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29.11.1912 Zweites Blatt
 
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162. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 282

Lrlchrint täelich mit Ausnahme deS Sonntags.

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Sreitag, 29. November 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brubl'schen UnioersnälS - Buch- und etcinbniderei.

R. Lange, Gießen.

rlns befkti.

AnS deu AuSschüsicn der Zweiten Kammer.

Ausland.

Ein deutscher Einspruch gegen französisch- spanische Marokko-Abmachungen.

TcmJournal des Debats" wird aus Madrid gemeldet, die deutsche Regierung habe in Madrid und Paris be­züglich des französisch-spanischen Marottovertrages zwei Bc- mcrlungen gemacht: 1. das; die in dem Vertrag den beiden Mächten zuertannte Befugnis, in ihrer Zone über das T a b a l m o n o p o l vor dessen Erlöschen im Jahre 1933 zu verfügen, den Grundsätzen der wirtschaftlichen (Gleich­heit widerspreche und 2. das; eine den Bau der französischen

TieGießener Zamlliendliitler" werden dem .Anzeiger' viermal wöchemlich beigelegt, bat Krellblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchemlich. Tierandwirtschaftlichen Seit fragen" erscheinen monatlich zweimal.

ICircbe und 5diulc.

D a s sächsische V v l t s s ch u l g e s c tz.

Tie sächsische Zweite Kammer nahm bei der fortgesetzt ten Beratung des Bollsschulyesetzeiijwurfs den 8 in der vom Ausschutz gegebenen Fassung im Gegensatz zu der Fassung der Regier u n g s v o r l a g c gegen die stimmen der Konservativen an. Der § 8 führt nach der Ansschuß- fassung sür die allgemeinen Boltsschulcn die Schulgeldfreiheit ein.

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Redaktion, Erpedniou und Truckerei: Schul­straße 7. Erveditiou und Verlag: Redaknon:^»S112. Tel.-Adr.: AuzeuierGießeu.

und der spanischen Teilstrecke der Eisenbahnlinie Tanger-Fez betreffende Bestimmung, deu Grundsätzen der internationalen ©ubmiffion aller öfseut- lichen Arbeiten in Maroilo zuwider laufe Tie fran­zösische und die spanische Regierung hätten einvernehmlich beschlossen, die Unterzeichnung des MarokioverirageS ivetzcn der deutschen Bemerkungen nicht zu verschieben Diese würden mit der deutschen Regierung erörtert werden und schienen keinerlei ernste Lchwierigleiten zu bereiten

Die irrtümliche Mobilisierung in Frankreich.

Tie zur Angelegenheit der irrtümlichen Mobilisierung in Frankreich angeordnete Untersuchung hat ergeben, tast die Schuld an dem Irrtum den Postmeister von A r r a e o u r t, T c f a u l, trifft Tiefer erhielt nachts ein amtliches Telegramm, in dem er beauftragt wurde, den Gendarmen und Zollbeamten gewisse Weisungen betreffs der Mobilisierung zu übermitteln. Infolge eines Mißver­ständnisses teilte jedoch der Postleiter den Gendarmen und Zollbeamten icitc Weisungen mit. denen zufolge eine tat- -uchliche Mobilisierung vorgenomm. urde. T.faut, gegen den eine Tiszipliuaruntersuchung eingeleitet wurde, ist vor­läufig feines Amtes enthoben worden.

Deutsches Reich.

AuS Donaueschingen wird berichtet: Ter Kaiser, der Fürst von Fürstenberg und die Jagdgesellschaft begaben sich am Donnerstag vor mittag zur Jagd nach der Bruggerhalde. Tas Frichstück wurde im Freien eingenommen

Tic Kaiserin begab sich am "Donnerstag abend um 10 Uhr 40 Minuten mittels SonderzugeS nach Straßburg i. Els.

