Ausgabe 
28.6.1912 Drittes Blatt
 
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Ur 150 Zweites Blatt <62. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme deS Sonntag«.

Diesiebener Zam.ltenblätter" werden dem LsHS |7 üy I X |g 5 RZ g ßE |7 3 .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS V 1 U, 1 H B Q tL, M, XvM E § Vi R &J8 tk, SL Xrei,blatt für den Kreis Sichen" zweimal V II ~

«öchemllch. Tie ..Landwirtschaftlichen Leit' E w

«rfcfjeinen monatlid) jraeitnaL General-Anzeiger sur Oderhessen

Zreitag, 28. Juni M2

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversuälS - Buch» und Gtcinbnidereu R. Lange. Dießen.

Redaktion, Exvedition und Tnicferei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

RedakNome^SIlL.reU'AdruAnte,aerDießen.

politische Tagesschau.

«he un» Geistlichkeit.

Ein rechtskräftig geschiedener Bahn Arbeiter hatte tor dem Münchener Standesamt eine neue Ehe ge­schlossen. Tic Eheleute wohnten in der Gemeinde Untern heim bei Ingolstadt. Der dortige Pfarrer richtete Briefe an sie, in denen er ihre Ehe als bigamisch, als sündhaftes und äraerniserregendes Verhältnis bezeichnete, sie zur Aufgabe der Gemeinscliaft aufforderte und mit kirchlichen Strafen bedrohte. Auf einer Briesadresfc be- zeichnete er die Ehefrau nur mit ihrem Mädct>ennaincn. Nun stellte der Gatte Klage wegen Beleidigung. Uiiglaub- licherweise wurde jedoch der Pfarrhorr vorn Ingolstädter Schöffengericht freigesprochen, und gegen das Urteil der B e r u f u n g s i n st a n z , des Landgerichtes, Eich­städt, das zu einem anderen Urteil kam, legte er Revision zum Obersten Landesgericht ein. Jetzt end­lich muß er sich mit der kostenfälligen Verwerfung dieser Revision zufrieden geben. Tas Revisions urteil führte u. a. aus:

E»Mrgibt sich zwar nach § 1588 des Bürgerlichen Gesetz­buches ^Mrsmts das unbestreitbare Recht der katlwlisd>en Mird>c und ihrer Tiener, die zweite Ehe eines gerichtlich geschiedenen Katholiken pro foro interno als ungültig zu betrachten, ander­seits aber die Pflicht, diese Ehe in ihren bürgcrlich-rechtliänn Wirkungen als gültig zu behandeln. Hiernach ist der gesetzliche Anspruch einer in staatlich anerkannter Ehe lebenden Frau, bcu Namen ihres Ehemannes zu führen, auch von der geistlichen Be­hörde nach außen hin zu beachten.

Tas; zu einer Selbstverständlichkeit drei richterliche Jn- stauzen in ?lbspruch genommen werden konnten und muß­ten, das erfdjeint symptomatisch für die selbstbewußte Hart­näckigkeit und die latente Staatsfeindlichkeit des Ultra- montantsmus, der im bayrischen Ministerium Hertling seine Zeit gekommen erachtet.

Die Ausgestaltung des Emdener Hafens.

DieNordd. ANg. Ztg." schreibt zur Ausgestaltung des Emdener Hafens:

Die Auffassung, daß Emden nur eines neuen kapital­kräftigen Schifsahrtsunteruehmens bedürfe, daß, wenn dieses gewonnen ist, sonst das zur Schaffung eines großen .Handelsplatzes Erforderliche ohne weiteres folgen werde, ist irrig. Ein neues Schiffahrtsunternehmen kann vielmehr nur aufkommen, wenn in Emden die Voraussetzungen zur ausreickhrnden Alimentierung eines solcl>en Unternehmens vorhanden oder ohne weiteres sick-ergestellt sind. Wer ein neues Schiffahrtsunternchmen, insbesondere auch zur Be­förderung von Auswanderern, betreiben will, der würde nur in schwerem Kampfe mit den bereits bestehenden Un- temdymen, sowohl des Inlandes wie des Auslandes, auf­kommen. Daß durch einen solchen Kampf die beiden großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften in erster Linie in Nkitlcidenfchaft gezogen würden, ist klar. Diese Gesellschaften stehen bereits an zahlreichen Stellen des Weltverkehrs im heißen Konkurrenzkämpfe mit den ausläudisclien Unternehmungen: ihre Laye durch die Schaf­fung eines neuen Konkurrenzkampfes im eigenen Lande zu erschweren, dürfte mehr als unerwünscht sein.

