General-Anzeiger für Oberhessen
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tit „rittzener Samlllenbiatter* werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich betgelegt, da« „Krdsblatt für den Krell »fefcee“ «weimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftliche» Sett- fragen" erscheinen nwnatlich «roeunoL
Heer tntfc Flotte.
Das Ctiftungssest des LehrinfanterlebataillonZ in Potsdam.
Potsdam 27. Mai. Leute vormittag begann das S t i f- tungsfest des Lehrinfanleriebataillons, sogenann les Lchrippenfest, mit Gottesdienst an der Südseite des Neuen Palais, an welchem außer dem Ütaiverpaar, vielen Prinzen und Prinzessinnen, dem Reichskanzler, die Generalirar und die fremd! errllll.en Lftrziere tnlnatzmcn. Nach dem Gottesdienst nahm der Kaiser den Vorbeimarsch ab, woraus in fahnengeschrnuckren Zelten die Mannschastsspeisung srattfand. Ter Kaiser brachte ein Hurra aus die Armee, der Generaloberst auf den Kriegsherrn aus; sämtliche Kapellen der Potsdamer Garnison konzertierten. Nach miliräriichen Meldungen der schwedischen und chilenischen Militärattaches, des bayerischen Generalleutnants Ritter v. Hoehn, und inländischer Offiziere sand in dem Muschelsaal des Neuen Palais Frühstückstafel statt.___________________________________________________
Redaktion. Expedition und Druckerei: kckul- strafe 7. Expedition und Verlag: &L
Nedaknonr^OOIU. r«l.-AdruAnzelgerGieben.
Dienstag, 28. IHai 19(2
Rotationsdruck und Verlag der vrübl'lch« Unipersuäls - Buch- und Eteindruckerir.
9L Laa,«, Lietzen.
Das vahnprojetr bad-Nauheim—Ufingen im preußischen Abgeordnetenhauje.
— Bad-Nauheim, 27. SDlai.
Im preußischen ALgeordnetenhause machte Abgeordneter Geh. iberpoftrai Tr. König .Ztr.), ein geborener r^ber-Mörler, bei der Beratung der Ne b e n b a h n v o r- l a g e folgende Ausführungen: „Ich habe noch eine andere Bitte, die mir am Herzen liegt, und die betrifft die Gegend, in der einst meine Wiege stand, die schöne Wetterau und die waldigen Höhen des Taunus. Bon Usingen, der Stadt an den lebten Ausläusen des Taunus, zieht sich bis zu dem weltberühmten Bad-Nauheim das schone Usatal hin, dessen Bewohner schon seit langer Zeit die Erbauung
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einer Bahn von Bad-Nauheim bis Usingen dringend wün- chen. Allein all ihr Sehnen, all ihr Hofften. all ihr Warten — und sie warten schon sehr lange — ist vergebens, und doch ist die Bahn eine dringende Notwendig leit, der Die beteiligten Behörden sich nicht verschließen sollten. Ich weise hin auf den gewaltigen Fremdenzufluß, den Bad> Nauheim in stets zunehmendem Maße zu verzeichnen hat, und der sich infolge des Besuchs der Kaiserin nsw noch steigern wird. Für das Bad ist es von höchster Bedeutung, daß das schöne Usatal für die Kurgäste durch eine Bahn erschlossen wird. Daß die Erschließung des Usatals als Ausflug für die Nauheimer Kurgäste höchst wichtig ist, dürfte wohl unzweifelhafl daraus Hervorgeyen, das. wie mir berichtet ivird, die Kaiserin während ihres die. jährigen