Ausgabe 
18.12.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 298

Der Siebener Anzeiger erschein! täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiebenerZamilienblätter, zweimal ivöchentl.Nreis- blatt färben Kreis Äiefjtn (Dienstag und Freitag); zweimal inonatl. Land­wirtschaftliche Seitfragen Fernivrech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Wietzen.

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Erster Blatt

. 162. Jahrgang

Mittwoch, 18. Dezember 1912

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Notationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7.

Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

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Die heutige Nummer umfafet 14 Seiten.

Studcntenntts ivtttr auf deutschen rr nverfitäten.

schreibt uns aus akademischen Kreisen:

Der Sttl deut en aus st and in der medizinischen Fakultät der Universitäten Halle und Gießen hat nicht nur auch an anderen deutschen Universitäten Sympathiebewegrmgen aus- gelöst, sondern beginnt auch, das Interesse der politischen Oessentlichkeit zu erregen und zu fesseln. Aus allen Teilen des Reiches laufen bei demStreikkomitee" in Halle Syrn- pathieschreiben ein, ein Zeichen, daß man für die Bewe­gung Verständnis hat und daß der Grund sirr solcho Kon­flikte auch an anderen Städten gegeben ist.

Die Zahl der R e i ch s a u s l ä n d e r, die an deutschen Universitäten studieren, hat sich nach den Angaben der ge­nauesten Statistik im letzten Jahrzehnt von 2162 auf 3578 vermehrt und ist damit st ä r k e r gewachsen als die Zahl der Inländer! Ganz besonders sind es die Russen, die neuerdings ein immer stärkeres Kontingent bei uns stellen. Ein interessantes Moment, das zu dieser Vermeh­rung beigetragen hat und das allgemein weniger bekannt sein dürfte, ist, daß die russische Regierung neuer­dings in weitestem Maßstab Veranstaltungen getroffen hat, um künftige russische Professoren im Auslande ausbildcn zu lassen. In Paris bestehen schon seit längerem ent­sprechende Äirrse; neuerdings wurden solche auch in Deutschland eingerichtet: in Berlin z. B. übernahm Prof. Seckel die Leitung eines rechtswissenschaftlichen Seminars, in Tübingen Prof. Mochmann die Direktion eines Kursus für Naturwissenschaften. Schon früher wurden junge russische Gelehrte zu Bildungszwecken außer Landes geschickt; aber die jetzige Art des Vorgehens steht zu der ehemals üblichen in merkwürdigem Gegensatz. Waren es früher die Universitäten selbst, die jene Abkommandierungen ver­anlaßten, und wurde dabei einzig und allein das Ziel verfolgt, die russische Wissenschaft zu fördern, so ist die neueste Regelung der Dinge einzig ein Werk der Regie­rung, sind die Beweggründe dazu politischer Natur und das ganze ein Unternehmen, das sich nicht nur gegen die Freiheit der Wissenschaft und gegen die russischen Professoren richtet, sondern auch die deutschen Universitäten außerordentlich belastet. Die öffentliche Meinung Ruß­lands ist entschieden gegen dieses Unternehmen des Mini­steriums. Die höchste wissenschaftliche Institution Ruß­lands, die Akademie der Wissenschaften, der die bedeu­tendsten Gelehrten Rußlands angehören, hat sich dagegen ausgesprochen. Auch die Reichsduma hat sich geweigert, dem Ministerium die Mittel für solche Seminare im Aus­lande zu gewähren. Aber der Minister der Volksaufklärung hat auf Allerhöchste Anordnung auf eigene Faust gehan­delt. Und die deutschen Bundesstaaten haben nun aus ihrem Budget dem neuen Zuwandererstrome das Studium auf den deutschen Hochschulen zu erleichtern.

