Nr. 502
Zweites Blatt
162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint tS-ttch mit Ausnahme beS Sonntags.
General-Anzeiger für Oberhesjen
Die „6te(|»etr ZmnIIiendlätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beiqel^t, das „Kreisblatt für ben Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Di» „Landwirtschaftlichen Seil' Iragtn" erscheinen monatlich zweimal.
Montag, 25. Dezember 1912
Rotationsdruck »md Serlag der Vrnhl'jchen Univcri'uäls - Buch- uni» Stcinörudecci.
R. Lange, Diehen.
Redaktion. Expedition unb Druckerei: Sdnd-
strahe 7. Erpedilion und Verlag:
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerDiehen.
2lu$ Sofien.
Zar neuen Beamlenbesoldungsvorlage
tagten am Sonntag in Darmstadt die hessischen Unter- beamten. Es waren nahezu 100 Vertreter aus dem ganzen Großherzogtum erschienen, Landtagsabq. und Stadt verordneter £> e n r i cf) war der Einladung ebenfalls gefolgt In eingehender Aussprache wurden die Mängel und Ün gleichheiten der neuen Vorlage eingehend besprochen und dabei besonders auch die Vermehrung der Gchaltsklassen kritisiert. Man beschloß eine Eingabe, unter Klarlegung der einzelnen Gesichtspunkte an die beiden Kammern zu richten.
Auch der Verein G r o ß h. Geometer 1. Kl. hielt in Darmstadt eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die als wichtigsten Gegenstand die Be- soldungsvorlage behandelte. Rach dem Entwurf der neuen Vorlage sind die Geometer 1. Kl. in die Gehaltklasse48 (2100—4400 Mk.) eingereiht worden. Die Versammlung bedauert, in diese Klasse, welche der Vor- und Fachbildung der Geometer 1. Kl. nicht entspreche, ausgenommen worden zu sein. Sie stellt fest, daß die von der Regierung! zur Be soldungsordnung gegebene Begründung bei den Geometern 1 ■ Kl. nicht zutrifft, da die preußischen Vermessungs- deamten, die zum Vergleich herangezogen werden können, nicht in der Gehaltsklasse von 2100^-4500 Mk., wie die mitt leren preußischen Beamten, sondern in der Gehaltsklasse 2700—4800 bezw. 5100 Mk. eingereiht sind. In einer Eingabe an die Landstänpe sollen diese Verhältnisse klargestcllt und um Einreihung in eine der Vor und Ausbildung an derer Staaten enffprechende Gehaltsklasse gebeten werden. Man schreibt un§: Die neue Vorlage zur Besoldungsreform vom 7. Dezember wird unserem Lande nicht die Ruhe bringen, wie sie sicher von vielen erhofft und von allen Beteiligten ersehnt wurde. Namentlich wird sie bei denen die größte Enttäuschung hervorgerufen haben und mit Recht, die schon jahrelang um eine andere, ihrem Amte ange messenere Einordnung in die allgemeine Besoldungsordnuwg nachsuchten. Die Regierung sagt selbst in der neuen Vorlage, daß sie neben der allgemeinen Aufbesserung „Härten imb Unstimmigkeiten" in der seitherigen BesoldungSord- nung beseitigen wolle. Wer wollte nun behaupten, daß beispielsweise die hessischen Volksschultehrer eine ihrem Amte und ihrer Vorbildung enffprechende Klassifizierung erhalten, wenn man sie mit ihrem Endgehalt 1000 Mark hinter den mittleren Finanzbcamtey (Gerichtsschreibern, Kreisantts- bureauvorstehern usw.i, bereit Vorbildung doch sicher nicht über die der Volksschullehrer hinausgeht, zurückstehen läßt! Dabei soll diese Neuordnung auf Jahre hinaus die Verhältnisse festlegen. Diese Einsck>ätzung der Volksschularbeit und damit des gesamten Volksschulgebietes, das doch sicher eine andere Würdigung verdiente, kann nicht befriedigen, besonders alle die nicht, die in unserer Volksschule einen Kulturfaktor ersten Ranges sehen. Die Vvlksschrtllel-rcr würden pflichtvergessen handeln, wollten sie zu dieser Bewertung ihrer Arbeit und ihres Standes schweigen. Sie stellen keine unbescheidenen und unerfüllbaren Forderungen, aber sie meinen auch, und diese Meinung sprach am 8. und 0. Mai d. I. die Zweite Kammer einmütig aus, daß, sie sich mit vollem Recht den oben genannten mittleren Beamten gleichstellen dürfen. Die Vorstände des hessischen Landes Lehrervereins und des Katholischen Lehrervereins haben darum beschlossen, zum 2. Januar eine allgemeine Lehrerversammlung in der Turnhalle zu Dar m- stadt einzuberusen, um in einer eindrucksvollen Kundgebung ihre Forderungen zu vertreten. Neben den Vorsitzenden der beiden Lehrervereine wird Landtagsabg. B a ch-- Mainz über „Die Besoldungsvorlage vom 7. Dezember und die hessischen Voltsschullehrer" sprechen. Daß die Lehrerschaft die Vorlage der Regierung in keiner Weise als befriedigend ansieht, wird sie durch eine neue gemeinsame Eingabe ausdrücken, in der sie den Landständen mitteilen wird, daß sie von ihren Forderungen in der Eingabe vom September nicht abgehen könne.
