Nr. Z5
Zweiter Blatt
162. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
erltbehtl »glich mW Ausnahme bed Gonntagt.
T>e ^«tetzene» LamftlendlSNer- werden dem »Unicifler* viermal wöchentlich betgelegt, da« „Kretiblatt flr öen Kreis riehen" lroeunal wöchentlich. D,e „£anöwirU4fa,tilgen Stil» frafltn“ erlchemen monatllch iroeimal
Donnerstag, 28. März 1912
Roienonsfnia und Verlag der Br üblichen UnwernlälS - Buch- und 6tetnbrudereL 9L Lange, Gießen.
NedakNon. Exvedition und Tnideret: Schul- [trabe 7. Eroed.tlon und Verlage 5L Redaktion: e*# 113. TeU-Adru '2ln»eiflcr®ieben.
Die Wirksamkeit des Mainzer
igeschadet. . . .
Minister v. Lombergk: Ich begrüße Die Ausführungen, soweit sie die guten Beziehungen aufredrt erhalten wollen. Die Regierung versol.tt den Grundsatz, allen störenden Elementen vorzubeugen. Deshalb hat sie es als ihre Pslickt erachtet, alsbald ihren Standpunkt dem bischösliclzen Stuhl in Mainz gegenüber klarzulegen Sic hat keine Veranlass ung, in die Stellung der Geistlichen zu ihren kirchlichen Vorgesetzten/inzugreisen. Tie Frage des Modernistcneides bat für uns in Ö eil en lehr wenig Bedeutung. Ich habe auch mit säst allen Ministern der EiwZel- staaten erklärt, daß das Motu proprio für Deutschland reine Anwendung finden könne. Bezüglich der Aushebung der garten der Gesetzgebung des Jahres 1875 möchte ich » mich heute nickt äußern. In dieser Beziehung liegt ein Antrag des Jbg. caimitt von der Zweiten Kammer vor, der sich mit btejer Frage be- ^°Bci' Kapitel 36, Landes-Universität, regt die Besetzung des Lehrstuhls der evangelisch-theologischen Fakultät zu lebpatter Aussprache an. .
Tie theologische Fakultät in Giegen.
Fürst Solms - Lich ist mit der Erklärung des Ministers tu der Zweiten Kammer unzufrieden. -?anniv!t?Ca^r^
Forschunqs- und Lehrfreiheiten. Tie Amicketn über da» r^r- scklagsreckst der Fakultäten seien sehr verschieden. Der vratßucke Kultusminister habe bei dem Breslauer Uniücritiatsiubilaum von gesprochen, daß der Staat es verhindern koniite, daßin irgend einer Wissenschaft eine einseitige Richtung »ux schast käme Tabei handele es sich nickt um eine ..facktirag, sondern nur um sachliche Gesichtspunkte. Auch die pontive Richtung sei wissenschaftlich legitimiert. Er weilt dann aut die öligen einer einseitigen Bevorzugung der liberalen iRtdttung.nni^ jetzt studiere ein Teil der positiv gerichtewn im .bqnidjen' lande. Die Folge sei, daß die Zahl der^Tbcologie -LNiüierende mehr und mehr abnehme, und daß das Studium zu einem -vro- studium herabsinke. Er bittet die Regierung, dreier .uigeligenpnt größte Aufmerksamkeit zu schenken ~rrtni>
Geheimrat Tr. ckmidt: Tie hier angeschnittene r>rage Schört eigentlich in die Landessynode. Der Redner^bctpricht dann die Praxis bei der Berufung. Eine Teilung und Spaltung erner Fakultät ist stets eine Schwäche und bereitet stets ^chwierigr^t^l. Sei dem Examen ist streng geschieden zwischen dem wrnenickaft- lichen Examen und dem Examen in der Praxis, welches i
der Kirche nicht anerkennt, und daß die Kirche diese Anerkennung nicht sordert. Dem Papste lag nichts ferner, als in seinem Erlasse in die Rechtssphäre des Staates einzugreisen. Ich kann das mit aller Klarheit erklären und fürchte nicht, desavouiert zu werden. Bet uns ist alles geschehen, um eine Trübung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche zu vermeiden. Ich bitte, daß man auch den katholischen Kirckenorgancn volles Vertrauen enlgtgrnbringe. Tie Gesetzgebung während des Kulturkampfes mit ihrem engen Gcsichtssewe läßt das^ Mißtrauen in der katholischen Bevölkerung nicht untergeben. T. I' ’ nr" Bischofs hat dem Bestände des hessischen -Staates nock nicht
hessische Erste Kammer.
bs Tarmstadt, 27. März.