Es ist aber sicherlich nicht Chauvinismus, der den Sturm gegen das wachsende Ausländertum auf den deut­schen Universitäten entfacht hat, sondern der Umstand, daß die Aufnahme- und Studiumbedingungen für die Ausländer leichter sind, als für die deutschen Staatsangehörigen. Von feiten der medizinischen Fakultät in Halle wird zwar gel­tend gemacht, es bestehe.doch eine große Zurücksetzung der Ausländer insofern, als sie zu keiner Staatsprüfung zu­gelassen werden, und daher in Deutschland nicht als Aerzte

praktizieren dürfen, so daß von einer späteren Konkur­renz mit den deutschen Aerzten nicht die Rede sein könne: sie dürften doch nur das medizinische Doktorexamen nach einem besonderen Modus ablegen, das aber nicht zur Praxis in Deutschland bereck)tige, und die Russen müßten danach in Rußland alle dort üblichen Examina ablegen. Tat­sache ist aber, daß die Ausländer, da sie nach dem Mini- sterialerlaß vom Jahre 1896 das Physikum an deutschen Universitäten nicht machen dürfen, durch die Milde der Professoren auch ohne Physikum, ohne genügende Vorbe­reitung an den klinischen Hebungen aktiv teilnehmen können. Sie werden also ohne die Vorbildung der deutschen Studenten ebenso gefragt und zum Praktizieren zugelassen wie deutsckje Studenten, obwohl sie oft kaum der deutschen Sprache mäch­tig sind und auch sonst keine besonders starke Vorbildung aufweisen. Die Zahl der russischen Studenten an der medi­zinischen Fakultät Halle beträgt jetzt ein Drittel der Ge­samtziffer. Von 120 Klinikern sind 90 Deutsche und 30 Russen. Die deutschen Studenten verlangen nun, daß erstens die Ausländer, die an einer deutschen Universität stu­dieren wollen, eine Vorbildung aufweisen müssen, die dem deutschen Gymnasialzeugnis gleichwertig ist, und daß zwei­tens die Ausländer neid) fünf Semestern ihr Physikum be­stehen sollen und dann erst zu den praktischen Uebungcs zu gelassen werden. Diese Forderungen sind in Kiel und Königsberg schon erfüllt. In München war die Durch­führung ganz besonders scharf. Nur 2 Prozent Auslän­der werden dort zugelassen und sie müssen vor ihrer Dok­torpromotion eine deutsche Sprachprüsimg ablegen. Ange­sichts der mannigfachen Klagen, die auch allgemein das Studium der Ausländer auf deutschen Universitäten im Ge­folge hat, wird man es mit Genugtuung begrüßen, wenn von diesen künftig höhere Jmmatrikulationsgebühren be­ansprucht werden. Aber auch die Kollegicngelder sollten für Reichsausländer beträchtlich erhöht werden. Unsere Steuerzahler haben es wirklich nicht nötig, mit ihrem Gelde den Ausländern das Studium auf deutschen Hoch­schulen zu gewähren.

Die Zriedenskonserenz.

London, 17. Dez. Die Friedenskonferenz ist heute vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitze Dr. Danews zu­sammengetreten. Sie vertagte sich nach einer Stunde. Heute nachmittag ist keine Sitzung. Die nächste Sitzung der Friedenskonferenz findet erst am Donners­tag statt.

Wie das Reutersche Bureau erfährt, herrschte in der heutigen Sitzung der Friedensunterhändler das b e st e Einvernehmen, obwohl man überrascht war, daß die türkischen Delegierten es verabsäumt hatten, sich angesichts der offenkundigen Stellungnahme Griechenlands zum Waffenstillstand rechtzeitig weitere Instruktionen ein­zuholen. Die türkischen Delegierten schlugen vor, daß in der Zwischenzeit die von den verbündeten Balkanstaaten zu machenden Friedensbedingungen ihnen bekannt gegeben würden. Die Delegierten der Baltanstaaten lehnten dies als zwecklos ab. Da die türkischen Delegierten keine Vollmacht hatten, mit den vier Balkan starrt en zu verhandeln, so konnten Verhandlungen überhaupt nicht stattfinden.

Nach einer amtlichen Meldung vertagten die Dele­gierten die Beratungen "deshalb bis Donnerstag, damit die Vertreter der Türkei sich mit ihrer Regierung in Verbindung setzen können, da ihre Instruktionen nur

erlauben, mit den Delegierten der drei Länder, die den Waffenstillstand bereits unterzeichnet haben, in Verhand­lung zu treten.

In der Friedenskonferenz wurde beschlossen, Grey zu bitten, der Konferenz einen englischen Sekretär bei­zuordnen, der mit der Leitung des Sekretariats betraut werden soll.

Die Botschaftertonferenz, wurde gegen 3 Uhr 30 im auswärtigen Amt eröffnet. Der russische Botschafter Graf v. Benckendorff erchien zu­erst, der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky, der französische Botschafter Cambon, der italienische Bot­schafter Imperiali und der österreichisch-ungarische Bot­schafter Graf Mensdorff folgten.

