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25.10.1912 Zweites Blatt
 
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Überall ertilttlloh.

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162. Jahrgang

Zweites Blatt

Erscheint tigtttf} mit «uSnahme beS Sonntag».

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Di«Lietzener ZamiliendlSNer" werden dem ,9lnietgere viermal wöchentlich beigelegt, da4 Ktdsfclatt für den Hrds Sietzen" zweimal wöchentlich. TieL«n»»iNschastlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Ans Hessen.

Tas hessische Ministerium znm Unterricht über das Teutschtum im Ausland.

Durch eine von den Darmstädter Vertretern mehrerer völkischen Vereine, auch des Vereins sirr das Deutschtum im Ausland, unterzeichnete Eingabe ist die hessische ob er ft e Schulbehörde gebeten worden, für alle An­stalten, besonders die höheren, eine eindringlichere Be­lehrung über das Teutschtum des In- und Auslandes an­zuordnen. Darauf ist uach den Mitteilungen des Vereins für das Teutschtum im Ausland am 24. September an alle Direktionen und Schulkommisfionen eine Weisung er­gangen, in der es u. a. heißt:

Wir empfehlen Ihnen deshalb, mit Ihren Lehrern, besonders den Vertretern der Erdkunde, der Geschichte und des Deutschen, die Frage zu erörtern, was im Unterricht über das bisher Gc botene hinaus geschehen kann, um das Wissen vom Deutsch tum a ur der Erde der Würde unseres Volkes gemäß zu steigern und zu befestigen Landkarten, welche die seit Alters üblichen deutschen Namen außerreichischr Städte, besonders un garischer, wie Preßburg und Hermannstadt, rücksichtslos ausgetilgt habe«!!, sind abzuändern: bei Neuanschaffungen müssen solche Harten außer Betracht kommen.

Dieser Erlaß verdient die höchste Anerkennung und die Nachahmung aller deutschen Untcrrichtsbehörden.

laben gemeinsam mit einheimischem Fleisch verkauft werden, einen Teil der Schuld an den bedauerlichen Ereignissen dieser Tage trägt Wie mir criabrcn, dürfen die Ladeufchlächter in Spandau russisches Fleisch neben dem heimischen Fleisch, und zwar an besonderen Tischen, verlausen. Was in Spandau mög­lich ist, sollte doch auch in Berlin durchführbar sein Hätten die wüsten Exzesse nicht von vornherein vermieden werden können, wenn man das russische Fleisch dem vernünftigeren Teile des Fleischergewerbes, freu Ladenschlächtern, zum Verkauf überlassen hätte?

DasBerl. Tageblatt" stellt fest:

Einen starken ideellen Erfolg darf sich die Stadt Berlin schon heute, am zweiten Verkaufstage des russischen Fleisches, auf das Konto ihrer Hilfsaktion gutschreiben, einen Erfolg, der ich heute vormittag bereits für das fleifttzkaufende Publikum

Folge gehabt, daß das Fleisch in vielen Teilen der Stadt e r heblich billiger geworden ist. Einer großen 2lnzahl von Schlächtern scheintüber Nackst" die Erkenntnis gekommen zu sein, daß es doch nützlicher fei, mit geringerem Gewinn zu arbeiten, als in leeren Läden bei den teueren Preisen zu verharren. Namentlich die Sckstäckstergcsckstistc in der Näl>c von Markthallen haben die Notwendigkeit erkannt, il-re Preise möglichst denjenigen des Tarifs anzupassen, den die Stadt Berlin für den Verkauf des eingeführten Fleisä-es vorgeschrieben bat. Rote Plakate verkünden zum Bei­spiel in den Schaufenstern der Schlächterläden in der Gontardstraße, in unmittelbarer Näl?c der Zentralmarkthalle, unter der lieber- schrist:Billiger Rinds!cischverkauf", daß SclMorsleisch jetzt nur 85 Pfennig das Pfund, Fe hl rippe und Kamm 70 Pfennig und Suppenfleisch 65 Pfennig koste. Gestern mußte man dort noch eine Mark für die besseren Qualitäten bezahlen.

