M. 278
Drittes Blatt
162. Jahrgang
Erschein täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Tie „Lietzener Zamiliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» „KrelsLlott für ben Kreis Gieren" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erfchßinen nlonatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesten
Montag, 25. November 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilälS • Buch- und Cteindnukerei.
9L Lange, (Lietzen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strotze 7. Expedition und Verlag: eo51. 9tcbaflion:e^ll2. Tel.-Adr.:Anze»ger(Lletzen.
Total 154 74t lOo 'Dir.
Einfuhr und) Rußland:
Bulgarien . . Griechenland. Tloiitencqro . Rumänien Serbien . . Türkei . . .
Bulgarien Diiecheuland Montenegro Rumänien . Serbien . .
Türket . «
L'iilqarien i> riedienlonb Tlonlencnio ünimänien
Cll .
Türkei . .
32 000 noo
1 45» 400
59 3 00 0
240 0 0 Mt. 120 000 ,
38 286 500 Mk.
29 591 500 „
8 166 50 > , 169 781000 „
41 972 000 ,
156O97 5'iO ,
10 432' O'i 'DIL 16 574 800 ,
95i 500 , 65 645 600 , 10 473 600 .
50 665 600 ,
. 4 0n0 000
11 200
. 10 400 000
iu-3 yrwabrr merbe. Tie Bewilligung der Mirtbc wird ver- rfinblttb, wenn man an die Tatsache denkt, das-, eine ganze fieihe schweizerischer Geistlicher, die in Amt und Wurden sind, ich assen zur sozialdemokratischen Partei bekennen, und die ver cf.iebentüd) ihre Gotteshäuser den Sozialbemokratcii auch sckwn zu Maifeiern zur Verfügung gestellt baden. Man haue rings um d i c Kirche sechs Tribünen errichtet, von benen aus bie bekanntesten Redner der Sozialbemokratic aus allen Teilen der Welt zu den Massen fvrachen. Im Münster iclbit vrachen der Baseler Regierungspräsident Blocher, der Vor Uiaibc der deutschen sozialdemokratischen Partei Reiciwtagsadge ardncter Haase, Jean Ianrös, Tr. Viktor Adler (Wien), der Pole Duszynski, der Gewerkschaftsführer Greulich Zürich) und Kcir Hardie 'London). Tie Kundgebung verlief
Am Montag und Dienstag finden die eigentliciren Kongretz- bcratungcn statt, über die wir noch berichten werden.
Mit Ausnahme Griechenlands überwiegt die Ausfuhr Testerreichs nach den Ländern des Balkan deren Einfuhr nach dort erheblich, selbst bis zum Doppelten (Türkei, Montenegro) und Dreifachen (Serbien Sie beträgt im ganzen annähernd ein Viertel der Gcsamtaussuhr, die und) den valkanstaaten vom Ausland esseltuiert wird: diese beläuft sich gegenwärtig ans 1 Milliarde 240 Millionen Mark. Andererseits verkansen die Länder des Ballan etwa ein Sechstel ihrer Produkte (Gesamtproduition 1 Milliarde) an
Pie „Konfurreiitcii" mif öcm valkan.
Nack)dem zu Anfang des Balkankrieges die überraschen» l^ii Waffenerfolgc der Alliierten die Welt in Erstaunen gesetzt haben, ist mittlerweile das „Problem der Kriegs- ' tfiite" als neueste Wendung der orientalischen Frage in dckr Mittelpunkt des Interesses getreten. Daß Oesterreich end Rußland bei der Aufteilnng der europäifcl>en Türkei ein 3ort mitzureden Haben, liegt auf der Hand. Die beiden Großmächte sind in der Tat direktcHandelskonkur- renten auf dem Balkan, und man versteht es, daß sie ihre Interessen, gegebenenfalls sogar durch eine Gcbiets- cttrviterung in der Sphäre des Handelseinflusscs, mit allen Mitteln schützen «wollen Von der erheblichen Bedeutung brr kommerziellen Beziehungen zwischen den Balkanstaaten 'einerseits, Oesterreich und Rußland andererseits, mögen bie nachstehenden Ausstellungen einen Begriff geben. Was zunächst Oesterreich anbelangt, so weist (nach der Statistik des Handelsministeriums für 1911) sein Totalver" kehr mit den Ländern auf der Baklanhalbinscl folgende Summen auf:
5 420 000 Mt.
