Freitag, Z. Mai (912
Zweites Blatt
162. Jahrgang
M. 104
Eichener Anzeiger
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General-Anzeiger für Oberhefjen
hres 191112.
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Die „Elehener LamlllendlLNer- werden bem ,®nAftflcre viermal wöchentlich derg-leql. bei „Krdsblen fit ör» Kreit 6te|en" jroetmel wöchentlich. Die „landwtrtlchaftllche» ftetl- fragen" erscheinen monatlich troeimol
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Stadtkirct-
Landkreis Gießen.
— Großen-Linden, 1. Mai. Im Gemeinde bad wurden im April 46 Wannen- und 121 Brausebäder abgegeben.
(tacttontbrud un> Verlag der vrSblichen Unwerlltäl» • B.ich- unb Stembru (ferst Ä Lange. Setzen.
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Kreis Büdingen.
H. Büdingen, 2. Mai. Büdingen dielet ;etzt im ©cf) müde deS Frühlings einen bezaubernden Anblick. Tie herrlichen Buchen- und 9la)clholzwälder haben ihr grünes Kleid angezogen. Tie zahlreichen Birn- und Aepielbäume stehen in überreichen! Blüteiifchmuck und lassen eine reiche Cbfiernte erwarten. Tie trockene
Rebaftton. EipedlNon anb Druckerei- Schal' strotze 7 ErveviNoo unb Verlag 61- ReAaftiotve^tf» 111 Tel.-Adr^ AnzelgerSietzen.
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Orchester: Mitglieder nschule aus Frankfurt
filter, über welche sie den Wein gossen. Uns Deutschen aber liefern seit Alters Wald, Feld und Wiesenhang duftige Knospen, die, in den Wein getan, ihm besondere Eigenschaften verleihen, so das; er „als ein belebender Saft sich in die Adern der Lterb lichen ergießt". Tic Basis aller „Maiweinkräuter" bildet der Waldmeister^ (Asperula odorata). Zwar ist der Waldmeister vielfach durch Surrogate ersetzt worden. Vor allen Dingen sind ihm zwei scharfe Konkurrenten in den „Ruchgras" und in der „Ton- kabohne" entstanden, 4)ftc beide seinen aromatischen Stoft, das „Cumarin" enthalten. Aber treffend sagt Fontane: „Tie Donka» bohnc gehört in die Schnupftabakdose, nicht in die Maibowle".
Zahlreich sind die Kräuter, die nach mancfan Rezepten zur Maibowle gehören, aber unter allen Umständen muß der Waldmeister ein Tritteil der Bestandteile bilden. Die übrigen Kräuter, die noch zum Zaubertranl gemischt werden können, sind: Maiblume, Erdbeere, Matzlieb, Potentilla, .Himbeere, Veilchen, Schafgarbe und Ahlbeere. Es heißt, das; all dieser vereinten Kräuter nur so viele sein sollen, als eine Hand halten kann, und nicht mehr. Alle müssen frisch gepftückt sein, außer dem Waldmeister, den man früh,morgens pflücken muß, oder zur Stunde, in der er im Schatten stech. Der wahre Kenner aber gibt wie bei allen Getränken und Gerichten doch immer der Einfachheit den Vorzug. „Mern nimmt ein Bündelchen Waldmeister, >'pült ihn sehr rasch in Wasser ab, legt ihn in eine Terrine und gießt eine Flasche Rheinwein darüber Nach höchstens einer falben stunde entfernt man das Kraut, rut Hutzucker nach Belieben dazu, stellt die Terrine auf Eis und gießt unmittelbar vor dem Gebrauch zivei Flaschen guten Mosel dazu Zuletzt wirft man noch ein paar Zweiglcin rechr jungen, frischgrünen Waldmeister dazu, der aber weniger zur Würze als zur Dekoration bestimmt ist."
