Ausgabe 
21.12.1912 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

162. Jahrgang

Erscheint lSolich mit Ausnahme des Sonntage.

** Rückgang

. 3C1

zur Förderung des gewöhnliche Posten Gesamtsumme aller

Cn gros anl£farta.nam,

r' Gklaogsvo M«. Ball. L wben keinen ZuM !tnachderSarlSnck

iveremGiesse

Gcmeindelcbens 72 932 Mk., Außer- 11974 Mk., zusammen 268 501 Mk.

Liebesgaben 847 441 Mk. *

der Viehhaltung in Gießen.

htsfeiertag lusik

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V., Gastwirt I berg.

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Bei der am 1. Dezember vorgeirommenen Viehzählung wurden für Gießen folgende Viehbestände ermittelt: Pferde 641 (1908 782), Esel 3 (3), Rindvieh 378 (467), Sckftrfe 46 (43), Schweine 552 (965), Ziegen 158 (290), Geflügel 6967 (6417) und Bienenstöcke 264 (187). Die Zahl der Hausschlachtungen ist seit 1908 von 81 auf 73 zurückgegangen. Es wurden geschlachtet Rindvieh nichts (1908 2), Schafe 1 (0), Schweine 67 (77) und Ziegen 5 (2). In 631 Haushaltungen werden Tiere gehalten.

Die Worpsweder Kunft - Au 8 stellung in der alten Klinik, die sich eine? guten Besuches zu erfreuen bat, bleibt auf Wunsch vieler Kunstfreunde noch bis einschließlich Sonntag, 29. Dezember, geöffnet.

* D ie Anlagemusik am Sonntag fällt an§.

** Vortrag Bassermann. Es sei nochmals dar­auf hingewiesen, daß der Reichstagsabgeordnete Ernst Bassermann am Sonntag abend in der Turnhalle am Oswalds Garten einen Vortrag über die poli­tische Lage hatten wird. Da Herr Bassermann schon um 9.21 Uhr abrcisen muß, wird die Versammlung möglichst pünktlich eröffnet werden (vgl. die Anzeige in dieser Nummer).

**Diefreiwi.lligeSanitätskolonne beendete am Donnerstag ihren." diesjährigen Ans b il'd un g s- kursus. Vor cingeladenen Gästen wurden die 10 Kursus­teilnehmer geprüft. Oberstabsarzt a. D. Dr. Siegert spendete dem Kursusleiter Stabsarzt Dr. Kranken- hagen sowie den Ausgebildeten Worte des Lobes und be­tonte, daß alle Teilnehmer gut und einzelne vorzüglich ausgebildet seien. Hiernach überreichte der Vorsitzende des Zweigvereins vom Roten Kreuz für den Landesverein Diplome für neunjährige vorwurfsfreie Dienstzeit in der Kolonne namens des Kaiserl. Kommissars und Militär- Inspekteurs der freilv. Krankenpflege an folgende Kolonnen­mitglieder: Hch. Balser, Konr. Graulich. Gg. G^ünig, Otto Harig, Paul' Hartmann, Karl Heck, Hch. Kraushaar, Hch. Pfeiffer und Gg. Reichwein.

* Die Ortsgruppe des Lokomotivführer- Verbandes feiert am 1. Januar das Weihnachtsfest in hergebrachter Weise. Das Stiftungsfest, verbunden mit dem 25jährigen Beamtenjubiläum des Lokomotivführers Rau findet am 11. Januar statt. Beide Feste werden in der Turnhalle astgehallen werden.

* Der Verein Amicitia feiert im Laufe de? nächsten Jahres sein 25 jähriges Stiftungsfest. Die Vor­bereitungen sind schon im Gange

** Der Kanarienzucht- und Vogelschutz­verein, gegr. 1911, veranstaltet morgen im Restaurant Solmser Hof, Bahnhofstraße 31, eine Lokal- und Ver­laufs aus stellung edler Kanarienvögel (siche Inserat), die von den Mitgliedern genannten Vereins gut beschickt sein wird 9&it der Ausstellung ist eine Prämiierung verbunden. Es ist jedem Vogelliebhaber Gelegenheit ge- boten, einen wirklich guten Sänger, der sich als schönes Weihnachtsgeschenk eignet, zu billigem Preise zu kaufen, und auch sonst wird sich ein Besuch der Ausstellung sehr lohnen, die auch alle Artikel z-ur Zucht und Pflege der Vögel enthält.