Ter Kronprinz

fährt am 29. November nach Brüssel, um als Bcr treter des Kaisers an den Beisetzungsseierlichkcitcn für die Gräfin von Flandern teillzunehmen.

Amtliche Beruhigung vor K r i e g s g e r ü ch t e n

Das Cberpräsidium in Königsberg erhielt ein Tele­gramm des Reichskanzlers, in welchem der Oberpräsident gebeten wird, der anscheinend in der Provinz, herrschen den >friegsaufreguiig, die durch nichts gerechtfertigt fei, entgegenzutreten. Die alarmierenden Nachrichten über an­gebliche Kriegsvorbereitungen diesseits und jenseits der preußisch-ruffischen Grenze entbehrten jeder Grundlage. Deutscherseits seien keinerlei besondere militärische Maßregeln ergriffen worben Auch seien hier keine Nachrichten über russische militärische Maßnahmen eingegangeu, die deutsche Gegenmaßregeln ver­anlaßten.

Anfragen im Reichstag.

Im Reichstag sind folgende Anfragen eingegangen: Anfrage Dr. M üller - Meiningen:' Werden die verbündeten Re gierungen noch in der lausenden Session einen Theatergesetz aitivuri vorlegen?

Anfrage des Abg. Mumm: Ist deni Reichskanzler bekannt, daß, da nach den gesetzlichen Bestimmungen das Biü nenwe hsensriel Parsifal" demnächst schutzsrei wird, weite Kreise des Volkes für eine reichsdeutsche Gesetzesl-estimmung schrie für eine imer- nationale Konvenkion eintreten, uni ungeeignete Darbietungen des Festspiels zu Erwerbszwecken unmöglich zu machen"?

Anfrage des Abg. Tr. Liebknecht: Ist der Reichskanzler [ereil, Auskunft darüber zu geben, und welche Mann ahmen flclroiti n oder geplant find, um das Gebier des Deutschen Reiches gegen die E i n s chlcppu >tg der Edo l e r a zu schützen und ob und inwieweit die Reichsregierung zu diesem Behüte ein gemein sameS Vorgehen mit den fReqicrungcn anderer Staaten in die Wege geleitet hat?

Weiter ist eine Anfrage des Abg. Albrecht eingelaufen: Was gedenkt der Reidtskanzler als verantwortlicher Leiter des Reichseisenbahnamts zu tun, um gemäß Artikel 13 der Reichs Verfassung dafür Sorge zu tragen, daß die preußischen S t a a 1 S e i s e n b a h n e n so mit Betriebe material ausgerüst l werden, wie es das Berkehrsbedürsnis erbend)t.

Tie Entscheidung d es Bundesrats über die Auslegung des I e s u i t e n g c f c tz e s besteht, wie die ..Germania" von unterrichteter Seite er fährt, in der .Ablehnung des bayerischen An­trages und der Annahme der preußischen Jtt'.erpretatiou Danach soll deu Jesuiten nur das Lesen der stillen Ri esse und der Primizmesse im Charakter eines Familienfestes und die Austeilung der Sterbesakramente gestattet, im übrigen aber jede geistliche Tätigkeit verboten sein. Außer­dem soll es deu Jesuiten nicht verwehrt werden, rein w 'i s s en s ch a f 1 l ich, e, und nicht religiöse Vortrüge zu halten.