Deitffcbcs Keid».
Der Regierungswechsel in Badern.
Im Thronsciale der Münchener Residenz fand am Samstag die feierliche .Eidesleistung des Prinzregenten Ludwig von Bahern statt in Gegenwart der Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, des Gesamtministeriums, Mitglieder beider Kammern des Landtags ein- schlie ßlich 'der Sozialdemokraten, der obersten Hofchargen und Abordnungen der Militär- und Zivilbehörden, des diplomatischen Korps und der Geistlichkeit. Ter Justizminister verlas die Eidesformel, worauf der Regent mit den Worten „Ich schwöre", den Eid auf die Verfassung leistete.
Mini st er wechsel in Württemberg.
Der württembergische Staatsminister des Innern, Tr. v. Pischek, ist seinem Ansuchen entsprechend, unter Anerkennung seiner langjährigen und ausgezeichneten Dienste in den Ruhestand versetzt worden. Der Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens v. Fleischhauer ist zum Staatsminister des Innern und der Präsident des evangelischen Konsistoriums, v. Habermaas, zum Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens ernannt worden.
Ausland.
Ein Jndianeraufstand in Mexiko.
Die Neuyorkcr Blätter melden aus Douglas (Arizona : Nach unbestätigten Meldungen haben 500 Paauivbianer San Marcial int Staate Sonora (Mexiko), angegriffen und zerstört. Sie sollen 1000 Einwohner,nahezudiegesamteEin- wohuerschaft niedergcmacht haben.
Beer und Flotte.
Frankreichs Heeresgeseh angenommen!
Mit emsigem Fleiß habeit die deutschen Telegraphen- A-genturen wahvend der gesamten Verhandlungen über die französische Heeresvorlage fn der Pariser Kammer alles das herausgepickt, was während der Verhandlungen von den Abgeordneten an Fehlern und Schäden in Frankreichs Heer bemängelt wurde. Alles aber, was die französischen. Volks
Vertreter mit berechtigtem Stolz lobten, hat man nicht nach Deutschland gedrahtet. Und so ist man auch im allgemeinen darüber zur Tagesordnung hinweggegangen, daß am 10. j. M. das üadergesetz von der franzosisckren Kammer mit *iner geradezu überwältigenden Mehrheit angenommen worden ist. Tie „France Rdilitaire" vom 11. bringt die Mitteilung, daß bei der Abstimmung sich sämtliche Hände zur Annahme erhoben, mit Ausnahme der Abgeordneten der lußersten Linken, welche sich der Abstimmung enthielten. Stolz^schreibt das genannte Blatt am 12. Dezember:
„Das Kadergesetz ist durch die Kammer mit einer ungeheuren Mehrheit angenommen worden. Bei der Gegenprobe erhob sich nicht eilte Hand, die die Genehmigung verweigerte. Wir sind glücklich und stolz auf diese großartige Kundgebung."
Frankreichs Heer und Frankreickzs Vollsvertretung kann auf diese Kundgebung auch stolz fein. Es ist außerordentlich bezeichnend für die Gesinnung der französischen Sozialdemokratie, daß sie zwar dem (besetz ihre Zustimmung offiziell nicht gab, indem sie sich der Mstimmung enthielt, daß aber nicht ein Abgeordneter gegen das Gesetz gestimmt hat.
Ans Statt und Land.
G jenen, 23. Dezember 1912. Weihnachten, ein Familienfest.
