Kr. 277
viertes Blatt
162. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Gietzener Zamtliendlätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krelsblah fflr den Kreis Glehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Samstag, 25. November 19(2
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UnwersilälS • Buch» und Skeindrurterei.
R. Lange, Dieben.
Redaktion, Erpedttion und Tmcferei: Schul« straste 7. Exoedtnon unb Verlag: 51.
Redafnon.e^-HSllI. Tel.-2ldr.:2lnzelgerD»eben.
gleichzeitig zwei Kinder, Charlotte und Heinrich, einsegncn lasse." häufig erinnert sich fcer .Hrouprtn^ an die Jahre, da er durch Eurtius in das weite Reich des Wissens und der Bildung einaesührl wurde. Bescheiden bekennt er nach lieber* scndung der „Griechischen Geschichte"':
„Was im besonderen nun die griechisclie Geschickte betrifft, so will ich Ihnen beichten, daß ick bei Nennung derselben niemals das Gefühl bösen Gennsfens Ihnen gegenüber ganz überwinden kamr. Grund dazu ist die Empfindung, das; ich während meiner Mnabcnjal re, gerade als Sie mich mit jenem Thema vertraut zu machen bestrebt waren. Ihnen besonders schwere Stunden bereitete! Ein anderes ist es freilich, ivemt Sic von dem klassisch Schönen und Erhabenen sprechen iroUcn, auf welches Sic und zwar Sie ganz allein, mich ivährend meiner Jugendzeit aufmerksam zu machen verstanden."
Biel erzählt er von seiner Lektüre, von seiner Liebe zu Kunst und Tid)tun$, und seine Verehrung Getbels Hingt warm'durch eine Würdigung beim Tode des teuren Mannes. Bon besonderem Interesse ist ein Bries, in dem der Kronprinz über die Verleihung des Ordens pour le m 6 rite an Gustav I-reytag spricht.
„Meines Erachtens gehört derselbe zu den hervorragendsten Gröfecn innerhalb unserer Literatur" — so begründet er die Ehrung am 26. Juni 1886 — „welcher ebenso für die nationale Richtung wie auch für die gute und gesunde Strömung, von der nur edle und bobe Gedanken ausgehen, erfolgreich gewirkt hat. Wie er für den Verfasser des besten modernen Lustspiels gilt, so darf man seine Bilder aus der deutschen Bergan genl/cit nebst den „Ahnen" sicherlick als eine nationale Dichtung ersten Ranges ansehen, wie wir wohl keine zweite besitzen, und welche ihm einen höchst ehrenvollen Namen für alle Zeilen in unserer Literaturgeschichte sichern."
lieber die letzten Briese fenfeu sich bereits die schweren Schatten der T o des kra n kh e i t des Fürsten, von der er freilich nichts ahnte. Am 13. Juli 1887 dankt er Eurtius für seine Teilnahme „an meiner recht lange dauernden Heiserkeit, deren Beseitigung indessen Tr. Morell Mackenzie in Aussicht stellt. Zu diesem Unternehmen begebe ich mich am heutigen Abend nach England, wo ich Landeinsamkeit in der Nahe Londons auf der Insel Wight aufsuche und meinen Arzt mit Leichtigkeit erreichen kann."
Der alte Lehrer hatte daran erinnert, wie volltönend und kräftig die Stimme des Prinzen unter der Leitung des Musikdirektors Reichardt sich enhpiefett habe: darauf erwidert er: ,/Ob meine Stimme wieder dasjenige leisten wird, was, wie Sie es so hübsch Erzählen, einstmals Reichardt zustande brachte, ist wohl nicht so bald zu entscheiden. Möchte dieses -Organ aber in Verbindung mit denjenigen, die Sie bei mir zu wecken vermochten, mir noch Anlaß geben, Gutes und Nutzbringendes in Frieden zu vollführen!" Und am 17. November rühmt er aus San Remo, „wie heroisch und mit welck)em Sachverständnis meine Frau mich pflegt, unterstützt von Sir Morell Mackenzie nebst seinem Assistenten Dr. Hovall, welche beide sich unser volles Vertrauen erworben haben." Hoffnungsvoll schreibt er: „Wenn Der
liebe Gott so will, kann ia trog mannigfactier Schwan-« tun gen meine Gesundh.it sich allmah.ich nneder befestigen, also daß ich mit der Zeit bossen darf, meine Kräfte wieder den mir obliegenden Pflichten zu widmen. Mir hat seine bilfreidK Hand schon so oft deigcstauden, daß auch jetzt mein Vertrauen zu seiner Hilfe nicht erschüttert ist."
Spielplan der Siebener Staöttf)iaters.
Direktion: Hermann Stcingoetter.
