Brief fand, und daß er meine einzige Hoffnung wäre. Er saß und hörte und sah mich an, und in seinen Augen waren Tränen. „Amtes Kind, armes Kind!" sagte er wieder und wieder. Und dann klingelte er und ließ Madame rufen. Seine Frau kam; schon grau, aber mit jungem Gesicht und voU mütterlicher Liede. Er wies auf mich, er stotterte etwas, denn er war zu gerührt, um zu sprechen. Seine Frau umarmte und küßte mich. Ich brach zu
eut anständiges Mädchen, von der Gage zu leben dann, wie ich entschlossen war, zu sterben, als ich
Stadtv. Bruhns an, oic »ntcung Der Gemcindesteuerabgaden bii zu einem Einkommen bis zu 900 Mk. eintreten zu lassen. Der Antrag des Sladrv. Sessel, die Einkommen bis zu 600 Mk. bereits in diesem Jahre als gemeinbeftcucrirei zu erklären, wurde an den LerfassungSauS'chuß überwieicn. Danach wurde in die Beratung über den städtischen Voranschlag eingetreten. 23ic der Bürgermeister hierzu aussührte, ist die Finanzlage der Stadt gümtig. Trotz der Mehrausgabe brauche eine Steuer- crhöhung nicht einzulreten. Tie Ueberichüsse feien insgesamt um rund eine Viertel Million Mark gestiegen. Auch im nächsten Jahr brauche voraussichtlich keine steuererhöhuna einzutreten, da man auch bei schlechter Konjunktur in der Industrie durch den AuSgleichSwndS genügend gedeckt sei. In der AuS- spräche wurden Wünsche zum Ausdruck gebracht, so Die Anlegung eines Fonds für den Theater- und Rathausbau, Verlegung des WasserS u. a. m. Ter Regelung der Lehrer- und Beamt engehälter soll näher getreten werden. Ter Voranschlag, der in zwei Sitzungen beraten werden sollte, wurde dann in Abwesenheit der Presse erledigt, die in Anbetracht der Redseligkeit der Stadtväter und der vorgerückten Zeit den Sitzungssaal verlassen hatte.
Hcssen-Nasjau.
0 Rauschenberg (Nr. Kirchhain), 28. März. Bei der heute mittag hier abgehaltenen Ersatzwahl für den verstorbenen Landtags-Abgeordneten des Wahlkreises Kirchhain-Frankenberg, Geh. RegierungSrat Landrat Riesch- Frankenberg, wurde der im Kreise Kirchham beheimatete Konsistonalpräsident Freiherr Schenk zu SchweinSberg- staffel mit 89 Stimmen gegenüber Dein KreiSousschuß-Sekretär Ueberschaer- Frankenberg, der 81 Stimmen erhielt, gewählt.
w Frankfurt a. M., 28. März. Tie Stadt, verordneten-Versammlung bewilligte heute dem Frankfurter Verein für Luftfchlffahrt zum zweiten deutschen ZuverlässigkeitSflug am Oberrhein im Mai und zu dem Rundflug durch Süddeutschlan d, der im Aligust stattflnden soll, einen Zuschuß von je 10 000 Mk. Dagegen stimmten nur die Sozialdemokraten. Einstimmig wurde ferner die Einrichtung einer WohnungSaufficht für Frankfurt genehmigt.
