Ausgabe 
29.6.1912 Zweites Blatt
 
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slrahe 7. Expedinon und Verlag: 51.

Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerBleßen.

Samstag, 29. Zuni 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universität- - Buch- und Eieindruckerei.

R. Lange, Dießen.

Nr. 151 Zweites Blatt 162. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. d

D« ..«ietzener Ka«iIienblStter" werden dem I /|

.Ämeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das jlV 1 V X/H KI ÖL B

Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal V 11 > J V W tT

Wöchentlich. DieLandwirtschastlichen Zeit» r e

erf^nen nwnamd) iroelm«L 6CHCFUhTIlljCIQCT fjjk OHCkhCjsCN

Starte Zunahme der Ehescheidungen.

entfielen Ehescheidungen

de. Verschiedene Staaten schlossen sich ihm unter Bei Goethestraße, Stcphanstraße zum Jahngedenkstein. Der Ab- Reed nannte Champ Clark, den er als den Löwen der ! marsch vom Denkmal erfolgt über die Ludwigstraße und die

Kaiser-Allee zum Festplatz. Es sei darauf aufmerksam ge

östingStage zu haben sind.

erst ab und r 17 unb für Damen nur 11 Pfg. beträgt.

usf ührung elektrischer Licht- u. Kraftanlagen

________________________ in Jedem Umfange im Anschluß an die Eeberlandzentrale.---

1900/4 15,8

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8,6 25

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im Deutschen Reich in Preußen , Bayern Sachsen . Württemberg Baden Hessen Mecklenburg , Sachsen-Weimar , Berlin , Hamburg

Schaden an seiner Seele? Es ist gut, wenn immer wieder solchc Propheten der S ecte. der Persönlichkeit, kommen. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen.

Jubiläums-Ganturnfest Dießen 1912. Dir

Aufstellung des Festzuges zur Vorfei« erfolgt um l1/* Uhr auf OSmaldSgarten. Ter Fe'stzug geht durch die Neustadt, Bahnhofsstraße, KaplanSgaffe, Neuenweg, JohanniSstraße,

besuchen wollen, sind Dauerksrten am

Auf je 100 000 Einwohner im Jahresdurchschnitt:

erhoben einen ohrenbetäubenden Lärm, der länger an dauerte als die Kundgebung für Clark.

Rach der Sitzung, die bte ganze Nacht angedauert hatte, begann der demokratlsche Konvent um 7 Uhr morgens mit der Abstimmung über die Dahl des Präsidentschaftskandidaten. Die erste Abstimmung blieb ergebnislos. Clark erhielt 441, Wilson 324, Underwood 117 und Hormon 148 Stimmen. DerÄonvent vertagte sich bi-Z heute nachmittag.

Aus Simferpol, im Süden der Krim, wird gemeldet- tfür Leute, die das Fest öfters Ein dreitägiger Platzregen überschwemmte einen Teil des K a - vorteilhaftesten, Fa 3r .rj650 Hänser und sämtlicheJBrücken n bei ihrer Ausnutzung der einmalige Eintritt für Herren \owacAos'^ um9C,omniclL 61116 sr^ße Anzahl

Kritik nicht standhalten. Aber darin hat er, ohne es zu ahnen oder gar zu wollen, der französischen Revolution das Losikngs wort gegeben. Der Staat ein G e s e l l s ch a f t s v e r t r a g , in dem Regierende und Volk gleiche Rechte haben! Tas war ein für jene Zeit unerhörter Gedankt dessen Tragweite Rousseau selbst nicht zum Bewußtsein kam. Doch sind die Menschen auch so gut, so selbstlos, sich der Gemeinschaft unterzuordnen? Ohne das ist sie nicht möglich. Emil, das Erziehungsprogramnt, gibt die Antwort darauf. Der Mensch ist von Natur gut, v>n Hause aus hat er einen solchen gemeinschaftlichen Willen Bei der Erziehung soll daher nur das Schlechte von dem Kinde fern gehalten werden, die gute Anlage kann sich dann frei entwickeln galten nun viele der Gedanken Rousseaus einer genaueren Kritik nicht stand, so bleibt doch der große Grundzug wahr, daß I trot« aller Kultur das Gefühl, der Zusammenhang mit der Natur, , feinen ewigen Wert behalt. Kultur, Staatseinrichtungen sind nickt Zweck, sondern sie sind Mittel zum Zweck, denn: Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewänne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Es ist gut, wenn immer wieder solche

folgen.