Sonntag, den 24. November, abends 7s Uhr, bei kleinen Preisen: ,Tic Brant von Messina." (5ube 10\ Ubv. Montag, den. 2 . November, nachmittags 3 . Uhr, bei Voltsvreisen : Slnibci - Vorstellung. UnterÄun'lrkuug berftaoelle des In'anteile-Regiment« Waifcr Wilhelm Nr. 116: .Rotkäppchen.* Ende 5’ , Ubv. Abenos
Uhr lauster Abonnement, Gutscheine haben Gültigkeit): Fest- Vorstellung zur Aeier des Geburtstages er. Kgl. Hob. deS Drost- Herzogs. Feit-Ouvertüre. Ouvertüre zu .Leonore" Nr. 3 von Ludivi' van Beethoven, auSge'uhrl von der Kapelle des Insauterie* Regiments datier Wilhelm *Jir 116 unter Leitung des Herrn Ober- muiifmciüerS Wilh. Lobe r. ■'hierauf: Gastsvrel des Hofsckauspielers Rud. Zeltdach vom Kgl. Theater in Kasfcl: .Ter Königsleulnant." Lusisvicl in vier fttufzügen von K. Gutzkow. Ende gegen 10s Uhr. Tienstag, den 26. 9loutmbcr, abends 8 Uhr, bei BrIk-preilen: Volks»Vorstellung: .Ter Biberpelz/ Ende 10'/« Uhr. Tlill- ivock, den 27. November, abends 8 Uhr («. Mittwoch-Abonnemenl- Borstellung): Gailfpiel von Frl. :1tiza Baior vorn Tculschen Theater in Berlin: ,£>ciinat.u Ende 10'/, Uhr. Freitag, den 29. 9lovember abends 8 Uhr 18. Frettag-Aboiinement-Vorstellung): Gastspiel von Frl. Rr;a B a j o r vom Tcuticken T eaier in Berlin : „herot-eS und Marianne.Eine Tragödie tu 5 2lufzügen von F.tede. ycbbcl. Ende 11 Uhr. Sonntag, den 1. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, bei kleinen Prellen, unter Mitwirkung der Kapelle des ZW.-RegimeiNs Kaiser Wilhelm Nr 116: »Autoliebchen.' Ende <> Uhr. 2lbendS 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen: ,TaS Prinzip.* Ende 10X Uhr.
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Aus neuen Briefen Kaif r Friedrichs.
ErnK Eurtius, der berühmte Verfasser der oriechi dien Geschichte, ist als sein Erzieher zu dem Prinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich, in ein menschlich schönes, freundschaftlich inniges Verhältnis geraten, das sich in dem Briefwechsel des Fürsten und des 'belehrten klar widerspiegelt. In den nächsten Tagen erscheint im Verlage von Karl Eurtius eine neue Ausgabe des „Lebensbildes in Briesen. Ernst Eurtius", das sein Sohn Friedrich Eurtius vor einigen Jahren erscheinen liefe, und nun, um reicl-es neues Material vermehrt, der irsewelt wieder darbietct. Von besonderer Wichtigkeit sind in ter diesem Zuwachs bedeutsame bisher unveröffentlichte Briese Kaiser Friedrick-s, in denen sich der Prinz, Kronprinz und Kaiser in herzlich freimütiger Weise seinem Lehrer und Freunde gegenüber ausspricht. So erzählt er manches von fernem Sohne, unserem Kaiser; voll Vaterstolz unter- richtet er Eurtius von dem freudigen Ereignis, das ihm bevorsteht:
,^Zch mufe Ihnen eigentlich unglaublich Vorkommen," schreibt (t am 8. Januar 1859, „als angehender Baler". Uebrigens bitte <6 eines festzuhaltcn, bafe ich Goll von Grund des Herzens danke, Ich cr Kindersegen in Aussicht stellt, und mir ein Sohn oder eine Tochter gleich lieb sind. Seine Sache ist cs zu entschcidcn, ob du kleiner Stammhalter einst dem Lande nötig ist oder nicht." Tas Jahr daraus berichtet er freudig von den prächtigen Fort- <6ritten, die der kleine Erdenbürger macht: „Meine Frau würde Ilmcn in ihrem Aussehen gefallen und ebenso mein herziger Junge, .>rr als Einjähriger mit federn Tage neue Beweise der Entwickelung seines kleinen Verstandes gibt. Gar oft mufe ich der Schilderungen itbenfcn, die Sie Mir macksten, als Ihr Kleiner sich zu entwickeln ingarni. Gottes Segen ruht auf meinem Hause und wir sehen inter seinem Beistände im Sommer neuem Glück entgegen."
Hocherfreut ist der Kronprinz über das Abiturien- l.-n-Examen seines Sohnes und schreibt am 21. Februar 1877 an Eurtius:
„Lange hat mich nichts so glücklich gemacht, als die Nachricht, OiB mein Sohn sich das Zeugnis der Reife als Gymnasiast er- tweben und nun gleich allen Söhnen von (Gebildeten befähigt er» (beint, seinen selbständigen Gang durchs Leben zu unternehmen, ’iödite diese erste Leistung des Jünglings, der fortan mehr und t'chr der väterlichen Gewalt entwächst, die erste Stufe zu einem würdigen Leben werden, das durch Pflichttreue und echte hin- gebcndc Vaterlandsliebe sich auszcichnct und ihn als sittlich be« imbrlen Mann erkennen lässt. Ich mufe dabei an die Worte benfen, reiche Sie einst für die llcbersendung eines meiner lebten schristlichen Aufsätze an meine Mutter aust'ctzten, ehe ich der Schule im Hause cntnmchs, und welche „wenn sich die ersten Blüten zeigen am kaume, den wir treu gepflegt" anfingen, weil ich nun in der Lage bin, ein gleiches an meiner eignen Pflanze wahrzunchmcn, obgleich Wilhelm leichter als ich lernte und cs mit achtzehn Jahren viel weiter brachte, als ich in jenem Alter vermochte. Heinrich erlangte die Reife zur Obersekunda und somit die Eintrittsbe- 'äbiguitfl für die Marine, deren Mitglied er Ende ?lpril ivird, v baß ick auf einmal zwei Söhne aus dem Hause gebe und saft
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