X. ö a n a u , 28. März. Ter bei der 5. Eskadron des hiesigen Ulanenregiments Nr. 6 dienende Ulan ftinber mann aus dem Kreise Gumbinnen gebürtig, erhielt heute früh beim Pierd» men von einem ichcu^en Psctt. cmen yuftrut gegen die Brust und einen ziveüen Auftritt gegen den Kopf. Er war sofort tot
muß man sure Sorten tauten, au emp,ehlen fmd die mruclgroßen, sowie die kleinen MonatSerdbeeren; beide haben ein besseres Aroma als die sehr großsrüchtigm Erdbeeren, die vielfach auch im Innern hohl werden. Das Gedeihen der Erdbeeren richtet sich allerdings auch nach der Beschaffenheit deS BodcnS. Die rankenlosen Monatserdbeeren können »um Einsassen der Beete Dienen, sie geben die besten Bowlen. Zum Einmachen empfehlen sich die mittelgroßen, z. B. Superlativ, Ananas, Margerit, König Vumbert, Teutsch-Eber. Am besten pflanzt man mehrere Sorten und probiert, welche sich am besten für den Boden eignet Als Himbeeren sind die rotsrüchtigen sehr empfehlenswert, z. B. Schäffers Kolotial, Superlativ, Lukretia. Man kann die Beerensträucher im Frühjahr oder Herbst pflanzen, die Herbstpflanzung ist vorzuziehen. Als beste Johannisbeeren werden bezeichnet: weiße und rote Holländische, FayS Ertragreiche, rote Kirsch und schwarze Bangug. Tre Himbeeren dürfen nicht zu dicht stehen und müssen auseinander gehalten werden. Die Weintraube ist bei unS keine Erwerbsbeere. Bei uns müssen ganz frühe Sorten gepflanzt werden, die mittleren und späten werden nur selten reif. Sie müssen sachgemäß beschnitten werden, vor dem Bezua aus Den Weinbaugegenden ist zu warnen, da man leicht mit dem ReblauSgesetz in Konflikt kommen kann. Man kann neue Stöcke aus bewahrten Sorten aus 20 bis 30 Zentimeter langen Acstchen ziehen. Auch hat die Obstbauschule Friedberg eine Rebschule mit ganz frühen Sorten eingerichtet; hier kann man die geeigneten sotten beziehen. Tie Weintraube hat sehr unter Mehltau und Peronospera zu leiden. Die Erdbeeren eignen sich in erster Linie »um Rohgenuß, zu Bowlen, zu Likör, roeniger gut zu Wein, da dieser zu viel Sprit haben muß. Das Einkochen der Erd- beeren für die Winterzefl ist sehr zu empfehlen. Gegen die Schneckenplage hilft Bestäuben mit Kalk, dies muß abends ge- schehen nach Sonnenuntergang. Die Kröte ist Der beste Schnecken- Vertilger, Darum halte und schone man dieses nützliche Tier im Garten. Die Erdbeeren sind weit zu pflanzen, tüchtig zu düngen, zur Zeit der Ernte mutz Lust in die Beete geschaifen werden. Ltadtv. Winn weist auf Die Amsel hin, Die den Erdbeeren sehr gefährlich wird; er schildert wie er sich durch Drahtkörbchen Segen diese Räuber schütze. Dr. Hoffmann erklärt, man solle ie Amseln nicht zu sehr hegen im Hausgatten, da sie auch eine Mörderin junger Singvögel sei. Seine Erfahrungen in Stachel- und Johannisbeerzucht schildert Lehrer Leib- Gießen. Tas veredeln Der Johannisbeeren durch Okulieren sei sehr leicht und gut. Die Spatzen pickten oft im Frühjahr die Fruchtknospen ab; dagegen schütze Umwickeln der Sträucher mit Garn ober feinem Packtuch. Landwirt Schlag-Hausen fragt an über die Düngung Der Baumscheiben mit Magnesia-Tüngekalk von dem Werk Garbenteich an. Dr. L i p s ch ü tz » Friedberg teilt mit, daß Ockonomierat Hoffmann-Hof-Gill gegenwärtig Versuche mit Mag- nesia-Düngekalk bei Gerste und Zuckerrüben mache, man solle erst die praktischen Erfahrungen abwarten. Die Beobachtungen in Holzheim seien wenig günstig. W. Germer- Klein-Linden fragt über die Bekämpfung des Apfelblütenstechers an. Dr. Hoffmann hebt als sehr wichtig das Umgraben der Gärten im Herbst und die Kalkdüngung hervor, dadurch würden die Schädlinge gestört und meist getötet. Die Fanggürtel seien jetzt anzulegen. Ter Redner weist dann aus den Obst- und Gartenbaukursus hin, der in Friedberg stattfindet, und empfiehlt Den Damen sehr den Besuch. Der Kursus umfaßt Gemüse- und Blumenzucht, Obst- und Gartenbau.
