Nr. 297
Dienstag, 17. Dezember 1912
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
gestiegen.
und gut
in weiss
l0N- u. StTto«.
itten. i
•Hemden.
Märkte
von Bilfinger- and
Formen nid
47—50
84—89
Sweater, Damen-
42-00
«8-88
Weiten.
67.00—69.00
86.00—87.0Ü
66.00—68.00
84.00—86.90
67.00-69.03
85.00—87^)0
67.00—69.00
84.00—8 .00
U.
fl
äder,
werden.
ächtigt
N
103—112
93—103
78—80
76—78
in in in
43-47
40-43
38-43
30—37
80-84
77—83
70-80
60-74
61-66
55—60
Big.
93-100 87—93
Tie
2660
grosse Auswahl ii jkten Socken
Mk. 51-55 48—51
achenez
Changeant-Desnis
; & Cbristy.
)n 4.- Mk. an. i-Lazzaro“.
hlafdecken
Preis.
von 2.20 Mk an )it Hohl säum, weis mit farbiger Kante.
** Konkurse Maria, geb. Tiehid), (9 v e f f e r, Kaufmann das Konkursverfahren
47—48
44—45
kursveriahrcn eröffnet. K uifnwnn Rone üllex. Degen yi Offenbach wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkiirsiordernngen sind bis zum 10. Jan bei dem Amtsgericht Offenbad) anzumelden.
Ctallmastschake:
Mastlämmer und jüngere Masthammel L ch w e i n
L'ollsieiscbige Schweine von 8C—100 k»
Lebendgewicht
ädollheilctiige Schweine untre 80 k> Lebendgeivicht.
LoUfleischige Schweine von 100—120k;
Lebendgewicht
Lollfleüchige Schiveine von 120—150 k» Lebendgewicht . ......
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Mann vereinbart, daß er mir immer abgibt, was er gewinnt. Nun spielt er immer mit unserem Nachbar, und dessen J-rau hat sich dasselbe Zugeständnis errungen. Wir sind nun übereinge> kommen, daß ich der Nachbarin immer gebe, was mein Mann von ihrem Mann gewonnen hat, und sie gibt mir, was» ihr Mann dem meinen abnchmcn konnte. Auf diese Weise erhalten wir beide von unseren Männern so viel Geld, als wir ohne dies nie bekommen würden. . ."
den Zustand der Gcldwin schäft, die Produkte werden verkaust. Tie Bedürfnisse sind größer geworden: höhere Löhne, höhere Aus gaben tür Bildungsbedürfnisse, für soziale Gesetzgebung usw. Ueberall haben sich die Verhältnisse geändert. In der Denkschrift über die Landwirtschaft in Hessen spielt die Entwicklung der Preise für Grund und Boden eine wichtige Rolle. Eine ausfällige (SnL- wicklung zeigt der Kauswert des Ackerlandes: 1857 kostete in Oberhessen der Hektar durchschnittlich 1051 Mk., der Morgen also 250 Mk., 1867 — 1662 Mk., bezw. 400 Mk., 1907 und in den folgenden Jahren der Hektor 3448 Mk., der Morgen 700 Mk., somit sind die Preise für den Morgen von 250 Mk. auf 700 Mk. .. ' Ta das Ackerland 768 000 Hektar beträgt, so war der Wert 1857 — 1,52 Milliarden, heute ist der Wert 3,45 Milliarden Mark. Tie Preissteigerung hat auch auf die Verschuldung großen Einfluß, besonders bei Vererbungen und Verkäufen. Beim Herauszahlen mürbe das Erbe belastet. Aehnlick; haben sich die Werte der Gebäude gesteigert: 1817 betrug nach der Landesbrand kasse der Gebäudewert 165 Millionen, heute ist der Wen aus 2158 Millionen gestiegen. An Viehbeständen besaß man 1883 47 000 Pferde, Wen 22,7 Millionen, 1907 = 61 696 Pferde, Wen 37 Millionen Marl, Rinder 1883 290 000, Wert 61 Mil Honen, heute rund 400000, Wert rund 100 Millionen Mark. Der Wert der Schwein ebcstände ist auf 30 Millionen gestiegen. Ter Viehbestand stellt beute einen Wen von 175 Millionen Mark
Preis für 100 gib Sebeno- o iji.i gt- gewicht
Ochse n.
