Ausgabe 
30.3.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

m. rr

Cie ..Eietzetter LamillendlSNer" werden dem ,Sinniger* viermal wöchenllich betgelegt, das Kreisblatt für bei Kreit «letzen" zweimal wöchentlich. Dierandwlrlfchafllichen Leit» fragen" erscheinen monatlich jroeimoL

Zweites Blatt 162. Jahrgang

Erscheint tSgNch mtl Ausnahme tzeS Sonntag«. Y O

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Samstag, 30. März 1912

IteUttontbrud uni Bextag der Vrädl'fchen Unwrrfiiäie Buch- und 6tetnbrudcuU

91 Lange, Eietzen.

Rebahten, Expedition und Tnitfereh Schul» strotze 7. Expedition und Verlag; 5L Neüatlwir^GV NL teL-9lbuSLn4eiflet®ie6en.

(Dftmarfenpolitif.

Seit dem Jahre 1908 steht der preußischen Negierung das Enteignungsgesetz für die Lstmarken zur Verfügung, das es ermöglicht, durch Auskauf polnischen Besitzes und seine Verteilung an deutsche Ansiedler das Deutschtum in den vom Polentum bedrohten östlichen Landesteilcn zu stärken. Aber diese Waffe hängt, schon einigermaßen rostig, an der Wand, seitdem im Sommer 1909 Herr v. Bethmann Hollweg preußischer Ministerpräsident wurde. Es mit dem Nährvater der Polen, dem Zentrum, verderben nein, das wollte Herr v. Bethmann um keinen Preis.

Sowohl die Denkschriften vom Jahre 1909 und 1910, als auch die dem Reichstage jetzt zugegangenc vom Jahre 1911 wiesen, obwohl man bei allen den Kernpunkt der Sache zu verschleiern bemüht war, darauf hin, daß aus polnischer Hand in den Ostmarken kein Land mehr zu er­werben ist, daß vielmehr nicht nur die polnischen Güter wieder in polnische Hand übergehen, sondern daß auch deutsches Land an Polen verkauft wird, dank dem all­gemeinen polnischen Nationalgefühl und der Tätigkeit der polnischen Banken. Man tröstet sich bei den genannten Denkschriften immer damit, daß man so und so viele Tausend deutscher Ansiedler in den Lstmarken ansässig machen konnte, daß es ihnen wirtschaftlich gut geht, und daß man gefährdete deutsche Güter gegenüber der Be- gehrungssucht der Polen sichcrstellen konnte. Aber diese an sich erfreulichen Tatsachen haben mit der Bethmannschen Ostmarkenpolitik nichts zu tun; sie sind im wesentlichen die Früchte der Aera, tue mit Bismarck begann und mit Bülow endete. Und wenn man jetzt in der Denkschrift über das Jahr 1911 liest, daß, während 1910 noch 15 000 Hektar von der Ansiedlungslommission getauft wurden, es im Jahre 1911 nicht einmal 9000 mehr waren, so wird man sich, da es sich hier vorzugsweise um Güter handelt, die schon vorher in deutschem Besitz waren, der Ansicht nicht verschließen können, daß es unter Herrn v. Bethmann in der nationalen Ostmartcnfrage ganz rapide znrück- aegangen ist. Tabei ist in allen deutschen Gauen der Wunsch, sich im Osten niederzulassen, so gestiegen, daß 1911 8481 Ansiedlungsanträge gestellt wurden, von denen nur 1443 berücksichtigt werden konnten.

Man hat versucht, durch Begründung deutscher Kasinos, deutscher Einkaufsgenossenschaften u. dergl. das Deutschtum in den Ostmarlcn zu stützen. Soweit uns die Verhält­nisse bekannt sind, im allgemeinen mit geringem Erfolg. Denn da die nach den deutschen Ostmarken versetzten Be­amten ihre dortige Tätigkeit größtenteils nur als Turcki- gangssladium betrachten, sich dort, wofern sie z. B. auS dem Westen stammen, keine Mühe geben, Montnft mit den anders gearteten Ostmarken zu gewinnen, so fehlt in den Ostmarken auch jede innere Berührung zwischen Beamten schäft und deutschem Ostmärkertum. Ob die deutschen Be­amten ihre Tätigkeit in den Ostmarken als Strafdasein aufsassen? Man könnte auf diesen Gedanken kommen, weil sie während ihrer dortigen Wirksamkeit z. T. Gehalts­zulagen erhalten.

