Nr. 55
Zweiter Blatt
|63. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint ta-Nch nm Ausnahme des Sonntags.
GeneM-Mzeiger für Oberhchen
Die „Giehever LamllienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Xreisblalt fkr den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Di». „Landwirtschaftlichen Seit- fregtn“ erscheinen monatlich zweimal.
Dienstag, 4. Nlärz 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls • Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^äl. Redaklion:^sA112. Tel.-Adr.:AnzergerGießen.
Der neue Vermittlungsversuch der Großmächte.
Wie d.as Reutersche Bureau erfährt, wird in der türkischen Note nur die Vermittlung der Mächte nachgesucht. Von Bedingungen ist u icht die Rede. In diplomatischen Kreisen wird betont, daß, der Nat, der ii der Kollektivnote der Mächte in einem früheren Stadium der Türkei gegeben worden ist, noch jetzt für gut gehalten wird und die einzige Grundlage ist, auf der eine Vermittlung seitens der europäischen Mächte stattfinden könnte. Das Reutersche Bureau erfährt weiter, daß der Vorschlag, den die Türkei Sir Edward Grey als den Präsi deuten der BotschafterkonferenK gemacht hat, zu gleicher Zeit in den anderen europäischen Hauptstädten durch die Vertreter der Türkei bekannt gegeben worden ist. Diese Tatsache war in diplomatischen Kreisen bereits am Freitag abend bekannt, ist aber aller Wahrscheinlichkeit nach formell erst auf der Botschafterkonserenz- am Montag von Grey mitgeteilt worden. Es ist beschlossen worden, Pie Balkan staaten von dem Ersuchen der Türkei in Kenntnis zu setzen und bei ihnen anzufragen, ob ihre Regierungen gleichfalls gewillt seien, die Herbeiführung einer Einigung der Vermittlung der Mächte zu überlassen, lieber die Frage, ob die Balkänstaatcn voraussichtlich ihre Sache ohne Vorbehalte den Händen Europas anvertrauen werden oder nicht, ist für den Augenblick keine Information zu erhalten. Der allgemeine Eindruck scheint indessen zu sein, daß. die Verbündeten gewillt sind, eine Vermittlung anzunehmen, daß sie aber vorerst die Bedingungen den Großmächten vorlegen wollen, mit denen sie zum Friedensschluß bereit sind. Nachdem sich die Großmächte über den Standpunkt der Dalkanstaaten vergewissert haben, werden sie, wie man erwartet, den Entwurf eineÄ Vertrages auffetzen, der dann von den beiden Parteien genehmigt und unterschriehen werden soll.
Die „Morgenpost/' meldet aus Konstantinopel: Die innere Lage der Türkei ist sehr ernst. Die Offiziere der'.Ga'llipoliarmee verlangten vom Großwesicr die HeimsäUdung der Truppen, deren Zu st and furchtbar sei.
Konstantinopel, 3. März. Der amtliche Kriegsbericht besagt: Infolge des seit zwei Tagen herrschenoen Sturmes und Schneewetters sind bei Bulair und an der Tschataldschalinie keine militärische Operationen durchgeführt worden. Der Feind bombardierte gestern Adrianopel in Zwischenräumen. Der Gcsund- heitszustarrd der Truppen ist trotz des schlechten Wetters überall ausgez-eichnet.
Die Botschafterkonferenz.
L o n d o n, 3. März. Die Botschafter Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Oesterreichs und Rußlands hatten heute nachmittag mit Staatssekretär Grey eine längere Sitzung im Auswärtigen Amt.
Deutsche Kolonien.
Die Entwicklung des KiautschougebieteS.
