162. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 175
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Stein Stoff luur
Das Quecksilber und seine Verwendung.
Das Quecksilber gehört au den seit den ältesten Zeiten und in den weitesten streifen bekannten Metallen Zugleich ist e-5 aber auch das eigentümlichste und seltsamste derselben, worauf schon sein Name hinweift, der dem altdeutschen entstammt und „lebendiges Silber" bedeutet, welche Bezeichn ptuiflS ihm übrigens schon die oft en Römer beilegten, bie es ,,Argen tum vrvum" nannten. Seine größte Eigentümlichkeit, pie ihm von jeher die Aufmerksamkeit der Menschen sicherte, best-ht darin, daß es feinem Metallcharakter zum Troy bei normaler Temperatur flüssig ist und sogar beständig verdampft. d. h. in den luftsörmigen Zustand übergeht, Eigen- schäften, die wir uns nur schwer miteinander vereint denken können. Lein spezifisches Gewicht beträgt 13,6, ist also reichlich Vs höher als bei Silber.
Bei niedriger Temperatur stellt das Quecksilber einen
Tie „Gletzeoer Zomiliendlätter" werden dem .Ameiqer' viermal wöchentlich deigelegt, das „Kreisblatt fir den Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. Tie .^anbwittschastllchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Pom Steinblod zur Zigur.
Eine sehr Iroeit verbreitete Ansicht sieht in der Herstellung einer «teinikulptur nur einen technischen Prozess, ;>cr, so glauben viele, durch eilte Maschine ausgeführt wtrd. Tic Steinbildhaucrci will aber nicht in diesem bloss hand- werflich-technischen, sondern in geistig künstlerischem Smne verstanden werden. Sie ist nicht bloß Kleinarbeit, sondern Gestaltformung. Im Herausarbeiten aus dem Stein stellt ich uns der künstlerische Werdegang vom Steinblock zur Figur, vom ersten Erlebnis bis zur endgültigen Schopsung dar. „Im Ansang war der Steinblock", so beginnt btc Genesis aller monumentalen Baukunst und Plastik. Geschichtete Steine bilden die ersten Mauern und rn der Hermcnform erkennt man noch die ursprüngliche Gestalt des Blockes. Bei den egvpt'schen Bildwerken kann man es an den kubisch gestalteten Plastiken ganz gut sehen, wie die Figur im Steinblock beschlossen und dadurch räumlich bc- grenzt wird. Ter kubische Block ist in der einfachsten Weise zum Abbild des Menseln umgestaltet. Die Griechen losten nun diese strenge Gkbunbenlyeit an den Stein, indem sie ihren Figuren '«viel freiere Bewegungen verliehen: aber auch sie haben den Steinblock nie verleugnet, sondern immer die Herkunst des Bildwerkes aus dem Stein sichtbar werden lassen. Leon Battista Alberti läßt die Griechen unterscheiden '.zwischen „Plastikes", das sind solche, welche die Figur in Ton oder Wachs arbeiten, und „Bildhauern", welche die Figur aus dem Marmorblock^aushauen. Michel Angelo war ein solcher Bildhauer im -sinne der Griechen Er' wußte seine Gruppen zu einer energisch geschlossenen Raumeinheit züsammenzufassen; man sieht )einen Figuren und Gruppen die Herkunft aus dem Block auf den ersten Blick an. Auf sie paßt das Scherzwort eines Bildhauers: „Eine .Gruppa Müßte so komponiert fein, daß man fie ben Berg hinabrollen könne, ohne daß sie in ihre Bestandteile zerfiele." _________________ ______
lieber Michel Angelos Arbeitsweise beruhtet B nvenuto Cellini: „Und die beste Methode, bie bisher im Gebrauch nefebeu wurde, ist die von Buonarrof. g.iund ne welche dann besteht, daß man, nachdem man die Hauptan'ulst ans den Block ausgezeichnet, von dieser Seite mit o«n 'licifteiic beginnt; in berjefben Seife, wie ein Minnllcr tun mürbe der ein Relief zu meißeln hat. Ricliel Äugel» kam auf diese Weise dazu, die Figuren auS den Marmorblockeii mr» ailszulu'lcn.serer Adolf Hildebrand zuerst wieder
diesen Weg beschritten und er ist dadurch zu ^nem Reformator der Bildhauerei geworden Durch Adols Hildebrand sind wir uns erst wieder der künstlerischen ^'beutung der Steinbildhauerei brmußt gewordene daß der echte Budhauer die in einem Marntorblock verborgene Figur gleichsam entdeckt und anS Licht fördert ... .
