Ausgabe 
23.7.1912 Zweites Blatt
 
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Mathaussaal stattfindenden UebergaLe des Bundesbanners an die Feststadt und der daran anschließenden Gedenkfeier an die vor 50 Jahren erfolgte Gründung des Deutschen Längerbundes teil­nehmen wird. Bei dieser Gelegenheit wird das Bundesbanner mit einem goldenen Lorbeerkranz geschmückt werden. Tie Fest­rede hält der Vorsitzende des Deutschen Längerbundes, Reichstags­abgeordneter Rechtsanwalt Friedrich L i st (Reutlingen). Daran schließt sich dann die Ehrung der Sängerjubilare, worauf am Abend die allgemeine Begrüßung erfolgt._______________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Juli 1912.

Eisenbahnpersonal-Nachrichten. Der Groß- Herzog von Hessen hat dem Bahnwärter Georg Ma in Hard in Rülfenrod auS Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen. Ernannt wurden: die komm. Eisenbahn- assistenten Hempel in Bebra, Schick in Homburg v. d. H. und Schal in Wetzlar zu Eiscnbahnassistenten. Versetzt wurden: der Lokomotivführer Diehl von Bebra nach Fried­berg, der Lokomotivheizer Jsbach von Gladenbach nach Friedberg und der Ladeschaffner Schneider III. von Wetzlar nach Bebra. Die Prüfung haben bestanden: die Lokomotiv­heizer Christ, Geibel, Schneider in Wetzlar, Richter und Querbach in Westerburg zum Lokomotivführer, Schaffner Wittkop in Gießen zum Zugführer.

* Iugendfest. Donnerstag, den 25. Juli l. Js., nachmittags von 2 Uhr ab, wird das diesjährige Jugcndfesl im Philosophenwald abgehaltcn werden. Es wird darauf hingewiesen, daß an diesem Tage von 1V2 hr nach- mittags ab der Fuhrwerksverkehr nach dein Philo- sophenwald nur den Mittelweg entlang und von do zurück nach der Stadt nur durch die Eichgärten, von 6 Uhr nachmittags ab aber in umgekehrter Richtung zu bewerkstelligen ist. Das Publikum wird gebeten, sich nicht in den Zug hineinzudrängen, auch nicht die Spielplätze im Philosophenwalde zu betreten oder in die Spiele einzugreifen und insbesondere beim Passieren des Zuges durch die Festplatz­eingänge diese freizulassen.

Landkreis Gietzen.

Leihgestern, 22. Juli. Unter zahlreicher Beteili­gung beging der Turnverein von 1893 Mitglied der Deutschen Turnerschaft die Feier seines 19jühri- Ven Bestehens. Der Vorsitzende Großhaus eröffnete die Feier mit einer Begrüßungsansprache. Der Schrift- fillfrer, Finanzamtsgehilse Schäfer, kennzeichnete den Stand des Vereins. Während der 19 Jahre seines Be­stehens habe er sich durch mancherlei Wirrnisse und An­fechtungen hindurchgekämpft um heute eine achtunggebie­tende Stelle einzunehmen. Die zahlreichen Erfolge seien »ein ehrendes Zeugnis des Unablässigen Wirken und Stre­bens und besonders das äbgelaufene Jahr, in dem zwölf Siege errungen wurden, stehe hierin obenan. Er ermahnte besonders die Jugend, ständige Besucher der Turnstätten zu sein. Ganz besonders gedachte er hierauf der großen Ver--. dienste des 1. Vorsitzenden, Großhaus, der nun seit neun Jahren sein Amt bekleidet. In bewegten Worten stattete dieser seinen Dank ab. Die hierauf folgende Wahl hatte folgendes Ergebnis: Der 1. und 2. Vorsitzende W. Groß-, jhaus und Lehrer Lotz, sowie Rechner Diehl und Schrisd- 'sichrer Schäfer wurden durch Zuruf einstimmig wieder­gewählt. Als Vorstandsmitglieder die Herren Gg. Eiff, W. Jung, G. Velten und K. Dutenhöfer, zum 1. Turnwart K. Textor, zum 2. Ludwig Seel. Der Turnrat setzt sich zusammen aus Lehrer Lotz, W. Menges, O. Velten und W. Laux.