Ter Präsident Graf von Schlitz eröffnet die Sitzung um IO1/4 Uhr. Tie enten Punkte der Tagesordnung werden ohne Aus- spräche erledigt. Diese sind: Bericht des 1 Ausschusses über die Regierungsvorlage, das Brückengeld an der Rheinbrücke bei Mainz betresscnd. Ter Ausschuß beantragt, in Uebereütftimmung mit der 2. Kammer dem Vertrage mit der Stadt Mainz zuzustimmen, ferner sich damit einveritanden zu erklären, daß die Süddeutsche Eisen- bahwGesellschast die Pflicht zur Einzahlung von Brückengeld für die auf ihren über die Rheinbrücke führenden Linien beförderten Personen nicht unter günstigeren Bedingungen ablösen kann, als sie der Stadt Mainz in dem Vertrage zugestanden sind und endlich einen Antrag Ulrich und Genossen aus Aufhebung der Brückengelder für erledigt zu erklären. Zweiter Punkt: ?Kcgierung5> Vorlage, betr. Gesetzentwurf die Abänderung des Gesetzes, die Ausführung des Reichsimpsgesetzes: dritter Punkt: Regierungsvorlage Gesetz über die Tilgung der Staatsschuld: vierter Punkt: Abänderung des Besoldungsgesetzes, die Gehaltsverhältnissc der seminaristisch gebildeten und der technischen Lehrer usw. betr., fünfter Punkt: Regierungsvorlage, die alte Blindenanstalt in Friedberg betr.; sechster Punkt: Regierungsvorlage, den Sc- jninarbau in Bensheim betr
Tann folgt die Beratung des Hauptvoranschlages, die vom Fürsten Isenburg Bierstein eingeleitet wird, indem er die Einleitung zu dem Bericht des ersten Ausschusses verliest, deren wesentliche Punkte wir bereits vor einigen Tagen milgeteilt haben
Finanzminister Tr. Braun macht nähere Ausführungen zum Etat. Cs soll für die Folge streng der Grundsatz durchgesührt werden, daß sorgsäUige Deckung aller Ausgaben durch sichere Einnahmen erfolgen muß.. So sollen die Kosten für die Reb- lausbekämpsung im Betrage von 85 000 Mk. nicht aus Anleihemitteln, sondern aus den Resten des Vermögensteils gedeckt werden. Die beiden wichtigen Ausgaben Schuldentilgung und Beamten- Besoldung finden durch die Steigerung der Eisenbahnüberschüsse Teckuna Im Vorjahre war eine Einnahme von 15 Mill, unterstellt. In der gemeinsamen Ausschußsitzung war aber der Finanzminister in der Lage, mitzuteilen, daß man mit einem Anteile von etwa 16,7 Millionen Mk. rechnen kann Jetzt aber könne man mit einem Ueberschnß von 17,2 Millionen Mk. rechnen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich diese Summe noch auf 17,5 Millionen Mk. erhöhen wird
Zu Kapitel 2, Kameral- und Forstdomänen, stellt Graf Stolberg-Roßla zwei Anträge betr. die Regelung der Pen- fionsverhältnisse. Beide Anträge wurden dem Finanzausschüsse überwiesen. Der Redner- tritt für eine möglichst weitgehende Vereinfachung der Staatsverwaltuiig ein.
Zrr Kapitel 32, Polizei, gab Geheimrat Stroh seiner Freude über die Verstaatlichung der Offenbacher Polizei Ausdruck.