Die „Norddeutsche, Allgemeine Zeitung" schreibt über die Entwicklung des Kiautschougebictes vom Oktober 1911 bis Oktober 1912: Das Rcichsmarineamt gibt eine kurzgefaßte Ueber- sicht der Entwicklung des deutschen Schutzgebietes in Aiautschou int letzten Jahre bekannt. Die chinesische Revolution, die im Herbst 1911 einsetzte, wirkte auf das gesamte Wirtschaftsleben des weiteit Reiches lähmend. Am stetigsten von allen Plätzen Nord- chrnas bewahrte Tsingtau seine völlige Sicherheit und Ruhe inmitten von Revolutionsstürmen. Aus allen Parteilagern suchten und sanden im Berichtsjahre einflußreiche, gebildete Ehinesen in Tsingtau Zuflucht. Viele darunter entschlossen sich zur dauernden Niederlassung und zur Begründung gewerblicher und kaufmännischer Unternehmungen daselbst. Im Berichtsjahre sind 10- bis 12 000 Chinesen nach Tsingtau zugezogen. Die gute Ernte des Hinterlandes belebte ebenfalls den Handel, so daß auch die chinesische Kaufmannschaft auf ein gutes Geschäftsjahr zurückblickt. Die Kuanyinhau Schantung Amtsbank nahm ihren Betrieb in Tsingtau auf, deögleicher eröffnete eine der größten und kapitalkräftigsten Schansibanken, die Firma Tatekung, im Frühjahr 1912 eine Agentur; sie ist die Bank der chinesischen Großfirmen in Tsingtau. Außerdem sind mehrere neue größere chinesisch Firmen, darunter zwei Seidenfirmen, entstanden. Die Gesamt- einnahme des chinesischen Seezollamtes sind von 1306 520 aus 1406 113 Tales, gleich 7,6 Prozent gestiegen. Der Wert des Gesamthandels betrug im Berichtsjahre 98,96 Millionen Dollars gegenüber 69.40 Mill. Doll, im Vorjahre. Hierzu kommt, daß der durchschnittliche Dollarkurs gegenüber dem des Vorjahres erheblich gestiegen ist. Wird in den letzten beiden Jahren ein einheitlicher Durchschnittskurs von zwei Mark für den Dollar angenommen, so ist im Werte» des Gesamthandels eine Steigerung von 138.80 Mill. Mark auf 179.92 Mill. Mark zu verzeichnen. Die Einfuhr deutschen Ursprungs im Berichtsjahre hatte einen Wert von 5.4 Mill. Haikwan-Taels oder etwa 16.2 Mill. Mark; die Ausfuhr hat um 4.7 Millionen Dollars gleich etwa 9.4 Mill. Mark, demnach 14.5 Prozent zu- genommen. Bemerkenswert ist insbesondere die Zunahme der Ausfuhr von Rindvieh und dieZ u nähme der Baum- wol laus fuhr. Seit Juli 1912 verzeichnet ferner die chinesische Seezollpolitik einen nächtigen Ausfuhrartikel Wladiwostoker Erze, die von Tsingtau verschifft werden. Nach den jüngsten Nachrichten zieht sich der Seidenhandel Schantungs offensichtlich immer m"hr von Tschifu nach Tsingtau.
Die Deutsche Schantung-Eiseitbahn-Gesell- schaft wies int Berichtsjahre die folgende außerordentlich günstige Verkehrseittwick'limq auf: Einnahmen aus dem Personenverkehr 1911/12 960 247 Doll, gegen 644 880 Doll, in 1910'11 aus dem Güterverkehr 1911/12 3 068159 Doll, gegen 2 750 911 in 1910/11. Die Monate Oktober, November und Dezember 1912 ergaben mit 1211000 Doll, eine Mehreinnahme von 166 000 Dollars gegen die gleichen Monate des Vorjahres. Die Schanin ngbergbaugesellschaft förderte vom 1. Oktober 1911 bis 13. September 1912 im Fangtse- und Hungschanfelde zusammen 532 589,5 Tonnen Steinkohlen, gegenüber 453 275,15 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die seit langen Jahren erwogenen Pläne der Erschließung und Verwertung der großen deutschen Eisenlager und die Schaffung einer Hüttenindustrie in Tsingtau fangen nunmehr an, festere Gestalt zu gewinnen.
