Ausgabe 
4.12.1912 Drittes Blatt
 
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Mittwoch, 4- Dezember (912

aufrecht erhalten, wie die anderen

e diejenigen

Sunlichl'Seife E9

Wäsche ?

bildet einen vollkommenen Ersatz für die Rasenbleiche und macht schädliche Zutaten und scharfe Waschmittel überflüssig. Blütenweisse Reinheit und köstliche Frische der Wäsche entzücken die Herzen aller Hausfrauen, welche nur allein Sunlicht Seife verwenden. Man weise Nachahmungen zurück!

SUNMCMTSEIFE

PAS ENTZÜCKEN OER MAUSFXAU

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UniversitälS»Buch- und ©teinbrucferei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Erpedition und Dnickerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e-ss-51. Redaktion:^^ 112. Tel.-Adr.: AnzelgerGreßen.

ICircbc nnd Schule.

Das neue sächsische Volksschulgeseh.

Die sächsische Zweite Kammer nahm nach fünftägiger Beratung den Entwurf des Volksschulgesetzes mit mehrfachen grund­legenden Abänderungen an. Darnach wurde die Einführung der allgemeinen Volksschule mit höheren Ab­teilungen vom dritten Schuljahre ab, sowie die Schulgeldfreiheit, die konfessionelle Volks­schule, die Befreiung der Tissidentcnkinder vom Religions­unterricht, die Einrichtung der obligatorischen Mädchenfort- bildungsschule, der Wegfall des Gelöbnisses der Bekenntnistreue durch die Lehrer, die Möglichkeit, daß Frauen Mitglieder des Schulvorstandes sein können und die Einführung des Landesschulbeirats beschlossen.

Tie Abstimmung war namentlich. Ter Entwurf wurde mit 61 gegen 28 Stimmen angenommen. Tie Konservativen stimmten geschlossen dagegen. Die Nationallibcralen enthielten sich der Abstimmung. Das Gesetz geht nunmehr an die Erste Kammer.

Kleine Tageschronik.

In Insterburg wurden der Landbriefträger Barischek und seine Frau, die vor zwei Tagen Hochzeit hatten, in ihrem Schlafzimmer mit Kohlenoxydgasen erstickt vorgefunden. Ter Bruder der Frau, der im Vorraume schlief, war besinnungslos und starb' bald darauf im Krankenhaus.

Handel.

'Einführung d eS Po st s ch e ckv e rke h r s inBelgien. Tie belgische Regierung, die anfangs 1913 den Postscheckverkehr ein- Äiinibren beabsichtigt, bringt jetzt nähere Angaben darüber. Be­sonders bemerkenswert ist dabei, daß die belgische Regierung die in Deutschland gemachten Ersabrungen zu Grunde legen wird, und es auch für empfehlenswert hält, die in Deutschland bestehende Nichtverzinsung der Postscheckguthaben für die belgische Einrichtung zll übernehmen.

Märkte.

fr. Frankfurt a. M. Cchweinemarktbericht öom 4. Dez. Anfaetrieben waren 1500 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Lebendgewicht 6x.o0-70.00 Alk., Schlachtgewicht i7.00-89.00 Alk., pollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 67.0:i69.00 Mk., Schlachtgewicht 8-8j 0 Mk.; vollfleischige Schweine von 100120 kg Lebendgewicht 68.0070.00 Alk., Schlachtgewicht 8789.00 Alk.: pollfleischige Schweine von 120 bis 150 k? Lebendgeivicht 68.' 0-70.00 Mk- Schlachtgewicht 8..0089 Alk. Geschäft langsam, bleibt Uebersiand.

Die geschichtliche Entwicklung des hessischen Eisenbahawesenr.

eh. Gießen, "4. Dez.