Kreis Lauterbach.
Metz los, 28. März. Bei der hier vorgenommenen Wahl eines Bürgermeisters für die beiden Gemeinden Metzlos und MetzloS-Gehaag wurde der fcidjerige Bürgermeister Wilhelm Ruppel einstimmig mit 58 Stimmenn von 74 Stimmberechtigten, zum drittenmal wiedergewählt.
Kreis Friedberg.
1^. Friedberg, 28. März. Heute mittag fand im Saale des Hotel Trapp die Schlußfeier der Schiller- fchule (höhere Mädchenschule) statt. Die Anstalt wird von über 200 Kindern besucht. Die Feier war sehr stark besucht. Eingeleitet wurde sie durch einen Feslmarsch (vierhändigen Klavieroortrag) und dem Vortrage »DaS Göttliche*, von Goethe. 9lun wechselten Ehorgesänge, Sologesänge, Klavier- und Violinoorträge mit Deklamationen und einem Reigen ab. Der Dirigent der Schule, Rektor Weißgerber entließ mit einer Ansprache die Abiturientinnen, die noch in keinem Jahre in so großer Zahl der letzten Klasse angehört halten. Einige Mädchen haben in Lehrersemmarien Die Aufnahmeprüfung bestanDen.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 28. März. Die Besitzer der Land, wirtschaftlichen Betriebe, welche an die Landwirtschaftliche Buchführungsstelle angeschlossen ssnd, hielten heute hier unter dem Vorsitz deS Generalsekretärs Oekonomierat Leithiger eine Beratung ab. Nach einem eingehenden Bericht deS Beirates Dr. Burg fand eine eingehende Aussprache über die Bewertung der landwirtschaftlichen Betriebe für die Steuerdeklarationen statt.
Darmstadt, 28. MäiH. Kommerzienrat Dr. Jng. h. c. Hch. Kl eher zu Frankfurt a. M. hat Der Technischen Hochschule zu Darmstadt ein Kapital von 30000 Mark unter Dem Namen „Kleyer-Stiftung" zurFörderungdesAutomobil- bauesund der Lustschiffahrt zur Verfügung gestellt.
m. Offenbach a. M., 29. März. Die gestrige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit der V o r an schl a g s b er a t un a und mit Dem Verwaltungsbericht. Aus der allgemeinen Aussprache über Die Rechnung Der Stadtkasse gebt hervor, daß das Berichtsjahr im allgemeinen als wirtschaftlich günstig bezeichnet werden könne. Die Rechnung wurde schließlich genehmigt und besonders wurde Die Zustimmung zu den Mehrausgaben von 1369 042,22 Mk. auf Grund der nachgewiesenen Einnahmeüberschüsse und Ausaabe- ersparnisse im Betrage von 1386 095,14 Mk^ erteilt. Weiter erhärten sich die Stadtverordneten zur Verrechnung der uneinbringlichen Gemeindesteuern im Bettage von 118 569,57. Mk. und zur Verrechnung weiterer uneinbringlicher Beträge (37 811,95 Mk.) einverstanden. Der Herabsetzung der Verbrauchssteuer auf Kohlen und Koks wurde zu- geftimmt. Diese Verbrauchssteuer beträgt zurzeit UVi Pfennig Tür je 100 Kilogramm und soll auf 6 Pfennig ermäßigt werden. Zur Förderung Der heimischen Industrie soll die gänzliche Aushebung dieser Verbrauchssteuer angestrebt werden. Tie Befreiung der Einkommen unter 500 Mk. von der Gemeindesteuer wurde beschlossen. Bei dieser Gelegenheit regte
Mite aters
2lu$ Oer teiOensjeir einer ©perettentönigin.
Daß das Leben manchmal überraschendere Romane schreibt, als sie die kühnste Phantasie ersinnen möchte, beweist die Geschichte der großen Operettendiva Marie Desclauzas, die weben im Atter von <2 fahren in Paris gestorben ist. Sie hatte besonders dem genialen Charles Leeocq feine Triumphe erringen helfen und war schon bei der ersten Aufführung seiner berühmten „Tochter der Mme. Angot" in einer wichtigen Rolle beschäftigt gewesen.
