Ausgabe 
7.5.1913 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

S?M

m. 105

Zweites Blatt

163. Jahrgang

Mittwoch, 7. Mai 1913

Erscheint tßglich ntti Ausnahme des Sonntags.

E3

5n

1913.

eur.

Der MännergesangvereinQuartett verein"

Blume".

5

<C»

MMottenäther

1500.- 6»

Lindenstruth, Rechner.

iStöln) sang ebenfalls recht schön, namentlich den Mittelsatz. Auch der WahlchorStubotf von Werdenberg" tarn gut heraus. Zum Schlug gab es Abweichungen und der Chor endete einen halben Ton zu hoch.

Spezialreserve- sonds

Reingewinn

Bei Magenverstimmungen erzielt man durch eine leichte Ku fe te"-Bouillon als Diät überraschende Erfolge: es ist die' ientnc Kost, die trotz mnnaelndeu Appetits gern genommer. rvird, das geschwächte Organ nicht belastet, sondern verdannngsreaelnd wirkt.

103761!

Danikonto-Lorl. 1300.- ikenübsrücklage 9000.-

Am voraus ver­güteter Diskont f Güter/aufg. M-

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

. * Mew rl*

ffi6

Um nicht minderwertige Nachahmungen zu erhalten, achte man stets auf den Namen ,,Dr.Weiüreich

DieSiebener Familienblätter" werden dem ^Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreislzlat: für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DreLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erschemen monatlich zweimal.

Gestrchtss«a<rL.

Die Abgg. Borchardt und Leinert endgültig verurteilt.

Leipzig, 6. Mai. Das 9! e i ch s g e r i ch t v e r iv a r i die Revision der sozialdemokratischen Abgeordneten Borchardt und Leinert gegen das sie verurteilende Erkenntnis wegen der bekannten Hausfriedensbruch-Affäre im preußischen Äb- geordnetenhaus.

Zur Begründung der Entscheidung wird aus- geführt: Der Hinweis auf die 88 105 unb 106 des Strafgesetzbuches ist verfehlt, denn diese Paragraphen bedrohen nur den mit Strafen, der einen Abgeordneten rechtswidrig an der Ausübung seiner Abgeordneteupslicht verhindert. Tie Befugnis pes Präsidenten zur Ausschließung Borchardts beruht aber auf dem 8 64 der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses: dieser findet seine recht­lichen Grundlagen int 8 78 Abs. 1 der preußischen Verfassung. Danach bat der Präsident das Recht, einen Mgeordneten un­geachtet seiner Immunität vorübergehend aus den Verhandlungen einer gesetzgebenden Körperschaft auszuschließen. In dem Recht der autonomen Regelung des Disziplin liegt die Befugnis, Maß­nahmen vorzusehen, welche geeignet sind, zu verhütetl, daß durch den Rechtsmißbrauch eines einzelnen Mitgliedes der Verhand­lungszweck vereitelt wird. Tritt das Recht des Störers auf die Teilnahme an den Verhandlungen mit diesem Zweck in Wider­spruch, so muß es dem stärkeren Recht der Gesamtheit weichen. Die Bestimmungen des 8 64 Abs. 2 und 3 der Geschäftsordnung sind unbedenklich als gültig anzusehen. Rack) unanfechtbaren tat­sächlichen Feststellungen schloß der Präsident Borchardt wegen grober, die Würde des Hauses schädigender Verletzung der Ord­nung für den Rest der Sitzung aus. Wenn Borchardt sich nicht entfernte, machte er sich des Hauss riedepsbruchs schuldig. Naä>- dem der Präsident seine Mittel erschöpft hatte, die ihm zur Ver­hinderung der Fortsetzung dieser strafbaren Handlung zu Gebote standen, ivar c5 b i e P f l ich t der P o I i ze i, B e i st a n d zu l e i st e n in gleicher Weise, wie sie einem Privatmcnme in (iuem ähnlichen Falle Beistand leistet. Der Polizeileutnant war also örtlich und sachlich zuständig, Zwangsmaßregeln anzuwenden, auch soweit sie sich gegen Leinert richteten. Die Anbeklagten han­delten mit dem Vorsatz der Rechtswidrigkeit. Diese Feststellung lvird dadurch nicht erschüttert, daß das Urteil sagt, sie hätten mit dein Motiv gehandelt, die Rechtsfrage gerichtlich zum Aus- trag zu bringen.

