Nr. 151
Drittes Blatt <62. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. J D
Die „Siehener Zamtllenblätter" werden dem 11^ 9 fiZ ß
.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das ■ M K R V ■ B W _. M aÄ B I M l|B BL H
„Kreisblatt fHr den Kreis Sietzen" zwe.mal W W V W V
wöchentlich. Die Landwirtschaft! scheu Seit- — r xZ
wimM. General-Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 29. Juni 1912
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnroerfitätS • Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftrage 7. Expedition und Bertaq: 5L
Redaktion:Del.-AdAnzeigerGietz«»
Au» Statt unt Land.
Dießen, 29. Juni 1912.
Rechtsschutz für Frauen.
Seit einer Reihe von Jahren sind in Deutschland Be- strebungen im Gang, unser deutsches Recht, die wichtigsten Bestimmungen des bürgerlid>cn Gesetzbuches, der Oeftent lichkeit etwas mehr bekannt zu machen. Es ist leider Tatsache, daß viele sich lieber ein Unrecht gefallen lassen, als sich ihr Recht zu wahren bei der zuständigen Behörde, den staatlichen Gerichten. Scheut doch auch gar mancher die erheblichen Kosten, die jede Austragung vor Gericht mit sich bringt, besonders wenn der Ausgang zweifelhaft erscheint. Es sind darum an vielen Orten unentgelt- liche, von jeder Partei unabhängige Ausknnfts stellen entstanden, die Unbemittelten Rechtsrat erteilen, ohne ihnen Kosten zu machen, eine Einrichtung, die von allen einsichtigen Juristen mit Freuden begrüßt wird. Auch unsere Frauen wollten hierbei nicht zurückstehen und haben allenthalben FrauenrechtssclMtzstellen gegründet, deren Haupt- sächlichste Ausgabe es ist, zwischen den Behörden uno dem Publikum zu vermitteln, unnötige Klagen und Prozesse zu verhüten und Auskunft zu geben über die Wohlfahrts- einrichtunaen, die unser moderner Staat für feine Bürger geschaffen hat. Die Frauenrechtsschutzstelle erteilt Rat an unbemittelte Frauen und Mädchen, nur gegen Erstattung der etwa entstehenden Portokosten, in allen im bürgerlichen Leben vorkommenden Streitigkeiten. Es werden daselbst z. B. Alimentenansprüche erledigt, in Miet- und Dienststreitigckeiten wird vermittelt und oft Einigmig herbeigefiihrt, bei Erbschafts- und Testamentsangelegen- l)eiten, Ehe- und Familienzwisten geraten und, wenn nötig, die Verbindung mit dem Gericht hergestellt. Auf diese Weise wird gar manche überflüssige Mage, gar mancher langwierige Prozeß vermieden. Deshalb ist allen, die in Rechtssachen unbewandert sind, zu raten, in Zweifels fällen die Rechtsschutz stelle zu fragen,
•
** Die neue tierärztliche Prüfungsord- nung, die in den beteiligten Kreisen schon lange erwartet wurde, ist nunmehr zwischen den Bundesregierungen in ihren Grundzügen fertiggestellt. Eine Vorlage dürfte dem Bundesrat im nächsten Herbst zugehen, so daß die neuen Bestimmungen dann vom Sommer Halbjahr des nächsten Jahres ab in Geltung treten können. Daß die Neuordnung des Prüfungswesens für Tierärzte so viel Zeit in Anspruch genommen hat, tag vor allem an einer Forderung, die von feiten der Tierärzte erhoben wurde, über die aber eine Verständigung sehr schwer zu erzielen war. Es handelt sich um Die Anrechnung des Ijalben Dienstjahres mit der Waffe auf das Universitätsstudium, die früher ausschließlich den Medizinern zugestanden war. Infolge der Gleichstellung der Veterinäre der Armee mit den Sanitätsoffizieren erstrebten die Tierärzte dieses Privilegium auch für sich Die Heeresverwaltung war bereit, diesem Wunsche Rechnung zu tragen unter der Voraussetzung, daß die Tierärzte ihr halbes Dienstjahr mit der Waffe bei einem berittenen Truppenteil erledigten. Dieser berechtigten Forderung standen jedoch die Interessen dec tierärztlichen Abteilung der Universität Gießen entgegen, weil in Gießen kein berittener Truppenteil in Garnison steht. Dem Gmtgegentonrmcn der Heeresverwaltung ist es zu danken, daß trotz dieser tviberftrebenben Interessen eine Verständigung erzielt worden ist. Sie geht dahin, daß grundsätzlich die Tierärzte ihr halbes Dienst- jalsr mit der Waffe bei einem berittenen Truppenteil ablegen müssen mit alleiniger Ausnahme für Gießen, wo es g e ft a 11 e t ist, bei der Infanterie zu dienen.
