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3.5.1912 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

Freitag, 5. Mai (912

(62. Jahrgang

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Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Die heutige Nummer umfafot 12 Seiten.

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von der allergröBten Bedeutung ist, fon-

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die gegenseitige .üonlurrenz und er trägt auf diese Weise zurren, halte es aber für richtig, zu sagen, das; die Wieder

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Schillers Schädel

Nach längeren Untersuchungen

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crössnung der Dardcmcl en Rücksichtnahme auf die neutralen Interessen beweise, was man an* erkennen müsse.

Konstantinopel, 2. Mai. Tic Zaftl der imfräsen befindlichen Handelsschiffe beträgt nayezu hundert. Tic meisten sind englischer und griechischer Nationalität.

Emil Karn, Sdjnlftru? ar Kinderwaage leitocj

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Werk zuwege gebracht, das nicht nur für unser gesamtes Wirtschaftsleben

Stärlung unserer .Handelsbilanz und zur Vergrößerung unseres Nationalvermögens bei. Einer ruhigen, günsti- gen Entwickelung unseres ganzen Wirtsckzajts.ebens sind damit die Wege nZieder geebnet. Und als bedeutsamsten Erfolg, den sich die Kartelle, besonders der Stahlwerks- verband und das Kohlensvndilat, im Laufe der Zeit cr-

ber Funde, da Gräber in Megalithgruppen so Dürfen wir die Anlagen bei aller Verschiedenheit von den nordischen Megalith- gräbern wol>t nennen in Sudwestbeutsttiland bisher unbekannt waren.

nicht selten eine daneben liegende diese nun wieder um jener willen davvnlaufen, und gewöhnlich tue

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gute mit verletzt, und ich inufi feilen. Da möcht ich oft gleich ichs auch." . . .

Nr. fu4

Ter Lietzener Anzeiger erscheint täglich, auper EoniuagS. - Beilagen: Dreimal wöchentlich -iehenerZamiliendlätter, zweimal ivödientl.KtelS: blatt färben Kreis diesen (Dienstag und Freitag); jiDeunnl inonatl. Land- wirtschaftliche Seilfragen Fernsviech - Anschlusie: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

«uzetger Wiefcen.

Ami-Whch gMMiiliiiliij «angttn, Jliömiitlth sehr vorteilhaft in bn

von Professor o. F r o r i e p-Tübingen an Schillers erster Be­gräbnisstätte beim Jakobsktrcbhoi in Weimar ist es gelungen, den echten Schädel S ch i l l e r s testzustellen. Er lieh vor Jahresfrist das alte Grabgewölbe öffnen und stellte unter 70 aufgesundenen Schädeln jetzt demenigen Schillers mit Sicherheit fett. Tem Anatomenkongreß in München ist der Schädel vor- gelegt und von sämtlichen Sachverständigen als Schillers Schädel erkannt worden. Der Grohßer-og nahm am 30. April einen Bortrag des Professors v Frortep entgegen. 1883 wurde von Professor .Herrmann De l ck e r - Halle einwandfrei nachgewiesen, daß der unter Leitung des ehemaligen Weimarer Bürgermeisters Scbwabe ausgewählte vermeintliche Schädel Schillers nicht der echte gewesen ist.

Kurze Nachrichten aus «P u n ft und Wissen- scha ft. Strindberg wurde heute abermals operiert. Tic Operation verlief gut und brachte Dem HYanfen eine Erlrichtcrung im Schlai. Augenblicklich besteht keine Lebensgefai r. In Köstritz wurde in Gegenwart des Erbminzreqentcn \vin- ri ch XXVII. von Reuß j. L., des Justizrats Tr. Sturm, Der Ober­bürgermeisters Sturm-Chemnitz, und von Vertretern "aatlid)?r Behörden, und einem zahlreichen geladenen Publikum das Dent- mal für den am 2. Mai 1896 verstorbenen Dichter Julius Sturm eingeweihl.

