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22.1.1912 Zweites Blatt
 
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162. Jahrgang

Zweites Slatt

Nr. 18

Lrlcheini ti-lkch mit Ausnahme de» Sonntag».

General-Anzeiger für Gberhesjen

stelle entfällt.

Kreis Wetzlar.

Mr.

4043

74-79

43-48

7786

Reichsgerichtsbrief

Leipzig, 20. Jan.

(Nachdruck verboten.) -

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48,00-50.0)

61,00-63.00

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2025

Mr.

93-98 8391

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+ Krofdorf, 20. Jan. Tie Stromlieferung von der städtischen Zentrale Gießen wird in etwa 14 Tagen auch für Gleiberg beginnen. Bei uns find nachdem man sich hier und da durch eine Kontrolle an den Zählern überzeugt hat, daß das elektrische Licht nicht nur eine bequeme, sondern auch eine preiswerte Errungen­schaft ist, täglich noch Anschlüsse angemeldet worden. Man hat festgestellt, daß eine 25kerzige Metallfademamve von nachmittags 5 Uhr bis nachts 12 Uhr brennend kaum Kilo­wattstunde Strom verbraucht, also während dieser sieben Stunden die Ausgabe für Licht etwa 11 bis 12 Pfg. erfordert. Erfreulich ist, daj; unsere Bevölkerung bei der Auswahl der neuen Beleuchtungskörper insofern das Kunstgewerbe unter­stützt, als man durchschnittlich recht geschmactvolle und ver­zierte Lampen wählt.

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Lingesandt.

Gießen, 22. Januar

Auf dasEingesandt" in Nr. 17Die Akustik int S t a d t t h c a t e r" sei erwidert:

Gerechter Weise können zur Beurteilung der Akustik eines Raumes die Leistungen eines Rezitators mit denen eines dar, teilenden Künstlers nicht verglichen werden, da beide unter ganz verschiedenen Bedingungen tätig sind.

Ter Rezitator spricht direkt nach vorne ins Publikum; er trägt Stücke vor, die er sich ausgesucht hat, die ihm alsoliegen", Stücke für die er Tonstärke, Sprechtempo usw. nehmen kann, wie sie seiner Individualität am genehmsten sind.

Ter Schauspieler dagegen muß meistens zur Seite, manch­mal nach rückwärts sprechen, er muß sich einer vorgeschriebenen Stimmung, einer nicht von ihm ausgesuchten Situation anpassen, ist also in der Verwendung seiner Mittel von einem fremden Willen, dem des Tichters, abhängig. Auch sonst kann er seine Individualität nicht in dem Maße wie der Rezitator zur Geltung bringen, da ihm seine Aufgabe den direkten Rapport mit dem Publikum untersagt.

Sämtliche Fachmitglieder der hiesigen Bühne würden nach der festen Ucberzcugung des Unterzeichneten was Verständlichleit der Aussprache betrifft, keinerlei Grund zu Beschwerden bieten, falls sie sich an der Stätte ihrer Wirksamkeit als Rezitatoren einem verehr!. Publikum zeigen könnten.

Tagegen kann sich der iöerr Einsender bei einem Besuch des Frankfurter Schauspielhauses leicht überzeugen, wie viel bezw. wie wenig auch dort manchmal zu verstehen ist.

Taß ein Teil der Schuld an mangelhafter Sprechtechnik liegt, wenn einzelne Künstler manchmal schwer verständlich sind, fei ohne weiteres zugegeben. Der Direktor des Stadtlhcäters führt wie alle Beteiligten genau wissen seit Jahren einen sehr energischen, leider nichts immer erfolgreichen Kampf für deutliches Sprechen auf der Szene.

lieber den Rückgang der Sprechtechnik wird übrigens zurzeit ort der gesamten deutschen Bühne geklagt. Er erklärt sich als Nachwirkung eines falsch verstandenen, in Literatur und Tarstelluna jetzt so ziemlich überwundenen Naturalismus, der saloppes und technisch mangelhaftes Sprechen mit der so wünschenswerten Natür­lichkeit des Ausdrucks verwechselte.

Bei Neuengagements wird der Sprechtechnik der Mitglieder wiederum besondere Aufmerksamkeit zngHbendet werden, wo es möglich ist, soll das Publikum durch Gastspiele auf Engagement selbst mit entscheiden können.

Zum Schluß kann der Unterzeichnete in dem Bewußtsein, für künstlerische Auswahl und Heranbildung des Personals stets das Möglichste versucht zu haben Mißerfolge kommen natürlich überall einmal vor über den Vorhalt einer zu stilgerechten und kostbaren Ausstattung nur dankend quittieren.