'• Kunstvereln. Die Original-Radierungen von 'J)iaf Klinger und die Sy mplicissimuL-Zeichnungen bleiben nur noch morgen, Sonntag, ausgestellt. Von Montag an ist die Ausstellung wegen vollständigen Wechsels der Gemälde vier Tage geschloffen.
*♦ Vom Männerturnverein wird uns geschrieben: Die Vorbereitungen der Turnerinnen und Turner zu dem Jubiläumsgauturnfest sind so weit abgeschlossen.
An allen Turnabenden und in allen Abteilungen wurde eine rege Tätigkeit entfaltet derart, daß oft die Räume der Turnhalle des Realgymnasiums nicht ausreichten. Es mußte deshalb mit Erlaubnis des Geh Schulrats Tt Hensel! auch an drei Abenden in der Woche die Turnhalle des Gymnasiums mit benutzt werden In den einzelnen Riegen wurde fleißig geübt, teils für das Musterriegen- turnen, teils für das Schau- und (Sonder-Turnen, das an den einzelnen Abenden in der Feschalle gezeigt werden soll. An den einzelnen Festtagen werden beftinrmt turnen eine Vereinsmusterriege am Reck, eine Zöglingsmusterriege am Pferd, eine Riege von aktiven Turnern mit Stützhandeln, einem neuen, im Gau Hessen noch wenig gezeigten Gerät, mehrere Riegen der Frauen-Abteiluna mit* Keulenschwingen, Freiübungen ohne Belastungen uno Zwischenüb- ungen, Stützhant etübungen und am Barren, die Militärturnabteilung wird Marmorgruppen stellen und die SckMlerab- teilung eine Turnstunde im Verein Dorfülyren. Durch die Tätigkeit der älteren Mitglieder in den einzelnen Arbeitsausschüssen bei der Vorder ei tuna des Festes ist leider die Vorführung der Männer- und der Fechterriege in Frage gestellt worden.
Kreis Büdingen.
= Nidda, 27. Juni. Hier ist die Feldbereini- guno rasch in Fluß getvmmen. Gestern abend hielt Rechtsanwalt Sandmann aus Hungen im Gambrinus einen 2hrstündigen Vortrag über diese sehr wichtige Neuerung. Eine große Schar Interessenten hatte den geräumigen Saal dicht besetzt Da der Redner als früherer Feldbereini- aungskommissär bei 58 Bereinigungen mitgewirkt hat, konnte er über die Aufbringung der Kosten, die Vorteile und Durchführung des Unternehmens, oie erforderlichen Wahlen und die Wahrung der Interessen der Beteiligten ungemein nützliche Schilderungen bringen. Reicl>er Beifall lohnte den Redner. Bei der Aussprache gab Herr Sandmann noch über Wunschzettel, Zuteilung der Grundstücke sowie Bereinigung der Gärten und des bebaubaren Geländes Auskunft. Heute sand nun die erste Versammlung wegen der Feldbereinigung statt. Die sehr zahlreich erschienenen Grundstücksbesitzer beschlossen, daß die Kosten durch Verkauf von Massengelände bestritten werden sollen. Zum Schiedsrichter wurde Bürgermeister Melior in Von- hausen und zu dessen Stellvertreter Bürgermeister Wolf in Berstadt gewählt, während als Sachverständige die Landwirte Hch. .treffe! und Wilh Uhl II. und als Deren Stellvertreter Heinrich Erk und Georg Ludwig Schüler, sämtlich von hier, die meisten Stimmen erhielten. Die Ausführung des wohl drei Jahre beanspruchenden Verfahrens wird Feldbereinigungsgeometer Ruth in Büdingen übernehmen.
