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5.6.1913 Zweites Blatt
 
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NL 129

Zweites Blatt

Erscheint ISgUch mit Ausnahme des Sonntags.

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Gültigkeit! iert werden!

Die ..Siebener Farntlicnblatter" werden dem Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das Ureisblatt für den Kreis Sietzen" zweinwt wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Der Kaifcr bei -er Zubiläumsseier in Geldern.

Geldern, 4. Juni. Am Jssumertor hielt der Bür­germeisters Dr. Werners eine Ansprache, in der er dem Kaiser den ehrerbietigsten Willkomm-eusgruß der Bürger- schäft und den Dank für den Besuch aussprach. Der Redner erinnerte an die Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. zur Feier der 150jährigen Zugehörigkeit des Herzogtums zu Preußen, gelobte namens der städtischen Bevölkerung, treu zu stehen in guten wie in bösen Tagen zum Kaiser und königs-- lichcn Hause und bat, Se. Majestät möge der alten Herzog- stadt auch fernerhin Wohlwollen bewahren.

Der Kaiser dankte, worauf die Weiterfahrt zum Fest platze erfolgte. Hier nahm der Kaiser unter dem Kaiserzelt Aufstellung. Die vereinigten M ä n n e r ch ö r e des Herzog- tums unter der Leitung des Musildirektors Druegpott san­gen:Tie Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Dann hielt Graf von und zu Hoensbroech eine Ansprache, in der er ausführte:

Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät allertreu:stcn Söhne des Herzogtums Geldern grüßen in tiefster Ehrfurcht Euere Majestät im Jahre 200jährigcn Gedenkens der Zugehörig­keit dieses blühenden Gebietes zu Euerer Majestät gesegneten Landen. Von den Leiden des 30jübrigen Krieges gänzlich erschöpft, gelangte im Utrechter Frieden das Obcrauartier Gel­dern mit der alten Hcrzogsstabt unter Preußens Szepter, und nun endlich genoß das Herzogtum Jahrzehnte hindurch unter Friedrich Wilhelms I. starker .Hand die Segnungen des Friedens. Friedrich der lyroße erfänurfte das Land zum zweitenmal, baute die innere Organisation seiner niederrheinischen Gebiete und deren Zugehörigkeit zu Preußens alten Provinzen mehr und mehr aus und förderte mit weitem Blick Handel und Ge­werbe. Doch wieder gelangten die hiesigen Lande unter die Fremdherrschaft und erst Friedrich Wilhelm III. g?lang es, den Sturm im Osten zu entfesseln und auch Geldern wieder zu be­freien, und zum dritten Male zogen Preußens Fahnen sieg­reich in unsere Hauptstadt ein. In unauslöschlicher, dank­barster Erinnerung an das, was König Wilhelm I., der vor 50 Jahren die Huldigung des Herzogtums an dieser Stätte entgegennahm, seinem Reiche gewesen ist, haben des Herzogtums Söhne, von denen viele heute vor Euerer Majestät als Veteranen stehen, beschlossen, dem Andenken Kaiser Wilhelms des Großen ein Standbild zu errichten zum bleibenden Gedächtnis an Deutsch­lands ersten Kaiser und seine gewaltige Zeit: zur Mahnung an die Gegenwart und zum monarchischen und staatlichen Halt den kommenden Gesck/lechtem. Rach alter Sage wurde ein in hiesiger Gegend hausender Drache, der Land und Leute be­drängte, von zwei tapferen Söhnen des Landes erschlagen. In dieser Sage tvollcn Euere Majestät das Svmbol unserer Gc sinnung erblicken. Gelderns Söhne wollen stets bereit sein, gegen die vielgestaltigen Track)en der Zeit unter Euerer Majestät Führung zu kämpfen und sic mit Gottes Hilfe zu besiegen. Wahre Gottesfurcht, Königstreue und Vaterlandsliebe sind die Gaben, die wir Euerer Majestät als edelste darzubieten wagen.

Eine Kaiserrede.