Baltimore^ 28. Juni. Nach Annahme des Antrags Bryan über die Aufhebung der Bestimmung der Zweidrittel - Majorität wurden im Nationalkonvent die Nominationen beantragt. Bankhcad-Alabama nannte das Kongreßmitglied Underwood, der den Kampf um die Verringerung der.Lebens­unterhaltungskosten und den Erlaß neuer gerechter Zolltarife fort- setzen werde. Verschiedene Staaten schlossen sich ihm unter Bei

fall an. «,» , r

Demokratie bezeichnete. Ein außerorbentlidjcr Beifall erfolgte hierauf Die Flaaacn der verschiedenen Staaten wurden in großer ,. K m . ,~

Anzahl entrollt, Banner mit dem Bilde Clarks tauchten -auf. Eins macht, daß für bte Vorfeier am kommenden eonntag und Umzug wurde veranstaltet, an dem auch Frauen 'für die beiden Hauptfesttage zur Entlastung der Kasten auf teil nahmen. Clarks Tochter wickelte sich in ein öt.in Festplatz eine Dort ässe an der Kaiser-Allee Flaggentuch, stieg auf ei nen Stuhlauf der Platt­form und leitete die Beifallsbezeugungen. Der > Lärm dauerte über eine Stunde. Als schließlich wieder Ruhe 1 eingetreten war, nominierte Regers, Dekan der Dale-Unioerst!..., den Gouverneur Baldwin von Connecticut. Die Anhänger Baldwins veranstalteten eine kurze lärmende Demonstration; bann nominierte der Richter Wesirett'New-Jersey Wilson. Di' An- hänger des letzteren warteten seine Ansprache nicht t.,_

Aus Mexiko wird gemeldet: Durch einen Wolkenbruch ucui uvi.pu9 ..... ................ Wurden in der Stadt « u a n a j u a to gr o ß e Verheerun-

igcgeni!ber dem Lärchenwäldchen errichtet worden ist, an derHuberte von Menschen sollen umgekom- mbet nur Karten 3um einmaligen Eintritt am ~

Oekmischtes»

* Eine abenteuerliche Geschichte wird aus Ofen- v e st gemeldet: DaS hiesige SensationsblattAzes?" teilt folgenden Vorfall mit, für besten Richtigkeit das Blatt die Verantwortung tragen muß: Der vor kurzem zum Korpskommandanten von K a s ch a u ernannte Feldmarschall-Leutnant v. B 0 r e i w 11 s ch besichtigte gestern die Garnison von M u n k a c z. Nach dem Zapfenstreich reichte er sämtlichen Offizieren die Hand. Als er zum Oberstleutnant Hirthl kam, gab er ihm nicht die Hand und sagte:Den Herrn Oberstleutnant enthebe ich von dem Besuch des zu meinen Ehren veranstalteten Festmahls." Oberstleutnant Hirthl wurde leichenblaß und ging nach Hause. Ws einige Stunden später die Offiziere beim Bankett saßen, meldete ein Kellner beim Korpskommandanten, daß ihn eine Dame zu sprechen wünsche. Boreiwitsch ging in das Vorzimmer, ivo eine junge Dame wartete, die ihm nach wenigen Worten eine Ohrfeige versetzte. Es war dies die Tochter des Oberstleutnants Hirthl. Sie »vor, als sie von der ihrem Vater zugefügten Schmach hörte, direkt in das Gasthaus geeilt und forderte den Korpskommandeur zur Rechenschaft. Die Ursache des peinlichen Zwischenfalls soll darin gelegen haben, daß es Boreiwitsch dem Oberstleutnant Hirthl übel nahm, daß er eine nicht zur .Gesellschaft gehörende Dame geheiratet hatte. Die zweite Frau des Oberstleutnants war angeblich bei ihm früher Wirtschafterin.

* Das Pumpgenie. Beerdigung eines höheren Vor­gesetzten, das Offizierkorps der Garnison ist zahlreich Der treten. Der Geistliche hat soeben seine sehr zu Herzen gehende Rede gehalten, man drückt sich gerührt die Hände, um nach Hause zu gehen. Leutnant Pumpmeier zu einem Kameraden:Kom­men Sic mit? Ich habe einen Wagen da."Nee, warten Sc 'n Lgenblick, ich muß erst 'n Hauptmann anpumpen, dir weiche Stimmung muß man ausnützen!"