Tas Reutersche Bureau erfährt, die Botschafter hätten gestern bei dem Minister des Auswärtigen Grey im Auswärtigen Amt eine Besprechung gehabt, wobei die allgemeinen Grundlagen der bevorstehenden Unterredungen beschlossen wurden. Wie das Reutersche Bureau aus diplomatischer Quelle erfährt, wird jeder Be­schluß nur ad referendum gefaßt werden. DieVerhand- jungen sollen geheim gehalten werden. Wahr­scheinlich werden zuerst die heikleren Fragen, die Störungen herbeiführen könnten, verhandelt. Man hofft, daß der beständigere schnellere Meinungsaustausch, indem er die Mächte in engen Beziehungen hält, einen wohltuenden Ein­fluß auf die europäische Meinung ausüben und die Regie­rung instand setzen wird, ihren Wunsch nach einer Lösung der schwebenden Fragen und Aufrechterhaltung des euro­päischen Friedens in die Wirklichkeit umzusetzen.

Wieder ein Gefecht an der Einfahrt der Dardanellen.

London, 17. Dez. Einer Lloydmelduug zufolge, begann heute morgen in der Einfahrt der Dardanellen ein Gefecht zwischen der griechischen und der türkischen Flotte.

Konstantinopel, 17. Dez. Wie verlautet, er­hielt der Kriegsminister ein Telegramm vom Kom­mandanten der Flotte, in dem es heißt: Heute morgen fand ein neuer Kampf zwischen der türkischen und griechischen Flotte statt. Nach einer Stunde seien Flam­men auf dem Deck desAveroff" bemerkt worden. Dieser legte sich alsbald auf die rechte Seite und wurde von den übrigen griechischen Schlachtschiffen umringt, die sich dann, verfolgt von der türkischen Flotte, zurück­gezogen hätten. Wie weiter verlautet, schicken sich tür­kische Transportschiffe an, Truppen mit unbekannter Be­stimmung an Bord zu nehmen.

Ter BerlinerLokal-Anzeiger" meldet aus Konstan­tinopel : Nach Berichten von Reisenden liegt derAveroff" etwa 70 Meilen vom Piräus entfernt auf einer Seite.

Beschießung des Hafens von Moliro.

Konstantinopel, 17. Dez. Wie ein Telegramm des Kommandanten des türkischen Detachements auf My- tilene, Abdul Ghani, meldet, erschienen gestern früh zwei in Kriegsschiffe verwandelte griechische Dampfer vor M o l i v o und forderten Um* Schiffer auf, 'sich aus dem Hafen zu entfernen. Als diese sich weigerten, bombardierten die Schiffe den Hafen. Das Gebäude der Dette publique, das Zollgebäude, zwei Läden, eine Bäckerei, zwei

Die Adrcssc der deutschen Stäöte zum Kaiferjubiläum.

80000 Mark Herstellungskosten.

Die deutschen Städte haben sich, wie berichtet, dahin geeinigt, 6cm Kaiser zu seinem 25iäljrigcn Regierungsjubiläum eine künst­lerisch ausgestattete Adresse zu überreichen. Die Zentralflelle des T rutschen Städtetages hat jetzt den einzelnen Stadtverwaltungen mflgeteilt, daß es sich nicht ermöglichen läßt, die Huldigungs- adrcsse im Rahmen der zuerst vcransäflagten Kosten in Hohe von 40 000 Mark auszuführen, da nach Meinung des mit der Aus­führung betrauten Professors Hupp in Schleißheim zur Erzielung einer vollen künstlerischen Wirkung eine mit der Adresse zn einem einheitlichen Ganzen harmonisch verbundene Kapsel nicht gut um­gangen werben könne. Die Kosten er höben sich hierdurch aus etwa 80 000 Mark. Das bisher nur in allgemeinen Umrissen ange- fertigte Modell stellt sich folgendermaßen dar: 1. Oberdeckel nut dem Wappen des Kaisers mit Helm, Kleinod und Decken aus emaiHicrtem und vergeudeten Feinsilber, anf einem mit graviertem Elimbein und Perlmutter eingelegtem Grund: 2 die Tafel im Znnenbeckel: 3. die goldene Schristtafel -,e nach der Lange des Textes der Urkunde würbe biefe beide Tafeln füllen ober sich auf bte zweite beschränken: in diesem Falle erhielte der Jnnendeckel cm geatztes Flächenornament: 4. die Mitteltafel:, 5 die rechte und die linke Seitentafel. Diese ttiptyckwnartig aunchlagenden Tafeln sollen auf goldenem Grund die Wappen der 1(6 stabte des Ttritschen Städtetages in Email tragen, jede mit einem Tafelchen Mr dem Schild. Die Mitteltafel erhält als Miltelstück das Reichswappen mit der Kaiserkrone und den Worten:Deutscher Etäbtetag mit 176 Städten". Ringsherum und die^stadtewappen ton Aachen bis Gera an geordnet. Die rechte r-ertentasel be- fonrmt das Wappen und die UebersckfriftRcimslsauvtfladt Berlin »um Mittelpunkt und darum die Scknlder Gietzen bis Neu­münster Als Gegenstück hat die linke Taiel das Wappen und bie Neber sch rist Haupt- und Residenzstadt München" und darum