Ter Kaiser hielt folgende Ansprache:

Ter Einladung zur Jubelfeier der 200jährigcn Zugehörigkeit Gelderns zur Krone Preußens bin Ich gern gefolgt und freue Mich, daß Ich es in dieser f e st l i ch bewegten Zeil habe ermöglichen können, heute unter Ihnen zu weilen. Ich danke herzlich für die freundlichen Worte, mit denen vorher der Herr Bürgermeister im Namen der alten Herzogsstadt und jeta Sie, mein lieber Erbmarschall, im Namen der Geldernfchen Lande Mich begrüßt und beglückt haben. Ter jubelnde Empfang und die freudigen Mienen aller Festteilnehmer haben Mir deutlich gezeigt, welche Gefühle treuer Anhänglichkeit die Herzen der Bewohner des alten Oberguarliers Geldern für das Hohn- zollernhaus, für Kaiser und Reich beseelen. Tic wechseloollc Gc schichte Gelderns lveiß von traurigen Schicksalen des Landes, von feindlichen Redrückunoen und K rieosnötcn in rpiHVr rr-.irtX

2Lbg. Bähr (23?.) widerspricht Bei Abstimmung wird aber dem Anträge Tr. Osann entsprochen.

_ O s a n n beantragt bann, das Haus möge sich mit der

Erklärung der Regierung einverstanden erklären. Der Antrag wird gegen die Stimmen Bähr und Iontz angenommen.

Es wird dann fortgefahren in der Beratung über den Punkt 1 der Tagesordnung

fVrcdjen hierzu noch die 9£bg. Wiegand Ztr.), M c r- gell (Ntl. i, der auf die Bemerkung des Finanzministers erwidert. Wenn es^zu unliebsamen Erläuterungen gekommen wäre, dann läge Die schuld an der Regierung selbst, die feine günstige Aus­kunft gegeben habe. Tie Erhöhung der Vermögen und Ein­kommen, von der der Minister gesprochen habe, sei lediglich eine Iolge des Anziehens der Steuerschraube. SBcilcre Ausführungen macht noch der 2lbg. M o l t ha n (Ztr.).

. Die Ab stimmung ergibt c i n st i m m i g e A n n a h m c des 9l u s s ch u ß a n t r a g e s.

Punkt 2, verschiedene Anträge über die Lohn - und Ar­beit s v c r h ä l t n i s s e der E i s e n b a h n b e d i e n st e t en, deren Besprechung ^gestern nicht vollendet woreen war.

?lbg. Raab >Soz.« sprickst sich für Lohnerhöhungen aus. Die heutigen Arbeiterausschüsse seien nur Dekorationen. Die Art, wie Teuerungszulagen gewährt werden, tarne einer Gesinnungs- schnüffclei gleich.

Abg. Adelung (Soz.) schließt sich diesen Ausführungen an und bringt Wünsche auf Arbeitserlejchterungen der Arbeiter bei dem Mainzer Nachtgüterverkehr vor.

H>g. 11 r ft a b t (Fortschr. Vv ): Kollege Raab hat von der Verteilung der Teuerungszulagen gesprochen. Mir sind Klagen zugegangen, daß Gießen übergangen worden sei. Als Grund wird angegeben, daß die Eist'nbahnbehörde Gießen für einen besonders billigen Ort halt. Ich sann den Umfang dieicr Umgehung nicht nachvrüscn. Von den Güterbodcnarbcilern weiß ich aber 'bestimmt, daß sie üb 'rgangen worden find, und gerade hier war die Umgehung unberechtigt Das Beispiel von Gießen erweat in mir die Befürchtung, daß auch anoere hessische Orte zu kurz, gekommen sind. Ich bin nicht der Ansicht, daß die Gesinnung mitgesprock'n habe, lieber die Dienstzeit bemerke ich, dap, die Leute in GiefHn sieben Tage hintereinander Nachtdienst haben. Vier Tage wären ausreichend. Man muß ernstlich prüfen, ob man den Wünicknn der Leute nick t cntgegcnkommen kann. Wir treten auch für das freie Koalitionsreck>t ein. Nur die Ausnahme: Streikrecht kann man ihnen nicht gewähren. Das beansprucheii die Leute aber auch nicht. Als Ausgleich treten wir dafür ein, daß wir danach streben, den Arbeitern eine Beamten­stellung nach und nach zu gewähren.

Die Ausschußmträge zu diesen Anträgen werden dann ein­stimmig genehmigt.

Vunlt 3, Vorstellung des Heinrich Rodenhäuser in Darmstadt, Mlelmung seines 23?irtschaftSkon-essionstzesuches, wird zurückgestellt.

, .Punkt 5, einige Vorstellungen der Radfahrer Union, des Hessischen Radfabrerbündes nsw, werden auf Antrag des Abg. Lutz an den Ausscknrß zurü^ko er wiesen.

Unt ' :2 Uhr vertagt sich das Haus auf unbestimmte Zeit.

