Ausgabe 
29.1.1912 Erstes Blatt
 
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Renten Src sich, toerrn mich i>?5 SOloratm^, wenn ich zufällig nichts zu tun hibc, meine Passion für den Militärdienst aus den Exerzier- platz treiben will, dann darf ich nicht die Uniform anziehen, sondern muß in Zivilkleidern mich den Truppen zeigen, den Hut auf dem Kopfe! Können Sie begreifen, wie eine Soldaten^ seele ha leidet? Es ist schändlich. Ich 'habe es unter diesen Umständen vorgezogen, nicht hinauszureiten. So etwas würde mich schon allein mißmutig machen! So bin ich denn, wie Byron sagt, hineingestürzt in die Macht der Schwermut, verhüllt in den Man'el der Melancholie! Ach, und diese Sehnsucht nach der Heimat, nach meinen Freunden, zu meinen Grenadieren! Kann mau Las wohl Heimweh nennen? Ich gräme mich so abscheulich, daß ich ganz blaß bin (es fällt jedermann auf) und schon leit einiger Zei' wieder krank. Ein ganz scl;audervoller Zustand. Und in diesem Kerker soll ich zwei Jahr- lang aushallen? . . . Wie habe ich an Potsdam gedacht an dem Tage der großen Parade! Ich habe alle Grenadier- und Parademärsche hurepgefungen, habe mein Gewehr genommen und dazu präsentiert!"

So viel es ihm seine Zeit erlaubt, beschäftigt er sich mit militärischen Dingen:Ich lese im Reglement, imkleinen Waldersee", im Geist des Militärwesens, in verschiedenen tak­tischen Werken usw. Es ist doch offenbar, alles deutet darauf bin: ick gehöre nirgendswo anders hin als vor die Truppe! Wer das nickt einsieht und das ableugnen will, der muß förmlich übergeschnappl sein?" Wie sehr er an seinen Soldaten hängt, zeigt auch seine stets opferbereite Für­sorge für seine Untergebenen, die er heimlich unterstützt, und der Besuch bei den Ellern ein s seiner alten Grewadiere, als er auf einer Reise durch den Heimatsort des Mannes kommt.

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W i e Knigge mit Menschen umging. Der gute Adolf Freiherr v. Knigge, dessen Buck über denUmgang mit Menschen" noch heute beinah' als das Evangelium des guten Tons und der Lebensart gilt, hatte selbst eine ganz eigene Manier,mit Menschen umzugehen", die eigentlich in einem recht krassen Wider­spruch zu seinerLehre" steht. Di' G.setze, die er schrieb, hatte er angensckeinlick als nicht gültig für sich angesehen. Tie zweite Eh:, die Landgraf Friedrich von Hessen mit einer jungen Prinzessin von Brandenburg-Schwedt geschlossen, halt: fröhliches Leben an den Kasseler Hof gebracht, und Knigge, der schon als Student in Göttingen bei einem B suche am Kasseler Hose zum Kammerassessor und .Hofjunker ernannt worden war, halt" Geist und Laune genug, sick in diesem ausgelassenen Kreise zu gefallen. Tie Art aber, wie er seiner Laune die Hügel schießen ließ, ist sehr originell. Einmal z. D. ließ erkleine luftig: Tierchen" von Dettelkindem sammeln, vrrk hierte sie in Feder spulen und brachte diese bei einer Abendgesellschaft mehreren Damen unter vertrau­

lichem G.'flüster in ihrer bauschigen Frisur unter. (Sinntal wollten einige Engländer dem Fürsten vorgestellt werden. Knigge übernahm die Einführung. Als sie sich nach dem Zeremoniell er­kundigten, gab er ihnen den Wink, der Landgraf |:i ganz einfach und anspruchslos, nur sehe er es gern, wenn die Aufwartenden die Klappe seiner Westentasche küßten. Durch eine Weigerung sollten sie sich nicht hindern lassen. Die Engländer betraten den Audienzsaal und das erste, was sie taten, war, daß sie auf den Fürsten losstürmten und seine Tasche attackierten. Je mehr der Fürst zurückwich, umso eifriger wurden sie, bis sie zuletzt die Tasche wirklich erreichten, nicht aber, wie der Landgraf geglaubt hatte, um sie zu plündern, sondern um die Taschenklappe an die Ojvpen zu drücken. Einmal ist Knigge bei seiner Neckerei selbst der rineins.es (lene g we'en. Er hatte eine junge HKdnne, die lucOer äußerlich noch innerlich besonders hervorragte, eine Zeit lang zum Gegenstand seiner Späße und Neckereien gemacht. Tie Fürstin, die der Hofdame besonders zugetan war, beobachtete nun während eines Hoflagers in Hofgeismar, wie Knigge ihre Freundin wieder einmal aufzog. Sie trat, als ahnte sie den eigentlichen Vorgang nicht, hinzu und fragte mit der Miene fürstlicher Huld: Sie interessieren sich so lebhaft für meine liebe Henriette, Herr v. Knigge, daß ich mir nur die ernstesten Absichten dabei denken Tann?" Knigge konn e, betraf en und befangen, nicht widersprechen, sondern nur mit einer stummen Verbeugung die Richtigkeit dieser Vermutung bestätigen und mußte Henriette heiraten.

