162. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 154
Erscheint täglich mit Ausnahme des SanntagS.
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>rfen und von 60 Psg., Kurtier findet das
»chon manche Mutter Hal darüber geklagt, daß ihr blutarmes bleichsüchtiges Slinb aus Avpelinnangel die krästlgenden Speisen rurückwies. In solchen Fällen empfiehlt sich die Ernährung mit Stuicf e", denn es ist nicht allein nalirhast und leicht verdaulich, sondern vermag sich auch durch die verschiedenen formen seiner Anwendung- stehe „St uiek e"-Kochbuck - dem Gefchmacke jedes Patienten anzuvassen. Stinder nehmen es besonders gern in Milch oder Kakao. hvto,3
Kleine Lageschronit.
Aus Zürich wird gemeldet: Seit der heutigen Nacht melden die Hochstationen bis 2200 Meter kräftige Schneefälle. Die Temperatur steht unterNull.
Auf den Elbewiesen bei Tangermünde wurden während eines (Gewitters der Landwirt Albrecht, dessen Sohn, seine Schwiegertochter und ein >tncd t vom Blitz getötet. Tie Mutter, eine Magd und ein anderer Knecht wurden schwer verletzt und betäubt. .
Aus Arnsberg wird gemeldet: Ein Krmtwagen mit sechs Fahrgästen geriet auf der Fahrt nach Visbeck in einen Ehaussee- araben Eip 18jähriger Mann sprang heraus und brach das Genick, zwei andere Insassen wurden bei dem Umschlagen des Automobils schwer verletzt, die übrigen leichter.
Tie „Oietzener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Mreis Giefcen“ zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:e-G^I12. Tel.-Adr.:ÄlnzeigerGießen.
Aus Stabt und Land.
Gießen, 3. Juli 1912.
** Oeffentliche Lesehalle. Im Juni wurden 1886 Bände ausgeliel^en. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 989, Zeitschriften 242, Jugendschriften 213, Literaturgeschichte 30, Verdichtungen und Dramen 29, Länderund Völkerkunde 65, Kulturgeschichte 27, Geschichte und Biographien 79, Kunstgeschichte 14, Naturwissenschaft und Tech- ivlogie 102, Heer und Seewesen 18, Haus- und Landwirtschaft 15, Gesundheitslehre 9, Religion und Philosophie 27, Staatswissenschaft 7, Sprachwissenschaft 9, Fremdsprachliches 11 Bände Nach auswärts kamen 70 Bände.
Mittwoch, 5. Juli 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Eteindruckerei.
R. Lange, Dießen.
Märkte.
le. Frankfurt a.M. Schweinemarktbericht vom 3. Juli. Auigetrieben waren 1496 Schweine. Dollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 59.00—61.00 Alk., Schlachtgewicht 76.00-78.00 Alk., vollsieischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 58*00 — 60.00 Mk., Schlachtgewicht 75—76.00 Mk.; volllleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 60.00—61.50. Mk., Schlachtgewicht 75—77.00 9Jif.: vollfleischige Schweine von 120 bis 150 k" Lebendgewicht 60.00—61.00 Mk^ Schlachtgewicht 75.00—76 Alk. Geschäft mittelmäßig, bleibt Ueberstand.
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zliausen. 8>/,
Stellung öcs hessischen ärztlchen £an6csocreins zu der Errichtung eines Mfalllranlenhauses.
Der ärztliche Landcsvcrein für das l^roßherzogtum Hessen in Vertretung sämtlicher Kreisvereine des Groß- herzogkums hat einstimmig folgenden Beschlus; gesagt.
Der ärztliche Landesverein steht der beabsichtigten Errichtung eines Unsallkrankenhauses in Gießen ablehnend gegenüber 1. weil dadurch eine gefährliche Schädigung der materiellen und ethischen Interessen des ärztlichen Stande^ bedingt würde, 2. weil unter der Zentralisierung der Traumatikerfürsorge die städtischen und privaten Mran- ftmhäuser der größeren und kleineren Städte ebenso luic die UniversitätsNiniten empfindlich leiden wurden, 3. weil die Zentralisierung Unfallkranler in einer Klinik nach den an anderen Orten gemachten Erfahrungen in therapeutischer Beziehung nicht als Fortschritt erscheint.