Das finanzielle Ergebnis des Geschäftsjahres für den Fiskus bestätigte bereits die hervorgehobene günstige Entwicklung des Schutzgebietes. Die „eigenen Einnahme n" sind von 5 325 978 auf 6 739 480 Mk. gestiegen. Diese bedeutende Steigerung der Einnahmen ist vornehmlich durch die Vermehrung der
Einnahmen aus Landverkäufen nm rund 465 000 Mk. (625 532 im Berichtsjahre gegen 150 990 im Vorjahre) entstandett. Im Zu sammenhange hiermit steht eine Mehreinnahme aus den Grund tenern von 26 000 Mk. Besondere Bedeutung ist dem Ausbau der deutschen Unterrichtseinrichtungen für chinesische Schüler beizumessen. Ihr Ziel ist, Tsingtau immer ausgeprägter zu dem Kulturzentrum zu gestalten, das in hohem Maße der Verbreitung deutscher Bildung und deutscher Sprache bient. Das wichtigste jener Einrichtungen ist die deutsch-chinesische Hoch schul c. Zahlreiche chinesische Bewerber mußten abgewiesen werden, weil die Beschränktheit der Räume und die Zahl der vorhandenen Lehrkräfte eine weitere Erhöhung der Schülerzahl unmöglich erscheinen ließ. Das neue Hauptgebäude der Hochschule ist unter Dach gebracht; mit den Ausbauarbeiten wurde begonnen, so daß das Haus in nächster Zeit der Benutzung wird übergeben werden können. Doch zeigt es sich bereits, daß der vorgesehene Ausbau dem Andrang nicht genügt. Da in letzter Zeit viele Schüler von angelsächsischen Schulen um Aufnahme nachsuchen, wurde im Frühjahr 1912 eine Sonderklasse gegründet, die englisch sprechende junge Chinesen mit guter allgemeiner Vorbildung so intensiv in der deutschen Sprache fördert, daß sie in verhältnismäßig kurzer Zeit nach den höheren Klassen versetzt werden können. Auch diese Klasse ist bereits überfüllt. Die Aufforstungsarbeiten im Schutzgebiet haben ihren regelmäßigen Fortschritt genommen. Erfreulich ist die erhebliche Abnahme der Insektenplage. Das Landgebiet der deutschen Kolonie, dem die Marineverwaltung besondere Fürsorge znwendet, hatte im Berichtsjahre eine gute Ernte zu verzeichnen. Auch die als Hausindustrie von der deutschen Verwaltung im Schutzgebiet neu eingeführte S t r o b o r t e n s l e ch t e r e i hat tüchtige Fortschritte gemacht. Auch die Erfolge der Seidenraupenzucht waren befriedigend. Der Wegebau macht gute Fortschritte; die Aufforstungsarbeiten im bergigen Gelände, für bereit Leitung auch das deutsche Forstamt feine Erfahrungen zur Verfügung stellt, wurden im Landgebiete freiwillig von den Chinesen übernommen.
Aus Reffen»
Friedberg, 3. März. Der Bund der Landwirte stellte für die 1914 stattsindenden hessischen Landtagsnwhlen im Wahlkreis Butzbach den Molkereibesitzer Bill aus Niederweisel als Kandidaten auf.
Aus StaOä und
(»riehen, 4. März 19 13.
*' Ordensverleihung. Ter Groß Herzog hat dein Geh. Archivrat Dr. Gnft. Könnecke zu Marburg das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
" Bahnpersonalien. Ernannt wurden die Hilss- heizer Neh und Rau in Gießen zu Lokomotivheizern, die Schaffner im Probedienst CaSpary und Müller in Gießen zu Schaffnern. Verseht'wurden: Effenbahn-Assiftent Wolter von Mühlheim nach Alsfeld, Hommerich von Alsfeld nach Lauterbach, Purfürst von Lauterbach nach Fulda, Schaffner Failing von Herborn nach Wetzlar. Tie Prüfung bestanden zum Lokomotivführer die Lokomotivheizer Kober in Nidda, Bock in Gießen, Katzenbach in Friedberg; zum Unternffiitenten die Eisenbahngehilfen Braunroth in Fried- berg, Schön in Hungen, Pfeffer in Saasen, Schneider in Großen-Linden, Schäfer in Gießen; zum Schaffner die Hilfsschaffner Mörschel in Friedberg, Blank, Völzel, Dort, Weigel und Theiß in Gießen, Dräut und Schmalz in Hungen, Junker in Nidda und Lohn in Oberaula. Pensioniert wurden der Lokomotivführer Stein in Friedberg und Bahnwärter Ringleb in Lang-Göns. Eine Belohnung erhielt Streckenarbeiter Petry in Friedberg für Abwendung einer Betriebsgefahr.