Tas ist die unverfälschte Waldmeisterbowle, sozusagen die Wald-- meisterbowle par excellence. Zwar triirren auch noch Zutaten hinzugefügt werden, aber die Hauptsache ist und bleibt die, daß diese Beigaben nicht darauf zielen dürfen, den Waldmeistergeschmack zu mindern, sondern ihn hervorzuhcbcn So machen einige Äpfel sinenschnitte das Aroma des Waldmeisters keineswegs lot, sondern sie beben es hervor. Aber hier gilt der Ausspruch Fontanes: „Apfelsinenschnitten als bloßes Cmament. Eine Scheibe zuviel mack't Kopfweh." Und dann darf eine Maibowle nicht au-sehen wie,eine „Entengrüße". Nur drei oder vier Waldmeisterbläuchen dürfen darauf schwimmen, „gerade genug, um den Beweis der Echtheit zu führen". Biel umstritten ist auch die Frage, ob zu einer echten Maibowle Soft gehört. Fontane aber sieht eine „Cliauot extra" als unumgänglichen Bestandteil der Maibowle an
iÄfcjirti Frankfort a. S..
Zeil 49.
Samöia», den 4. Mi »j abends 9 Uhr
Eröffnung bev
Wintergartens
Feenhaft. Hußilattuni! Tiefiounki aa.öremb. । Auftreten v.nuTer»tL; Tanz- und Melone i kavaM. 2 Lavelle^ Dieaanzedcachtgeonn. Eintritt ftei.
warten die wcitergchenden Einträge. Der württembergiscku Bun- desbevollmächtigte nimmt für sich ausdrücklich das Recht und die Pflicht in Anspruch, auch im Ausschuß noch die Bedenken seiner Regierung gegen die Vorlage des Bundesrats zu betonen.
Die Abstimmung ergibt die Annahme eines Antrag S des württembergischen Abgeordneten Vogt Lml Danach wird die in der Vorlage eingeiührte Ermäßigung der Verbrauchsabgabe für die süddeutschen landwirtschaftlichen Brenne reien um 7,5 Mark für den Hektoliter Kontingentspili: us erny.itcrt auf 12 Mark bei den kleinen Brennereien bis zu 100 Hektoliter JahreSerzeuguna und auf 10 Mark für die Brennereien von 100 bis 300 Hektoliter, soweit sie vor dem 1 April 1912 betriebe- fähig hergerichtet sind und das ihnen jetveilig zugewiesene Kontingent nicht überschreiten. Für gewerbliche süddeutsche Brenne reien bleibt die Spannung durckuoeg aui 5 Mark wie in der Vorlage. Die Vorlage enthält die weitere Bestimmung, daß diese Vorschriften über die süddeutsche Begünstigung nur mit Zustimmung der betreffenden Staaten geändert werden können. Es ist ein Streit darüber, ob sich dieses R e ser vat recht auf die Sätze, aus die Differenz oder nur aus das Kontingent bezieht. Man kam hierüber noch nicht zu einer Einigung und wird morgen darüber weiter verhandeln.
in Elly Berlow (Alt), L lss)> Herr KonzertmeiJ 1151,1,1 (Violine), Herr Ci
a. M.: der Männeret-
d 1. Reihe der Emporbühn-- raere Reihen und i Reihe ti itere Reihen der EmnorbuL. - unnumeriert bezw. Stehlt ff- In der Musikalienhandlc rten auch bei Herrn Haust, •ei Herrn Kaufmann IH’BL Itkirche.
4 Ihr. —---------
Ein konservatives Mitglied spricht gegen jede Verkürzung der Dienstzeit.