** Lo komo tivzusammen stoß. Die Lokomotive des V-Zuges Frankfurt-Altona, der gegen 2 Uhr mittags hier eintrifft, streifte gestern beim Einfahren in unsere Station eine zu nahe der Kreuzung stehende Lokomotive. Dabei wurde der Zylinder der V-Zug-Lokomotive zertrüm- inert, so daß sie ausgewechselt werden mußte, wodurch der Zug 30 Minuten Verspätung hatte. Tie beschädigte Lokomotive wurde notdürftig hergerichtet und dampfte gegen 5 Uhr langsam nach Kassel zur Ausbesserung.

Evangelischer Weiter*

tu Zteins Güttc°

Weihnacht1 Feier

All'vrEaL U- Perlons *

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Märkte.

«Hcfieit, 21. Dez. Marktbericht. 9htf heutigem Wochen- markte toftete: Butter das T stmd 1,301.40 y<fw Hühnereier 1 5tücf 1012 i fg., 2 Stuck 00 Tfg., Enteneier 1 Stück 00 Pia., Wänferiec ISt. 00 Pi., Käse das Stück 68 '1 ig., Kasematte 2Stück 56 Pfa., Tauben vr 0,801,00 P,f Hühner vr. St. 1,001,60 Pik., Höhnen vr. Stück 0,801,80 Wif Enten vr. St. 2,00-3,00 Gänse das Psd 7080 Pia^ Cdifcnfietfdi vr. Pid. 92100 ckstg., Diinbrleifcb vr. Pstmd 9094 U ffl., Kubsteisch 80 Psq^ Schweine« s eiscb vr. I hmi) 90110 Pkq^ itülbfleifd) vr. Pid. 9296 Iftq., Honnnelfleifd) vr. Pid. 7090 Psa., Kartoffeln vr. b<0 Kq. 4.50 bis 5.00 Pik., Weißkraut das Stück 5 bis 10 Pfg Zwiebeln ver Ztr. 4,005,00 Pik., Milch das Viter 22 Psq., Nüsse 100 Stück 5060 Psg^ ver Ztr. 000 Mk^ Birnen das Pkund 10 bis 15Psg., Aepfel der Zentner 9 bis 15 Pik. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr._____________________________________________

Was schenke ich noch!

Eine von Künstlerhand entworfene, in imit. Altsilber geprägte Weihnachts­dose, gefüllt mit Kaffee Hag, dem koffe­infreien Bohnenkaffee. Erhältlich in besseren Kolonialwaren- und

Delikatessen-Geschäften. (bl4/1

Kaffee-Handels-Aktien'Gesellschaft Bremen.

Erster deutscher polizeikongretz.

Berlin, 20. Dez.

' unter dem Soriih bei Ministers bei Innen, v Dallwitz ' tat beute trornrittao im Sitznnaisaale bei »errmbaufei der entc -Witta UtatqTtl ton bäbrren Poliznbeamten ,mammen der im wesentlicben eine Grörtmita w-aen der einbntlichen.«egehmg weiemiiu _ un£) NaLrichtenbiensiei bet Knnnnalvo! I

soll Alle Gröberen Bnnbeislaaten hatten Teilnehmer Ä ' Ten Bericht erstattete «B^mtambent Kaettig SXn), der bte encheititche Regelung bei Erkennungibienstes an- dem Gebiete der Körper- imb Fmgenneiiungen be, ! öTe "inrmieniniTirat Becker (Dresden- fnradi über die EnHi rmw'nnei cintaitlicten Telegraphenlchlmieli um schnell L Berwnal'-escl'reibimg eine# BerbackMgen allen Baltzeiverwa!

I nm gen mit-eilen zu können, Lberregrerungirat vop °e lBerlin kfronbctte d e Frage der Einrichtung eines ständigen Nachrichten- I Dienstes Artzifd m ton einzelnen deutschen Poli^verwaltungen. Ern I lolcher'Dienst hat sich namentlich in der letzten Ze t besonders not- I gemacht, und auch in den Parlamenten ist diese Einrichtung bfTÜrwortet worden. .

