Ausgabe 
29.1.1912 Zweites Blatt
 
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leit. 1885: Wilhelm Gail, der jetzige Chef, wird alleiniger Inhaber. 27. Januar 1887: 75jährige Gedächtnisfeier der Gründung der Fabrik. 15. April 1889: Erwerbung der Rauch- Labakfabnk von Breda in Kassel. 7. September 1892: Gründung der Filiale in Krofdorf. 1892: Gründung der Gailschen Tampfziegelei und Tonwerk. 10. April 1893: Erwerbung der Kau- und Rauchlabakfabrik von Salfeldt u. Stein in Nordhausen. 6. Juni 1904: Gründung der Filiale in Bieber. 2. April 1906: Gründung der Filiale in Leihgestern. 1. März 1907: Gründung der Filiale in Allendors an der Lahn. 1. Juli 1911: lTr. Georg Gail, der Sohn des Chefs, wird Pvokurist.

Die Feier des hundertjährigen Bestehens war als ^a- nnlien- und Geschäftsfest gedacht. Aber es konnte nicht fehlen, daß darüber hinaus auch andere Kreise es sich nicht nehmen ließen, ihre Glückwünsche &u dem für Stadt und Staat bedeutungsvollen Tag auszusprechen. Zahllos waren die Glückwünsche und Blumenspenden, die der Firma und ihrem jetzigen Chef ab gestern Seniorchef zugingen.

Der erste Teil der gestern vormittag vor sich gehenden Glückwunschfeier im Geschäftshaus in der Neustadt war den Mitarbeitern Vorbehalten. Die Angestellten der hie­sigen und auswärtigen Fabriken des Hauses hatten sich mit Vertretern der Arbeiterschaft eingefunden, um dem verehrten Chef ihre Glückwünsche zu entbieten, die zumeist mit sinnigen Geschenken verbunden waren. Es sprachen hierbei für die Beamten Prokurist Jung, für die Werk­meister Jakob Schnepp, genannt Bender, von Krofdorf, für die Arbeiterschaft Fräulein Dönges (einen gereim­ten Glückwunsch), Vertreter der Fabriken in Kastel und Nordhausen, Prokurist Wagen schein für Dampfziegelei und Tonwerk und der Kommandant Wenzel für die Freiwillige Gailsche Feuerwehr.

Ihnen allen dankte mit bewegten Worten Geh. Kom­merzienrat Gail. Er dankte seinen Angestellten und Ar­beitern für ihre treue Mitarbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Firma auch im neuen Jahrhundert in den alten bewährten Bahnen sich kräftig weiter entwickeln werde. Weiter teilte er mit, daß er seinen Sohn, Dr. Georg Gail, heute zu seinem Teilhaber gemacht habe und über­reichte zwei Arbeitern, Pbil. Schäfer von Launsbach und Luise Schmidt von Rooheim, die jetzt 25 Jahre im Ge­schäft tätig sind, die dafür ausgesetzte Ehrengabe. Weiter teilte er mit, daß er zum Gedächtnis des Tages eine Georg Philipp Gail-Jubiläums-Stiftung für Beamte und Arbeiter mit einem Grundstock von 50000 Mk. errichtet habe. In das von ihm auf das fernere Blühen und Gedeihen der Firma ausgebrachte Hoch wurde lebhaft eingestimmt.

Nach einer kurzen Pause erfolgte die Beglückwünschung der Firma und ihres Chefs durch die Vertreter der Be­hörden und der beruflichen Vereinigungen. Die Glück­wünsche der Staatsregierung überbrachte mit denen des Großherzogs der Minister des Innern von Homberak zu Bach. Er hob die weit über Gießen hinaus reichende Bedeutung der Firma Gail hervor und überreichte Geh. Kommerzienrat Gail dos Komturkreuz 2. Klasse des Ver­dienstordens Phllipps des Großmütigen, den Prokuristen Jung und Petri das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens, dem Werkmeister Schnepp, genannt Bender, aus Krofdorf das Band zu dem bereits früher verliehenen Ml- gemeinen Ehrenzeichen, dem Arbeiter Heinrich Müller und der Arbeiterin Elise Häuser aus Klein-Linden das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit"^