Voklflcitcbige, ausgemcistete, höchsten Schlacht- wertes, 4—7 Jahre alt die noch nicht gezogen haben sungejochte) . .
B u l l e n.
Dollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtio.
Vollflelschige, jüngere . .
Fä rsen. K n h e.
Voklfleischige ausgein. Färsen höchst. Schlachtio. L ollfleisdnge ansgeinästeteöiühe höd)stenSchlad)t- wertes bis zu 7 Jahren wenig gut entwickelte Färsen ollere ausgemäslele Kühe Mäßig genährte Kühe unb Färsen
Kalber.
Mittlere Mast» unb bete Saugkälber ....
Geringere Mast- unb gute Saugkälber . . .
E cb a f».
2ie „Gießener $amiltenblötter" werben dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bo5 „Kreisblatt für Öen Kreis Stehen" zweimal 'wöchentlich. Die „candwlrtschaftlichen 5eib fragen" erscheinen monatlich zweimal.
in farbig
'• Rosste AnswiL
Kleine Tageschronik.
Tirektor Schultze, der Begründer und Leiter des nackt ihm benannten Theaters in Hamburg, ist im 84. Lebensjahre gestorben.
Aus Türen wird gemeldet: Ter Förster der B r h m s ch c n Verwaltung tötete gestern nachmittag zwei Wilderer, die er beim Wildern ertappte, durch Kopfschüsse. Ter Förster wurde verhaftet.
Ter bei B o r k u m gestrandete Dampfer „M o n t a n i a" wird verloren gegeben. Tic zur Hilfeleistung abgegangenen Dampfer sind hierher zurückgekehrt. Ter furchtbare Sturm wütet fort. Bereits gestern abend überspülten die Wellen das Schiffsdeck.
Turch den E i n st u r z e i n e r B e t o n b r ü ck c auf der Linie Cleve — Nimwegen, in der Nähe von Sankt Anna, ist die Eisenbahnverbindung ttnterbrochen. Der Zug nach Hock van Holland konnte nicht passieren. Militär ist an Ort unb Stelle geschickt worden, um die Verbindung wiederherzustellcu.
Aus Osterende wird gemeldet: Nach einem Funkentele- granrm ist das Leuchtschiff „West^Hinder" gesunken. Zehn an Bord befindliche Personen sind vermutlich ertrunken.
Infolge des Brandes des Acherncr Elektrizitätswerkes sind noch etwa 35 Gemeinden in Finsternis gehüllt Den vereinten Kräften der Feuerwehr gelang es, den Oelturm zu retten und dadurch eine Explosion zu verhindern.
iv. Frausfnrt a. M., 16. Dez. (Oria.-Teleqr. des „Gien Anz.') Amtliche Notierungen der heutigen Frucht marktvrei se. Weizen (Ijiefiget) 20.75—21.00, Kurlwssischer Alt. 20.75—21.00, Wetterauer Alk. 00.00—00.00. Roggen (bteüger) Mk. 18.00 bis 18.10, Gerste (Wetterauer) Alk. 20.75—21.75, Gerste, Fra,cken, Pfälzer, Rieb 2it. 21.00-22.00, Hafer Mk. 17.50—19.50, Mais Mk. 14.75 bis 15.00, Weizenmehl 0 Mk. 82.50—32.75, Weizenmehl I Mk. 30.50—30.75, Weizenmehl III Mk. 27.25—27.5 Roggen- mehl 0 Mk. 27.75—28.00, Roggemnehl 0/1 Mk. 26.50—26.75 Noggenwehl I Alk. 00.00—00.00, Weizenkleie Mk. 13.50—13.75, Weizenschalen Pik. 1225—12.50, Roggenkleie Alk. 15.00—15.25, Dialzkeime Pik. 14.00—14.50, Biertreber 15.00—15.50, Raps Mk. 32.00— 00.00. Alles per 100 Kg. ab hier.
fc. Frankfurt a. M., 16. Dez. lOrig.-Teleqr. des .Gieß Anzeigers*.) Kartoffel markt. Man notierte: Kartoffeln in Waggons Mk. 4.00—4.75, im Kleinhcurbel Mk. 5.00—6.00, für je 100 Kg.