Der A e l t c st e it r a t des Reichstags trat vor Beginn des Plenums zusammen, um über die Geschäftslage zu beraten. Man einigte sich, nach Been- digung der Besprechungen über die in Angriff genomme­nen Anfragen, die am Freitag erwartet werden, in die Beratung kleinerer Vorlagen einzutrctcn. Aus die nächste Tagesordnung sollen gesetzt werden: Der Entwurf eines Gesetzes über den Zusammenstoß von Schiffen und über Bergung unb Lülfeleistuug in Seenot, der Entwurf eines Gesetzes über Kindersaugflaschcn, der Entwurf eines Post fcheckgesetzes, der Gesetzentwurf betr. die vorübergehende Zollcrlcichtcrung der Fleischeinfuhr urtd eventl. die Dritte Lesung, der Bericht des Reichsschuldeuausschuises vom 23. März 1912. Am Montag ist beabsichtigt, in die erste Lesung des Voranschlags einzutreten, falls der Reichskanz­ler alsdann in der Lage ist, sich über die Auswärtige Poli­tik zu äußern. Nach Schluß der Voranschlagsberatung soll der Gesetzentwurf über den Verkehr mit Leuchte l bera­ten werden. Der Beginn der Weihnachtsferien ist einst­weilen auf den 13. Dezember festgesetzt. Am 3. Januar sollen die Beratungen wieder ausgenommen werden: wenn es möglich ist, wird vor Ferienbeginn noch ein Schwerins­tag eingeschaltet.

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Märkle.

" Gießen« -8. Nov. Vieh markt. Bei den, am 26 und 27. November abgeiioltcnen Vtarkte waren 50> Stück Rindvieh und 135 Schweine aulaelricvcn. Ter nüdiltc Markt nndet vor- ausuchilid, am 27. und 2-t. Dezember statt, am letzlercen Tage and, .Uräinernwrkt.

ic Wiesbaden, 28. Nov. bcu- und Skrohmarkr. 'Ange obren waren : Wagen mit Len und Stro"'. Alan notierte: Veit 7w07.t,0 Alk, Siro b, ( Kidt'noh) 4.005.0') J?if. F r u d) l:n arkt. vn'cr >6,0010.6 Bik. 'Alles tüt 100 Kilo.

(In einem Teil der Auilaoe wiederholt.)

fr. 3rnuf;,trt a. M. r i e 6 6 - 'Marktbericht vom 28. Nov.

politische Tagesscbau.

Der Bericht de« Reichrkommiflar« über die Weltaukflelluag in Brüssel im Jahre 1910

ist gemäß einem Wunsche deS Reichstags diesem zu .^gangen. Im Gegensatz zu früheren Jahren beschränkt sfch ine amtliche Berichterstattung in der Hauptsache auf tre Würdigung der Ergebnisse der deutschen Beteiligung.

;ric sie in der Zuerteilung von Preisen an die deut Ischen Aussteller, in dem Absatz ausgestellter Erzeug Nisse sowie in dem sinanzielleu Abschluß über die Kosten

I der Beteiligung zum Ausdruck kommen. Vom Reiche waren I für die Weltausstellung eine Million Mark bewilligt L worden Diese Summe ist voll verbraucht norden, aiifjcr- I hem noch 1 730 000 Mk. Rückeinnabme. lieber den mora

d utschen Abteilung sind sich die be

I teiligten streife einig gewesen. Schwieriger ist es jedoch, einen zuverlässigen Ikbcrblid über die unmittelbaren ge schästlick)ett Ergebnisse zu gewinnen. Im allgemeinen sind die Aussteller jedoch mit den Ergebnissen zufrieden ge wesen, sind doch für rund 7 Millionen Mark Haren aus der A u s st e l l >t n g verlauft worden Tcm Umfange nach sind die Verläufe in der M aschiuc n

i ab t eilu n g von besonderer Bedeutung, die allein an­nähernd 3 Millionen Mark betragen haben. Die Verläufe (F ft reden sich überwiegend auf Werkzeug und Spezial- Maschinen. Bemerkenswert ist weiter, daß sehr große Aufträge «an deutsche Firmen erfolgt waren für Ä die Ausführung der Batilichtrnten auf der Ausstellung, ferner sind sämtliche für die deutsche Abteilung gestellte »träne sowie sämtliche Hallenlonstrultiouen verlauft »vor

J den In einzeln en Abteilungen sind Verlause auf der Ausstellung selbst allerdings nicht abgeschlossen worden, die Firmen haben aber später gute Umsätze gehabt, die zum Teil aus die Weltausstellung zlirückznführen sind.