Kreis Friedberg.
= Bad-Nauheim, 28. Juni. Bis zum 27. Juni sind 17241 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 7489 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 27. Juni 198 450 abgegeben.
Starkenburg und Rheiuheffen.
(!) Mainz, 28. Juni. Heute nachmittag traf der Ravensburger Liederkranz hier ein und wurde am Bahnhof vom Mainzer Li^>erkranz empfangen. Von letzterem wird morgen auch der Besuch des Vereins Hohen- baben aus Baden-Baden erwartet. Der Verein ist auf einer Rheinreise begriffen.
Hessen-Nassau.
W Wiesbaden, 27. Juni. Beim Baden im Weiher hinter der Rennbahn bei Erbenheim ist heute nachmittag der 16 Jahre alte Jockeylchtting Balz aus Niederrad, der bei dem Stall Holland beschäftigt war, ertrunken. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg.
Gerieht^saal.
' Berlin- 28. Juni. In dem Betrugsprozeß gegen den Tuchagenten Kaim, in dem es sich um ein Objekt von über zwei Millionen Mark handelt, wurde heute nachmittag von der vierten Strafkammer des Berliner Landgerichts das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde wegen Betruges, Unterschlagung, Untreue und Äoukursvergehen zu 4Vr Jahren Gefängnis und 2500 Mk. Geldstrafe verurteilt. Kaim wurde wegen Fluchtverdachts verhaftet.
Sport.
Mainz, 28. Juni. Dem Mainzer Ruderverein wurde durch den Ausschuß des Deutsck)en RuderverbandeS die Mitteilung gemacht, daß er zur Teilnahme an den olympischen Spielen in Stockholm mit seinem ersten Vierer unb seinem Skuller Hoffmann bestimmt sei.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen. Die Bewohner des hinter brr Universität gelegenen Stadtteils wurden in der Nacht von Freitag aus-Sam lag aufs empfindlichste belästigt durch lau teile Solo und Chorgesänge, die bis nach 2 Uhr nachts unaufhörlich einander folgten. Der Schreiber dieses muhte säwn früher eine ii l 1 u q r o r c Duldsamkeit unserer Poljzei gegenüber den Störungen der Nachtruhe durch „junge Herren" konstatieren. Daß die Polizei aber eine derartig skandalöse Belästigung des Publikums zulasse, das halte er doch nicht für möglich gehalten, lieber solcfa Vorkommnisse sollte doch muh im Stad trat einmal ein geeignetes Wort gesagt werden.
i Ein Universitäts-Professor.
Vöchentl. Uedersjcht öer (Todesfälle i. ö. Stadt Stehen.
25. Woche. Dom 16. bis 22. Juni 1913.
Einwohnerzahl: angenommen »u 31 700 linkt. 1600 Mann Militär).
SterblichkeitSztsier: 16,40 •/*#
nach Abzug von 3 Ortsfremden 11,48
Kinder
E» starben an: Znsamnienr Erwachsene: im vom 1. üebenSjahr: 2.—15. Jahr *
Tuberkulose
2
1
—
1
Brechdurchiall
1
—
1
—
Aderoerkalkung
1
1
—
—
Epilepsie
Kl)
1 (1)
—
—
Gedirnhautentzüudung l (1)
1(1)
—
—
Nierenentzündung
2
1
1
——
strebe
1(D
1(1)
——
—
Eiterige Brusllell-
Entzündung
1
—
—-
1
Summa:
: 10(8)
6 (3)
2
2
Anm.: Die in Mlammem ।
gesetzten Ziffern geben an
, wie viel
der Todesfälle in
der betreffen
den Krankheit auf von
auswärts
nach Gießen gebrachte Kranke
kommen.