Donnerstag, 5. 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts - Buch- und Steindruekerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition utib Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag:$5» 51. Redaktion: 112. Tel.-Adru2lnzeigerG.eßen,

Abg. M e rgelt (natl? begründet noch einmal eingehend seinen Antrag. -bic ablehnende Haltung der Regierung zu dieser Frage fei für die Bewohner des Odcnwaldes schmerzlich. Man hätte eine wohlwollendere Behandlung erwartet. Jetzt bitte er den Einspruch fallen zu lassen. Er bitte das Haus, seinem Anträge zuzustimmen, wie dies auch der Aussckußantrag will. Der Redner ist auf der Tribüne kaum verständlich.)

Abg. Dr. Heid en reich (natl.,: Die Frage des Aus­baues des Nebenbahnspstems ruht nicht. Der Redner geht daun noch auf eine Anzahl weiterer Odenwald-Bahnprojekte ein. Man müsse der drohenden Entvölkerung Einhalt zu bieten juckten.

Abg. Wiegand Ztr tritt gleichfalls für das Proiekr ein.

2lbg. Henrich (fortschr. Vp : Es ist an mjd) die Bitte gerichtet worden, auch für den Ausschiißantrag einzutreten. Ich komme ihr gerne nach, weil ich die wirtschaftlich: Bedeutung dieser Bahnlinie anerkenne. Ich glaube aber nicht, daß durch den Bau die Intcressen der Darmstädter Geschäftsleute wesentlich geschädigt tverden, wie der Abg. Mcrgell behauptet. Heute zieht sich der Verkehr nach Baden, was sich auch durch den Bau der Bahn kaum ändern toird. Ich bitte daher um eine Berücksich­tigung des Antrages.

Abg. Eißncrt (Soz.): Man nehme nicht so viel Rück­sicht auf das fiskalische Interesse. Die Interessen des Verkehrs seien in erster Linie maßgebend

Abg. Bähr (wild!: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Preußen ganz vernünftige Menschen sind iHeiierkeit). Sie sind uns in ieber Beziehung entgegengelommen. Früher, als die Bahnen neck) hessisch waren, waren bic Zustänbc weit schlimmer. ,(£r bittet dem Anträge zuzustimmen.

Abg. Molt hau -Ztr. : Es ist das dritte Mal, daß ich Ihnen als Berichterstatter bic Annahme dieses Antrages empfehle, und zum dritten Male wird der Eintrag >vohl auch von diesem Hause angenommen werden. Ich teile das Empfinden des Be­dauerns, den bic Vertreter aus bem Odenwald? hier ausgesprochen haben, ich teile aber auch das Empfinden des Unwille n s. Cs wird, gesagt, daß bic Rentabilität der Linie ihre Errichtung ausschließe. Auch ich betone, bau man bas siskalisck>e Interesse nicht so sehr in den Vordergrund stellen darf. Es ist nicht angängig, eine ärmere Gegend s o zu behandeln. Durch eine Bahn werden doch erst bic wirtschaftlichen Kräfte erschlossen. Technische, Schwierigkeiten bestehen auch nicht. Tic Regierung verweist auf die Ablenkung des Verkehrs nach Baden. Wenn das richtig ist, so hätte ja die Regierung in letzter Zeit fiele Fehler gemacht. Tic Regierung fanp doch nicht den Ver­kehr von anderen Bundesstaaten fernhalten. Man kann feine chinesische Mauer um Hessen errichten. Ich glaube, diese Bahn muß gebaut werden, auch wenn es Opfer kostet. Wenn die Gemeinschaft es ablehnt bic Bahn zu bauen, müssen ander? Wege gefunden werden. Ich bitte die Regierung, sich diesem Autq»gc sympathisch gegenüber zu stellen.

Finanzminister Tr. Brann;

Der Abg. Eißncrt hat an das Wohlwollen der Regierung appelliert. Durch Wohlwollen allein kann bic Bahn nicht ge­fördert lucrbcn. Aber das Wohlwollen wirb durch einen Teil der heutigen Erörterungen erschwert. Herr Mcrgell hat nach dem unkorrigicrten Stenogramm erklärt:Wenn es nun feststeht, daß bic Darmstädter Geschäftswelt uns nicht in der Weise in die Arme fällt, entsteht bi? Frage, wer erreicht benu das Ohr des Finanzministers. Ick bin das Sprachrohr des Odcnwaldes. Dort ist die Meinung verbreitet, es seien bic Herren Aktionäre der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft, bic sich der Großh. Re­gierung zu nähern gewußt haben. Ick will nicht behaupten, daß dem so ist. Ich sage nur, die öffentliche Meinung glaubt cs." Schön ist das nicht, aber es ist deutlich.' Diese Spinn- stubengeschichte, die der 2£bg. Mcrgell hier erzählt hat, ist stark.