= Lang- GönS, 22. Juli. Der Turnverein beabsichtigt, am 18. August sein Som werfest in dem am Bahnhofe gelegenen großen Garten des Gasthauses zurPost" 511 feiern. Montag? soll ein Volksfest, verbunden mit Jugendfest, abgehalten werden als Ersatz für das ausgefallene Kirchweihfest.

Kreis Büdingen.

ß Bleichen bach, 21. Juli. Heute nacht wurden in verschiedenen Geschäftshäusern Einbrüche versucht. Man nimmt an, daß durchreisende Arbeitslose die Täter seien, wie man auch deren zwei Leute am Tage vorher hier beobachten konnte. Durch ein auSgebleites Ladcnfenster wurde ein­gestiegen, Laden, Küche und WirtSzimmer durchsucht, auch Eßwaren, Zigarren, Schokolade, Getränke gefunden und mit­genommen. Von Nidda erschien der Wachtmeister mit einem Polizeihund, der die Spur durch Gärten und Bach aufnahni und bis zu den verschiedenen Häusern, in welchen eingebrochen wurde, verfolgte. In derselben Nacht wurde auch in dem

nahen SelterS bei Kaufmann Bender eingebrochen, wie man hört, mit mehr Erfolg als in Bleichenbach. Amts- gericht Ortcnberg, Gendarmerie und Ortspolizci waren den ganzen Sonntag morgen in Tätigkeit nach den ©puren der Einbrecher.

Kreis Alsfeld.

= Oberbreidenbach, 22. Juli. Gestern fand hier das G u st a v - A d 0 l f - F c st des Z w e i g v c r c i n s Alsfeld statt. Straßen und Häuser waren festlich geschmückt. Nachmittags um 2 Uhr vereinigte sich eine zahlreiche Gemeinde im Gotteshause. Pfarrverwalter Weiß aus Bieber hielt die Festpredigt über das Evangelium vom barmherzigen Samariter. Er bezeichnete den Gustav-Adolf-Verein als einen barmherzigen Samariter, der schon vielen bedrängten Evangelischen die Bruderhand gereicht habe. An die Predigt schloß sich die Begrüßungsansprache des Vor­sitzenden des Zweigvereins und die Erstattung des Rechenschafts­berichts an. Wegen des schlechten Wetters wurde auch die Nach­versammlung in der Kirche abgehalten Nach der Begrüßung durch den Ortsgsistlichen erzählte Lehrer Götzky Erlebnisse ans dem Schulleben in katholischer Umgebung, worauf der Festredner ans seiner Tätigkeit berichtete. Tie Fcstkollekte betrug 87 Mk., die der Gemeinde Bieber bei Offenbach zuerkannt wurde.

Kreis Friedberg.

W. Bad-Nauheim, 22. Juli. Zu Gunsten des Pen­sionsfonds derKurt'apelle fand am Samstag im Kon­zerthause ein Sonder-Konzert statt,_bei dem sich nam- haite Kräfte in den Dienst der guten Sache gestellt hatten. Konzert­meister Jani Szänto und Harfenvirtuose Johannes ^S n 0 e r spielten diePhantasie für Violine und Harfe" von Sciint- Saöns und fanden lebhafte Anerkennung, ebenso der Hofopern­sänger Otto Semper von Darmstadt fürRezitation und Arie des Rene" aus der OperMaskenball" undWotans Ab­schied und Feucrzauber" aus der Walküre. Fräulein Wynne Pyle aus Berlin hatte in Tschaikowskis großemB-moll-Kon- zert für Pianoforte und Orchester" den Klavierpart übernommen und brachte ihre Kunst in temperamentvoller Ausführung meister­lich $u Gehör. Universitäts-Musikdirektor Professor Gustav Traut­mann-Gießen, dem Leiter sämtlicher Ausführungen, wurde für die Sicherheit und Feinheit in der Führung des Taktstockes wieder­holt lebhafter Beifall gespendet.