22 000 000 „
Total: 4 18 90 000 Mk.
Wie man sieht, marschiert die Gesamtsumme des pstcr- rcichisch-balkanischen Handelsverkehrs auf eine halbe Milliarde io$; dabei entfällt auf die Türkei und das neutral gebliebene Rumänien zusammen fast genau drei Viertel dieses Betrages. Verglichen mit dein Totalljandcl Oestcr- reichs, der gegenwärtig aus 2 Milliarden 251 Millionen Mark geschätzt n>irb, beträgt obige Summe ungefähr ein fünftel. Die Zahlen für die Einfuhr der Ballanstaaten nad) Oesterreich bzw. für dessen Ausfuhr sind folgende: Einwhr nach CcHcrretd): Ausuibr Ceiierreid)«:
2lu» Stadt und Land.
Gienen, 25. November 1912.
•• In Audienz empfangen wurden vom Groß- Herzog am Samstag u a. Kreisamtmann Schäfer von Schotten und Fianzamtmann Berg von Friedberg.
— Pfarrpersonalien. Der Groß Herzog hat den von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die erste evang. Pfarrstelle zu Beerfelden, mit der der Titel Oberpfarrer ver- bunden ist, präsentierten Pfarrer Karl Wah l daselbst bestätigt.
" Erledigt ist die Stelle des Finanz am tSge hilf en bei dem Finanzamt Alsfeld.
•• OrdcnSangelegen heilen. Der Grotzbcrz og hat dem Lehrer an der Landcsbaugewerlschule Professor Karl Esselborn zu Darmstadt aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz erster Klasse deS Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verlieben und dem Stlstsdechanten Klingelhöffer zu Sich die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von. dem König von Preußen verliehenen Roten Kreuz-Rieda,lle dritter Klasse erteilt.
" Schenkung an den H ei l statt en v erein. Di- bem Heilstättenverein für das Großherzogtum Hessen vor kurzem von Herrn Abrabitm S. Rosenthal und Frau Fenn, Rosenthal auS Beerfelden, zurzeit in Frankfurt a. M., zugewendete Schenkiing nn Betrag von 10 000 Mark soll bestimmungsgemäß zur Bekämpfung der Tuberkulose in Hessen verwendet werden. Sie geschah unter der Austage, daß das Kapital zur Heilung von Personen — ohne Unterschied des GlaiibenSbekenntnisses — verwendet werden soll, für die weder Private noch Versicherungsanstalten oder sonstige öffcnt- Iich-r^chiliche Verbände rc. emtreten. An rein konfessionelle Anstalten (Krankenhäuser re.) dürfen Zuwendungen auS diesem Kapital nicht gemacht werden.
•• Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. Der Ausschuß deS Hessischen Landesverbandes deS Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hielt am 19. l. Mts. eine Sitzung ab. Er beschäftigte sich u. a. mit der Frage über die weitere Organisation deS Verbandes. Zu seinem Vorsitzenden wählte er anstelle des verstorbenen Geheimerats Dr. Neidhart den Vorsitzenden deS Vorstandes der LondeSverstcherungsanstalt Großherzogtum Hessen, Geheime Regierungsrat Dr. Dietz. Für den von seinem Amte zurückgetretenen Rechnungsrat Rothermel wurde Regierungsassessor Bechtel zum Schriftführer und der Beamte der LandeSoersichcrungSanstalt Großherzogtum Hessen Revisor PH Scherf, zum Schatzmeister gewählt.
** Unbestellbare Postsendungen. Künftig sollen Veröffentlichungen über die bei der Ober-Postdirck- tion in Darmstadt lagernden unbestellbaren Postsendungen durch die Zeitungen nicht mehr erfolgen. lieber die uip aubringlich gebliebenen Postsendungen werden Vierteljahr- l,ch Verzeichnisse ausgestellt, die in dem Schaltervorraum der Postanstalt am Ausgabeorte der Sendungen 4 Wochen lang zur Einsichtnahme für das Publikum aushängen. Die Leser, die wegen des Verbleibs einer von ihnen aufgelieferten Postsendung sei cs eine Wert- oder Einschreibsendung, ein Paket oder ein Bries mit Geldinhalt — im ungewissen sind, werden deshalb gut tun, diese Verzeichnisse einzufehen, um festzustellen, ob der von ihnen vermißte Gegenstand etwa bei der Lber-Postdireltion lagert. Zutreffendenfalls würden sic sid) wegen Wiedererlangung der .Sendung an die betreffende Postanstalt zu wenden haben.
