Ausgabe 
5.4.1913 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 79

163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich irm Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhessen

DieSiehener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigclegt, das Kreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DisLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 5. April 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Stemdruckerei.

N. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag:

SRebaftioii:e=3^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Vie Zunahme der Aonkurse in Deutschland.

'Tic Konkurse haben sich in dem' eben abgelansenen ersten Quartal 1913 wieder ganz erheblich vermehrt. Tiefe Zahl ergibt sogar eine Rekordzisser. 2721 Konkurse sind registriert worden. Dos letzte Quartal 1912 erreichte nur 2424, also ist eine Zu­nahme von 297 zu konstatieren.

Was lehrt nun diese Zunahme? Vorsicht, äußerste Vorsicht, das ist die Lehre, die einer- eindringlic1)cn Warnung gleichkommt. Aus dem Geldmärkte herrscht noch immer eins ganz gewaltige An­spannung, die zu einer äußerst sparsamen Verlvendung der ver­fügbaren Mittel zwingt. Das trifft auf die Großbanken zu, wie auf die Provinzbanken "und die Privatbankiers. Die Rkichs- bank bekommt Wechsel mit airsfallcnd langer Laufzeit auch von den Großbanken, eine Tatsache, die der Reichsbantpräsident bei der letzten Zentralausschußsitzung besonders betonte.

Die Folge dieser Spannung auf dem Geldmärkte sind Kredit- restrikttoncn, die mit den fast unerschwinglichen Zinssätzen schwach- furrdierte Firmle« zinn Konkurse zwingen. Die Häufung der Konkurse verschärft aber die Zurückhaltung der Kreditgeber. Rur eine größere Gcldslüssigleit und Ermäßigung der Diskontsätze kann den wirtschaftlich schwachen Existenzen die ersehnte und mit Recht geforderte Hilfe bringen.

Auch einen.' großen Konkurs hat nian schau am ersten Tage des Meilen Quartals 1913 zu verzeichnen. In Mstrm ist das Bankhaus Gustav Puppe jr. in Konkurs geraten. Die jetzigen Inhaber sind Vater und Sohn. Der Vater.galt als sehr tüchtiger und gerissener Fachmann. Danach ist zu erwarten, daß die Passiven wohl in die Millionen gehen werden. Wer Puppe sen. kannte, weiß, wie furchtbar übel dieser jedes Eindringen in seine Verhältnisse nahm. Ein derartig auffallendes Wesen hat immer feinen Grund in Verschleierungen der Verhältnisse. Dagegen muß energisch Front gemacht werden. Der Kreditgeber muß vollste Offenheit verlangen. Wie mancher Konkurs würde vermieden, wenn eine Einfichtnahwe der Bücher vor Eingehung der Geschäfts­verbindung gefordert würde. Leichtsinnige Vertrauensseligkeit rächt sich immer! Hier wäre ein Weg, der Zunahme der Konkurse ent­gegenzuarbeiten! Selbsthilfe ist'der beste Schutz!

Der ttaiser in Homburg.

Homburg, 4. April. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Generaladjutanten Freiherrn v. Lyncker. Am späteren Vormittag begab sich der Kaiser im Automobil nach .Hohe­mark zu einem Besuch der Königin der Niederlande und einem Gegenbesuch bei dem Prinzgemahl Heinrich der Niederlande. Zur Frühstücks täfel bei ihren Majestäten im hiesigen Königlichen Schlosse waren geladen: der Groß- I) crz o g und die Gro ß Herzogin von Hessen und Prinzessin Heinrich von Preußen.

Die veisetzungrfeier für den Surften Heinrich XIV. von Reutz.

Schleiz, 4. April. Heute mittag fand in der Berg­kirche die Beisetzungsfeier des verstorbenen Fürsten Hein­rich XIV. Reuß Jüngere Linie statt. Während der Nacht loderten vor dem Schlosse, sowie auf den öffentlichen Plätzen auf hohen Obelisken mächtige Gasflammen. Auf dem Wege vom Schlöffe bis zur Bergkirchc nahmen etwa 6000 Personen, Vereine und Schulkinder Aufstellung. An der Beisetzungsfeier nahmen unter anderen teil: Prinz- August Wilhelm von Preußen als Vertreter des Kaisers, Prinz Johann Georg von Sachsen als Vertreter des Kö­nigs von Sachsen, Prinz .Heinrich von Bayern als Ver­treter des Prinzregenten, Herzog Ernst von Sachsen-Alten­burg, die Prinzen Hermann und Heinrich von Schönburg- Wawenbura, der bulgarische Gesandte Geschow sowie viele andere hochgestellte Persönlichkeiten.

