Nr. 232
Zweiter Blatt
|62. Zahrgang
Erscheint tigllch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Eieheuer Zamiliendlätler" werden dem ^Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisfclatt fflr den Kreis Gießen" ziveimal wöchentlick. Die „Landwirtschaftlichen Zett- fra-en" erscheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberhesfen
Mittwoch, 2. Dttober sysZ
Rotationsdruck und Derlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e-GKbl. Redaktion: 112. Tel.-AdruÄlnzergerGleßen.
Die Regierungen unö öie $kifd)teuerung.
(Gegenüber den Angriffen von rechts und links schreibt die „91 o r b b. Allg. Ztg." zur Fleischteucrung unb über bie Aufgaben b e r Kommunen:
Die Regierung hat ihre guten Gründe dafür, daß die gewährten Vergünstigungen nur solchen Städten zugute kommen, die als Märkte für Vieh- und Fleischpreise ganzer Lcmdestcilc maßgebend sind. Für diese Beschränkung sprach die Erfahrung, daß die allgemeine Erleichterung des Imports nur selten den Konsumenten zugute kommt. Sodann bieten auch allein die großen Städte mit ihren Schlachthäusern, den Bahnanschlüssen unb sonstigen Einrichtungen volle Garantie für die sanitäts- und veterinär polizeiliche Ueberwachung der Einfuhr. Ausschlaggebend aber ist die Erwägung, daß eine baldige nachhaltige Einwirkung auf die Preisbildung der Vieh- und Fleischmärkte ohne die tatkräftige Mitwirkung der größeren Kommunen nicht erreichbar ist. Bei den Opfern, die diese Mitwirkung von den Kommunalverwaltungen erforbert, erscheinen auch die in Aussicht genommenen Tarif ermäßigungen und Zollvergütungen durchaus gerechtfertigt.
Den freisinnigen Blättexn gegenüber, die eine „wirkliche Bauernpolitik" statt der bisherigen „Großgrundbesitzerpolitik" ver langen, betont die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß der bäuerliche und der Kleingrundbesitz in erster Linie an der Aus rcchlerhaltung der heimischen Viehzucht unb des gewährten Grenz schutzes interessiert ist. Tic „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gibt dafür einige Zahlen und bemerkt, daß der überwiegende Anteil der Kleinwirtschaft an der Viehversorgung sich dadurch verdeutlichte.
Zur Hebung der Viehprirduktion erklärt die „Norddeutsche": Die in den letzten Jahren in erfreulicher Zunahme befindlichen Viehverwertungsgenossenschaften werden zweifellos die städtischen Verwaltungen, bei einem preis- würdigen Bezug von inländischem Vieh unterstützen. Unter Mit Wirkung der Landwirtschastskammern wird die landwirtschaftliche Verwaltung in verstärktem Maße unter Aufwendung größerer Mittel die Hebung der Viehproduktiou zu fördern suchen Als dieserhalb zu ergreifende Maßnahmen kommen vornehmlich in Betracht, neben energischer Fortsetzung der inneren Kolonisation und der Kultur der Moor- und Oedlandslächen, die Errichtung bc sonderer Schweinezucht und Maftgenossenschaften, vermehrte Ausstellung männlicher Zuchttiere, Erleichterung in der Beschaffung weiblichen Zuchtmaterials aller der für die Fleischversorgung in Betracht kommenden Vieharten (Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen, Kaninchen und Nutzgeslügel» und die Hebung des Futteranbaues. Die Errichtung von Jungvieh-, Schaf-, Schweine- und Ziegen weiden muß bie Vermehrung der Viehbestände unterstützen. Wenn alle Beteiligten, besonders die Landwirte selbst unb bie landwirt schastliche Verwaltung dieses Bestreben unterstützen, dann wird das einzige dauernd wirksame Mittel zur Beseitigung drückender Fleischteuerung und die Hebung der inländischen Flcischerzeugung sichergestellt und das große Ziel, die Fleischversorgung Deutschlands unabhängig vom Auslande zu erhalten, auch gewiß erreicht.
Sächsische Mahnahmen.