Tausend Möglichkeiten, so schreibt Ludwig Volkmann in der „Plastik", liegen im Steinblock beschlossen, wie in dem unbeschriebenen Blatt, das dem Höchsten wie dem Niedrig, ft en dienstbar gemacht werden kam, Wird er den Meister finden der, vom Geist beseelt, die schlummernde ,vigur -um Leben erweckt und Materie und Vorstellung harmonisch vereint, oder wird er von Birtiiosenhänden gezwungen werden, Tinge zu verkörpern, die seinem eigensten Wesen fremd sind--wird er wohl gar als italienische Friedhofs-
Skulptur zum Ersatz für Zuckerbäckerei dienen mu){cn? .
Vermischter.
* Eine Hochzeit an Bord. Aus New Bork wird be- richtet: Zehn Stunden vor der Ausreise der Mauretama nach England sand an Bord deS Danipfcrs bie öoctecit von ckr. Alexander Montgornern aus Los Angeles und ist Antoinette Säiward ans Neto Bork statt. Tas eigenartige Ereignis wüte zunächst in dem Hauptspeisesaal der Mauretanta, m der versammelten Passagiere, itattrtnbcn; aber es Jmirbe.ffhJS lief, doch in einer Privackabine gefeiert, sehr zum -Verdruß beg jungen Paares, das augenscheinlich Gewicht daraus legte, bu Mitfahrenden zu Zeugen seines Glucks zu haben. Aber bet große Speiscsaal wurde für die Mendmahlzcit der Panagiere gebraucht, und so mußten die Brautleute eben mit ihren .Pnvat- genuidern vorlieb nehmen. Tie Beamten der Tampsergesettschaft glauben, daß die Hochzeiten an Bord der großen Tarnp'^r ut den nächsten Jahren die große Mode sein roerben. ^Df519* mond ans hoher See AN verleben, ist für romantische Gemüter schon immer sehr verlockend gewesen: an Bord jedes modnnen erfinden sich Räume, die allgemem btc „vonlgmond-Kabincn ge 110"'kf ’teni Kampf zwischen Fasan unb »uf f' a11b. Sin Jäger, der auf dem Anstande anfällig Zeuge eines llampfeS zw chen Fasan und Bussard wurde, beschreibt dieses wolst recht feUsame Erlebnis in der .Deutschen Jägerzeitung : -Die Zeit vertrieb ich mir durch Beobachtung der einzelnen «lasanenhahne, d e m« ihren Hennen durch das niedrige Gras stolzierten. Da lieb v oist'ch einer der Halme einen mir ganz fremdartigen Warnungslaut Horen. Hin blickend gewahrte ich einen Bussard, der über dem Hahn einwemal kreiste und dann in sausendem Fluge auf diesen, eigenll.ch drei
tff) Ter erste weibliche Ministerialdirektor Der Senat der „Vereinigten Staaten" hat weben die Wahl von Fräulein Julia E. Lathrov zur Direktorin der lungtt geschaffenen „Ütinberabteilung des Handels- und ArbeitsmiNiste rium-v-, die Präsident Taft getrohen batte, bestätigt, 'trautem Latbrov wird hiermit ein völlig neues Ren ort des Ministeriums zu schaffen haben, und zu ihren Eingaben wird es gehören, alle Fragen, die nur irgendwie Bezug auf die zagend im weitesten ^inne haben, zu prüfen, als da und: die aughngditerbli(bfeit, die «eburtSzifter, das Waisenwesen, die ^ugendaerichtshoie, Mnder Mißhandlung, Mranfbaten und frriwvelbathgfeit, und die ganze Minbcmcfebaebung, bie in den 3kremigten Staaten noch in den Anfängen steckt. Fraulein Lathrov ist. die Tochter eines ehemaligen Senators und fo dem „Demen Harne" kerne völlig Fremde Sie ist eine Frau in den mittleren Jahren und Der- rügt über eine reiche Erfahrung, die sie aur jahrelangen 9kncn erworben hat. Ueberall hat fie sich beionders mit den sozialen Perhältnifien der Lander vertraut gemacht, und gerade die Kinder haben von icber idr Interesse erweckt. Für ihre Tätigkeit wird Fräulein Latbrov das ganz anieirnlrche Geholt von 20 000 Mar! jährlich bekommen. Es ist ihr übrigens völlige Freiheit mbeiug auf die Ausgestaltung ihres Revotts getanen, und, was nicht gering einzuschätzen ist, es stehen ihr große Gelder zur Erreichung Der vielen Ziele, bie ihr gesteckt und, zur Verfügung.