Ans Hessen.

Der Finanzausschuß.

rb. Darm'stadt, 4. April. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist von seinem Vorsitzenden, Abg. Dr. Osann für Freitag und Samstag, den 11. und 12. April zur Abhaltung von Sitzungen einberufen worden. Zur Beratung steht zunächst eine größere Anzahl noch nicht erledigter Slnträge und Entwürfe. Im Anschluß, daran wird dann auch voraussichtlich <mt zweiten Sitzungstage eine allgemeine Vorbesprechung über Behandlung der Regierungsvorlage, bett'. die Besoldungs­reform', abgehälten werden.

Deutsches Reich.

Die n at i o n a l l i b e r a l e Fraktion des Reich s- i a g s wird, wie wir hören, den Antrag auf Einführung d er Erb anfallsteu e r int Reichstage nicht einbringeu. "Der. Antrag dürfte wahrscheinlich von der sozialdemo­kratischen Fraktion ausgenommen Werben.

Der Wehrbeitra>g und die Ausländer.

DieNorddeutsche Mlgemeine Zeitung" weist darauf hrn, daß zu dem Wahr bei trag die Ausländer un­bedingt beitragspflichtig sind nur mit ihrem, inländischen Grund und Betriebsvermögen. Mit ihrem sonstigen Ka- pttalvermögen, insbesondere also mit ihren bei einer Bank m Depot gegebenen Privatkapitalien sind ausländische Staatsangehörige nur dann beitragspflichtig, Menn sie im Deutschen Reiche bauernd Erwerbes wegen sich aufhalten, aber auch selbst dann, wenn sie ihre Kapitalien aus einem inländischen in ein ausländisches Bankdepot bringen.

Das Jesuit eng es etz.

Die Entscheidung des Bundesrates über den vom Reichstage angenommenen Antrag auf Beseitigung des Jesuitengesetzes ist, wie uns aus Berlin geschrieben wird, vorläufig auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Die Vertagung dieser Angelegenheit dürfte mit den augenblick­lichen politischen Aufgaben des Reichstags Zusammen­hängen.

Ausland.

Die H eeresv ermehrung in Oesterreich.

Wie dieZeit" erfährt, wird die geplante neuerliche Erhöhung des Rekrutenkontmgents von 15 000 Mann bei denk gemeinsamen Heere und etwa 10 000 Mann hei beiden Landwehren durch eine Novelle zum Paragraphen 13 des neuen Wehrgesetzes mit stufen­weise erfolgender jährlicher Steigerung der Kontingentsziffer an­gefordert werden. Die Vorlage soll in der nächsten Zeit in bewert Parlamenten (angebracht werden. Der Rekrutenstand des

gemeinsamen Heeres Würbe also int dritten Jahre in Wirksamkeit des neuen Wehrgesetzes statt 159 000 Mann 174 000 betragen.

Der Gotthardvertrag.

Der schweizerische Nationalrat ratifizierte den Gott- hardvcrtrag in ^namentlicher Absttmmung mit 108 gegen 77 Stimmen. Ter Ständerat wirb den Vertrag in ber nächsten Wock>e erörtern.

Chinesische Piraten.

Hongkong, 4. April. Der hier eingetrvsfene bri­tische Da m P f e rT a i o n", der auf dem Heiliang (West- Fluß^ verkehrt, berichtet, daß er von Piraten an­gegriffen worden sei, deren Zahl auf 30 bis 100 ge­schätzt wurden. Die Piraten, die mit Revolvern bewaffnet waren, waren in Honalong als Passagiere für Konkmun an Bord gegangen. Bei der Einfahrt in das Delta des Kantonflusses erhoben sich die Piraten, töteten den chine­sischen Steuermann und hielten so das Schiff auf. Sie f e s s e l t e n b e n K a p i t ä n, d e n e r st e n O f f i z i e r u n d den Ingenieur: sie töteten einen nnd verwundeten vier chinesische Passagiere, plünderten die Kabine einer Missionarin, die Kabine der Schiffsoffiziere und machten sich in einem Boot mit beträchtlicher Beute, darunter 30000 Mark in bar, davon, nachdem sie die Maschinerie des Schiffes zum größten Teil zerstört hatten.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 5. April 1913.