Bei dieser Sachlage muß cs richtiger erscheinen, wenn man, um Emden an den Weltverkehr anzuschließen, die in Deutschland bereits bestehenden Unternehmungen be­nutzt und sie nach Entden führt. Dies kann dadurch ge­schehen, daß die deutschen Gesellschaften entweder eigene, von Emden ausgehende Linien schaffen oder aber Emden mit den bestehender;, nach den verschiedensten Verkehrs- gebietcn Verbindung schaffenden Linien anlaufen, um den in Emden vorhandenen, von ihnen geförderten Verkehr an Personen und Fracht aufzunehmen. Die gleichen Er­wägungen lverden den Bundesrat geleitet haben, als er das Gesuch der deutschen Reederei G. m. b. H. in Ham­burg um Zulassung zur Auswandererbeförderung über Emden ablehnte. Im übrigen ist zu erwarten, daß der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika Linie in kurzem die von ihnen erbetene Erlaubnis erhalten, Auswanderer auch über Emden zu befördern. Die beiden Gesellschaften verpflichteten sich bei der Gewäh­rung der Erlaubnis entweder, wie die deutsche Reederei plante, eine eigene, zunächst vierzehntäglich verkehrende, und gegebenenfalls zu wöchentlichem Verkehr auszugestal- tende' Dampferlinie zwischen Emden und New York zur Beförderung von Auswanderern und Gütern einzuricksten oder aber den Dienst zwischen Emden und Nordamerika zunächst solange er eine eigene Linie nicht genügend tKL'lorgt durch Anlaufen mit ihren Dampfern von Bremen und .Hamburg aus zu bewirken, daneben noch einen vierwöchentlichen Frachtdienst zwischen Emden und 1 Ostasien, 2. Australien, 3. Südamerika zu unterhalten. Die Wahl unter diesen beiden Angeboten ist der preußi­schen Regierung überlassen. Es ist wohl nicht zu be- zweifelu, daß bei der zu treffenden Entscheidung bte wohl­erwogenen Interessen von Emden den Ausschlag geben.

Aus IHarotto,

Mazagan, 27. Juni. Ein Brief aus Marrakesch vom 23. Juni beliebtet von ernsten Gefechten, die am Freitag vor den Stadttoren zwischen Anhängern El Glau:, und Mtugis stattfanden. Die enropäWn Kolonien Thiel teten in die Konsulate. Eine Wteilung Soldaten bewacht die Tore des Ghettos. Die Gegend von Mazagan ist ruhig

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 27. Juni.

Anwesend: Oberbürgermeister Meeum: die Beigeordneten Mer, Emmelius, Grünewald; du Stadtverordneten Dr Ebe. Eichenauer, Friedberger. Gabriel, Habemckt, Heid>clherm Helttia. Helm, Huhn, Jann, Krumm, Leib Loder, Orbig. ^chaMt^, Simon, Dr. Sommer, Trotz, Urstadt, Vetters, Wallenfels, ~r. Dimmenauer, Winn.

Mitteilungen.

Stadtv. Heichelheim wünscht im Anschluß an die vor rusgegangene Auslosung, daß bic AuslosunMermme icweils irn Verwaltungsbericht mitgeteilt werden. Der Vc-r) i &e n öe lagt zu, daß ein entsprechender Vermerk im Voranschlag gemacht wird.