Eheglück und Speckseite. In Tunmow in Ester wird m folgendem Monat eine Zeremonie stattftndeu. Sie recht feiten Dodommt: ein Ehevaa^des Ortes, bas- wie es die alte Bestimmung will, ,^ahr und ^ag in Frieden gelebt hap, erhalt
wandern und Reisen, Lader und 5ommersrijchen.
Bad - Brückcnau , 26. Juli. P r i n z L u d w i g v o n Banern traf am letzten Tienstag mit Automobil von Wurzburg in Stadt Brückenau ein, um sich nach kurzem Ybifentyalt nach Besichtigung des St Georgi-Ritter-Krankenhauses und des Prinz- Rupprecht Erholungsheimes nach Bad Brückenau zu begeben. .Kad) beni Besuch der rmii)d>eii Magxllc besichtigte der Prinz unter Führung des Kommerzienrats Roth bie Wernarzer-Qnelle mit bem prächtigen Quelleniemp<l und der hieran anfd>lief>aiben -JO Meter langen Wandelhalle, bas neue, rnuttcrgultig angelcq c Brunnenversandgebäude, die 1911 erbaute Ba dcansta 11, die zstahl- quelle und hierauf den Murfal, einen prächtigen Mmn«n«Ualbau, der von dem kunstsinnigen Komg Ludwig I., UUä vollendet worden ist. Nachmittags sand eine Besichtigung der ^^chcn statt. Ter Prinz fprad) sich über bie gewintert baulichen d»lagen in ihrer gcbiegcnai, ruhigen Schönheit unb der Zweckmäßigkeit der Einrichtungen höchst anerkennend aus.
= Salzungen, 26. Juli. Bis heute finb 3098 Personsr zur Kur hier eiiigelrosfen.____________________________
Samstag, 27. M p)s2
Rotation»bnicf unb Verlag der Brüdl'schen Universität» • Buch- und Stemdruckerei.
R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul-
slraße 7. Expedition und Verlag:
Redaktion: e-El 12. rel.-Swr^AnzeigerGießen.
doch hätten sie durch ihre eingeborene Schönheit vermocht, daraus unvergleichlich-e Kunstwerke zu gestalten. Unfcre Mode habe teden- allS denen anderer Zeiten gegenüber bie Eigenschaft, daß |ic die Gestalt der Trägerin reiner herausarbeite und die Limen der Fiaur deutlicher anklmgen lasse. Als Lobredner der Vergangenheit unb Verfechter des Vorrangs der alten Moden treten nur zwei Maler auf, nämlich Richard Jack und <y. Cadogan- Eowper. „Ich glaube kaum." schreibt Jack, „da» heutige Toiletten so malerisch sind wie die anderer Perioden. Die alten Moden mit ihren Volants und Rüsck>en roaren im allgemeinen kleidsamer, während die heutigen Toiletten nur zu bemmmten Typen von Gesichtern und Gestalten passen. . . Wenn bie Frauen von beute bei der Wahl der Toiletten nur an ftch denken und batur sorgen würden, unkleidsame Extravaganzen zu vermeiden, wurden zweifellos die heutigen Trachten io künstlerisch wirken wie die früheren " Für Eadogan-Eowver ist die heutige Mode zu einförmig. da fie meist nur gleiche ober ähnliche Stoße zusammen derarbeitet, zu wenig harmonisch und deshalb Nicht künstlerisch.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
Frauen-Leuitteton.