Universitäts-Nachrichten.
— Fregucnz der Göttinger Universität. Universität Göttingen Kühlt in diesem Winterhalbjahr immatrikulierte Studierende. Dazu kommen 124 Hörer.
Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzergerGleßen.
Hauptversammlung des landwirtschaftlichen prooinzialvereins.
Gießen, 16. Dez.
Die Mitglieder des landwirtsclxfftlichen Provinzialvereins hatten sich heute zahlreich in Steins Garten versammelt. Cet'omv mierat Korell, der Vizepräsident des Vereins, gedachte des verstorbenen erften Präsidenten Oekonomierat Schlenke und hob dessen hohe Verdienste um den Verein und die oberhessifche Landwirtschaft hervor. Ter Redner teilte mit, daß er im Auftrag des Provinzialvereinö am Grabe einen Kranz niedergelegt habe. Die Versammlung erhob sich zum Ylndenken an Herrn Schlenke von den Sitzen.
Dann berichtete Oekonomierat Korell über die Tienstboten- prämiierung. Voriges Jahr fanden Versammlungen in Fried .berg und Büdingen statt. Tarauf wurde zur Wahl der Präsldenten geschritten. Der Ausschuß hatte den Grafen Wclhelm zu Solms-La ubach zu Arnsburg vorgeschlagen, die Versammlung stimmte einstimmig zu. Der neue Präsident übernahm den Vorsitz, er dankte für die Ehrung, zumal der Vorsitz früher schon in den Händen seines Vaters gelegen habe, er will seine ganze Kraft einiet.cn für den Verein. Zum Vizepräftdenten wurde Lekonomicrat Korell cinftimmig wiedergewählt.
lieber den Antrag des landwirtschaftlichen Jnstttuts der Uni- versitüt Gießen, betreffend Stiftung eines Stipendien- sonds, berichtet Professor Tr. Gisevius. Ter Eintrag geht dahin, der Landwirtschaftliche Provinzialverein möge den Betrag von 1000 Mark für Stipendien und Preisarbeiten für Studierende der Landwirtschaft stiften, dadurch würde der Verein sein Interesse für die Landwirtschaft betätigen und zugleich dem Institut seine vilfe angedeihen lassen. Die Stiftung soll den Namen Stipendienstiftung für Studierende des landwirtschaftlichen Instituts an der Universität Gießen erhalten. Die Universität soll die Verwaltung übernehmen, doch hilft der Vorstand des Vereins d,e Geschäfte leiten: um das Stipendium können sich Sttldierende bewerben, deren Eltern Oberhessen sind oder luaren oder in Ober- hcssen wohnen. Wenn einmal das Stipendium nicht vergeben wird, so soll ein Prcisbewerb statffinden über ein Thema, das Pezug hat zur oberbeffifdnm Landwirtschaft. Die Stiftung würde dazu beitragen, das Studium der Landwirtschaft in Gießen weiter zu fördern. Vor 9 Jahren, als der Redner an,das Institut kam, waren nur 4 Studierende vorhanden, heute sind es 70. Tie Stiftung würde der hessischen Landwirffchaft zum Segen gereichen. Graf Laubach teilt mit, daß der Ausschuß sich für die Stiftung ausgesprochen habe, nwraiif auch die Versammlung die Stiftung ohne Widerspruch genehmigt.
Es folgt ein Vortrag über „Die Verschuldung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes und Maßnah- menzurEntschuldung" durch Generalsekretär Le it higer- Tarmstadt und Direktor Bastian von der Landeshypothekenbank. Herr Leithiger erklärt, um die Ursachen der landwirtschaftlichen Verschuldung verstehen zu lernen, müsse man in die Geschichte der Landwirtschaft zurückblicken. Vor 100 Jahren wurde nur so viel erzeugt, als man brauchte. Seit den 50er und 60er Jahren, noch 'mehr aber seit 1871 hat sich das geändert, heute haben wir
Gießener Strafkammer.
X Gießen, 14. Dez. Beihilfe zum Jagdvergehen.