Weitere Glückwünsche übermittelten für die Provinz Oberhessen und den Kreis Gießen Geheimerat Dr. U s i n g e r und für die Stadt Gießen Oberbürgermeister Mecum, der mit den Beigeordneten Emmelius und Keller erschienen war. Er teilte mit, daß die Stadtverordneten-Versamm- lung beschlossen habe, zum Andenken an den Begründer der Firma und der Gießener Tabakindustrie die neue Straße vor dem Lärchenwäldchen zwischen Licher Straße und Kaiser- Mlee und ihre spätere Fortsetzung nach der Marburger StraßeGeorg Philipp Gail-Straße" zu nennen. Für die Handelskammer gratulierte deren 2. Vorsitzender, Kom­merzienrat Schirmer, der auch im Namen des Vereins der Dabakindustriellen von Gießen und Umgebung mit herz­lichen Worten eine Glückwunschadresse überreichte. Der Verein der deutschen Tabakindustriellen ließ durch Fabri­kant Minderop in Köln seine Glückwünsche aussprechen. Für die Universität sprach der Rektor Prof. Dr. König, der besonders auf die Verdienste hinwies, die sich der jetzige Chef des Hauses Gail um die hiesigen wissenschaftlichen Sammlungen erworben hat.

Am Abend fand eine Feier im Familienkreise statt, wäh­rend heute ein y-eft das gesamte Personal in Steins Garten vereinigen wird.

Ärrr Stadt und Land.

Gieften, 29. Januar 1912.

** Weibliche Handwerker. Wie die Handwerkskammer bekanntgegeben hat, sind die weiblichen Handwerker unter die Vorschriften der Handwerkskammer einbezogen worden. Die Be­stimmungen der Gewerbeordnung über das Lehrlingswesen, über die Ablegung ber Gesellen- und Meisterprüfung und über die Befugnis zum Halten und Anleiten von Lehrlingen finden daher nunmehr auch Anwendung auf die weiblichen Handwerker. Nach Anhörung von Sachverständigen der verschiedenen zunächst in Betracht kommenden Gewerbe und entsprechenden Beratungen wurde die Festsetzung der Lehrzeit für weibliche Lehrlinge wie folgt beschlossen:Für Weißnäherinnen, Putzmacherinnen und Damenfriseusen 2 Jahre, für alle übrigen Gewerbe (z. B. Damenschneiderinnen) 3 Jahre." Die Ar­beitgeber weiblicher Lehrlinge sind verpflichtet, die vorgeschriebenen Bestimmungen über die Lehrzeit einzuhalten. Mle weiblichen Lehrlinge sind binnen 4 Wochen nach Beginn der Lehre bei der Handwerkskammer anzumelden, gleichzeitig ist ein Exemplar des dreifach auszufertigenden Lehrvertrags einzureichen. Ferner sind die Arbeitgeber weiblicher Lehrlinge verpflichtet, die Meister­prüfung abzulegen, soweit chnen nicht die Befugnis zum An- leilen von Lehrlingen nach Antrag von den Verwaltungsbehörden weiterverliehen wurde. Während einer aus Billigkeitsgründen bis 1. Okwber 1913 festgesetzten Uebergangs.eit können weibliche Handwerker zu den Gesellen- und Meisterprüfungen auch dann zugclassen werden, wenn sie die vorgeschriebene Lehr- und Ge­sellenzeit oder die Ablegung der Gesellenprüfung nicht nacfaiP weisen vermögen. Zuwiderhandlungen gegen die auf Grund der Reichsgewerbeorduung erlassenen Vorschriften unterliegen gesetz­licher Strafe.

** Zigaretten st euer. Die neuen Ausfuhrungsbcstim- nrungen zum Zigarettensteuergesetz haben bei den Jigarettenhänd- lern vielfach Die Meinung hervorgerufen, als dursten sie ihre mit den bisherigen Banderolen versehene Ware in diesem Zustande von einem bestimmten Zeitpunkte ab nicht mehr verkaufen. Dam ist aber nicht so. Der BundeSratsbefchluß vom 16. November 1911 besagt:Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt, von dem an Zigaretten, Zigarettentabake und Zigarettenhüllcn nur noch neuen Steuerzeichen versehen aus der Erzeugungsstätte oder aus dem Zollgewahrsam entfernt werden dürfen." Die Bestimmung geht also lediglich di« Fabrikanten unb Im­porteure an. 'Äe Händler werden davon gar nicht berührt, so daß icke Sorge ihrerseits wegen der Bestände oder bei Neu­bestellungen entfällt.