Aber diese Zulagen hatten lediglich den Zweck, aus anderen Gegenden Deutschlands stammende Beamte zur Annahme von Stellungen in der Ostmark zu bewegen und den dort lebenden Beamten in gewisser Weise ihr Tasein zu versüßen. Taß damit eine bestimmte politische Absicht verbunden wurde, läßt sich allerdings nicht verkennen, und wenn da am Donnerstag im Reichstage gelegentlich der zweiten Lesung des Reichshaushaltes vonKorruptions- geldern" gesprochen wurde, so wird der um die Zukunft der Ostmarken besorgte Deutsche diesen Ausdruck nicht schwer nehmen, wenn er aus dem Munde von Zentrums­abgeordneten, Polen und Sozialdemokraten fällt. Tenn diese Parteien sind es, die in ihrer antinationalen Ge­sinnung am Tonnerstag die Ostmarkenzulagen für die dort stationierten 6000 Postbeamten zu Fall gebracht haben und das ohne Rücksicht darauf, daß die Postbeamten der Ostmark die Zulage schon in ihr häusliches Budget für das nächste Quartal einbezogen hatten, also bestimmt damit rechneten. Ter Staatssekretär des Reichspostamts Krätke hat im Einklang mit den nationalen Parteien des Reichstags vergeblich versucht, diesen Beschluß abzuwenden, der ja schließlich nur eine Folge der schwächlichen Ostmarkenpolitik ist, wie sie sein Herr und Meister, Herr v. Bethmann Hollweg, einzuschlagcn beliebte.

Aber darüber hinaus zeigt dieser Einzelfall, daß bte Verbrüderung der sich sonst spinnefeind gegenuberstehenden Zentrumsleute und Sozialdemokraten überall da möglich, ja, zu erwarten ist, wo es sich um spezifisch deutsch-natio­nale Aufgaben handelt. Tie klerikal-sozialistische Mehr­heit hat ih^en Willen zum erstenmal der Regierung und dem deutschen Reichstag aufgezwungen, und Herr v. Beth­mann ist dabei ihr Schritlniacher gewesen.

Aus Berlin wird uns noch geschrieben:

Die Ablehnung der Ostmarken zutage für die Reiä?svosibeamt.n durch den Reichstag wird vorläufig >wch keine Folgen zotigen. Wie wir von zuständiger Seite hören, wird die Oumarkenzulage am 1. Avril für das 2. Quartal 1912 an die Postbeamten gezahlt werden, da die laufenden Ausgaben, zu denen auch die Ottmarken zutage gehört, durch das Notetalsgesetz von^ Reichstage bewilligt find. Es erscheint mithin fraglich, ob Die Ostmarkenzulage über­haupt für das Rechnungsjahr 1912 den Beam^n entzogen werden tarnt, da die einmal gezahlte Zulage innerhalb des Acchnungs- jahres unwiderrnflich gewährt werden muß. Man hegt übrigens die Hoffnung, daß der Reichstag in der dritten Lesung seinen Enischluh rückgängig machen wird.

Arbeiterbewegung.

Vom englischen Bergaibeiteraucstand.

London, 29. März. Ter Sekretär des Bergarbeiteroer Landes, Ashton, riet den Bergleuten, bei der bevorstehenden Abstimmung über die Wiederaufnahme der Arbeit zu stimmen. UebcraU macht sich heute eine allmählich f o r U tl)r c it ende Wiederaufnahme der Arbeit bemerkbar. <^ogar in ^ud- ivales und in Schottland. In Maeüeg (Wales erklärte Harts­horn, einer der Führer der radikalen Bergaroeiter, in einer Rede, die Wiederaufnahme bedeute nicht Uebcrgabe.