deren Zeit Goethes Leib durchwandelt hat, undTasfo" einen Unterschied? Hat Goethes Geist nicht jene entfernte Zeit, das italienische Land und Volk, auch durchlebt? Darum ist Goethe 6000Jahre alt, denn so weit gehen seine Erinnerungen und Studien in allen frauptbingen, welche sich auf unserer Erde zu- getragen, zurück."

lieber seine Schaffensweise machte Zelter interessante Mitteilungen. ,^Zch suche vor allem den Geist des Gedichts zu erfassen, lese es, bis ichs auswendig wein, und rezitiere mirs Iper und da einmal vor. Ta spriirgt denn wohl einmal die Melodie gleich fix und fertig heraus, ohne daß ich eine Note daran zu ändern brauchte ... In der Regel kommt mir die Melodie langsam und stückweise. Denn ich die Wonreihe des if-edichls vor meinem Geiste vvrüberziehen lasse, so bleiben einzelne Verse noch tot: bei anderen schieben die Tonblumen dazu schon l>ervor: jede Wiederholung setzt weiteres an, bis endlich das ganze Gedicht sich in die Melodie eingekleidet hat . Gewöhnlich mutz ich die Feile ansetzen, und das ist für mich die mühsamste, oft qualvolle Arbeit. Habe ich hier eine schwach Stelle abgerofpelt, so ist

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der Quarzblöcke umstellt. Auf dieselbe Weise war neben einem der Gräber eine Feuerstelle von hoch Fan tig schräggestellten Steinen umgeben. Aus späteren Perioden fand sich nur eine frallstatt- urne nebst Stücken einer zweiten und einer Bernsteinperle als Nest eines oder mehrerer Brandgräber, die hier, in der südlichsten der untersuchten Kammern, unter einem schräg liegenden Quarzit­block von 21 j Meter Länge als Nachdestalmngen angebracht waren. Wenn der Block, wofür Beobachtungen an den anderen untersuchten Stellen sprechen ursprünglich als Denkmal senkrecht gestanden hat, '» mutz er bereits vor der Vallstattperiode schräg umgefunten gc lutfen sein, so daß der gebildete frohlraum .zur Beisetzung der einen Urne einlud, die hier unter ihm, zwar auseinandergeborsten, aber noch in der ursprünglichen Form stehend, gefunden wurde. Tie Zugehörigkeit bei Gruppen zur neolithischen Kultur, die bisher iwkgen der Geringfügigkeit der Funde aus dieser Zeit und der omuBung der Anlagen üt anderen Perioden zweifelhaft gchlieben Mir, steht raut fest; und darin beruht die einzigartige Bedeutung

nieder freigegeben. Schiffe mit der Bestimmung nach Kon- stanlinopel werden nicht eher in die Dardanellen hinein- gelassen, als bis die innerhalb der Dardanellen liegenden Schilfe ausgelaufen sind.

hin Mi en»vfall.

Konstantinopel, 2. Mai. Die gerüchtweise ge­meldete Minenexplosion (fiel)e die |gestrigenLetzten Nachr ") ereignete fid) in den Dardanellen selbst. Ter im Tienfte der Admiralität stehende SchlepperSemendria" stieß bei der Verankerung von Bojen auf eine Mine und s l o g i n d i e L u f t. Ter Kapitän und 12 Ma. tros en, darunter zwei Armenier, sind ertrunken, einer wurde gerettet. Der Unfall rief bei der Bevölkerung große Er­regung hervor.

Bef cheffui'g eines türhfl en Stapelplatzes.

Konstantinopel, 2. Mai Mehrere italienische Kriegsschiffe haben den Stapelplatz K a r r i' A h m ed> in der Nähe von Misri in .Tripolitanien beschossen und die Zollstation beschädigt. Tie Kriegsschiffe entfern­ten sich sodann nach der Syrte zu.

ite Ual emfchen Luftschiffe in Tripolis.