Kreis Friedberg.

(L.) Friedberg, 26. Jan. Vorfeiern zu Kaisers Ge­burtstag fanden heute hier statt. Um IP/z Uhr hielt die Schillerlchule (höhere Mädchenschule) ihre Feier. Im Sing­saale der Anstalt versammelten sich sämtliche Schülerinnen sowie das Lehrerkollegium. Nach Gesang hielt Lehramtsassessor Fink die Festrede. Um 41/2 Uhr fand in der Aula der Augustiner­schule die Kaiserfeier der Realschule und des Gymnasiums statt. Nach Händels Andante für Violinchor, vorgetragen vom Schüler­orchester folgte mit Instrumentalbegleitung der Ambrosianische Lobgesang. Nun folgten Vorträge, abwechselnd mit Instrumental- Vorträgen. Die Festrede hielt Professor Balser, endend mit einem Doch auf den Kaiser. Die ganze Festversammlung sang zum Schlüsse das Lied: Ich hab mich ergeben. Abends um 8 Uhr fand in der Seminarturnhalle die Entlassungsfeier der Abiturienten verbunden mit der Kaiserfeier statt. Hier hielten der Direktor und Lehramtsassessor Philipps Ansprachen.

Starkenuuig imi) Rheinhessen.

! Mainz, 26. Jan. Die Kaisergeburtstagsseier, die all­jährlich in allen Schulen Deutschlands abgehalten wird, gestaltete sich dieses Jahr im Mainzer Realgymnasium besonders prächtig. Ein Orchester von 22 Schülern begann unter Leitung des Abiturienten Wolfgang Lenk mit der Ouvertüre zuTitus" die Veranstaltung. Nach einigen Dellamationen folgte dann, von dem Orchester begleitet, der ChorWilhelmus von Nassauen", bei dem eine große Anzahl von Schülern beteiligt war. Den Schluß der Feier bildete die Festrede des Oberlehrers Schulze, der jn lebenoiy-poetischem Vortrage über die Reize und Schön­heiten des Schisportes sprach. Jn zeitlich gegliedeter Reihenfolge führte der Redner die Entwicklung des Schneeschuhlaufs vor und betonte besonders seine Einführung und Verbreitung in Deutschland.

Hessen-Nassau.

Rodheim, 28. Jan. Eine gemeinsame Kaiserfeier veranstalteten heute die Kriegervereine aus den Drei Orten unseres Kirchspiels Steinheim, Rabertshausen und Rodheim. Die Vereine erschienen zur Kirchenparade, Pfarrer Schlosser hielt in dem dichtgefüllten Gottes hause die Festpredigt. Danach mar­schierten die Vereine mit wehenden Fahnen nach Hause.

0 Marburg, 28. Jan. Bei der gestrigen akademischen Kaisergeburtstagsfeier in der Aula der Universität sprach der Direktor des historischen Seminars, Prof. Dr. Busch, über General York von Wartenburg und die Konvention von Tauroggen. Am Schluffe des Festaktes erfolgte die Bekannt­gabe der Namen der Studierenden, die die im letzten Jahre ge­stellten wissenschaftlichen Preisaufgaben richtig bearbeitet haben. Es sind dies: falb. mck. Otto Hirz aus Struthütten in West­falen (med. Aufgabe), stud. vhil. Alfred Schumann aus Berlin (Phil. Aufgabe), stud. Phil. Joh. Iseler aus Fürstenwalde (hist. Aufgabe), Apotheker Arno Biehöver aus Wiesbaden (bot. Aufgabe), sowie falb. Phil. Ferd. Iber aus Welferode (altphil. Aufgabe).

Hinzugefügt fei, vatz gestern die Mitglieder des akademischen Lehr­körpers zu der Feier zum ersten Male vollzählig in ihren nach Fakultäten sich unterscheidenden farbigen Ornaten erschienen. Die Leitung des bei der Feier mitwirkenden atabemifdyen aemischig, Chors unterstand Universitäts-Musikdirektor Professor Jenner.

Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauen seuche in Hessen vom 20. bis 26. Januar 1912.

Märkte.