Die Schlehe blüht.

Sie blüht in diesem Jahre früher als sonst. Während die Schlehenblüte für Gießen im Mittel ans den 19. April fällt, blüht sie in diesem Jähre, entsprechend dem außer­gewöhnlich zeitigen Frühjahr, bereits seit Anfang b. Mts., an sonnigen Hängen sogar schon seit Enbe März. Die Schlehe ober der Schwarzdorn kommt in ganz Europa, dem Kaukasus und durch das nördliche Asien bis nach Si­birien auf steinigen Hügeln, an Weg- und Waldrändern, Eisenbahndämmen als slaridorniger Strauch vor, der sich vor Ausbruch der Blätter mit einer Fülle schneeweißer Blüten überdeckt. Sie ist das beste Vogelschutzgehölz. Tie sparrigen, starkdornigen Zweige bieten den Singvögeln Schutz gegen Raubzeug und böse Buben. Wo Schlehen­hecken den Ackerbau nicht beeinträchtigen, sollte man sie schonen und auf steinigen Hängen, wo kaum Graswuchs gedeiht, sollte man den Strauch anpflanzen, um Nistgelegen­heiten für die Vögel zu .schaffen. Schlehenhecken brechen auch die kalten Winde und es ist unrecht, den Strauch durch Niederbrennen überall auszurotten. Die Alten be­nutzten von ihm mancherlei. Tas harte, weiße Holz war gesucht von Drechslern und Instrumentenmachern, man machte aus ihm Spazierstöcke und Bildschnitzereien. Die Wurzel ward zur Heilung von Wassersucht und allerlei Fieber benutzt. Aus der Rinde bereitete man eine rote Farbe zum Färben von Käse. Auch die unreifen Früchte gaben mit Eisenvitriol zusammen einen dauerhaften schwar­zen Farbstoff, während man die gerbstoffhaltigen reifen Früchte in Rum einmachte, um sie als Hausmittel gegen Nieren- und Blasenleiden anzuwenden. (Gegenwärtig sind nur noch die getrockneten Blüten gebräuchlich. Sie gehen in den Apotheken unter dem NamenFlores acaciae ger- manicae'7 als beliebter Blutreinigungstee. Tie Schlehe lie­fert auch das Reisig für die Gradierhäuser der Salinen. In Bad-Nauheim sind zur Reisiggewinnung große Flächen mit 'Schlehen bepflanzt. Wenn sie blühen, sieht es aus, als wäre frischer Schnee auf die Hecken gefallen. Zur Zeit der Schlehenblüte tritt nach voraufgegangenen warmen Ta­gen gewöhnlich ein Temperaturrückschlag ein, der auch in diesem Jahre nicht ausblieb. Mau spricht dann vom Schlehenwinter". R.

*

** Orden Sangelegenheit. Der Groß Herzog hat dem Bürgermeister Sieben in Ebersheim die Erlaubnis er­teilt, den ihm von dem König von Preußen verliehenen Kronen-Orden annehmen und tragen zu dürfen.

** Lehrerpersonalien. Dem Schulamtsaspiranten Phil. Oldendorf ans Fränkisch-Crumbach wurde eine Lehrerstelle an der Gemcindeschule zu lieberen übertragen. Ter von dem Stadtvorstand zu Alsfeld auf die fünfte Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Alsfeld vräsentierte Schul- amtsaspirant Ludm. Neeb aus Zell wurde für diese Stelle bestätigt. Die Versetzung des Lehrers Ferdinand Werner von Lorsch nach Laubenheim wurde zurückgenommen und Werner bis auf weiteres auf seiner seitherigen Stelle be­lassen. Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle in Groß-Hausen. Mit der Stelle ist Lesegottesdienst verbunden; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Erumstadt. Mit ihr ist ein Teil des Organistendienstes verbunden; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Naunheim.