Kreis Lauterbach.
=- Vomöstlichen Vogelsberg, 23. Nov. Die Erkenntnis, daß die Bahnverbindungen im östlichcnVogels- berg durchaus unzulänglich find, und eine Besserung am ehesten durch ein planmäßiges Zusammenarbeiten aller Interessenten zu erreichen sein nrirb, bat vor einigen Wochen zu dem Z u s a m m c n t r e i e n eines aus etwa zwanzig Herren bestehen den Komitees geführt. Dieses Komitee setzt sich aus Vertretern verschiedener Berufsstände aus der Gegend zwischen Lauter bad; und Stockheim, sowie aus Frankfurt (zusammen. Leitern trat cs zum ersten Male im Hotel zum Felsenmeer in Hochwald l, auieit zusammen, um über die demnächst einzuschlagenden Wege zur Besserung der Verhältnisse zu beraten. Nachdem Direktor Neuendorfi aus .Hochwalbhaufen die erschienenen Herren bc grüs t und aus einer Reihe von Beispielen nachgewiesen hotte, wie sehr der östliche Vogelsberg benachteiligt ist, wurden in vierstündiger Sitzung sämtliche Verkehrsmöglrchkeiten genau durch gesprochen Es wurde beschlossen, durch eine alsbald an die zu ständige Eisenbahnbirektion zu richtende, ausführliche Eingabe eine Reihe von Verbesserungen zu beantragen Diese erstrecken sich 1 auf die Verkürzung ber Fahrzeiten, 2. auf bie Verkürzung bes Aufenthaltes an den einzelnen Stationen, 3. auf bie Herstellung besserer Anschlüsse nach Fulda unb weiter, Gießen und Frankfurt, L auf die Hebung des Fremderwerkehrs im Vogelsberg durch Einlegung von Ton rißen zogen und vermehrte Ausgabe von Sonntags tartc» mu 2tägiger Gültigkeitsdauer. Mil der Ausführung wurde > ein Ausschuß beauftragt, dem Direktor Neuendorff-Hochwaldhousen, 1 Obervernalter (H:b-Stockhauien, Prokurist Eicher-Hirzenhain, Gaß i wirt Weidner-Herchenhoin, Amtsrichter Wahi-Herbstein, Beigeordneter Fabrikant Kübel-Herbstein und Straßenmeister Knopp-Greben - : ha in angehören. Die Eingabe wird in nächster Zeit in den in = Betracht kommenden Crtfcbaften und bei den vielen Freunden des . Vogelsbergs im Reich durch Vertrauensmänner verteilt werden, • und es iß zu hoffen, daß sic durch zahlreiche Unterschriften bie - nötige Stoßkraft erhält. Tie roeüere Erschließung des Bogels
Deutscher Aerztctag.
~ Leipzig, 23. Nov.
Unter überaus zahlreicher Beteiligung aller ihm angestossenen Feicinc trat heute hier der Verband der Aerztc Deustchlands
Internationaler Zozialistenkonoretz.
4- Bafel, 24 November.