Kreis:

Am 20. Jan. waren verseucht:

1* *011120. bis 26. Januar stnd neu ver­seucht :

Wollt 2u. bis -6- Januar ist die ceudx erloschen n,:

Darmstadt .

Arheilgen, Weiterstadt

Arheilgen

Bensyeim .

Bensyeim.

Sieburg .

Tiebing, Ober-Roden Urberach

Groß-Zim­mern, faben- Haufen

Erbach . .

Q>roB-®erau

Gr-Gerau, Bischofsheim, Kelsterbach

Groß-Gera,

öeppenbeim

Cfienbadj. .

Langen, Bürgel, Stein- Krotzenburg, Hainstadt, JügeSyeim, Egelsbach

Neu-Isen-

Iügesbeini

bürg

Egelsbach

Gießen

Langsdori. Leihgestern, Lick, (Srüntngen, Mufchenbeim, (vroßcn- Linden, Wayeuborn

Harbach

Alsfeld . . .

Sckadenbach

Büdingen. .

Ranstadt. Ltockheim.Lor- bach, Leidhecken, Düdels­heim, Taueruheun, Luid- Heim, Eßolderbach, wlauberg, WeningS, Dlitiel-tÄrüudau

Stockheim

Düdelsheim

Sriebberg .

Beienheim, Bruchen­brücken, |Cber-(i1d)- bach, Kirchgöns,

Rieder-Weisel, 'btassen- heim, Kaichcn, Rodbenn, Atelback, Pohl - Göns, Ober- Ptörlen, Wickstadt, Rockenberg

Butzbach

Beienheim Bruchen­brücken,DleU back, Kaichen, PoblgonS, 'Tlafienbehn, Obermörlen, Kirchgölls, Nieder-

Weisel

Lauterbach.

Pfordt, Ober-Wegfurth

Oberwegfurü

Scholten. .

Areienfeen, Rudingshain,

Rudiiigsbai»

Mainz . . .

Ctadecken, Sörgenloch Mainz Viehhof

Nack, Heimersheim

Vtainz #iel)i)if Stadecken Sörgenloch

Alzey....

Badenheim, Albig, Wons- bettn

Bingen. . .

Engelstadt, Groß- Winternheim, Wind- Hauser Hof, Rieder- HüberSheim, Schwaben- Heim

Oppenheim

Bechtolsheim, Dienheim, Selzen, EimSheim

Bechtheim, BermerS-

Dolgesheim

WormS. . .

Abenbeintz

heim, Abenheim, Ost­hofen

Bermershki« Osthofen

fc. Frankfurt a. vr., 26. Jan. Heu- und Strobmarkt. Angesahren waren 13 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Maa notierte: Heu 4.104.50 Mk., Stroh (Kornlangstrobl 0.000.00 Ml, Wirrstroh 0,000,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschält schleppend. Tie Zufuhren waren aus Oberhesjen, dem Kreise Dieburg und aui dem Obeitaunus.

N NE SW

51,6

51,7

«51,2

Bew. Himmil Bed. Himmel Bew. Himmel

07 - 4,7 - 1,7

Meteorologische Beobachtungen der Station Liehen.

Wett«

Jan.

1912

Höchste Temperatur am 27. bis 28. Januar 4- 0,0 eC.

Niedrigste . . 27. , 28. , = 68O.

Kein Gichtiker versäume eine hluslicbe Trinkkur mit (*!.

Aesmannehttuser natürlichem Glchtwauer Rein natürliche Füllung;, mit natürlicher Kohlensäure reichert. Broschüre mit Heilberichten und Arzt-GutacbUn o* Brunnenverwaltung Gichtbad Aesmannshaueen am Rhein. Depot für Gtwaer: Jean Weiwei, Telephon 23I>

Fraueir-Feuilletorr.

Kriegshelferinnen.