Tie Verhandlungen der Konferenz werden zwei Tage m An­strich nehmen.

Vermischter.

kf. WenntzweiElcfantendicselbeSchönelieben. Der verzog von Montpensicr, der kürzlich eine Reise durch Judo- ebina Unternommen hat, erzählt in der ZeilsckniftJe sais tout" eine Reihe ergötzlicher Iagdabenteuer. Unter anderem weiß er von einem originellen Elefantenduell zu berichten. Der Kampf drehte sich um ein schönes Weibchen, das 2 Dickhäutern in die Augen gestochen statte. Aber statt sich unter Wutgeheul und Donnergetrampel aufeinander zu stürzen nnb einen Kampfbis aufs Messer" zu führen, stellten sich die beiden Kämpen einander friedlich gegenüber auf, stießen ein kurzes Trompetcnsignal aus und maßen dann mrf eigentümliche Art und Weise ihre Stärke. Der eine der beiden holte mit seinem Rüssel einen Zweig von einem Bannte ferimter. Sein Gegner riß einen stärkeren Zweig aus und legte ihn dem Feinde vor die Füße. Dieser ergriff darauf einen kleinen Bwurnstamm, riß ihn aus und legte ihn vor seinen Gegner hin. Und so ging es fort: einer übertrumpfte den anderen, bis einer der beiden am Ende seiner Kräfte angelangt war, da der riesige Baumstamm, den er sich als Ziel erkoren, feinen An­strengungen trotzte. Er schlich beschämt xron dannen, während der Sieger unter Freudenaeheul das Weibchen in seineArme" schloß und beide in inniger Liebe vereint von bannen zogen. Auch eine Art, den Kampf ums Weibä/en zu entscheiden, und wahrlich nicht die selchechteste.

* Sei den Zeiten. Kommis:Ach, Herr Müller, ich möchte Sie freundlichst um 30 Mk. Vorschuß bitten." Chef: Nanu, warum denn das?" Kommis:Ich bin in Geldver­legenheit: meine Frau hat mir nämlich Trillinge aefdjenft/1 Chef:Wie kann sich denn Ihre Frau auch so kostspielige Geschenke erlauben!"

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-kvS. /Kleines

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Vberhesten

Kreis Friedberg.

h. Vilbel, 20. Dez. Ter Gemeinderat lehnte die Ein« führung einer Filialsteucr mit Stimmengleichheit ab. Seit gestern früh wird die Fran des Metzgermeisters Wenzel vermißt. Da die Frau kränklich ist, nimmt man an, daß sie sich ein Leid angetan hat.

Fauerbach v. d. £)., 20 Dez. Im Gasthause .Zur Krone" spricht am Sonntag nachmittag Oekonomierat Spieß-Friedberg überDie Bodenbearbeitung zur Winters- und Frühjahrssaat*.

* NeujabrSvorbereitnngen. Beim Herannaben be8 ''Nhreswechiels wird daraus nuhnerfiam gemacht, daß es steh dringend empfiehlt, den Einkauf der Freimarken kür *)l c n j a b r 5 b r t e i e früh zu bewirken, damit der Ldmltei verkehr in dem genannten Tage fidi ordnungsmäßig abwickeln kann. ES liegt im eigenen Interesse deS Publikums, daß die 9lcitialn«brictc irübzeuig an'gelie ert werden, und daß nidjt mir au* ^en Briefen nadi Großstädten, sondern and) auf Briefen nach Pi i 11 e 1 ft ä b t e n dre Wohnung des Empfängers angegeben werde. Für Berlin in anßerdem die Eingabe des Bestell-Bouaints dringend erwünscht. Verzeichnisse der Ctiaßen und Blage Berlins mit An­gabe der Bestell Postanstalt werden an allen Boslichultern, sowie durch die LrtS- und vanbbrie<träqcr zum Preise von ö Pfg. verkauft.