Im Ortsgewerbeverein hielt gestern abend Oberlehrer Tr. Richter einen ^Vortrag über die geschichtliche Entwicklung des hessischen Eisenbahnwesens, dem folgendes entnommen sei:

Hessen frat für den Eisenbahnverkehr eine sehr günstige Lage, es vermittelt den Verkehr zwischen Norden uni) Süden. Es ent­standen dementsprechend schon frühzeitig in fast allen Städten des Landes Gesellschaften für den Bau von Eisenbahnen. 1836 bildeten sich Gesellschaften in Darmstadt und Mainz. Die Mainzer zollten eine Bahn nach Frankfurt, Darmstadt dagegen wollte eine Konzession für ganz Hessen. Das wurde vom Ministerium abgclehnt, worauf eine Bahn von der Bergstraße her über Darm­stadt bis in den Isenburger Wald geplant wurde, wo sie sich nach Mainz und Oftenbach verzweigen sollte. Doch kam das Projekt nicht zur Ausführung. 1840 wurde die Bahn von Wies­baden nach Frankfurt gebaut, die wenigstens teilweise auf Äffischem Gebiet verläuft. Die Darmstädter Gesellsckwft erwarb 1838 die Konzession für eine Bahn von Mannheim über Tarmstadt nach Frankfurt. Sie brachte auch dafür ein Kapital von l1,'? Millionen auf, doch reichte dies nicht, so daß sich 1841 die Gesellschaft auf­löste. Dann wurde in Hessen ein Gesetz angenommen, wonach der Staat die Hauptbahnen bauen sollte, während der Bau von Neben­

Gerichtssaal.

Weiterverhandlung im Prozeß des Bischofs Denzler.

: Metz, 3. Tez. Nach mehrtägiger Unterbrechung ist der Prozeß des Bischofs B c n z l e r gegen den Abbe T h i l e m o n t wegen Beleidigung, der nach Vergleichsvorschlägen abgebrochen worden war, wieder ausgenommen worden. Bischof Benzler hatte erklären lassen, daß er sich mit einer allgemeinen Zurücknahme der Beleidigungen nicht beruhigen könne, sondern spezielle Rück­nahme jeder beleidigenden Aeußerung wünsche. Ter Vertreter des Beklagten betonte, daß sein Klient weites Entgegenkommen gezeigt habe, die Forderungen des Bischofs könne er aber nicht erfüllen. Es wurde also weiter verhandelt. Die Beweisaufnahme dürfte nur noch kurze Zeit in Anspruch nehmen, da nur noch die inkriminierte Broschüre zu verlesen ist.

ihrer Freunde unterstützen werden. Es braucht kaum flefagt zu werden, daß nichts Herausforderndes in dieser Erklärung liegt, wenn sie auch ungeschminkt abgegeben wird. Es ist nichts mehr als eine Erklärung, daß Deutschland int Notfall seine Verpflichtung gegen seine Verbündeten erfüllen würde, wie das jede ehrenhafte Macht tun würde. Dieser Teil der Rede ist, wie wir hören, mit großer Genugtuung in Oester­reich ausgenommen worden. Einzelne Stellen dürften in Kon­stantinopel willkommen sein. Der Kanzler erklärte, die Bestre­bungen Deutschlands würden «nach Herstellung des Friedens darauf gerichtet sein, die Vitalität der Türkei als eines be­deutenden politischen und ökonomischen Faktors in der Welt aus- rcckft zu erhalten. In diesen Bestrebungen wird Deutschland nicht allein stehen.

Daily C h r o n i c l c" schreibt:

Man hat Herrn v. Bethmanns Rede int Reichstag als die Erklärung einer der sechs Regierungen angesehen, in deren Händen das Schicksal Europas liegt, und zwar der Regierung, die die stärksten Trümpfe auszuspielcn hat. Ihr Ton war ganz, wie man es wünschen konnte, obwohl hinter ihrer Zurückhaltung ein pessimistisches Element unverkennbar ist. Der Kanzler lvies auf die Möglichkeit eines österreichisch-russischen Krieges hin, aber es wäre absurd, in dieser Erklärung vermehrte Gründe für die Walrrsch'einlichkeit einer Katastrophe zu finden. Tic Versicherung des Kanzlers, daß Deutschland seinem Ver­bündeten gegen einen russischen Angriff beistehen würde, ist für niemand etnws Neues. Deutschland würde cs tun müssen, wenn cs nicht seinen Verbündeten zwischen den überwältigenden Kräften der Slawen wie eine Eierschale zerdrückt sehen nwllte.