0.** 0.9® 1.1" .20

1,40 1,00

.20 .1- .6®

»00

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^s§# 5L Redaktion: «E112. Tel.-Adr.: AnzeigerWießen.

Seit Jahren laut Attest des Oberhofmarschallamtes von den Uof- haltungön

Sr Majestät des Kaisers

zahlreichen anderen Hofhaltungen, milit{Irischen Bekleidungskammern und vielen lrivatluiushaltungen ständig verwendetes, zuverlässig wirkendes Mottenschutzmittel. Zu beziehen durch alle besseren Proge­rien, Apotheken. Parfümerien in Flaschen Ul. 1.25,2. , 3.50 und (i. -. Zerstäuber j M. 1.10 und 2.. Prospekte gratis und franko. ss35/s

Pharmakon G. m.!». II., Berlin SW. 29 n. Frankfnri H.

Dcr Losehändler Schäfer vor Gericht.

4- Frankfurt a. M., 6. Mai.

In der fortgesetzten Verhandlung gegen den Bankier und Lotteriekollckteur Ferdinand Schäfer wegen Betruges bei der Veranstaltung von Lotterieziehungen wurden heute die Vorgänge beslTrochen, die bei der Frankfurter Ziehung Anlaß §11 Gerüchten gaben, die aber nicht mit zur Anklage stehen.

Kaufmann Vetter bekundet, es sei ihm aufgefallen, daß Schäfer einmal in die Tasche faßte, als ob er etwas verstecken wollte. Schäfer habe mit dem Notar und dem Polizeikommissar vereinbart, daß nur die Gewänne über 5 Mark aufgerufen werden sollten. Auf dem Boden habe ct ein weißes Röllchen liegen sehen, das er aufhob und auf Geheiß Schäfers an diesen zum Ausrufen weitergab. Schäfer habe gleich baraui den zweiten Hauptgewinn vno 15 OOO Mark ausgernsen. Während des Rad- drehens lag wieder ein weißer Zettel am Boden. Schäfer nahm ihn an sich und rief gleich danach den ersten Haupttreffer aus. Schästr sei während der Ziehung sehr aufgeregt gewesen. Aut die Frage der Verteidigung, warum er seine Wahrnehmungen nicht sofort gemeldet habe, erwidert der Zeuge, der Polizei- kommissar und der Notar seien doch Autorität genug, sie hätten die Dinge auch sehen müssen. Kaufmann Balm bestätigt die Angaben Vetters. Dem folgenden Zeugen, einem Zigarrenhändler, ist es, ausgefallen, daß Schäfer die Hände unter den Tisch hielt und so die Rollen aufmachte. Als er in der Presse von den Anschuldigungen gegen Schäfer hörte, habe er seine Wahrnehmung der Polizei mitgeteilt.

_ Die Ueberwachung der Ziehung hatten Polizei-Kommissar Stoller und Notar Breitmann, die beide als Zeugen geladen sind. Da der Notar nicht erschienen ist, wird gegen ihn eine Ordnungsstrafe von 1OO Mark verhängt. Polizeikommifsar St. bekundet, baß er keine besondere Anweisung für die Ueberwachung der Ziehung gehabt habe. Dem Loshändler Hetterich, der bei der Frankfurter Ziehung mit dem Angeklagten zusammen­arbeitete, ist es ausgefallen, daß dieser mit dem Rücken gegen das Publikum saß.

Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, es sei -doch merk­würdig, daß er selbst, als Loshändler, noch Lose von anderen Händlern gekauft haben wolle. Der Angeklagte bleibt bei seiner Behauptung, daß. er das (Gewinnlos bei einem Händler ge­kauft habe, er habe sich eigentlich überzeugen wollen, ob der Händler die Lose auch führe. Der betreffende Händler, der nunmehr als Zeuge vernommen wird, erklärt es als ausgeschlossen, daß Schäfer bei ihm Lose gekauft .haben könne. Er würde sich das gemerkt haben, denn er kenne Schäfer und wisse, daß dieser Loshändler sei.