Dor einigen Tagen hielt in 'Darmstadt der hessische Landesvercin vom Roten Kreuz eine Tagung ab und bei dieser Gelegenheit ließ er die Aufforderung ergehen, daß sich Helferinnen für die freiwillige Krankenpflege im Kriege melden möchten, yn KrieySzeiten uürd stets der Wille zur Wohl­tätigkeit besonders rege fein. So haben sich auch immer in den letzten Jahren, wenn ein Krieg oder gar ein Aufstand in fernen Erdteilen ausbrach, eine Anzahl Mädclien und Frauen gemeldet, die sich bereit erklärten, den Verwundeten und Kranken hilfreich zur Seite zu stehen, dieben den ständigen Schwestern sind immer auch solche Damen mitaegangen, die nicht viel mehr als nur den guten Willen zum Helfen hatten. 'Der gute Wille aber allein Und vielleicht auch Geld, sind in so ernsten 'Dingen nicht immer ausreichend. Wer im Kriege wirklich helfen will, muß etwas davon verstehen. So ist denn der Verein vom Roben Kreuz stets be­müht gewesen, möglichst viele Damen für die freiwillige Kranken­pflege im Kriege auszubilden, um im Ernstfälle über eine nicht zu geringe Zahl von Helferinnen zu verfügen. 'Denn es muß immer damit gerechnet werden, daß ein großer Teil der ausgebildeten Damen durch irgend welche Umstände daran gehindert ist, mit ins Feld zu ziehen.

Tie Damen werden zuerst theoretisch vorgebildet. Dann kommt ein praktischer Kursus von vier Wochen, der alle ein bis zwei Jahre wiederholt wird.

Sind die Kriegshelferinnen theoretisch und praktisch genügend vorgebildet, dann werden sie in die große Liste eingetragen, die in Berlin ber General Corwan führt. Nach dieser Lifte werden die zur Verfügung stehenden Helferinnen aus die einzelnen Armee­korps verteilt, und im Mckilmachungsfalle erhallen sie ihre Ordre. Treten irgendwelche Umstände ein, die es den ausgebildeten Helfe­rinnen md)t gestatten, ber Ordre Folge zu leisten, wie durch Verheiratung usw., so können sie von ihrer eingegangenen Ver­pflichtung befreit werden.

Die ständigen sowohl als auch die freiwilligen Schwestern sind strena militärisch organisiert.

Als Kriegsgepäck geht ein einziger Handkoffer mit, dessen Größe, Farbe unb Schloß, und vor allem dessen Inhalt genau bestimmt ist. Er muß enthalten: Sechs Hauben, ein Westen- tuch, einen Seelenwärmer, zwei Waschkleider, sechs Kragen oder Tücher, drei weiße «schürzen, drei Nawtiacken ober -Hemden, fünf Taghemden, zwei wol- fme Unterhemdchen, wie es zart in dem amtlichen Verzeichnis

heißt, zwei Korsetts ober Reformkorsetts, zwei Unterröcke, zwei Staubröcke, vier Beinkleider, ein Paar Halb schuhe, ein Paar Lederschuhe, warme Schuhe unb Gummischuhe, ferner zwei Paar Handschuhe und einen Regenschirm, einen Spiegel, eine Feldflasche und ein Taschenmesser. Dann kommen noch ein Reisetintenfaß, Laterne und Feuer.zeug und ein Neues Testament mit Psalmen. Zum Schluß sind noch drei Neutralität Zeichen, eine eiserne Portion unb dann als letztes unb doch manchmal so unendlich wichtiges, was auch bei feinem Soldaten fehlen darf, die Erkennungsmarke. Denn wie oft verirrt sich eine Kugel auch zu denen, die bei ihrem guten Werke zwischen Freund und Feind keinen Unterschick machen.

Das alles aber darf nicht willkürlich ausgesucht sein, fonbeni steht schon heule in gebrauchsfertigem Zustande bereit.

*

Kleine Modeneuheiten

Spitzen, die sich gegenwärtig größter Beliebtheit erneuen, sollen künftig besonders zu Blusen sehr viel verwendet werden. Venezianische Spitzen spielt dabei die Hauptrolle; jckoch werden auch Mailändische und Irische Spitzen sowie andere Arten dabei reichlich verwendet. . In Paris beginnt man in ber zweiten Hälfte des Januars gewöhnlich schon an Strohhüte zu benfen, wenn sie auch vorläufig nur im Silben getragen werben können ober für später Vorbehalten werben müssen. Vom kommenden Strohbut heißt es nun, baß erverhältnismäßig Nein" sein soll (was schon oft von Hüten versprochchi worden ist); ebenso wird angegeben, der kommende Strohhut sei manchmal völlig un- garniert. Es wird dazu ganz feines, biegsames Stroh verwendet, baß sich wie Stoß falten läßt; außerdem verwendet man regel­mäßig zwei Farben, so daß Garnierung tatsächlich entbehrlich ist. Solckp: Slrohhüte sollen besonders zum Tragen zum Schneider- kleid bestimmt sein. Als Hauptfarbe für die kommende Saison wird, gleichfalls aus Paris, ein grüner Farbton gemeldet, der als .^wsynlhgrün" bezeichnet wird. Der Stofs, der für absynth- grün besonders geeignet fein soll, ist Taffet. Neben dem grünen Tastet versprechen die Pariser Modekünstler auch einem zwei­farbigen, nämlich grün und blau gefärbten Taffet eine große Zu­kunft, ber opalisierende Farbenwirkungen erzielen soll.