Daily News" betont, daß das Interesse Eng­lands lediglich darin besteht, den Frieden zu wah­ren «und daß es sein Bestreben sei, jeden Zwist zu vermeiden, der England in einen Konflikt verwickeln würde, der es nichts -angeht. Das Blatt fährt fort:

Diese abgesonderte Stellung ist Englands Stärke und es ist die reinste Tatsache in der Lage, daß unsere Beziehungen zu Deutschland während der ganzen Krise befriedigender gewesen sind als seit langer Zeit. Diese befriedigende Tatsache ist gestern hon Herrn v. Kiderlen-Wächter in einer bemerkenswerten Rede bestätigt worden. Nach dieser Rede sollte keine Kriegsgefahr be- ivehen, denn in dieser wie in allen Krisen liegt die endgültige Entscheidung zwischen Deutschland und England.

Daily Telegraph" meint:

Es ist ein glücklickies Zeichen in trer gegenwärtigen Verwirrung, bog Deutschland eine Interessengleichheit in der Hal tung Englands und Frankreichs anerkennt, da beide int gleichen Sinne mit ihm arbeiten. Nicht umsonst hat Fürst Lichnowskt) am Samstag so beredten Nachdruck auf die Wendung gelegt, die unsere deutschen Nachbarn mit uns verknüpft, imd berr v. Kiderlen sagt nun dasselbe von der diplomatischen Seite.

Der E ndruck in Italien.

Rom, 3. Dez. Alle Blätter besprechen die Rede des Reichskanzlers.P o p o l o Roman o" schreibt, die ge>

bahnen Privatgesellschaften überlassen wurde. Nach langen Be­mühungen kam zunächst 1846 die Main Neckar Bahn zustande. 1848 wurde die Lokalbahn Fran hurtOffenbach eröffnet. Tie Einnahmen der Dahnen waren gering, man versprach sich aber eine Besserung, nxiut die Main-Deser-Bahn gebaut werden könnte. 1850 lonnteii die ersten Teilstrecken eröffnet nwrden und bis 1852 war die Bahn von Frankfurt bis Gießen fertig. Mainz blieb unberücksichtigt und kam auch hinsichtlich des Hasenverkehrs ins Hintertreffen. 1851 wurde Main;Ludwigshafen, 1858 Mainz DarmstadtAschaffenburg und 1861 MainzBingen eröffnet. Letztere Strecken konnten wegen Geldmangels erst gebaut lucrben, nachdem im Lande selbst ein großes Kreditinstitut, die Tarm-- städtcr Bank,gegründet war, das sich des Bahnbaues kräftig annahm. Gebaut wurden von der hessischen Ludwigsbahn dann loeitcr MainzFrankfurt, MainzAlzen, WormsAlzepBingen und angetauft FrankfurtHanau. Bis dahin wurden nur Durch- gangsstrecken gebaut. 1851 kamen die ersten lokalen Wünsche, nämlich der Wunsch nach dem Bau einer Bahn von Gießen durch das Hinterland. Dann kamen Dünsche nach einer Bahn von !:?r^ur9 na(b Köln und Koblenz, sowie von Marburg nach Als- md und Lauterbach. Mit Hilfe der preußischen Regierung kam rc KölnGießen zustcnde und damit die Fortsetzung der Bahn über Alsield nach Lauterbach und nach Gelnhausen. Doch scheiterte erstere Linie zunächst an dem Widerstand Kurhessens. In Südhessen - nmn an eine Linie FrankfurtOffenbachHanau, Tann- ItadtWorms und DarmstadtOffenbael Ter Friede von 1866 brackste eine Umwälzung der Verhältnisse. Es war klar, daß Preunen die rechtsmainisch.il Strecken zu enverben suchen würde. ~,c Ludwigs bahn machte deshalb den Vorschlag, daß es Preußen die ,yranfjurtSmnaucr Bahn abtreten wollte, wofür sie den preußischen Anteil der Main -Neckar-Bahn haben wollte. Von Heuen wollte die Ludwigsbahn ebenfalls die Main-Neckar-Bahn abgetreten haben, wofür sie eine Anzahl Strecken in Südhessen bauen wollte. Tiefe Projekte kamen nicht zustande. 1868 ging ber Betrieb der Main-Weser Bahn auf Grund einer Bestimmung des '^>edensvertragS an Preußen über, worauf Preußen den Bahnbau GießenGelnhausen und GießenFulda gestattete. Heften gestattetedagcgen Preußen den Dan der Bahn Friedberg vtmau. 1879 ging die Main-Weser-Balm ganz in den Besitz sP rennens über. Die LuMngsbahn baute neu die Riedbahn Frank- NtrtMannheim imd die Oeenwaldbahn. 1880 begann dann der Konkurrenzkampf der preußischen Staatsbahnen gegen die Hessische Ludwigsbahn und die oberhesiischen Bahnen, den Preußen durch Tarnkündigilngen und Verkehrsumleitungen führte. Dagegen wurde die Main Neckar-Bahn zur Umgehung der Ludwigsbahn benutzt und hatte glänzende Erträgnisse. 1882 kam auf Andrängen der emzeinen Landesteile ein Nebenbahngesctz zustande, worauf für ..0 Millionen Mark Nebenbahnen gebaut wurden. Es kam dann zur Vereinigung der hessischen mit den preußischen Eisenbahnen unter preuß Verwaltung.. Hessen wollte allein das Risiko nicht tragen, weshalb mft Preußen die Vereinbarung von 1896 zustande kam, worauf beide Staaten zusammen die Ludwigsbahn erwarben. Infolge dieses Vertrags wurde 1902 auch die Main-Neckar-Bahn in die preußische Verwaltung übernommen. Hessen bat von diesem Vertrag alle Vorteile des Großbetriebs, während Preußen eine unangenehme Konkurrenz los würd'. Sonach hat ber Vertrag beiden Teilen Vorteile gebracht. (Lebhafter Beifall.)