Ein Zentrumsmitglied bittet den Kriegsminister, für das nächste Jahr eine Berechnung außwstellen, was eine Herab - setzung der Tienstzcü bei der Kavallerie kosten würde. Dann könnte die Sacke besser erwogen werden. Die Mitglieder der Volks- o a r t c i unterstützen den sozialdemokratischen Antrag auf H e r a b- setzunadcrTien st zeilbeidenberittenen Truppen. Nur wollen sie anstelle des 1. Oktober 1913 als Termin des Jn- krafitretens den 1. O kt ober 1915 setzen. Dementsprechend ändern die Sozialdemokraten ihren Antrag ab. D i c A b st i m» mung ergibt die Ablehnung des Antrags mit Stimmengleichheit, mit 13 gegen 13 Stimmen, x Konservativen, Nationalliberalen und das Zentrum stimmten dagegen, die anderen Parteien für den Antrag Im übrigen wurde der sozialdemokratische Antrag von den anderen Parteien ab- gclehnt.
Ter Budgetausschuß ging sodann über zur Beratung des Gesetzentwurfes über die Erhöhung der FriedenSprä- s e n z. Ein Zentrumsmitglied wünschte, daß zunächst die Einzelformotionen besprochen werden. Tas geschieht.
Gefordert ist eine neue Armeeinspektion.
Ein Zentrumsmitglied befürwortet die Forderung, wünscht aber, das; es nicht eine ehrenamtliche wird, sondern eine bezalüte Inspektion, die mit einem wirklichen Armeeführer für den Kriegsfall besetzt wird. Der Kriegsminister gibt die Zusicherung. T i e Inspektion soll nach Saarbrücken kommen und da mutz die Verwendung im Kriege in erster Linie berücksichtigt werden.
Die Forderung wird darauf angenommen, ebenso die geforderte Sanitäts-Inspektion.
Zwei Generalkommandos, zwei Divisionsstäbe, zwei Feldartil- lerie-Brigadestäbe werden als Konsequenz der schon bereinigten zwei neuen Armeekorps gleichfalls genehmigt.
Es folgt die Forderung von 22 neuen Landwehr- Inspektionen
Der B e r i ch t e r st a 11 c r begründet diese Forderung mit dem Bedürfnis, im Kriegsfälle Höhere Offiziere zu haben. Ein Zentrumsredner bezweifelt die Notwendigkeit: Jrn Frieden seien die Bezirkskommandeure meist nicht mit Arbeit überlastet. Zu fragen ist, wie die Verwendung im Kriegsfälle fein soll.
Generalmajor Wandel lehnt es ab, daß es sich hier um eine Verbesserung der AvaneementsverfalMisse fandele. Ebenso wenig soll es eine Entlastung der Bezirkskvmmondeure sein, wohl aber der Brigadekornmandeure. Tie Zahl der Beurlaubten aller Chargen nimmt ständig zu Im Mobilmachungsfall fehlt es an höheren Offizieren für die mobilen Formationen. Tie zur Disposition gestellten können den Bedarf nicht decken. Zeder Inspektion sollen fünf bis lieben Bezirkskoinmandos zugeteilt werden. Tie Forderung fat nicht mir militärisches, sondern auch bürgerliches Interesse wegen schnellerer Erledigung der Aushebungs- gefdxiftc. — Morgen geht die Beratung weiter.
Die fortschrittlichc Volkspartei Hal im Budget- auSschuß zur Militärvorlage eine Entschließung beantragt, in der der Rcicfakanzler ersucht wird, dahin zu reiften, daß bei der Besetzung militärischer Stellen allein die persönliche Tüchtigkeit entscheide, unb daß nach den alljährlichen Beschlüssen des Reichstags die Reform des gesamten Militär st ras rechts, des Beschwerderechts und des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Lsfi- ziere sowie der Stellung der nicht dem aktiven Militärstande angehörenden Personen in diesem Verfahren in die Wege geleitet wird.
Ter Wahlprüfungsau-schnß
setzte die Erledigung der Prüfung der Wahl des Abg. Pauli '.Hagenow, kons.) bis zur nädjften Woche aus und beschäftigte sich heute mit der Wahl des Abg. Kovsch (Löwenberg, Vp.), der in der Stickpvahl mit 107 Stimmen Mehrheit gegen den konservativen Bewerber gewählt ist.