Hermann Steingoetter, Direktor des Stadttheaters.

Deutsches Ueich.

Die Feier des Krönungs- und Ordens- f e st im königlichen Schlosse zu Berlin wurde am Sonn­tag in gewohnter Weise begangen. "Dtiid) dem Gottesdienst in der Schloßkapcllc fand Tafel statt. Nach der Tafel hielten der Kaiser und die Kaiserin Cercle.

Tie halbamtliche Wiener EorreipondenzWilhelm" bestätigt, daß Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Januar in Berlin eintrifst, wo der Erzherzog auf^ Einladung des deutschen Kroiivrirtzenpaares als Pate bei der Taufe des längst geborenen Sohnes des Kronprinzenpaares fungieren wird.

DieteUenei FomtliendlStter' werden dem .ülnAfioer* otermal wöcvenilick beiqeleai. da- Kretsblati für den Kreis Stehen" »roennal wöchentlich. DierandwINichaflllchev 5ett» fragen" edtbemen monatlich zweimal.

Montag, 22. Januar 1912

Rotationsdruck unö Verlag der Brüblichen UnwerNlälS - Buch- und Siemdruckeret.

9L Lange, Dießen.

Küste, welche Spanien nicht befestigen soll. In der Angelegen, heil der marokkanischen Schuld weigerte sich Spanien, irgend ein Zugeständnis zu machen. Es wird alle Bürgschaften gewähren Treimonatllche Vorausbezahlung des Kuvvnbe.rages der Anlechen von 1901 und 1910, Goldzahlung und Verbürgung des Anteiles an den Zolleinnahmen in den Häfen seiner Zone. Aber es beansprucht nach wie vor vollständige AklionsireiheU in ieiner Zone Um etwaige Besorgnisse zu zerstreuen, wird Spanien sich verpflichten, keiner fremden Macht auch nur einen Punkt keiner Zone abzutreten. _________________________

Redaktion, ErvediNon und Druckerei: Schul- ftraBC 7. Eroed kion und Verlag 5L

Redaktion:12. Tel.-AdruAnzeigerDießen»

Märkte.

le. Frankfurt a.M. Viehho'-Marktberi cht vom 22. Jan. ShUtrieb: 1313 Rinder, darunter 65 Ccbfen, 31 Bullen, 918 Kühe und Färsen, 995 Kälber, 2 5 Schale, 2829 Schweine

Tendenz: Ri"der lebhaft, nahezu geräumt, Kälber langsam, geräumt, Schake ruhig, geräumt, Schweine lebhaft, geräumt.

Preisür 100 Pfd.

Leveuo- Schlacht­gewicht

Aufhebung des Mainzer Urteils im Schapiro- Prozeß durch das Reichsgericht.

Tie Verhandlung im Schapiro-Prozeß, in dessen Ausgang der Redakteur und Verleger Hirsch des Neuesten Anzeigers zu Mainz von der Strafkammer Mainz zu sechs Monaten G e - fängnis verurteilt worden war, besänftigte am Samstag das Reick^'gericht.

In der gegen dieses Urteil beim Reichsgericht eingelegten Revision hatte der Angeklagte mehrere prozessuale und male rtelle Rügen erhoben, bie von Tr. Süpfle, Rechtsanwalt beim Reichsgericht, mir Nachdruck vertreten wurden. Von Bedeutung war die Rüge, daß das Gericht entgegen der Judikatur des Reichs gericbts Entscheidungen Band 27 und 31) trotz der Verschiedenheü der Personen Sckamrv und Berndt eine fortgesetzte, einheitliche Handlung angenommen har. Eine weitere Revisionsrüge befaßte sich mit der Verletzung des 193 des Strafgesetzbuchs, dessen Schutz Die Mainzer Strafkammer Dem Angeklagten zu Unrecht nicht zu gebilligt hatte. Tem Angeklagten waren nämlich vorn Beigeord­neten Berndt Die Vorwürfe tendenziöser Ausführungen und Un­wahrheiten, Mangel an persönlichem Mute, Schreibweise auS un­lauteren Motiven und ähnliche gemacht worden. Deshalb hat, wie die Revision Darlcgt, ein höchst persönliches Interesse des An­geklagten bestanden, den Aeußerungen des Beigeordneten Berndt

^oüileiirlnge Schweine von 8(100 k!» Ledendgeivicht........