Lr. Rieder - Welsel, 22. Juli. Der hiesige Gesang­vereinMännerchor" begeht iw nächsten Jahre sein silbernes Jubiläum. AuS Anlaß dieser Feier findet am 28., 29. und 30. Juni 1913 ein GesangS-Wettstreit statt. Die Vorbereitungen zu dem Feste sind bereits in vollem Gange. Ein engerer Ausschuß ist gebildet. Die Zeichnung für einen Garantiefonds hat begonnen und hat schon eine namhafte Höhe erreicht.

fc. Dortelweil, 22. Juli. Gestern machte eine Stammtisch-Gesellschaft aus Frankfurt a. M.-Süd einen Ausflug hierher. In der Wirtschaft von Steul amüsierte man sich und trat gegen 9 Uhr den Rückmarsch nach der Station an. In der Nähe des hiesigen Schul­hauses kam es zu Streitigkeiten, bei denen mit Regen­schirmen unb Stöcken gearbeitet wurde und auch der Brumm­baß und die Geige benutzt wurden. Durch das Einschreiten der hiesigen Einwohner wurden die Hyänen auseinander ge­bracht und noch so rechtzeitig, daß sie den Zug 930 Uhr be­nutzen konnten. Zerbrochene Regenschirme und Stöcke, Teile 0011 zertrümmerten Musikinstrumenten, zerrissene Kleider und ähnliches zierten den Kämpfplatz.

Starkenburg und Rheinhessen.

--- Darmstadt, 22. Juli. Der Hessische Landes­verein für Innere Mission gedenkt seine Jahres­versammlung am 15. und 16. September hier abzuhalten. Auf dem Familienabend am 15. September wird Pfarrer D. Dr. Diehl- Darmstadt Bilder aus der christlichen Liebestätigkeit der Vergangenheit vorführen. Die Hauptversammlung am 16. Sep­tember wird sich mit der Fürsorge für die weibliche Jugend beschäftigen, und am! Nachmittag soll ein Vortrag des Pfarrers Wurm aus Stuttgatt folgen über die Stellung der inneren Mission zur Gemeindcorganisation und zur Humanität.

--Bensheim a. d. B., 22. Juli. Die diesjährige Sitzung des Verbandes Hessischer Berkchrsvereine wird Sonntag, 4. August hier abgehalten. Die Tagesordnung befaßt sich u. a. mit dem Gefckxiftsberickü und Bericht der angeschlossenen Vereine, Wahl des Vororts, Dioramen-Ausstellung in Bad-Nau- heim, der Jahres-Hauptversammlung des Bundes deutscher Ver­kehrs-Vereine in Kassel usw. Nach Schluß des geschäftlichen Teils findet gemeinsames Essen int Deutschen Haus statt, nachher aus Einladung der Sektion Bensheim des Odenwaldklubs ein kleines Waldfest auf dem Kirchberg.

ch. Nied er-Ingelheim, 22. Juli. Die vom hiesigen Obst- und Gartcnbauverein errichtete Markthalle nnirbe gestern eingeweiht. Dem eigentlichen Einweihungstage war am Samstag ein Kommers vorangegangen, an dem die Gesang- und Turn- Vereine von Nieder- imb Ober-Ingelheim mitwirkten. Die Be- grüßungsausprack)e, sowie die Weiherede wurde vom 1. Vor­sitzenden Postverwalter Andres gehalten. Die Markthalle ist ein yroßer, geräumiger Bau und in ihrer Art eine Sehens­würdigkeit. ____________

Kreis Wetzlar.

Bermoll, 22. Juli. Unsere Gemeinde hat 0!; letzte der zehn Orte der Bürgermeisterei Hohensolms die Z,. fnntmenleg ttng der Feldmark beschloßen. Die Gwf. der Gemarkung beträgt 407,70 Hektar.

Sport.