Dresden, 1. Okt. Das Ministerium des Innern beschloß vorübergehend Erleichterungen in ber Vieh und Fle i sch ei n fuh r aus dem A u s l a n d e, unbeschabet ber dort bestehen bleibenden Einfuhrverbote, zuzulassen. Danach wird für große sächsische Städte die Einfuhr von frischem Rind- und Schweinefleisch aus dem europäischen Rußland, Serbien, Rumänien und Bulgarien zugelassen, wenn Fleisch zu einem unter behördlicher Einwirkung festgesetzten, möglichst niedrigen Preise an die Verbraucher verkauft wird. Ebenso wird unter den gleichen Bedingungen auch weiterhin die Einfuhr von frischem Rindfleisch aus Belgien gestattet. Tie Einfuhr von Rindern aus den Niederlanden zur alsbaldigen Abschlachtung wird unter gewissen gesetzlichen Bestimmungen zugelassen.
Tie bayerischen Erleichterungen.
Die Korrespondenz „Hoffmann" meldet: Das bayerische Staatsministerium wird die Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Serbien, Bulgarien unb Rumänien über bie bayerischen Einlaßstellen für ausländisches Fleisch für die Städte München, Landshut, Ludwigshafen, Regensburg, Bamberg, Nürnberg, Würzburg und Augsburg aus Ansuchen gestatten. Ferner wird die Einfuhr von S ch l a ch t r i n b e r n aus den Niederlanden in die öffentlichen Schlachthäuser der Städte München, Passau, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Regensburg, Bamberg, Hof, Nürnberg, Würzburg und Augsburg aus Ansuchen unter den gleichen veterinärpolizeilichen Vorsichtsmaßregeln und Bedingungen zugelassen, unter denen die Einfuhr von Schlachtvieh aus Oesterreich-Ungarn in diese Schlachthäuser gestattet ist. Die Einfuhr von frischem Rindfleisch ans Belgien nach Bayern kann ohne besondere Genehmigung erfolgen, sobald die an Belgien angrenzenden deutschen Bundesstaaten das Verbot der Einfuhr von solchem Fleisch aufgehoben haben. Wenn der Bundesrat bie Einfuhr von frischem Rindfleisch aus Serbien, Bulgarien und Rumänien zuläßt, wird auch über die Einfuhr solchen Fleisches nach Bayern sofort Bestimmung getroffen werden.
Aus Hessen.
Aus der Finanzausschußfitzung der Zweiten Kammer.
(bs.) Darmstadt, 1. Okt. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hielt heute eine Sitzitng ob, in der hauptsächlich über die Regierungsvorlage, betreffend den Bau einer Nebenbahn über d e n Rhein nach Bingen, verhandelt wurde. Zu dieser Frage, bie aus strategischen Gründen außerordentlich lvichtig ist, wurde im Laufe der Verhandlung der Finanzminister hinzugezogen. Die Bahn muß 900 Meter mehr nach Bingen zu verlegt tocrben, weil an ber Insel, über bie sie ursprünglich geführt werben sollte, snl) Schwierigkeiten wegen ber Funbamentierung ergeben haben. Diese Verlegung nach Bingen zu schließt zugleich auch einen Vorteil für bie Stabt selbst ein. Es würbe aber bie Zusicherung geforbert, baß burch bie Verlegung die Interessen der Stadt Mainz nicht gefährdet werden sollen, und baß ber jetzt über Mainz geleitete internationale Verkehr auch weiterhin bestehen bleibe. Von einem Aus- schußmitglieb wurde angeregt, bei dieser Gelegenheit auch bie Frage ber Revision bes Gemeinschaftsvertrages bei Preußen anzuregen. Dem würbe aber ent- schieben wibersprochen, ba bei ber strategischen Bebeutung ber Bahn anzunehmen sei, baß Preußen bie Bahn bann auf eigene Rechnung bauen unb in seine Verwaltung übernähme. Der Finanzminister gab bann noch zu biefer Frage eine eingehenbe Erläuterung, worauf bann ber Finanzausschuß bei einer Stimmenthaltung ber Regierungsvorlage zustimmte.
Die Besprechung ber Regierungsvorlage, Gesetzentwurf die Verwer tun g ber Forstnutzungen aus .Staats
waldungen ergab, baß eine Berechtigung ber Einwohner ber Umgebung von Treiß burch bas Gesetz erledigt werben solle.