Märkte.
Gießen» 29. Juni. Marktb ericht. Ank heutigem Wochen- markte kostete Dritter daSPstind 1,10—1.20Mk* Hühnereier 1 <j .ict 7—8 Psg.. 2 Stück 00 Pfg., Enteneier 1 Stück 10—0 Psg., 0 anserier 1 St. 20 Ps.» Käse daS Stück 6—8 Psa., Kasematte 2 Stück 5—6 Uq.' Taliben pr Pr. 0,80—1,00 Alk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Bahnen vr. Stück 0,80—1,80 WIL, Guten pr. St. 1,80-2,20 Mk., Gänse das Psd. 00—00 Psq^ Ochsenfleisch pr. Psd. 90— 98 : Rindfleisch vr. Pfund 90—94 Psg., Knhsteisch 80 Psg^ Lchweiiie- steisch pr. Pfund 80—96 Psa^ Kaldslelfch pr. Psd. 88—92"'btg., Hammelfleisch pr. Md. 70—90,Psg., Kartoffeln pr. luO Kg. 10.00 bis 10.50 Mk^ Weißkraut das Stück 00 bis 00 Pfg^ Zwiebeln per Ztr. 10,00—12,00 Lik, Milch das Liter 22 Pfg. Nüsse 100 Stück 50—00 Psg., per Ztr. 0—00 Mk* Kirschen daS Pfund 25—80 Pfg. Marktzeit von 7—1 Uhr.
Ein sehr wichtiges Kapitel für sparsam wittschaslende Hausfrauen ist die Abendkost. Wieviel wertvoller und billiger wäre es, regelmäßig des abends eine der 40 Knorr-Suppen zu fachen, um eine kräftige, bekönrmliäre und wohlschmeckende Abendmahlzeit zu geben. Die auch gut sättigt, so daß dann nur noch viel geringere Aufwendung für andere Nahrungsmittel erforderlich ist. Schon die gebotene große Abwechslung läßt den Abend- ttsch einer .Familie, die Knorr-Suppen kocht, viel reicher erscheinen, sie ermöglichen mit geringen Mitteln eine bessere Ernährung. Dies stehl man am besten im Schwabenlande. Die „Suppenschwaben", nne man sie oft scherzend nennt, sind nicht tum wenigsten wegen dieser Kost so gut genohrt. Auch die Vorteile für alleinstehetlde Personen, die sich eine wärmende Suppe auf Gas- oder Spiritusherd ohne Umstände imr Knorr-Suppenwürfeln billig bereiten können, sind aus dem Vorgesagten einleuchtend.
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Frarren-Feuilletori.
Neues aus dem Berufsleben der Frau.