WaS moderne Künstler über die Mode dcnkctt.
Einer Reihe der führenden englischen Maler hat das Strand Magazine ein Dutzend Photographieen vorgelegt, von denen bie eine Hälfte berühmte Damenportrats der. Vergangenheit von Tizian, Belasquez, van Tvck. Grinsborough uiw. ^rftellt wahrenb die andere Hälfte Meister,ckwpmngen der ftwdermn Tocketten künstler zeigt. Tie Künstler sollten sich darub^ äu^ru, ob ne in ben alten oder in den neuen Trachten reichere Anregungen und günstigere Motive für ihre Arbeiten finden.
Tie -ükehrzahl der Maler bat fick in uneingeschränkter «rorm für die heutige Mode entschweben. Sie finb inJ darüber nmg, daß bie großen Meister der Vergangenheit eben,o bcrrlielxcn geschaffen hätten, wenn ihnen die. Tamen in cmem mobernen femurn gesessen hätten denn, ,o meint der bekannte Porträtist der großen Welt John Lavern. „bie moderne.Leibung viNtzt ftcherlick. viele „anziehende Züge" vom kunstleriick^n Standpunkt aus unb bietet der künstlerischen Behandlung zudem cme 'o günstige Gelegenheit, wie ne von wenigen Modesttlen bisher geboten worden ist." Freilich deutet Lavery an, baß nicht all Damen diese ihnen von der Mode geboten en Hi r r lichkeitiii richtig anunvenben verstehen unb er meint das Los eines modernen Bildnismalers würde angenehmer und beneidenswerter Kin, roen« alle feine Modelle so geichmackvoll angezogen■ »artn, wn.btc auf den Photographieen Targestellten Ter g eu^n Ansicht tst William C r V c n , ber erklärt: „Wenn ich ein Modell nu £>ern zu kleiden hätte, so mürb^.ich mich suberlich ast ^«md e,ne dn weit bclannteu eleganten Firmen wenden, damit ne einenpaften den Entwurf auswählteii, denn btc >smomer lölcher -toilettcn sind bi jeder Hinsicht nurfiidfc geidnefteJtunltlcr, "^ lo wurde ich mich dem Urteil eines loldfen ^veziaftuen unterwerfen SDcncer SB-oti o n madit baraur aurnierfiam, ..bau mr tigen SterbIMen bie Moden bet Sergangenbcu »u durch bn Augen der Künstler sehen, die. sre >n ihren Tagen bu -cm wand dannirii. Wie kann nbo ieinand d,e d-mmmle Meinung äußern, daß die Allgemeinheit be? Solle* m ienen 3cucn m 1 rischer gekleidet war als heute? Um darüber eine richtige Ai^ N^.1eh^°b'°7-eb7L. i^chS f u. G.°ze-Br
ÖÄS.6 L M “SgBs 3TÄ rÄ «Ä de/Aniornch er.
hätten, geiöiß die Moden ihrer Zeit ,ur .Hahftch gehalten, uns
zweck, der auch heute noch einen aroßen Teil ber grämten Produktion absorbiert, bildet feine Verwendung zur Herstellung von künstlichem Zinnober, einer beliebten Maler arbc Einen ebenfalls sehr wesentlichen Teil des auf den Markt kommenden Quecksilbers beansprucht die Gold- und Silbergewinnung. Hierbei wird das gold und silberhaltige Gebirge sein gepocht und vermahlen unb unter ständigem Umrühren unter Dasserzusap mit Quecksilber vermischt Tas festere löst die seinen Metallteilcheu auf unb bildet mit il nm eine Legierung. Aus dem so gebildeten Gold- und Silberamalgam wird durch Erhitzen das Quecksilber ab- destilliert und durch stonbenfation wieder gewonnen, während das Metall als schwammige Masse zurückbleibt. Ferner leistet bas Queckiilber bei ber Spiegelfabrfkation, bei der Feuervergoldung, bei verschiedenen photographischen Ber fahren ujw. wichtige Dienste.