In der Begründung wird u. a. ausgeführt:
Tas geplante Institut entzieht den praktischen Acrzten und Lpezialärztcn in Stadt und Land eine nicht geringe Zahl von q mnlen, deren Behandlung durchaus in der Fähigkeit dieser Aerzte im grob schon kennen und
zu beurteilen wissen, nun deren Vertrauen sie genießen. Abgesehen von dem Ausfall an Behandlungshonorar, der nicht gering angeschlagen werden darf, untergräbt die Entziehung der Unfallkranken den Aerzten auch das Vertrauen des Publikums, das sich sagen muß, datz die Fähigkeiten des praktischen Arztes zur Behandlung von chirurgisck>en oder inneren Unsallsfolgen wohl nicht auS- reichen. Hal doch schon ein Jurist im Gies;. Anz. öft'entlich behauptet, das; die meisten Aerzte von der Behandlung Unfallverletzter nichts verstehen". Auch in Kliniken und Spezialinstituten sind Fehler gemacht worden und Irrtümer vorgekommen, ohne daß deshalb diesen Instituten allgemein der Vonvurs gemacht wurde, nicht sachgemäß Unsalltranke behandeln zu können. Bisher schon bat der gewissenhafte Arzt, wenn die Art der Verletzung oder die hmislichen Verhältnisse es verlangten, Unfall frank, wie andere kranke auch, dem nächstgelegenen Krankenhaus überwiesen. Unsallkranle, selbst wenn sie in annehmbaren häuslichen Verhältnissen ausreichend behandelt werden, dem Zentral krankenhaus zuzusühren, erscheint nicht notwendig, und dürfte auch nicht im Interesse der Kranken und auch nicht im Sinne des Gesetzgebers liegen. Wird weiterhin den Aerzten die Möglich krit, sich sortdauernd in der Behandlung srisck>er Verletzungen und Unglücksfällen zu üben und zu vervollkommnen, unterbunden — diese Hebung kamt weder durch Fortbildungskurse noch durch tk'oretiscktes Studium ersetzt werden —, so leidet darunter die Allgemeinheit der nicht Versicherten, besonders aus dem Lande, und im Kriegsfälle würde diese mangelnde Schulung und Erfahrung des Gros der Aerzte geradezu eine nationale Gefahr bedeuten Sollten sich im Einzelfalle oder bei einem einzelnen Arzte Schwierigkeiten in der Behandlung Unsallkranker ergeben, so ist die lokale ärztliche Organisation gern bereit, mit den Berufsgenossenschaften zu unterhandeln und für Mhilfe zu sorgen.
Durch die Zentralisierung der Traumatikerfürsorge würde nicht nur den Universitätskliniken und noch mehr den Polikliniken ein wichtiges unentbehrliches Lehrmaterial entzogen, auch die größeren Krankenhäuser, die ebenfalls die Pflicht haben, ilu.en Assistenzärzten und Medizinalpraktikaiiten eine möglichst umfassende prak- tisckw Sdmtung in der Behandlung und Beurteilung der Unfallserkrankungen beizubringen, würden mit dem Verlust einer großen Zahl llnfaUerfranhcr rechnen müssen: die praktische Erfahrung ist gerade auf diesem Gebiete wesentlich wichtiger, wie die theoretische Untertveisung der in diesen Dingen noch zu unreifen und darum uninteressierten Studierenden. Für die kleinen Kranken- häuicr, die. erst in der letzten Zeit mit großen Kosten erbaut und mit den Einrichtungen der Neuzeit vollkommen ansgestaUet wurden, deren Bestehen für das allgemeine Wohl der nächsten Umgebung von großer Wichtigkeit ist, handelt es sich geradezu um die Existenz Möglichkeit, die nicht mierheblich von der Verpflegung der Umall verletzten abhängt. Aus den pekuniären Schaden, den der <riaat erleiden müßte, wenn den Universitätstlfniken die Behandlung Unfallverletzter entzogen würde und das Unfallkrankenhaus, um es rentabel zu machen, Privatpatienten, wie beabsichtigt, aus- nehmen würde, wurde bereits in einer früheren gemeinsamen Eingabe der ärztlichen Kreisvereine Oberhessens und des Vereins der 'Aerzte des Llreises Wetzlar hingewiesen.