Einer Vorstellung des Stat.-Assist. Balth. Schmidt wegen Aufbesserung seiner Pension tonnte feine Folge gegeben werden, weil dies gesetzlich nicht möglich ist. Ebenso tonnte der Vorstellung des Bahnhofverwalters C. Keller in Worms wegen Erhöhung seiner Pension nicht entsprochen werden, weil diese auch gesetzlich feststeht. Der Ausschuß wiederholte seinen früheren Beschluß, daß in Fällen der Not Unterstützungen gewährt werden sollen. Eine Vorstellung ber seminaristisch gebildeten Lehrer an ben höheren Bürgerschulen, Gleichstellung mit ben Lehrern an ben höheren Lehranstalten soll mit ber Frage ber Bc- solbungsorbuung verhanbelt werben.
Tie Regierungsvorlage: Nachweisungen über bie Staatseinnahmen unb -Ausgaben 1907, ferner Ueberjidit ber Einnahmen unb Ausgaben ber Großh. Landeskrebitkasse für 1908 würben heute nicht beraten. Zurückgestellt würbe auch bie Vorstellung ber Allg em. RadfahrerUnion, ein Antrag Molthan Ersatz ber Kommunalsteuer für bie Angestellten ber Preußisch - Hessischen Eisenbahngemeinschaft sowie ein Antrag So Herr, Volksschulpersonal in Bingen betreffend
Tie nächste Sitzung des Finanzausschusses ist noch nicht festgesetzt. Die Hauptaufgabe des Ausschusses wirb zu lösen sein, wenn bie Regierung bie Vorlage ber befinitioen Regelung ber Beamtengehälter vorlegt.
Ter Finanzausschuß der ersten Kammer
wird am Tonnerstag, den 3. Oktober, vormittags 10 Uhr, zu einer Beratung zusammentreten. Neben der Erledigung verschiedener kleinerer Beratungsgegenständc dürfte der Hauptzweck dieser Zusammenkunft der sein, eine zunächst unverbindliche Aussprache der Ausschußmitglieder über die demnächst zu erwartende neue Regierungsvorlage, betreffend die organisch? Durchführung der Beamten und L e h r c r b e s o l d ii n g s r e s o r ni herbeizuführen.
Die nicht angeftellien Beamten unö Bediensteten an der Lander-Universität.
Man schreibt uns:
In Nr. 228 Ihres geschätzten Blattes sind besonders die Diener der Institute der Landes Universität angeführt, die schlecht besoldet unb leer bei der Besolduugsausbesseruug ausgegangen sind. Es dürften dies aber noch lange nicht diejenigen sein, die von den nicht angestellten Beamten und Bediensteten der Universität am schlechtesten gestellt sind. Tie Sache ist nicht wie bei Kathreiners Malzkaffee, daß man sagen könnte: „Ter Gehalt machts." Ein großer, ja der größte Teil der Tiener hat doch ganz wesentliche Nebeneinkommen, die wohl mehr als ihren festen Gehalt ausmachen dürsten: dagegen sind viele g^ernte Handwerker im staatlichen Dienst und besonders bei der Universität beschäftigt, die nicht, im geringsten Gelegenheit haben, einen Nebenverdienst zu genießen und auch kein besseres Einkommen haben wie das feste Gehalt ber Tiener. Tabei haben sie einen schwierigeren Dienst unb bei der Ausübung ihrer Tätigkeit wird gründliche Kenntnis und Geschicklichkeit in ihrem Handwerk verlangt. Es sind beispielsweise an den Kliniken eine ganze Anzahl Schlosser und Installateure beschäftigt, die alle einschlägigen Arbeiten aussühren können und weit über die normale Arbeitszeit im Maschinen- und Heizungsbetriebe tätig sein müssen: dazu Sonn- unb Feiertage im Dienste stehen und auch keine bessere Besoldung genießen wie die Tiener. Z. B. erhält ein H e i z e r , der 19 Jahre im Tienst steht, bei freier Wohnung 1265 Mk., ein Heizer mit 17 Jahren Dienstzeit 1085 Mk. ohne Wohnung, ein Installateur mit 9 Tienstjahren 1365 Mk. ohne Wohnung, bie übrigen Schlosser überhaupt, welche fast alle verheiratet sinb, beziehen nur 1265 Mk. Gehalt ohne Wohnung.