Es kommt bann die Elberfelder Ziehung vom Fahre 1912 zur Sprache, die Schäfer ebenfalls leitete. Dabei sahen zwei Zeugen, daß Schäfer in der einen Hand ein rotes Röllchen verborgen hielt, sie wissen aber nicht, ob die Ziehung damals schon vorüber war. - Gilt Zeuge erzählt, daß der frühere Pro­kurist Schäfers, Michelbach, nach Aufgabe seiner Stellung Ver­schiedenes aiisplauderte. Er behauptete, Schäfer habe sich zivei hohe Gewinne z-n Unrecht ungeeignet. Ferner soll der Prokurist von einem Hauptgewinn 17 OOO Mark abbekommen haben. Um ein gutes Zeugnis zu erhalten, soll Michelbach auf Schäfer einen Druck ausgeübt haben, indem er ihm schrieb, daß zwei. Gewinne in Höhe von 40OOO und 5000 Mark unrechtmäßig sich angeeignet habe.

Eine Reihe von Loshändlern und Lottericeinnehmern be­haupten, daß sie sich nie in der von Schäfer angegebenen Weise persönlich an den Ziehungen beteiligt hätten. Daß größere Ge­winne nicht abgehoben würden, komme vor, aber äußerst fetten. Ein Zeuge hat einmal als Loshändler Gewinne von 100 und 500 Mark gemacht, aber dafür für mehrere tausend Mark Lose übernehmen müssen. Tie Verhandlung wird morgen fort­gesetzt.

vierter Deutscher Uaiserpreir-Wettsingen.

8 Frankfurt a. M., 6. Mai.

Die ernste Stunde ist gefontmen!" können die Sänger heute mit den Worten des diesmaligen Preischors auörufen, aber auch: Wir stehen gerüstet auf den Warten," denn heute begann der eigentliche Wettstreit mit dem Auftreten der ersten 18 Bereite Man hat heute die bem Festort am nächsten wohnenden Vereine hcrangezogen, und die am weitesten nördlich und östlich wohnen­den erst für den letzten Tag bestellt.

Der Kaiser traf etwa 10 Minuten vor dem Beginn im Automobil hier ein. Mit der Partitur in der Hand verfolgte der Monarch den Vortrag des ersten Cläres des VereinsEin­tracht" aus Pirmasens. Mit großer dynamischer Wucht begannen die stimmgewaltigen Sänger, aber auch die lhrischen Stellen gelangen ihnen vorzüglich, und als die Steigerung am Schlüsse in den Worten:Wir stehen gerüstet auf den Warten" prächtig herouskam, wollte der Beifall des Publilüms kein Ende nehmen. Auch dieMerker" der großen Musikzeitungen stimmten in den Beifall freudig ein, und der Kaiser trat sofort in den Vordergrund der Loge, um mit dem Dresdener Generalmusikdirektor Edler v. S ch u ch eine sehr lebhafte Zwiesprache zu pflegen. Inzwischen hatten diese noch ihre beiden WahlchöreFridericus Rex" und Der Jäger aus Kurpfalz" zum Vortrag gebracht.

Als die Coneordia-Karlsruhe auf dem Podium erschien, war der Kaiser noch immer in der Unterhaltung mit den Preis richtcni begriffen, so daß die Karlsruher zunächst noch mit einiger Unaufmerksamkeit zu kämpfen hatten. Leider entsprach ihr Vor trag nicht in allen Punkten den gehegten Erwartungen. Sie nahmen ihn zu lyrisch und blieben an den entscheidenden Stellen die von dem Kvm.ponisten gewünschte Wucht schuldig. Dazu endeten sie mehr als einen halben, ja fast einen ganzen Ton zu tief. Auch bei ihrem ersten WahlchorDie Nacht" endeten )ic As-Duc. Am besten gelang ihnen noch ihr zweiter Wahlchor Im SOtai", der ihnen auch dialektisch am nächsten lag und zu schöner Wirkung gelangte, obwohl auch hier die Stimmen sich schließlich um einen halben Ton senkten.

yhinmehT erschien abermals ein Pirmasenser Verein, dieCon­cordia". yCber nach der prächtigen Leistung seiner Konkurrenz enttäiischte sein Vortvag des Preischors. Auch die beiden Wahl- dpreDeutsches Seemannslied" undHo^>! Tu stolzes' Mädel!" gelang en Nicht gut. Mit besonderem Interesse sah man der

-

Ä» ja

infen 4

3702t

en ab . ~

b?r Ende 1912 . * dit Taac lang zur w jnung

Düsseldorf begann den Preischor so langsam, wie noch kein Veiein vor ihm. Vom Mittelteil ab lang er mit vieler musi­kalischer Empfindung und beendete ihn sehr gut, schloß jedoch in C-Dur. Im ersten WahlchorHinnne an die Musik" hatte er einen unreinen Schluß. Der zweite WahlchorAbschied" wurde viel zu schnell gesungen, doch war die Auffassung gut. Der Solinger Sängerbund sang sehr gut. Auch der Wahlchor Schlaswandel" gelang vorzüglich. Der M ä n n er g e s a n g- vereinEintracht" der Firma van der Zhpen u. Charlier

Marktplatz---'» 13L- anjdN ,nlt J B 00, ; : M

nfufltt an ert vcransch^

?nten ofscil.