tag M. crötag, 4. Juli, cnds s Ubr: r-bttMri
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llc des Ins. Reg. liier Wilbelm rsönlicherLeitiMy Dirigenten öerm rmfifmciiterVöber itritt 30 Psg.
flünftiaempBetitt bac- .Moniert im Faul statt. Nh
2*rvtz all der angeführten schweren Schädigungen, die für die Allgemeinheit der Aerzte und für die Krankenhau,er und Universitätsinstitute zu erwarten sind, würden die Aerzte der Zentralisierung keinen Widerstand entgeaensetzen, wenn dieselbe in therapeutischer Hinsicht als ein Fortschritt erscheinen wurde, da das Wohl der Kranken den Aerzten immer noch oberstes Gesetz ist. 9hln kann aber der Leiter dieser geplanten Anstalt nicht zu gleicher Zeil Chirurg bezw. Orthopäde und Ncnrolog, Psvchiater und Internist fein: alle diese Disziplinen sind aber in gleicher Weise an der Behandlung und Beurteilung pon Traumatikern beteiligt. Auf der anderen Seite ist die Häufung von Unfalls- neurotifern in besonderen Unsallsspitälern wenig empfehlenswert, und die Heilerfolge derartiger Anstalten bleiben satt stets hinter den Erwartilngen, die man anfangs auf sie setzte, zurück. Dies liegt nicht nur daran, daß die Neurotiker derartige Institute von vornherein mit Mißtrauen und der Befürchtung der „Renlen- auetscherei" betrachten, sondern hauptsächlich an dem Umstand, daß solckie Abteilungen ost genug zu Schulen der Hysterie, der Imitation und sogar der Simulation werdem Es ist von nam- baften Nervenärzten schon seit langem und erst wieder in längster Zeit betont worden, daß die Heilungsaussichten der Traumatischen Neurose in Kliniken oder Krankenhäusern mit gemischtem Krankenmaterial wesentlich bessere find._ xie Notwendigkeit der Zentralisierung der UnfaUf ranFenf ü r, orge kgnn also nickst dadurch erwiesen werden, daß bisher U mall kante in den öffentlichen und privaten Anstalten nickst faebgemn,; behandelt werden konnten oder wurden, und ist dies auch, soweit uns Aerzten bekannt, nicht geschehen. Mißständen, soweit sie sich bei der Behandlung Unfallkanler durch praktische Aerzte ergeben haben oder ergeben sollten, entgegenzuarbeiten, haben die Aerzte die gleiche Pflicht und das gleiche Interesse tote die Beruis- qenosfensckaften. Wegen einzelner Mißstände aber, die bei gegenseitigem Entgegenkommen und gemeinsamer Arbeit leicht behoben werden können, die gesäurte Unfaüfüriorge zu zentralisieren trotz der mit Sicherheit zu erwartenden schweren Schädigungen des ganzen Aerztestandes, der Universitätsklnüken, der Krankenhäuser und des Allgemeinwohls, ohne deshalb die Sicherheit zu bieten, ben einzelnen Kranken schneller uno sichrer zu heilen, erscheint deshalb gerechtfertigt. Diese Ausführungen und Bedenken gegen bic bcabfidttigte Monopolisierung der Unsallbehandlung^ und Be- autachlung sei es in Gießen oder an einem anderen Lrt treuen natürlich nickst den vorgesehenen Lehrstuhl respektiv Lehrauskrag für soziale Medizin: dieser darf nicht mir dem Zentralunsall- krankenhaus verguickt werden, da die^ Unfallversicherung- re,p. Behandlung nur einen ganz kleinen -text der sozialen Medizin barflcllt Jnvalidenversick^rung, Seuchengesetzgebung, Samtats- oolizei, Verhalten der Aerzte untereinander und gegenüber hem Publikum u f f. sind mindestens ebenso wichtige Bestandteile
und ist es deshalb gar nicht nötig, daß ein Chirurg über dieses Thema liest.