Taß die Diener nicht die am schlechtesten Bezahlten sind, dürfte schon daraus hervorgehen, daß sie sich unb ihren Familien mehr leisten können als bie übrigen bebienfteten Hanbwerker. Es ist sogar den meisten möglich, ihre Kinder in höhere Schulen zu schicken, ja studieren zu lassen, wozu das Einkommen der anderen keinesfalls hinrcicht.
Deutsche Kolonien.
Ter Zwischenfall in Sudwestasrika.
Einer Berliner Korrespondenz zufolge hat sich der Gefreite Strauch von der Schutztruppe, ber seit dem 27. September vermißt wurde, wieder eingefunben. Einzelheiten über den Zusammen- itoß mit den Eingeborenen fehlen.
An- Staöt und Land.
Gießen, 2. Oktober 1912.
" I n stiz pers o n a lie n. Der Groß Herzog hat den Gerichtsassesfor Dr. Fritz Arens aus Mainz zum Notar mit dem Amtssitz in Wallertheim ernannt und den Aktuariats- assistenten bet dem Amtsgericht Friedberg Hch. Nuppel auf fein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlaßen.
** Zeppelin fahrt. Wie bereits im Anzeigenteil bekannt gegeben wurde, wird am So n n tag, den 6. Oktober vom Verein für Flugwesen in Mainz eine Anzahl Zeppelinfahrten (Frankfttrt—Mainz oder Mainz—Frankfurt oder Rundfahrten von Mainz au§) veranstaltet. Der Preis für eine Fahrt beträgt Mk. 100, für Mitglieder deS Stift* fahrer-Vercins Gießen nur 9)1 f. 70.—, 80.—. Der Luftfahrer-Verein Gießen beabsichtigt bei genügender Teilnehmerzahl eine dieser Fahrten, die ganz besondere landschaftliche Schönheiten bieten, als Vereins fahrt für feine Mitglieder und Freunde des Vereins auszuführen und bittet deshalb um möglichst umgehende Aumekdungen aller Interessenten.
** Ter Turnverein hielt am Sonntag sein Abturnen ab, das bei gutem Besuch sehr schön verlief. An dem Wetturnett und Fecltcn am Vormittag beteiligten sich insgesamt 56 Turner unb Zöglinge, bie teilweise recht gute Leistungen boten. Am Nachmittag fanb ein Schauturnen start, bei bem hauptsächlich Freiübungen unb allgemeines Riegenturnen vorgeführt worben. Bei der Abendfeier gab es ebenfalls hübsche turnerische Leisttrngen. Tic Zöglinge zeigten Stabübungen unb bie Turner Tischpyra- miben, bie sehr gefielen. Nach einer Ansprache des 1. Sprechers nahm Turnwart Erb bie Preisverteilung vor, worauf ein Tanz bie Veranstaltung schloß. Es erhielten Preise: Aktive Turner: 1. Preis Franz Sauer mit 82 Punkte, 2. Rudolf Schmidt 80V», 3. Hans Schneider 74'/», 4. Willy Lenz 711 5. Karl Horeyseck, Adam Kappes 64, 6. Hermann Uhr Hahn, Heinrich Jckler 62Vl-, 7. Ludwig Petry 59'», 8. Richard Becker, Karl Gering 57, Fritz Henn 55. Fechter: 1. Preis Adam
Kappes mit 56» i Punkte, 2. Ferdinand Noll 531 ।, 3. Georg Arnold 52, 4. Ernst Adam 513«, 5. L. Vogt 43> ,. Zöglinge (Oberstufe): 1. Preis Willy Hainer mit 136s» Punkte, 2. Wilhelm Blum 129, 3. Albert Engeler 126»», 4 Ok'orfl Belleff 123» 2, 5. Hermann Neufer 119» _>, 6. Albert Sckuck 118, 7. Georg Tahmer 108, 8. Karl Link 105. Zöglinge (Unterstufe) : 1. Preis Rudolf Tahmer mit 137 Punkte, 2. Georg Hainer, Karl Strack 134, 3. Marl Wild LBQi/g, 4. Wilhelm Volp 130, 5. Ernst Schneider 129»», 6. Frd. Baumann 127, 7. Georg Kern 118»/«, 8. Karl Fei sch, Wilhelm Kern 116'/., 9. Albert Nees 115»/», 10. Georg Sturm 110, 11. Heinrich Braun 109»», 12. Karl Philipp 103»,».