1500 bis 2000 Bergleute in Warwi ck f h i r e nahmen die Arbeit auf. In Lanark shire sind zahlreiche Bergleute ein*

gefahren: sie bedangen sich aus, daß sie morgen abend Lohn er­hielten, da sic dem Verhungern nahe seien.

Au» Statt und Laub.

Gießen, 30. März 1912.

Pfarrpersonalien. Ter Großherzog hat den eoang. Dekan des Dekanats Oppenheim, Kirchenrat Ludw. V öl sing zu Gimbsheim, auf sein Nachsuchen, unter An­erkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste und unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen in den Ruhestand versetzt.

I m Kun st verein ist die Sammlung ,deS Malers George von HaeSlin nur noch morgen ausgestellt. Von Montag an bleibt die Kunstsammlung wegen vollständigen Wechsels der Gemälde einige Tage geschlossen. Tie nächsten Ausstellungen werden u. a. bringen Sammlungen von Prof. H. v. V o l k m a n n - Karlsruhe, Georg A l t h e i m - Darmstadt, Ociginalzeichnlingen der S »n»pl ic is sim u Skünst ler und von den »Werdenden*, ein Anzahl junger talentvoller Künstler Münchens.

** So n Verzüge zuO st er n. StreckeGicßen Fulda: Am Donnerstag, 4., und Samstag, 6. April, fährt Vorzug 529 GießenFulda, 1. bis 4. Klasse, Gießen ab 5.38 nachm., Fulda an 8.52 abends. Am Dienstag, 9., und Mittwoch, 10. April, fährt Vorzug 528 FuldaGießen, 1. bis 4. Klasse, Fulda ab 2.01, Giegen an 4.54 nachm Strecke G ie ß en Köln: Es fahren am Tonnerstag, 4. April Vorzug 638 Köln-H. ab 3.00, Gießen an 7.49 abends Am Samstag, 6. April, Vorzug 636 Köln-H. ab 11.50 vorm., Gießen an 4.47 nachm., Vorzug 6:38 KölnGießen wie am 4. April. Am Dienstag, 9. April, Vorzug 639 Gießen ab 12.30, Köln-H. an 5.12 nachm., Vorzug 635 Köln Gießen wie am 6. April, Mittwoch, 10. April, Vorzug 639 GießenKöln wie am 3. April.

* Gewerbliche Fortbildungsschule. Tie S o n n t a g s z e i ch e n s ch u l e, die seither im gewerblichen Zeichne,l die Handwertslehrlinge unterrichtete, wiro auf­gehoben und dafür eine gewerbliche Fortbildungsschule er­richtet, die in der letzten Woche des April eröffnet werden soll. Tie näheren Mitteilungen erfolgen demnächst.

** Stetiger Rückgang der Tuberkulose- Sterblichkeit in Hessen. Rach den Feststellungen der Zentralstelle für Landesstatistik beträgt die Zahl der Lungen­tuberkulose Sterbfälle aus 10 000 Lebende berechnet im Jahre 1 9 1 1 1778 oder 13,8. Ter Berechnung ist eine mittlere Bevölkerungszisser von 1290553 zugrunde gelegt. Im Vorjahre waren es 1811 Tuberkulose-Sterbfälle oder 14,2 auf 10000 Lebende berechnet bei einer mittleren Bevölkerungszifscr von 1 283 267. Wenn man berücksichtigt, daß im Jahre 1890 noch 30 Todesfälle an Tuberkulose auf 10 000 Lebende kamen, so ergibt sich gegenüber dem 1911 er Ergebnis ein Rückgang um mehr als 5O°o. In den lebten vier Jahren waren es folgende Zahlen: 1908 = 17,44, 1909 = 15,, 1910 == 14,2 und 1911 = 13,8. Ter Erfolg auf dem Gebiete der Tuberkulose Bekämpfung ist also sehr bedeutend und läßt für die weitere Bekämpfung dieser unheilvollen Volksseuche das Beste erhoffen.