Aus Anlaß der Eingabe der Stadt an den preußischen Eisen- bahnrniuistcr wegen der L i n t e r l a n d b a h n mürbe voi Iep lerer Interessenten ein offener Brief an Oberbürgermeister Mecum geri 'Uet, in dem namentlich auch die beiden hiesigen Landtags abpeorbneten angegriffen worden sind. Beig. OVrüncroalb hat des­halb ein Schreiben an die Versammlung gerichtet.

Ve de Säui'listcke gehen an den Verkehrsausschuß. Stadtv. Eichenauer wünscht, daß den Mitgliedern beide Schriftstücke zugänglich gemacht werden. Das soll geschehen.

Von der Landes universitär liegt eine Einladung zu dem am 1. Juli stattfindenden Jabressest der Universität vor

Eine Eingabe von Awvohnern der Frankfurter Strafte ersucht um Pilasterung der Strafte imb einige andere Verbei scrungen. Die Angelegenheit wird zunächst die Baudeputation beschäftigen

Oberst v. Crotta ersucht um Ueberlassunq des vorderen Teils des Triebs für das nächstjährige 100 jährige Regiments- jubiläum, das am 7. und 8. Juni stattfinden soll. Die Ber sammlung ist damit einverstanden.

Baiigesuche.

Ein Baugesuch des Friede. W ö r n e r für Krosdorser Straße 12 für einen Anbau, der weniger als 2 Stockwerke über Sockelhöbe hoch werden soll, wird befürwortet unter der Bedingung, daß über die Abtretung eines Stückes Straßenland eine Einigung er zielt wird.

Die Herstellung der Einfriedigung des Grundstückes von Philipp Nicolaus am Seltersweg nach der Süd^Anlage hin in Holz wird genehmigt.

Für das

Gauttirnsest bei GaueS Hessen

hat die Festleitung um Bewilligung eines Beitrags von 2000 Mark nacl)gesucht. Außerdem wird um leihweise Hergabe von Fahnen ersucht. Die Baudeputation beantragt die Genehmigung beider Gesuche.

Stadtv. Vetters spricht sich gegen eine derartige Bewil­ligung aus, da die Anforderungen, die in dieser Hinsicht von allen möglichen Vereinigungen an die Stadt gerichtet werden, viel zu weit gehen. Es sei ja richtig, daß einige Geschäftsleute davon Vorteil hätten, aber das sei kein Grund, aus allgemeinen Mitteln Geld aufzuwenden. Wenn der Arbeiterlurnerbund ein gleiches Gesuch an die Stadt gerichtet hätte, wäre wohl nichts bewilligt worden.

Stadtv. Eichenauer führt aus, die deutsche Turnerschait umfasse die Allgemeinheit, ohne religiöse oder politische Abson­derungen, das Turnen sei die volkstümlichste Leibesübung und diene jedem. Es entfrnedtf dem Geist der hiesigen Bevölkerung, daß man dem diesmaligen Turnfest nicht passiv gegenüber stehe. Er halte es für bedauerlich, daß man auch in die Turnerschaft eine Spaltung narb politischen Grundsätzen hineingetragen habe.

Stadtv. Löb er ist der Ansicht, daß man für eine so gewaltige volkstümlich Bewegung wie das Turnen unter allen Umständen etwas bewilligen müsse. Die Absonderung eines Teils der Turner­schaft sei nicht notwendig gewesen.

Der Vorsitzende ist für die Bewilligung, da es sich nicht um eine Lokalfeier, sondern um ein allgemeines großes Fest handelt. . _

Stadtv. Krumm meint, wer ent Fest feiern wolle, solle auch die Mittel dazu selbst aufbringen. Er bestreite der Ver­sammlung das Recht, aus allgemeinen Mitteln solche Bewilligungen tu machen. An und für sich erscheine die angeforberte Summe ihm viel zu hoch , _ _

Stadtv. U r stadt hält es für berechtigt, einen Zuschuß zu bewilligen, böckchens könne man an der Höhe der Summe An­stoß nehmen.

Oberbürgermeister Mecum führt aus, man Jonne nicht gut weniger bewilligen wie 1896, wo man dieselbe Summe gegeben habe.