Landkreis Gießen.

s. Trohe, 20. Dez. Gelegentlich der gestrigen Ge- meinderatssitzung wurde die hier errichtete Transfor- m a t o r e n st a 11 o n der Ueberlandanlage Gießen einer B c- sichtigung unterzogen Obermonteur H o r tz erklärte die Einrichtungen der Station, die gleichzeitig mit den Transformatoren für den Ort Trohe die Umschaltungen für Großen-Bnseck und Rödgen enthält. Bedauerlicher­weise sind jedoch die Ansch'.ußlcituugeu noch nicht soweit fertig gestellt, daß die Inbetriebsetzung schon jetzt erfolgen kann. Jedoch soll die Fertigstellung der Anschlußleitunaen in den nächsten Tagen bevorstehen, so daß bereits der Weihnachtsmann beim Scheine der elektrischen Lampen seine Gaben verteilen dürfte.

Kreis Büdingen.

Düdelsheim, 20. Dez. Ein landwirtschaftlicher Vortrag findet am Sonntag nachmittag im Gasthause von Hch. Simon hier statt. LandwirtschastSlehrer Wagner- Büdingen spricht über die Frage:Wie läßt sich die Ziegen­zucht rentabel gestalten?"

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 20. Dez. Nack) einem Beschluß des land w.. Bezir ksvcrein s und des Krci s ri nd er- z n ch t v e r e i n s Lauterbach werden wie in vorigem Jahre, auch in den kommenden Wintermonaten jeden ersten Samstag im Monat in der Burawirtschaft hier wieder zwanglose Zusammenkünfte d^r Landwirte des Kreises statt- findeu und dabei landwirtschaftliche Vorträge gehalten werden. Die erste Zusammentunfl findet am Samstag, 4. Januar, statt, in der Landwirtschaftslehrer L. Kunkel aus Alsfeld einen Vortrag über Kunstdüngemittel halten wird.

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Aus 5taM und Land.

Gießen, 21. Dezember 1912.

Die cvang. christliche LicbeStätigkeit in Hessen 1911.

lieber die evangelisch-christliche Liebestätigkeit im Jahre 1911, soweit sie pfarramtlich festbestellt werden konnte, wurden amtliche Erhebungen angejtellt, die folgendes er­gaben: A. Milde Gaben aus den Gemeinden an Ver -'ine und Anstalten evang.-christlicher Liebestätigkeit: Aeußere Mission einschl. Judenmi sion (ausschl. Epiphanias­kollekte'' 68 269 Mk, Innere Mission (ausschl. August- tollekte) 49 847 Mk., Gustav-Adolf-Verein (ausschl. Resor mationskollekte, 41028 Mk., Evang. Bund und evang. Be­wegung in Oesterreich 27 761 Mk, Elisabethenstift 11560 Mark, Diakonie-Verein 12 432 Mk., Krankenpftegestation 99699 Mk., Anstalten des Dekanats (Krankenpflege, Er­ziehungsverein) 5495 Mk. Besondere mildtätige Anstalten und Vereine in der Pfarrei 72 954 Mk., Sonstige christliche Vereine und Unternehmungen 34 050 Mk., Für besondere Notstände 18053 Mk., zusammen 441 148 Mk. B. Allge­mein erhobene Ki rch e n k o l l e k t e n ausschließlich Neu- jahrskollekte: Epiphaniaskollekte (Aeußere Mission) 6912 Mark, Palmarumskollekte (Bedürftige Diaspora-i^emeinden des Inlandes) 4859 Mk., Auslänoischc Diaspora 4422 Mk., Pfingsten (Lutherstiftung) 4075 Mk., Augustkollekte (Innere Mission) 4090 Mk., Hessisches. Krüppelheim 5069 Mk., Re formationsfestkollekte (Gustav-Adolf-Verein) 4856 Mk. Für eine bedürftige hessische Gemeinde (Gadernheims 3908 Mk., Kaiser Wilhelm-Stiftung (Sedanfestkollekte) 1500 Mk., Für die evang. Gemeinden in Oesterreich 4369 Mk., zusammen 44060 Mk. C. Opfer und Gaben für die Ortsarmen: Neujahrskollekte 3277 Mk., Büchsengelder 21 783 Mk., Son­stige kirchliche Kollekten (Adventskollelte, Abendmahlspfen­nige usw.) 2725 Mk., Freiwillige Gaben 32 281 Mk., Kirchenopfer, soweit sie für die Armen bestimmt sind, 33 666 Mk., zusammen 93 732 Mk. D. Sonstige frei­willige Leistungen für kirchliche Zwecke: Kirchen­opfer, soweit sie nicht für die Armen bestimmt sind, 32 488 Mark, Gaben und Stiftungen für die Kirchen und die Pfarreien 116 241 Mk, Kirchliche Vereine zur Hebung des öffentlichen Gottesdienstes 34 866 Mk., Kirchliche Vereine

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Verein

Die neuen preuhischen Lteuergcsctze.