M IW' P'

Der prmzregent von Bayern in Karlsruhe.

Karlsruhe, 6. Mai. Ter Prinzregent von Bayern nahm heute vormittag im Residenzschloß Meldungen ent­gegen. Später brachte der GesangvereinLiederkranz" den fürstlichen Güsten des Großherzogs pa ar es ein Ständchen dar. Der Prinz-regeut hat sehr reiche Ordensauszeichnungen verliehen. Es erhielten it. a. den Haus-Mitter-Orden vom Heiligen Hubertus Staatsminister Freiherr v. Dusch, den Verdienstorden vom Heiligen Michael 1. Klasse F-inanz- minister Dr. Joses Rheinboldt, das Großkreuz- des Verdienst­ordens vom Heiligen Michael Geheimer Legationsrat Frhr. v. Reck, Großherzoglich Badischer Gesandter am Bayr. yofe.

Baden-Baden, 6. Mai. Heute nachmittag gegen i/24 Uhr trafen der Großherzag mit dem Prinzregenten von Bayern im Automobil, die Großherzogin mit der Prin­zessin Ludwig von Bayern in einem zweiten Automobil und das Gefolge zu einem Besuch Baden-Badens hier ein. Auf dem Bahnhof fand offizieller Empfang statt, bei dem der Amtsvorstand Frhr. v. Reck und Oberbürgermeister Fieser zugegen waren. Unt 4.40 Uhr kehrten die Herr- schasten mittels Sonderzuges nach Karlsruhe zurück.

.....

-Wer 1912'

«and.

r ßeben m v.

Die stanzösisÄe heeresverftariung.

Paris, 6. Mai. Auf einem aus Anlaß des Kon­gresses der französischen Studentenschaft stattgehabten Ban­kett hielt der Vizerettor der Universität L i a r d eine Rede, in der er u. a . sagte:

Unsere Stubenten gehören nicht zu jenen Leuten, die den Vaterlandsgedanken einer kritischen Erörterung unterziehen. Sie erörtern auch nicht die dreijährige Dienstzeit, von der sie wissen, daß sie zur Verteidigung des Landes notioenbig ist. Sie werden ihre Pflicht mit freudigem Herzen erfüllen. Aber hatte die Regierung nicht die Pflicht, der unter die Fahnen berufenen studierenden Jugend auch möglichst die Fortsetzung der Studien zu erleichtern?

Der Ministerpräsident und Unterrichtsministcr Bart Hou erwiderte darauf, er habe alle Mittel geprüft, um die öem Lande durch die dreijährige Dienstzeit er­wachsenden Lasten zu erleichtern. Univcrsitätsprofessoren, denen er das Recht der .Kritik nicht absprechen wolle, hätten die von dem Obersten Kriegsrat abgegebene Ansicht mit einiger Ungerechtigkeit beurteilt. Was würden sie sagen, wenn die Beschlüsse des Obersten Universitätsrates in solcher Weise vom Obersten Kriegsrat beurteilt würden? Es sei rnchtig, daß man den Boden der Kultur und der Wissenschaft verteidigen müsse, aber die oberste Pflicht sei es, den Boden des Vaterlandes zu verteidigen. Mehrere von der Studentenschaft geäußerten Wünsche scheinen sehr vernünftig, aber Frankreich sei ein demokratisches Land, und die Bürger würden nicht begreifen, daß es bei der Blutsteuer Ungleichheiten geben solle. Aber man könne immerhin gewisse Modalitäten einführen. Tie Studenten­schaft möge in dieser Hinsicht von seinem Wohlwollen 1 überzeugt sein.

