Ausgabe 
25.5.1912 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

Nr. 122

162. Jahrgang

Erscheint tllßNch mit Tirtnabme ort Cenntagk

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Julius Kovacs (Bauernpartei),

O f e n p e st, 24. Mai.

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Sieleiener Lamilienblätter- werd en dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da« Erdiblatt fir bei Kreis Ließe," iroetmal wöchentlich. Die .Landwirtschaftliche» Mt# fragen" erscheinen monatlich zweunnl.

lerinnen behaupten, nur Frauen vermöchten den dort cingcrissenen Uebelständen zu steuern.

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wieder ein Zusammenstoß mit der Regierung in Llsaß-Lothringen.

agesordnung

Mitgliedern für den Beirat für die Verwaltung der kaiserlichen Tabakmanufak- tur und des Ausschusses für die Verteilung der Winzer­beihilferi. Der kaiserliche Statthalter hatte für die .ju sammensetzung dieses Beirates und des Ausschusses schon

langte Anzahl von Krankenpflegerinnen mu der erforderlichen Menge von Tragbahren herbeieilte, um die Verletzten in das Krankenzelt zu befördern. Lier wurden sie kunstgerecht verbunden und verpflegt. Es wurde angenommen, daß die vorhandene An­zahl von Tragbahren nicht ausreichte, so daß aus Stangen, Teilen, Tacken und Decken und dergleichen Nottragbahren zu sammengefetzl werden mußten, i'eidn Verwundete, die nicht auf Bahren getragen zu werden brauchten, wurden von kranken Pflegerinnen zu zweien auf ihren verschränkten Länden befördert oder nur beim Gehen gestützt.

Außer den Fachleuten roaren natürlich eine ganze Anzahl anderer Zuschauer anwesend, und alle waren darüber einig, daß alles durchaus kriegsmäßigklappte".

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 5L

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Gerungen ger Jnschuld

Samstag, 25. Mai 1912

Rotationsdruck und vertag der vrüblichen UawersuLts - Buch- und 6tein6tutfereL 9L Gange, Ließen.

Präsidenten deS Abgeordnetenhauses, Pisza, wegen Verlctznng der LauSordnung.

Erne Verständigung in Eicht.

Wien, 24. Mai. DieNeue Freie Presse" meld.! anS Osenvest: Leute abend wurde zwischen sämtlichen opposilio - n e l l c n Parteien des Abgeordnelcnbauses ein Einvcr - nehmen erzielt, daS sich auf alle aktuellen oolitischen Fragen, namentlich auf die Frage des Wehrgesetzes und der Wahl re form bezieht. In der Frage der Wahlresorm kommt ha Standpunkt der vereinigten Opposition nunmehr dem Stand punkt der Regierung nahe. Bezüglich der Wehrreform nimuil die Opposition nunmehr einen Ltandpunkt ein, der hie Grieb! gung der Wahlreform in absehbarer Zeit ermöglichen würde Xie Führer der Sozialdemokraten sind mit den Abmachungen einverstanden, die morgen schriftlich nicdergelegt und v«t den Führern der Parteien unterschrieben werden. ______

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der bei der Präsidentenwahl die Urne vom Tisch geworfen hatte, wurde zur Ausschließung für 30 Sitzungen, Andreas Rath (Justhpartei) wegen Widersetzlichkeit gegen den Präsidenten zur Ausschließung von 8 Sitzungen verurteilt. Barabas (Kossuth- partei) beantragte die Ungültigkeit der Wahl des

Die Felddienstubung der Frauen.

TasWomen's Sock and Wounded Conooy Corps", eine Vereinigung freiwilliger Krankenpflegerinnen im Kriege hat dieser Tage in der Umgebung von London in Gegenwart verschiedener Militärärzte und Offiziere eine große, felddienstmäßige Uebung abgehalten.