** Eine religiöse Aufführung. Man schreibt uns: Kronen und Palmen, so lautet der Titel eines Märtyrer - stücks aus der Tiokletianischen Ehristenverfolgung, das am Sonntag abend im katholischen Bereinshause zur Auffüllung kam. 4 Soldaten und 5 Bildhauer erringen sich die Krone im unerschütterlichen Bekenntnisse des christlichen Glaubens. Die Soldaten standen im Tienste des Kaisers Diokletian. Durch die Macht der Gnade für das Christentum gewonnen, wurden sie zum Martyrum berufen, ehe sie noch von der Kirche unterrichtet unb getauft werben konnten. So kannten die Christen ihre Namen nicht. Ihre Gebeine wurden in dem Goemetcrium zu ben beiden Lorbeerbäumen vor ber Porta labicana beigesetzt, unb bie Gläu- , bigen bezeichneten ihre Ruhestätte mit ber Inschrift: Quatnor coronati, die vier Gekrönten. Von ben fünf Bilbhaucrn, hatte Diokletian verlangt, baß sie für seinen Tempel auf der Tib.'r-Jnsel die Statue des Aesculap, des Gottes der Heilkunst, meißeln sollten: als sie sich dessen weigerten, ließ er sie in Säcke nähen und von der Tiberbrücke herab in den Strom werfen. Ter Fluß aber warf die Leichen wieder aus, und die Christen beeilten sich, dieselben zu erheben und zu bestatten: sie setzten sie in demselben Goemetcrium neben jenen vier Gekrönten bei. Als man infolge der wiederholten Plünderungen ber unterirdischen Friedhöfe Roms durch bie Barbaren sich genötigt sah, bie Religuien der Märtyrer aus den Coemeterien in bie Kirchen der Stabt zu übertragen, mürben bie Gebeine jener neun Blutzeugen in eine Kirche auf bem Coelins gebracht und unter dem Hochaltar beigesetzt, die Kirche aber führte seit jener Zeit den Namen von ben vier unbekannten Kriegern unb Märtyrern. — Von ber hochgelegenen Kirche aus erblickt man ferne die Riesentrümmer ber Tiokletianischen Thermen ober Kaiserbäder, bei deren Bau 'n ad) ber Uebcrlieierung an 40 000 verurteilte Christen verwenbet worben sinb. Nach bem Entwurf Midiei Angelos wurde der nock) am besten erhaltene Teil der Ruine in eine Kirche umgeschasfen, bie ber Königin ber Engel geweiht ist. «8. Maria degli Angeli.) Diese Ueberlieferungen sind in „Kronen und Palmen" dramatisch bearbeitet. Zu dem durch den Gegenstand gebotenen Ernste bringt die Erzählung des Gangolf von ben „Christenmärchen" unb das Auftreten des Sklavenaufsehers die wohltuende Abwechslung. Ter erhabene Inhalt unb bie vortreffliche Wiedergabe auf der schönen Bühne in den farbenprächtigen Kostümen übten auf die Zuschauer eine tiefe und ergreifende Wirkung aus, bie sie reichlichen, wohlverbienten Beifall spenben ließ. — Vielseitig geäußertem Wunsche entsprechend wirb Sonntag, ben 6. Oktober, eine zweite Ausführung ftattfinben.