= Radfahren. Ter Gau 9a Sieg-Lahn hielt er? Sonntag den 21. Juli seine FernfahrtRund im Gau 148,1 Kilometer aus der Strecke Herborn, Dillenburg, Eib-i-. hausen, Laasphe, Biedenkopf, Marburg, Gienen, Wetzlar, Her­born ab. Dem Starter, Gaufahrwart Max-Gießen, pellten stch 22 Fahrer, die morgens 4 Uhr von Herborn abgetanen wurden Trotzdem die Strecke durchschnittlich über sehr hügeliges ©cLiuv sühne, wurden recht gute Zeiten erzielt. Ergebnis: 9unioren; 1 R. Schön hals 1885 Gießen, 5 Stunden 22 Minuten, 2 K. Hartmann- Germania Gießen, 2 Längen zurück, 3. 2.1 Käb Wetzlar 5 St. 32 Min., 4. W. Möller-Wetzlar 5 St. 32 Äm 5 $01. Dietz-1885 Gießen i St. 40 Min., 6. H. Steih- 1885 Gießen 5 St. 40,1 Min., 7. O. Komps-1885 Gießn 5 St. 54 Min., 8. E. Unverzagt- 1885 Gießen 6 St. 3 Mm, 9. O. di g er-Germania Gießen 6 St. 7 Min., 10. £ Weinrich - Germania Gießen 6 St. 10 Min., 11. L. Roth­schild-Kirchhain 6 St. 34 Min., 12. H Krah-Siegen ti 55 Min., 13. A. Ham in e l -Germania Gießen 7 St. 17 M,.- Senioren: 1. W. Fiedler-Wetzlar 6 St. 20 Min., 2. E. Funk-: Germania Gießen 7 St. 34 Min., R. Rüdiger- Germanii Gießen 7 St. 36 Min., 4. A. Höß-Germania Gießen 8 c: 28 Minuten,

Geschichten von der New Yorker Polizei.

Die furchtbare Korruption der New Dörfer Polizei, auf bie btt Ermorbung bes Spielhöllenbesitzers Rosenthal ein grelles Schlag licht wirft, läßt sich durch unzählige alltägliche Begcbenhe-.lcr in der amerikanischen Metropole erhärten. Ten New Vlorfrrr. selbst wirb jedenfalls mit diesenEnthüllungen" nichts neu.;- gesagt; sie haben ihrer Polizei niemals getraut und sich n; auf sie verlassen. Charakteristische Beispiele für diese fast un glaublichen Zu stände erzählt einAnglo-Amerikaner" in der Dailtz Mail. ,^Jch erinnere mich, daß einem Freund von mir Juwela von einem Diener gestohlen wurden, der spurlos verduftete. Äu, statt sich nun an die Polizeibehörde zu wenden, beauftragte btt Bestohlene ein großes Privatdelektivinslitut mit der Verfolgung und aus meine Frage, warum er nicht die Polizei bemüht bek antwortete er lachend:Die würden ja doch bloß die Juwelen mit dem Diebe teilen." '

Wie unauflöslich in New York Polizei mit Politik verblüht ist, davon erlebte ich jüngst eine Probe. Eine junge Frau war um 2 Uhr morgens von einem Betrunkenen schwer insultitn worden, der bei ihr eindrang. Sie stürzte auf die Strass, schrie um Hilfe und kam mit zwei Polizisten zurück. Der Uebeltätn lehnte noch an der Tür und rauchte eine Zigarre. Tie Beamte wollten ihn arretieren, aber er zeigte nur seine Karte, die euiti einflußreichen Politikers und forderte die Polizei auf, ihn Jcfi- zunehmcn, wenn sie es wagten. Sie roagten ie3 nicht und schlichen sich fort. Und sie taten Recht daran, denn die .Verhaftung Hain doch mit einer Scheinkomödie geendet. Sie wußten ganz gcitm. daß er in demselben Llugenblick wieder losgelassen worden wärt, in dem er das Polizeibureau erreicht hätte. Odor wenn es |a einer Klage gekommen wäre, hätte man die Sache niedergeschlagen Ein ehrlicher oder taktloser Schutzmann nahm vor einigen Iah» ein Mitglied der allmächtigen Tammany fest, wie es gerade tut Frau niederstach. Die Klage wurde niedergeschlagen. Jmnm wieder und wieder arretierte derselbe Polizist auf seinen Patrouillen- gängen denselben Verbrecher, indem er ihn hei den verscknedenta Gewaltsamkeiten auf frischer Tat ertappte. Und jedesmal iptdi? sich dieselbe Komödie ab. Bis endlich im 'vergangenen Jahre da Tarnmany-Mann die Unvorsichtigkeit beging, über einen ata Herrn herzufallen, der zu großen Einfluß besaß, als daß ntaiM Sack-e hätte vertuschen können. Nun erst wurde er verurteD.