Tie Krankenpflegerinnen rückten unter Leitung von Frau St. C. Szobarr mit ihrem Krankenwagen und ihren Gerätschaften aus, um ihre Uebung auf einer Wiese von Lampstcad abzuhalten. Zunächst wurden Zelte ausgestellt und wieder zusammengelegt, dann wurde ein großes Ltrankenhauszelt errichtet, das stehen bheb. Andere Abteilungen der Krankenpflegerinnen waren in­zwischen damit beschäftigt, ein Biwak herzurichten, zu dem sie Bretter, Planken, Pfähle, Lolz aller Art, das sie gerade sanden, verwenden mußten. Eine dritte Abteilung wandelre gleichzeitig einen Bauernleiterwagen in einen Krankenwagen um. Zu den roeüeren Vorbereitungen auf dieSchlacht" wurde eine Feld­küche hergestellt. Zunächst wurde ein Graben angelegt, der an verschiedenen Stellen mit Eisenrosten ausgeslattet wurde, auf die die Kochgeräte gestellt wurden: dann wurde der Graben mit einer Torfschicht zugedeckt, es wurde ebenfalls aus Torf ein Schorn­stein errichtet, und dann an einem Ende ein Feuer angemachr, wozu trotz des heftigen Windes ein einziges Streichholz ge­nügte. Auf diesen Feldkockworrichtungen wurde dann em schmack­haftes, aus 4 Gerichten bestehendes Mahl hergestellt, Jbas die Krankenpflegerinnen ;u sich nahmen, ehe die eigentlicheSchlacht"' begann, bte ihnen alle Lände voll ;u tun verschaffte. Bei der angenommenen Schlackt ging es recht heiß her, denn es kamen sehr zahlreiche verwickelte und gänzlich unerwartete Derwundungs- arten vor. Als Verletzte wurde die Jugend von Lampstead in Dienst gestellt, die sich dabei sehr anstellig erwies. Auf das Scklacktfeld wurden nach dem Ende derSchlacht" zunächst ,,Surferinnen" geschickt, die das Schlacktt'eld nach Verletzten ab» suchten und dann durch Flaggenwinke den entfernt stehenden Mannschaften mitteilten, was für Hilfe nötig sei, worauf die ver-

PlockM^

Die Ausschreitungen in Gsenpeft.

Ofen pest, 24. Mai. Tie Ausschreitungen dauerten bis Mitternacht fort, worauf es ruhiger wurde. DaS Militär kampierte im Freien und wurde heute morgen abgclöst. Die Straßen sind auch heute militari) d) besetzt. Spät nachts versuchte die Menge in die Wohnung des Grafen Tisza ein­zudringen und gab hierbei mehrere Schüsse ab, sie wurde jedoch zurückgcschlagen. Ter allgemeine Ausstand ist beendet. Heute werden die Abendblätter wieder er­scheinen. Im ganzen beteiligten sich ungefähr 50000 Ar­beiter, ungefähr die Hälfte sämtlicher Fabrikarbeiter, an dem Ausstand. Zweihundert Personen wurden gestern zur Polizei gebracht, 31 davon sind verhaftet worden. Die nunmehr richtiggestellte Liste verzeichne^ s e ch s T o t e u n d 160 Verwundete, davon 100 L>chwerverwun- dete. An vielen Stellen wurde mit größter Erbitterung gekämpft. Die Menge griff die SoLaten an und ver­suchte, chnen die Bajonette zu entreißen. Vielfach wur­den a u s d e n F e n st e r n R e v o l v e r s ch u s) e a u s di e Polizei abgegeben. In der Tökolystraße gelang eS ber Menge, die Gasleitung zu zerstören, so daß die Straße in Finsternis gehüllt wurde.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

eine Verordnung erlassen. Ter Zentrumsabgeordnete H a u ß drückte feine Verwunderung darüber aus, daß dies geschehen fei, ohne daß eine Verständigung mit dem Land­tage nachgesucht worden wäre, zumal die Winzerbeihilfen unter der ausdrücklichen Bedingung gewährt worden wären, daß ihre Verteilung durch einen Ausschuß von 6 Mitglie­dern ber Zweiten Kammer vorgenommen werde Es sei ganz und gar nicht angängig, daß nun Mitglieder der Ersten Kammer hineingewählt würden und Drei Sach­verständige, die überhaupt dem Landtag nicht angehörten. Es sei nötig, festzustellen, ab der Statthalter die An- gelegenheit in so einseitiger Weise erledigen könnte, wes- fyafb die Sache zur Prüfung dem Geschästsordnungsaus- schuß zu überweisen sei.

Ihm schlossen fick) die Vertreter des Lothringer Blocks, der Sozialdemokraten und der liberalen Demokraten an.

Unterstaatssekretär Petri wollte die Verfügung des Statthalters als ein Entgegenkommen aufgefaßt wissen, mit dem Budget recht habe die Sache nichts zu hm. Dem­gegenüber entarten die Abgeordneten W e t t e r l 6, E m m el und Dr. Schott, es liege eine Verletzung des Bud- ietrechts der Kammer vor, denn die Wmzerbeihilfen eien unter der auSdrücklid)en Bedingung bewilligt, daß echs Mitglieder aus der Zweiten Kammer gewählt würden.

Staatssekretär Zorn v. Bulach meinte, die Debatte wolle darauf hinaus, einen Zwist zwischen der Exekutive und der Legislative herbeizusühren. Die Erste Kammer habe das gleiche Recht wie die Zweite Kammer, in der Kommission tätig zu fein. Er hoffe, daß man noch zu einer Verständigung gelange.