Kreis Büdingen.

? Büdingen, 29. März. Der hiesige Vorschuß - und Kreditverein (e. G. m. u. H.) hatte im abgelaufenen Jahre einen Kasienumsatz von 81/2 Millionen zu verzeichnen. An nahezu 800 Mitglieder konnten bei 18 000 Mk. Rein­gewinn 7 Proz. Dividende zur Verteilling kommen. Wie an anderen Orten, so wurde auch hier die Anregung gegeben, die Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haftung umzuivandeln.

§§ Altenstadt, 29. März. Hier beging der Krieger- oereliiSbezirk das Fest seines 25jährigen Bestehens. Zugleich fand der jährliche Bezirkskriegertag statt, wobei 15 Vereine vertreten waren. Ter Verband hat seit seinem Bestehen sehr segensreich gewirkt. An hilfsbedürftige Kame­raden wurden seit 1887 etwa 18 000 Mt. Unterstützungen gezahlt. Der Verband zählt gegenwärtig 500 Mitglieder.

Starkenburg und Rheinhessen.

--- WormS, 29. März. Hier tagte dec Verband der M ö b e l f a b r i k a n 1 e n M i t t e l - und W e st d e u t s ch - landS. Auf der Tagesordnung stand u. a. Stellungnahmc gegen die große Preiserhöhung des Holzes und sonstiger Rohmaterialien und Arbeitslöhne. Nach einer allgemeinen Aussprache kam man zu dem Schluß, daß sämtliche Möbel- fabrikanten gezwungen sind, unbedingt den seitherigen Verkaufspreis ihrer Erzeugnisse mindestens um 10 Pro z. zu erhöhen und besonders auch die Verpackung zu de- rechnen. Auch sollen möglichst kurze Zahlungsziele erstrebt werden und über drei Monate soll nicht mehr hmauSgegangen werden. Tie Preiserhöhung wurde mit 10 Proz. einstimmig beschloßen und tritt am 1. April in Kraft. Tein Verband traten gleichzeitig eine größere Anzahl dem Verband noch fernstehender Möbelfabrrkanteu bei.

Kreis Wetzlar.

v. Oberbiel, 28. März. Tas Kreis-Krieger- Verb a n d S s e st, daS in zweijährigen Zwischenräumen ge­feiert wird, ist auf Sonntag, den 14. Juli, festgesetzt. Ter Verband zählt in 71 Vereinen 3572 Mitglieder.

o Leun, 28. März. Tag tausendjährige Be­tehen unseres Städtchens wird am 7. und 6. Juli ge­feiert. Ter Ort hat eine große historische Bedeutung: König Konrad I. schenkte 912 seiner Mutter Glismunde u. a. Orten auch Leim. Kaiser Friedrich III., der Habsburger, verlieh ihr Markt- (1494- und Graf Heinrich (1664) Sladtrcchte. Im 30jährigen Kriege fand an der Leuner Brücke eine scharfe Attale der Kaiserlichen und der Grafen von Hohensolms und Greifenstein statt. Um den Spaniern den Uebergang über die Lahn abzuschneiden, wurde die uralte Brücke abgebrochen.

Die Korfaren öer tust"

