Zweites Statt
162. Jahrgang
Nr. 55
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Der Ausstand in England.
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Hellen, ob nicht int Ballen andere Ware, z. B. Sviheugewebe re. verborgen ist, aber diese l'lanivulalion überläßt er besser den Vcr Zollern, damit eine Beschädigung der oft sebr ivertvollen Tabak- blätter vermieden wirb. Will man die Zollbeamten gu Tabak taxatoren ansbilden, so gibt es mir daS einzige Mittel, sie ans ein oder zwei Jahre zu beurlauben und aus Reichskoslen zum Studium nach Amsterdam, Bremen usw. zur Aneignung von Tabakfach- kenntnisjen zu schicken.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesten
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Die „Gießener KamNiendlStler- werden dem .Anzeiger' otermal wöchentlich betgelegt, daS „Krtlsblali für freu Krell Gießen- zweimal wöchentlich. Die „Landwtrtschastlicheo Lett» fragea" erscheinen monatlich zweimal.
Äebaftton. Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedttron und Verlag: 5L
Redaktion: «-MAHL Tell-Adr^AnzeigerÄteßen,
Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
vüchertisch.
— D i e Bakterien — W i e unsere Ackererde ge* worden ist — D i e Eisenbahn — Wetterkunde — Bilder aus dem Vogelleben — D i e Elektrizität im täglichen Leben — so lauten die Titel der ersten Bändchen einer neuen Naturwissenschaftlich-technischen Volksbücherei, die unter Leitung von Dr. Bastian Schmid die Tcutschc Naturwissenschaftliche Gesellschaft c. V., Geschäftsstelle: Tbeod. Thomas Verlag, Leipzig, Königstr. 3, zu dem billigen Preise von 20 Psg. pro Nummer herausgibt. Eine Reihe von Büchern, die alle interessieren, welche sich über die Fortschritte aus natrirwissenschastlichen und technischen Gebieten orientieren wollen.
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Wochen«. Ueberficht derTodesfälle L ö. Stabt Gietzen.
8. Woche. Vom 18. bis 24. sfebruar 1912.
Einwohnerzahl: angenommen zu 31 700 linkt. 1600 Man» Militär) Sterblichkeitszisser: 26,24
nach Abzug von 8 Ortsfremden 13,12 l'-.
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Samstag, 2. März 19(2
Rotationsdruck und Verlag her Brühl'schen Untoerftiälfl - Buch- und Steinbrudctxl R. Lange, Gießen.
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Die Klosterbrüder von Lzenstochau vor Gericht.
sh. Petrikau, 1. März.
Die weitere Beweisaufnahme im Mazoch-Prozeß gestaltet sich ziemlich gleichförmig, da im Wesentlichen die Ergebnisse der Voruntersuchung vor dein Gericht ausgebreilct werden, die bereits aus den Feststellungen der Anklageschrift her bekannt sind. Es kommt hinzu, daß der Präsident des Gerichts, Exzellenz Wolkow von vornherein die Beweisaufnahme ausschließlich auf die zur Anklage stehenden Punkte begrenzt hat und alle die Skandalosa sorgfältig ausscheidet, die für die strafrechtliche Beurteilung der Dinge vollkommen ausscheiden. In diesem Falle müßte auch unbedingt die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden und dies will das Gericht nach Möglichkeit vermeiden. Nur gelegentlich der Erörterungen über die näheren Beziehungen Mazochs zu seiner Geliebten Helene Mazoch wird man Publikum und Presse von der Verhandlung ausfchließen. Am Samstag abend wird dann die Beweisaufnahme voraussichtlich geschlossen und das Urteil Mitte nächster Woche gesprochen werden.