Tripolis, 2. Mai Gestern früh unternahmen die LuftschiffeP. 2" und ,,P. 3" einen Erkundungs­flug längs der Straße Fenduk- TolarSuaui Bena- den-Azizia. Die Luftschiffe, die unter dem Befehl des auf P. 3" befindlick)en Majors Tenti standen, stellten dieStreitkräfteunddieStellungendesF-ein- des fest. Als sie über den feindlichen Lagern eintrafen, wurden sie mit lebhaftem Gewehrfeuer und mit Granaten empfangen, blieben jedoch unversehrt. Gegen 10 Uhr befand sichP. 2" über dem Lager von Azizia und bombardierte es mit großem Erfolge, in­dem es dreißig Bomben fallen ließ.P. 3" ließ etwa 12 Bomben in die Lager von Suani und

Ein neuer Stafjlroerfsoerbanb.

Von unserem Mitarbeiter in Essen erhalten wir uitierm Mai folgende handelspolitische Betrachtung:

freute morgen um 4 Uhr wurde bei Tagesgrauen ein

lllteitumsiunöe von Bedeutung.

Aus fr au au, 2. Mai wird uns gefdnieben: Wie in der Fahresverlammlung des franaucr Geschichtsvereins berichtet wurde, sind im abgelaufcncn Jahre zusammenhängende Ausgrabungen auch diesmal m Gemeinschaft mit der Römisch<Äerma raschen Kam mrssion des Kaiserlichen Archäologischen Instituts im Gemeinde­walde zu Eichen (Kreis franau), nahe der hessischen Grenze, vor- genommen worden. Dort befindet sich zu beiden Seiten des Bahn­körpers eine Gruppe von mehr als hundert frügeln, von denen bereits früher eine größere Anzahl erwlgreich unterfuM worden ist. Die Funde gehören zum größten Teile der jüngsten Bronze- und ältesten Äsenzeik ^frallstattveriode) an, es fanden sich aber auch typische Fundstücke aus der jüngeren Steinzeit.

Ganz neue Ergebnisse aber brockte eine zusammenhängende Unteriudiung einer Gruppe großer Find^ingsblöcke aus Quarzit, die nad) der Nidder zu liegen. Sie bcbetftn dort den '.lbbang in einer Lange von 200 Meter und einer Breite von 20 Meter Bei näherer Besichtigung erfeimi man, daß sie zu amblidicn Gelassen znsammengewälzt sind. Sechs von diesen Steinkammern, die am obersten ^eile des Abhanges liegen und durch Steinblöcke von 14 Meter Länge und 11*» Meter Breite umgeben sind, wurden vollständig durchsucht. Es konnte diesmal mit Sickterheit nachgewiesen tvertxm, daß sie von Menschen der jüngeren Steinzeit, vielleicht zunächst zu Wochizwecken, zu- fnmmengebradu, dann aber auch als Begräbnisstätten verwendet vorden waren. In drei von den Gruppen fanden sich Brandgräber aus der jüngeren Steinzeit mit den für die bandkeramiscke Kultur in der Umgebung von franau und Frankfurt charakteristischen An- dängern aus Knochen, beschnittenen Tonscherben unb Tonperlen. Die Gräber waren an den Wänden der Gelasse in Nischen in den gewachsenen Boden sich vertieft und von abgehcruenen Stücken

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Vezn q»vret 6: monatlich7öPf.,vier1el- jäbrüd) 'Dlt. 2.20; durch Adhole- u. 3i»cigi:ellen monatlich 65 Pf.: durch die Bost Pik. 2. üicrtel- jäbrL auSschl. Beitella. ZeilenvreiS: lokal 15«, auswärts 20 Pfeinnq. Eheiredakteur: A Goetz. BeraiNwortltch für den Doliküchen Zeil: August Goetz; für .Feullle- ton*, .VeriuifchteS" und ^Derichlsfaaf^ U. üieu- rath, für .Stadt und Land-: E.freß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

wurden, hat man sich heute mit ihrem Vorhandensein und ihrem Wirken ausgeföhnt und erkennt sie als geeignete Qrganisationssormen unseres Wirtschaftslebens an. Auch regierungsseitig hat inan sich zu dieser Auffassung durch gerungen, unb so darf denn «der h-euiig. Tag, ocr den Fortbestand unseres größten Kartells gefidf-ert hat. als bebcutiam und folgen|chwer in günstigem Sinne gedeutet und registriert werden.

