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22.4.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

1. Matt.)

inb Sommeririfdieit. lsnelle der Itbrneijenldw entließen Mtrltflrsburtai iou6(inbl für die btoct- (eine iouriftentarii swerlen allaemeine» 8» lrevtsion, Päiie rc.

Deutscher Reich.

Auf einem außerordentlichen Vertretertag der nationalliberalen Partei Württembergs wurde am Sonntag eine Entschließung einstimmig an­genommen, in der das Vertrauen ausgesprochen wird, daß die nationalliberale Neichstagsfraktion unter der bewähr­ten Führung Bassermanns die durch Tradition bewährte Haltung in nationalen Fragen einnehmen werde. Ferner wird bedauert, daß die Erbschaftssteuer von der Re­gierung nicht wieder eingebracht worden sei und eine Ver­ständigung mit dem Reichsoerband der nationalliberalen Jugend für durchaus möglich erachtet.

Tas soeben erschienene Maiheft derDeutschen Revue"" enthält u. a. einen Artikel des Wirklichen Geheimen Rats Wermuth überDie Gesundung der Reichs­finanzen"". Der frühere Schatzsekretär verfolgt mit seinen Darlegungen offensichtlich den Zweck, in entscyciden- der Stunde noch einmal vor dem Rückfall in die früheren

Die Doppdfrifis in der Donaumonarchie.

Das Kabinett Lukacs ist berufen worden die neue «krisis in Ungarn hat begonnen. Mit diesem Satze ist die Auf­gabe, die der bisherige Finanzminister im K..b nett Khuen- Hedervary, Herr v. Lukacs, als Ministerpräsident über­nommen hat, wohl am treffendsten gekennzeichnet. Als Huen-Hederoary nacb seinem Rücktrittsgesuch vom Kaiser tfianj Josef abermals mit der Leitung der Geschäfte in der transleilhanischen Hälsre der DoppZmonarchie betraut wurde, war es ziemlich klar, daß es sich hierbei nicht um tine Kabinettskrisis gewöhnlichen Stils, sondern um eine Ltaatstrisis handele, und daß die Mission des Minister- teäsidenten schon an der Unvereinbarkeit der magyarischen 'Rachtansprüche mit den Staatsnotwendigkeiten der Gcsaml- rnonarchie scheitern müsse, nachdem Khuen-Hedervary sich i:nrd) sein Hin- und Herlavieren zwischen der nationalen Urbeitspartei und der Justhpartec zwischen zwei Stühle ccseüt hatte. Es liegt eine gewisse Tragikomik der Ge- styichte darin, daß Kynen-Hedervary, der einst als Banus ton Kroatien die Rotte des starten Mannes gespielt hatte,

11.

Vor der hiesigen SH /- Orth unter der Möge . »erantivorten. fltbtnibm i, der Inhaber da Fama | nibesie-hM Dfrantroomn. V und Bad-Mhcm ioUto befindlichen tzlLnde a tun, da» Ullnd) an vw.t nfe gefügig gemM M Zrweiterunasbautrn w . m soll sich bann Ufln jere Vedanfrfnmme J .bctWanblunaV dafür maöM, daß et^ it yrach daher Die i &iwiM «heu«, >-

51/2 Bataillonen wird General Moinier 4 Maschineng .oehr abteilungen, Schwadronen Kavallerie und drei Batte fielt Feldartillerie nach Fez dirigieren. Diese Kräfte wer den ausreichen, um den Aufstand zum Stillstehen zu brin­gen. Tic scherisischen Truppen in Sefru bleiben treu.