*• B e i der vorläufigen Neuregelung der Dienstbezüge der Staatsbeamten für 19 12 sind auch Mittel zur Ausbesierung bedürftiger Pensionäre und Hinterbliebenen bewilligt worden. An diesen Ailfbesserungen waren die Altpensionäre der hessischen Staats- eisenbahnen nnd dieHinterbliebenen ehemaliger Eisenbahnbeamten nickp zu beteiligen. Da die gesamte Pensionslast und Hinterbliebenenversorgung der hessischen Staatsbahnbediensteten einschließlich der der früheren Ober- hessischen Eisenbahnen und der Main-Neekarbahn von der Eisenbahngemeinschaft zu tragen ist, fallen dieser arich etwaige Leistungen für die Aufbesserung solcher hessischer Pensionäre und Hinterbliebenen zur Last, die an den gesetzlichen Aufbesserungen der letzten Jahre nicht teilgenommen haben. Für solche Zuwendungen sind im Voranschlag der Eisenbahn- gemeinfchast bereits für 1912 Mittel bereitgestellt worden. Nach dem Voranschlagsentwurf für 1913 sollen sie erheblich verstärkt werden. Die bei dem Finanzministerium ein- gelaufenen Gesuche und Fragebogen sind seinerzeit an die Eisenbahndirektionen Frankfurt und Mainz zur Entschließung abgegeben worden. Etwaige weitere Gesuche wären ebenfalls an diese Stellen zu richten.
Landkreis Gietzen.
§ La up-Göns, 3. März Am 1. und 2. März fand in der Gastwirtschaft Henrich die erste Lokal-Ausstellung des 63 e f l ü g e l -, Vogel- u n d K a n i n ch e n z u ch t - V e r e i n s statt, welche überaus zahlreicli besucht ivurde. Als Preisrichter ivaren I. Kolter und Gg. Stoll, Bad-Nauheim tätig. Preise erhielten : Hühner: „Plymouth Rocks": 2. Preis Ludwig Gerhardt, Kirch-Göns, 8 Preis Wilhelm Müller, Lang-Göus; ,2 a n gt; l) a nfl schwarz: Ehrenpreis Karl Langgöns, Lang-Göus; Oroingtou" gelb: Ehrenpreis K. August Faber, Lang-Göus, s ch w a r z: Ehrenpreis Konrad Belten VI., Lang-Göns ; ,W yan° dottes" weiß Lobende Anerkennung Karl Großhaus, Lang- Göns, Gold: Ehrenpreis Heinrich Zeiß, Lang-Göns, 2. Preis Ludwig Velten, Laug-Göns; „Minorkcti schwarz": 1. Preis Heinrich Zeiß, Lang-Göns, 3. Pr. Konr. Velten VI., Lang-Göns; „Rebhuhnfarbtge Italiener": Ehrenpreis Karl Kd' Schäfer, Lang-Göns, 2. Preis Karl Langgöns, Lang-Göns, Albert Bartschat, 3. Preis Ltldwig Gerhardt, Kirch-Göns, Heinrich Flact) K. Aug. Faber, K. K. Schäfer und Wilheltn Bops, sämtlich in Lang-Göns; „Italiener gelb": 1. Preis Wilhelm Müller, 3. Pr. Wilhelm Henrich, beide in Lang-Göns; „Italiener > il b e r h a ls i g*: 1. Pr Otto Müller I., Lang-Göns : „Italiener weiß": Ehrenpreis Karl Ringleb, 2 Preis Wilhelm Philipp "oller, beide in Lang-Göns; .Hamburger schwarzlack": Ehrenpreis Heinrich Freu, Lang-Göns. Z w e r g h ü hne c : „B a n- tam schwarz": 3. Preis Johs. Müller XXXV., Lang-Göns. - Tauben: „B a g d e t t e n franz, weiß: Ehrenpreis Willy
Ebel, Lang-Göns, franz, schwarz: Ehrenpreis Aug. Karl Faber, ^ang-Göns, franz, blau: 2. Preis K. Aug. Faber, Lang-Göns; .Mövchen" rote Schild: 1 Preis Albert Barlschat, Sang- tzöns. „Ko bürg er Lerchen": Ehrenpreis Kd. I. Brückel, r. Pr. Heinrich Zeiß, beide in Lang-Göns; „Schnippchen" gelb: Ehrenpreis Heinrich Zeiß, Lang-Göns; „Schnippchen s ch iv a r z in. Kappe n" : 3. Preis Heinrich Zeiß, Lang-Göns. — Kaninchen: „Belgische Riesen, du n f elgrau": Ehrenpreis Ludwig Gerhardt, Kirch-Göns, eisen gran: 3. Preis Otto Dh'iller II., Lang-Göns ; „F r a n z. Widder, grau-weiß: 3. Preis Otto Eckhardt, Lang-Göns; „H o l l ä n d e r b l a u - w e i ß": Ehrenpreis Karl Langgöns, 3. Preis Wilhelm Merz, beide in Lamp Göns, s ch iv a r z - w e i ß : 3. Preis Wiltzelm Merz und Karl Graßhaus, beide in Lang-Göns; „Silber gelb": Ehrenpreis Ludw. Steinmüller, Lang-Göns, 1. Preis Ludwig Gerhardt, Kirch- »öns, 3. Preis Wilhelm Merz, Wilhelm Artz, Karl Kramer, Ludw. Steirmiüller, sämtlich ui Lang-Göns, unb der Geflügel-, Vogel- und Kaiiiiicheiizuchtverein Lang-Göns; „D e u t s ch e R i e s e n s ch e ck e' :