Im Juni d. I. war der Arbeiter PH. F. von Lollar wegen Hehlerei und Beihilfe zum gewerbsmäßigen Jagdvergehen mit fünf Monaten Gefängnis bestraft worden. Aus seinen Einspruch verwies das Reichsgericht die Sache an das Landgericht zurück. Er wurde unter Einbeziehung der Strafe wegen Hehlerei zu einer Gesamtgefängnisstrafc von 3 Monaten verurteilt.
Simulierte Geisteskrankheit.
Ter Bersicherungsbeamte G. S. von Geiß-Nidda ist loegen Betrugs im wiederholten Rückfall und wegen Untreue angeklagt. Durch Vortäuschung von Gedächtnisschwäche und Geisteskrankheit suchte er sich der Strafe zu entziehen. Zwecks ärztlicher Untersuchung war die Verhandlung verschoben worden und auch heute mußte Vertagung eintreten, weil ein wichtiger Zeuge wegen Krankheit ausgeblieben war. Das Gericht hielt es aber für angebracht, den Angeklagten in Untersuchungshaft zu nehmen.
Viehseuchenvergehen.
Tie Landwirte O. W. u. I. W. in Volkartshain wurden wegen Ucbertretung der Vorschriften über die Viehseuche mit der gesetzlich niedrigsten Geldstrafe von je 15 Mk. für jede Ueber- tretung bestraft.
s und Diplomatei 95 Pfg. b. Ml
(In einem Teil der Auflage wiederholt.)
1c. Rrnufhirt a. M. V i e b 5 o' - M a r k t b e r i ch t vom 16, De». Shittrieb: Rinder '516. darunter Ochsen 3M, Bullen 48, Kühe unb Färsen "7 Kälber 279, Schale 130, Schweine ; 134.
Tendenz: Ochsen langsam, । leibt lleberftanb, Käme und Färsen lebba't. Kälber und Sck)afe ruhig, geräumt, Schweine 'ege, bleibl Ueberstand. ~ ■ "
(,2531k 1.65 ,
M a i n z - K a st e l, wurde am 2. Dez. eröffnet. Kaufmann Dlicha^ Schönauer in Mainz Kauet wurde zum Konkursverwalter ernannt Konkurs- forderungen sind bis zuin 19. Dez. bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — lieber das Vermögen der Theodor D e n b e l II. Ehefrau Anna, geb. 9?abu in Rudi ngshain wurde ani 23. Rov. das Konkursverfahren eröffnet, da die Zahlungsunfähigkeit der (tiemeinfdmlbnerin durch die erfolgte Zahlungseinstellung dargetan iu. Rechtsanwalt Tlengel in Schotten wurde zmn Konkursverwalter ernannt. Konkiirsforderunaen sind bis zum 20. Dez. bei dem '2lmt§gerid)t Schotten anzumeldeii. — lieber das Verwögen des Spezereihändlers Philipp Mergel in Sulz- h e i m wurde am 7. Dez. das Konkursverfahren eröffnet, da der Wemeinfdndbner die Eröffnung unter Einräumung seiner Zahlungsunfähigkeit eingeräumt Hai. Notariatsgehilfe Jakob Streliber in Nieder-Saulheim wurde zmn Kouktlrsverivalter ernannt. Ron« ktirsforderunaen sind bis zum 23. Dez. bei dem Amtsgerich Wörrstadt anzumeldeii. — lieber den Nachlaß des L u d iv l g Gr ä c- m an», Gastnnrt in Offenbach, wurde am 29. Nov. das Kon-
r, *•«' knopffi .Nadel«