Bei Kapitel 35, Kirckzeu, kommt es zu einer lebhafteren Aussprache
Tomkapitular D. Bendix: Tie katholische Kirche betont stets die Gläubigkeit, sie ist auf Disziplin aufgebaut. Tarin unterscheidet sie sich von der evangelischen Kirche. Es ist über den Gewissenszwang bei dem Modernisteneid geklagt worden. Es handelt sich aber nur um die Anwendung des Glaubensbekenntnisses. Hätte man die Frage nicht politisch behandelt, so wäre sic niemals in dieser Weise akut geiuoröen. Tas Motu proprio hat die Regierung Veranlassung gegeben, in einem Schreiben an den bischöslichen Stuhl zu Mainz ihre Ansickü zu äußern Es war auch eine Antwort aus die nüniftcridlc Anfrage beabsichtigt. Da erschien der Artikel des Tr. Leiner, an den sich die Verhandlungen der preußischen Regierung anschlossen. Wir jinb über die Verhandlungen selbstverständlich nicht orientiert. Sie endigten aber mit der Anerkennung der Hciner'schen Auffassung durch den Kardinalstaatssekretär und durch die preußische Regierung. Damit waren sachlich und formell die von der Großh. Regierung betonten Schwierigkeiten erledigt. In der Zweiten Kammer war man der Ansicht, daß das Motu proprio ein Eingriff in die Rechte des Staates bedeute. Diese Kreise haben sich aber nicht wissenschaftlich mit dieser Frage beschäftigt. Das neue Motu proprio hat mit keiner Silbe an den bestehenden Zuständen etwas geändert. Wir haben den Zustand, daß der Staat ein Privileg
Frredberg abgelegt wird. Es wird bei der Universität kein Examen bezüglich der Predigt verlangt. Es ist ein schwerer Borwurs, daß die theologisckn' ^atuhät dem religiösen Leben fdxibe. Ich kann von der tln-ologisckxn Fakultät in Gießen behaupten, daß sie dem kivchlick>en Leben sehr nahe steht. Es ist eine große Gefahr für die Wissenschaft, wenn man die Besetzung eines Lehrstuhls abgängig macht von parteilichen und kirchUckfen Ansichten.
Fürst zu Sol ms-Li ch: Es ist der Wunsch der Theologie Studierenden, die Theologie von verschiedenen Steilen kennen zu lernen. Der Redner wünscht, daß unter allen Umständen auch die positive Richtung vertreten fein möge.
Gras zu Stolberg-Roßla: Es handelt sich hier nicht um einen Angriff auf die Universität. Außergewöhnlickie Situation nen erfordern außergewöhnlich Mittel. Das Vorschlagsrecht der Universität ist^vorhanden, aber wir haben es mit einer außer gewöhnlick>en Situation zu tun. Tie positiven Kreise des Volkes werden durch eine Ricktberücksichtigung verletzt. Der Redner bittet die Regierung, sich dieser Frage ernst anzunehmen. Wenn die einseitige Richtung so anbält, bin ich der Auffassung, daß eS jtf noch größeren^ Austritten kommt.
Graf zu Solms-Lauback: Die Großherzogliche Regierung muß paritätisch den beiden Richtungen gegenüberfteben. Wenn nur eine Richtung vertreten ist, muß das von nacksteiligern Einfluß sein. Ich lege den Hauptwett auf die Besetzung durch beide Richtungen.
Die RegiernngSantwott.
Minister von Somberg f: Die Regierung steht nach wie vor auf dem Standpunkt ihrer Erklärung in der Zweiten»Kammer. Sie betrachtet die Freiheit der Wissenschaft in der Forschung und in der Lehre als Grundsatz. Gerade, weil wir die Freiheit in der Lehrfreiheit sehen, glauben wir, die Fakultät in der Zusammensetzung nicht beeinflussen zu sollen. Wenn wir in der Lage wären, alle Lehrstühle doppelt zu besetzen, könnten wir Anhänger der verschiedenen Richtungen berücksichtigen. Dazu fehlen uns ober die Mittel. Ich bin der Ansicht, daß die homogene Zusammensetzung doch immer noch das wünschenswerte ist. Aus die verschiedenen Arten einen Einfluß zu üben, dazu sehen wir die Möglichkeit nicht. Die Freiheit der Wissenschaft werden wir in jedem Falle aufrecht zu erhalten wissen.