Zur selben Zeit etwa las ich in ben Zeitungen von der Vw Haftung einer Besitzerin eines schlechten Hauses. Die Frau >'»« wohl, wie ihr Sekretär, der die Bücher führte, wurden rcr Gericht gebracht. Ich wohnte der Verhandlung .bei. Beide, bie Frau und der Sekretär, wurden verurteilt, die Frau zu Tagen Haft oder 35 Dollar Strafe, der Mann zu 15 Tagen ob« 50 Dollar. Tie Frau bezahlte die 35 'Dollar sie hätte cbenw ohne die geringste Schwierigkeit 35 000 Dollar bezahlen fönnn: und kehrte zurück zu ihrem Beruf. 1 Ter Sekretär hatte Ter: Geld und wurde auf 15 Tage eingesperrt. In einer solchen Schule tverden dem New Yorker Polizisten seine Auschauunqm von Gerechtigkeit eingepflanzt. Er sieht ringS um fid) eine feste Organisation von Verbrechern, die unter dem Sckmtze seine: Vorgesetzten ihr lichtscheues Wesen treiben. Sein Kapitän nimrr: auf diese Weise 1000 Dollar mehr ein 'als sein Gehalt betedflt, her Disttiktsiuspeklor das Trei- und Vierfache davon. Polückn, Rechtsanwälte, Magistratsbeamte und die höheren Polizcileute sie arbeiten alle zusammen, um den Spielhöllen, den schleckten Häusern und jedem Unterschlupf des Lasters die Möglickkeii cinn ruhigen und sicheren Existenz zu gewähren. Der Polizist 1« hineiugespannt in dies unzerreißbare System, das Verbreä>ei: gewinnbringend macht und Rechtsck-asfenheit zu einem nnüber ivindlick>en Hindernis des Weiterkommens. Und in 99 untc: 100 Fällen geht er den sicheren breiten Weg des Lasters. Wenn ein Mann eine Spielhölle in New York anfmack-en will, banr bespricht er sich erst mit bent politischen 'Führer bes Distrikte

er Eurer Majestät einen genauen Bericht über die Gefühle geben wird, die Ich für Eure Majestät hege, und die Ich ihm enthüllt habe. Stets werden sie dieselben sein, und Ich bitte Sie, sie entgegenzuuehmen als eine neue Versicherung der größten Hoch­achtung und der aufrichttgsten Freundsckiast, mit der; Ich bin . . . ."

Was mag der arme Taube gemacht haben, daß dies Loblied nicht in die Hände seines' Herrn geriet? Der Brief, den der König von Württemberg wirklich aus der Hand Napoleons emp^ fing, bestand nur aus acht sehr kühl gehaltenen Zeilen. Der an den König von Sachsen gerichtete Brief war weniger herzlich als höflich. Vielleickst mag auch noch das Schreiben interessieren, das Napoleon an die Fürsten von Schwarzburg sandte. Darin ersucht er sie u. a.> ihren Sohn, den Tl-rotrfolger, in die Arme bei französischen Politik zu führen.^