Weihnachten ist vor allem das Fest, welches im Familienkreise gefeiert werden soll. An ihm naht die Stunde, da das Herz sprechen darf und da die Liebe voll und ganz ihren Platz ausfüllt. Am heiligen Abend darf sie sich in ihrem Glanze zeigen und wird mir Anerkennung ihres Tuns finden. Wo aber wäre die Liebe besser aufgehoben als im schönen Frieden einer guten Hänslick leit. Wo fände sie reicheren Lohn für alle Opser- willigleit als int Familienkreise?
Am Weihnachtsabend gehört jeder ins eigene Heim, um hier das liebe Fest inmitten seiner Angehörigen zu begehen. Die Besckernng muß alle Familienmitglieder vereinen, wenn es sich nur irgendwie ermöglichen läßt. Es ist ein sehr großer Unterschied, ob alle in herzlicher Gemeinschaft unsere schönen Weih- nachtsliedcr singen und sich erst am lichterstrahlenden Tannen- baum, dann an den Geschenken erfreuen, oder ob keine gcmcinschaft- licke '.Feier eingestihrt ist. Zwar verbieten die Verhältnisse häufig das Beieinanhersein, und dann muß man, notgedrungen, davon ab ft eben und die Weihnachtspakete und Glückwünsche so frühzeitig absenden, daß sie ja zur rechten Zeit eintreffen. Sonst aber sollen die Menschen gerade beim Weihnachtsfeste, dem Freudenfeste, daran festhalten. daß „geteilte Freude doppelte Freude" ist. Ist es dock' ungleich schöner, dem, welchem man Freude bereiten will, gegenüber zu stehen und sein Auge aufstrahlen zu sehen, als sich nur in Gedanken in seine Nähe zu veffetzen. Ein liebreiches Wort wird durch leinen noch so freundlichen Brief ersetzt. Dieser ist ein Notbehelf, wenn auch ein recht guter. Wer nun im Kreise seiner lieben Angehörigen ein fröhliches Fest zu verleben hofft, gedenke auch derer, die teilt eigenes, trautes Heim besitzen, oder die zwar eine Häuslichkeit haben, sie aber mit keiner anteil - nehmenden, freundlich gesinnten Seele teilen. Vielleicht bereitet er solck>en durch eine Einladung eine Weihnachtsfreude!
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•* In Audienz empfangen wurden vorn Groß- l, erzog am Samstag u. a. der Bibliothekar und Privat- dozeut an der Universität Gießen Dr. Hepding, Werkmeister Steinbrecher von Butzbach und Kreisschitlinfpcklor Bsa l d a u f von Büdingen.
" Orden sau gelegen beit. Der König von Preußen hot dem Kerichtsassessor Dr. Alex Meyer in Frankfurt a M. die Erlaubnis zur Anlegung des Nilterkreuzes 2. Klasse dcS Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.
"Ernennungen. Der Steueraufseher Kour. W e p p l e r zu Darmstadt wurde zum Pfandmeisler für den Beitreibungsbezirk Michelstadt und der Steueraufseher Konr. Stier zu Gießen zum Pfandmcister für den Beitreibungsbezirk Nidda ernannt. — Erledigt sind die Stellen je eines Steuer- aufsehers bei den Hauptsteuerämtern Darmstadt und Gießen.