mehrwöchigen Aufenthaltes das schöne Usatal mit seinen intimen Reizen fast täglich besucht l>al. Weiter ist von Wichtigkeit für Bad-Nauheim, daß durch die Usatal bahn reichlicher als bisher Gelegenheit geboten wirb, die Zufuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus den in Betragt tommenbcn Lrten zu ermöglichen. Ter Nkangel einer Bahnverbindung hat weiter bisher verhindert, daß sich eine lebhaftere Industrie in dem Usatal, das von einer überaus rührigen, arbeitsamen Bevölkerung bewohnt wird, hat entwickeln können. Neuerdings ist allerdings ein Wandel hierin eingetreten. Es sind Geyseritlager von ungewöhnlich starkem Umfang entdeckt worden Tas aufgefunDcne Material ist wegen seines hohen Kieselsäuregehaltes für die Keramik-, Emaille-, Glas- und chcmisck)e Industrie von hervorragender Bedeutung. Tie zwei Unternehmungen, die zu seiner Ausbeutung in.' X'eben gerufen worden sind, haben sich jo günstig eiitwickcll, daß sie bereits ganz erhebliche Vergrößerungen ihres Betriebes haben vornehmen lönnen. Nach mir gewordenen Mitteilungen ist das eine Werk in der Lage, täglich 10 bis 12 Waggons herzustellen und es liegen für 7 Waggons täglich feste Abschlüsse vor. Das zweite Wert wird im Jahre etwa 1000 Waggons versenden. All dieses Material muß jetzt mit der Achse zur Bahn geschasst werden, was natürlich eine Verteuerung zur Folge 'hat und sich dem weiteren günstigen Fortschrei- len der Unternehmen hinderlich in den Weg stellt. Tic Vorteile, die sich für den Niesenverlehr aus der llsatalbahn ergeben würden, und die weiteren Gründe, die den Bau der Bahn dringend notwendig machen, habe ich bereits srüher an dieser Stelle dargelegt (strategische Bedeutung Ich nehme, um Wiederholungen zu vermeiden, aus diese Ausführungen Bezug. Die Bahn würde preußisches und hessisches Gebiet berühren, also eine Bahn der preußisch- hefiischen Eisenbahngemeinschast int engsten Sinne des Wortes darstellen. Ich hoffe, die Großh. Staatsregierung, da ja an dem weiteren günstigen Aufblühen des Bades Ncauheim sehr start interessiert, wohl aber auch für die bisher stiefmütterlich behandelten Usatalbewohner ein warmes Herz hat, wird nicht unterlassen, bei dem Herrn Eisenbahnminister die Interessen der hessischen Lrte warm und dringend zu vertreten. Einer solchen Befürwortung wird, so denke ich, der Herr Eifenbahnminister fein geneigtes Lhr nicht verschließeii und er wird gerne die nötigen Schritte tun, um ben seit vielen Jahrzehnten gehegten Herzenswunsch der hessischen wie preußischen braven Bewohner des Usatales endlich zu erfüllen. (Bravo!)
(Schon Mitte der 70er Jahre bildete sich ein Komitee unter Führung des verstorbenen Postmeisters Foucar und des jetzigen Geh. Mad.°Rats Tr. Groedel-Bad-Nauheim das die Bahn Bad-Nauheim—Ufingen anftrebte; trotz größter Anstrengungen konnte dies Ziel aber nicht erreicht werden, weil einzelne Gemeinden, darunter Lber-Mörlen, sich sträubten, das Gelände zur Bahn zu stellen und ent- fprechende Beiträge zu leisten.
Das Müllheimer Eisenbahnunglück vor Gericht.