. Preis Varl Langgöns, Lang-Göns; Russen: Ehrenpreis Ludivig (Gerhardt, Kirch-Göns, 3. Preis derselbe; S ch l a ch t r a s s e : Ehrenpreis Will). Frey, Lang-Göns, 2. Preis Ludwig Gerhardt, Kirch-Göns.
Hessen-Nassau.
* Forst Haus Haina, 3. März. Das Patent äks Hegemeister ist dem Förster Möhringer zu Forsthaus Haina verliehen worden.
Ii. Schrecksbach, 2. März. Während be§ Gottesdienstes mußte eine Frau husten, worauf sie der Pfarrer von der Kanzel herab zur Ruhe verwies. Die Frau mußte aber trotzdem wieder husten. Das ärgerte den Pfarrer so sehr, daß er den Gottesdienst sofort schloß. Die Gemeinde gab aber dem unduldsamen Herrn die richtig! Antivort, indem sie mit verschwindend wenigen Ausnahmen die Gottesdienste seither nicht mehr besucht und dem Kon- fiftoriinn Mitteilung von dem Vorfall machte.
Getreide-Wochenbericht
der Preisbericktsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vorn 25. Februar bis 6. März 1913.
Vorn Auslände lagen in der Berichtswoche keine neuen Anregungen für den Getreidehandel vor. Die Forderungen der Exportländer zeigten trotz teilweiser Ermäßigung der Seefrachten keine nennenswerte Veränderung. Die Weltverschifftmgen sind zwar andauernd stark, entsprechen aber nur dem laufenden Bedarf Westeuropas und üben daher keinen Druck auf die Stimmung aus. In Deutschland machte sich eine stärkere Nachfrage nach ausländischem Weizen bisher nur am Rhein bemerkbar, während sich der Bedars in Mittel- und Norddeutschland nach wie vor an den wesentlich billigeren einheimischen Weizen hält. Allerdings hat das Angebot von guten. Qualitäten, für das auch der Export andauernd Interesse bekundet, in letzter Zeit merklich nachgelassen, so daß sich die Preise dafür gut zu behaupten vermochten. Das gleiche gilt für Lieferung, da Abgeber mit Rücksicht auf den Mangel andienungsfähigen Weizens um so vorsichtiger sind, als fremder Weizen nur zu wesentlich höheren Preisen zu beschaffen ist. Roggen zeigte sich im allgemeinen weniger widerstandsfähig. Wohl geht andauernd viel Material nach der Küste, doch handelt es sich dabei meist um die Erledigung früherer Abschlüsse, während neue Verkäufe nur bei ermäßigten Preisen zu bewerkstelligen waren. Wie die Küste infolgedessen ihre Gebote reduzierte, so suchten auch die Mühlen billiger anzukommen. Wenn sich die Lieferung ttotz des wesentlich nichtigeren Preises der effektiven Ware voll zu behaupten vermochte, so liegt das daran, daß man bezüglich der Haltbarkeit des inländischen Roggens Bedenken hegt. Hinzu kommt, daß Rußland nur wenig offeriert und für seine unbefriedigenden Qualitäten Preise fordert, die gegenüber den deutschen Offerten weder hier noch im Auslande Reckmung geben. Der Ha ferm ar kt hat fein ungünstiges Aussehen beibehalten. Schlesien offeriert seine Durch- schnittsware wesentlich unter Berliner Lieferungspreisen, ohne Käufer zu finden, da der Konsum nur wenig Wareiaufnimmt und wie beim Roggen so auch bei diesem Artikel die Ungewißheit wegen der Haltbarkeit der Qualitäten den Handel davon abhält, Arbitrage-Operationen .vorzunehmen. Für Braugerste haben auch die stark herabgedrückten Preise keine Belebung der Kauflust herbeizuführen vermocht. Auch Futtergerste behielt schleppenden Absatz. Russische Gerste war trotzdem eher fester, da man in nächster Zeit nur schwache Zufuhr in den deutscher Höfen erwartet- so daß es zur Erfüllung von Vorverkäufen an Ware fehlen dürfte. Mais hielt sich im Preise, zumal argentinisches Material, für das England bessere Verwendung bietet, knapp zu werden beginnt.