bar. Geräte und Maschinen müssen mit barem Gelbe bezahlt werben. 1882 gab es 258 Sämaschinen, heute 8204, 168 Mähmaschinen, heute 8994, 8118 mft Ndasck inen dreschende Landwirte, beute 30156; die Zahl der Milch-Zentrisugen beträgt 4530 und die Zahl der Hackmaschinen 157. Für Beschaffung all dieser Gyrätc waren Millionen erforderlich. Ter Bedarf an künstlichen Tünqern stieg von 153 000 Zentner im Jahre 1876 auf 876 000 Zentner 1910. Die Landwirtschaft hat zeitweise Notlagen durch- machen müssen, früher waren die Erträge nicht so hoch nnc heute und die Preise standen niedrig. Beispielsweise wurde in den 80er Jahren in Kassel ein Pfund Butter aus Obcrhesfen für 65 Pfennig verkauft. 1872 erbrachte der Morgen 6,18 Zentner Weizen, beute 11,25, Gerste 8,52, heute 10,96, Kartoffeln 45, heute 68 Zentner. Die Landwirte sind fleißig und sparsam gewesen, sonst wären sie nicht über die schiveren Zeiten hinaus- gekommen. Um eine weitere Steigerung der Verschuldung zu verändern, mühen finanztechnische Maßnahmen angeführt werden. Tirektor Bastian führt aus, es wüsten Mittel und Wege gefunden werden, um die Schuldenlast herabzudrücken Er schlägt zwei Wege vor: das Tilgungssystem und die Lebensversicherung, am besten fei es, beide Arten miteinander in mäßiger Höhe zu verbinden. Die Versicherung könne auf ein Viertel bis ^einDrittel des Schuldkapitals geben. Es solle eine Staffstik über die landwirtsck-aftliche Verschuldung und ein Plan ailsgearbeitet worden, wie die Entschuldung möglich ist. Tie Erhalttina eines gesunden Bauernstandes ist für die Nation von größter Wichtigkeit. Teshalb sollten sich die Landwirtschaftskammer und der Verein dieser Sache widmen. Beide Redner ernteten lebhaften Beifall. Eine rege Aussprache schloß sich an. Oekonomierat Korell sprach für die Verbindung von Tilgnngs- tind Verficherungssystem: Professor Giscvius wies auf die schlechten Jahre hin, in denen der Landwirt oft seinen Verpflick»- tungen nicht nachkommen könne. Tirektor Bastian teilte mit, eine Befürchtung, daß das Gelld zur Entschuldung fehle, bestehe nicht, die Landeshypothekenbank gebe fortgesetzt Obligationen aus. Landwirt Reitz tadelte die jetzige Wirtschaftspolitik der Domänen, er ist für das Tilgungssystem. Auf Antrag des Provinzialbirektors Geheimerat Dr. U f i n g e r nmrbe beschlossen, bie beiden Redner sollten die höchstwichtige Sache eingehend prüfen und mit positiven Vorschlägen vor die nächste Hauptversammlung herantreten, dann werde sich der Verein mit der Landwirtschaftskammer in Verbindung setzen. Oekonomierat Korell teilt noch mit, daß die nächste Versammlung zu Alsfeld am 19. Januar ftattfänbe. Für 1913 sind Vorträge in Gießen, Schotten und Lauterbach vorgesehen. Tie Aachen-Münchener Feuerversicherung hat dem Verein wieder 200 Mk. überwiesen. An Preisen für Ausstellungen hatte der Provinzialverein 200 Mk. gestiftet, die in Gießen, Alsfeld, Düdelsheim und Sckwtten verteilt wurden.
Hess en. lieber das Vermögen -bet Gütern getrennte Ehefrau von Mar
, Mocha und Deut r e für Theater uri
Drittes Blatt 162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Aus Öen Reid)$tag$ausfd)üfien.
:: Berlin, 16. Dez.
Der Bittschriften Ausschuß.