Die Cavalleria rusticana im 93ariete. Der heftige Kampf zwischen den großen Londoner Variete-Bühnen und den Theatern wegen der Berechtigung, Opernwerke im Variete autzuiühren, ist kürzlich durch eine Entscheidung der Behörden vorläufig geschlicktet worden. Während bisher in London eine Varietenummer nickt länger als 30 Minuten spielen durfte, ist diese schematische Zeitbesckränkung aufgehoben. Tie Aufhebung der 30- Minuten-Grenze scheint jetzt eine neue Aera im Varietswesen Englands heraufzuführen: soeben hat Sir Edward Moß mit Mascagni einen Vertrag abgeschlossen, der den italienischen Kom­ponisten verpflichtet, die Cavalleria rusticana im Varietö, im Londoner Hippodrom, zu dirigieren. Dieser Fall liegt insofern anders wie bei dem jüngsten Tirigcntengastfpiel Leoncavallos in einem Londoner Varietö, als es sich nicht etwa um eine ab­gekürzte Handlung der Cavalleria rusticana handelt, sondern unt eine Aufführung des ganzen Werkes ohne Kürzungen, während der Bajazzo seiner Zeit auf eine Aufführungsdauer von etwa einer halben Stunde zusammengestrichen war. Tas dürste der erste Fall sein, daß eine reguläre Oper, die an allen Opern bühnen der Welt gespielt wurde, unverkürzt ins Variete übersiedelt. Und dieser für die gesamte Th ater weit symptomatisch bedeutende Fall wird wahrscheinlich nicht lange ohne Nachahmer bleiben. Was-

Montag, 29. Januar (9|2

Erster Blatt

162. Jahrgang

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten

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Dazu schreibt dieNatl. Korresp.":

Vorstehende Tabelle rechnet, was zunächst die National- liberale Partei angeht, den Freiherrn v. Hehl zu den

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welche Mittel in Zukunft einzuschlagen seien. Wir meinen, man soll^ die Gesalpr, trotz der 110 Mandate, nicht über­treiben. Zu einer Mehrheilsbildung sind die Genossen nicht

>r Sartre zu berichten und bis Anfang Januar kommenden ahres den Vorschlag des zu bildenden Preisgerichts für die Verteilung des Preises einzureichen.

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oniuags. - Beilagen: ir rmal wöckentttck v iffcentr^tnnilienblätttr , vrtDial ivöcheitil.Kitii- Motl für 6en Kreis 6le6tn (Tien6tag unt) Freiing); zweimal moimtL Land

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Tak amtliche Wahlergebnis.

Auf Grund der endgültigen amtlichen Ermittlungen liier die Haupttvahl und die Stichwahl am 20. Januar sowie der vorläufigen amtlichen Ermittlungen über die Stick- wrhlen am 22. und 25. Januar wird nunmehr die nach- ftclKnhe Uebersicht veröffentlicht:

Der neue Reichstag.

In den Blättern aller Parteischattierungen wird hie Aussprache über den neuen Reichstag fortgesponnen. Tie Blätter der Rechten schreiben natürlich in erster Linie über die sozialdemokratische Gefahr, ereifern sich darüber, welche Wege der Reickfskanzler bisher versäumt hat und

Klängen desWilhelmus von Nassauen" die Kapelle und begab sich nach dem Weißen Saale, wo die Desiliercour begann.