9U[gemein bekannt ist die Verwendung des Quecksilbers für Thermometer, Barometer, Manometer (Barometer für höheren Trucks, Quectsilberluftpumpen unb sonstige Jnstrn mente. And) dient es bei physikalischen unb chemischen Experimenten viels ach als Absperrmittel gegen die atmosphärische Luft ober andere gasartige und fluffige Stosse. Als stnallguecksilber bildet es bie Zünbinasse für Zündhütchen, Zündpillen usw. In neuester Zeit wurde das Quecksilber auch zu BelenchMngs.zwecken herangezogen, indem es in der sogmannten Quecksilberlampe den Glühfaden bilden muß.
In der Medizin findet das Queckfilber sowohl im metallischen Zustande wie auch in den verschiedensten Verbindungen weitgehende Verwendung. Es wird gegen viele Krankheiten teils innerlich genommen, teils unter die Haut gespritzt ober zu Einreibungen benutzt. Als Sublimat dient es als Sterilifterungsmittel für Wunden, zum konservieren organischer Stoffe, sowie zum Abhalten und Vernichten von Ungeziefer u. bergt
festen stör per dar, ber sich durch Hämmern verarbeiten und in beliebige Formen bringen läßt, wobei es in Bezug auf härte und Dehnbarkeit ettva zwischen Zinn und Blei steht, mit denen es auch gemeinsam hat, daß es spröde und brüchig ivirb, wenn feine Temperatur sich dein Schmelzpunkt nähert. Letzterer liegt außergewöhnlich tief, da bas Metall bereits bei — 39 Grab in den flüssigen Zustand übergeht. Festes Quecksilber ist deshalb nur in der Nähe der Erdpole beständig, während wir uns solches nur mittels künstlicher Abkühlung barstellen können. Der Siedepunkt liegt bei 358 Grab; jedoch verflüchtigt es sich bereits bei wesentlich nie i- tigeret und selbst bei gewöhnlicher Zimmertemperatur. Unterhalb seiner Siedetemperatur ist das Quecksilber äußerst beständig unb bei gewöhnlichen Verhältnissen gegen jegliche Berbinbung mit dem Sauerstoff ber Luft gesichert. Es oxybiert, rostet also nicht und wirb beshalb den edlen Getanen zugezählt Dabei löst es viele andere Metalle, namentlich Gold, Silber, Slupfer, Blei und Zink auf, fo» halb es mit ihnen in Berührung kommt; es „amalgamiert" (ich mit ihnen, um sich bann, auf eine hohe Temperatur gebracht, in Dampfform wieder von benfelben zu trennen. Mit den Alkalimetallen verbindet sich das Quecksilber unter starker Wärmeentwicklung, nwhingegen es mit Eisen nicht in Verbindung geht. Ebenso vermag es Glas und Por zellan nicht anzugreifen. Zu seiner Aufbewahrung und Versendung venvendet man deshalb vorwiegend Behälter aus diesen Materialien, und zwar zumeist eiserne Flafthen.
Die sonderbareii von ber allgemeinen Norm abweichenden Eigenschaften des Quecksilbers, die ihm gewissermaßen eine Ausnahmestellung und ein geheimnisvolles Relief geben, waren es in erster Reihe, welche ihm ein besonderes Anselftw bei den Mchimisten sowohl des hohen Altertums wie auch des Mittelalters sicherten. Betrachteten dieselben doch das Queelsüber, dem sie nach dem bekannten Planeten den Namen Merkur beilegten, vielfach als das Prinzip aller Metalle und sahen in ihm teils ben Grundstoff oder die Seele aller irdischen Materialien, teils noch ein un- sertiges, seiner Reife harrendes Edelmetall, das je nach den ihm beigesellten Mineralien und der ihm zuteil werden ben Behandlung entweder zu Gold ober zu Silber werde. Es liegt daher nur zu nahe, daß es ihnen ein beliebtes Versuchsobjekt abgab, bas namentlich zur künstlichen Er zeugung von Gold, zur Ausfindung des Steins der Weisen und des ebenso gesuchten Lebenselixiers, herhalten mußte. Nein Stoss wurde deshalb von den Mchimisten so ein- gehend untersucht und so verschiedenartigen Experimenten untermorfen, wie bas Quecksilber; es passen darauf so recht die Worte in Goethes Faust:
Da wird ein roter Leu, ein kühner Freier,.