Paris, 6. Mai. Der heute im Elysee abgehaltene Mini st errat beauftragte den Finanzminister und den Kriegs Minister, Vorschläge zu machen hinsichtlich besonderer U n t e r ft ü tz u n g s ü r s o l ch e F a m i l i e n, deren Söhne ein drittes Jahr bei der Fahne zurückbehalten werden. 'ty r Minister der öffentlichen Arbeiten wurde ermächtigt, einen Gesetzentwurf über das Flug wes en mit Berücksich­tigung deö Militärflugwesens, über Maßregeln für die Sicherheit der Flieger, des Publikums und des Privateigen­tums, endlich über allgemeine Vorschriften für den Luft- verlehr und die Landung vorzulegen.

Paris, 6. Mai. Die Kammer beschloß, im Einvernehmen mit der Regierung die Einbehaltung der Jahresklasse 1910 unter den Fahnen am 15. Mai zu beraten.

S ä ng er f cfjar des Turnvereins Offenbach a. M. ent gegen. Dieser Sängerchor hat fidji schon auf früheren Wettbe­werben . ausgezeichnet und erntete auch diesmal wieder den leb­haftesten Beifall, obwohl leider seine Teiwre bei dem' Vortrag des Preischors nicht durchhielten; sie endeten einen halben Ton zu hoch. Ms Gesamtleisttrng aber waren die Offenbacher dem ersten Pirmasenser Chor durchaus gleich, ja in der Güte des Materials wohl noch überlegen. Der nächste Chor, der Mcknnergesangverein R heinla n d" in Koblenz war glänzend. Sein Preis- chor gelang tadellos und das MadrigalInnsbruck, ich miifi dich lassen!", in der Bearbeitung von Heinrich Bungert, brachten die Koblenzer ebenfalls tmindervoll zur Gelttmg, wenn sie es auch etwas reichlich langsam fangen. Der zweite WahlchorFrühlings­nahen" erntete sogar lebhafte Bravorufe. Großem' Interesse be­gegnete auch der MännergesangvereinKreu z n ach erLieder- t a f e l", desRadiuml-Solbades Kreuznach", wie in etwas reflamjcbafter Form das Textbuch sie antünbigte. Wie fast alle ooraufgegangenen Vereine nahmen auch die KrenzNacher den Preis chor int Anfang zu tief, hielten aber 311m erstenmal die Fermate. Bei der kritischen Stelle des PreischoresWaisen stöhnen auf und Frauen", die etwas bewegt genommen werden soll, waren die Kreuznacher zu schwell im Tempo und gerieten zum Schluß bei­nahe in das hohe C, also fast anderthalb Töne zu hoch. Schade, denn bei dem prächtigen Stimmaterial hätten sie wirklich ein besseres Los verdient. Ihr erster WahlckorKamerad, komm!" gelang ausgezeichnet, aber in ihrem zweiten WahlchorFeldein­samkeit" verdarb der zweite Baß die Sacke. Es folgte der G r u b s ch e Mannergesangverein in O b e r st e i n an der Nahe. Auch er wies überraschend schönes Material auf, namentlich unter den Tenören. Der Verein besteht fast aus lauter Arbeitern, meistens Steinschleifern. Bei der StelleWir stehen gerüstet auf dm Warten" war der Chor etwas matt, die Gesamt­leistung aber war gut, und vor allem' fangen sie bisher am reinsten. Ihren WahlchorRuhe sßönstes Glück der Erde" nahmen sie zu schnell und fam'cn schließlich durch Unreinheit zu. hoch, so daß sie -in B-Dur statt in C-Dur endeten. Der Männergesang­verein Idar hatte keine hervorragenden Tmöre aufzuweisen. Der Dirigent wollte zuviel in den Prciscbor lstneinlegm und wurde dadurch maniriert. Die Sänger schlossen^ einen halben Ton zu hoch. Tas VolksliedMuß i denn, muß i denn zum Städtele naus" litt unter zu schnellem Tempo. Der zweite Wahlckor ,3n die Ferne" gelang besser. Die beste Leistung des Vormittags kam Mletzt, eS war der Wiesbadener M ä n n e r g c f a n g b e r c i u. Vor allem erregte das gleichmäßig durchgebildete Material Bewunderung. 9luch was die Leitung anbetrifft, standen die Wiesbadener an der Spitze. Immerhin warm auch bei ilyrem Preischor einige Ausstellungen zu machen. Bei dem Tempomarschmäßig" war man schon in B-Moll statt in A-moll angelangt, unb blieb von da an fast durchweg einen halben Ton zu hoch. Bei der kritisch°en StelleWchsen stöhnm auf und Frauen" wurde das vorgeschriebene Tempo nicht eingehalten. Der Schluß wurde von den Wiesbadenenr aber sehr gut durchge­halten. Ihr WahlchorKaiser Karl in der Jol>amnsnacht" war ebenfalls eine hervorragende Leistung. Zwar störten auch hier die wenig fckönm Stimmen des Basses bei einigen Stellen und gegen den Schluß schoben sich einige Unreinheiten ein. Der Kaiser war über die Leistung der Wiesbadener hocherfreut, da diese unter dem Protektorat des Herrn v. Hülsm und unter dem Dirigentenstabe seines Wicsbadmer Hofkapellmeisters Professor Manstädt stehen. __