Kaufmann Salomon Potok in Czenstochau vernommen, der nach den Feststellungen der Anklageschrift als der Entdecker des Mörders Mazoch anzusehen ist. Ter Zeuge hatte seinerzeit von der Verhaftung seiner Glaubensgenossen in Nowo-Radomsk erfahren und verfolgte die Berichte der Zeitungen über die weitere Entwicklung der Angelegenheit mit großem Interesse. Tabei siel es ihm aus, -aß von einer Binsenmatte die Rede war, die ausländische Zahlen und Zeichen ausweisen sollte. In dem ihm vor- gezcigten Stück erkannte er dann den Teil einer Matte wieder, in der eine Linoleumscndung verpackt gewesen war und die seine Frau inzwischen weiter verkauft hatte. Nack längerem Ueberlegen kamen sic darauf, daß der Klosterdiener Zaloga von Zasna Gora der Käufer gewesen war. Von da ab zeigten alle weiteren Spuren ausschließlich nach Jasna Gora. — Die Frau des Zeugen, welche seine Angaben bestätigte, wurde infolge der Erregung während ihrer Vernehmung ohnmächtig. — Ter folgende Zeuge Florian W o j c z i k war zur Zeit der Tat Klosterdiener auf Jasna Gora. Er sah, wie sein Kollege Zaloga einige Tage nach dem Morde das verpackte und verschnürte Sofa auf einen Wagen lud. Er hals ihm noch dabei, ohne zu. ahnen, um was es sich handelte. Nach seiner Angabe halsen außerdem Mazoch und der Angeklagte Blaskiewicz.
_ Es wurde dann der Prälat D i a k o w s k i, eine ehrwürdige Erscheinung, als Zeuge gehört. Aus seinem Besitz entwendete Mazoch eine gestempelte Urkunde, nach der ihm der Mitangeklagte Graveur Ghganowski den salschen Paßstempel ansertigen mußte. Der Zeuge bekundete, daß der Originalstempel aus Metall ist und unter festem Verschluß gehalten wurde, so daß Mazoch nicht herankonnte
London, 1. März. Alle Verhandlungen zwischen den ' dcrgtverkbesitzcrn, den Bergarbeitern und der Regierung sind für •ie n ii d) ft c Woche vertagt worden.
Nach einer Versammlung der ^geordneten des Berg- «rbeitcrverbandes begab sich der Verbandsvorstand ins Auswärtige Amt, um mit dem Premierminister Asquith zu wirsericren. Die Arbeitgeber halten sich in der Nähe des Aus- Yärtigen Amtes zu einer Besprechung bereit.
I . Einige Mitglieder des beratenden Ausschusses der Bergwerks fid)v heute früh im Auswärtigen Amt und u Asquith. — Gegen 50 Dampfer liegen T „ _?o hl en m a n g e l fest.
. Unter den Geschäftsleuten herrscht Bestürzung. Die »kschäftsstockung greift langsam aus Handel und Industrie über, ti' Schiffahrt ist sehr ernstlich in Mitleidenschaft gezogen. Selbst «'■ großen Linien geben bekannt, daß in den Verkebrsplänew riockungen wahrscheinlich sind. Fast alle E i se n b a h n e n besten einen eingeschränkten Dienst vor, doch glaubt man licht, daß der Personenverkehr mit dem Kontinent betroffen wird.
Eine grundsätzliche Frage bei der Tabawerzollung.
Ein hessischer Tabakfabrikant hat in der „Süddeutschen ^bakzeitung* Klage darüber geführt, daß das betr. Haupt- ileueramt einen Ballen Tabak habe auf schneiden lafsen, um einige Blätter daraus zu entnehmen, die Iräter nicht zurück gegeben wurden. Und zwar wurde dem Fabrikanten vom Hauptsteucramte bedeutet, „daß das Heraus- »ehmen der Blätter geschehe, damit der betr. Beamte sich die nötigen Kenntnisse zur Beurteilung von Tabak aneignen soll."