Graf zu Erbach-Fürstenau: Die Regierung hat anerkannt, daß ein Notstand insofern besteht, daß sie nicht beide Richtungen berücksichtigen kann. Dieser Notstand besteht auch in Gewissensfragen Meiner Auffassung nach muß etwas getan werden, so lange überhaupt iroch etwas geschehen kann. Die Regierung muß der positiven Richtung möglichst entgegenkommen.
Geheimrat Prof. Dr. Schmidt: Es handelt sich hier nicht um Gewissensfragen Es sind nur wissenschaftliche Fragen, die beim Examen vorgelegt werden, das hat mit der religiösen lieber- zeugung nichts zu tun. Aber alle diese Fragen gehören in die Landessynode.
Ter Präsident Graf Schliß teilt mit, daß auch der Prälat D. Dr. Flöring sich zu dieser Frage äußern mochte, daß er aber heule verhindert gewesen sei, hier zu erscheinen. Es wird daher die Weiterberatung dieses Kapitels vertagt.
Bei Kapitel 39, Höhere Bürgerschulen, wird ein Antrag des Abg. Wols-Stadecken auf Genehmigung zur Errichtung einer Privat- lebranftalt in Nierstein abgelehnt.
Zu Kapitel 40, Lebrerfeminarien, padcwogischer Kursus und Prävarandenanstalten, macht Domkapitular Dr. Bendix längere Ausführungen über den Religionsunterricht. Er beklagt sich, daß der Religionsunterricht zu stark gekürzt werde.
Zu Kapitel 42 a, Jugendpflege, spricht
Domkapitular Dr. Bendix. Er begrüßt, daß auch staatlicherseits die Bedeutung der Jugendpflege anerkannt wird. Die staatliche Beeinflussung der Iugendpftege hat aber eine Formulierung bekommen, die zu Bedenken Anlaß gibt. Wer in der Jugendpflege tätig war, weiß, daß nicht der Zusammenschluß in großen Organisationen Gutes bringt, sondern nur die Kleinarbeit. Ter Kleinbetrieb umfaßt auch die Religion. Tie körperliche Ausbildung allein genügt mdü, sondern es ist vor allem die religiöse Beeinflussung am Platze. Verzichtet man auf diese religiöse Be ernftussung, so bildet man das beste Material für die Sojiak bemoftahe. Tie Sozialdemokratie hat auch eine religiöse 91n- schauung ihü> zwar die des Atheismus.
Minister vonHombergk: Ick habe bereits in der Zweiten Kammer erklärt, daß wir staatlicherseits nicht die Jugendpflege in die-Hand nehmen wollen, sondern daß wir nur die Zentralisation begünstigen. Die Iugendpftege maß sich von jeder Partei fern- balten. Tre Kirche betrachten wir nicht als Partei.
Zu Kapitel 48, Denkmalspflege, spricht
Geheimrat Prof. Dr. Schmidt über die Urkunde npflegc.
Zu Kapitel 89, Gerichte, macht
Staatsminister Ewald Ausführungen über die Stellung der Amtsrichter.
Kommerzienrat Bamberger tritt für den Gebrauch der Schreibmaschine und der Stenographie bei den Gerichten ein.
Staarsminister Ewald hebt hervor, daß dies bereits in weitgehendstem Maße geschieht.
Um 1 .-3 Uhr schließt der Präsident bie Sitzung. Fortsetzung morgen 10 Uhr.
hessische Zweite Kammer.
bs. Darmstadt, 27. März.
Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 10.25 Uhr Auf der Tagesordnung steht die Regierungsvorlage über bie anderweitige Regelung der Gehaltsverbaltnisse der Kreisärzte und Kreisassistenzärzte sowie die Gleichstellung der Vorsteher und der Lehrer an den Prävarandenanstalten mit den Seminarlehrern.
Abg. Tr. Weder iHdd in Vertretung des Berichterstatters Ulrich beantragt die Tringlickkeit des Antrages.
Ter Aussckußantrag auf Annahme der Vorlage wird angenommen. Tie Regierungsvorlage über den Verkauf von Grundstückstellen des Großherzogtums, Landeseigentum in der Gemarkung Groß-Umstadt, wird gleichfalls angenommen.