(flcrtcbUfaaL

* Büdingen, 21. Okt. (Schösfengerichtssiyung.) Der Handelsmann H. St. und der Viehhändler A. St., beide von Büdingen, hatten wegen der Strafbescheide des Finanzamts Bü­dingen gerichtliche Entscheidung beantragt und wurden beide als nicht schuldig wegen Zuwiderhandlung gegen das Wandergewerbe-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^bl.

Redaktion: e-G? 112. Tel.-Adr»Anzeiger<Ließen.

Sreitag, 25. Moder 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität» - Buch» und Steindruckerei.

9t. Hange, Dießen.

n materieller Weise bemerkbar machte und den Markt in einer die Konsumenten günstigen Richtung zu beeinflussen beginnt, unzulänglich die städtisch.' Fleischzufuhr auch iur Hinblick den gewaltigen Fleischkonsum Groß Berlins sein mag, so der Fleischverkauf, trohöem er sich infolge der Obstruktion

steuer Gesetz und gegen § 55 der Getverbe Ordnung von Strafe' und Kosten sreigefprocheu. Der Metzger geselle W. H. G. von Bmdsachsen wurde wegen Sackcheschädigung zu 5 Mark oder 1 Tag Gefängnis und wegen Beleidigung zu 25 Mark oder 5 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Tünckur M. H. von Bleichen bad» nahm seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen Rad­fahrens ohne Nummerplatte vor Beginn der HauplverHandlung zurück. Der Rentner Z. F. und der Handelsmann Ä. F., beide von Büdingen, hatten mvgen der erlassenen Strafbescheide des Finanzamts Büdingen wegen Zuwiderhandlung gegen das Wandergewerbesteuer Gesetz und gegenjf 55 der Geiverbe-Ordnung gerichtliche Entscheidttng beantragt Sie wurden beide als nicht chuldig von Strafe und Kosten freigefprotben. Ter Tagböhncr K. Sch. von Büdingen wurde wegen Betrugs in jioei Fällen und wegen Tiebstabls unter Einbeziehung der durch Urteil vom 30. September 1912 gegen ihn erfamUen Gefängnisstrafe von 3 Wochen in eine Gefamtgefängnisstrase von 3 Monaten ver­urteilt. Tie Privat klage hes Kaufmanns E. Scki. von Eckarts- häufen gegen den Maurcrgeiellen H. R. und die K. St. Ehefrau daselbst wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt. Die Privatklage des Gifcnbabnobcraififtenten F. Sch. von Frank­furt a M. gegen die M. M. Witwe von Neu Wiedermus roegnt Beleidigung wurde vor der Haupw er Handlung zurückgenommen.

Halberstadt, 23. Okt. Unter sehr starkem Andrang deS Publikums begann vor dem hiesigen S(l)wurgericht der Prozeß! gegen den 28 Jahre alten Sägemüller Karl Her dam von Elbingerode, der beschuldigt ist, den 18jährigen Forstlehrling Her­mann Klie aus Königinhof, der ihn am 23. Mai d. Is. beim Wildern ertappt hatte, erschossen zu haben. Klie, der von feinen Vorgesetzten als ein sehr ordentlicher und verlässiger Mann ge­schildert wurde, war am £3. Mai mittags von seinen Eltern fortgegangen und wollte gegen 9 Uhr wieder zurück sein. Als er am Abend pickst zurück kam, wurden Nachforsdmngen ange- stellt Am nächtten Morgen wurde der junge Mann mit einer Schußwunde im Kopf und in der Brust aufgefunben. Der Verdacht lenkte sich alsbald gegen den Angeklagten, der aber zuerst hart­näckig leugnete. Später hat er zugegeben, einen Schuß auf den Forstlehrling abgegeben zu haben, sich aber auf Notwehr be­rufen. Dem Zeugen Kriminalkommissar v. Miaskoivski. hat der Angeklagte zugegeben, zweimal auf den Forstlehrling gezielt zu haben Den -weiten Schuß habe er abgegeben, weil er glaubte^ daß der erste nicht getroffen habe. Der Wahriprnch der Ge­schworenen lautete auf voriätzliche Tötung ohne Uebcrlegimg, wor - auf der Gerichtshof den Angeklagten zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilte.