Paris, 29. März. Ter Flieger Vedrines. her gefnrn beim Wahlprüsungsausschuß der Kammer hergeblid) gegen dir Wahl feines Gegenkandidaten Bonnal Einspracve erhoben bat, erklärte einem Berichterstatter, daß er im Lause des nächsten Monats den Versuch unternehme« werde, in einem läge und in einem Fluge von Brüssel nach Madrid zu fliegen. Er |ei überzeugt, daß di r Flug gelingen werde, denn er könne sich auf seinen neuen l>u slügeligcn Eindecker, der mit einem Motor von 140 Pferdekräuen versehen fei, vollständig verlassen Sein weiterer Plan beste!» darm, etwa 50 Flieger heranzubilden, um zu zeigen, was man mit Kaltblütigkeit, Verwegenheit und Todesverachiung tristen köiim Wenn Frankreich einmal solcheKorsaren der Luit" besitze, hie in einem Tage über 2000 Kilometer zurücklegen könnten, meibi ruhig sein, denn BrüsselMadrid werde nichts sein im V. i gleich zu den Leistungen, die er und seine Korsaren vollststuen würden, wenn man ihrer einmal bedürfen werde.

Die Melhylatkoholvergistungen vor Gericht.

sh. Berlin, 29. März

Nach zweitägiger Pause wurden heute tue Verlwndlung. n in dem Prozeß gegen den Drogisten Scharmach und Genossen wegen der Melhylaikoholvergistungen im Berliner Asnl für Obdach lose wieder ausgenommen. Rach Beendigung des Jeugenau< russ wird in Vernehmung des Hauvtangeklaglen Julins Scharmach begonnen. Tie verschiedenen Gifte, die bei der Haussuchung gc fnnden wurden, habe er außerhalb seiner Geschäftsraum i>. i schlossen in seinem Wohnzimmer aufbewahrt. Der Angeklagte, gibt dann auf Befragen des Vorsitzenden weiter an, daß iwS Gesckstifl auf den Namen seines Bruders Julius Anton Scham - . eingetragen sei: sie hätten zusammen das Geschäft gegründet »no zu diesem Zweck von ihrem Bruder Hans in Leipzig 8000 Mk. geborgt. Ter Angeklagte gibt zu, daß durch notariellen Vertrag das Geschäft auf den Bruder in Leipzig übertragen worden sei. Vors.: In Ihrem Geschäft hatten Sie auch Methylalkotwl. Wozu brauchten Sie den? Angekl.: Ich machte daraus Fran .- branntivcin. Ich habe im ganzen 240,5 Kilo von der Firma Riedel u. Kahlbaum bezogen Ende Mai 1911 offerierte mir ein Reisender dieser Firma eine neue Marke Methiüalkohol, ,,Va» zetonsrei", die geruchlos sei. Ich bestellte einen Ballon dieser Marke und verwendete ihn zur Herstellung von Haanoasser, wie Bayrum und kosmetischen Mitteln. Ende November 1911 kam der Gastwirt Reoomski mit einem mir unbekannten Mann zu nur und ich machte ihnen einen Schnaps juredjt. In oer Äück-c standeu zwei Flaschen, eine mit Methiüalkohol und eine mit Weingeist. Ich muß mich nun in den Flaschen vergriffen haben, und, wie 'uh später herausstellte, statt Weingeist Meihyalkohol genommen haben. Tie beiden spürten durchaus keine schiimmen Wirkungen. Auch ich habe dann den Schnaps probiert und er ist mir sehr gut bekommen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Tr. Jas >6 stellt den Antrag, auch die Fachleute, die sich gelegentlich eines Vor träges in der medizinischen Gesellschaft in Berlin gegen die Giftigkeit des Methylalkohols ausgesprochen haben, als Sack- verständige zu laden, nämlich die Herren Geheimkat Pros. Tr. Ehrlich (Franksurt a. M.), Sanitälsrat Tr. Wechfelmann Berlin, Medizinalrat Aronsohn und Geheimrat Tr. Fischer (Berlin.

Staatsanwalt Gutjahr bemerkt hierzu, daß er zu diesem Beiveisthema schon einen Sachverständigen geladen habe. I R. Jvers behält sich vor, den Polizeipräsidenten v. Jagow als Zeugen zu laden, um ihn zu befragen, wann er Kenntis von der Giftig­keit des Methylalkohols bekommen habe; denn es sei doch auf­fällig, daß der Polizeipräsident erst vier Wochen nach der Ver- hastung Scharmachs eine Bekanntmachung über die «Giftigkeit des Metlwlalkohols veröffentlicht habe. Tas Gericht behält sich Be­schlußfassung über diese Anträge vor.