9hm verschickte die Land- und Forstwirtschaftliche Berufs genosi'enschaft eine Erwiderung, wie es fdxünt, auf die Eingabe der ärztlichen Kreisvereine Oberl-essens. Ohne die doch fckyver wiegenden, sachlich begründeten Bedenkeii der Aerzte, die sich teilweise vollständig mit den eben angeführten decken, auch nur zu widerlegen zu versuchen, wundert sic sich nur, „daß von der Seite Schwierigkeiten kommen, von welck>er man billiger Weise hätte erwarten können, daß auch sie bereit gewesen wäre, die Neueinrichtung zu fördern". Dabei gibt diese Erwiderung zu. daß es sich wesentlich um Fälle auf dem Land handelt, die wegen um zureichender oder zu spät eingeleiteten Heilverfahren unnötige materielle Kosten machen, und spricht dabei von Millionen,, die die Eristenz der Berufsgenofscnscksasten gefährden. Weiterhin stützt sie sich nur auf Gutachten von Verwaltungsbeamten nah beamteten Aerzten, droht mit der eventuellen Errichtung des Unfallkranken Hauses in Frankfurt und zitiert den Ausspruch eines Rechtsanwalts, daß es sich um eine Angelegenheit von einer Tragweite handele „die vielleicht .von den meisten noch garnickst verstanden werden kann" Diese Behandlung einer Angelegenheit, die in so hohem Grade das Allgemeinwohl betrifft, ist jedenfalls her Austragung rein sachlicher Differenzen nicht dienlich).
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
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Prozeh Schapiro-ksirsch.
bs. Darmstadt, 1. Juli.
Nach zweitägiger Pause wurde heute in der Beweisaufnahme des Prozesses fortgefabren. .
Der erste Zeuge ist der Kaufmann R. Er bekundet, dal; er eines Abends auf der Rheinpromenade auf einer Bank gc jenen habe. Plötzlich habe ihm jemand mit einer Blendlaterne ins Gesicht geleuchtet. Er habe dem betreffenden die Laterne aus der Hand geschlagen. Der Zeuge gibt an, daß sich ähnliches auch heute noch in Mainz ereigne. Diesen Vorfall hat der Zeuge Herrn Hirsch mitgctcUt, er bestreitet aber entschieden, ihm gesagt zu haben, daß es Frau Scksapiro gewesen sei. Schon vor Cr- chcinen der Hirschschen Artikel seien in Mainz allerhand Gerüchte Iber die Polizeiassistentin im Umlauf gewesen, es hieß auch, daß ie mit einer Blendlaterne herumgehe. Ein weiterer Zeuge gibt an, daß ihm R. erzählt habe, daß Frau Schapiro es gewesen fei, der er die Laterne aus der Hand geschlagen habe.
Polizeikommissar Neumer wird darüber befragt, was er von einem Ausspruch des damaligen Schutzmanns Reeg wisse, der gesagt haben soll, wenn ich nicht Wachtmeister werde, ist Herr Berndt die längste Zeit Beigeordneter gewesen. Kommissär Neumer soll daraufhin gesagt haben: Sie spreck-en da ein großes Wort gelassen aus. Der Zeuge weiß weder von einem solckwn Ausdruck des Reeg etwas, noch kann er sich seiner Aeußermig entsinnen. Wachtmeister Reeg seinerseits bestreitet eine solche Aeußerung überhaupt getan zu haben. Ebenso kann sich ein anderer Schutzmann dieser Aeußerung nicht entsinnen.
Der dann nochmals in dieser Sache als Zeuge vernommene frühere Polizeiwachtmeister Meckel bleibt bei seiner Behauptung, daß Reeg eine solck>e Aeußerung getan habe
Es wird dann der Vater des Fräulein W. vernommen, der über das Verhalten seiner Tochter auf dem Meßplatz Auskunft geben soll. Der Zeuge hat, wie er sagt, seine Tochter während des ganzen Abends beobachten können und nicht gefunden, daß sie sich ausfällig betragen habe. Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor, daß es wohl dock ganz ausgeschlossen sei, daß er seine Tochter während des ganzen Abends habe beobachten können. Der Zeuge schränkt daraufhin auch seine Aussage etwas ein. Bei der Aussage dieses Zeugen kommt es wieder zu einer Aussprache darüber, mann Aktenstücke über Vorladungen oder Vernehmungen angelegt werden. Beigeordneter Berndt gibt dann Auskunft über die Anlegung von Schriftstücken. ,r c
Eine Frau H. hat eines Tages eine Aufforderung erhalten, jn Begleitung ihrer 12jährigen Tochter vor Frau Schapiro zu erscheinen Die Zeugin bekundet, daß ihr Frau Schapiro gesagt habe, ihre Tochter treibe sich mit 15 bis 16jährigen Burschen bis spät abends auf der Straße herum, sie werde ihre Tochter untersuchen lassen. Sie, die Zeugin, habe daraufhin ihr Kind sofon an die Hand genommen und das Zimmer verlassen.