Stadtv. Troß ist für die Bewilligung. Man brauche des­halb noch nicht alle derartigen Anforderungen zu genehmigen.

Stadtv. Gabriel, der ebenfalls für Bewilligung ist, macht daraus aufmerksam, daß die Stadt durch das Fest auch vermehrte Einnahmen habe, z. D. bei der elektrischen Bahn.

Beig. Grünewald kann den Ansichten der stadtv. Vetters und Krumm nicht ganz beipslichten. Das Turnen sei nützlich und nur zu billigen, deshalb seien die Veranstalter deS Festes auch berechtigt, an die Allgemeinheit zu appellieren. Gegen die Höhe der geforderten Summe habe auch er Bedenken.

Ter Antrag, 2000 Mark zu bewilligen und ausnahmswene die Fahnen und Fahnenstangen herzugeben, findet mit sehr großer Mehrheit Annahme.

lieber die

Abhaltung der Rindviehmarkte

berichtet Beig. Grünewald: Der Marktausschuß habe die Frage der Errichtung eines provisorischeii Platzes für die Vieh- Märkte als dringlich angesehep. Nicht bloß die direkten Inter­essenten etwa 25 Leute, die Stallungen für Vieh und Woh­nungen für Menschen eingerichtet und durch den Ausfall der Märkte erheblickum Verlust hätten sondern die gewerbetreibende Bevölkerung der in der Nähe des Neuslädter Tores gelegenen Stadtteile sei in ihrem wirtschaftlichen Interesse tief berührt. Die Seuchengeiabr sei abgefckswächt, die Abhaltung von Märkten, unter Innehaltung veterinärpolizeilicher Einsckwänkungen, sei statthaft. Neben der Dringlickckeit habe die Marktkommission die Etablierung des provisorischen wie später des definitiven Viehmarktplatzes in der Nähe der Neustadt für grundsätzlich wichtig gehalten. Die Stadt Gießen habe kein Interesse daran, daß Kühe verkautt werden sondern daß Verkehr in die Stadt komme, Verkauf und Verzehr natninde. Deshalb sei s. Zt. das Gnauthsche Projekt, das "den Viehhor nach Klein Linden zu verlegen wollte, gefallen. Tcr Marklausschuß habe folgende Plätze für die vrovnorische Einrichtung ins Auge gefaßt: der Oswaldsgarten ict vorge- Magen worden, ihm erscheine es aber untunlich, den Bewohnern der um dieseii Platz herum gelegenen Häuser -einen Viehmarkl verkehr zuzumuten. Der Platz in der Sd-varzlach sei zu weil m,m Balmhvie entfernt, er bedinge einen Transport des Viehs Mrck, belebte Straften. Der Platz an der Margarethen Hütte ,n nick't ungeeignet, aber zu weit von der Stadt entrernt, es würden oiefc Interessenten notleiben, wenn der Biehmarkt dort einge r:cbtct'rocri>e Der Kommission, die in dieser Hinsicht einstimmig sei schein-- der Platz auf derInselam Elektrizitätswerk der beste, -r's i geräumig, sei mit Gras bewachten, sei falt immer hoch- wassersrci und liege nahe am Dahnboi und nahe an den Stal­lungen der Hamrnsttaße usw. Das Kreisveterinäramt habe gegen -en Platz nichts einzuwenden. Ghaumenmg des Platzes ,ei tüt ine proDiforiidK Benutzung nicht notwendig. Jedernalls müsse ?-e Sache als äußerst dringlich behandelt und durfte nicht ver- 'O^^Der Vorsitzende macht Mitteilung von dem bisherigen Gang der Angelegenheit und meim, gegen den jetzigen Vorschlag gebe es erhebliche Bedenken, so daß eine nochmalige Prümng 1 rTDrStab* Löher ist für die Dahl eines Platzes in der Nähe der Stadt. Tas Jnselprchett Halte er Tür unausführbar wmal damit zu rechnen sei, daß bei Durchführung der Lahnkanalnatton Der Soren dahin komme. Besser sei für den Markt em Platz in ber Schwarzlach, wo bie Stabt 72000 Quadratmeter Gelände

besitze Das sei zugleich eine Gelegenheit, dem notleidenden Doll- tor aujzuhclien.

