuum liicljt die Schatze seiner Phantasie.

U^sAuuunaskraft, seiner Sehnsucht nach Schönheit hine-nfließen lassen? Darum haben 1 s Aunstaussaffungeu einen vollgültigen Platz

Die Wttbung nimmt ab, wenn man ein neben der Real.stlk » B hindurch mit

k^LörtAen^" Mßbraüch getrieben 'wirb. Tann r^b^ KonE Lle herrschenden Aus.

'Äw nach etwa 20 Jahren heißen maIeÄ Rngens sLr Stil bildet Vor seinen ganz großen Werken steht man mit weihevoller Andacht. Die

Harmonie seiner groß-eu, schlichten Linien, der edle, von etwas Schwermut überhauchte Ausdruck seiner Gestalten, die sich in gedämpfte Farben zurückziehen und einen fpar- amen, aber umso anziehenderen Gebrauch von leuchtenden Mitteln machen das ist feine vornehme Kunst, an der die Haufen feiner Zeitgenossen ziemlich achtlos vorübergingen. Wir aber lieben heute diesen Künstler.

Die Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins (am letzten Freitag .eröffnet) gibt nicht das Beste seines Schas- :enSJ; das liegt zerstreut in großen Kunstpalästen wohl- urwahrt. Aber eine interessante Heberschau über Feuerbachs gesamte malerische Entwicklung geben die 22BiLder doch. Er fing schon in sehr jungen Jahren mit großem Können an. Zwei Selbstbildnisse aus dem Jahre 1846 zeigen uns ein feines, sanftes Knabengesicht in langem, dunklem Haar. Die Studieuköpfe der folgenden Jahre zeigen ebenfalls die et­was dunkel gehaltene, sorgfältige Pinselarbeit, von der das bekannte Bildnis des Kirchenrats Hm'breit auffällig abweicht. Feuerbach hatte in Paris die großzügigere Technik gelernt; er malte das Porträt auf einer Besuchsreise nach Heidel­berg im Jahre 1853. Die grandiose Plastik und wunder­volle Charakteristik dies Bildes sich anzusehen, ist allein schon eine Reise nach Frankfurt wert; sonst hängt es in der Heidelberger Universitätsbibliothek. 11 der ausgestellten Ge­mälde stammen aus der italienischen Zeit; auch daran kann man die Hebergänge und Entwicklung Feuerbachs gut er­kennen. Dantes Tod, 1858 gemalt, zeigt die Verwendung des leuchtenden Rot der venezianischen Vorbilder; in der Porträtkunst hat er 1860 und 1861 dem Bildnis Umbreits gute Gegenstücke ton .die Seite gestellt. Das Bildnis der Bianea Cappello (1864) zeigt schon sein späteres, intensiveres Streben nach einem eigenen Stil. Im selben Jahre ent­stand das große WerkRomeo und Julie", das in der Frankfurter Ausstellung den Ehrenplatz einnimmt und wohl als das schönste der ausgestellten Bilder gelten kann, hierin manchen auch dieses beredte Pathos daran erinnern mag, daß Feuerbachs Kinderbilder, z. B. das in Basel hängende, wundervolle Idyll der musizierenden Kinder, noch den Vor­zug verdienen.Hafis am Brunnen", 1866 gemalt, enthält etwas zu viel zerstreuendes Beiwerk in der Treppenperspek­tive auf das in der Höhe liegende Schloß, um als erstes Meisterbild Feuerbachs gewertet zu werden. Er hat das­selbe Motiv in ab geänderter Ausführung gemalt (diese ist

nicht auf der Ausstellung), wobei er die Treppe in die Mitte des Bildes rückte und eine weit größere Einheitlich­keit erreichte. Feuerbachs letztes Selbstbildnis, aus dem Jahre 1878, schließt den Reigen. Aus dem träumerischen Knaben der Bildnisse aus dem Jahre 1846 ist ein Einsamer geworden, der sich vor widrigen Verhältnissen in die vor­nehmere Welt feiner klassischen Ideale hinübergeflüchtet hat. Sein Ruhm ist unerschütterlich. -z.

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Leo Slezak in Darmstadt. Man schreibt uns aus Darmstadt, 5. Oktober: Zum erstenmal nach seinem Tegernseer Unfall, der ihn bekanntlich dem Tobe nahe brachte, ben sein Kollege Sturmfels babei erlitt, trat ber Kammersänger Leo Slezak in einem zweimaligen Gastspiel aus der Bühne vor bie Oesfentlich- keit. Als Rabames inAiba" litt ber Sänger scheinbar unter einer Indisposition, bie ihn,einem on bit" zufolge, immer in dieser Partie ergreifen soll. So ist es zu erklären, baß er am Schluß der großen ArieDein Glanz bis zur Sonne er­höht" das hohe B nicht pianissimo im Kopfton sang, sondern iit edlem Brustton fortiffimo, wodurch er sich um ben höchsten künst­lerischen Erfolg dieser Bravourarie brachte. Im großen Finale des 2. Aktes würbe Slezak burch bas Orchester gedeckt, während es unserer heimischen Aida Frl. Geyersbach gelang, mit ihrem jugend- glänzenden Sopran bas Blechgeschmetter zu überstrahlen. Im letzten Akt hingegen war ber Künstler unerreicht groß, gab er gesanglich eine Leistung, der gegenüber jede Kritik schweigen muß. Den Walter Stolzing sang er Sonntag abend künst­lerisch vollendet. DieMeistersinger" würben in der Inszenierung der letztjährigen Frühlingsfestspiele gegeben: sie waren auch als ganzes eine Vorstellung von höchster künstlerischer Potenz. Slezaks Preislied bewies, baß er wohl berechtigt ist, sich einen Kon­kurrenten Carusos zu nennen. Das Publikum war begeistert. Prinz Heinrich von Preußen war von Kiel hergekommen, um ben Sänger zu hören.

Ein neues Heilmittel. Aus Paris wirb berichtet: In der Sitzung der Akabemie ber Wissenschaften am Montag teilte Professor L a v e r a n mit, baß es bem Direktor des Paltenrschen Instituts in Tunis, Nicolle, gelungen sei, ein Serum zur Behandlung ber Gonorrhoe sowie einer bisweilen als bereu Folgekrankheit auftretenbe Abart von Rheumatismus unb bereit eiterige Augenentzündung herzustellen. In 200 Fällen leien mit diesem Serum durchweg überraschend schnelle Heilerfolge erziel: worden.

Kurze Nachrichten aus Kunst nno Willen- schaft. Der Komponist Podbertsky ist am Montag ur München geworben.