** Aus h e m Militär-Wochenblatt. Major Ham sch er beim Stabe des Ins-Leib Regts. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, wurde dem Regiment aggregiert. Hauptmann und Kompaguiechef Mac Lean im In -Regt, von der Goltz (7. Pomm.) Nr. 54 wurde unter Beförderung zum überzahl. Major zum Stabe des Inf.-Regts. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117 versetzt. Dem Hauptmann z. Disp. und Bezirksoffizier v. Braunbehrens beim Landwehrbezirk I Darmstadt wurde der Charakter als Major verliehen. Dem Hauptmann Haack beim Stabe des Jnf.- Leib-Regts. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, wurde ein Patent seines Dienstgrades verliehen. Oberleutnant von B o r ck e im Oldenburg. Jnf.-Regt. Nr. 91 wurde in das Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Hess.) Nr. 115 versetzt. Hauptmann v. Zangen, Battr.-Chef im Großh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, wurde zum Stabe des 2. Unter-Elsäss. Feldart.-Regts. Nr. 67, unb Hauptmann v. Scholten im 2. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, wurde als Battr -Chef in das Großh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25 versetzt. Hauptmann Becker beim Stabe des 2. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 61 wurde zum überzähl. Major befördert. Weber, Oberlt. im Jnf.-Regt. von Wittich (3. .KurhessZ Nr. 83, wurde von seinem Kommando zur Dienstleistung bei der Arbeiter-Abteil in Mainz enthoben. Zeugleutnant Strelow beim Artillerredepot in Mainz wurde zum Zeugoberleutnant befördert. Der charakterisierte Fähnrich H o l tz im Leib-Garde-Jnf.-Regt. (1. Hess, i Nr. 115, die Unteroffiziere Freytag im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, Frhr. v. Reinhardt im Garbe-Drag.-Regt. (1. Hess.) Nr. 23, Hanesse, von Ilsemann im Grvßh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, wurden zu Fähnrichen befördert. Major Bubbecke, Bats.-Kommanbeur im 9. Lothring. Jnf.-Regt. Nr. 173, wurde mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Leibgarde-Inf-Regts. (1. Hess.) Nr. 115 der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt. Dem Stabsarzt b. Res. Dr. Polano unb dem Stabsarzt d Lanbw. 1. Aufgebots Dr. Berger (Mainz) würbe ber Abschied mit der Erlaubnis zum Tragen feiner bisherigen Uniform bewilligt. Dem Stabsarzt d. Res. Dr. Wüst (Dtainz) wurde der Äb- schieb bewilligt.
" Von der Ueberla ndzentrale Gießen. Ten ersten Anschluß an die eigentliche Ueberlandzentrale
Gießen, nämlich an die Maschinen, die Strom in einer Stärke von 20 000 Volt Herstellen, haben die Orte Wiefcck und Großen-Bnfeck am Samstag nachmittag erhalten. Tie Erzeugung der Elektrizität für die früher an- aeschlosienen Orte Krofdorf, Heuchelheim, Klein-Linden unb Allcndors a. d. Lalm wird durch eine der älteren GaSkraft- maschinen vorgenommen, die Strom von 5000 Volt herllellt, welche Spannung zur Licht» und Kraflversorgung auf kürzere Entfernungen vollkommeil ausreichend ift. Für die Stromerzeugung zur Ueberlandzentrale in 20 000 Volt Spannung flehen drei Maschinen von je 600 PS. zur Verfügung, davon ist eine Maschine so eingerichtet, daß sie durch Umschaltung statt Drehstrom von 20 000 Volt auch Gleichstrom für die Versorgung der Stadt mit Licht und Straft Herstellen kann.
**GießenerStabtt Heater. DiedreisHanle- rnännlein, die bas Stabttheater unseren Kleinen .zu Weihnachten befdyerte, zeigten sich am Samstag als ein paar brave, gute Zwerge, bie nicht nur die Guten belohnten, sondern auch die Bösen bestraften und zwischendurch nodi Zeit genug fanden, um lustigen Schnickschnack zu madjen. Die Kinder, die mit glänzenden Augen und roten Backe» all den vielen Darbietungen folgten, hatten ihre richtige Freude und jubelten den Darstellern unanfHörlid) zu. Sehr viel Spaß hatten die Heinen Menschlein auch an den Tänzen der acht Eichhörnchen und den lustigen Reigen der Mäuse, die Frau Lina Oldini eigens zu diesem Ztveck eingefangeir und artig abgerichtel hat. Die böse Stiefmutter mit ihrer hoffärtigen Tollster, das schöne arme Liesel und der gute Herzog, sie alle einten sich zum bunten Spiel, und als der Herzog schließlich fein Liesel bei der Hand nahm und es unter dem Gesang unseres alten, schönen Weihnachtsliebes zum Throne geleitete, während posartnenblasenbe Engel heritieberfchweblen, ba kannte der Jub^l keine Grenzen. Um die Aufführung machten sich unter der Leitung des Herrn Goll die Damen Dagnh, Scholz, Thale, Jüngling, Gaffrep und Weber sowie die Herren Bold unb Jensen Serbien! Ein kleiner Jäger, der ein Riesen-Eichhorn schoß, erhielt noch besonderen Beifall.