Freiburg i. B., 25. Mai. In der heutigen Vormittags- Verhandlung im Platten-Prozeß erstattete der Psychiater Pros. Tr. Runke sein Gutachten, bei dem er nichts von nach- [eiligen Folgen des damaligen Lhmnachtsanf alles glaubt. Bei der Beobachtung in der psychiatrischen Klinik habe Platten den Eindruck eines frühzeitig gealterten Mannes gemacht, doch konnten bettäd:tii(6e Veränderungen im Blutkreislauf nicht ieftgcftellt werden. Tas Gedächtnis Plattens, der ein Mann von mehr als durchschnittlicher Begabung sei, sei nicht ganz normal in manchen Tingen und seelisch sei Platten eigentünilich veranlagt, bar von Gefühlswallungen. Es fei in der Klinik gelungen, Platten einen mehr als fünfstündigen, ununterbrochenen Schlaf zu verschaffen. Ter Gutachter kommt zu dem Schluß, Platten leide an Arterieii- Berkalkung und an sehr leichter Gehirnerregung, aber chronischer Alkoholismus liege bei ihm nicht vor. Mubeslimmeno für die Strafbemessung seien die pathologischen Momente und der Alkoholgenuß, dagegen eine geistige Krankheit oder Bewußtlosigkeit nicht anzunehmen. Strafrechtlich sei Platten für seine Tat verantwortlich, denn er hätte es seinem Heizer sagen müssen, wenn er seine Widerstandsfähigkeit schwinden fühlte. — Außerdem ist in der heutigen Sitzung em Schreiben der Generaldirektion oet badischen Eisenbahnen verlesen worden, wonach bisher an En jchädigungen 1765 425 Mark bezahlt worden sind. Neun sind aber noch nicht entschieden.
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Der besuch des Grasen verchtold.
Zu dem Berliner Besuch des Grasen Berchtold schreibt iad „Hamburger Fremdenblatt': Tie Fahrt des Ministers rach der Hauptstadt des Teutschen Reiches entsprach der festgewurzelten Tradition, nad) der die neuen Staatsmänner der beiden verbündeten Mächte nach ihrem Amtsantritt sich dem Souverän des alliierten Staates vorstellen Zttid mit den leitenden Staatsmännern in persönliche tfüf^ Lung treten.
Nach Bezugnahme auf die Begrüßung durch die „Nord- Äeutfche Allgemeine Zeitung" heißt es dann weiter:
Tie warme, herzliche Ausnahme, die Graf Berchtold bei seinem Aesuch u Berlin fand, gibt abermals Zeugnis von den unver-
änge- mos- lium- edier Sluck- uswabl Man- etc-
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Die Regierung über die Arbeiten öes Reichstags.
Berlin, 25. Mai. Tie „Nordd. Allg Ztg." schreibt: In einer kurzen, angeftrengten, ungewöhnlich bewegten Tagung vollbrachte der Reichstag Leistungen, die sich mit denen der fruchtbarsten Sessionen messen können Und doch sah man dem Wirken dieses Reichstages mit schwerer Sorge nach der Zeit tiefer Verstimmung entgegen. Bei den Wahlen hatte das deutsche Volk der parlamentarischen Vertretung eine Zusammensetzung gegeben, die sichtbare Zei- chen schwerer Parteizerwürsnisse an sich trägt. Tie Ver- leugnung des Gemeingefülils unter den bürgerlichen Par- -reien bei den Wahlen und der daraus resultierende Kräfteverlust ließ für die gefährliche Strömung Raum, die das liberale Bürgertum auf Gedeih und Verderb auf die Seite der Sozialdemokratie bringen wollte. Tie Sozialdemo, fratie selbst kam diesen Bestrebuiigen zunächst durch maß» volleres Verhalten äußerlich entgegen. Sv tonnte es geschehen, daß die liberalen Parteien einem svzialdemokra» tischen Abgeordneten den Sitz im Präsidium einräuniten. Es war, als ob der ganze Jammer der Partenvirren noch einmal drastisch Ausdruck suchte, ehe der Reichstag zur Arbeit kommen sollte. Aber gerade an diesen Vorgang und feine Folgen knüpfte sich ein Stimmungsumschlag, der bann zu der überraschend schnellen Erlediguiig Der großen Ausgaben dieser Tagung beitrug. Ter Widerspruch der Sozialdemokratie und Der reichsfeindlichen Splitterparteien angesichts der großartigen Kundgebung des Reichstags ist nad) innen wie nach außen ohne Eindruck geblieben. Regierung und Reichstag dürfen mit Befriedigung auf das vollbrachte Werk blicken. Wohlverdient waren die Worte des Dankes, die der Reichskanzler bei der Vertagung im Namen des gesamten Vaterlandes, des Kaisers und Der verbündeten Regierungen Dem Reichstag ausfprach. Es konnte schon seil geraumer Zeit Darauf gerechnet werden, daß die bürgerlichen Parteien den Wehrvorlagen ihre Zustimmung geben würden. Sv schien bis zum letzten Tage die Beschaffung der Deckung gefährdet. Bei Beseitigung der sogenannten Liebesgabe kam es darauf an, Die Einnahmen aus Der Branntweinsteuer zu vermehren, ohne Dem wichtigen Produktionsgewerbe Die GrunDlagen gefunDer Entwicklung zu entziehen. Diesem Zwecke Dient es, wenn die Hälfte Der Mehrerträge zur Unterstützung des gewerblichen Spiritus üerwanbt wirb. Die verbündeten Regierungen konnten sich Daher mit diesem Entschlüsse einverstanden erklären, nachDem für Die anDerc Deckung Sorge getragen
i AA Q” J war. Die verbündeten Regierungen erklärten auch dazu ihre ivum raw Zustimmung, daß diese Deckung in einer allgemeinen ’ I Besitz st euer bestehen soll. Der Reichsfinanzverwaltung
Airchc rind Schule.