Dazu schreibt die ,Südd. Tabakztg." :
Es unterliegt keinem Zweitel, daß dieses Verfahren den q c • nq lichen Bestimmunge n nicht entspricht. Tem Zoll- Knuten bient nach dem Tabaksteuergesetze vom 15. Juli 1909 und «^?'"sffihrungsbestimmungen zu diesem Gesetze die Rechnung des «rkäuiers als Unterlage tiit die Wertschätzung des Tabaks. Bc- *tl,eit Zweifel gegen die Richtigkeit dieser Rechnung, so ist diese *l! ^ev Ware beziv. einem Teile derselben dem Prülungsamte in dteuien behufs Wertfestsetzung vorzulegen. Ter Beamte hat äußeren wohl das Recht, das Innere des Ballens zu besichtigen und ul. einige Büschel Tabak heransziehen zu lassen, um feslzu-
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Ganz besonderes Interesse findet das Verhör der Brüder des Ermordeten. Frau; Mazoch sagte aus, daß sein Bruder dis»Helcua sehr geliebt habe und daß die Ermordung des Bruders sehr überraschend gekommen sei. — Rock, Mazoch erzählte, daß Tamasius Mazoch auch nach der Ehe Beziehungen zu .Helene unterhielt. — Franz BrouislauS Mazoch bekundete ebenfalls, daß Tamasius zu Helene Beziehungen pflegte und daß es in- olgcdcssen zwischen Tamasius und Waczlaw mehrmals zu erregten Szenen kam. Sein Bruder Tamasius sei ein großer Freund von Frauen und Wein gewesen,- er sei fast immer betrunken gewesen.
Nun beginnt das Verhör der Kloslcrdicnerschast. Der Klostcr- barbicr Felix Filipowitsch weiß, daß einmal Helena heimlich auf der Zelle des Mönchs Tamasius war. Am 20. Juli habe er den Wenzel Mazoch zum letztenmal im Kloster gesehen. Bei der ganzen Klosterdiencrschast sei bekannt gewesen, daß Mazoch ein Lebemann war. — Ter bllostertischler Josef B e r u a t o w i e z bekundet, daß Tamasius Mazoch bei ilpn ent Beil entliehen, habe, angeblich um eine Kiste zu zerhacken. Er habe das Beil trotz, seiner Aufforderung nicht zurückbekommcn. Ter Tischler machte dann auf Veranlassung des Vorsitzenden eine Zeichnung, die das Beil darstcllte. Mazoch, der bis dahin ruhig daacseifen hatte, stand plötzlich erregt auf und erklärte, daß das Beil ein ganz anderes Aussehen gehabt habe, als cs der Zeuge dargestellt habe.
Es trat nunmehr eine Mittagspause ein. Inzwischen ereignete sich ein
sensationeller Zwischenfall.
Der Berichterstatter des „Czenstochauer Goitiee", Franz Ga- linski, wurde vom Pressetisch aus von der Geheimpolizei in Haft genommen, da er angeblich falsche Nachrichten über den Gang des Prozesses seinem Blatte übermittelt habe.
Nach der Pause werden ein paar Zeugen vernommen, die keine wesentlichen Bekundungen machen.