1 Heber die Ergebnisse des Preisgerichts wird aus­führlich Bericht erstattet: von den 2300 deutschen Ans- * steilem haben 1860 Preise erhalten, darunter 537 große greife Als ein besonderer deutscher Erfolg im Preis­gericht ist das Ergebnis bezüglich des We r t zeu g ma ichinenbaues hervorzuheben, hier erhielten sämtlich.' -".ussteller Preise, wodurch zum Ausdruck kommt, in wie mißerordentlichem Maße sich der deutsche Werkzeug- m-tschinenbau in den letzten Jahren entwickelt, und im Wettbewerb mit ausländischen Erzeugnissen eine achtung­gebietende Stellung zu schaffen verstanden hat.

bs. Darmstadt, 28. Nov. Der Zweite Ans- s-, schuß beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung in der .Hauptsache mit der Regierungsvorlage, betreffend den En: . tourf eines Gesetzes über die Aenderung des Gesetzes vom /r,. August 1902 über die Handelskammer n. In der Aussprache drehte es sich vor allem um eine Stelle, in bcr es heißt, daß das Ministerium des Innern nach An- liören oder auf Antrag der Handelskammer bestimmen lonn,daß für bereit Bezirk Wahlrecht und Beitragspflicht I auch von einer bestimmten Mindesthöhe des rauhen Wer I tfA des dem Gewerbe dienenden gesamten Vermögens, oder I falls eine Gemeinde von der ihr zustehenden Befugnis des Artikels 16 des Gesetzes, die (>lemeindeumlagen be treffend, vom 8. Juli 1911 Gebrauch gemacht hat. von einer bestimmten Mindesthöhe der durch die Ortssatzung vor gesehenen Merlmale für den Umfang des Betrrebs bedingt sein soll", lieber diesen Punkt soll noch mit der Regie­rung verhandelt werden. Weiter wurde über die Regic- (tungsvorlage betreffend Gesetzentwurf über die Heranzieh­ung der Grundstückseigentümer im Gebiet der Süd- und Westfront zu Mainz zu den Kosten des «traßen- g e l ä n d e e r w e r b e s beraten. Besonders die Anwendung des Artikels 21 der Allgemeinen Bauordnung in diesem ö'esetzentwurf gab Anlaß zu Meimmgsverschiedenheiten. Auch hierüber soll noch die Regierung gehört werden, xer hoeite Ausschuß wird morgen, den 2;)., nachmittags 3 Uhr, inieber zu einer Sitzung Zusammenkommen, an der bann lud) die Regierung teilnehmen wird.

Ter Vierte Ausschuß, bcr auch heute zusammen ioar, hatte zunächst eine lange Auseinandersetzung über die Frage bcr stonzessionsentziehung bes Gastwirtes Ro­ben ns er in Darmstadt. Es sollen Mittel unb Wege gesucht werden, um diese Angelegenheit auf gütlichem Wege bcizulegen. Tann wurden die Berichte verlesen unb ge- ilehmig't über die Vorstellung der Z ü n d H o l z f ch a ch - : c l m a d) c r unb über den Antrag ll t r ich , staatliche M o - biliarversicherung betreffend. Eine Bittsdsrift der Steueraufseher Gimpel und Genosfen liegt vor, die dahin geht, die von der Regierluig geforderte Rückzahlung zu jid erhaltener Diäten bei Schiffsbeglettiingen nicht ern- reten zu lafsen . Es wurde beschlossen, einen Antrag zu tellen, die zuviel gezahlten Beträge auf Staatskosten zu

, Ibernehinen. Es handelt sich im ganzen um etwa 800 Mk., , vovon auf den Einzelneu etwa 9.50 Mk. bis 40j>) Mk. ent- fallen. Am Donnerstag, den 5. Dezember, wird der Vierte jf Ausschuß in den Beratungen fortsahren.

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