Aus Tanger wird gemeldet: Die einheimischen Führer der aufrührerisch en scherisischen üan dcstruppen in Fez kamen zu General Talbiez und unterwarfen sich. Es scheint, daß eine gewisse Zahl dieser Truppen an der Rebellion nicht tcilnchjm, sondern sogar zur Unterdrückung beitrug. Hier >vird noch immer ertlärt, man habe über die Ermoroung von Ossizieren keine genauen Rachrichten. ,

Paris, 20. April. In Fez wurden am 10. April nachts leichte A n g r i s f e a u f d i e s r a n z ö j i s ch e u Vor­posten unternommen, die mühelos zurückgeschtagen Wür­ben. Morgens führten die Aufständischen eine Anzahl Franzosen weg, die in englische Häuser geflüchtet lvaren, darunter den Direktor und einen Angestellten des Eredit Fencier. Eine Patrouille entsetzte ein Hotel, in dem mehrere Europäer den Angriffen der Aufstänuisäun Wider­stand leisteten; man befürchtet, daß einzelne Opfer bey Auf­standes wurden.

Nach einer weiteren Meldung aus Tanger sollen bei dem Aufstand in Fez 15 französische Offiziere und Unteroffiziere nieder gemetzelt worben fein, welche als Instrukteure ber scherisischen Truppen aii^ gestellt waren. Es heißt, baß bic aufrührerischen Sol­daten den Leichen die Köpfe a b s ch n i t t e n, diese aust Lanzen aufspießten und burd) bic Stabt trugen. Unter beit getöteten Offizieren befinden sich zwei Infanterie- und zwei Artilleriehauptleute, sowie ein Kavallerierittmeister. Sofort bei Ausbruch des Aus st and es plünderten die Auf­rührer das Judenviertel, welches zur Verhinderung wei­terer Uebersälle von den Truppen besetzt wurde.

Die letzten Nad)richten aus Fez besagen: Die Lage ist ruhig. Französische Truppen machten gegen 1000 Gefangene. Zahlreiche andere Meuterer flohen in die Umgegend und versteckten sich in den Häusern, bic von Patrouillen burchsucht werben, währenb in ber Rähej aufgestellte Posten die Flüchtlinge festnehmen sollen. Tie Zahl ber ermordeten französischen Zivilper­sone n beträgt wahrscheinlid) acht, mehrere andere wer­den vermißt. Die Zahl der ermordeten In - strukteur e wird auf 15 angegeben. Angehörige einer anderen Nation scheinen nicht umgekommen zu sein. Es bestätigt sich, daß die Aitjussi Sefru ange­griffen haben; sie wurden aber von den scherisischen Trup­pen zurückgeschlagen.

erweckt oder gesteigert hat. Um seiner Würdigung dieser Ver­dienste einen bleibenden Ausdruck zu verleihen, hat der Senat, einer von Freunden und Verehrern entgegengebrachten Anregung gern entsprechend, beschlossen, der Dichterin das sich an Die Ostseite des geschichtlich denkwürdigen Burgtors anlehnende «aus Große Burgstraße 5 für ihre Lebenszeit als Wohnung anzubieten." Freunde und Verehrer der Dicksterin haben einen größeren Geld­betrag aufgebracht, um das Dichterinnenheim würdig auszustatten.

Neue Goethebriese. Eine Fülle bisher unbekannter Goethcbriese enthält der eben ausgegeoene legte Baud der Sophien-' ausgabe der Goelheschen literarischen Hinterlassenschaft. Ein böses Urteil über Bettina Brentano, die kapriziöse Romanliteriu, schreibt er dem Großherzog Karl August. Ter Zorn ist nur durch Bettinas betannien Konflikt mit Frau Geheimrat Christiane er- klärlüh, die von ihr in der Weimarer jtunstausstellungTie toll gewordene Blutwurst" geschimpft worden war:K. H. Tiefe leidige Bremse ist mir als Erbstück Meiner guten Mutter schon viele Jahre sehr unbequem. Sic wiederholt dasselbe Spiel, oas ihr in der Jugend allenfalls kleidete, wieder, spricht von Nachti­gallen uno zwitschert wie ein Zeisig. Befehlen Ew. >?. So verbiet ich ihr in allem Ernst Onkelhaft jeoe weitere Behelligung. Ohne hin sind Höchst Dieselben vor Treibereyen hier und sollst' nid}t einmal sicher zu stellen." Recht lustig ist, wie GocU. und' seine geweckte Schwiegermutter dem etwas windigen August von Goethe auf die Finger guckten. Goethe gibt seinem Sohu aus Jena folgenden Zettel für seine Frau mir: Vorzeiger dieieS legi­timiert sich hierdurch, daß er um drei Uhr in Jena angekonim.r und um vier Uhr wieder abgefahren sey:Sur quoi 2uu < ns prenne sous fa saime garde". Im Tagebuch Goethes st. hr an diesem Tage: Nach Tische mein Sohn, weimarische 'Geschäfte, häusliche und öffentliche, Abreise desselben.