die Schilber Neuß bis Zwickan. Die Mittelivappcn sollen aus Lekorativen Gründen erheblich größer und reicher ausgestattet Derben als die anderen: 6. eine Tafel, nut ben Wappenschildern 6er Provinzen Brandenburg, Ost- und Weltpreußen, Pommern, Wen, Schlesien, Schleswig-Holstein und Vannover, sowie der Staaten Bauern und Baden: 7. einen Ruckendeckel foll die Ur­kunde nicht bekontmen, da sie ihrer Schwere wegen nicht frei buch- 1-rmig beweglich ist, sondern,fest auf einem niederen sockel ruht. Stbe der sieben Tafeln ,oll ferner die Große von 47: 34 Zenti - wteni erhalten. Ms Material für die Wappen und Befchlage ist Feinsilber, für bie Schrifttafetn Kupfer, beides stark vergoldtt, rvegesehen.

Nach der Fertigstellung der Adxesse ist in Aussicht genommen,

alle fieben Tafeln und auch gegebenenfalls die Elfenbeinkapsel in Lichtdruck aufnehmen zu lassen, so daß jeder der beteiligten Gemeinden eine genaue Abbildung und Beschreibung der Ehren­gabe eingehändigt werben kann.

Wegen der von 40 000 Mark auf 80 000 Mark gestiegenen Kosten ivaren zuerst einige Bedenken laut geworden, vor allem wurde auch betont, daß der Kaiser selbst sich Geschenke von materiellem Wert verbeten und ausdrücklich gewünscht habe, cs möchten die hierfür in Aussicht genommenen Mittel woUtätigen, gemeinnützigen ober patriotischen Zwecken zugewendet werden. Schließlich erschien jedoch bei gründlicher Prüfung der erhöhte Betrag von 80 000 Mark gering in 2lnbetracht der Tatsache, daß die 176 Städte des Städtetages zusamnicn etwa 20 Millionen Einwohner haben. Die bayerischen Städte mit einer Gesamt­bevölkerung von nur 2 400 000 Einwohnern haben seinerzeit dem Prinzregenten Luitpold zu seinem 90. Geburtstage eine Hul­digungsadresse überreicht, für die ein Betrag von 40 000 Matt aufgewendet worden ist. Lluch die Bedenken wegen des kaiser- lickfen Verbots von Geschenken mit materiellem Wert wurden fallen gelassen mit Rüch'icht darauf, daß die deittschen Städte schon durch die Errichtung einer Kriegs vetcranenstrftting den Wünschen des Kaisers gerecht werden, und baß die Adresse nur die würdige äußere Form des Inhalts der Urkunde ist.

Neue Erscheinungen auf der Sonne.