Jn der Nachmittagssitzung wird eine Frau St. vernommen, die seinerzeit einen anonymen Brief an Herrn Berndt gerichtet haben soll.
Zeuge Sekretär Trable war Protokollführer in ter Tisziplinar- untersuchung gegen Frau Schapiro. Vorsitzender: Ist Ihnen be- kanni, daß die Zeugen angeschrien wurden, daß ein Versuch gemacht wurde, sie zu beeinmmcn? Zeuge: Die Zeugen sind tu freunblidxr Weise behandelt worden. Nur ein einziges Mal wurde ein schärferer Ton angeschlagen und der Zeuge dringend ermahnt, doch bei der Wahr heil zu bleiben.
Polizeirat Dr. Obstfelder: Während der informatorischen Tätigkeit der Frau Schapiro ist sie von mir in die Gesetzeskunde eingeweihl worden. Ferner habe ich ihr Akten zu lesen gegeben. Das die Razzien, anbelangt, so habe ich ihr gestattet, damit sie auch diesen Zweig kennen lerne, sich daran zu beteiligen. Der Polizeiaspirani Bruder ist überhaupt nicht in der Sittenpolizei tätig gewesen. Die Sittenpolizei besteht nur aus nur, dem Kriminalschutzmann Belzer und neuerdings ist Frau Schapiro hinzugekommen. Jn der Fürsorgetätigkeit ist Frau schapiro selbständig Vorsitzender: Haben Sie Erfahrungen gemacht über die Fürsorgetätigkeit der Frau Schapiro? Zeuge: Hierin ist sie selbständig gewesen. Das ist das Gute an dieser Einrichtung, daß ihre beiden Tätigkeiten auf dem Gebiete der Fürsorge und aut dem der Sittenpolizei vereinigt sind. Vorsitzender: .Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Zeuge: Das ift richtig, in letzter Zeit beschäftigt sich die Frau Schapiro auch in der Hauptsache mit Fürsorgeangelegenheiten. Vorsitzender: Haben Sie eine Verschärfung bemerkt bezüglich der nttenpolizeilichen Bestimmungen? Zeuge: D<rs kann ich nicht sagen. <zn früherer Zeil bestand ein gewisser Uebereifcr. Der Zeuge geht bann auf die Praris des polizeilichen Gestellungswesens ein
AlsKetzter Zeuge in der heutigen Sitzung wird der Krimtnal- schutzmann Belzer vernommen, der über einige „Fälle" noch nähere Auskünfte gibt, die aber nichts neues enthaltew Der Zeuge betont ausdrücklich, daß es sich in dem Falle _ct. um ein Mädchen gehandelt habe, bei dem eine polizeiliche Kontrolle durchaus angebracht war.
** Gießener Wach- und S ch l i e ß - I n st i t u t. Jn der Zeit vom 1. Januar bis 30 Juni fanden die seck-S Wächter bei ihren nächtlichen Revisionen 4466 offene Haustüren, von denen 4315 geschlossen wurden, während bei den übrigen das Schließen veranlaßt wurde. 1231 Hof und Gartentore und 95 offene Waschküchen wurden geschlossen, bei 28 offenen Kellertüren, 16 offenen Läden, 72 Geschäfts räumen (Lager, Werkstätten, Bureaus usw. >, 300 offenen Fenstern und zwei offenen Schaukästen wurde sofortiges Schließen veranlaßt. 73 Schlüssel wurden in den Türen steckend vorgcsunden und den Abonnenten sofort zurück gegeben, 296 mal brennend gebliebenes Licht gelöscht bezw. den Abonnenten sofort gemeldet, zwei offene Gashähne geflossen, 23 Personen, die ihre Schlüssel vergessen hatten, wurde geöffnet und 24 Abonnenten wurden jede Nacht zw einer bestimmten Zeit geweckt, 3 Wasserleitungsrohrbrüche entdeckt und 15 offene Wasserleitungen ab gestellt, 19 lose Pferde in den Ställen angebunden, zwei Personen aus den Häusern entfernt, 11 Personen wegen Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht und eine Person wegen Unterschlagung und Betrug beobachtet und überführt.