Kurze Nachrichten aus Kunst und W > i > u -> s ch a f t. Ter Aelleste der Göttinger philosophischen Fakultät,' Professor der Philosophie Geh. Rat Tr. Julius Baumann jv.k. t, am 22. April seinen 75. Geburtstag. In Tharaud: ist am 17. dS. Mts. der frühere Generalsekretär des Lanocsttillur-- ratcs im Königreich Sachsen, Tozent an dec Tiecär-nid/Ci Hocl)- schule zu Tresden unD an der Forstakademic zu Tyaranct- Geh. Oekonomierat Professor Karl Alexander v. Langsdorft» im 78. Lebensjahre gestorben.

h-i- Buss""

Uunst, Wissenschaft unS Leben.

Eine wichtige archäologische Entdeckung in Tripolis. Auf einem Hügel in der Nähe von Gargaresch, in der Stellung, die das 82. italienische Jmanteris-Reglment besetzt hält, ist am Tonnerstag dem Tr. Aurigemma eine iv-chtige archäologische Entdeckung gelungen, die geeignet erscheint, in die Mysterien des alten Sonnenkultus, des Mitra^ultus, neues Licht zu bringen. Schon früher war an dieser stelle ein Grabgewölbe aus altrömischer Zeit entdeckt worden, aber die lürkischen Behörden, die allen Zeugen an die römische Besetzung d-s alten Tripolis feindlich gegenüberstanden, hatten damals dafür Sorge getragen, daß die Fundstätte unauffällig wieder verschüttet ;r iirbc und in Vergessenheit geriet. Ten Bemühungen Tr. Auri- irmmas und der ihm zu seinen Arbeiten zur Verfügung gestellten -oldaten ist es jetzt gelungen, jene Grabstätte wieder aufjufinbciL 3m Sande stieß man bei den Grabungen durch einen glücklichen Zins all bald auf Steinmauern: es waren die Wände jener unter- rvischcn Grabkammer, die eine Doppelgriffs enthielt. Tie Kämmer leigt einen rcidjen Schmuck altertümlicher Fresken, und Die autzer- Jubentlid) interessanten Inschriften beweisen, datz eine Witwe na- mcns Arisut diese Gruft für ihren Gatten Juratams und für 'ich selbst erbaute. Tie Namen deuten auf den afrikanischen U isprung der Familie hin, der Mann war vielleicht Numide, die : iy tau aber sicherlich semitischen Ursprunges. Tie ^.nfchriitcn und ^Erstellungen zeigen ferner, daß das Ehepaar Gläubige des Mitra- lmltus waren. Tie über dem Bildnis der Witwe Artsut auf- :aiucheiide Gestalt einer Löwin weist zweifelsfrei darauf hin, datz öiiefe Frau im Kreise ihrer Religionsgemeinschaft den werten Äirad, den Rang einer Löwin erlangt hat, was ihr das Recht aiflif die drei Formen der Kommunion gab, auf Brot, Wasser und Etein. Schon bei der ersten Auffindung dieses Grabgewölbes wurde biÄqe Beobachtung gemacht und erregte in der wissenschaftlichen Seit lebhaftes Aussehen, weil man bisher angenommen Hal, doch nur Männer zum Mitrakult zugelassen wurden. Tie Wieder- cmtdeckung dieses damals nur flüchtig besichtigten altrömischen Mabes wird nun die .Rköglichkeit gäen, diese Fragen weiter iur klären. Die Ausgrabungen werden unter der sachverständigen L.iitung Tr. Aurigemmas fortgesetzt.