Trotz der Mahnung des Präsidenten Dr. Ricklin, die Debatte beizulegen, bestand das Haus auf einer hei­leren Aussprache, cku der sich die Abgeordneten Wetterls, Dr. Schott, Hauß, Peirotes sowie Staatssekretär Zorn von Bulad) beteiligten. Tie Abgeordneten be­harrten bei ihrer Meinung, daß hier die Regierung un- gefetzlich vorgcgangen sei und sie (die Abgeordneten) die Rechte des Parlaments verteidigten. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, die Angelegenheit einem Ausschuß ju üderweffen, wogegen die Regierung keinen Einspruch erhob. Stächste Sitzung Dienstag, den 4. Juni.

l.PnvMittt«

2. Psiugitieieni-

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kf. EineFranalsForscherin. Fran Arrnaury Talbot, die im August 1910 in Begleitung ihres Gatten ihre Forschungs­reise durch Süb-Nigerta begonnen hatte, ist soeben nach Landon jurüdflctctjrt, und sie hat Vertretern der Presse mitgeteilt, daß sie über den Verlauf ihrer Expedition in jeder Beziehung vollauf befriedigt ist. Mehr als 2000 verschiedene Pfianzenarten hat sie auf ihrer Reise gesammelt, und Botaniker, die die Sammlung besichtigt fjaben, haben schon beim ersten Ueberblick erklärt, daß ungefähr 10 Prozent aus bisher völlig unbekannten Pflanzen bc stehe. Daneben hat Frau Talbot auch dem Tierreiche ihre Sorg­falt gewidmet, unö 100 Säugetiere sind dec ErfÄg thres Sammelns. Von diesen sind zwet bereu» als bisher unbekannte Abarten wissenschaftlich ^'estgestellt worden Mit welchen Schwierigkeit n Frau Talbot bisweilen zu kämpfen hatte, geht daraus hervor, deß sie nach ihrer Angabe einige der seltensten Exemplare ihrer Pflan­zensammlung mit der Flmte von den Bäumen herunterschießen mußte, da sie wegen ihrer Löhe sonst nicht erreichbar waren. Auch in geographischer Lmsicht hat Frau Talbot Anerkennenswertes geleistet. So hat sie denTotmsce" entdeckt, wo nach dem Glauben bet Eingeborenen die Geister der Verswrbenen Hausen sollen. Frau Tallwt fand dort eine große Menge von Löhlen, die eine solche Ausdehnung hatten, daß selbst von den Eingc bereiten wie sie der Forscherin versichert haben keiner je an ihr Ende gekommen ist.

Frauen-LeuiUeton.

AuS der Welt der Frau.

50 QOO Frauenrechtlerinnen gibt es gegenwärtig laNeuVork Ter Frauenbund, den Frau Shepman Gatt vor in« J-hr-n gegrünt« bat, ist m freier turjen 3e« aut b«|= stattliche Mitaliederanzahl angewachfen, venügt über m Ab­zweigungen in Groß-Nciwork und unterhalt eine eigene ^n-tts- Lrift - Tie erste schwedische Kammer, die 'ich nut: ber grauem stimmrechtssrage beschäftigt (ben Antrag auf Einführung des Sttmmrechtes ber Fran wirb sie wohl ablehnen), macht gegen- wärtig Erhebungen über die Wirkung, die die ^ru^rung de» Frauenstimmrechtes in anderen Landern gehabt bat und wn"befoXre Statiftiten über »jungen, ^bunen- behauptet di- P-rhairmsi- Schwedens txr andcrm

Länbcr nicht verglichen werden tonnen. Iu «Frankreich ist^ztm ersten Male eine Frau zum Vrz c P ra ,i b ent l n des Prubhommes" gewählt worden,

Dieser Conseil, ist eine Art Arbeitsamt, das bu .Irveiter'chafr ieu>ii itt änttrejie frr 'Irbcügeter uni.

enoalnte Dame hat Drei 5^« lang in Vxctuu. x crfol.i

Qißerdem halt ne onentliche Reden. ^e J 8

trauen b eto e a u it q in Cuba bat jung't bti einer ton 4:renS m ^ba^na gezeigt,

Jetzt sind in fast allen^rotzeren ^tadtcn Cu^s am B^r.iben Zrauenrechtsbundes Ftcuimklubs S^rundet ^^-

s-rauen Chicagos haben an den Duiginnci'.er iprer aoi Sme Eingabe gerichtet, in der sie die (rinnd)ning einer 2rt roe i * Jirfien Polizei fordern, die in den tvabnfbiitnncn tätig tein »IL wo freie Stauen und Mädchen m^|ultTtltJ.,S LnhallbLLSS Bedingungen arbeiten und leben, xie urauenrea^