Ernannt wurde der Gerichtsschreibergehilfe bei dem Amtsgericht Ober-Ingelheim Joh. S p e t h zum Aktnariats- affistenten bei dem Amtsgericht Gernsheim.

** A n die Bete r an en des In f. -Reg. Kais c r Wilhel m. Wir beabsichtigen, gelegentlich des Regimeilts- jubiläums eine möglichst vollständige Liste aller noch leben­den Kriegsteilnehmer des Inf.-Reg. Kaiser Wikhelm zu ver­öffentlichen. Es wäre uns deshalb sehr erwünscht, wenn uns die Veteranen zur Vervollständigung unserer Listen iirren Namen, Wohnort, Dienstgrad und Kompagnie mög­lichst bald Mitteilen wollten. Die Zuschriften,' zu denen sich eine Postkarte am besten eignet, sind au die Redak­tion des Gießenev Anzeigers zu richten.

** Werk st ätten arbeit bei den P r e u ß -Hessisch Staats bahn en vor den hohen Festen. Der Eisen- bahn-Mimscer hat genehmigt, daß an den Tagen vor Ostern Pfingsten und Weihnachten in den Eisenbahn-Werkstätten bis 2 Uhr mittags dnrchaearbeitet wird und die Arbeiter den Nach nnttag scet haben. Tie dabei ausfallende Arbeitszeit ist unter Bertetlung aus bie vorhergehenden Wochentage einzubriugeu cs stch Werber darum handelt, Wünsche der Arbeiter zu erfüllen, soll dte Arbeitsregelung nur da eingesührl werden, wo sich durch Anhörung des Arbettcrausschusses ergibt, daß die Mehrheit der Weiter sie wünscht.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 4. April. ImJohannesberg" fand heute vormittag die Hauptversammlung des KrciS- rechner-Verbandes statt. Kreisrat v. Bechtold und Kreisamtmann Dr. Heß, die der Einladung zur Versammlung Folge geleistet hatten, dankte der Vorsitzende, Kreisamts- burcauvorstcher Bechtold, für deren Erscheinen. Zunächst gedachte der Vorsitzende der im Laufe des Jahres verstorbenen Mitglieder Nodemer^ZlngerSbach, Ganß- Grebenhain, Hoff- maun-Almenrod und Herchenröder-Steinfurt, zu deren An­denken sich die Versammelten von den Sitzen erhoben. So­dann hielt er einen Vortrag über das Gemeinderechnungs- wcsen, erläuterte hauptsächlich die durch das Ministerium veranlaßte Vereinfachung auf diesem Gebiete und erteilte praktische Vorschläge über die Führung der Rechnergeschäfte. Nach einigen Fragen erstattete sodann der Verbandsrechnet Oestreich-Stockhausen den Rechenschaftsbericht und berichtete über die letzte Hauptversammlung des LandeS-RechnerverbandeL in Frankfurt. Durch einstimmigen Beschluß soll bei künftigen Sterbefällen Verbandsangehöriger der Kreisamtsbureauvorsteher Bechtold einen Kranz am Grabe eines jeden verstorbenen Mit­gliedes niederlegen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Ar heil gen, 3. April. Infolge des Zusammen» braches der Darmstädter Genossenschaftsbank entstand am Mittwoch ein großer Run auf die hiesige Spar- und Darlehenskasse, die dem Verband der hessischen Ge­nossenschaften angehört. Die Kasse zahlte auch alle Ein­lagen bis zum Betrage von 200 Mt'. aus. Höhere Be­träge unterliegen der vorschriftsmäßigen vierteljährlichen Kündigung. Es ist zu erwarten, daß die Kasse den Ein­legern, die ihr Guthaben kündigen, auch die Hypotheken:gelder kündigt. Wenn die Rückforderungen der Spareinleg^er so weiter gehen, haben sie selbst den Schaden zu tragen, denn auf die Tauer kann die Kasse dem Ansturm nicht: Stand halten.

Vermischtes.

* Gefährliche Irrsinnige. In der städtischen Irren­anstalt bei Herz selbe stürzten sich während eines Spazier- ganges im Anstaltsgarten vier Geisteskranke auf die beiden bie ( Aufsicht führenden Pfleger und versuchten mit abgebrochenen i Schemelbeinen, die sie unter den Kleidern verborgen trugen, sie niederzuschlageil. Ten beiden Beamten gelang es, sich der Angreifer m erwehren und zwei von ihnen nach hesttger Gegenwehr zu überwältigen. Den beiden anderen gelang es, über die Änstalts- mauer zu klettern und zu entkommen.