Eine neue arktische Expedition. Eine Mit- stiiluug des Mnerikanischen Museums für Naturgeschichte berichtet wm einem umfassenden Plan zur Entsendung einer Expedstwn

nach dem von Peary 1906 signalisierten Erockerland. Peary und seine Eskimos hatten nut Schnee bedeckte Gipfel von fern bemerkt und ein Landgebiet festgestellt, dessen Lage sie in einer Länge von 100 Grad östlich und 83 Grad nördlicher Breite be­stimmten. Harris beschrieb dann dieses nach einem Mitglied des amerikanischen Arktischen Klubs benannte Land als eine Gruppe von Inseln, die in der Form eines Trapezoids über einen großen Meeresraum verstreut ist und eine Oberfläche von ungefähr 1600 Ouadratlilometer hat, im 9lorbcn des östlichen Amerika und des westlick;en Sibirien. Erocker-Land, das sich 208 Kilometer von Eap Hubbard befinden soll, bietet j ebenfalls das größte Nord­polarproblem, das gegenwärtig zu lösen ist. Auf die Erforschung dieses Gebietes setzt man deshalb große Hoffnungen. Tie Reise soll zunächst von Flayler-Bay nach Eap Tl)omas Hubbard gehen, wobei eine Strecke von 528 Kilometer zurückgelegt wird und in Ellesmere-Axel Heiberg- und Grant-Land wichtige geologische, paläonthologisdic und physivgraphische Studien gemacht werden sollen. Von Eap Hubbard bis Erocker-Land wird man Beobach­tungen über die Meeresströmungen und die Temperaturen des Meeres sammeln und die Meer-Fauna erforschen. In Erocker- Laiid selbst will die Expedition zwei Monate lang bleiben, um topographische und geologische Harten aufzunehmen, J)ie Gletscher und ihre Bewegungen zu studieren und synematische Sammlungen der Fauna und Flora anzulegen. Tie Expedition, die am 20. Juli 1912 von Sidney aus ihre Reise antreten wird, wird von zwei Direktoren des Naturhistorischen Museums, George Borup und Mae Millan geleitet und soll im Juli 1913 zurückkehren. Tic Kosten des Unternehmens werden durch freiwillige Beiträge und eine Subskription gedeckt.

Ida Boy-Ed hat zu ihrem 60. Geburtstage vom Senat der Stadt Lübeck folgende Abresse erhalten:Ter 60. Geburtstag der Frau Ida Boy-Ed gibt dem Senate will- 1 omineneu Anlaß, der seit ihrer frühen Jugend in Lübeck ansässigen Schriftstellerin mit seinem Glüawunsche Dank und Anerkennung auszuspreckfen. Ter reichbegabten Frau ist es durch unablässig ernstes Streben nach Vertiefung ihrer Erkenntnis von Welt und Menschen gelungen, sich einen im deutschen Vaterlande und weit über die Grenzen hinaus l-ock)geachteten Namen zu erwerben. In treuer Liebe zur Hetmat hat jie auch Lübeck wertvolle Tienste geleistet, indem sie für unsere Stadt, die vielfach den Hintergrund unserer Werke bildet, und für die Eigenart hanseatischen Wesens, Die stck) in ihnen widerspiegelt, in weitesten Kreisen Interesse.

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so gigantischen Wasser ir die Natur allein, b» h üskraft in wenigen 8 die Macht, durch irgend i Imwäljung ber Mmä ... feigen, das so stolz an: io tragisch schon bei der '

Nr. 94 Erster Blatt 162. Jahrgang Montag, 22. April 1912

Der «lehener Anzeige, M.MWM M rT A Bezugspreis:

erscheint täglich, außer /Hv monallich75P^viertel»

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Matl für ben Kreis (Sieben W W W W W fi l.X O J jg » H ll I< fahrl. ausschl. Beneilg.

dreimal monall. Land- W J WL M VF W W W" auswärts 20 Licnmq.

wirtschaftliche Seitfragen M W TM "V Ehesredakteur: A. Goetz.