0 Kassel, 15. Dezember.

Infolge der außerordentlichen Fortschritte der Astronomie und Astrophysik ist es nicht mehr möglich, daß ein einzelner Forsckxr sämtliche Zweige dieser schwierigen Wissenschaften beherrscht. Es gibt daher auch hier Spezialisten, die sich auf eng begrenzte Gebiete beschränken, um diese intensiver bearbeiten zu können. Tie Doppel fterne, die veränderlichen und farbigen Sterne, die Nebelflecke und Sonnenhaufen, der Blond, bie Planeten und Planetoiden haben ihre Sonderbeobachter, ebenso die verschiedenen Erscheinungen auf der Sonne. Die Protuberanzen beobachtet seit Jahren M Fenyi in Kalosea (Ungarn1, die Grannulation R. Chevalier in Zose ,China h und die Sonnenflecke Stephani iSonnenwarte Kassel,. Beobachtungsinstrumente und Sternwarten werden vielfach für Spezialzwecke gebaut: so die Sonnenwatte auf Mount Wilson in Kalifornien. Professor Hale schlug daselbst eine ganz neue Methode ent, er plwtographiett die Sonne mit dem Licht einer einzigen Spektralfarbe und hat es fv möglich gemacht, uns Auf­klärung zu verschaffen über die Beschaffenheit der glühenden Gashülle, welche, im gewöhnlichen Fernrohr unsichtbar, den rie­sigen Sonnenball umgibt. Auch Deslandres in Meudon und Ricco (Sizilien) benutzten die Halesche Methode. Die schwierigen

Bereckmungen der Beobachtungsresultate, welche in früheren Zeiten der Observator selbst ausführen mußte, besorgt heute das Astro­nomische Recheninstitut in Berlin, sobald es sich um Bahnbestim­mungen der Komtten und Planetuidcn und ähnliche Sachen handelt, die von allgemeiner Wichtigkeit für die Astronomie sind.

Wälirend nun Deslandres, Ricco und Hale die Erscheinungen in den höchsten Regionen der Gashülle der Sonne photographieren, untersucht Stephani die sehr veränderlichen Vorgänge auf der sichtbaren Sonnenoberfläche im stark vergrößernden, nach seinen Angaben gebauten Photoheliographen. Seine häufigen Photo­graphien in stets genau gleicher Größe erlauben später noch genaue Messungen und Vergleiche, um Veränderungen festzustellen. Gr hat auf Grund seiner 2200 Sonnenbilder nachgewiesen, daß neben der von Schwabe 1842 entdeckten 11jährigen Periode der Flecken­häufigkeit noch eine andere besteht, nämlich eine Periode des Entstehungsortes der größeren Flecken. Diese entstehen zum 'größten Teil über 92 Prozsit auf der Seite der Sonne, die gerade der Erde abgewendet ist und werden uns sichtbar durch die Achsendrehung der Sonne, ivclche in etwa 27 Tagen erscheint. Aus diesem Grunde ist es selten möglich, einen größeren Flecken oder eine Gruppe in ihrer Entstehung zu beobachten ober zu photographieren, was für die genauere Erforschung dieses Vor­ganges von größter Wichtigkeit wäre. Die meisten Flecken ziehen über die sichtbare Sonnenseite in etwas weniger als 14 Tagen und vergehen auf deren Rückseite. Die Astronomen teilen die Sonnenoberfläche in Sängen grabe, die vom Nordpol nach dem Südpol laufen und in Breitengrade, dem Soiinen-Aeguator pa­rallel, ebenso wie es auf unseren Landkarten üblich ist. Tie schein­baren Bahnen der Flecken laufen nun stets parallel den Breiten­graden und befinden sich hauptsächlich in zwei Zonen, nördlich und südlich vom Aeguator. Stephani hat in denMitteilungen der Bereinigung von Freunden der Astronomie und tosmischen Physik" 'Dezemberheft 1912) graphische Darstellungen der Fleckenzonen veröffentlicht, welche sehr übersichtlich die Verteilung der Flecken für jedes Halbjahr von 1899 bis 1911 zeigen. Man erficht daraus, daß die Flecken stets symetrisch auf der nördlichen und südlichen Hälfte der Sonnenkugel erfdienen sind. Die Polgegenden der Sonne bleiben stets völlig frei, nur bis 22 Grad nördlich und südlich vom Aeguator erscheinen Flecken. Während des Maximums bleibt auch der Aeguator der Sonne fast ganz frei. Später er­scheinen auch hier Flecke, und ein Ueberblick der Zeichnungen der letzten 14 Jahre läßt ein regelmäßiges An- und Abschcvellen der Fleckenhäufigkeit erternten. Professor Dr. I. P l a ß m a n n sagt bei einer Besprechung dieser noch unerklärten Erscheinungen (Hoch­land, 10. Jahrgang, 3. Heft':Es wäre ein poetischer Gedanke, wenn wir uns die Sonne, das gewaltige Lebensherz unseres Planetensystems, auch pulsierend vorstellen könnten. Jeder Puls-