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffen

Wir erhalten wieder Mitteilungen über Ausschreitungen aus Berlin: . , ,

Zu türiiften Ausschreitungen kam es auch heute (Donners­tag) vormittag gegen elf Uhr in der Schererstraße vor der Fleischt)andlung von Morgenstern. Halbwüchsige Bur- scknrn Tarnen johlend und pfeifend bte Straße heraus und riefen: Gebt Fleisch her! Bald hatte stch ihnen eine große Schar Personen angeschlossen, bte im aus mehrere Hundert aniouchs. Vor dem Geschäftslokal von Morgen- Jem machte die Menge Halt. Plötzlich flog ein Stein cu5 dem Publikum heraus in die Scheibe des Schau­fenster s und zertrümmerte sie. Das war das Signal des allgemeinen Angriffs. M änner b Frauen holten Backsteine und Steintrümmer von einer gegenüberliegenden Baustelle und zertrüm­merten alle vier Schaufenster. Fleisch- und «ur st waren wurden herausgerissen und ge­stohlen. 9wr die großen Stücke konnten im letzten Moment <;crettet werden. Dem Geschäftsführer wurde mit einem Stein das Nasenbein zertrümmert und

Märkte.

fc. Wiesbaden, 24. Okt. H e u- und Stroh mark! Ungefähren waren 22 Wagen mit Heu und Stroh. Man notierte: beu 7.0-7.20 Mk., Stroh (Richtstroh) 4.?>05.00 Mk. - Fruchtmarkt. Hafer 16,0021,60 Mk. Alles für 100 Kilo.

tkiitipiel u Haus

BahnhoHfrafje 34

Bruder u Schwerer

Drama in 2 Hkle:

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UufÜpiel in 2 Bkfcl und das übrige glänzende

Programm

vermischter.

Das Schiffsmodell des jungen Nelson. Aus London wird berichtet: Turch die Ucbcweifung eines Mimatur- sckiffes, eines ScknffsnuKtelles aus dem Ialwe 1772, ist das eng­lische Armeemuseum nun um ein interessantes Stück bereichert worden: um das Schiffsmodell des jungen Nelson. Denn alle Indizien weifen daraus hin, daß Nelson als junger Bursche, als Schiffsjunge, während feiner ersten Fahrt int Jahre 1772 dieses Modell selbst anfertigte, mit Masten versah und voUkommen auftafclte. Damals hatte Nelson auf einem Handelsschiffe seine seemännische Lehrzeit angetreten und versucht, in diesem Modelle das Fahrzeug nachzubilden, auf dem er seine Leln^eit begann. Wahrscheinlich war die Herstellung und Auftakelung dieses Modelles sogar eine Aufgabe, die deut Hingen Nelson gestellt wurde, um ihn in alle Einzelheiten der Schiffskonstruktion und der Takelung einzuweihen. Vor 40 Jahren kam dieses interessante Dokument aus Nelsons Lehrzeit in den Besitz Lord Wolfeleys, der es nun dem Museum der Rapal United Service Institution überwiesen hat.

eine schwere Wunde am Auge beigebracht, so daß er blut­überströmt zusammen brach und von Gesellen sort- xetragen werden mußte.

Inzwischen war die Zahl der Ruhestörer auf zwei­tausend angewachsen. Sämtliche verfügbaren Polizei- beamten aus den benachbarten Revieren wurden heran- gezogen, so daß schließlich die Menge zerstreut werden konnte. THe meisten Fleischer in der Nähe haben ihre taben verschlossen und die Türen durch Rolläden und rchutzbretter gesichert.

Berlin, 24. Okt. Die Ausschreitungen am Wed­ding wurden heute nachmittag fortgesetzt. Eine nach I ausendm zählende Menge durchzog in großen Tr,ipps die Straßen und zertrümmerte d ie Schaufenster weh­erer Fleischerläden. In einem Laden in der Müllerstraße, der roller M'äufer war, begannen einige, Waren vorn Ladentisch und aus deil Auslagen zu stehlen. Uebcrall gelang es. den Schutzleuten, ohne Waffengewalt die Ordnung wieder herzu stellen.