Tie Branntweinfteuervorlage.
Der Branntweinkontingentsausschuß verhandelte in seiner heutigen Sitzung ausschließlich über die süddeutsche Spannung. Bekanntlich hat die Vorlage der Verbündeten Regierungen verschiedene Sätze eingeführt für die landwirtschaftlichen und die gewerblichen Brennereien der süddeutschen Staa- t c n und außerdem nach der Größe der Brennerei gestaffelt. Eine Reihe von Anträgen der fübbcutfdyen Mitglieder verlangt größere Spannungen, während der Abg. Nebel ökons.) einen Antrag in entgegengesetzter Richtung eingebracht hat. Die Vertreter der württemoergischen, badischen und bayerischen Regierung betonen gegenüber den norddeutschen Einweichungen, daß ihre Staaten auch durch die Vorlage noch ungünstig gestellt würden und besür-
2lus den Rcid)$tag$au$fd)äfien.
:: Berlin, 2. Mai.
Die Militärvorlage.
Der Budgetausschuß setzte die Beratung der Militärvorlage bei H 5 des Rcichsmilitärgesetzes fort, der in der neuen Fassung bestimmt: Has Gebiet des deutschen Reiches wird in militärischer Hinsicht in 24 Armeekorps bezirke eingetcilt. General- maior Wandel teilt mit, daß das eine Armeekorps im wesentlichen Ostpreußen bis zur Weichsel, das andere ^bic Gegenb von Saarbrücken bis Mörchingen umfassen soll. Tie Sozialdemokraten haben einen Antrag eingebracht auf Aushebung des Einiährigcn -Instituts unb Turch- fübrung der zweijährigen Dienstzeit bei ben berittenen Truppen, sowie der einjährigen Ti en streit bei den anderen Waffen Eine gute kavalleristische Ausbildung ist nackt Meinung der Antragsteller auch in kürzerer Zeit möglich. Man brauche nicht die rein parademäßigen Tinge, die für den Felbsolbaten überflüssig sinb. Ter Kriegsmini st er legt bcnigcgenübcr ben Wert ber jetzigen Ausbilbung für ben Krieg bar.
Ein Mitglied der Volkspartei bezeichnet die Verkürzung ber Tienstzeit an sich für wünschenswert. In bet Gegenwart fei dies allerbings noch nicht ratsam, ehe nicht bie Iugenbausbilbung eine intensivere Vorbereitung gibt. Bei der Kavallerie könnte die Lanze wegfallen, dann wäre eine Herabsetzung bet Tienstzeit schon jetzt möglich. Tie Rekruten könnten am 1. Nov. anstatt am 1 Oktober eingestellt werden: das würde eine große Ersparnis sein und hätte auch nach andere Vorteile.
Ein Zentrumsmitglied wendet sich gegen ben Antrag der Sozialdemokraten. Eine verspätete Einstellung ber Rekruten empfiehlt sich vielleicht für bie Weinbau treibenben Gegenben. Bon nationalliberaler Seite wirb daraus hingewiesen, baß bei der Ausbildung der berittenen Truppen es sich nicht nur um den Mann, sondern auch um die Pferde handele, was gegen eine Herabfetzung der Tienstzeit spreche Vielleicht sei es aber möglich, in ber Art ber früheren Tispositionsurlauber nach dem ersten bezw. zweiten Jahr einen gewissen Prozentsatz zu entlassen, um bamit einen Ansporn zu eifriger Tienstaneignung zu schaffen. Als Ersatz könnten dann mehr Ersatzreservisten ausgebildet werden. Von Zentrumsseite wirb ausgeführt, baß eine Heranziehung wirklich aller Wehrfähigen zum Tienst yine große Belastung des Volkes sein würbe. Jetzt bleibe wenigstens ein Teil frei von biefer Last. Mehr wert sei eine intensive Ausbilbung. Tie Einführung der zweijährigen Tienstzeit habe ungeheure Mehrkosten veranlaßt. 02 Millionen ordentliche Ausgaben seien dadurch jährlich nötig geworden. Etwas ähnliches sei zu erwarten, wenn die Herabsetzung bei den reitenden Truppen fintrete, was an sich angängig wäre. Wenn die Erziehung unserer Jugend eine andere geworden sei, werde vielleicht in Zukunft eine Verkürzung ber Tienstzeit möglich sein.