Als Lecocqs Operette vor kurzem wieder zu allgemeinem Entzücken im Pariser Gattö-Theater aufgeführt wurde, kam bet englische Korrespondent John N. Raphael auf Den Gedanlen, Die alte Tarne auszusuchen und sich aus ihren Anfängen erzählen zu lassen. ^Ich war mit 18 Jahren ein armes, unglückseliges, von aller Welt verlassenes Ting," erzählte ihm Mme. T<S- elauzas. „Meine Eltern waren beide tot, ich hatte wenige oder gar leine Freunde und stand seit meinem 14. Jahre auf den „weltbedcutenden Brettern" — die alten Lippen umspielte dabei ein kleines pathetisches Lächeln —. ,Lch hatte es schlecht. Schon auf dem Konservatorium hatte ich's schlecht gehabt, aber da lebten noch meine Eltern und ich 'and bei ihnen Trost und Zuflucht vor meinen Enttäuschungen. Nach ihrem Tode spielte ich meist in der Provinz- wenn man es spielen nennen kann, daß ,ch ein oder zwei Verse zu fpreefoen hatte. Dafür bekam ich eine Gage, die fast ganz für meine Kleidung draufging, so daß ich oft hungrig zu Bett gehen mußte. Das konnte so nicht weiter gehen. Ich dachte damals sehr ernsthaft an Selbstmord; schien mir doch mein Leben für niemanden mehr von Nutzen zu fein, am wenigsten für mich selbst. Wie ich so elend und so verlassen war, las ich eines Morgens in den alten Briesen meiner Mutter, Die sie einst von meinem Vater erhalten. Es waren zerknitterte. Liebesbriefe auf vergilbtem Papier, und ich meinte und weinte über ihnen, denn ich hatte noch nie einen Liebesbrief bekommen und war 18 Jahre alt. Ta fiel aus der Schublade, wo die Briefe lagen, plötzlich ein Blatt, das an mich adressiert war; der Name meines Vaters stand darunter. „Meine gute kleine Marie," laS ich, „wenn Du jemals Hilfe brauchen solttest, dann wende Dich an Professor Z. in Paris. Er ist mein Freund, und er wird meiner Tochter helfen." Wenn ich jemals Hflfe brauchen sollte! Ich zog mein schäbiges Jackett an und ging — den alten Brief mit meinen Fingern fest umklammernd — um Professor Z. aufzusuchen. Ich kannte seinen Namen; ganz Paris kannte ihn, denn er war damals der berühmteste Arzt. Und er war meines Vaters Freund gewesen! „Dritter Stock," sagte der Portier, als ich vor dem großen Hause stand, wo er wohnte. Ein alter Diener öffnete mir, fragte nach meinem Namen und führte mich dann direkt in ein Zimmer, in dem ein Herr schreibend an einem großen Tisch saß. Er war jünger, als ich erwartet hatte. Er schob einen Haufen Papiere beiseite und wandle sich freundlich an mich. „Was kann ich für Sie tun, mein Fräulein?" sagte er. ,Lch bin Malwina Ernestine Armand," erwiderte ich (mein wirklicher Name ist nicht Marie Desclauzas, müssen Sie wissen-. „Sie waren Der Freund meines Vaters und ich bin am Verhungern." Ich sah Den Herrn nur noch ganz verschwommen durch meine hervorsattzenden Tränen, Denn ich hatte meinen ganzen Mut jufammengenommen und war jetzt am Ende. Ich wußte, wie beschäftigt große Aerzte sind, und so erzählte ich nun hastig unter beständigem Schluchzen meine Geschichte. Sie war ja nicht lana: Vater und Mutter tot; nachdem sie begraben, gerade noch Geld genug, um die Trauerlleider zu bezahlen und eine Woche zu leben; mein Engagement in Rheims; die Unmöglichkeit für
lammen vor «midtgefubl ES war ja ,o lange der. |o lange. Daß ein paar gütige Arme mich umfingen, daß man liebevoll zu mir gesprochen hatte! Ich mäbltf meine Geschichte von neuem. ,,9cun ist all Ihr Leid zu Ende," sagte sie; „er bat großen Einfluß unD bat schon einen Brief nir Sie geschrieben '