Sladlv. V i n n svrickst sich für den Platz auf der Insel aus, hält ihn aber für die dauernde Einrichtung eines Marktplatzes zu klein. Der Platz in der SduvarMadi komme nicht in Frage, da dorthin ein Gleisanschluß nicht zu erlangen sei.

Stadtv Troß halt die Insel für groß genug, um den Markt auch endgültig aujnehmen zu könneu. (ir glaube übrigens, daß es gestattet werde, den Markt vorläufig noch auf dem jetzigew Biehmarklplan abzuhalteii.

Stadtv K r n m m ist für den Vorschlag des Marktaussduifscs und kritisiert die übertriebene Aengsilichk.n der hessisdu'n Velennär bebörben. Die Schwarzlach sei für den Markt ungeeignet» da damit den seitherigen Marktinteressenten keine Rechnung getragen werde. Bei der Errickning der Irrenanstalt habe man dem Walltor helfen wollen, aber die Sache sei an den übertriebenen, Forderungen der Grundbesitzer gescheitert.

Nachdem Stadtv. Simon an Hand deS vorliegenden Planes itd) über die Brauchbarkeit und die Vorzüge des Platzes mii der Insel geäußert hatte, wird besdstossen, daß sich der Marktaiisschuß uud die Baudeputation mit dem Projett beschäftigen und bis zur uächsteu Sitzung 'Vottage machen sollen. Außerdenr soll am nächsten Montag eine Besichtigung ber in Frage Eommcnbeii Plätze stattsinbcn.

BktschitdeneS.

Für die von Stadtv. Heichelheim angeregte Befestigung deS Verbindungsweges von der Süd-Anlage uad; der Plockstrofre sind 450 Mk. enorderlich Da Zweifel vorhanden sind, welche Wege befestigt werden sollen, geht die Sache an die Baudeputation zurück. *

Für die Beschaffung von Dienströcken für die frei­willige Feuerwehr werden 700 Mk. bewilligt.

Durch die neue Anlage hinter den: Garnisonlazarett ist die Aufstellung mehrerer Banke erforderlich geworden. Da auch sonst noch einige Bänke wünschenswert waren, wird Bewilli­gung von 620 Mk. für die Bcschaffimg von 12 Banken beantragt.

Stgdtv. Sdjaffftäbt wünscht die Aufstellung von Bänken am Sdireiberweg, Stadtv. Friedberger auf dem Wiesenweg nach dem Philosophenwald und Stadtv. Wallenfall S an Oswaldsgarten. Stadtv. Winn bittet, es bei dem Ursprung- lidk-n Vorschlag äu belassen, während Stadtv. 2 ö ber für die An­schaffung von 18 neuen Bänken eintritt. Stadtv. Hab <*nicht wünscht, daß die Bänke möglichst dutch Bäume und Buschiverk schattig gemacht werden.

Es wird beschlossen, 18 Bänke anzuschaffen und.es werden dafür 1000 Mk bewilligt.

Einige Arbeiten und Lieferungen werden nach den Vorschlägen des Vorsitzenden freihändig vergeben.

Stabtv Troß spridst den Wunsch^ aus, daß die Turnnihr aut dem Schlachthaus bald instand gesetzt werde, was Stadtv» Gabriel unterstützt-

Ter Vorsitzende bemerkt, das hänge zusammen mit bei Frage der Einrichtung einer Zentraluhrenanlage, bie gegenwärtig in Vorbereitung sei.

Stabtv Leib führt .Klage über die Uhr auf ber Johamtes- kirche, bic öfters falsch schlage.

Ter Vorsitzenbe bemerkt, eS schwebten hierüber Verhand­lungen mit dem Kirchenvorstand.

Stadtv. Tr. Sommer beyrüßt die Schaffung einer elek­trischen Uhrenzentrale. Tic Universität plane etwas ähnliches.