Präsident Korell: Ich frage, ob S e. Exzellenz der Herr Finanz Minister die Ausführungen des Abg. M er g e 11 a l s Spinn st ubengeschichtcnbezcich- net hat.

Finanzminister Tr. Brann: Ich habe gesagt, daß er die Er­zählung weiterverbreitet hat, und diese Erzählung stabe ich als Spinnstubengeschicktc bezeichnet. Im übrigen bemerk ich, d a ß der Präsident nach deutschem p a r l a nr e n t a r i s ch e n Brauch kein R e ch t h a t, einen Re gicrungS Vertreter zu unterbrechen. (Oh! Oh! im Hause.)

Präsident Korell: Ich muß ben Herrn Finanzminister noch einmal unlcrbred eit. Ich behalte mir vor, ben Regierungs- Vertreter zu unterbrechen, so oft och «es für nötig befinde, um ; eine Feststellung zu machen.

.Finanzminister Tr. Braun (fortfahrendi: Es ist auch gesagt .

worden, daß, bic Regierung in ber Bahnangelegenheit gegen alle menschliche Vernunft gcfcanbelt habe. Das Maß der Vernunft häng! ab von ber natürlichen Veranlagung. Zwei Menschen werden über dieses Maß immer verschiedener Meinung sein. Oh eine Gegend wirtsck-aftlich zurückgchc, läßt sich am besten aus der Steuerstatistik feststellcn. In den letzten 6 Jahren sind die Vermögen in Reichelsheim gestiegen von 350 000 Mk. auf über 380 000 Mi., in Gumpen von 200 000 Mk. auf über 270 000 Mk. usw. Im ganzen in den Orten, die von der Bahn berührt werden sollen von 9140 000 Mk. auf 9 638 000 Mk Die Einkommen in Reichelsheim sind gestiegen von 400 ODO Mk. auf 516 000 Ml, zusammen in dieser Gegend von 937 000 Mk. auf 1200 000'Mk. Danach kann man nicht gut von einem wirt ichastlick)cn Rückgang sprechen. In Lindenfels sind bic Verhält­nisse weniger günstig. Tort sind die Vermögen zurückgegangen. Der Minister weist bann an Hand einer Aufstellung bic Kosten nad), die eine solche Bahn verursachen würbe. Wollte man ben .verschiedenen Bahnwünsckcn folgen, dann hätte man 7,5 Millionen Mark nötig. Wie man für eine solche Summe die Verzinsung in dos Budget ein stellen wolle, sei ihm nicht verständlich. 9hir so sei die Zurückhaltung der Regierung verständlich.

Es tritt bann eine Pause ein.

Nach der Pause stellt der Präsident fest, daß der Ftnanz- ninifter tatsächlich von Spinnstubengeschichten des Abg. Mcrgell QeibrodKit habe. Er (Präsident) habe daher von seinen Bemcr- fangen nichts zurückhunehmen.

Dr. Osann i^l.> bittet zur Geschäftsordnung den Punkt 4, Nachweisung über die Staatseinnahmen und -Ausgaben, jetzt hu verhandeln, damit die gestrige Regierungserklärung hierzu ihre ^iledigung finden .kann..

hessische Zweite Kammer.

m .... t bs. Darmstadt, 4. Juni.

Jsräfibcnt Korell-Angenrod eröffnet um 10,20 die Sitzung. Das Haus ist schwach besucht.

.. (Eintritt in die Tagesordnung erklärt der Abg. U c b e l bic Meldung desMainzer Tagblattcs", wonach er beabsichtigt habe, einen bem Ausschnßantrage betr. Staatsbeihilfe für bic Zcntralkafsc der Genossenschaftsbanken entgegengesetzten Antrag einzubringcn, für unwahr. Auch sei cs nicht richtig, daß das Zentrum anderer Meinung geworben sei. Er behalte sich zwar .loine Bedenken dem Ausschußantragc gegenüber zu äußern. ES wirb dann in die Tagesordnung cingctretcn.

Punkt 1. Antrag des Abg. Mcrgell: Ausbau der Nebenbahnen im mittleren Odenwald, insbesondere ber Nebenbahn Wcinhcim-Fürth bis Reichelsheim auf Staatskosten.