_ In der der Sckmiuckmobe der Gegenwart soll ein recht alter Schmuck wieder zu Ehren kommen, nämlich Jet. Jet wirb nicht nur in Form von Garnierung auf weißen Stoff, sondern auch als Schmuck im Haar zusammen mit Diamanten angewendet, was allerdings^einen reizvollen Gegensatz bildet, jckoch für Helles Haar nur in Frage kommen büchte. Für Armbänder hat man neuerdings neue Formen gefunden. Das gegenwärtige Armband

ist nicht mehr der steife Ring, sondern ist biegsam. Es besteht entweder aus Metall, mit den verschiedenst« Steinen, ober aus einem schwären Seidenband das burch ein« fettenartigen Metallgriff gezogen ist. Die Steine, bie dazu ver­arbeitet werden, sind hauptsächlich Diamanten, Rubinen und Sma- ragben; außerdem werden auch Perlen unb alle möglichen Ldrl- steinnachahmungen getragen. Eine etwas absonderliche Neuheit der Schmuckmooe ist eine neue Form der Armbanduhr. Die erste Armbanduhr, war wie eine gewöhnliche Taschenuhr rund, nur natürlich kleiner, dann kamen eckige Uhren im Armband an die Reihe, und die neueste Armbanduhr hat die Form einer Hasel­nuß. Dies ist übrigens eine Mode, die sich nur die begüintt Dame leisten kann, beim biefe nußförmche Armbanduhr besteht aus Platin unb ist mit bat kostbarsten Steinen besetzt.

ff. Die Allta gsdluse. Die Alltagsbluse, birfe J* scheidenere Schwester ber Spitzen- und der ,Lingerie"-Bluse bflbd einen unentbehrlichen Bestandteil der Kleidung ber modernen Fror weil sie beauem, für die verschiedensten Gelegenheiten verwendbar und schließlich auch im Durchschnitte nickt kostspielig ist. 3® ganzen unb großen halt sich die Mode in bezug auf bie Allta--' bluse klugerweise zurückhaltend und vermeidet es, dies wichtig« und praktische Kleidungsstück zu schroffen Modewandlimgen j« unterwerfen. Tod) gibt es auch für bie Alltagsbürse gewillt Moderichtungen und Modevorschriften. Man kann sie aus eint® Stoffe Herstellen ober auch verschiedene Stoffe kombinieren. meisten vorzuziehen bleiben neutrale Farben, bie am leichtet iS mit den Tönen des Rocks zusammengehen. Was ben Stoff an- betrifft, so bevorzugt bie Mode mit Enlschickenheit geschmeidige, weiche Materials. Die beliebtefte Mobebluse ist gegenwärtig Wl aus Satin, die in einfachen, reinen Linien gqdpuuen und a« liebsten mit Handstickerei in kontrastierender Farbe gefriert wrw. Auch ein Stückchen Spitze, am richtigen Platze angebracht, nnra dekorativ vorteilhaft. Mit ber Satinbluse streitet die Diuffelia« bluse um den Vorrang. Diese wird auf einem Grunde von gleich' farbigem Satin ober solchem in Stontraftfarbc gearbeitet Mussclm ist nicht so praktisch, wie Satin, aber weicher und macht auch einen eleganteren Eindruck, und daher kann die Muftelw' bluse bei manchen Gelegenheiten getragen werden, wo ixe bluse nicht am Platze wäre. Letzte Mode ist die Bluse aus dofl* Stoffe, unb in seiner Farbe, wahrend Rock und Jackett gteidxd" aus einem Stoffe, aber aus einem anderen und in völlig schiebenem Farbentone her gestellt werden.

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