Der Mttschristenausschrch des Reichstags hat Bittschriften betreffend r eich s g e f e tz l i ch e Regelung der Wanderfürsorge dem Reichskanzler zur Berücksichti aung überwiesen. Ein Vertreter des Reichsamts de s I n n e r n erklärte, daß man regierungsseitig der Frage bereits näher getreten fc^ daß sich der reichsgesetzlichen Regelung aber Schtvierigkeiten entgegengestellt hätten. Sie liegen einmal darin, den abweichenden Interessen verschiedener Landesteile durch für sie geeignete Maßnahmen gerecht zu werden, zum anderen darin, daß nach den bisherigen Erfahrungen zweckdienlickw Einrichtungen nicht ohne Inanspruchnahme Mm Teil erheblicher Geldmittel von Seiten der Bundesstaaten und der Kommunalverbände getroffen werden können. Im Reichsamt des Innern sind vorläufige Gesetzentwürfe nach der Richtung der Ausdeh nung der württembergischen Einrichtungen für arbeitsfähige Wanderer auf das Reich und der gleichzeitigen Aen- berung des Grundsatzes des § 28 des Unterstützungswohn- l'itzgesetzes hinsichtlich der arbeitsunfähigen Wanderarmen ausgearbeitet. Die beteiligten Dienststellen des Reichs wb Preußeüs sind zu kommissarischen Beratungen über sie zusammengetreten. Sobald es gelungen ist, eine Einigung der Bundesstaaten über die gesetzgeberischen Vorschläge herbeizuführen, werden dem Reichstag Gesetzentwürfe über die Fürsorge für Wanderer unb die Beseitigung der Mängel bes 8 28 des Untersttitzungswohnsitzgesetzcs hinsichtlich der Wanderarmen vorgeleat werden, die den bisher geäußerten Wünschen im wesentlichen entsprechen werden. Dem weitergehenden Wunsche einer obligatorischen Einfiihrung- allgemeiner Arbeitsnachweise auch für die ortsansässige Bevölkerung, kann vorläufig nicht näher getreten werden, . da zunächst versucht wird, ohne gesetzlichen Zwang das Arbeitsnachweiswesen weiter auszubauen.
Diese Ausführungen fanden im Ausschuß im allge meinen Beifall. Das preußische Gesetz über die Beschäftigung von Wanderarbeitern wurde einer ziemlich harten Kritik unterzogen und als unsozial hingestellt. Es sei keine soziale Fürsorge, wenn jemand wie in Preußen Gelegenheit erhalte, gegen Beköstigung und Obdach zu arbeiten. 2er Reichstag müsse sich von sozial höher stehenden Gesichtspunkten leiten lassen. Von der Regierung wurde zugegeben, daß das preußische Wanderardeitsstättengesetz nicht in allen Punkten die Ettvartungcn erfüllt hat, die man auf cs gesetzt hat. Bei dem in Vorbereitung befindlichen Entwurf eines Reichsgesetzes wird versucht werden, die Mängel ; des preußischen Wanderarbeitsstättcngesetzes zu vermeiden, andererseits aber die guten Erfahrungen in Preußen der Reichsgesetzgebung nutzbar zu machen.
Der Standpunkt des Ausschusses ging dahin, baß diese Materie zufriedenstellend nur durch Reichsgesetz geregelt werden könne. Man müsse in erster Linie dahin arbeiten, die arbeitsscheuen Elemente aus den Großstädten herauszubringen und sie auf dem Lande seßhaft zu machen. Die reichsgesetzliche Lösung könne von größtem Segen sein. Arbeitsbeschasfungen, weitgehendster Arbeitsnachweis und planmäßige Sammlung aller Armenetats, möglichst wenig bureaukratische, reichsdeutsche Behörden für Volkswohlfahrt könnten Millionen dem Volksvermögen ersparen und eine Fläche von Oedländereien zn besiedlungsfähigem Kulturland erschließen.
tLiiHfcbiffabri.
London, 15. Dez. Aus dem Fluge von London nai't Oxford stürzte ein von dem Marineleutnant Parke gelenkter, mit einem Gast besetzter Eindecker infolge Motordeseftes bei Wclblev aus einer Höhe von 50 Metern ab. Parke war sofort tot, der Passagier starb kurz daraus- vermischte-.
* Räuberischer UebersallX Aus M h s l o w i tz, 14. Dez., wird gemeldet: Ms heute nachmittag ein Fuhrwerk mit der Löhnung für die Bergleute aus der Brzemsgrube unterwegs war, wurde es bei Birkenthal von 4 Räubern überfallen. Der das Fuhrwerk beglettende Assistent Jamrose wurde durch Rcvolverschüsse schwer verletzt, während der Kutscher unverletzt blieb unb fliehen konnte. Später traf das herrenlose Fuhrwerk auf der Grube ein. Von 4 2000 Mark der Löhnung wurden 5000 Mark geraubt. Vermutlich sind die Räuber, von denen jede Spur fehlt, gestört worden.
* T i e klugen Ehefrauen. „Ist es nicht schrecklich, daß Ihr Mann so vin Billard spielt und so oft dabei verliert '?" Auf diese Frage einer Bekannten erwidert die 5rau lächelnd: „Nicht im Geringsten, Wissen Sie, ich habe mit meinem