Ferusprech - Anschlüsse: jgä Verantwortlich für den

sür die Redaktion 112, 7^ r -- * 99 < politischen Teil: Auausl

-SLS General-Anzeiger für Gberhessen

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ganz 10 Millionen Magyaren über die 11 Millionen Ru-1 mänen, Teutsche, Slovaien, Kroaten, Serben, Rumänen | ufw. eben nur burd) das bisherige Privilegienparlament aufrecht zu erhalten ist, sirch yegen jede Demokratisierung des Wahlrechts sträubt.

Tie so gesd)Lsfcne politische Lage wird dadurd) noch weiter ersd)Wert, daß dieser transleithanischen Reichshälfte, in der die magyarische Minorität wenigstens in dem Wider­stand gegen die andere Roid)Shälfte einig ist, kein starkes, sondern ein burd) Nationalitäten- und Parteihader zer­rissenes Oesterreich gegenübersteht. Die Persud)-e des Mi­nisterpräsidenten Grafen Stürgth, m österrciia-ischen Ab- geordnctenhanse ans den mehr als 30 Fraktionen unb Fraktiönchen eine Mehrheit zu bilden, auch nur eine Mehr­heit zur Durchdringung der Wehrvorlage unb ber damit verbundenen Steuergesetze, sind bisher gescheitert, unb es vervollständigt das Bild, wenn von den 17 österreichischen Landtagen, deren Sessionen jetzt gesdftossen woroen sind, 9 durch die obstruierenden Minderheiten arbeitsunfähig ge­macht worden waren. Hängt doch aud) die Unmöglichkeit, im böhmisd)en Landtag den Ausgleid) zwisd)en Deutschen und Tsd)echen zustande zu bringen, eng zitsammen mit der Stockung der Parlamentsmasdftne im Abgeordnetenhause, wo noch dazu die Polen als Extratrinkgeld für loyales Verhalten die umfassende Kanalvorlage verlangen. In dieser Doppelkrisis oder eigentlid) sogar Tripcltrisis denn zu der in Oesterreich unb in Ungarn gesellt sich als dritte der tiesgehende Konflikt zwisck)en den beiden Reid)s- hälsten, die magyarische Los-vvn-^esterreich-Bewegung liegt die ernste Gefahr der Vorgänge, die sid) zurzeit in der Donaumonarchie abspielen, Vorgänge, deren weitere, heute noch nicht zu übersehende Enuvialung zum Schluß nicht ohne Einslu» auf die Großmad)tstcllung oes öfter» reichisch-urlgarischen StaatslvesenS bleiben kann!

Os en pest, 20. April. Die Abendblätter be­grüßen ohne Unterschied der Parteirichtung die Ernennung Lukacs zum Miilisterpräsidenten sehr sym- p a t h i s d). Alle drücken die Hof,nung aus, daß er die frei­sinnige Wahlreform durd)führen werde, wodurch aud) die Erledigung der Wehrvorlage gesichert würde.

Vie liückerobcrung von Zez durch die Zranzoscn

Es scheint den Franzosen gelungen zu sein, die scheri- fifefjt Hauptstadt zu entsetzen unb sie scheinen wieder Herren der Läge geworden zu sein. Freilich nicht ohne in den Kämpfen empfindliche Verluste erlitten zu haben. Einige verspätete Nachrichten zeugen dafür, wie gefährlich die Meuterer in der Hauptstadt gehaust hatten. Wir erhielten folgende Meldungen:

Paris, 20. April. Ein im Ministerium des Aeußern um Mitternad)t eingetrofsencs Funkentelegramm aus Tan­ger meldet, daß die Verstärkungen aus Mekinis in Fez eingetroffen sind. Nach heftigem Kampf nahmen die französischen Truppen die Stellungen der Auf­ständischen ein. Tie französische Flagge weht jetzt auf den Wällen. Die Ruhe ist wiederhergestellt. General Moinier wirb heute in Fez erwartet.