*• Die Südwestdeutsche Konferenz für innere Mission, die die Landeskirchen von Hessen, Baden, Württemberg, Elsaß-Loihringen, Pfalz und Hessen-Nassau umfaßt, wird ihr Jahr es fest am 9., 10. und 11. Juni in Stuttgart feiern. Nach einem Festgottesdienst und einem Familienabend am Sonntag wird am Montag über sehr bedeutiame Fragen: Tte Stellung der Inneren Mission zu den Bestimmungen des Vorentwurfs des Teutschen Strafgesetzbuchs, über Jugendstrafrecht, Alkohol- und Sittlichkeitsdelikte (Redner Straianstalts- direktor Schwandner-Ludwigsburg) und Volksapologetische Aufgaben der Gegenwart Redner Proi. D. Schöll-Friedberg) verhandelt werden. Tie Schönheit der Stadt Stuttgart, her Reichtum an Sehenswürdigkeiten, die Fülle an lehrreichen Anstalten und Arbeiten der christlichen Liebestätigkeii werden den Besuch der Versammlung noch besonders lohnend machen.
änderten festen und innigen Beziehungen zwischen dem Teutschen Reiche und der österreichisch-ungarischen Monarchie. Denn solche Bekundungen der unerschütterlichen Freundschaft der beiden Zen- tialmädrtc auch nicht außergewöhnlich sind, so entbehren sie dock niemals der höheren politischen Bedeutung. Gerade im fetzigen Augenblick wird den Besprechungen Gras Bcrchtolds mit den leitenden Persönlichkeiten des Teutschen Reiches g e st c i g e r t c Wichtigkeit beigemcssen werden, da es ja selbstverständlich ist, daß bei den Unterredungen alle, die Auswärtige Politik berührenden Fragen erörtert werden. Tie jetzige, ziem lick komplizierte auswärtige Lage wird der Erörterung überaus reichen Stoff geliefert haben. Es braucht wohl nicht erst her vorgehoven werden, daß bei dieser Gelegenheit abermals die vollständige U e bc r e i n sti m m u n g in den Aeußerungen der leitenden Staatsmänner der beiden alliierten Mäckte zutage trat. Erst vor kurzer Zeit gedachte Graf Berchtold in seinem, vor den Telegattoncn entwickelten Expos« des deutsch-österreichisch ungarischen BundesverljältnisseS in wärmsten Worten. Ter herzliche, ehrende Empfang, der ihm in Berlin zuteil wurde, fügt sich harmonisch dem Bilde an, loclches Gras Berchtold den Tc legalionen über die Beziehungen zwischen dem Hohenzollernhause und der Habsburger Monarchie entwarf.