ES war ein Empfehlungsschreiben an einen großen Pariser ^.heaierdirekior, den Direktor der Anibigu (Eonüque Ich bi .' anhe „9)10« ftinb," sagte der Herr, „in diesen »Neidern sonnen «ie aber nicht zu Dem Direktor gehen Sie sind etwas abgetragen und ich habe ihm geschrieben, er solle Ihnen ein gute» Engagement verschaffen." „Mornmen Sie mit mir," fiel Die Dame ein. "Wir hatten eine Tochter, Die ganz in Ihrem Alter war, als re vor wenigen Monaten starb." Ich fab, Daß Die BeiDen auch chwarze Kleider anbatten „Ich kann Ihnen nicht danken, Herr," agte ich, „aber ich muß Ihnen daS hier geben; es ist DaS einzige Ting von Wett, das ich bade." Ich hielt ihm meines Baiers Bries hi«; er nachm ihn, laS ihn und sah mich erstaunt an. „Mein Äinb," sagte er, „daS ist ein außerordentliches MlßverstäiidniS. Ich habe Ihren Vater nie gekannt." „Was — Sie sind nicht Professor Z. — Der große Arzt?" fragte ich. „Nein, mein Mann ist EHarle- Leeocq, Der Komponist," antwortete feine Frau lachend. „Professor Z. wohnt einen Stock unter uns," ertUuie Leeocq. „Doch gehen Sie nun mit meiner Frau, lassen Su sich nett anziehen und besuchen Sie dann Den Direktor. Tie Vorsehung hat Sie zu mir geschickt; Der gute Gott hat feine eigenen wunderbaren Wege." „Und so bekam ich mein erstes Pariser Engagement," schloß Marie DeSclauzaS.
vermischte».
— VolkSschul-Resorm in England. Tie große Umwälzung, Die sich im Volksschulunlernckst (eit 1833 und besonders feit 1903 in England vollzogen hat, wird von der Unterrichtsverwaltung in einer Denkschrift mitgcteilt, die soeben für daS Jahr 1910/11 herausgegebcn wurde. Lesestunden werden häufig so erteilt, daß die Kinder für sich zur Belehrung und Unterhaltung lesen Dürfen; Die frühere Art deS RechenuttterrichtS, die zuerst Den Schülern das kleine und große Einmaleins mechanisch beigebracht hat, ist ganz aufgegeben worden und einer praktischen Methode gewichen. Tas moderne Kind wird schon auf der ersten Stufe angeleüet, mit Geld zu rechnen und zwar mit Münzen aus Pappe, bevor es noch die Zahlen schreiben kann.. Tie Gewichtseinheit lernt es durch praktisches Wägen auf Wiegeschalen, Die Längenmaße, indem es sein Pult oder den Fußboden ausmißt. Anschauung ist die Grundbedingung für die Naturkunde. Haustiere, Kaninchen, Schlangen, Vögel werden in Den Schulen gehalten; Die Lebensgeschichte Der Pflanzen, Frösche, Schmetterlinge, Seidenwürmer wird gelehrt; dazu kommt, daß überall in den Schulen die Gartenbaukunst praktisch geübt wird. Zn Deutschland hat ja jetzt auch schon fast jede Schule, wenigstens in kleineren Otten, ihren Schulgarten, in England aber wird gerade auf dies Fach der größte Wert gelegt. Kürz, Der Unterricht ist weniger theoretisch als praktisch. Tie TurchschnittS- ziffer der Schüler im letzten Jahr betrug 4 969 907. Nachstehende Aufzeichnungen zeigen, wie der Unterricht in den Spezialfächern von Jahr zu Jahr in den englischen Volksschulen wächst. Es wurden unterrichtet im Kochen tm Jahre 1908/09 298 657, 1909/10 316 233, im Waschen 93 356 (118040), in verschiedenen HauS- haltungsarbeflen 15 777 (16 707), in Handfertigkeit (Handarbeiten und Handwerk 216 453 (223 272), in Gattenkunst 27 651 (32 123). Man sieht daß KerschensteinerS Ideen bereits, in England in weitestem Umfange Eingang gesunden haben.