Ein Mitglied ber Volks Partei bittet bie Militärverwaltung s i ch an bie Unterrichtsverwaltungen zu w e n b c n , um bie Frage ber Jugenbausbildung in ein lebhafteres Tempo zu bringen. Eine vorzeitige Entlassung habe ihre Bedenken Zu erwägen sei ber Gcbanke, ob die Infanteristen nicht im Frühjahr zu achtzehnmonatlicher Dienstzeit eingestellt werden könnten, um wenigstens eine minderwertigere Winterarbeit zu ersparen.
Ter M r i c g 9 m i n i ft e r führt aus, daß wir die ziffermäßige Neberlegenheil über Frankreich nicht mehr haben. Wir müssen bas durch die Qualität der Ausbildung ausglrick>en, und das wird uns ermöglicht durch unser stärkeres Unteroffizierkorps. Tie Kavallerie muß als Angriffstrupve erhalten bleiben. Eine spätere Einstellung ist nicht zu empfehlen, weil man da zu tief in den Minter hineinkommt. Tarunter würde gerade die erste Ausbildung leiben. Eine Pause zwischen Entlassung unb Einstellung ist jetzt schon vorhanben. In Wirklichkeit haben wir fetzt nur eine Tienstzeit von 23 ober 22 Monaten. Der Winterbienst ist burch- aus nicht so minberroertig, wie er früher vielleicht war. Einjährige gibt es in der Armee etwa 15 000. Ter Zugang an Reserveoffizieren beträgt jährlich etwa 1000. Immer von Parabc- brill uftr. zu reben, wiberspricht ben Erfahrungen von 1866 unb 1870. Tas wirb auch in Frankreich, bet Schweiz, Amerika unb sonst anerkannt. Auch bie japanischen Erfahrungen lehren dasselbe. Bei ber Jugenbbilbung ist früher gewiß manches versehen worben, unb es muß ba mehr getan werben. Die Früchte reifen aber langsam unb sie müssen nicht auf körperlichem Gebiete liegen, sondern ber natcrlänbifrfie Boben muß kräftig betont werben. Es wird altes geschcfan, um bie jetzigen Bestrebungen zu förbern.
Aus Siafct und Land.
G i eß e n, 3. Mai 1912.
** National liberale Partei. Man schreibt uns: Der Wahlkreisvorfitzendc der Nationalliberalen Partei in unserem Reichstagswahlkreis hat für Samstag nachmittag eine Vertrauensmänner- unb Mitglieder-Versamm lung hierher einberufen, die sich mit dem nationallibcralen Vertretertag beschäftigen soll. Besondere Einladungen ergehen nicht.
** Die neuerrichtete gewerbliche Fortbildungsschule hat am Dienstag ihren Anfang genommen. Von einer größeren Eröffnungsfeier wurde abgesehen, da int kommenden Frühjahr die hiesige Gewerbeschule ihr 75jähriges Bestehen feiern kamt Zu einer einfachen Feier hatten sich im Versammlungsraum des Wemerbe- Hauses Mitglieder des Aufsichtsrats und Vorstandes mit den Mitgliedern des Lehrerkollegiums und den Schülern zusammcngesünden. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Kraus müll er, Stadtv. Winn als Mitglied des Aufsichtsrats und Vorstands, sowie Baumeister Traber als Leiter der Schule hielten kurze Ansprachen, loorftt sie die Gesichtspunkte barlegten, die zur Neugründung geführt hatten, und Worte der Mahnung an die gewerbliche Jugend richteten. Ter Besuch der Schule übersteigt die vorgesehene Besuchszisfer erheblich.