* Fämilientragödie. Ans Schwelm, 4. 9lpril, wird gemeldet: Als gestern abend in dem benachbarten Milspe, die von ifcrent Mann getrennt lebende Frau des Arbeiters F e ch t e l mit ihrem Lohn und Schwiegersohn in die gemeinsame Wohnung kam, um ihre Sachen herauszuholen, drang Fechtel auf sie ein und tötete seinen Schwiegersohn durch einen S 11 ch ins Herz. Seinen eigenen Sohn verletzte er schwer. Die Frau ist unverletzt. Der Täter wurde verhaftet.

* Leichtfertige Vergiftung. Aus Freiburg im Bretsgau, 4. April, wird gemeldet: Zwei Knaben im Alter von 7 und 9 Jahren fanden gestern nachmittag auf einem Schutt­abladeplatz eine Konservenbüchse, in ber sich offenbar mit R a t t^e n g i f t vermischter Kakao befand. Nachdem beide von dem Inhalte der Büchse genossen hatten, erkrankten sie alsbald unter Vergiftungserscheinungen. Der jüngere der lwiden ist noch in der Nacht gestorben, den ältesten hoffen die Aerzte am Leben zu erhalten. »

* Höchster Triunrph des heiligen Bureau- kratius. DerRappel" erzählt eine drollige Geschichte, die den Beweis liefert, daß in Frankreich sogar die Kommune sich durch lächerliche bureaukratische Förmlichkeiten hervortat. Während der traurigen Zeit der revolutionären Regierung staute sich eines Abends die Menge auf ber Rue Drouot, da man Nachrichten über eine Schlacht erwartete. Der Maire des Bezirks, in dem die genannte Straße gelegen ist, war damals Rane, den die Radi­kalen diegraue Eminenz" nannten, und dein jüngst unter großen Feierlichkeiten ein Denkmal gesetzt worden ist. Rane suchte die Postenkette der Nationalgarde, die die anstürmende Menge zurück­hielt, zu durchbrechen, aber die Truppen weigerten sich, ihn durch­zulassen, da sie ihn nicht kannten.Ohne bie Erlaubnis bes Bürgermeisters kommt hier niemand durch," sagte man zu ihm. Aber ich bin ja selbst der Bürgermeister," erwiderte er.Das ist schon möglich, aber Befehl ist Befehl, und cs wird hier nur der durchgelassen, der einen von Herrn Ranc unterschriebenen Passierschein vorweisen kann." Ta nalnn Ranc in aller Ruhe ein Notizbuch aus der Tasche, riß ein Blatt heraus und schrieb darauf:Ich wünsche durchgelassen zu 1 verben. Der Bürger­meister: Rane." Das Blatt überreichte er einem Posten, und man ließ ihn ohne weiteres durch.

vom

15. 5

wöcherttl. Uebersichl der Todesfälle i. ».Stadt Stellen.

12. Woche. Vom 16. bis 22. März 1913.

Cuuvohncrzahl: angenommen ru 32 400 (infl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 30,10 %i, nach Abzug von 10 Ortsfremden: 14,43 °/M.

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öumnia: 19 (10) 16(9) 2 1(1)

. Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geBen an, wie viel der Todesfälle in ber betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

ES ft arbeit an: Zusammen: Erwachsene: im

1. Lebensjahr:

Tuberkulose

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Llmgenentzündung

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Herztehler

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Schlaafluß

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anderen Gehirn»

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Blinddarmelltzünduna 2 (2)

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Blasenkatarrh

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Krebs

1

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Altersschwäche

1

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Lebensschwäche

2

2

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im Wochenbett

KD

1(1)

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die obere Klinir- straße südlich der Frankfurter Straße vom 3. (. M. für jeg­lichen Fuhrwerks- und Radfahrverkelw Ins auf weiteres gesperrt.

G i e ß e it, den 3. April 1913.

Groß herzogliches Polizeiamt Gießen.

GcbÜar.t^t.