Eine französische Jahrhundertausftel- lung. Eine Reihe von vier Ausstellungen, die im Frühling 1913, 1914, 1915 und 1916 stattsinben werden, soll im Pariser Pcttt Palais der Ehanips-Elysees einen imposanten Ueberblick über die ganze französische Kunst des 19. Jahrhunderts gewähren. Aus allen öffentlichen und privaten Sammlungen sollen die wichtigsten Werke znsammengebraäü werden, die zeigen, wie Großartiges der französische Geist im vergangenen Jahrhundert in künstlerischer Hinsicht hervorgebracht hat. Die erste Ausstellung wird David und seinen Schülerrt Görard, Gros, Gnörin, Jsabey, Ingres u. a gewidmet sein und, mit der Zeit der Revolution beginnend, die Kunst der napoleonischen Aera vorführen. Die zweite Aus­stellung wird dann als Mittelpunkt Delacroix und um ihn gruppiert die roinanttscke Schule zeigen. Für die David-Aus stelluug sind bereits jetzt umfassende Vorbereilltngeu gettoffen, damit feine charakteristische Arbeit aus dem Werk des großen Klassizisten und seiner Schule fehle.

Ein einzigartiges Denkmal. Aus London wird berichtet: Ein Denkmal, wie es sonst kaum noch in der Welt wieder- vorkommen dürfte, wurde soeben in Blackburn enthüllt. Es ist eine große Statue des Mr. H. Hornby von der Hand des Bildhauers A. Bruee Jov, die dem im Jalxrc 1864 verstorbenen Fabrikherrn von einem seiner Arbeiter errichtet worden ist. Ter Arbeiter, der infolge seiner Tüchtigkeit zum Vorarbeiter aufgerückl war, batte in den langen Jahren, in denen er in der Fabrik tätig war, 60 000 Mk. erspart, und als er vor drei Jahren geswrben 'war, sand man in seinem Testament die Bestimmung, daß die ganze

Summe für ein Denkmal seines Herrn und Wohltäters verwendet werden sollte. So hat Blackburn jetzt das Denkmal Mr. Hornbys, der Bürgermeister der Stadt und auch fein Vertreter im Parla­ment war, erhalten.

Das älteste Museum der Welt. Unter den gegen­wärtig existierenden Museen ist das älteste sicherlich derKaiser­lich japanische Schatz" zu Nara, der sich in der alten Hauptstadt des Reichs seit dem 8. Jahrhundert unserer Zcitreichnung be­findet. Die kostbare Sammlung hat sich ohne große Schäden während der Revolution erhalten. Im Bulletin de la Sociüte sranee-japonaise findet sich eine Schilderung dieses einzigartigen Kunstschatzes, die einer der wenigen Europäer, die ihn besucht haben, der bekannte deutsche Kenner der Kunst Ostasiens Dr. Otto Kümmel gibt. DerShöscin" von Nara, der im Jahre 756 n. Ehr. von dem Kaiser Shomu und der Kaiserin Kömyo ge­gründet wurde, enthält nur Werke aus dieser oder aus früheren Epochen. Von den ettva 3000 Gegenständen ist der größte Teil von rein dekorativem Charakter und gehörtin die Zahl der schönsten Dinge, die des Menschen Hand jemals geschaffen": Es sind Holzsachn und Lackarbeiten, Gemälde auf Möbeln, ver­schiedenartige kostbare Stoffe, kloisonnierte Emailarbciten usw. Ter Ursprung der ganzen Sammlung ist ziemlich zweifelhaft. Ein Teil der Gegenstände ist als chinesisch oder als korsanisch angegeben; die anderen, die kein Anzeichen ihres Ursprungs tragen, haben indessen einen nicht weniger klaren exotischen Charakter und tragen das Zeichen von Einflüssen an sich, die aus alten Ge­bieten Asiens herrühren, aus^ Nordasien, dann aus Südasien, (die häufige Darstellung des Kamels, des Elefanten, von Tiger- lagden,) aus Persien, ja sogar aus Länderu des Mittelmeers ldurckaus griechische Palmetteu, der Pegasus). Dr. Kümmel ist der Ansicht, daß, wenn die Stucke in Japan ausgesuhtt worden sind, dieses ohne Zweisel durch chinesisck>e Künstler oder durch iapanische geschah, die in fremder Schule gebildet waren. Be­sonders bemerkenswert sind die Bronzespiegel, die völlig identisch sind mit den berühmten Spiegeln der chinesisck^en Tang-Dynastie. Der Shosoin stellt freilich einen einzigartigen Museumslypus dar. Er ist immer geschlossen und öffnet sich nur einmal im Jahre, im Frühling, zur Aufnahme des Inventars, das von einer besonderen .üomimision unter der Führung eines hohen Beamten festgesteltt wird. Bei dieser Gelegenh.it kann auch einmal jemand das Museum besichtigen. Ein englisch-japanischer Katalog des Shosoin wird demnächst veröjfetttlicht werden.