Zeuge HerschlickMorges sagt aus, daß Damazy Mazoch auf feiner Flucht bei ihm einen Wagen bestellt habe, womit er ihn nach Mietlaw gebracht habe. Er habe hierfür 2 Rubel bekommen. — Tie Zeugin Frau Viechocka sagt aus, daß Damazy Mazoch auf seiner Flucht, in ihrer Schankwirtschaft in Eukusch ein Glas Schnaps getrunken habe. Sie glaubt, daß ein Geistlicher von Jasna Gora überhaupt keinen Mord begehen könne, da er heilig und unbescholten ist. — Ein Zeuge Felikcik bekundet, daß Damazy Mazoch mit Schmugglern über die GreuzV hinübergegangen sei. V
Lebhaftes Interesse erregte die Aussage des Magistratsbeamten 1 Testiewicz aus Eukusch, der in dieser Sache die Rolle eines
Sherlock Holmes
spielte. Er hatte in Zeitungen gelesen, daß der Mörder von Jasna Gora der Mönch Damazy Mazoch sein soll. Nachdem er ver-. nommen hatte, daß der Mönch auf seiner Flucht Eukusch passiett habe, nahm er sich vor, dessen Spuren zu verfolgen. Er ließ sich, die nötige Legitimation zur Passienmg der Grenze ausstellen und verfolgte nun die Spuren des Flüchtlings. Hierbei kam er an den Grenzort Trzebus an der österreichischen Grenze, wo er Mazoch auf der Bahnstation auf- und abgehen sah. Der Mörder sei aber dann sogleich in das Coup« eingestiegen. Der Zeuge hat dann nach Krakau telegraphiert, wo er bei seiner Ankunft verhaftet wurde. Interessante Angaben machte sodann die Zeugin Kosma la, das Dienstmädchen der Helene, über die Beziehungen der beiden Hauptangeklagten. Zum Schlüsse be< kündet sie, daß Helene mit ihrem Manne Waczlaw friedlich gelebt' habe; erst vor dessen letzten Mreise war ein Zwist zwischen ihnen ausgebrochen.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung machte der Zeuge Wenzel Krzyzanowski, ein Bruder der Helene, höchst interessante Aussagen: Seine Schwester Helene habe ihm mitgctcilt, - daß ihr Manu von Damazy Mazoch aus Eifersucht und Liebe ermordet worden sei. . Seine Schwester habe ihm öfters geklagt, daß Damazy sie unglücklich gemacht habe, indem er sie zuerst mit einem Vetter, mit Franz Mazoch verheiratete, als dieser schon auf dem Totenbette lag, und dann habe er sie wieder dadurch unglücklich gemacht, daß er ihren zweiten Mann tötete. Seine Sckyvester habe ein lüderliches Leben geführt und viel Geld aus- gegeben auf Kosten des Damazy Mazoch. Sie habe öfters geklagt, daß sie sich vor Damazy fürchte, weil dieser fortwährend eine Browningpistole bei sich führe, und ihr öfters mit Erschießen gedroht habe, sobald sie ihm nicht gehorsam sei.
Darnach wird die Aussage des Priors Reimann vom Paulanerkloster in Ezenstochau verlesen. Tarin wird zunächst gesagt, daß in dem Kloster große Disziplin geherrscht habe. Heber die Eingänge und Abgänge von Kirchengeldern habe allerdings keine richtige Konttolle bestanden. Erst nach mehrfachen Meldungen einiger Mönche über angebliche Verschwendungen von Kircken- geldern habe er eine Untersuchung veranlaßt und den Mönch Damazy Mazoch und die anderen Kollegen von ihren Funktionen suspendiert.
Da die Sitzung nach den Vorschriften der russischen Strafprozeßordnung an einem Sonntag nicht unterbrochen werden darf, so wird voraussichtlich an diesem Tage bereits das Plädoyer des« Staatsanwalts, sowie die Plädoyers der Verteidiger stattfinden.
Die hinterlandbahn.