Botationsbrucf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteiudruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschästrstelle vahnhosstrahe 16a.

Oie Darüaneliensrage und der Krieg.

Tie Diplomaten am goldenen front wissen sich auch in schwieriger Lage zu helfen. Sie haben, auf die fr in weise der Mächte, die Dardanellen wieder geöffnet, sich ober Vorbehalten, sic jederzeit wieder zu schließen. In einigen Tagen erst wird die Schiffahrt wieder frei sein, und wir glauben nicht, daß die Italiener in den nächsten Tagen neue e- e/egenheit ;um Angriff nehmen werden. Zeigt fid) dann später diese Gefahr wieder, so wird die Türkei die Pforte wieder verschließen. Man gewinnt auf diese Weise Zeit in Konstantinopel und schlägt den Italienern ein Schnippchen. In London lobt man schon die Einsicht der Türken. Bemerkenswert ist vor allen Dingen eine Be­sprechung des Oberhauses über die Dardanellen frage, wöbet der Lordpräsidcnt des Geheimett Nates, Bis count Morley, einen konservativen Redner, der ein ent schiedenes Vorgehen gegenüber Italien forderte, ähnlich wie es Lesterreich bei den Gefahren am adriatischen Meere angewandt habe, mit gescknckten diplomatischen Wendungen abfcrriqtc. Der Zweck sei ja jetzt doch erreicht, das war ungefähr der Sinn, und England dürfe iveder den moha mebairticbeit fraß auf sich laden, noch sich die Freundschaft Italiens verscherzen. Morly schloß mit dem bedeut!amen Satz, der das Wcltkriegisgespenst drohend heraufbeschwort und besonders bei uns in Deutschland Beachtung finden

worben haben, darf nicht vergessen werden zu konstatieren: Nach amtftchen türlischcn Nachrichten wurden gestern zwei die öffentliche Anerlenuung ihrer günstigen Wirkungen aus italienische Kriegsschiffe in der Nähe der Insel Kos int unser Enoerbsleben. Nachdem sie früher von Verbraucher-. Archipel bcmerlt

kreisen und von einigen politischen Parteien, vom Zen- Nach einem Lloydtelegramm aus Konstantinopel trunt und den Parteien der Linken, heftig angeseindet! werden die Dardanellen wahrscheinlich am Montag

muß:Hinsichtlich Italiens wäre es andererseits ein un­geheuerlicher und sogar betlagensivcrier Irrtum, unsere lange traditionelle Freundschait mit Italien zu vergessen, llnd mehr als das:W e n n wir unser Interesse an feiner 2 a gc und den Beziehungen alsMil - telmeermacht in einer leicht deitkbaren Zn kunft vergessen wollten."

I« englNch'i' Unterhaus

erklärte am Donnerstag Sir Edward Grey in einer -schriftlichen Antwort auf eine Anfrage, nachdem er den Entschluß der türkischen Regierung, die Tarb mellen wieder zu offnen, verbündet hatte, die sehr ernsten Tat­sachen und Zahlen betreffend den der e n g l i s ch e n S ch i f f fahrt zugefügten Schaden seien sowohl der italie­nischen wie der türkischen Regierting zur Kenntnis gebracht worden. Andere Regierungen Härten natürlich in dieser Angelegenheit ihre Intens en entsprechend gewahrt. Er betlage den dem neutralen frandel bereits zugefügten Scha-