Dfcnpeft, 24. Mai. Seit den ersten Nachmfttagsstunben regnet es in Strömen. Infolgedessen ließen die Kund­gebungen, die in den äußeren Bezirken^ iwch in den ersten Abendstunden ftattfanben, an Umfang und Stärke nack

Ofen pest, 24 Mai. Ein Teil der Arbeiter­schaft leistete der Aufforderung der Parteileitung, zur Arbeit zurückzukehren, nicht Folge, Haupt- sächlich die ausgefperrten Metall- und Chfcnarbeite^ roeld'C, als sie in den Fabriken nickst Einlaß erhielten, große Aus­schreitungen verübten, Straßenbahnwagen um­stürzten und die Kalvarienkirche demolier­ten. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Polizei und ber Menge. Zahlreiche Personen wurden ver- wundet. Ein Gastwirt, der Ausschreitende versteckte, wurde verhaftet. Den Metallarbeitern schlossen sich die Arbeiter der Schiffswerften und die Transportarbeiter an. Tic ausgesperrten Arbeiter wollen eine Versammlung abhalteu, was die Polizei bereitwilligst gestattet, weil sie hierdurck) eine Beschwichtigung der Leidenschaften erhofft.

Amtlich wird die Zahl sämtlicher auf die Polizeiwachen gebrachten Personen mit 380 angegeben. Gegen vierzig davon wird das Strafverfahren cingclcitct. Ein großer Teil der Verhafteten ist noch nicht verhört worden. In der Nähe einer Schraubenfabrik kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Streikenden und Ar­beitswilligen. Biele Schüsse wurden abgegeben, viele Teilnehmer wurden verwundet. Tie Un­ruhestifter stürzten einen mit Mehl beladenen Frachtivagen um und errichteten mit ihm eine Barrikade. Sie steckten die Nauschlofsisck)e Fabrik in Brand, indem sie die Umzäunung mit Petroleum begossen und diese anzüudcten. Tie herbeigeeilte Feuerwehr wurde an den Löscharbeiten verhindert und die Truppen mit Tteinwürsen und Schüssen empfangen. Tas Parlament ist mit starken Militärabteilungen umgeben; in den Wandelgänaen herrscht große Erregung. Bis 11 Uhr vormittags hatte die Beratung noch nicht begonnen.

Eine parlamentarische Anfrage.

Ofen pest, 24. Mai. Ministerpräsident Lucas beantwortete heute die Anfragen über den allgemeinen Ausstand. Er führte aus: Ten Vorwand zu dem Generalstreik Hal die Weigerung gebildet, die Erlaubnis zu einer Kundgebung vor dem Parlament zu erteilen. Tie Polizei hat die Whaltung vieler Volksversammlungen in geschlossenen Räumen gestattet, hielt es aber nicht für zulässig, daß eine Versammlung von 50 000 er­regten Menschen einen Truck auf die Verwaltung ausüben dürften. Auch kann ich es nicht gelten lassen, daß als Ursache des General­streiks die Lattung ber Regierung zur Wahlreform bezeichnet lvirb. Erst vor einigen Tagen habe ich erklärt, baß ich die Ver­pflichtung zur Turchführung ber Wahlreform für bic Regierung vollkommen anerkenne unb daß wir entschlossen sind, diese Frage selbstverstänblich auf Grund unserer Überzeugungen baldigst zu lösen. (Lebhafte Zustimmung.) Es will mir scheinen, daß die sozialdemokratische Parteileitung eine Kraft­probe veranstalten wollte, um ihren verblaßten Nimbus auszufrischen. Ob dies Ziel erreicht worben ist ober nicht, weiß ich nicht, aber es ist meine volle Uebergeugung, baß bic Sache des Fortschritts burch biese Unruhen nicht gewonnen hat. (Lebhafter Beifall.) Tenn nicmanb, ber ein Freunb bes Fortschritts ber bemokratischen Entwicklung ist, wird sich mit solchen Elementen vereinigen, welche ihre Prinzipien durch Raubmord unb Brandstiftung kundgeben. (Langanhal- tenber, stürmischer Beifall.) Was bic Maßnahmen ber Regie­rung betrifft, so ist außer Polizei unb Gendarmerie auch Militär in Anspruch genommen worben. Nachdem auch die hiesige Gar­nison nicht genügte, wurde auch aus der Provinz Müttär nach Budapest beordert. Es können jeden Augenblick wettere Ver­stärkungen herangezogen werden. Ich will nun noch bas Mo­ment der Verantwortlichkeit berühren. Es erscheint mir unerläßlich, den unverantwortlichen Faktorengegenüber, welche über viele Tausende von Menschen mit absoluter Machtvollkommen- hett verfügen, auf bic Verantwortlichkeit hinzuweisen, daß sie die Folgen für den Mißbrauch ihrer Führergewalt zu tragen haben werden.