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, . Immrrnitä tsaussch u ß des ungarischen Reichstags hat dem Parlament aus Anlatz ber heutigen Vorgänge, die yi dem Eingrcrwu der Parlamentswachc führten, ronuicblagen, 14 Ab­geordnete wegen grober Verletzung ber Würde dev Hauses auf je fünf Tage aus z u sch li c ß c n unb' einer Geldstrafe von täglich 20 Kron n w nneud ber Ai's- wilietzung zu verurteilen, vegen den troh oes Ausschlusses im m'temblüto B-drÜÄmgen unb SriegSnbtcn in E-r-sW'KLE'-E W-- R-» b-r Ä-rschuß ÖOV

Lpekiakel im ungarischen Abgeordnetenhaus.

0 f c n b e ft, 4. Juni. Etwa 80 Abgeordnete ber Opposition jogen vom Jufthpartci-.ulub ins Abgeordnetenhaus. Als d->r Ministerpräsident in der Sitzung des Abgeordnetenhauses er­schien, wurden ihm von den Oppositionellen Beschimpfungen zu- geruien. Leidenschaftliche Szenen gab es auch bei dem Erscheinen bc» Graten Tisza. Als die Lärmszenen kciuEnde nahmen, wurde bic -L i y u n g aufgehoben unb bic Parlamentswachc schritt cm. Beim Erscheinen würben die Mitglieder der Parlaments- wache mit itürmifchcn Pfuirufen unb höhnischen Zurufen emp- fangen. Bon ber Erregung übermannt, stürzte sich der Haupt­mann der Parlamentswache Geros auf einen Ruhestörer, das Mitglied der Kossuthpartci, Hcdcrvary, und versetzte ihm zwei flache Hiebe. Hcdcrvary wurde aus dem Saal ge­bracht. a

Hierauf wurden einige Ruhestörer entfernt, welche der Auf- Torbcrung sich zu entfernen, nach einigem Sträuben mit hef­tigen Verwünschungen folgten. Hierauf zog die Parlarnemsivache ao, worauf tm Saale nur einzelne Oppositionelle verblieben w.lchc von dem Ausfchließungsbejehl des Präsidenten uichr ge­troffen wurden. Bei der Wiedereröffnung erhoben sich bic im Äaale gebliebenen Mitglieder der Opposition unb sckleuderten bem G r a^en -visza die ärgsten Beschimpfungen wie M or- uer und Schurke zu und verließen hierauf ben Saal. Darauf meldete Ministcrpraildent Lukacz an, das Kabinett habe seinen Rücktritt überreicht. Das HauS wurde unter Ovationen für Tisza unb Lukacz vorläufig vertagt

h,n 6.

165. Jahrgang

iehener Anzeiger

Genera!-Anzeiger für Gbechesssn

JW1CZ,

«hrnngen;

m erzählen und iäßr bic non unzufriedenen Seelen I o g er n zt ti er t cgute alte 3 ci t" in recht trübem Lichte eriajcincn. Auch bic Schwingen des Prcußisckfcn Ablers, beffen Seo1,10=F tone m 11 dem Hinzu tritt Gelderns u.im Branocnburgisck>- n l cn^ bcrliiüpft ist, waren im ersten Jahrhundert nickft immer hafng genug, bas fernab von bem Kern des Laubes, , l-, ber stärke, bclegenc Gebiet gegen mächtige F'eindtz

ju schützen unb zu becken. Seit der Befreiung des Vaterlandes von der .Fremdherrschaft, deren hundertjähriges Gedenken in diesem