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und Aafztigen

dern dessen Wirkungen sich auch in der ganzen Weltwirt- fd>aft bemerkbar machen: der deutsche Stahlwerksverband mit Sitz in Düsseldorf wurde auf weitere 5 Fahre ver­längert Zwar erscheint er nicht ganz wieder in der alten Form, denn ein wichtiger Teil der Eisenerzeugnisse, die sog Produkte B, die bisher, wenn auch nicht fyndizrert, so dock, tontingentiert waren, mußten vorläufig ganz außer Betracht bleiben, da die Mehrforderungen in den Beteili- gungsziffcrn der einzelnen Werke derartig exorbitant waren, daß eine Einigung ganz ausgeschlossen erschien. So hat man denn vorläufig nur die Produkte A «fratbzeug, Trä­ger, Schienen und Eisenbahnmaterialien) in dem neuen Verband zusammengesaßt und trägt sich mit der fr Öff­nung, bis zum 1. Juli d. I. auch die anderen Eisenerzeug- nisse, die Produkte B, unter den Schutz des neuen Ver bandes zu bekommen Eine wesentliche Stärkung des Ver­bandsgedankens würde mit der Erfüllung dieser froffnung unzweifelhaft verbunden sein. Tenn die Produkte B stellen mehr wie die frälfte aller Eisenerzeugnisse dar Trotzdem aber sind die Aussichten für diese weiteren Bestrebungen sehr gering, denn seit fast einem Jahrzehnt gibt man sich die größte Mühe, eine teilweise Syndizierung der Pro­dukte B l>erbcizusühren, aber stets mit negativem Erfolg. Bei der immer stärker hervortretenden Verschiebung des Schwerpunktes unserer gesamten Eisenerzeugung von den ^-Produlten weg nach eben diesen B-Produtten sind die Aussichten, die großen Stahlwerke auch in den B-Probukten in einen Verband zu zwingen, in Zukunft nicht bejjere ge­worden, sondern sie werden geringer.

Stellt der neue Stahlwerksverband somit zweifels­ohne eine Schwächung seiner Position und seines Einflusses gegenüber dem bisherigen Verband dar, so bleibt feine Be­deutung für unsere einheimische Volkswirtschaft nichtsdesto­weniger noch groß genug, um seine Neugestaltung mit Genugtuung und mit Beifall- begrüßen zu können '»'ibt er doch bei her Bedeutung, die unsere Eisenindustrie infolge der kolossalen Ausdehnung ihrer Produltion unb der dem entsprechenden Stellung auf dem Weltmarkt genommen hat, unserem gesamten einheimischen Erwerbsleben einen gewissen Rücklwlt und eine auch von Staats wegen an­erkannte Stabilität. Tie starken Konjunkturschwantung n früherer Zeiten haben sich unter der Aera der Kartelle wesentlich gemildert. Dank ihrer toiiiinuicrüd) und ne- mäßigt bleibenden Preis- und Perkaufspolitik sind die Erschütterungen und Krisen in unserem Wirtschaftsleben üt den letzten Jahren auf ein erträgliches Maß beschränkt worden. Das macht sich sowohl in den Eisenbahn- wie sonstigen Verkehrseinnahmen des Staates und Reichs eben­falls wohltuend bemerkbar. Und ganz besonders auch in den Steuerverhältnissen unserer Attiengefellschasten und sonstigen Erwerbsgefelifchasten. Daher auch das große Interesse, das die preußische Regierung von Amts wegen den Vorgängen bei der Erneuerung des Verbandes entgegen» brachte. Nachdem der Stahlwerksverband seinen Bestand bis 1917 gesichert hat, darf angenommen werden, daß davon

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eine günstige Rückwirkung auch auf eine Reihe anderer Verbände ausgeht, daß insbesondere auch für die Erneue­rung des rheinisch-westfälischen Ko h l e n s y n d i ka t s die Wege geebnet find.