Auf Einladung bes Internationalen Sozialistischen Bureaus in Brüssel trat beut» hier der Kongieß der Sozialißismen Internationale znsaimnen, ber uriprünglich erst z oiidien -.'Veihimdilen und 91 en ja br statlfinden iollie, aber mit Rück'icht auf die frieaeri- icben Zeitläufte bereits aul den beuligen Sonntag unb die folaen- den Tage angieetzt worden iß. Es finb 450 Delegierte eingetroffen, darunter von deutscher Seite etwa 80 Vertreter, unter denen fid) -Hebel, Dr. ? r a n l (Tlannhciin), Rechtsanwalt Haase tBerlin) und eine große Anzahl weiterer bentidier Reiehtagsabgeordneler der Sozialdcinolrulen befinden Oeßerreid) bat die 9lrbeileriührer Viktor ?!dler und Dr. Pernerslor'er, nranlreidi Iaiirös und Vaillant, England den Geiverksdiaßsfübrer Keir Hardie entsandt ?lls Vertreter der ruf nid) en Sozialdeinolraten iß lUubanowitsch anwesend. Belgien iß durch den Leiter des Internationalen Bureaus in Brussel Hllysinans, die Schweiz burd) den Baseler Regierungspräsidenten Blodier und Wrenlidi t Zur ich) vertreten. Die Polen haben den Abgeordneten Daszynski delegiert: auch Holland und Italien Und vertreten. Insgesamt entsendet Irankreieh 80, die Schweiz 60, Ceücrieicb 60, England 40 lind Italien 10 Delegierte. 91 ud) die sozialißisebcn Frauen waren oui Einlabnng der vermiö- qcbeiin der sozialdemokratischen „Gleichheit' Fran Klara Zetkin lStuttgart) unter deren Iührung sehr zahlreich ersdnenen.
In einer am gestrigen Samstag veranßalteten Vorverfammlung des Internationalen Bureaus, in iveldier u. a. Bebel, Iauräs, Vaillant, Viktor Adler, .Keir Hardie unb Rubanow'tfd) als Redner auUrnten und Kautski; als Ueversetzer sungierte, ivurde bereits eine Kundgebung gegen den Krieg angenominen, die dem Kongreß zur -.'ibflimmung unterbreitet werden soll. Zu Beriditerßattern in den drei Kongreßsprachen wurden Iaures, Viktor Adler und Kcir Hardie ernannt. ~
Die heutigen Verhandlungen begannen mit einer Sitzung des Bureaus, in der gefehäftltche Angeleaeiibeiten erledigt mniden. Kurz daraui iand die Eröffnungssitziing in der Burgvogteiballe statt Jin Namen der fozialdemokrulp'chen Organisation der Schivei, hieß Regierunaspräsident Blocher die erfchie.ienen Delegierten auf schweizerischem öden willkommen. — In den frühen Nachmittags- stunden formierte üch der Zug d e r ZI r b e 11 c r, der eine Knud gebnng der fchweizeriichen Slrbeiler-Oigainfationeii gegen Mili- tarisinus und Krieg bedenken sollte. An ihm beteiligten sich auch viele sozialdemokratische Arbeiterorganisationen ans dem Reiche, namentlich ans dem Eliaß, Baden und Württemberg. Die Beteiligung war jo stark, daß aus manchen Städten imd) Basel Ertraz ü g e abgelofien iverden mußten. Der Zug bewegte sich burd) mehrere Straßei'. ^Sein Ziel war das altehrwürdige, prächtige Münster der Stadt, das auf eine Vergangen beit von fast tausend Jahren zurückblicken kann und dessen Kirchenrat auf den Rat der Bafcler Genoffen beschlossen batte, das etwa 5000 Personen fassende 2 di i i f ber Kirch c ber s o zial i st i s ch e n Intern a t i o - n a l c für ihre Friedenskundgebung zu ü b e r l a f s e n, allerdings unter der Voraussetzung, daß die Würde des Ortes sowohl durch die Redner als auch durch die Versammlung durch-
Dcuticbcs tteicv.
Eine notwendige F e st st c l l u n g.
Die „9torbb. Allg. Zig." schreibt: In der Prepc und Angabe n über ein Telegramm des Kaisers nach der Einnahme von Saloniki an die K r o n p r i n z e i > i >l ton Griechenland Qiiigctaiubt, das mit HurraHurra hurra! schloß. Ein solches Telegramm des Kar, er s kxistiert nicht.
Der Liberalismus in Mecklenburg.