Im tauen Bad ber Lilie vermählt, Unb beide bann im offenen Flammenfeuer Aus einem Brautgemach ins anberc gequält.
Das Quecksilber findet eine weitgehende Verwendung auf technischen, wissenschaftlichen und medizinlschen Gebieten. Der älteste und früher fast einzige Verwendung-. -
dort zur Belohnung eine Speckseite. Obwohl die St'^ung^die bicie Speckseite ausgesetzt hat, bereits aus dem Äahchu^rL ober nach einer anderen Ueberlieterung wgar aus dem Anfänge des 12 Jahrhunderts ftammt, haben bisher nur wenige Ehepaare bie Speckseite erhallen. In biticm Jahrhundert ftnd nft mcr damit ausgezeichnet worden, nämlich je zwei im Jahre 1303 unb im Jahre 1907. In diesem Jahre, wo em paar Beioerberpaare um den Preis vorhanden sind, soll bie Zeremonie, die tm Laufe ber Jahrhunderte ihre Form mchrwd) geioechftlt hat, beionberä feierlich vor sich gehen. Gegenwärtig wird die Preisausteilung in Form einer Gerichtsverhandlung mit dem englischen rtreuz- t»erhör vorgenommen. Tie emc Partei ist dabei btc ^petfieite, bie mit Bändern verziert an der Wand hangt, die andere ist natürlich jeweils ein El-epaar,^und, beide Parteien und durch Rechtsanwälte vettreten. Die Lpeckieite,jucht, .durch den Mund der witzigsten Leute des OrteS, nachzuweftcn, da,; das junge Ae- paar feit einem Jahr und einem Tage nickst dauernd Trieb»^ Xtfebt hat, und die so Beichuldigten juchen alle oieic Anschuldigungen durch glaubhafte Zeugen zu widerlegen. Gegenwärtig wird ihnen das recht schwer gemacht, und eö idjecnt, als ob es auch früher nickst so ganz leicht war, das Eheglück eimuanbiret nachiuwcisen. Bon der Stiftung der Speckseite an vergingen nämlich nicht weniger als 2W Jahre, biS der ersten
Mal erteilt werden konnte. In ber Zeit von 144o btS 17ol konnte bie Speckseite fünfmal als Preis ausgegeben werden, dann trat eine Pause von mehr als einem Jahrhnnoert an, bis sich ,m Jahre 1855 wieder ein Paar junger Eheleute sanden, die der Speckseite würdig waren. Jm^ 19. Jahrhundert wurden zwischen 1860 und 1877 noch vier soe»eiten verteilt, und das Jahr 1891 stellte einen Höhepunkt dar, in dem gleichzeitig brei Ehepaare für würdig befunden wurden.
— „Miß Direleß". Nach dem „Mr. Wireleß", von dem bei der "Titanic-statastrophe so viel geprochen wurden, erscheint jetzt die „Miß Wireleß" auf dem Schauplatz — das ist bie neueste Etappe in dem Sicgeszug ber Frauen. Eine jugendliche Amerikanerin, Miß Maggie stelso, hat ben Posten für drahtlose Telegraphie auf dem Tampfer „Mariposa" von ber Alaska Steamship Eompany übertragen erhalten. Sie hatte die schwierigen Prüfungen, die von dem Marincamt der Vereinigten Staaten gefordert werden, glänzend bestanden und sich so das Anrecht auf den Ruhm erworben, als erste Frau die Hertzschen Wellen vom Lord eines Tampiers über ben Qzean zu entsenden. „ Tie Frage ber Unrorm hat in diesem Fall natürlich eine gewisse Rolle ge- ipielt: man hat sich für einen blauen Rock, eine blaue Bluse mit Goldknöpicn und Matrosenkragen unb eine Mütze mit treffen entschieden, so baß bie „Miß Wireleß" einen sehr flotten Eindruck macht.