** Der Ortsgewerbeverein hielt am Montag abend eine Mitgliederversammlung ab, in der die verschiedenen Berichte über das abgelaufene Vereinsjahr erstattet wurden. In der Aussprache wurde allgemein bitter Klage darüber geführt, daß von der Stadt in letzter Zeit Arbeiten nach auswärts vergeben worden seien, trotzdem die Differenz in den Angeboten zwischen den auswärtigen und den hiesigen Unternehmern im Verhältnis zu der Bausumme nicht unbedeutend gewesen sei. Es sei selbstverständlich, daß die hiesigen Unternehmer, die durch die örtlichen Verhältnisse (andere Steuer- und Lebensverhältnisse) schwerer belastet seien, nicht so billig arbeiten könnten als die auswärtigen. Hierauf müsse aber die Stadt Rücksicht bei Vergebung von Arbeiten nehmen, umsomehr, als nur ein zahlungsfähiger Mittelstand auch seinen finanziellen Verpflichtungen gegen die Stadt Nachkommen könne.
Au; neuen Briefen der Droste.
Die Veröffentlick'ung der Briefe Annettens v. Droste Hüls- Hoff an ihre Freundin Elise Rüdiger wird im neuesten Heft der Deutsck-.en Rundfckau von Kurt P l n t hus fortgesetzt und vertieft wieder in maudter Hinsicht unser Bild oon, Deutschlands Tröster Dichterin. Das erste der neuen Schreiben ist amj.4. Dez.
841 von der Meersburg datiert, wo Annette bei ihrem Schwager, dem bekannten Erforscher des deutschen Altertums, v. Laßberg, mit Levin Scbucking zusammen eine menschlich und dichterisch gleich reiche Zeit verlebte Die Klatschereien über ihr Verhältnis zu dem jungen Sebücking werfen einen Schatten in dies Jdhll; die alte. Neiderin und Klätscfann, von der sckwn in den ersten Briesen die Rede war, die Bornstedt, verbreitet das -Gerücht, als ob das Zusammentreffen Annettens mit Levin auf der Meersburg ein verabredetes Rendezvous gewesen sei. Tie^streng religiöse und konservative Mutter der Dicktterin, die von Schücking als einem vermeintlichen Freigeist unb als Bürgerlichem nichts wissen wollte, deutet diesen „dummen Klatsch" bei Tochter an.
„Ich kann", meint Annette, „diese Milde nur meiner 'Abwesenheit und der Furcht, meine Genesung durch Aerger rückgängig zu madxn, zuschreiben; wär ich gesund und in Rüschfaus, so hätte es gewiß sehr harte Szenen gesetzt, deren.Resultat unerfreulich und trennend gewesen wär, unb dock? weiß ich nicht, ob nicku ernste Ermafanngen und Beschränkungen meiner warten, wenn ich zurück Tom nie." Auch als sie nach ihrer Hrimat und Ehrern Wohnsitz Rüschhaus zurückgekehri ist, spielt ihre Sorge für Schücking weiter in den Briefen eine große Rolle: sie unterstützt ihn nicht nur mit reidKm volkskundlichem Material für seine Arbeiten über Westfalen, sondern sie möcküe dem „schusseligen" unb noch unfertigen Jüngling, der damals als Hofmeister in ben Dienst des Fürsten Wrede getreten war, alle Weg? für die Zukunst öffnen. „Gott weiß, wie er mir am Herzen liegt! Ich habe wieder recht gefühlt, daß er mir, mit allen seinen,Schwächen, doch wirklich lieb ist wie ein eigenes Kind." Freilich spricht sie davon, ihre Briefe von ihm zurück zu verlangen, die sie ihm lassen könnte „trotz des Wimmen kleinen Wörtchens" Tu, mit dem sie sich anreb.'ten, „wenn nicht so viel von einer anderen Sache barinflänbe."