kf. Eine Stiftung von 20 Millionen Mark. Aus London wird berichtet: Tie letztwilligen Verfügungen deS am 11. Februar verschiedenen Lord Wandsworth sind soeben veröffentlicht worden. Lord Wandsworth hat beinahe sein ganzes Vermögen, dessen Bruttowert auf über V/i Millionen Pfund veranschlagt wird, für eine große Waisenhausstiftung bestimmt. Nach den Abzügen für Legate, Steuern um?., bleiben für das Waisenhaus genau 20 Millionen Mark zur Verfügung. Nach den Bestimmungen des Stifters soll daS Waisenhaus den Namen ,Lord Wandsworth's Orphanage" tragen; die Verwalter der Stistungs- summe sind gehalten, in nächster Zeit ein Grundstück zu erwerben, das höchstens 25000 Pfund, eine halbe Million Mark, kosten darf. Tas Waisenhaus ist ausschließlich für in England geborene Kinder bestimmt; es darf kein Kind vor dem 5. Lebensjahre und keinS nach dem 12. ausgenommen werden. Religion und Stand der Eltern sollen durchaus keine Rolle spielen. Sonst hat Lord Wandswotth den Testamentsvollstreckern ziemlich freie Hand gelassen. Unter seinen Bestimmungen ist noch hervorzuheben, daß er Kinder von landwirtschaftlichen Arbeitern unter sonst gleichen Bedingungen für die Aufnahme in das Waisenhaus bevorzugt wissen wlll, insbesondere aber Kinder, deren Ettern in dem Zeile von Sufsolk ansässig war, den Lord Wandswotth im Parlamente vertreten hat.
* Aha. „Was hat denn der arme Mann ausgesressen?" — „Er hat eine goldene Uhr gefunden!" — „Na, deshalb kann man ihn aber doch nicht verhaften!" — „Ja, er hat sie gefunden, bevor sie einer verloren hatte!"
i Amtlicher Wetterbericht.
Deffentlicfier Wetterdienst, Gießen.
WetterauSstchten in Hessen für SamStag, den 39. März 1912: Meist heiter, höchstens einzelne Regenschauer, kühl.
Letzte Nachrichten.
tzuS der Hessischen Zweiten Kammrr.
bS. Darmstadt, 29. März. Die Zlveite Kammer nahnk heute das Ausführungsgesetz zum ReichSviehseuchen- gesetz an. Ein Antrag des Abg. Busold (2>o%.), die Des- insektwnskosten auf Die Staatskasse zu übernehmen, wird abge* leynt. Tie Geltungsdauer des Gesetzes wird nach einem Antrag DeS Abg. Wolf (B. d. L.) auf zunächst 5 Jahre bemessen.
Das Gesetz über Die Entschädigung für das an der Maul- und Klauenseuche gefallene Vieh wird angenommen.
Die Sitzung bauert fort.
Das teure Rindfleisch, daS man bisher zur Bouillon auSkochte, verwende man lieber zum Braten und als Saucenfleisch, denn gute Fleischbrühe kann man heute ohne Fleisch — bequemer und billiger — aus Maggi s Bouillon-Wüneln bereiten. Sie sind mit bestem Fleischytrakt hergestellt, enthalten auch die nötigen Gemüseauszüge, Kochsalz unD Gewürz, und geben — nur durch lieber gießen mit kochendem Wasser — augenblicklich delikate, gebrauchsfertige Fleischbrühe, zu Trink- oder Koch^wecken. Ein Versuch führt zu dauernder Verwendung. Man achte aber beim Einkauf stets auf Den Namen „Maggi" unD die Schutzmarke „Kreuzstern". C”/e
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