Ter Angeklagte M eyen sagt aus, daß er im Austragc Schar­machs an verschiedene Schankwirte eine MarkeSpriterlatz" oer- kaust habe. Ter angehagle Schankwirt Redomski, oer einen Ballon des Präparats an einen anderen Schankwirt ver­kauft habe, erklärt, daß er nicht gewußt habe, was Methylalkohol sei. Ter letzte Angeklagte, Schankwirt Tahle, gibt an, daß er von Scharmach durch einen Bruder MeyensSpritersatz' bezogen habe und daß 7 seiner Stammgäste in der fraglichen Zeit gestorben feien. Somit ist die Vernehmung der An­geklagten beendet.

Es wird nun in die Zeugenvernehmung eingetreten. Zeuge uiib Sachverständiger Regierungsrat Prof. Tr. Juckenack vom Städtischen Nahrungsmittelunterfuchungsamt gibt eine eingehende Schilderung über die Gifte, die er im Schrank Scharmachs vor- gefunden hat. Darauf werden die Verhandlungen aut morgen vertagt.

Handel.

Von der Reich.'bank.

Berlin, 29. März. In der Sitzung des ZentralauS' schufses der Deutschen Rcichsbank erklärte Präsident v. Havennein, daß ein Anlaß zu einer Aenderung des Diskonts nicht vorliege. Heber die Veränderungen des Status der Bank vorn 23.-27 Mär; wurde mitgeteüt, daß die Anlagen um 153 Millionen angenommen hätten gegen eine Zunahme von 123 Millionen im Vorjahre Hierzu fei bemerkt, daß 'namentlich viele lange Wechsel eingereicht rooroen sind. Ter Barvorrat nahm um 6 Millionen Mark zu gegen eine Abnahme von 20 Millionen im Vorjahre. Tie sremdcn Gelder vermehrten sich um 78 Mil­lionen gegen eine Vermehrung von 66 Millionen des Vorjahres. Ter Betrag der ungedeckten Noten belief sich am 27. März auf 295 Millionen gegen 283 Millionen im Vorjahre.

Markte.

L Grünberg, 29. Mar r Unser gestrigerC ft e r m a r 11'* wies eine recht Harfe Ausiahrt an Jnngschweinen auf. Auch Händler waren mit Harten Transporten erschienen. Tic Nachfrage war sehr lebhaft, und der Handel ging rcchi flott. Wenn man erwartet hatte, daß wegen den hohen .nanoffelpreifen die Preise enifvrcchcno den tiefen Herbstvreisen nieorig stehen würden, >o hatte man sich hierin schwer getauscht. Tie Preise waren durch­aus doch. Man btzahlle für das Taar achtwöchiger Ferfet 60 .-.J., für bessere 70 Mk. und beste 80 Ml. Tie fetten Schwesne weroen zurzeit mit 52 Pfg. für das Pfund Lebendgewichl bczaylt

1c. Frankfurt a. M., 29. SL1 an, £eu- und Strou markt. Ange«ahren waren 15 Wagen £eu und 0 Wagen Stroh. Man notierte; veu 4.uu4.30 _\t., ctroij cUornlangslroy) 0.500.00 nf. irrfirol) U,000,00 Alk. Alles 'üc 5u Kilo. iÄei'chaft qe: .r. T»e Zufuhren waren aus den Kreisen Cbertaunus, Hanau und Sieburg.

Bekanntmachung.

Betr. r Maul- und Klauenseuche in Muschenheim.

Nachdem die Maul- und Ktaucnseuche iu Muscherrheim erloschen ifx, werden die über diese Gemarkung angcorsneteu Speermaßregeln ausgehoven.

Ter Kreis Gietzru gilt nunmehr wieder als seuchenfrei,

G r e tz e n , den du. Marz 1912.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Langermankt.