Wie das Wölfische Bureau weiter von gut informierter Seite erfährt, ist Graf Berchtold Durd) Die Ausnahme, welche il m hier von allen maßgebenDen Kreisen bereitet wurde, sowie Durch Den gnäDigcn Empfang, Den ihm Der Kaiser gewährte, außerordentlich befriedigt. Tie eingeljciiDen Unterredungen, welche er mit Dem Reichskanzler und Dem Staatssekretär Des Aeußern gepflogen, wobei alle politischen Tagesfragen Durchgesproctfen würben, ergaben, Daß man in Berlin für Die konservativen Ziele Der österreichisch ungarischen Politik volles Verständnis hat und and) einsieht, wie großen Wert für Die Nachbarmoitarchie infolge ihrer geographischen Lage unD wirtschastlidfen Interessen am Balkan Die ungestörte Erhaltung Der Ruhe im Osten Europas besitzt.
Potsbam, 25. Mai. Graf BerchtolD traf um 121/2 Uhr in itie^eitung Des österreichischen Botschafters im Neuen Palais em. Er wurde vom Kaiser allein empfangen und zur Frühstückslafel geloben. Er saß rechts vom Kaiser, links vom Kaiser Der österreichische Botschafter. An Der Tafel nahmen außerDem u. a. Der Reichskanzler, Staatssekretär v. K i D e r k e n - W ä ch t e r, Der österreichisch- ungarische Mariiieattache und Der Militärattache, Die Ehefs Des Zivil- unD Militärkabinetts unD Der Ehef Des Generalstabs von Moltke.
Berlin, 26. Mai. Gras BerchtolD ist heute vormittag 9 Uhr 20 Min. nach TresDen abgereist.
Dresden, 27. Mai. Der König empfing gestern abend 7 Uhr im Residenzschloß Den Minister Des Aeußern Berchtold in Gegenwart Des Staatsminister Vitzthum von Eckstädt und des österreichischen Gesandten Grafen Forgach in Audienz. Er überreichte hierbei Berchtold den Haus- orben der Rautenkrone, tvährenb Graf Hoyos Des Komturkreuz zweiter Klaffe Des Albrechtordens erhielt. Der AuDienz schloß sich eine Tafel an.
Rudolf Ri*
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Gerichtssaal.
fc. Wiesbaden, 27. Mai. Eine iniereffante Entt'ck ^»ung fällte heute die 2. Strafkammer am hiesigen Lane- -nay aud) die Wettoermirtlung mit Gefängnis bestraft / uinn. Ter Tapezierer W. K. haue im vorigen und ? J. i ja! ec netten an Den in Der Schweiz tätigen Buchmacher Schöler geschickt unb
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wird nunmehr Die Ausurbeitung einer allen Arten Des Belitzes gerecht werDcnDcn Besitzsteueroorlage obliegen. Cb es gelingen wirb, eine Besitzsteuer zu finden, bie aud) allen Arten ber Parteianfchauungen und Der Lehrmeinungen ge recht wirb, ist allerdings eine andere Frage. Bedeutsam ist es vor allem, daß bie gesetzgebenben Körperschaften, unbeirrt burch Versuchungen irgendwelcher Art, an dem Grundsatz: Keine Ausgabe ohne Deckung! festgehalten haben. Sofern bei ber Wirtschaftsführung bes Reiches an ber erprobten Sparsamkeit festgehalten wirb, ist ein Rückfall ber gefunbenben Finanzen in bie frühere Schul- benanhaufung nicht zu befürdjten. Tie So - zialbemokratte, bie anfangs mit gebämpften Tönen operierte, hat sich im Laufe der Session völlig zu ihrer alten Manier zurückgefunden. Während ihre Vertreter im preußischen Abgeordnetenhause anbauernb Durch Verleugnung Der GrunDlagen jeDer parlamentarischen Verhandlung Die wiDerwärtigften Szenen provoziertett, holten sie im Reichstage nod) in den letzten Tagen zu Angriffen gegen Die Monarchie unb ben preußischen Staat aus, Die an verbissener Gesinnung und