Kleine Tageschronik. **

Die Schulden des vor kurzem in Berlin verstorbenen rüHeren Generalkonsuls der Republik Costarica, Müller, betragen, rote in dem heutigen Konkursprüfungstermin angegeben wurde, 1500 000 Mark. Es handelt sich um vorrechtlose For­derungen, denen durch den Zustande gekommenen Vergleich etwa 2 Proz. gegenüber stehen.

Unterschlagungen in Höhe von 18000 Mark wurden durch eine Revision nach dem Tode des Rentmeisters der Ge- inciirdekasse der Bürgermeisterei Freudenburg-Orscholz entdeckt. Die Unterschlagungen gehen bis auf 10 Jahre zurück. 12 000 Mark der veruntreuten Summe sind berettd gedeckt, der Rest wird in einigen Tagen gedeckt werden können.

Infolge einer Explosion in der Chemischen Fabrik StroemS in Strshemschzyzy ist ein Brandschaden von 100 000 Rubel entstanden. Drei Arbeiter sind umgekommen, ein vierter liegt hoff- inungslos darnieder.

Die Präsidentenwahl in Amerika.

Baltimore, 28. Juni. Der AntragBryans,die Bestimmung über die für die Nominierung des Präsidemt- schaftskandidaten erforderliche Zweidrittelmehrheit abzn- schaffen, wurde mit 889 gegen 196 Stimmen angenommen. Nachdem die Stimmenzahlen verkündet waren, erklärte Bryan, die Annahme merze alle reaktionären Kräfte aus. Jetzt könne an die Wahl eines Fortschrittlers herange­treten werden und es sei auf dessen Sieg zu rechnen.

Bryan brachte auf dem Nationalkonvent weiter eine Entschließung ein, daß der Konvent den Anschluß von Delegierten verlange, die die Klasseninteressen I. P. Morgans, Thomas, F. Ryans, A. Belmonts oder anderer Privtlegienjäger vertreten. Die Entschließung erntete großen Beifall, aber ihre sofortige Erledigung wurde ab- gelehnt. Bryan ergriff sodann das Wort unb sagte, es sei ein unverschämter und frecher Versuch ge­macht worden, die demokratische Partei in die Knechtschaft zu verkaufen. Morgan, Belmont und 911)an seien Des­poten, die bei der Kontrolle der Geldinteressen kein Mit­leid kennten. Sowohl Ryan wie Belmont sind ordnungs­gemäß anerkannte Delegierte.

Bei der heutigen Abstimmung des demokratischen Natio­nalkonvents haben die Konservativen, die tatsächlich die Mehrheit besitzen, für Wilson gestimmt, der es an Popu­larität am ehesten mit Roosevelt aufnebmen könnte Gouverneur Wilson gehört zu den progressiven Demo- kraten, und seine Wahl ist stillschweigend von Bryan ge­billigt. Der allaemeine Eindruck ist der, daß das konser vative Element Bryan dieses Zugeständnis gemacht habe, um eine Spaltung der Partei zu verhüten. Es ist indessen noch nicht ganz Var, ob die Konservativen bereits die defi­nitive Nominierung Wilsons ins Auge fassen oder ob sie bei ihrer heutigen Abstimmung nur taktische Zwecke ver-

Lärm in der bayriichen Kamme-.

München, 28. Juni In der heutigen Kammer s i tz u n g kam es gegen Schluß bei der Rede des Ministers Freiherrn v. Soden wieder zu stürmischen Auf­tritten. Der Minister rechtfertigt die Haltung der Re- gierung in Bezug auf die N i ch t b e st at i g u n g sozi al- bemokratischer Bürgermeister Er führte dabei aus, daß es im Interesse des monarchischen Staatswesens liege, sozialdemokratische Bürgermeister nicht zu bestätigen Das sei die Politik der Selbsterhaltung eines monarchischen Staates. Wenn Sie izu den Sozialdemokraten) selbst am Staatsruber wären, würden Sie auch keine monarchisch gesinnten Beamten anstcllen.

9lbg. Freiherr v. Haller rief: Gewiß, wenn Sie fähig wären, würden Sie auch ein sozialdemokratisches Amt bekommen! Darauf entstand ein großer Lärm.