Der Sturm auf Fez kostete den französischen Er­satztruppen acht Tote. Ein Hauptmann wurde ver- -rounbet. Der Sultan beabsichtigte, nach Dardebigagh zu flüd)ten, er-blieb jedoch auj den Rat Regnaults unter dem Schutze einer Konipagnie im Palast.

In Tanger wurde wegen der herrschenden Unsicher­heit der Befehl ausgegeben, Personen, die in das Innere des Landes abreisen wollen, zurückzuhalten. General Moi­nier bat in Paris um die Erlaubnis, den Belage­rungszustand über Fez zu verhängen, um eine ener­gische Unterdrückung des Aufstandes zu erleick)tern. Außer

jetzt in einem Augenblick geschieden ist, wo die verworrene läge in Kroatien zur.Aushebung ber Verfassung geführt hat.

Ist Lukacs der Mann dazu, den von Khnen-Hedervary tcrfahrenen Staatdtarrcn ins rechte Geleise zu bringen, tie Justhpartei, die nach dem Rückzug der ungarischen Re­gierung in der Frage bes Kronrechts zur Einberusung der Erfatzreserve ihre erneute Obstruttion gegen die Wehr- rorlage angekündigt hatte, zur parlamentarischen Mit- iirbeit heranzuziehen? Alles wiederholt sid) nur im Leben.

der Ausgabe, die Herr v. Lukacs jetzt übernommen hat, iiar er schon in den Jahren 1909 und 1910 nach dem ; Zerfall der Koalition ausersehen, aber der erste Versud) scheiterte an dem Widerstand der Justhpartei, der zweite au dem der Tiszagruppc. Heute hat sreilid) Herr von lukacs von der Krone stärkere Mittel an die Hand bekom- Iinen, um wenigstens die obstruierende Justhpartei zu be- sl'wören. Tie eine Beschwörungsformel scheint leider in dem für früher oder später in Aussicht gestellten Rücktritt des den Ungarn besonders verhaßten Kriegsministers von Aussenberg zu bestehen, den man als die Seele des Wider- 1 (Icinbeö der Krone gegen die magyarischen Forderungen in der Frage der Ersatzreserve ansieht oder ausgibt, benn zum Sdftuß ist es ja ein offenes Geheimnis, daß hinter dem Kriegs Minister der Thronfolger Franz ' Ferdinand steht, den die Magyaren nun freilid) nicht zur Demission zwingen können. Den Kriegsminister hdjlagt man, den Erben der Krone meint man.

Aber der neue Ministerpräsibent verfügt noch über | eine zweite Beschwörungsso rmel, und diese heißt: Wahl­reform. Angekündigt ist die Ersetzung des ungarischen 'peivilegienpartaments burd) eine auf Grund eines we­nigstens annähernd allgemeinen und gleichen Wahlrechtes gewählte Vollsvertrctung schon seit Jahren, und die Strone hofft auf diese Weise bic Herrschaft ber ungarischen Oli­garchie burd) ein weniger ausgeprägt magyarisches und nidjr die Reichsinieres.en berückficht.g ndes, arbeit.'fah.ges Parlament zu ersetzen. Herr v. Lukacs galt von jeher bei der Justhpartei, welche die entschiedenfte Anhängerin | ber Wähleeform ist, als der geeignet,te Mann zur Durch­führung dieser Resorm auf demoiratischer Grundlage, und i» spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es ihm gc» 1 in gen wirb, diese Partei zur Aufgabe ihrer Obstruktion gegen die Wehrvorlage zu bewegen. Aber er dürfte dabei !(id)t von der Szylla in die Eharybdis geraten, da die Tiszagruppc in der Erkenntnis, daß die Herrschaft der nicht