TieAllgemeine Fleisch erzei tung" veröffent­licht eine Erklärung des Vor st an des der Fleischer­in nun g, wonach der Magistrat den Verkauf russischen Fleisches in den Berliner Fleischerläden grundsätzlich ab­lehnte und ausschließlich Personen übertrug, die kein Ge- sckstift haben. Die Verantwortung für die Auswahl und das Verhalten der vom Magistrat mit dem Verkauf be­tauten Personen müsse der Innungsvorstand ablehnen. Der Grund zu m Rücktritt mehrerer Bcwerlier für den Verkauf russischen Fleisches sei darin suchen, daß sie nicht kapitalkräftig g e n u g seien, um gegen bar, wie seitens des Magistrats verlangt wird, niizü kaufen.

DieAllgemeine Fleischerztg." betont also, daß es sich bei den renitenten Fleischern, die sich zum Ankauf des Fleisches erboten und ihr Versprechen nicht gehalten hätten, nicht um eigentliche Fleischermeister und Ladenfleischer handle, sondern um solche Schlächter, die meist kein Laden- gr)d)äft besäßen oder stellenlos wären.

Dazu schreibt dieNationalztg.":

Wenn es sich so verhält, so kann dieser Umstand nut ein Grund mehr für die Behörde sein, gegen die hartnäckig Wider­setzlichen mit aller Strenge vorzugehen. Allerdings laßt es sich bei alledem nicht verhehlen, daß die Anordnung des Magistrats, russisches Fleisch dürfe nicht in den Schlächter-

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Text und Programm siehe zweiter Blatt Seite 4

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lieber Werfen von Sprengkörpern ans Flugzeugen.

Bei dem Flugfest am 27. d. Mts. auf dem Trieb wird ein Flieger das Werfen von Sprengkörpern aus Flug- maschinen vorführen. Der Zuschauer wird sich somit ein Ur­teilüber eine Maßnahme bilden können, die in einem zukünf­tigen Kriege zweifellos eine Rolle spielen wird und im Kriege um Tripolis zum erstenmal zur Anwendung ge­kommen ist. Die Anwendung dieses Bombenwerfens wird besonders gegen feindliche Biwaks empfohlen, die wegen ihrer räumlichen Ausdehnung, auch aus beträchtlicher Höhe, verhältnismäßig leicht zu treffen sind. Man hofft dadurch unter den ruhenden feindlichen Truppen eine Panik hervor­zurufen, die dann leicht ausbrechen kann, wenn die Trwppe durch ungünstige Gefechte moralisch gelitten hat oder sich auf dem Rückzüge befindet. Auf dem Flug fest will man einen biwakierenden höheren Stab, dessen Standort durch Agenten oder feindliche Landeseinwohner erkundet ist, außer Gefecht zu setzen suchen.

Wie sehr das Werfen von Sprengkörpern aus Flug­zeugen besonders die französischen Geister erregt, erhellt aus einem phantasiereichen Vorschlag, den man vor einiger Zeit in französischen Zeitungen lesen konnte. Es war dort vorgeschlagen im Falle eines zukünftigen deutsch-franzö­sischen Krieges gleich nach erfolgter Kriegserklärung eine große Zahl von französischen Fliegern, mit Bomben aus­gerüstet, gegen die Rheinbrücken bei Mainz zu entsenden. Die Eifenbahnbrücken sollten dadurch nachhaltig beschädigt und der deutsche Eisenbahnaufmarsch gestört werden. Auch als Kampfmittel gegen Lenkluftschiffe sollen die Sprengkörper aus Flugmaschinen zur Verwendung kommen. Voraussetzung ist natürlich, daß das Flugzeug über das Luftschiff kommt und sein verderbenbringendes Spreng­geschoß das sich wehrende und bewegende Luftschiff trifft. Bekannt ist auch, daß man mit Sprenggeschossen aus Luft­schiffen und Flugmaschinen Kriegsschiffe, Hafen anlagen usw. zu beschädigen hofft.

Wie schwer es aber zurzeit noch ist, aus beträchtlicher Höhe einen Gegenstand auf der Erde zu treffen, wird die Vorführung am 27. d. Mts. uns zum Bewußtsein bringen. Es scheint daher, daß der ewige Kampf zwischen Schutz- und Trutzwaffe auch in den Lüften nicht zu Ende kommen wird.

rv _ Unser bester Glühkörper

I w V" U. W ist nur echt m Originalpackung

Vz WW mit Aufschrift ,Degea/z