Ueber die preußischen Steuergesetze in der neuen f Fassung nach den Beschlüssen des Steuerausschusses des I preußischen Abgeordnetenhauses schreibt uns einer unserer I Berliner Mitarbeiter:

Der Steuerausschuß des Abgeordnetenhauses hat vor I wenigen Tagen die zweite Lesung der Steuernovellen be- | endet und somit den preußischen Steuergesetzen eine neue | Fassung gegeben, die wesentlich von dem geltenden Ge- | setze abweicht Eine Reihe der Beschlüsse des Ausschusses t haben nicht die Zustimmung der Regierung gefunden, so hauptsächlich nicht der automatische Abbau der Steuer- ruschläge. Ueber eine anderweitige Regelung der Materie haben Verhandlungen bereits stattgesunden, sie werden voraussichtlich bei der Wiederaufnahme der Arbeiten im Januar zu positiven Vorschlägen führen. Bei der Wich­tigkeit der Materie und bei der Bedeutung, die dachpreußische Vorgehen für den Nachbarstaat Hessen hat, seien die hauptsächlichsten Beschlüsse des Ausschusses kurz wiedergegeben.

Diejenigen Preußen, welche länger als ein Jahr, im Beruss- iallc länger als sechs Monate sich dauernd im Auslande auf» halten, sind in Zukunst nicht mehr steuerpflichtig, während bis­her die Steuerfreiheit erst nach zwei Jahren eintrat. Der Begriff Werbungskosten hat eine neue Definition erhalten Als solche gelten nach dem neuen (besetz die Aufwendung zur Er- merbung, Sicherung und Erhaltung des Ertrags sowie die auf dinglicher Belastung der Einkommensquelle oder ihrer Bestand­teile beruhenden Jahresleistungen, insoweit die binglidjc Belattung in wirtschaftlicher Beziehung zu der Einkommensquelle steht. Eine wirtschaftliche Beziehung zwischen einer Schuld und dem Grundbesitz ist insbesondere anzunehmen, wenn die Schuld von dem Steuer- , pflichtigen oder seinem Erblasser für den Erwerb oder zu Dem Zwecke der Verbesserung ober Bebauung des Grundstücks auf- (intommcn oder übernommen ist. Als Werbungskosten gelten auch die von dem Olrunbcigentume, dem Gewerbebetrieb und dem Bergbau zu entrichtenden direkten Kommunalsteuern in voller Löhe. Fn den Gutsbezirken iverden als Werbungskoften die realen Kommunalsteucrn einschließlich der auf Realsteuern ent- t fallenden Schullasten und die neben ihm bestehenden Gutslasten angesehen. Bei dem Betriebe von Bergbau sind Msetzungm ; bezw. Abschreibungen für Substanzverringerung zulässig und zMir ohne Unterschied, ob Handelsbücher geführt werden oder nicht. In Höhe desjenigen Teiles des Jetztwertes der Gesamtsubttanz, der dem Verhältnisse der in dem Betriebsjahre geförderten zu der am Anfänge desselben vorhandenen Substanzmenge entspricht.