Wir erhalten aus dem Biebertal folgende Zuschrift: Heber ein Jahr ist verflossen, seitdem in Rodheim die Versammlung wegen der Bahn Gietzen — Gladenbach— Biedenkopf stattgefunden hat. Eine Versammlung, die mit ihrer Große zeigte, welches Interesse man dieser Linie entgegenbrachte. Aber wie im Schlafe versunken scheint alles, was hier zur Förderung dieser Sache entfacht wurde. Immer wieder hört man, datz das Projekt Biedenkopf—Wetzlar mehr Aussicht auf Verwirklichung habe. Auch unsere Behörden scheinen sich für dieses Projekt zu benrühen und die Aeußerung unseres Landtagsabgeordneten lätzt erkennen, daß er nur für eine Bahn Gladenbach—Wetzlar eintritt. Nun wird sich vielleicht mancher fragen, wie ist es möglich, daß der Mgeordnete für den Kreis Biedenkopf lieber den größeren Teil des Kreises Wetzlar erschließen will, als den südlichen Teil seines Kreises. Wir sind der Meinung, wenn es sich um Aufschluß des südlichen Teiles des Kreises Biedenkopf handelt, so ist die einzig richtige Lösung Biedenkopf — Gladenbach—Gießen. Hier schafft man eine direkte Verbindung von zwei großen Linien und die Rentabilität ist durch die mineralreiche Gegend gerade dieses Teiles gesichert. Der Aufschluß in der Richtung nach Wetzlar ist Stückwerk und Bogensahrt. Durch öfteres Bereisen des .Hinterlandes bin ich in der Lage, hier wiederzugeben, datz bis auf Einzelne alle Bewohner des Hinterlandes eine Bahn nach Gießen wollen. In Gladenbach und Biedenkopf, wen man fragt, alles will eine gerade Verbindung nach Gießen und keinen Umweg über Wetzlar. Erwidert man diesen Leuten dann, daß ja Gladenbach und Biedenkopf für eine Buhn nach Wetzlar arbeiten, so weisen sie das mit Entrüstung zurück und es heißt, das sind nur so ein paar Herren, die nach Wetzlar wollen. Ich bin der Meinung, daß man eine Bahn baut im allgemeinen Interesse. Längst schon ist der nördliche Teil unseres Kreises durch Bahnen erschlossen und wer durch diese Gegend kommt, kennt sie kaum wieder. Aber für den richtigen Aufschluß des südlichen Teiles scheint wenig Interesse zu herrschen; wo sind die Augen, die darüber zu wachen haben. Mau sollte meinen, daß sie doch bald aus- beschlafen haben. Es wird nicht lange dauern, dann rufen ihnen die Wetzlarer zu: Michel hast schon wieder mal geträumt. Michel hast schon wieder lvas versäumt, dann er wacht er---aber zu spät. Der Zug nach Wetzlar ist
abgefahren.
Deshalb, Bewohner des Hinterlandes, laßt uns nicht länger träumen. Sorge jeder dafür, daß dieser Ausruf nicht ungehört verhallt, haltet in eueren Dörfern Versammlungen ab, faßt Entschließungen für die Bahn Biedenkopf- Gladenbach—Gießen, sammelt Unterschriften und sendet sie an den Herrn Landrat in Biedenkopf, an unseren Landtags- abgcordneten, an den Herrn Regierungspräsidenten und an den Herrn Minister für Eisenbahnen. An alle zugleich, nicht an eine Stelle. Alle sollen wissen, was das Volk will. Das ist der einzige Weg, unsere Wünsche an maßgebender Stelle vorzubringen. Hier müssen alle helfen, um endlich das Projekt erstehen zu lassen, das schon im Jahre 1866 vorlag und damals nur durch den deutschen Bruderkrieg nicht zur Ausführung gelangte. Unsere Losung sei für Biedenkopf — Gladenbach — Gießen.
Bender.
Der Aufruhr Li Peking.
War die Umwandlung der alten Autokratie China in ffne Republik, an deren Spitze schOeßlich Iuanschikai trat, rfrne übergroßes Blutvergießen und wesentlick>e Er- djütterung des Riesenreiches vor sich gegangen, so daß man hon glauben konnte, der Ausbau dieses neuen Staatsgebil- »es würde sich hinsichtlich der Zusammensetzung seiner Regierung und des Inhalts seiner Verfassung ebenso ruhig vollziehen, so ist diese Hoffnung durch die Ereignisse von Peking gründlich zerstört worden, und diejenigen scheinen Aecht behalten zu sollen, die da prophezeiten, daß die Umwälzung in China sich nur unter den schwersten Zuckungen seines Riesenleibes vollziehen würde.