** Kaninchenzucht. Man schreibt uns: Tie Stadt Schöneberg will zur Minderung der Fleischteuerung die Kaninchenzucht heranziehen. Tie Stadtverwaltung hat bem bortigen Kaninchenzuchtverein 12 Morgen Lanb zur Errichtung einer Kaninchenzucht unentgeltlich überwiesen, ferner wurden zur Errichtung von Ställen 3000 Mark ausgeworfen unter der Bedingung, bas; der Verein jährlich 20 000 Stück Kaninchen an die Stadtgemeinde Schöneberg zu einem zu vereinbarenden billigen Preise abliefert. And) wurde der Verein ersucht, durch Vorträge, besonders vor städtischen Arbeitern, die Kaninchenzucht zu fördern. Es werden ferner 3000 Mark zur Einrichtung einer Kaninchen- zudst auf dem Grundstück des städtischen Pflegeheims in Ragow ausgeworfen. Ties Vorgehen der Stadt Schöneberg ist zu begrüßen. Es wird den Kaninchenzüchtern Gelegenheit gegeben, den Beweis zu erbringen, baß ihre Bestrebungen volkswirtschaft- lichen Wert haben. Auch in unserem Kreise ist eine Anzahl Kaninchenzuchtvereine bemüht, bie Kleintierzucht einzubürgern. Ter Kaninchenzucht- unb Pflegeverein Gießen veranstaltet am 13. Oktober im Gasthaus zur „Stabt Marburg" seine diesjährige Ausstellung. Es werden neben Zucht- und Schlachttieren auch schöne aus den Fellen hergestellte Pelzwaren und Literatur über Ka- iiinchenzucht zur Schau gestellt. And) wird Preisrichter Bürkle- Hersfeld einen Vortrag über den volkswirtschaftlichen Wert ber Kaninchenzucht halten.
Landkreis Gießen.
() Lich, 30. Sept. Die Kartoffelernte ist im vollen Gange. Es gibt außergewöhnlich reiche Erträge. 50 Malter auf dem Morgen ist keine Seltenheit. Die Fäulnis ist nicht in dem Maße eingetreten, wie man es bei bem nassen Nachsommer befürchtet hat. Von den hier an- gebauten Sorten liefern besonders gute Erträge: „Vater Rhein*, ,£>nf|"ia', „Up-to-date" und »Königin von England", während die „Industrie" in unserem Boden in den letzten Jahren etwas ausgeartet ist. Es sind hier bereits Kartoffeln eingeladen worden. Für Ware, wie sie der Acker liefert, wurde 3.50 Mk. da§ Malter bezahlt. — Der Preis der Aepfel beträgt trotz der guten Obsternte hier schon 10—12 Mk. für den Zentner gebrochenes Tafelobst.
,= GrünberL, 30. Seht Unser Kriegerverein hielt gestern nachmittag sein letztes Schießen in diesem Sommer ab und beschloß hiermit die diesjährigen Schießübungen gleichzeitig mit der üblichen Preisverteilung. Tas Ergebnis ist folgerndes: 1. Preis: Angelberger, 2. A. Großbau s, 3. Dammer, 4. Fr. Jöcket, 5. Henket, 6. Stammler, 7. Seid, 8. Fr. Feldmann, 9. Böß, 10. I. Repp, 11. Lehmann, 12. Dr. Fritz, 13. H. Kreuder, 14. Chr. Kreuder. Ten Ehrenpreis erlangte K. Böß.
Kreis Büdingen.
? Nidda, 1. Okt. Nachdem seit einem Jahre in Schotten ein Prediger ber Chrischonabrüder an- gestellt ist, gewinnen diese in unserer Gegend immer mehr Anhänger. Fast regelmäßig werden hier und in Eichelsdors Gottesdienste und Bibelstunden abgehalten, die meistens von Schotten aus geleitet und verhältnismäßig gut besucht werden. Auch sollen in der ersten Hälfte deS Oktobers an mehreren Abenden Versammlungen in Krafts Saalbau hier ftattfinben, wobei bebeutenbe Rebner größerer Chrifchonagemeinben Vorträge halten werben. — Eine zweckmäßige Veränderung wirb gegenwärtig am hiesigen Bahnhof vorgenommen. Die Bahnsteige werben zum größten Teile überbacht, weil bie bereits vorhanbenen Ueberbachungen an ben Ausgängen der Unterführungen sich als viel zu kurz erwiesen haben, um baS reisende Publikum beim Ein- unb AuSsteigen gegen Regen
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