Der Vorsitzende, Prof. Tr. K r a u s m ü l l e r, dankte dem Vor­tragenden herzlich.

Stadtv. Petri teilte int Anschluß an den Vortrag einige persönliche Erinnerungen an den Bau der Main-Weser-Bahn mit, um dann über die Entwickelung der oberhessischen Bahnen zu sprechen. Vor und nach dem Vortrag wurden einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt.

wuchtige klare Rede sei nicht nur eine vollkommene Inter­pretation der leitenden Gesichtspunkte des Dreibundes, son­dern könne auch als Ausdruck der bei den Mächten der Lriple Entente vorherrschenden Ideen und Absichten an­gesehen werden. Ter 9^eichskanzler betonte den großen Nutzen des Zusammengehens der Großmächte bei der Lösung ber Orientfrage. In dieser Hinsicht könnten die Auslassun­gen nicht zufriedenstellender sein.

Vi t a" hebt die lvunderbare Klarheit in allen Punkten hervor, über die die öffentliche Meinung Aufklärung Der- langte. Tie Erklärungen des Reichskanzlers seien eine von maßgebendster Seite kommende Bestätigung ber all­gemeinen Hoffnung, baß ber Friebe Europas nicht weiter gestört werbe.

Die Begeisterung in Wien.

Wien, 3. Dez. Tas Abgeordnetenhaus been­dete die erste Lesung des Budgetprovisorinms und wies die Vorlage dem Budgetausschuß zu. Im Laufe der Aus­sprache erklärte Abgeordneter Groß (Teutsch-nationaler Verband):

Bei dem Lesen des Berichtes der gestrigen Sitzung des deutschen Reichstages drängt sich bas Gefühl der Dankbarkeit gegen den treuen Bunbesge- nossen auf. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Rede des Reichskanzlers v. Bethmann hat bewiesen, woran wir ja nie zweifelten, daß das Deutsche Reich als unser Bundesgenosse u n t e r a l l e n U m st a n d e n t r e n z u u n s steht! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Tie Rede zeigt aber auch, daß hoffentlich der Friede erhalten und uns Schlimmstes erspart bleiben wird, vor dem wir aller­dings nicht zurückschrecken würden, wenn es die Ehre und die Interessen des Staates gilt. (Lebhafter Beifall.) Das Deutsche Reich und seine Vertreter können aber auch über­zeugt sein, daß wir gleiches mit gleichem ver­gelten und gleichfalls zu unseren Bundesgenossen stehen werden in Not und Gefahr. (Lebhafter Beifall.) Treue um Treue, sei unsere Losung. Diesen Worten mögen sich alle Völker Oesterreichs anschließen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen links.)

x DieN eue Freie Presse" schreibt u. a.:

Die Rebe des Reickjskanzlers wird hier nie vergessen werben, ebenso wie auch b i c in schweren Krisen bewiesene Nibelungentreue fortlebt, die das Bündnis so anschau lich, so faßlich, jedem Verständnis zugänglich und so volkstümlich machte.