Vizepräsident Frank konnte sich erst nach heftigem Läuten verständlich mad)cn. Er erteilte dem Abg. Frhr. v. Haller einen Ordnungsruf. Zwischenrufe sielen hin und her. Ankenbrand (Ztr.) rief: Ist das noch ein Parlament? Hierauf rief ihm Frhr. v. Haller zu: Un­verschämtheit!, nrofür er einen Ordnungsruf er­hielt. Unter der allgemeinen Erregung im Hause gingen die weiteren Ausführungen des Ministers verloren. Man hörte nur noch am Schlüsse, daß er einen anderen Ton im Parlament wünsche. Er könne nicht so grob sein, wie ver­schiedene Abgeordnete. Darauf schloß der Vizepräsident die Sitzung.

Au- Stadt und Land.

ie 1 c 11, 29. Juni 1912.

** Beide m Jahre sfe st der Landesuniversi­tät am kommenden Mon'ag ist, wie uns mitgeteilt wird, der Zugang zur neuen Aula für die Festteilnehmer aus­schließlich von dem Haupteing-ang des .stollegiengebäudes in der Ludwig st raße aus vorgesehen. Ter Einaang von der Goethestraße aus bleibt für die studentischen Fahnenträger und die Mitglieder des akademischen Ge­sangvereins Vorbehalten. Da die neue Aula für einen größeren Kreis Platz gewährt, sind bei der Feier, die um IP/* Uhr pünktlich beginnt, außer den geladenen Gästen auch andere Freunde Der Universität willkommen; einer besonderen Eintrittskarte bedarf es nicht.

D i c A n l a g em u si k fällt morgen auS.

** lieber ,Mousseau" sprach gestern "bend in eiivm von der Freien Studentenschaft veranstalteten Vortrage im Hotel Großherzog vor einer zahlreichen Hörerschaft Oberlehrer D r. S t r e ck e r - Bad - Nauheim. Rouneau, der water eins der bedeutsamsten Werke über Erziehung geschrieben hat, roar selbst ziemlich ohne Erziehung ausgeroachsen. Durch viele Anregungen genährt, trat sehr frühe schon sein Zug »um Abenteuerlichen her­vor, und so hat er denn auch nach und nach die Hebel der damaligen Kultur durchaekostet. Tas Schicksal hat ihn in die Schule genommen, und seiner feinfühligen Nattir mußten die Erfahrungen in dieser Kulturroelt besonders schmerzlich lein. So rourDc er der Philosoph der Sehnsucht. Was er nicht gesunden hatte, was er selbst nicht tat, das malte er sich aus, versetzte er in ein vergangenes goldenes Zeitalter. Stets ist es in seinen Schriften die hinreißende Gegeilterung, die ihnen so große Wirlsamkeit verleiht. So tritt auch in seiner ersten größeren Schrift, der Neuen H6loise, ganz das Gefühlsmäßige hervor, roenn er da sich eine ideale Frauengestalt schafft, die er liebt. Auch die beiden folgenden Schriften würden einer wissenschaftlichen