Der Berliner „Lokalanzeiger" meldet aus Gültrow: Dre DNe- «iertensitzling des liberalen L a n d e s v c r c i n s f ü r b c i d c cdhnbutg bcsdckoß den Anschluß des bisl-engeii pantatumen Lahlvercins an die Fortschrittlich c V ol ks Varte t unter Kr Voraussetzutlg, daß in den Orten ohne <sonbiuorganihih3U 'lationalliberale und Volksparieilcr nach wi? vor zinanmienarbci int. Wismar und der ganze zweite mecklenburgiiche Wahlkreis traten deshalb aus der Organisation aus. -tie Bezirke Parchim unb Ludwigslust erklärten, ncl) dem Mehrheitsbeichlutz zu fugen, 'wtzdcm sie gegen den Antrag geftimmt l-atteii.
zur Wahrung ihrer wirlschasllichen Interessen zu seiner 12. erbeut lichcn Hauptversammlung zusammen.
In seiner Erössnungsansprache roibmetc zunächst ber^ Vor ützenbl Tr Hartmann Leipzig dem verstorbenen Fübrci des Deutschen Aerztevereinsbmidcs, Geheimen Rat Professor Ti Löbker Bochum) einen Nachruf und erklärte es für die vor ncbmftc Aufgabe ber nächsten Zeit, Löbkcrs stanbespolitifcln'-: Testament zu vollstrecken, von nun an lebiglick auf bem Weg» ber 5elbflhilie bie ärztlichen Forberungen zur Anerkennung 8U bringen, nachdem die Re,cbsverficherungsordnung jede Hofmune auf Hilfe durch den (6efetzgeber zerstört habe Tas kommendi Jahr mürbe bie Entscheibung bringen, ob es enblid) gelingen wird, die ärztlichen Iorderungen durchznsetzen. Die Erhaltung eine; freien und unabhängigen Aeruestatrdes diene sowohl dem Interepe ber Kranken, wie dem Wohle des Vaterlandes. . .
Aus dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht ut toi gendes liervorzubeben: Ter Aerzleverband zählte am 1. L ft. 1912 24 845 Mitglieder. Tie Geschäftsstelle in Leipzig arbeitet mit hauptamtlich angestellten Aerzten und 33 Angestellten. Im Reich werden die Geschäfte geführt durch 1279 ehrenamtlich wirkende Vertrauens und Obmänner Tie Abteilung für Stellen Vermittlung brachte im abgelaufenen Geschäftsjahr 3;>8*_ Aerzte unb Mebizinalpraktikantcn> in geeigneten Stellungen unter, -tie Witnengabe, ein aus freiwilligen Beiträgen sich zufammenfehen- ber llnterstützungsionbs, verteilte im letzten Geschäftsjahr 38 270 Markt an Arztwitwen. Tie Abteilung für Versicherungen schloß seil ihrem Bestehen Februar 1910) 806 Haftpslicht-, Lebens-, Unfall unb Schabeiisvcrficherungen ab. Ein großer Teil ber Arbeit ber Vcrbanbsleitung würbe auf den Ausbau der ärztlichen Lokalorganifation im Reich verwandt, die der Durchführung der Reichsverfickierungsordnung und der Schaffung friedlicher Be zithungen zwischen Aerzten und Kassen bienen sollen Es würbe festgeßellt, daß die Durchführung dieser Orqanisaston in der letzten Zeit nennenswerte Fortschritte gemacht bat. Die mit den deutschen Reedereien bestehenden Vertrage sind aus abgeänderter Grundlage langsristig verlängert worden. Mit einer Anzahl privater Versicherungsgesellsdrasten wurden Verträge abgeichloven. Der seil Jahren mit einer Anzahl großer zentralisierter Hilfs- kasscn bestehende Tarisvertrag wurde einstweilen für 1913 erneuert. Die unentgeltliche Auskunstsßelle wurde in zunehmendem Umfange von den Aerzten in Anspruch genommen.
Es folgte der Bericht des Berbandskassierers, aus dem in der Hauvtsad)c hervorznheben ist, daß die unverzinsliche Hlindertmarf Anleihe, welche die Hauptversammlung des vorigen Jahres zum Zwecke der finanziellen Rüstung des Verbandes zur Turchfubrung der Rcichsversid^mngsordnung einstimmig beschloß, die Million bei weitem überfdmtten bat.