Bei der Herstellung der Hammstraße ist eine Strecke probe­weise mit Vulkanolplatten gepflastert worden, wofür 4800 Mark narftträglid) bewilligt werben.

Stadtv. Löb er meint, die Fuhrwerksbesitzer hielten die frühere Pflasterung mit großen Basaltsteinen für das richtigste, während bie Stadtv. Krumm und Helfrich auf bic mit der Kleinpftasterung in ber Schanzcnstraße unb Licher Straße ge­machten guten Erfahrungen Hinweisen.

Dem Verkauf einiger Gelänbcstückc am alten Stein­weg an bic Anlieger wirb zugestimmt.

Die Ferien der Stadtverordnetcn-Dersamm- l u n g werden auf die Zeit vom 2. August bis 18. September fest­gesetzt.

Stadtv. Urstadt sprich» dabei den Wunsch aus, daß die burd) bic Arbcitsorbming für die stabtischeu Arbeiter eingeführten Ferien nicht nur auf dem Papier, fonbern auch in WirNidckeit gewahrt werben. Die Sttaßenbahnbebiensteten hätten bis jetzt noch keine Ferien gehabt.

An der Aussprache hierüber beteiligen sichderVorsitzcndc, der feststellt, daß die Straßenbahnbediensteten öom 1. Juli d. I. ab Anspruch auf Ferien haben, die Stadtv. Simon, Eiche­nauer, Gabriel und Krumm, die sämtlich für die Ferien­bewilligung eintreten.

Universitäts-Nachrrchtett.

hk. Marburg , 27. Juni. Professor Dr. Hans Gl ag an hier hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Geschichte an der Universität Greifswald als Nachfolger von Geh. Rat Prof. Ulmann angenommen.

Der ordentliche Professor der Archäologie Geh. Regierungs­rat Tr. Georg Locschcke in Bonn wurde in gleicher Eigen­schaft an die Berliner Universität als Nachfolger von Geh. Rat Prof. Reinhard Kekule von Stradonitz versetzt. Er über­nimmt sein neues Lchramt mit Beginn dos kommenden Winter­semesters.

Der enter, o. Professor der Phvsiologie an der Prager deutschen Universität Dr. mcd. Johannes Gad feiert am 30. d. M. seinen 70. Geburtstag. Er stammt aus Posen. Am 1. April 1911 trat Gab in ben Ruhestand.

Gerichtssaal.

Rom, 27. Juni. Um 10 Uhr abends fällten die Geschwo­renen das Urteil gegen den ehemaligen Kavallerieleutnant Paterno, der am 2. Marz 1911 die .Hofdame ber Königin Trigona getötet hatte. Aus Grunb bes Spruchs der Ge­schworenen verurteilte ber Geriditshos Paterno zu lebenslänb- licker Zwangsarbeit, ber schwersten Strafe bes italie­nischen Gesetzbuches.

Zweibrücken, 27. Juni. Sechs Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust unb Stellung unter Polizeiaufsicht erhielt vom Pfälzischen Schwurgericht ber Tüncher Christian Bieber aus Mittelderbach, der am 26. Juli v. I. einem 14 jährigen Kinde im Walde bei Mittelbexback einen Betrag von fünfMark geraubt hatte. Der Verurteilte bat wegen Raubmordversuch bereits zehn Jahre Zuchthaus verbüßt.

Handel.

Postscheckverlehr. ,-Jur weiteren Förderung des bargeldlosen Zahlungsausgleichs wird das Postscheckamt in Hannover am 1. Juli der daselbst bestebenden Abrechnungsstelle der Reichs- baut als Mitglied beitreten. In dem Abrechnungsversahren werden auch Postschecks ausgeglichen, die einer der Abrechnungsstelle an- qebörenben Bank zur Einziehung übergeben werden. Tie Schecks müfien mit dem gner über die Vorderseite gesetzten Vermerke.Nur zur Verrechnung' versehen sein und dürfen auch über höhere Be­träge als 100U0 Mk. lauten.