Aeußerlich betrachtet, scheint cs sich ja in Peking nur um den Aufruhr der 3. Division gehandelt zu haben. Mer 'chon die Tatsache, daß diese 3. Division die Kerntruppen Hunanschikais sind, auf die er sich im Falle eines Liederausbruchs von Zwistigkeiten mit den Rebellen des Südens allein stützen kann, gibt sehr zu denken, und noch «vrkwiirdiger berührt cs, daß die Meuterei gerade an dem Tage stattfand, an dem die ersten Delegiertenausdem Gebellen lager von Nanking eintrafen, um die Beratungen über die Zusammensetzung der Regierung, den Jn- balt der Verfassung und die Bestimmung der Hauptstadt Petina oder Nanking) zu beginnen Und vielleicht noch auffallender ist es, daß sich die M a n d s ch u p a r t e i wi'dcr zu regen anfängt, daß ans den nordwestlichen Provinzen Lchensi und Kansu für die Republik beunruhigende Nachrichten in Peking einlaufen und dort [ogar das Gerücht verbreitet ist, cs habe gleichzei.ig in der Nähe von Tientsin, üso südöstlich von Pettna, ein heftiger Kämpf zwischen den Truppen der Republik und Anhängern bet Mandschudynästie |:att0efunben. Dieses Zusammentreffen von wichtigen Ereignissen ist jedenfalls zu verblüffend, um nicht dem verdacht Raum zu geben, daß die Meuterei der Leibwache des provisorischen Präsidenten Duanschikai entweder von den Nan- l:nger Delegierten oder von einer Anzahl von Mandschu- rinzen angezettelt war, von diesen, um Puanschikai und er neuen Republik Schwierigkeiten zu formten, von jenen,
um durch Erschütterung der Stellung Yuanschikais den revolutionären Forderungen des Südens zum Siege über die gemäßigten des Nordens zu verhelfen.
: Daß der Grund des Soldateiiaufstandes darin zu suchen fei, datz s2)uanfd)ifai ihren Sold, wie einige Nachrichten behaupten, herabgesetzt habe, ober, wie irnbere inelben, in den Solbzablungeii zurückgeblieben sei, ist burchans unglaubhaft. Neiu, hinter ben Ereignissen von Peking stecken entiueber die Revolutionäre des Südens und ihr Anhang int Norden, ober die Mandschus, vielleicht aber auch ber Miaue Fuchs Auanschikai selbst, ber mit dem Hinweis auf die unruhige Lage in Peking jeht feine Reife nach Nanking, tvo auf der konstituierenden Versammlung er selbst als Präsident der Republit vereidigt und aus den beiden jetzt be- slehenden Ministerien (Peking und Nanking) ein Koalitions- febinett gebildet werden sollte, weiter hiirausschieben will. Tenn es wäre äußerst fraglich geinefen, ob er, dem bcs größte Teil ber Männer bes Südens mandschufreundliche Besinnungen nachsagt, lebend von dort zurückgekehrt wäre.
Peking, 29. Febr. Die Kämpfe zwischen den Aufftändischen unb den loyalen Truppen und die Plünderung im Weich-, bilde der Stadt dauerten den ganzen Tag an. Zehn Plünderer wurden verhaftet und erschossen. Die Mehrzahl der Meuterer verließ die Stadt vor Eintritt der Dämmerung. Die Feuersbrunst ist gedämpft. Der Schaden wird auf drei Millionen t;funb Sterling geschätzt. Die loyalen Truppen patrouil- lu*rcn durch die Stadt.
B u a n s ch i k a i sandte an die fremden Missionare und Kaufleute, sowie die anderen in Peking wohnenden Europäer ein Rundschreiben, in welchem er sein Bedauern über die vor- gcfaHenen Ereignisse ausspricht unb erklärt, es seien jetzt alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um einer Wiederholung der Unruhen vorzubeugen. — In der Nachbarschaft der Gesandtschaften ist alles ruhig. 15 00 Meuterer bemächtigten s i ch heute früh eines Zuges unb fuhren in ber Richtung nach Honan ab.
Privat- 'Wit: zu jeder TiM cbmidtJiLi'- ietzfteingaße 31J
Es starben an: Zusammen:
Erwachsene:
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1. Lebensjahr: 2.—15. Jährt
Lungenentzündung
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1 (1)
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Influenza
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Aderverkalkung
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Katarrh
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Blinddarmentzündung 1 (1)
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Krebs
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Verunglückung_____
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