\"cr< des deutschen Volkes mit nationaler Bcgcistening i£nb berechtigtem otols erfüllt, begann auch Geldern unter ben Segnungen des Friedens bic Früchte des Gewerbefleißes und der Vunfttertigkcit seiner Bewohner zu ernten Die heutige Blüte des schonen Landes ist aber, wie soeben rühmend heroorgehoben, zu einem wesentlichen Teile auf die liebevolle Fürsorge feiner Land cs fürsten zurückzirsühren, bic ber zähen Volks- Fraft unb sckasfens'reubigen Arbeitsamkeit ber Söhne des Nieber- rheins Weg unb Ziel gewiesen hoben. Tie Danlbarkcii hierfür tonnte bei ber heutigen Jubelfeier nicht schöner unb pietätvoller zum Ausdruck kommen, als durch ein Denkmal für den! erhabenen.öcrrfdjer, dem es beschießen war, der un­heilvollen Zerrissenheit der Deutschen Stämme ein Ende zu machen und ein festgefügtes einiges Reich zu frf>affen. Bei der Erfüllung dieser Seiner hohen Mission hat auch manck braver Sohn Gelderns treu geholfen und unter Seinen siegreickvn Fahnen Blut uni) Leben uir das Vaterland heldenmütig eingesetzt. Die edle Gestatt des großen und doch so demütigen Fürsten tritt heute lebhaft vor unser Auge, besonders Seinen alten Kriegskameraden unter uns unb bcHicmgcn, bic Ihm persönlich vor 50 Jahren hier auf benr Geldern scheu Marktplatz bei der löOiäbrmcn Jubelfeier ihre Hul- bigung darbring en dursten. Möge. ba> Denkmal, von bewährter deutscher Meisterhand geschaffen, den stkuhm des großen Kaisers noch fernen Geschlechtern verkünden. Möge es als ehernes Wahr- zeickcii der Zugehörigkeit Gelderns zu Preußen zugleich das Band

< D^ue und Liebe versinnbildlichen, das Fürst und Volk, Kaiser und R^ch unauflöslich miteinander verbindet. Mit diesen Wünschen empfehle Ich das Denkmal der besonderen Obhut der Stadt. Tic Hülle falle!

Als die Hülle fiel, präsentierte die Ehrenkompaqnie und Graf Hoeiisbroech brachte ein 5?och auf den Kaiser aus, die Musik spielte die Nationalhpmne, Böllerschüsse ertönten und 2 000 Brieftauben flogen auf.

Dann betrat der Kaiser das Rathaus, wo er im Rittersaal von den Vertretern der Stadt erwartet wurde. Drei Töchter Geldern im Kostüm der Königin Luise über­reichten den Ehrentrunk in einem alten schönen silbernen, vergoldeten Pokal. Der Bürgermeister Tr. Werner sprach darauf nochmals den Dank der Stadl aus. Der Kaiser erwiderte inrz in heiterster Stimmuncf, in der er der Stadt Geldern alles gute wünschte. Der Kaiser bemerkte u. a, wenn, wie er hoffe, die Wehrvorlage durch ginge, sich wohl eine Garnison für Eie ldern werde ermöglichen lassen. Daun verabschiedete sich der Kaiser und begab sich um etwa 1212 Uhr nach dem Schloß Haag, wo er das Frühstück bei dem Grafen HoensbrH.'ch einnahm, an dem auch die holländischen Herren teilnahmeu Die Abreise erfolgte um 2 Uhr 45 Min. nach der Wild­parkstation.

poltfefdbc Tagesschau.

DieNordd Allg. Ztg." über die braunschweigische Frage.

DieNordd. Allg. Ztg." weist ben Gedanken, die Ver­mahlung ber Prinzessin Viktoria Luise werde in Zukunft die Provinz Hannover beeinflussen, zurück. Hannover sei unb bleibe ein Bestanbteil des preußischen Staates: daran werbe auch kein Titclchcn geändert.

Auch Prinz Ernst dlugust und sein Vater wünschen nichts daN bic soeben geschlossene Verbinbung irgenbwie zur Grunb- lagc von Versuchen gemacht werbe, die auf Wiederherstellung des Königsreichs Hannover ober auck nur auf Aenberung b<*r preußischen Grenzen zugunsten Braunschweigs hinauslauscn Die Verdächtigung, auch die Prinzessin Viktoria Luise werde nunmehr für bic Wiederherstellung des Königreichs Hannooer eintreten, verdiene nicht,einmal ein Wort ber Zurückweisung. Tas feier» lütte Wort des Prinzen Emst August, das er im Einverstänonis mit leinem .verrn Vater abgegeben hat, verbürgt über jeden Zweifel hinaus, das; er nichts tun und nichts unterstützen wirb, was eine Acnbcrung des preußischen Besitzstandes im Auge bat. Ande rs steht es mit der Ordnung ber braun- ' 6 w c i g 11 chcn Verhältniss e. Aus Anregung der braun» schweigifchen Regierung wird, wie wir annehmen, der Bu n b es - rat im Lause des kommenden Herbstes in bic Lage versetzt werben, zu prüfen, ob der Thronbesteigung bes Prinzen Ernst August von Braunschweig noch Bedenken entgegenstehen Mit Hannover hat das, wie wir wiederholen, nicht bas Minbeste zu tun: denn eine hannoversche Frage gibt cs nicht

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