brennendem Haß ihresgleichen suchten. Ter Reichskanzler protestierte durch Tat und Wort gegen bie maßlosen Ausschreitungen, bie {ebenfalls neu gezeigt haben, wie vorsichtig man mit ber Hoffnung auf die in ruhigere Bahnen lenkende Entwicklung ber Sozialdemokratie sein muß. .Auch jetzt hat sich bei ihr ber revo- lutionäre Trieb wieder stärker erwiesen, als taktische Rücksichten. Gerade ber .Abgeordnete Scheibemann war angesichts bieser Vorgänge am wenigsten geeignet, ben Nachweis zu wagen, Daß feine Partec seit Bestehen jede Gewalt abgelehnt habe. Er verlangt aber, daß man ber Fortentwicklung Der sozialDernokranfchen ForDerungen Rechnung trage, sonst tonnte aud) feine Partei, so bebauer- lich es für sie sein würbe, ben Lauf Des Verhängnisses nicht aufhalten. Ihre bisherige friebferrige Gesinnung, welche von bem Rebner einzig aus tattlschen Erwägungen plötzlich unterstrichen würbe, ist ein freierfundenes Phan- lasieslück. Aus ben Kundgebungen Der Partei unD Der sozialistischen Presse lassen sid) hunDertsache Belege für Den revolutionären Charakter ber SozialDemoträne anführen. Schon allein bie lubelnbc Zu,ttmmung Der Genossen zu allen blutigen Umwälzungen im Auslanbe steht zu Herrn Scheibemanns Versimerung m grellem Wiber» Iprud). Der Abgeordnete Koutsky hat bie Ibee von Der Eroberung Der politischen Macht ohne Gewaltamvendung abgewreseii. Ter Parteitag in Jena jagte, gegebenenfalls sei' Der politische Massenstreik als Kampfmittel anzuwen- Den. Ter Massenstreik aber bedeutet Stratzenlampf unD blutige Revolution. Rosa Luxemburg hat diesen Massenstreik unter Berufung auf Die russische Revolution gepriesen. Herr Sd)eidemann wirb biese Zeugnisse erst widerlegen müssen, ehe er mit seiner Behauptung Glauben findet.
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Zu bem Gesetzentwurf, bie Gehalte ber Bolköfchullehrer, hat Abg. Bach folgenden Antrag gestellt:
1. In allen Gemeinden ohne besonderes Crtsftatut sind bie Gehalte an bie Lehrer und Lehrerinnen aus der Staatskasse nad) den für bie Beamten geltcnbcn Bestimmungen auszuzahlen. Ter Staat erhebt von Den Gemeinden sowie von etwaigen sonstigen Trägern von Schullasten (Stiftungen, StanDesherrsckasten ufw.) die Beträge, Die von ihnen für Die Lehrergehalte aufzubringen find.
2. Artikel 3 des neuen Gesetzentwurfes erhalte folgende Fassung: Die Gehalte Der Volksschullehrer in Den Städten mit befonDerem Crtsstatut berechtigen bem Staate gegenüber nur insoweit zu einem Anspruch auf Pension, als sie — einschließlich Der bei Der Pensionierung in Anrechnung zu bringenden Mietsentschädigung — das pensionsfähige Höchstgehalt Der an staatlichen Anstalten verwen- Deten seminarifchen Lehrer tReallehrer- nicht übersteigen \bei Lehrerinnen Den Betrag von 3600 Mark).
3. Tie Amtszulage Der Schulleiter (Hauptlebrer) werDe bei Festsetzung Des Ruhegehalts mit ihrem vollen Betrag in Anrechnung gebracht.
Zu Dem Gesetzentwurf, Die Hinterbliebenenverso r g u n g der Volksschullehrer betreffend, beantrage ich:
4. Den am 1. April 1912 im Amte befindlichen Definitiv angeftdlten Lehrern bleiben Die Durd) ihre Anstellung erworbenen Rechte an Die Witwen- unD Waisenkasfe in vollem Umfange gewährt.
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Nr. 123 Awetter Blatt |62. Jahrgang
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