Dor wenigen Tagen ist aus England ein Dampfer nach Sydney abgefahren, dessen 1200 Auswanderer, einem weiblichen SchfffS- artie anvertrcutt sind Es ilt dies Fräulem Dr. Elizabech Mac» donald, die zuerst Assistentin eines Arztes und dann eine Zettlomg in Schottland an größeren Krankenhäusern, tätta war. — Im Staate Illinois hat vor einiger Zeit zum ersten Male nne Frau das Amt bc-t „Obmannes" eines Gesckm>orenengerichleS ausgenbt. Es handelt sich um eine Aerztin aus Chicago, bte megm ihrer ärjUidjen Tätigkeit im Dienste der Behörde auch sonst m^Jlünois nicht unbekannt ist, nämlich Dr. Clara P Serppel. — ^n Pari^ hat sich unter dem Vorsitze von ^raulein ^atappy, die eine Professur am Victor-Hugo.^'yzeilm bell erdet, eine Gemelli chast gegründet, die für Frauen Landwirtschafts- und Gartnenschulen gründen will, um den Frauen Frankreicl?s au] drtiem Gebrete die ~^ege zu ebnen. Die Gesellsä-aft beabsichtlgt auch, an das Ackerbauministerium mit der Bitte heranzutreten, dre^staatlichon Anstalten, die auf diese Berufe vorbereiten, auch den iyrnucn zu ostnen — Das Polizeigericht in Broollyn hat seiner Abterlung rnr Ehestreitigkeiten eine Frau zugeordnet, dre mrt dem männlichen Chc- richter zusammen alle Streitfragen entstheiden soll und ausdrücklich angewiesen ist, alle Fragen vom rein werblrchen Ltand- ounkte aus ‘ ui betrachten. — In den Vereinigten Staaten ,ind seit einiger Zeit ausfallend viele Frauen in den, Beruf de- «Jau- meisters cingerrungen, und einige haben tick logar bei großen Arbeiten ausgezeichnet. Die „Building Trabes Asiociation Hal ein wcibliclres Mitglied, die Architektin Frau Durkin, die bereits mehrerer großer Aufträge erfolgreich entledigt hat. Sie ist gegenwärtig Inhaberin einer großen tfirma und hat Z>mcr Tage von der Stadt New Pork den Auftrag bekommen, em Schulgebäude zu errichten, für das 800 000 Mark als Baukosten ausgesetzt sind.
— Bolognas gelehrte Frauen. Die alte itiüienische slniversilätsstadt Bologna, die die älteste Universität Europas besitzt, darf auch den Ruhm für sich in Anspruch nehmen^ eine »rau zum erstenmal mit dem Doktortitel beehtt zu haben. Tiefer • trftc weibliche Doktor hieß Betisia Gozzadini und wrn r-UJ i geboren. Betisia war Rechtsgelehrte — die Rechtsgelehrfamkeu
stand in Bologna in so hohem Ansehen, daß z. B. Kaiser Barbarossa seine Ansprüche auf Italien vom Rechtssvruch der berühmtesten vier Rechtsgelehtten von Bologna abhängig machte — und hinterließ bei ihrem Tode einige Schriften über ihre Wissenschaft. Auch sonst gab es bis in die neue Zeit hinein in Bologna gelehrte Frauen. Ta lebten, wie Dr. Frida Jschak in einer Abhandlung „Gelehrte Frauen" in Nr. 32 der illustrierten Familienzcitschtift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags - Anstalt) berichtet, im vierzehnten Jahrhundert die Schwestern Novella und Bettina d'Andrea Ealderini, die so ge- lehtt waren, daß die eine von ihnen an Stelle ihres Vaters Vorlesungen hielt. Von ihr wird erzählt, sie sei so schön gewesen, daß sie ihre Vorlesungen hinter einem dichten Schleier hielt, damit die Stubniten nickst durch den Anblick ihrer Schönheit von der Wissenschaft abgelenkt würden. Eine andere berühmte Pandekten-Ere^etin war Accursia, die Tochter des Professors Accursms, die cbcnlalls als Stellvertreterin ihres Vaters öffentliche Vorlesungen gehalten hat. Besonders reich an gelehrten Frauen war Bologna im achtzehnten Jahrhundert. Die Reihe beginnt mit Laura Bassi Vcratli, die so gründliche Kenntttisse in der Jurisprudenz und Philosophie erlangte, daß die philosophische Fakultät der Bologneser Universität sie zum Dwttor promovierte. Ihre öffentliche Promotion im Mai 1735, die mit viel Pomp stattfand, wurde zum wahren Fest für Bolognas Frauen. Laura Bassi genoß außerdem auch den Ruhm seltener weiblicher Anmut und Herzensgüte; sie war zudem verheiratet und hatte 12 Kinder, die sie beitens erzog. Als sie statt;, wurde sie von allen Frauen Italiens betrauert und in ber Kirche Del Corpus Domini beigesetzt, ihr daselbst auch ein Denkmal errichtet. Laura Bassi fand in ihrer Heimat mehrere Nachfolgerinnen. Fast um dieselbe Zeit bekleidete in Bologna eine Frau (Anna Moranda Manzolini) eine Professur für Anatomie, eine andere (Maria falle Tonne, hatte einen Lehn tu hl für Geburtshilfe imu. Uebrigens begegneten in der Gelehrtenwelt Europas die gelehrten Frauen Bolognas sehr geteilten Sympathien und besonders in Deutschland bejeüfptete man z. B. die Promotion Laura Bassis als zu weitgehend.