Es stellten sich die Preise für inländ. Getreide am letzten
Markttage in Mark per 1000 kg wie folgt:
Hafer
Weizen
• Roggen
Königsberg
- (-
) 161 (—31/,)
- (- )
Danzig
207 (- :
s 160 (— 5)
170 (— 1)
Stettin
188 (- )
159 (- 1)
168 c- 2)
Posen
186 (— 1
» 157 (- 2)
157 (- 1)
Breslau
190 (- 1}
160 (— 1)
157 (— 2)
Berlin
197 (— 1)
1 163V.(- 2)
198 (- )
Magdeburg
192 (- 1)
162 ’(— 3)
181 (— 2)
Halle
199 (4- 2)
167 (- 2)
185 (- 5)
Leipzig
193 (- )
165 (— 1)
183 (- 2)
Dresden
195 (- )
162 (— 2)
177 (— 2)
Rostock
181 (— 1
' 161 (- )
160 (- 6)
Hamburg
205 (— j
i 174 (— 1)
168 (- 2)
Düsseldorf
210 (+ 1)
i 181 (+ 1)
177 (+ 2)
Frankflcrt a,
» SOI. 210 (— )
178‘M-l1/,)
190 (- )
Mannheim
212% (-
) 180 (- )
180 (- )
München
218 (- )
180 (— )
178 (- )
Weltmarktpreise:
Weizen: Berlin Mai
208.50 (— 0.2E
Pest Aprll 195.30 (+ 0.50), Paris März 226.95 (+ 1.20), Liverpool Mai 164.15 (— 0.45), Chicago Mai 142.30 (— 0.20). Roggen: Berlin Mai 173.00 (- O.Od). Hafer: Berlin Mai 170.25 (— 0.50). Futtergerste: frei Hamburg unverzollt Südruss. schivim. 137.00 (+ 1.00), Febr. 138.00 (-{- 1.75). Mais La Plata schwim. 116.50 (— 0 00). Mixed Febr.-März 109.00 (Z- 1.50) Mark.
Markte.
Gießen, 4. März. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkte Miete: Butter das Pfund 1,00—1.15 Mk„ Hülmereier 1 Stück 7—8 Pfg^ 2 Stück 00 Pfg., Enteneier 1 Stück 0—0 Pfg., Gänseeier !St. 10 Pf., Käse das Stück 6—8 Pfg., Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg., Tauben pr Pr. 0,80—1,00 Mk^ Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Halmen pr. Stück 1,50—2,50 Mk^ Enten pr. St. 2,00—3,00 Mk., Gänse das Pfd. 70-80 Pfg. Ochsen fleisch pr. Pfd. 92-100 Pfg., ihhibfleifd) vr. Pfund 90—94 Pfg., Kuhfleisch 80 Pfg^ Schioeine- fleisch pr. Pfund 90—110 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 94—98 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 70—96 Pfg., Kartoffeln pr. 1"O Kq. 5.00 bis 5J)0 Mk., Weißkraut das Stück 10 bis 20 Pfg., Zwiebeln per Ztr. 6,00—8,00 Mk.. Milch das Liter 22 Pfg.» Nüsse 100 Stück 50—60 Psg^ per Ztr. )—00 SDZL, Birnen das Pfund 12 bis 15 Pfg., Aepfel der Zentner 10 - bis 15 Mk. Marktzeit von 8 l»iS 2 Uhr.