Zur Regierungsvorlage über die Ausführung des Reichs- viehseuckengefetzes vom 26. Juni 1909 beantragt Abg. Hauck (Bdd.) Zurückstellung der Vorlage, da der Ausschußbericht erst gestern eingegangen sei. . _
Ministerialrat Hölzinger bittet um Behandlung der Vorlage, da es sonst nicht möglich sei, sie noch rechtzeitig an die Erste Kammer zu bringen. .
Abg. Schmitt -Zentr betont gletchialls die Dringlichkeit der Vorlage. .Ter Bauernbund könne sich ja in einer Pause darüber schlüssig werden.
Abg Hauck r^bb.i kann ,tch die,er Auna,,ung nicht an- schließen. Auch die Abgg. Bähr <Bbd.) und Breidenbach (Bbd.) sind derselben Meinung. t .
Ter Hinweis des Präs. Köhler, Saß das Gesetz zum 1. Mat in Kraft treten muß, hilft auch nichts. Ter Vertagungsantrag Hauck wird angenommen. Auch die Vorlage über die Entschädigung für an Maul- unD Klauenseuche gefallenes Rindvieh und die damit im Zusammenhang stehenden Anfragen werden vertagt.
Tie dringliche Anfrage des Abg. v. Brentano lZentr.) über Ueberbrikfung der Nahe beantwortet Ministerialrat Hölzinger. Tie Aussichten für den Brückenbau seien jetzt sehr günftig.
~ Tie Besprechung der Regierungsantwort wird dann auf morgen vertagt.
die Bauaspiranten beantroortet Ministerialrat Dr. Kratz. Tie An- gclegenbeit fei bereits ausführlich behandelt worden, so daß sich weitere Mlltcllungcn erübrigen. Tie Regierung wird ft cis bemüht bleiben, für die Bauafpiranten nach Möglichkeit zu sorgen
Tie Besprechung der Regierungsantwort wird nach Drucklegung vertagt.
Bei der Besprechung der Anfrage deS Abg. Tr. Osann über Wohnungsgeld der Reichsbeamlen in der Stadt Darmstadt weist Tr. Osann auf die Regierungserklärung zu seiner Anfrage hin. Danach steht eine enbgülfige Entscheidung des Bunde-rates noch aus. Man müsse bei den Labien der Wohnungsmicte auch die in Darmstadt notwendigen Nebenausgaben berücksichtigen.
Geheimer Staatsrat Krug von Nidda. Wenn auch eine Umfrage über die Wohnungsmietcn der Reichsbeamten nickt gerade für eine Heraufsetzung Darmstadts sprach, so tverbe die Regierung doch bemüht sein, in dieser Frage ihr Möglichstes zu tun.
Abg Henrich (Fortschr. Vp.): Tie Bemühungen der Staats■ regierung seien anerkennenswert. Der Reicktsregierimg müßet der Vorwurf der Kleinlichkeit geinacht werden. DaS Ergebnis der Umfrage fei nicht genau. Eine Nachprüfung müsse vorgenommen werden.
Abg. Lang (Ntl.) bespricht die Wolnntngsverhältnisse in Michelstadt und besonders in Erbach und wünscht ebenfalls eine Heraufsetzung der Ortsklasse.
Abg. Adelung (Soz.) wünscht auch für Mmnz die Versetzung auS Klasse B in Klasse A.
Abg. B a ch (Ntl.): Bei der Umfrage hätte auch berücksichtigt werden müssen, ob die Wohnungen der Beamten auch den berechtigten Ansprüchen genügten Es sei doch Regel, daß die Be amten fast immer bei Der Wohnung zu sparen anfingeu.
Weitere Ausführungen machen noch der Abg. Schmitt iZtr i und Geh. Staatsrat Krug von Nidda. Dann wird die Besprechung geschlossen.
Auf die Anfrage des Abg. Dr. Osann über das Tomänengrll: Hof Hayna antwortet Fiimnzminister Dr. Braun in einer Erklärung.