Tamit rann doch mir eine tiefere Neigung für Levin gemeint fein, und daß sie nicht nur in ihrem Freundes-, sondern auw in ihrem Frauenherzen für ihn empfand, das beweist die instinktive Abneigung, die sie zugleich gegen Luise v. Gall, seine spätere Gattin, hegte. Als sie eine Novelle der geistreichen und schonen SchriftsteUerin im Cottaschen Morgenblatt lieft, wird sie, ohne noch viel von ihr zu wissen, an ihre Feindin die Bornstedt er
innert und meint ahnungsvoll: „Ist sie einigermaßen hübsch und angenehm, so kann sie Levin sehr gefährlich werden. Cb es zu wünschen wäre? — Vielleicht. Unter zwei) Uebclti das kleinste!"
lieber ihr eigenes Dichten berichtet sie von der Meersburg, daß sie wach im Bette liege unb im Dunkeln Gedichte mache. Am Tage schreibt sie an ihrem nicht vollendeten Prosawerk „Bei uns zu Lande auf dem Lande", „und abends chep Licht wird das bereits fertige (später auch die Geistlichen Lieder) abgeschrieben." Als sie im Sommer 1843 eine Reihe von Zeitscknifteu in die Hand bekommt, stellt sie nachdenNiche Betrachtungen über den Schrift stellerruhm an. „Wenn ich sehe, wie alles durcheinanderkrabbelt, um berühmt zu werden, dann kommt mich ein leiser Kitzel an, meine Finger auch zu bewegen. Geduld? Geduld! — Aber wenn ich dann wieder sehe. Wie einer kaum den,Kopf über bem Wasser bat, daß schon ein anderer hinter ihm einen Zoll höher auftaucht und ihn wieder nicbcrbriufi, wie Heine schon ganz verschollen. Freiligrath und Gutzkow veraltet sind, kurz die Zelebritäten sich cinanbn: auffressen und neugenerieren wie Blattläuse, dann scheint mirs besser, die Beine auf den Sopha zu strecken, unb mit halbgeschlossenen Augen von Ewigkeiten zu träumen . Ach, Elise! es ist alles eitel! Was hilft es mir, daß die Buchhändler glauben, auch mich kurze Zeit bem Publikum als Zugpflaster auflegen zu können, um mich nachher wie eine verbrauchte spanische Fliege ben Seite zu werfen ... So steht mein Entschluß fester als je, nie auf den Eftect zu arbeiten, keiner beliebten Manier, keinem anberen Führer als der ewig wahren Natur durch die Windungen des Menschenherzens zu folgen, und unsere blasierte Zeit unb ihre Zustände gänzlich mit dem Rücken anzusehen. Ich mag unb will jetzt nidrt berühmt werden, acker nach hundert Jahren möcht ich gelesen werben . . ."
Maiwein unö Maibowle.
Was ist es, das der Maibowle unter allen Getränken ihren eigenen Reiz sichert? Es ist, daß ber Frühling in ihr lebt. Der Frühling mit seiner ganzen herben Frische unb seinem würzigen Dufte scheint in biefem köstlichen Tranke eingefangen. Und darum hat er auch so viele Freunde unter den Dichtern gefunden — wenigstens unter denen, die einen guten Trunk zu schätzen wissen. Bei ihnen erscheinen Frühling und Maibowle immer als vertraute Gesellen.
An sich ist die Maibowle uralt, schter ebenso alt wie die Weine, aus ber sie zubereitet wird. Wenn auch bie Alten gerade nicku ben Walbmeister zur Würzung des Deins benutzten, so hatten sie doch auch den Brauch, den Geschmack von Getränken durch ein Blumenaroma zu verfeinern. So besaßen die Römer ihre 9b|'cn>
Kavr.3Ä& SnertiÄ^f mderM'r,b(r vo" Wodkas
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