Aber darüber hinaus gewinnt die wieder ausge­sprochene Geschlossenheit unserer mächtigsten Industrie auch für unsere gesamte Stellung auf dem Weltmarkt eine nicht hoch genug anzuschlagende Bedeutung. Wie weit diese geht, erhellt aus der Tatsache, daß die Augen der großen Industrieländer einschließlich England und Ame- rifa auf das Ergebnis des heutigen Tages gehärtet waren und eigens Vertreter nach Deutschland entsandt hatten, um über den Ausgang der Verlrandlungen sosprt untemäytet zu werden Der deutsche Stahlwerksverband ist ein ton­angebender Faktor für die eisenerzeug.'nde und e.senv.rbrau' ck;ende Welt, mit dem gerechnet werden muß Er stärkt unfern Export, er verhindert eine Verschleuderung dei von ihm kontrollierten Erzeugnisse nach dem Anslmtd ourch

Lin Gespräch mit Zelter.

Mit Zelter hat der Weimarer Musiker Christian Lobe ein interessantes langes Gespräch geführt, das nach seinen Auszeich­nungen in der jept kaum mxb bekannten SammlungAus dem Leben eines Muiilcrs" in den bei E. S. Mittler u. Sohn er» sei «einendenStunden mit Goethe" wiedergegeben wird. Natür- lid stand der Alte von Weimar im Mittelpunkt der Unterhaltung. Don seiner eigenen Berühmtheit hielt Zelter wenig.Na, Gott sei Tank," meinte er,einige gute Seelen haben mich lieb! Ja, aber es sind ihrer venluckft wenige! Berühmt? Einiger Lieder wegen, die mandrr andere ebenso gut, mancher andere besser ge­mocht bat? In die Unsterblichkeit? Tas ist gewiß a m R o ck s cho ß e Go ethes, denn an der frand meiner Taten würde ich nicht weil kommen. Er sott leben, mein herrlicher Freund, er soll leben!"

Wissen Sie, was ich für ein Universalmittel halte, empor» '.ulommcn?" fuhr er bann fort,Anspanrrung heißts! Aufgaben fdjoerftcr Art muß man fick so oft wie möglich stellen und mit ihnen sich hcrumbalgen, dis man Angstschweiß schwitzt. Kein Mensck' lann wissen, was in ihm liegt, wenn er nicht in seinen Straften herumstort Denken Sie sich einen 'Brief von Goethe und seinemFaust!" Ersteren diktiert er in der Minute, und tausend andere Menschen können das auch, flberFaust!" Welche ungeheure Anspannung des Geistes nerroenberc Goethe darauf, dreißig Jahre hindurch! fr arte er mit der Geisteskraft, die er zu einem Briefe brauchte, nur eine SeiteFaust»' herausgefördcrt? Ta mußten die Geistessehnen gant anders angespannt werden. Solche Anspannungen schauen die meisten Menschen, und darum die Seltenheit großer Taten! ... Ta schreiben die faulen frunds- fetter im SdHafrode des Geistes ein Stück, eine Oper, einen Roman wie einen Brief! Ich ivunsche oft, ich könnte den Faulpelzen ein Tonnerroetter aufbrennat wie meinen Gesellen!" Das Gespräch tarn dann auf Goethes Alter und Zelter stellte es war im Jahre 1820 die paradoxe Behauptung auf, Goethe sei viel älter als 71 Jahre.Was heißt leben?" erklärte er heiter,essen nnd trinken tut der Leib, unb Goethes Leib ist 71 Jahre alt. Zider der Geist des Menschen schaut zurück in die Zeiten, und so weit ihm die Geschichte zur Kenntnis fomrnt, so lange hat er gelebt. Was Sie gestern gesehen, ist heute für Sie Erinnerung wie bas, was 'Sie über ein Ereignis vor taufenb Jahren gelesen. Tas gibt sechstausendjähriges Wissen. Der Dichter bat zur Darstellung desselben die Vergegenwärtigungskunst. Wer besitzt sie in höherem Grade als Goethe? Finden Sie -wischen ,Lery unb Bätcly",

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