** Der Mädchenhort hielt am Freitag abend in der Turnhalle der Stadt-Mädllrenschrile seine Weihnachtsfeier im Kreise der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer ab. Mit strahlenden Gesichtern zogen die Kleinen dem funkelnden Baume entgegen. „Ehre sei Gott usw." llang es froh von den Lipv.'u, während die Augen schon sehnsüchtig die bereitgestellten Waben musterten. Ein Lehrer des Hortes hielt eine Ansprache, bie Chorschule sang stimmungsvolle Lieber, und „Schiroewitlcheu" ging über die einfache Bühne. Ihren Höhepunkt erreichte die Feier, als mit .Huckepack und Rute Knecht Ruprcllst erschien. Da wollte der Jubel kein Ende nehmen. Jedes Kind erhielt ein hübsches Geschenk. Edle Menschenfreunde hatten auch diesmal wieder ihr Scherflein dazu beigetragen. Unb sie haben erreicht, was ihnen beim Geben wohl als Zweck unb Ziel vorschwebte: Gdjte Weihnachtsstimmung in bankbaren Kinber herzen.
Hessen-Nassau.
X Hanau, 22. Dez. Tie Zahl her TyphuS- crkrankungen beim 1. Bataillon be§ Eisenbahnregiments Nr. 3 scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Heute ist nur ein Neuerkrankter hiuzuaekommen, so baß mit dem Zugang aus den Revieren sich insgesamt 224 TypbuSkranke in Lazarettbehanblung befinden. Zehn liegen etwas schwerer darnieder, doch ist im allgemeinen der Zustand der Erkrankten nicht besorgniserregend. Heute ist von der Stadtverwaltung eine gründliche Desinfizierung der ?lbwasserkanäle in der Kaserne vorgenommen worden, um einer Weiteroerbreitung ber Epidemie vorzubeugen. Durch Plakate, die am Mainufer entlang angebracht sind, wird vor dem Gebrauch und Genuß des Mamwassers gewarnt, da die Befürchtung besteht, daß daS Mainwasier mit Typhusbazillen verseucht fein könne.
(PericbßlaaL
325 000 Mark Einkommen verschwiegen.
X Hannover, 21. Dez.
Ein umfangreicher Steuerhinterziehungsprozeß beschästigte bie hiesige Strafkammer, vor der sich die Viehhändler Herz Cohn, Simon Cohn und Julius Weinberg, sowie deren Buchhalter zu verantworten hatten. Die drei erstgenannten Angestagten betrieben einen umfangreichen Viehtommissionshandel. Tas Geschäft entwickelte sich immer mehr, so daß die Angeklagten schließlich mit einem Jahresumsatz von einer Million Mark rechneten. Die Buchsührung wurde zivei Buchhaltern anvertraut und dies« haben nun aus Veranlassung ihrer Brotgeber ber Steuerbehörde unrichtige Angaben über das Einkommen der Angeklagten gemacht, so daß der Steuerfiskus um große Summen geschädigt worden ist. In den letzten zehn Jahren haben bie Angeklagten auf diese Weise ein Gesamteinkommen von 325 000 Mk. zu wenig versteuert. Tie Sache wurde der Staatsanwalffchast bekannt auf die Anzeige eines entlassenen Buchhalters hin. Für eine Reihe von Jahren fomite nicht mehr Anklage erhoben werden, da bereits Verjährung eingetreten war. Tagegen wurde die Klage für die letzten fünf Jahre in vollem Umfange aufrecht erhalten. Die Beweisaufnahme ließ feinen Zweifel an der Schuld der Angeklagten aufkommen, 'sie ergab auch, daß die angellagten Buchhalter die Straftaten unter dem Drucke der Abhängigkeit von ihren Prinzipalen begangen hatten. Tie Angeklagten wurden zu einer Strafe vom achtfachen der hinterzogenen Steuer ver- urteül. Temgemäß erhielt Herz Coyn 14 300, Simon Cohn ebenfalls 14 300 und Weinberg 17 300 Mk. Geldstrafe. Außerdem haben die Angeklagten natürlich die hohen Kosten zu traaen und die hinterzogenen Steucrbeträge nachzuzahlen. Tie beiden Buchhalter erhielten Geldstrafen von 1938 bezw. 1938,70 Mk.
Märkte.
D Marburg, 22. Tez. Tie Märkte für das Jahr 1913 sind wie folgt festgesetzt: Kram markte finden statt am 3. Februar 26. Marz, 30. Avril, 2. Juli. 29. Sept-, 21 Nov. und 31. Tez., Schweinemärkte am 20. Jebr., 13. März, 17. April, 15. Mai,' 19. Ium, 10. Juli, 14. Ang., 4. Sept., 9. Okt. und 27. Nov. Pferde Märkte am 18. März unb 9. Sept, (letzterer mit Perlostmg).
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