Amerikanische Straußcnsarnten. Neben sii weiten Gebäuden und Anlagen des Hagenbecksck>en Tierparks tr Stellingen erhebt sich seit einiger Zeit ein kleinere- schmuck« Häuschen im Villcnstil, an das sich eine Reihe von cingciuuntcr Gehegen anschließt. Und hier wandeln nun durch die niederdeutsch Landschaft mit stolz gehobenem Haupt und gravitätischen Schriuc: Strauße, die besiederten Könige der afrikanischen Vogelwclt, n zahlreichen Säuren. Den ganzen Werdegang des SttaußeS fam man hier verfolgen, von den großen Eiern an, die hi kümtliarr Brutapparaten ausgebrület werden, von den kleinen nnntigr Babys, die junge Hühnchen zur Gesellschaft erhalten, bis zu dc: großen mächtigen Tieren, deren herrliche Federn im Vorderhou zum Verkauf stehen und das Entzücken der Damenwelt err«m Ein bedeutsamer Ansang ist shier geschehen, den Strauß in iinicrr kalten Zone heimisch zu machen, und vielleicht blicken wir ' einiger Zeit auf ebenso günstige Ergebnisse zurück wie die einigten Staaten, in denen die Straußenzucht innerhalb vc» 30 Jahren zur reichen Blüte gelangt ist. Die (Einführung w Straußen in Amerika datiert, wie wir einem Aussatz der 311^' stration entnehmen, aus dem Fahre 1882: die letzte größere M 'ne wurde 1901 eingesühtt. Einige Jahre spater wurde die Ausiub der Eier und Tiere aus dem Kapland bei Gefängnisstrafe t)tv boten. Die Gesamtzahl der ausgeführten Tiere scheint nie mehr als 400500 betragen zu haben, von denen iwch viele rnii entgingen. Heute zählt man in den Vereinigten Staaten 17 gtoU Farmen, die etwa 20 000 Strauße besitzen; Miehr als die Hält:' ist in Kalifornien und Arizona. Diese bedeutende Zahl ist Kbol gering im Vergleichzu der der Kapkolonie, wo es 1865 80 Strau gab und beute 1 Million. Tie Preise sind außerordentlich^' Mieden Ein ein Monat alter Strautz kostet 200300 Ml- sur erwachsene Strauße werden 600800 Mk. gezahlt; der Psi» der Eier beträgt 250500 Mk. für das Dutzend. Jeder erro(W'i Vogel bat etwa 700 Gramm Federn von einem Durchschnitlswesi von 120 Mk.; die Unterhaltungskosten werden aus etwa 40 9-«- geschätzt. Tie Schönheit und Menge der Federn hängen von bt Gesundheit der Tiere und ihrer Rasse ab. Man reißt die nicht aus, sondern man schneidet sie, ohne einen Tropfen zu vergießen oder dem Tier weh zu tun, ab und entfernt naj zwei Monaten den vertrockneten Stumpf. Auch die Franzcu» haben Versuche mit Straußenfarmen gemacht, auf Madagett und im Süden von Tunis, und zwar mit sehr gutem StIdV*