ff Was das „Mädchen für alles" in Berlin verdient Die „Soziale Pratis" hat jüngst hierüber eine interessante Statistik veröffentlicht, der die Angaben zweier Vermftt- lungsstellen des -Lentralvereins für Arbeitsnachweis" zugrunde
liegen, von denen die eine im Zentrum der Stadt, die andere im Westen liegt. Als Lohnsatz kommt bei den Mädchen für alles am läufigsten ein Monatslohn von 20 Mk. vor (206 im Zentrum und 077 im Westen). Viele Mädchen bleiben auf 15 9)(f. (118 im Zentrum, 361 im Westen): hierbei überwiegen allerdings die jüngsten Altersstufen, während sonst aus dem vorhandenen statistischen Material nicht zu ersehen ist, ob und wie der Lohnsatz mit dem Alter steigt. Köchinnen, die der Zenttaloerein fast nur im Westen nachweist, erhalten meistens mehr als 30 Mk. Hierbei ist zu berüch'ichtigen, daß unter Lohnsatz natürlich nur die Barzahlung verstanden ist, wozu Kost und Wohnung kommen, die von den Betticherungsbehörden neuerdings mit 500 bis 600 Mk. an- gesetzt werden.
kf. Wie man mit 27 Dienstboten fertig wird. Die Dienstbotenftage ist nachgerade überall akut geworden, und. so wird denn wohl die Frage interessieren, wie Frau John fo. Flagler, He Gattin eines amenkarnschen Eisenbahn- und Oel- königs, cs anstellt, um 27 Dienstboten in Schach zu halten. Einem Interviewer hat sie zu Nutz und Frommen aller ihrer Leidensgefährtinnen ihr Geheimnis enthüllt. Sie hat das Dienstboten- Problem in der Weise gelöst, daß sie 1. niemals einem Dienstmädchen irgend ein Vergnügen, auf fas es sich seit langer Zett gefreut hch, _ verdirbt, indem sie ihm den Ausgang verweigert, 2. den Dienstboten zwei Tage Dorber die Mitteilung macht, wann sic eine Gesellschaft abhält. Damit sie sich danach einrichten können und für den Tag keine Abmachungen treffen, 3. den Dienstboten deii Sonntagnachmittag zur freien Verfügung stellt, 4. ihnen freien Zutritt zur Bibliothek läßt, die denn auch eifrig von ihnen benutzt wird, 5. einem jeden wenigstens eine Stunde täglich Gelegenheit gibt, frische Luft zu schöpfen. Frau Flagler gibt sich mit dem „wöchentlichen freien Halbtage", den man in New York iür Dienstbotchi gesetzlich ju machen beginnt, nickt jufrieöen. „Was!^, so sagte sie, „ein freier Nachmittag! Was ist berat das! Das ist noch lange nicht genug!" Anzun ' nen ist wohl, daß die Millionärin ihre Regeln nur für Millio: -. aushalte aufgestellt bat; denn wie sollten sonst die wenig ober gar nicht begüterten Sterblichkeiten mit ihrem einzigen Dienstboten auskommen, wenn das Fräulein jefan Nachmittag seinen Erholuugsspozier- gang mache» ruib.