DasNeue Wiener T a g b l a t t" erklärt:

Die Rede des Reichskanzlers ist ein Dokument der Welt­geschichte und eine politische Tat, für die ihm der aufrickstigste Dank aller Freunde des Friedens gebührt und der herzlichste Dank von feiten jenes Staates, dem er die prächtigste Bekundung seiner Bündnistreue brachte, Oesterreich-Ungam.

DieReichs Po ft" meint:

Tie Rede des Kanzlers ist eine der stärksten Taten für den Frieden, die in der harten, gefahrvollen Zeit geleistet worden ist. Ter Dreibund ist solidarisch, in seiner Einigkeit liegt wohl, wenn Vernunft und Genüssen in diesen Zeiten noch eine Kraft haben, eine große Friedensbürg­schaft.

Der Eindruck der Rede der Reichskanzlers.

Die gesamte Pariser Presse

erörtert die Rede des deutschen Reichskanzlers.Ev e nne- ment" schreibt:

Die Worte des Reichskanzlers sind offenkundig der beste Be­weis dafür, daß Deutschland gleich Frankreich die friedlichsten Absichten hat. Schon die Ratschläge, die Deutschland in Wien erteilt hat, ließen uns das annehmrn. Es ist aber gut, daß der Reichskanzler von der Tribüne des Reichstags die Gesinnungen seines Landes betont hat.

Figar o" sagt:

Tic Erklärung des Reichskanzlers, daß Deutschland sich ent­schlossen an die Seite Oesterreichs stellen würde, falls dies an gegriffen werden sollte, scheint in gewissen Kreisen eine ziemlich ungerechtfertigte Aufregung hervorgerufen zu haben. Bei einigem Nachdenken wird man ein sehen, daß der Reichskanzler nicht anders sprechen konnte. Tie deutsche Diplomatie hat energisch an der friedlichen Regelung der österreichisch- serb i schen S chwi eri g k ei ten gearbeitet. Die Note ött-Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" nach der Berliner Reise des österreichischen Thronfolgers ist der beste Beweis dafür, und die Absichten Deutschlands haben sich nicht geändert.

DerPetit P a r i s i e n" meint, die Rede des Reichs­kanzlers könnte eine heilsame Lektion für die Batkanstaaten werden. DieL an ter ne"' schreibt, die Rede enthalte gleichzeitig beruhigende Erklärungen und eine unverhohlene Drohung.

DerGaulvis" -schreibt:

Ter Reichskanzler hat in sehr klaren Worten die Bundes- pslichten Deutschlands im Falle eines Angriffs auf Oesterreich gekennzeichnet. An demselben Tage hatte der ehemalige Ministerpräsident Combes eine Rede gehalten, aus der hervor- Acht, daß für ihn die Bundespflichten Frankreichs ein toter Buch­stabe sind.

Die englische Presse beschäftigt sich gleichfalls ausführlich mit der Rede des Kanzlers und des Staatssekretärs. TieTimes" schreibt:

Die gestrigen Reden des Reichskanzlers und des Herrn von Kiderlen werden in England gebül/rend gewürdigt werden. Sie sind von einem eminent friedliebenden Geist durch­drungen. Der Staatssekretär nimmt auf die Haltung Englands in der gegenwärtigen Frage mit einem Vertrauen und einer Freundschaftlichkeit Bezug, die hier vollauf erwidert wird. Die Erklärung des Staatssekretärs bestätigt die neuerliche Rede des Fürsten L i ch n o w s k y, die beiden Regierungen arbeiten zusammen an ber Sackte des Friedens, den beide als eines der höchsten Interessen ihrer Völker erkennen. Mlerorts wird bei vernünf­tigen Leuten die hoffnungsvolle Stimmung des Reichskanzlers einen angenehmen Eindruck machen, um so mehr, als er seine Augen vor bedrohlichen Tatsachen nicht verschlietzt. Deutsckstand tritt» natürlich die berechtigten Forderungen feiner Verbündeten

Nr. 28b Drittes Blatt 162. Jahrgang

Erscheint tlgllch mit Ausnahme des Sonntag».

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wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- -r

fragen" erscheinen monatlich zwermal. General-Anzeiger für Gberhejien