Um 12 Uhr begab sich der Kaiser im Automobil, mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens über dem Paletot, nach dem Zeughaus. Ter Kronprinz mit seinen Brüdern war vorher zu Fuß hinübergegangen. Das Wetter halte sich aufgeklärt: es wehte aber ein scharfer Wind. TaS Publi­kum begrüßte den Kaiser mit lauten Hurrarufen . Im Lust­garten (rar auch eine Kolonne Pfad»rüder ausgestellt. Tie Parole lautete wie immer:Es lebe Se. Majestät der Kaiser und König!" Der Kaiser nahm militärische Mel­dungen entgegen. Um 1 Uhr verließ der Kaiser das Zeug­haus und kehrte ins Schloß zurück. Tie Majestäten speisten dann mit den Prinzen Adalbert, Oskar und Joachim. Die sämtlichen im Schlosse wohnenden Fürstlichkeiten und Gäste speisten im Pfeilersaal der Königskammer unter dem Vorsitz des Prinzen und der Prinzessin Heinrich. Für die Gefolge war Marsck>alltafel im Garde du Corps-Saal.

Den Mschluß der .Hoffestlichkeiten am heutigen Ge­burtstage des Kaisers bildete die Galavorstellung int König« lichen Opern hause. Gegeben wurde, zum ersten Male wieder­holt, LauffsDer große König". '

Dicht gedrängte Massen durchzogen den ganzen Abend hindurch bte Hauptstraßen der inneren Stadt, um die glän-- zende Illumination anläßlich des Geburtstages des Katsers zu bewundern. Unter den Linden, vor dem Denkmal Frie­drichs des Großen, dessen Sockel mit zahlreichen Kränzen geschmückt und das durch Scheinwerfer wunderoar beleuchtet war, stauten sich Tausende und erwarteten die Anfahrt und Abfahrt des Kaiserpaares und der Festgäste zu der Galaoper.

Erzherzog Franz Ferdinand in Berlin.

Berlin, 28. Jan. Erzherzog Franz Ferdi­nand traf hier heute vormittag ein. Aus dem Bahn-i Hof empfing der Kaiser den Erzherzog, auch der Kron­prinz war erschienen, ebenso der österreichisch-ungarische Botschafter v. Syögysny-Marich war anwesend. Ter Kaiser geleitete den Erzherzog nach dem königlichen Schloß.

Erzherzog FranzFerdinand sagte sich heute nach­mittag 5 Uhr zum Tee bei der Österreichisch-sungarischen Botschaft an, wozu auf seinen Wunsch auch Herr v. Beth- mann-Hollweg und Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter hinzugezogen wurden. Der Erzherzog unter« hielt sich mit jedem der beiden Herren eingehend.

iftne Kaiierttche Stiftung zur Forderung des deutschen Flugwesens

Berlin, 27. Jan. Ter Kaiser hat an das Reicks amt des Innern nachstehende Ordre gerichtet:

Zur Förderung des deutschen Flugwesens will ich einen Geldpreis von 50 000 Mark aus meiner Schatulle stiften, welchen ich für den besten deutschen Flugzeugmotor an meinem nächstjährigen Geburtstage verleihen werde. Zum Erlaß deS Preisaustchreibens sowie zur Prüfung und Begut­achtung der eingehenden Meldungen ist ein Ausschuß zu bilden, der aus Mitgliedern des kaiserlichen Automobilklubs, des kaiser­lichen Aeroklubs, des Vereins" der deutschen Motorfahrzeugindu­striellen sowie je einem Vertreter des Reichsamts des Innern, des Reick smarincamts, des Kriegsministeriums, des Ministeriums der geifUicfen Angelegenheiten und der technischen Hochschule Ber­lin bestehen sollen. Ich ersuche Sie, mir über den Fortgang

in Geduld fassen. Das Volk wird sehr bald erkennen, wo die Atise hingeht, und in der sozialdemokratischen Partei wer- iictt die inneren Gegensätze voraussichtlich bald schärfer denn ik auseinanderplatzen. So wird die Wahl vom Januar W12 nicht nur eine Mahnung an die rechtsstehenden Grup­pen sein, von volksfeindlichen Enttvürsen abznstehen, son­dern vielleicht trägt die Zunahme der Sozialdemokraten im Reichstage schon den Keim zu einer besseren Entwicklung in sich freilich nicht im Sinne der Umstürzler Eine Sofortige Auflösung des Reichstags, wie sie von einigen .icißspornen verlangt wird, wäre darum verfehlt und über* Wrzt. .