Abg. Dr. Osann (Ntl.) weist daraus hin, daß großes Interesse dafür vorhanden sei, daß der Bauernstand dem Orte, aus dem er stamme, erhalten bleibe. Tie Interessen der Gemeinden seien nicht so berücksichtigt worden, als wenn man den Hof aus geschrieben hätte. Die Unzufticchenhcit darüber, die schon jetzt groß sei, werde noch wellcr um sich greifen.
Abg. Senßfelder (Bdd.): Man sollte doch nicht so ohne weiteres irgend jemand bei der Verpachtung berücksichtigen, wo so hohe Interessen der Allgemeinheit auf dem Spiele stehen.
Abg K 0 r e l l - Königstädten (Fortschr. Vp.) bespricyt die Leutenot auf dem Lande.
Abg. Raab lSoz.) vertritt die Wünsche der Landbevölkerung.
Geheimrat Wilbrand legt die Ansichten der Regierung zu dieser Frage dar. (Redner ist schwer verständlich.)
Es folgt die Besprechung der Anftagen der Ahg. Tr. Box- Heimer und Geiwssen über die Bekämpfung der Rebsckiädlinge und Tierseuchen und der des Abg. Dr. Winkler über die ©1 kämpfung des Heu- und Sauerwurms.
Abg. Dr. Boxheimer (Ztr.): Die ablehnende Haltung der Regierung sei recht bedauerlich. Die Verfügung des Kreis amt cs in Worms enthält Widersprüche. Die Ansichten der Sachverständigen gingen sehr auseinander. Es sei ein großer Schaden dadurch entstanden, daß man den Zwang des Abbürstens der Reben eingeführt habe. Der Redner tritt dann für den Erlaß der wegen Uebertretung des Seuchengesetzes verhängten Geld (trafen ein. Die Gefängnisstrafen müßten in Geldstrafen um» gewandelt werden.
Abg. Dr. Winkler >Ntl.) begründet seine Anftage und bekämpft die Zwangsmaßregeln. Die Erregung unter der rheinischen Bevölkerung sei so groß geworden, • daß man bereite den Plan eines Temonstrationszuaes vor das Wormser Kreishans erwogen habe. (Hött! Hört!) Wenn man also die Strafen erlasse, bezw. umwandle, werde man sehr viel zur Beruhigung beitragen.
Tie Sitzung schließt um 1 Uhr Nächste Sitzung morgen 9 Uhr.
Universitäts-Nachrichten.
hk. Marburg, 27. März Der Privatdozent Dr. pbil. Chritttan Jensen hier hat einen Ruf als a. 0. Professor für klassische Philologie an die Universität Königsberg erhalten: er soll hier an Stelle von Prof. L. Teubner treten, der zum Ordinarius befördert wurde.
— Wie die „Hochschulkorr." erfährt, ist der Privatdozent Prof. Dr. med. et phil Alexander Etlinger in Königsberg i. Pr. zum Ordinarius und Nachfolger des verstorbenen Geh. Rats Prof. Jaffe auf dem Lehrstuhl der Pharmakologie und medizinischen Chemie an der dortigen Universität in Aussicht genommen. Ellingec ist am 17. Llpril 1870 zu Frankfurt a M. geboren.
— Wie der „.Hochschulkorr." aus Göttingen gemeldet wird wurde der Prlvatdozent in der dortigen mebr,uüfd)cn Fakiltät Prof. Dr. med Franz Schleck zum ordentlichen Professor und Direktor der AugenNinik an der Universität Königsberg i. Pr. als Nachfolger von Prof. E. .Krückmann berufen
— Ter a. 0. Profeffor für physiologifche Ehemie und Abteilungsvorsteher am physiologischen Institut der Universität Breslau, Tr. Franz R ö h m a n n ist zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt worden.
Gerichtssaal.
Aurich, 27. März. Ter Schutzmann Glaus aus Wilhelmshaven wurde wegen zweier im Herbst vorigen Jahres aus- gesühtten Einbruchsdiebstähle, die bei der Verhandlung am 9. März noch nicht spruchreif waren, zu einer Zusatzstrafe von einem Jahre Zuchthaus verurteilt, so daß er im ganzen 7 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat.
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