Sofort nach Schluß der Vorträge erhob sich der Kaiser und verließ die Loge, um Nach Wiesbaden zurück zu kehren.

Der Nachmittag.

Punkt V2-3 Uhr nachmittags erschien der Kaiser wieder, und es begannen die Gesänge der zweiten dkbteilung.

Der erste Verein war der Akännergesangverein F r o b f i n n" der Firm'a Haniel u. Lu eg (Düsseldorf-Grafenburg). Der Gesamteindruck war gut, wenngleich verschiedene Ausstellungen an der musikalischen Auffassung zu machen sind. Der Anfang des weichen Mittelsatzes geriet sehr gut, der Schluß verlor aber an Wirkung, weil der Chor einen Ton zu hoch getrieben hatte im.b das Material nicht mehr ausreichte. Sehr schön war der WahlchorIn die Ferne". DasRheinweinlied" wurde mit seinem strengen Rhythmus energisch durchgeführt. Der nun fol­gende Bonner MännergesangvereinApollo" litt ebmfalls barunter, daß der Preisckor bei dem' Tempomarsch- miäßig" Um einen halben Ton, am Schluß um einen ganzen Ton gestiegen war. Der WahlchorHymne an die Musik" war eine schöne Leistung.

Der Erfurter Männergesangv ercin ist der einzige Verein, der zum vierten Male am 'Wettsingm teilnimmt, ohne einen Preis bekommen zu haben. Bei dem Tmnpomarschmäßig" wurde der Chor ebenfalls schon einen halben Ton zu lyod) und er schloß mit einem ganzen Ton zu .hoch, also in H-Dur, statt in 21-Dur. Das Material konnte infolgedessen den Scküuß nicht durchhaltm, insbesondere der kleine Chor machte einen sehr matten Eindruck. Das GradualeGnädig und barmherzig" war eine prächtige Leistung, insbesondere warm die erften Bässe in ihrer dunklen Tonfärbung zu loben.

Der MännergcsarigvereinS anssouci" aus Essen ver­fügt über ein prachtvolles Stimmmmaterial, das auch vorzüglich vorbereitet war, schloß aber in C-Dur. Auch hier ließ der kleine Chor infolge der zu hoch getriebenen Leistung an Kraft zu wünschen übrig.Vom Rhein" von Max Bruch als Wahlchor zeigte wertvolle Mittelsarben. An der Auffassung konnte man seine Freude haben; nicht so anLützows wilder Jagd", dem zweiten Wahlchor. Der Krefelder Sängerbund verfügt über­ein vorzügliches Material und die 9luffaifiing war sehr gut. Bei dem Tempomarschmäßig" war man bereits einen halben Ton zu hoch und schloß am Ende glatt in C-Dur.Blücher am Rhein" als erster Wahlchor war überhastet und mürbe ohne jede besondere Dmcharbeitung zu Ende geführt. Der Wilhelmsche Chor Vor der Schlacht" hielt nicht, was der Preischor versprochen hatte und ging ohne Einfluß vorüber. Der Männergesangverein M ä it n e r q u a r t e 11" Mülheim a. Rh. zeigte gutes Tempo, und besonders gelang die Wiederholung des ganzen Chores. Der Wahlchor Sturmbeschwörung war wohl mit Rücksicht auf die mächtigen Bässe des Vereins gewählt worden. Weniger gelang der heitere £>umor des zweiten WahlchorsDer ftäfcr und die

7245511 :tcua, W X%W . 6 R _-

^eniderA

Passiva JH ^genommene Kapitalien 610718.05 -lavimguthab.

d. Miiglieder 2427q.11 Zugang .1912 464.29

24140.06 lbgang 388.84

24351.2 lieferte

jonbS 1935.52 ».uweis. a.dem Reingew.

j. 1911 2440.85

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffe»

-13,

pssichrsrat:

, \ A

in60 /