Wahlanftchtungen.

Berlin, 29. Han. Gegen die Wahl des Generals v. Sie* bert, der im Wahlkreis Borna mit nur *23 Stimmen Mehr­heit gewählt worden ist, wurde Protest eingelegt, weil Wahlbeein- fluffung vorgckommen sein soll

Im Wahttr: is Kose! Grvß-Strelitz werden die Polen gegen die Wahl des biiiDÖ'lidjen Kommissars Glowatzki wegen an­geblicher Unregelmäßigkeiten Einspruch erheben. In Kattow^tz- Zabrze wollen die Sozialdemokraten die Wabt des Polen So- smski anfechten. In Löwenberg beabsichtigen die Konser- vattven gegen die Wahl des fortschrittlichen Rektors Kopsch Protest einzulcgcn. Gegen die S ch w e tz e r Wahl protestieren die Polen. Nach polnischen Blättern erkannte der Minister die Berechtigung der polnisckcn Beschwerde an. Danach wäre Sasja- worski gewählt und die Stichwahl ungültig gewesen. Der Minister­bescheid traf aber zu spät ein.

Foiileroatloe ......

fktcb5pariei £eiiikbe Resornwartei

5 Sixtfdnihhrtie Verewigung und zwar: Teins.«sozial ......

Gjnifilicbio.val

Bund der Landwirte fonfhge...........

flanieiUrtier Bauernbund .ü'iitrum

Voten . . . .

Ucmonalliberale

'.'eiufrber Bauernbund fantfchriulirfie Volk-Partei .....

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Unbestimmt (Wilde)

Stuöcntenbriefe öes Prinzen Friedrich Karl von Preußen.

Einen fesselnden Einblick in die geistige und seelische Ent- buflung des jungen Primen Friedrich Karl von Preußen eröffnen dar Anzahl Briese aus seiner Bonner Studentenzeit 18461848, . die im Fel ruarh.'ft der T utsthen Nejue Stuttgart, Deutsch? Aerlagsanstalt) vom Hauptmann Wolfgang Foerfter verössentticht »erden.

Es find Herzensergüsse eines noch in den Entwicklungsjahren siebenten Jünglings gegenüber zwei älteren gereiften Freunden holl wechselnder, oft überschwänglicher Gefühlsstimmungen, in Hy betten b:r Jüngling rückhal.loS alles bekennt, was sein Herz bewegt.

Briefe eines jungen Studenten mögen sie freilich seltsam s scheinen: ui den ersten ist kaum je von wissenfckaf.licken Jnter- dfen bte Rede, und erst nach Schluß des Semesters faßt der Prinz btt Ergebnisse seines Studiums in einem Brief an Zastrow fob dermaßen zusammen:Was das Universitätsleben betrif,!, so brnt Sie Folgendes: Sie müssen bei demselben zweierlei unter» Ifxiben: einmal das Studium, ferner das eigentliche Leben. Was io* Studium betrifit, so interessiert mich das meist? im höchsten frrabc. Tas Lernen und Arbeiten ist mir Bedürfnis. Ich bin mzlücklick, wenn ich einmal zu Hause sitzen muß und nichts mndjmen, ernst angreifen kann. Diese Seite des Universitäts- lbens sagt mit also zu. »Sie ist übrigens nur wenig unterschieden ton der Art, wie ick sonst meine Studien betrieben habe. Das eigentliche Universitätsleben unter und mit den Studenten, das iit, was ick nicht mag. Ich bin aus soldatischem Fleisch und Blut gemacht, bin Soldat innen und außen, durch und durch. Es fehlt vir also jeglicher Umgang mit, Leuten meines Alters, wonach fb mich doch so sehne. . ."

Tie Liebe zum Svldatenberufe, zu seinem Regiment ist der stets m'ederkehrende R frain in diesen Studentenbriefen.Ach, Herr mbhnann, mir ist es oft so schwermütig ums Herz'." so schreibt tt bald nach seiner Ankunft in Bonn.Sie glauben nickt, wie ich» ich mich zurücksehne: nicht gerade in meine Familie, in das fllts Verhältnis, sondern zu den Soldaten sehne ick mich hin, jun» Regiment, zu den Kameraden, zu Ihnen, mein lieber Herr lemptmann! Wenn ich hier meinen Rock mit den silbernen ätzten, der hier vor mir liegt, den ich aber nicht anziehen kann, jf:nin ich meinen Degen sehe, der in der Scheide verrostet, dann icuckxm Erinnerungen, süße, sckwne, und Wünsche, kriegerische, d meiner Seele auf! Dann übernimmts mich und ich muß weinen, iittttre Tränen."