** Exkursion nach Trie r. Wie in früheren Jahren so unternahmen auch in diesem Semester wieder Studierende der klassischen Philologie und der alten Cleschichte eine dreitägige Exkursion Geführt von ihren Lehrern, den Professoren Zmmisch, Körte, Rauch und Watzinger brachen sie — es waren 46 Studenten — am vergangenen Freitag nach Trier auf. Hier wurden ihnen die mannigfaltigen Neste des Altertums wie des Mittelalters mit trefflichen Erklärungen vorgeführt. Arn 2. Abend vereinigte eine Bowle Professoren wie Studenten am linken Moselnser Sonntag nachmittag wurde die Heimreise wieder angetreten. — Gedankt sei auch an dieser Stelle für das Entgegenkommen der Dom- und Museuiiisverwaltung zu Trier sowie für die belehrenden Vorträge des Museumsdirektors Dr. Krüger und der Professoren Rauch und Watzinger. Es soll ferner nicht unerwähnt bleiben, daß sich die diesjährige Exk-ursiou besonders billig gestaltete, da ein bei der Studentenaufführung der Vögel des Aristophanes erzielter Ueberschuß als Beihilfe aufgebraucht werden konnte.
** Zulassung von Installateuren im Be- reichderUeberlandzeutraleWölferSheim. Jn den letzten Tagen ist in einer Anzahl von Blättern eine aus Friedberg stammende Notiz wiedergegeben worden, in der int wesentlichen ausgeführt ift, daß unter den ober hessischen Jnstallarionsfirmen deshalb große Aufregung herrsche, weil von der Provinzialdirektion zu Gießen die Erlaubnis zur Vornahme von Jnftallationsarbeiten im Bereiche der Ueberlandzentrale Wölfersheim im ganzen nur 12, darunter nur 5 oberhessischen Firmen, erteilt worden sei. Diese Zurücksetzung der heimischen Industrie habe das Kreistagsmitglied B u s o l d veranlaßt, bei dem Kreisamt Friedberg die Abhaltung von Ausbildungskursen für oderhessifche Installateure und Spengler als Elektromonteure u. bergt, zu beantragen, damit her hessischen Geschäftswelt der Verdienst nicht entzogen werde. Hierzu wird uns von amtlicher Seite folgendes mitgeteilt: Herr Busold hat es v e r f ä u m t, sich r i ch t i g zu i n f o r m i e r e n. Tie Zulassung von Installateuren kann naturgemäß nur auf Grund eingelaufener Bewerbungen erfolgen, sobald die die Zulassung bedingenden Voraussetzungen erfüllt find. Aus diese Weise sind denn auch zu den 12 damals bekannt gegebenen Jnstallationsfirmen in der Zwischenzeit weitere 17 hinzugekomnien. Unter den bis jetzt hiernach zugelassenen 29 Installateuren befinden sich 12 aus Ober- Hessen und einer aus Darmstadt. Es ist zu erwarten, daß etwa 40—50 Installateure nach und nach den Berechtigungsschein für Ausführung von Anschlußanlagen an die Ortsnetze der Ueberlandanlage der Provinz Oberhessen erwerben werden. Dies wird wohl dem vorhandenen Bedürfnis reichlich genügen, weshalb auch die Abhaltung eines meierten Kursuses in Friedberg zwecklos fein dürfte. Ein solcher würde auch verfehlt sein, da der in Nidda auf Anregung hessischer Gewerbetreibender abgehaltene und kürzlich abgeschlossene Kursus für Teilnehmer aus der ganzen Provinz offen stand und von 21 Interessenten besucht war.
Hessen-Nassau.
w. Fulda, 2. Juli. Landiat Springorum ist zum OberregieningSrat befördert und zum Direltor des Ober- Versicherungsamtes Wiesbaden und zum ständigen Stell- Vertreter deS Negierungspräsidenten zu Wiesbaden ernannt ivorden.
nlokal am Platze
r Aufenthalt.
>. Gut gepflegte i von Mk. iSO an. rndt, Besitzer.
t LandeL Entzück, nt Lchwkiclbad. t, flcmütL titoL :L Spaziergänge, k. 4.70 ab. Prosp.
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