** Straßenbahn-Verkehr zum Turnfest. An den Tagen des Gauturnfestes wird der Betrieb bet Straßenbahn erheblich erweitert Am Sonntag, 7. Juli, beginnt der 7> ...Minutenverkehr schon morgens um ö Uhr, am Montag, 8. Juli, morgens um 6 Uhr. Abends wird der Betrieb an sämtlichen Festtagen nach Bedarf verlängert. Ferner wird durch Sondernrngen ein Pendel­betrieb zwischen Schiitzenhaus und Marktplatz und zurück vermittelt, so daß während des stärksten Verkehrs ständig zwischen Marktplatz und Schützenh»ius 2 bis 3 Wagen hinter- inander laufen. Von den am Schützenl>aus abführenden Wagen fährt jeweils der erste bis zum Bahnhof, während )ie folgenden bis zur Ecke Marktplatz und Schukstraße fahren und hier direkt umkehren. Da der Andrang zu gewissen Stunden voraussichtlich sehr stark wird, ist ein geregelter Betrieb nur aufrecht zu erhalten, wenn das fahrende Publikum den Anweisungen der Betriebs- beamten unbedingt Folge leistet. An früheren Verkehrstagen haben sich "hier verschiedene Mißstände ge­zeigt, die bei einiger ^Rücksichtnahme durch das Publikum recht gut zu vermeiden sind. Bei jedem starken Andrang muß man beobachten, daß die zuerst Eingestiegenen hie Plätze auf der vorderen Plattform einnehmen, so daß für die Nachfolgenden kaum ein Weg bleibt, um in oen Wagen und an den Zahlkästen zu gelangen. Es ist bas eine Rück­sichtslosigkeit gegen andere Fahrgäste, gegen die die Wagen­führer meistens machtlos sind und gegen die vorn fahren­den Publikum selbst eingeschritten werden müßte Noch unangenehmer mack-en sich aber die Leute bemerkbar, die vor dem Zahlkasten angelangt, nun erst anfangen, um­ständlich nach einem Zehnpfennigstück zu suchen und bohrt mit ihrer ganzen Breite den Eingang versperren, so daß das Einsteigen weiterer Fahrgäste zunächst ganz unmöglidi wird. Ebenso störend wirkt es, wenn Fahrgäste von dem Wagen­führer noch Geld wechseln lassen. Im eigensten Interesse des fahrenden Publikums liegt es, menn der Verkehr an den Festtagen sich möglichst ungefyinbcrt unb glatt voll­zieht und daß hierzu die Fahrgäste selbst sehr viel mithelfen können, beweisen die erwähnten, immer wieder beobachteten Mißstände. Die Hauptsache ist, vor der Fahrt sich das nötige Kleingeld zu besorgen, damit der Wagenführer nicht erst wechseln muß, vor dem Einsteigen das Fahrgeld bereitzu­halten unb nach dem Einsteigen die vordere Plattform sofort für die Nachfolgenden freizumachen. Wenn diese Regeln befolgt werden, dann wird auch den Wagenführern unb Kontrollbeamten ihr Dienst, der an diesen Tagen ohnedem anstrengend genug ist, leichter gemacht. Es mag noch be­merkt werden, daß jedem Wagen ein zweiter Beamter zur Kontrolle des Fahrgeldes beigegeben ist. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Versuch, in einen alsBesetzt" gekennzeichneten Wagen einzusteigen, streng verboten und strafbar ist.

Für die beiden letzten Jahre liegen die statistischen Ergebnisse noch nicht vollständig vor, indessen lassen die bisherigen Veröffentlichungen keinen Zweifel, daß der Scheidungsprozeß auch in der letzten Zeit erhebliche Fort- schritte gemacht hat. An der Steigerung der Eheschei­dungen sind auch die Länder mit überwiegend katholischer Bevölkerung beteiligt; im allgemeinen waren aber von den geschiedenen Personen nur 21 v. H. katholisch gegen­über 77 v. H. evangelischen. Geradezu erschreckende Zif­fern weisen diebeidengrößtenStädtedesReiches aus. Die starke Beteiligung des Königreichs Sachsen in Verbindung mit anderen Erscheinungen beweist, daß die Bevölkerungsdichttgkeit von erheblichem Einfluß auf die Ehescheidungen ist; ihre starke Vermehrung dürfte aber vornehmlich durch das Inkrafttreten des bürgerlichen Ge­setzbuches gefördert worden sein.

Was die Edescheidungsgründe betrifft, so weist die sehr Sorgfältig bearbeitete Statistik für Preußen, die auch für das Deutsckie Reich einen zuverlässigen Maß­stab abgibt, aus, daß fast die Hälfte der reckstskrästtg geschiedenen Ehen, nämlich 47,5 v. H., auf Ehebruch, Doppel­ehe und widernatürliche Unzucht zurückzustchren ist. Männer und Frauen wurden in dieser Kategorie annähernd zu gleichen Teilenals schuldiger Teil" vom Gericht aner­kannt; dagegen waren die Frauen bei denwegen schwerer Verletzung der durch die Ehe begründeten Pflichten" sowie wegen böswilliger Verlassung getrennten Ehen bei weitem nicht in dem Maße beteiligt wie die Männer. Berlstilt- nismäßig groß ist die Anzahl der Ehen, die schon nach kurzer Geltungsdauer (bis zu 5 Jahren) wieder getrennt werden; in Preußen waren es 1910 schon 2118 von 9277 Scheidungen insgesamt; nach einer Dauer von 5 bis 10 Jahren wurden noch mcchr, nämlich 2892 und nach 10 bis 15 Jahren 2098 Ehen getrennt. Von der Gesamt­zahl der Ehescheidungen entfallen regelmäßig etwa 80 v. H. auf die Stä d te, 20 v. H. auf die Landgemeinden.

(Gegründet 1896) August Schaeffer, Elektrotechnische Fabrik (Ca. 200 Beamte und Arbeiter) Frankfurt a. Jf., Moselstrasse 40, Telephon-Amt I 2228, 2230, 4290.__________________J Bad-Nauheim, Marktplatz 3, Telephon 471.

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