Einen Monat später schildert er diedrückenden Verhältnisse", r. ibenen er sich h er befindet.Es ist ganz schaudervoll. Ich will 6ie nutzt mit Details langweilen. Ich grause. Nur eins!

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Vortritt die Kapelle. 3,

Oberhofprediger Dryander hielt die Festpredigt. 3; Nach abermaligen Gesängen verließ der Hof unter den'

* unbedingt nötig, und wenn nun die roten Anträge wirklich io zahlreich und wild die parlamentarische Arbeit erschweren, doß, wie dieKreuzztg." sich ausdrückt, der Regierung sich hie Haare sträuben werden, so soll man sich auch darüber

Wilden, was insofern berechtigt erscheint, als dieser der nationalliberalen Fraktion wohl fern bleiben wird. Dafür aber wird der in München gewählte Liberale Dr. K e r s ch e n- steiner der vorläufig noch wild bleiben will ben Nationalliberalen zu gezählt, wodurch letztere einschließlich der beiden Abgeordneten des Deutschen Bauernbundes die von uns angegebene Zahl von 47 wieder erreichen. Ent­sprechend vermindert sich die der V 01 k s p a r t e i von 42 auf 41. Tie Reichspartei ist oben mit 14 Mandaten ver­treten, dementsprechend der Abgeordnete Warmuth, der sich ihr als Hospitant anschlicßen will, noch zu den Wil­den gerechnet, welche letztere dann zusammen mit dem Grasen Posadotpsky 3 zahlen. Der Bayrische Bauern­bund ist in der amllichen Zusammenstellung mit 2 Ab­geordneten besonders aufgeführt: einer von diesen wird sich vermutlich der Wirtschaftlichen Vereinigung an­schlicßen, des anderen voraus,icktliche Frattionszugehörig- keit steht noch nid)t fest. Neuerdings verlautet auch, daß Graf Oppersdorf der Zentrnmefraktion nicht beitreten werde, wodurch deren Mandatrzahl auf 9,2 vermindert wird; Graf Oppersdorf werde sich eventuell den Polen als Hospittrnt zugescllen. Endlich sei noch erwähnt, daß der Meldung fortschrittlicher Blätter, der Vertreter von Bol- chen-Tiedcnhofen, Win deck, werbe sich der Fortschritts­partei ansch.i ßen, von derStraßb. Post" entschieden wider­sprochen wird.

Der Geburjztag öcs Kaiers.

Tie Feier in Berlin.

Berlin, 27. Jan Tie Gcburtsseier des Kaisers begann heute morgen acht Uhr mit dem großen Wecken, Dem der Kaiser vorn Schloßfenster aus beiwohnte, vorn Publi­kum lebhaft begrüßt. Um neun Uhr begann bei stür­mischem, schneeigem Wetter die Anfahrt der Fürst­lichkeiten und der Geladenen. Ter Kaiser stif­tete aus Anlaß seines Geburtstages das Königlich Preußische Verdien st kreuz in Gold mit der Königlichen Klwne, welches als erster .Kriminalkommissar T 0 u s s a i n t - Berlin erhielt, das Königlich Preußische Verdienstlreuz in Sil­ber mit der Königlichen Krone, welches als erster Jahn, Kapitän der JachtNordstern"^Laboe, erhielt. Gegen zehn Uhr versammelten sich die Botschafter, die Missionschefs, der Hochadel, der Reichskanzler, Bundesrat, die Ge­neralfeldmarschälle, Staatssekretäre, Minister, Landtags­präsidenten usw. in der Schloßkapelle. In feierlichem Zuge betraten die Majestäten und die fürstlichen Gäste mit großem

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?ü71n?eiane?Junun« Rotationsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindrnckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druderet: Lchulstrahe 7. Land-'E.Heß'^ür den bj oomuttags 9 Uhr. vüdingen: Zernsprechcr Rr. 269 Geschaftrstelle vahnhofftrahe (6a. Anzetgenteü: H. Beck.