Auf den Bericht des Aufsichtsrats und des Verwalters der Svende des Leipziger Verbandes für Arztwitwen und notleidende Aerzte folate ein längerer Vortrag von Sanitätsrat Tr. M u g - daii Berlin über „Tie Stellung des Arztes in ber Angeßellten- versichcrung". Auch bas Versicheriingsgesetz für Angestellte bebarf in seiner Durchführung einer ausgebehnten ärztlichen Tätigkeit. Leider bestehe auch hier die Absicht, die praktizierenden Aerzte von der Tätigkeit auszuschließen; eine im Sommer erfolgte Bekanntmachung, des Direktoriums der Reichsversichenmgsanßalt cmpsiehlt, für die ärztlichen Geschäfte, die bei der Durchführung des Versicherung'igesetzes für Angestellte notwendig werden, nur bie beamteten Aerzte hcranzuziehen. Natürlick) wird man in manchen Fallen nicht von einem ärztlichen Gutaehten abiehen dürfen. Aerztliche Gutachten über Berufsunfäbigkeit können infolge von Uebergangsbeßimmungcn schon im nächsten Jahre, dem ersten Jahre des Inkrafttretens des Gesetzes notwendig sein.
An den Vortrag knüpstc sich eine lebhafte Besprechung. Es folgte dann die Hauptversammlung der Darlehens- unb Sterbekasse des Leipziger Aerztevcrbandes, e. V. Tiefe Kasse besteht seit Februar 1910. Sie umfaßt heute 1392 Mitglieder. An Tarlehen verausgabte sie seither die Summe von 664 765 Mk. Sie dient dem doppelten Zweck, ihren Mitgliedern gegen ausreichende Sicherheit zu kollegialen Bedingungen Tarlehen zu giwähren, sowjc ihnen ein Sterbegeld zu sichern, dessen Höhe je nach den Beiträgen schwankt, zwischen dem Miirdestbetrag von 200 Mark und dem Höchstbctrag von 2000 Mark.
J AttsIcrnS.
Die Deutsche Gesellschaft in Stockholm l-qina am 23. d Mts. ihr 50jähriges Jubiläum durch eine . ronartige Feier. Zu dem Bankett, an dem 200 Per,onen teil- nhmen, hatten die dcmschen Vereine m eMhani“ unb ödftnj- »rs Abordnungen entfandr Beim Bankett hielt der Geiandte ü ei m d) c n (i u die Festrede. Er dankte der EeicU,chatt ,ur eie ^deutende Arbeit, die sic dem Deupchtuni in ^chwichen g.leistet | lat und überreichte als Svende dein gcgcnwarngen Vorsitzenden, »Lusmaiin Burckard, drei Oelbilder der,drei noch lebenden - tzrÄnder der Deuycheil Gefeil iB.iil Blaiul, .ui.
Ccftcrrcid).
Was den HandelsverkehrRußlandsausdem
Balkan angeht, so ergeben sid) dafür folgende Zahlen: (Sinhihv nach Rußland: Einfuhr Rußlands:
27 852 5.'0 Pik. 1102 700 ,
2 20« 000 „
104 i ;; 400 , 31 498 400 , in -, 441 noo , 28 4 löl 900 "0.
Total: 15 8.>i 20u Mk 120 178 4'0 ' k.
Während Montenegro für den russifchcn Handel überhaupt nicht in Betracht kommt, sind Griechenland, Rumänien und besonders die Türkei mit erheblichen Summen beteiligt, Bulgarien unb Serbien (speziell für die Einfuhr nach Rußland) nur mit bescheidenen Beträgen. Im ganzen erreicht der rufsisch-balkaiii»d)e Verkehr mit der Gesamtsumme von 136 029 600 Mk. nicht einmal ein Viertel des jnnsprechenden österreichisd;en Handels. Es )d)cint sonach, als ob die Interessen Rußlands aus dem Balkan bei weitem nicht die Wichtigkeit der österreichischen Beziehungen hätten; indes ist zu bedcukcn, daß die Baltattvöllcr burd) R assen- änd Religionsgcmcin s d) a f t eng mit dem russischen Reiche verbunden smd. Wer sich der Lehre der Geschichte erinnert, nach der solche „Imponderabilien" schwer ins Gewicht fallen, wird zu geben müssen, daß bei der dem- nächstigen Revision der Ballautarte auch Rußland cm entscheidendes Wort mitzureden hat.