Tas Haus nahm von der Beantwortung der Anfrage Kenntnis.

Straßburg, 24. Mai. In der Zweiten Kam mer des Landtages kam es heute zu einem stoß mit der Reaierung. Auf der stand die Wahl von drei Mitgl' *

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Der neue Botschafter in Nonstantinopel.

Freiherr Hans von Wangcnheim, geboren am 8 Juli, 1859 zu Georgenthal in Thüringen, gehörte zu den Zög­lingen der Landesschule Pforta und trat 1879 als Avanta­geur beim hessischen Feldartillerieregintent Nr 11 ein, ging 1822 zum thüringischen Ulanenregiment Nr. 0 über imb wurde 1887 auf ein Jahr zur Boffchaft in Peters­burg kommandiert. Im Jahre darauf zur diplomatischen Laustiahn zugelassen, arbeitete er im Auswärtigen Amt, machte 1890 das diplomatische Examen, worauf er zum Legationssekxetär ernannt wurde. Noch im selben Jahre würde er zur Vertretung der Gesandten in Kopenhagen und Stockholm herangezogen. Den Posten als Legations sekretär in Kopenhagen vertauschte er 1893 mit dem gleichen bei der deuffchen Botschaft in Madrid, wo rauf er zwei Jahre später Legationssekretär bei der preußi­schen Gesandffchaft in Stuttgart wurde. 1897 luurbt er als Legationssekretär zur Gesandtfd)aft in Lissabon versetzt. Im Jahre 1899 kam er als erster Sekretär zu der Botschaft am goldeneti Horn, sodann wurde er 1904 deutscher Gesandter in Mexiko, von wo er 1908 als kommissarischer Gesandter nad) Tanger ging. Bald dar auf wurde er zum deutschen Gesandten in Athen er­nannt, als der er bis heute tätig war.__________________

Au» Stadt und Land.

Gießen, 25. Mai 1912.

** Lehrerperfonalien. Bestätigt wurde ber von bem Fürsten zu Löwenstein Wertheim Rosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg auf die erste Lehrerstclle an bei Gemeindeschule zu Breitenbrunn präsentierte Schulamtsaspirant Anton Ahl aus Lcßloch. Em lassen wurde der Lehre, an der Volksschule zu Offenbach Wilh. Müller auf fein Nach suchen aus bem Schuldienste. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an ber Gemeindeschule zu Bretzenheim Martha Strohm aus ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer lang jährigen treuen Dienste. Erledigt ist eine mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der GemcindeschulS zu Treis an ber fiumba.

** Die neu geplante Straße, die vorn R o b t berg am Eisenbahndamm hinzieht und die Quer- straßenzüge der Steinstraße aufnehmen soll, (Der Straßen­zug ist im diesjährigen Adreßbuch auf Dem Stadlplau bereits punktiert sichtbar) ist jetzt zwischen Tamm und Schillersrraße aufgeschüttet. Ihrer Lage nach soll wohl die neue Straße über die ber Stadt gehörende ehemalige Eu- lersche Besitzung in die Steinstraße einmünden.

* Tie Enteignung von Gelände Der We­bers Erben, das vor 1012 Jahren Der Euenbahnsis- kus zur Vergrößerung des Güterbahnhofs brauchte, ist nun durch Vergleich der Parteien erledigt. Es handelt fick) um einen Teil eines Webeffchen Grundstücks in der Nähe der Margaretenhütte. Kreis- und Provtnzialausfchuß hatten seinerzeit für das 800 Quadratmeter große Acker stück als angemessenen Preis 4.50 Mk. für den Quadratmeter ihren Urteilen zuarunde gelegt, womit Webers nicht zufrieden waren und den ordenttimen Rechtsweg einschlugen. Turch den Vergleich ist den eyemaligen Eigentümern 8.75 Mk. und 5 Prozent Zinsen von der Tifferenzsumme in Hohe von 3400 Mk. seit Uebergabe des Grundstücks zugebilligt worden. Webers Erben übernehmen nur die Kosten ihres Anwaltes und einen kleinen Teil der Gerichtskosten. We­bers Erben haben das ihnen verbliebene Resfftück an der