' Vollständig neu ist folgende Bestimmung: Steht der Aufwand eines Steilerpslichtigen in einem aus­fälligen Mißverhältnis zu dem angegebenen Einkommen, so hat Sckwtzung des Einkommens nach dem i Aufwande zu erfolgen, soweit nicht der Steuerpflichtige nach­weist, daß er seinen Aufwand aus seinem Kapitalvermögen oder durch Aufnahme von Schulden oder durch Einkünfte bestreitet, welche nach den Bestimmungen des Steuergesetzes bei der Be­rechnung des steuerpflichtigen Einkommens außer Ansatz zu lassen find. Die Veranlagung der Gesellschaften mtt be- chränkter Haftung erfolgt in Zukunft nach dem durch- chnittlichen Ergebnisse der drei letzten Geschäftsjahre. Ben K o n- umferfinen gehört zu den stenervftichtigen Ueberschüssen auch jebc den Mitgliedern als Rabatt, Kundengewinn ober unter ähn­licher Beziehung gewährte Rückvergüttmg, insoweit sie 4°/o des Kaufpreises überschreitet. .

Ter Steuertarif für bie Ginfornmenttcuer ist vorn Aus- 1 schuß unverändert geblieben. Ter Ausschuß bat daher beschlossen, die Steuerzuschläge im Steuerjahre 1913 in voller Höhe, im - fStcueriabrc 1914 mit 70°o der festgesetzten Höhe, im eteiicriabre I 1915 mit 35°o der festgesetzten .tobe fortzuerheben, die Zuschläge 1 Morn 1. April 1916 aber gänzlich in Fortfall zu bringen. Das 1 ikinderprivileg ist erheblich erweitert worden, indem die 5 Steuerermäßigung um eine Stufe bereits bei einem Kinde em- tritt und bei einem Einkommen von 1200 Mk. Ber einem Einkommen von mehr als 6500 Mk. können wertere Steuer- j ermänigungen nach den bisherigen Sätzen (Anzahl der Kinder) Eintreten. r , r . ,, , .

Das Veranlagungsverfahren hat rm allgemeinen keure wesenltichen Veränderungen erfahren. Wenn man von den schärferen Ctra'bestimmungen absieht, mit denen unrichtige Veranlagungen in Zukunft bestraft werden sollen, lieber bte S traf b eit im­mun a e n selbst, die bekanntlich wesentlich verschärft Und, fei wl- 5 kieubes bemerkt: Wer wegen absichtlicher Einrommentteiierhinter- ziehung schon bestraft ist, wirb, wenn er eine abnckttliche Em- kommenhiuterziehung begeht, mit Gelbstrafe vom zehn- bis nnn- zehufachen Betrage der Jahressteuer, um bte der -taat verkürzt werden sollte, bestraft. Daneben kann m beionber» irfnyeren Fällen auf (9 e f ä n g n i s st r a f e bis zu drei Monaten erkann werden Im Rückfälle kann neben der Geldstrafe auch noch auf Gefängnisstrafe bis zu einem' Jahrs- erkannt werben.

| Auch im Ergänzungssteuer g e s e tz sind die Tart'e un- deränbert geblieben Die §5 26 bis 32 des geltenden Geietzes find vollständig umgestaltet worden. Nach den neuen Bestim- munaen ist ,eder bereits mit einem Vermögen von mehr als i 50000 Mk. zur Ergänzungssteuer veranlagte Erganzungslteuer- j Pflichtige zur Abgabe einer Vermögensanzeige verpflichtet In - der Vermögensanzeige ist das steuerbare Vermögen getrennt nach - den einzelnen Bestandteil o^zuaebem Wenn die'e Vermogens- onzeige unterbl'ibt, so wird neben der <-te"er c n Zusch ag erhoben.

I Nach dem Tode eines Steuervilichtigen siud die Erben verpilicht.t, ein Verzeichnis über das von dem Verstorbenen hmtcrlaiienc Kapitalvermögen einzureichen. Tie Strafbestimmungen sind be, der Ergänziingssteuer die gleichen wie bei der Einkommensteucr.

Samstag, 21. Dezember 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brüht scheu

llniversilatS Buch» und etembvudcrei.

R. Lange, Giepen.

DieGiehener ZamilienblStter" werden dem

Anzeiger^ viermal wöd)emlich beigelegt, das

Kreisblatt für den Hreis Gießen" zweimal

wöchentlich. Di»Landwirtschaftlichen Seil-. fragen" erscheinen moiiatlid) zweimal.

Redaktion, Ervedition und Druckerei: Smul-

straße 7. Ervedition und Verlag:

Redaktion:SEU2. Tel.-Adr.: AnzeigerEießen.