Polu.eimnge Schweine unter 80 k» Lebendgewicht.

VolUieijchige Schweine von 100120k» Lebendgewicht o, i.eiicinge Schiveine von 120150 kg Lebendgewicht

vom türtifd):ttalienifd)en Kriegsschauplatz.

Kämpfe bet Ben (Sfjjft.

Benghasi, 20. Jan. Agentta Stefani.) In der Nach', vom 17. zum 18. Januar machten 100 Türken und Arave: einen heftigen Angriff a u f ein Blockhaus, das unte. dem Kommando eines Leutnants van 18 Mann des 68. In fanterie-Regiments bewacht wurde. Tie kleine Besatzung leistete unterstützt von benachbarten Schanzen, tapferen Widernand uu. trieb den Feind zurück, der 29 Tote und zw.i schwerverletzte an dem Platze ließ, und viele andere mit sich nahm. Tie Scheinwerfer aus dem Schanzgraben Nr. 3 erlaubten die Mitwirkung der Ar tilleric aus der schanze Nr. 2 und der Maschinengewehre and de: Schanze Nr. 1.

Am Morgen des 18. Januar zeigte sich eine Kolonnevan 6 00 M anu dem Abschnitt H der italieiiischen Verschanzung.-i gegenüber, zog sich aber nach den ersten Schüssen van der italie mimen Seite zurück. Tie Entfernung des Feindes ließ einen Gegenangriff, aus den die italienischen Truppen vorbereitc. waren, nicht zu. Ter KreuzerGtruria" wirkte mit den Land iruppen zusammen, um bewaffnete Gruppen zu zerstreuen, die iid, in einiger Entfernung hielten, und bombardierte Coeffia. Auf Seiten der Italiener wurden sechs Leichtverwundete gezahlt.

Tripolis, 21. Jan. (Agenzia Stefani.) Die Lase Gargares ch wurde gestern endgültig von den Italienern besetzt.

Die Hilfe für die Verwundeten und die deutschen Eisenbahnen.

Tie Könial. Preußischen Eisenbahndirektionen sind ermächtig worden, alle Güter frachtfrei zu befördern, die auf dem italienisch türkischen Äviege-ckwuplatze zum Besten der Verwundeten um Kranken der beiten kriegführenden Nationen verwendet werden sollen und entweder an das Zentraldepot der Deutschen Vereim vom Roten Kreuz in Neubabelsberg gerichtet oder von diesem zur Beförderung nach dem Kriegsschauplatz ausgegeben werden Dieselbe Ermächtigung haben auch die übrigen deutschen Eisenbahn Verwaltungen erhalten.

entgegenzutreten. Als Bürger der Stadt Mainz und Redakteur eines Lokalblattes hat es ihm abgelegen, das sonderbare Verhalten Der Frau Schaviro zu rügen, das gebot ihm das öffentliche Inter eiic Ter Reichsanwalt trat der Revision zwar entgegen, .nutzte jedoch zugeben, daß die Assistentin nickt ohne weiterest kritiklos hätte alles verfolgen dürfen, was ihr durch den Zeugen Bruder zugetragen worden ist. Tas betrifft besonders die Fälle, wo der Zeuge Bruder, Der mit Offizieren verkehrte, M ädchen als Der gewerbsmäßigen Unzucht verdächtig bezeichnete, weil sic Den Offizieren, die mit ihnen Liebesverhältnisse unterhalten hatten, nnbeauem geworden waren.

Tas Reichsgericht hat das Urteil der Straf«, ka m m e r z u M a in z in i t a l l e n i h m zu G r u nde l ie g e n- den Feststellungen aufgehoben und die Sache selbst zur anberrocitcit Verhandlung und Entscheidung an die totrat* lammer in T a r m st a d t zurückverwiesen. Zur Begr n ndung wurde ausgeführt, daß die prozessualen Beschwerden nicht zur Aufhebung des Urteils geführt haben, daß aber der materiellen Rüge, die sich mit Der Annahme einer einlwitlichen Handlung befaßt hat, Gehör geschenkt werden mußte. In Anbetracht dessen, daß es sich inhaltlich nm zwei ganz verschiedene Beleidigungen: handelt, daß zwei verschiedene Personen in Betracht kommen und Daß zwei ganz verschiedene Gebiete der Beleidigung vorliegen- hätte das Gericht keine einheitliche H and 1 u ng annehmen Dürfen Sodann erklärt der höchste Gerichtshof, daß eine Ver­kennung der Verantwortlichkeit der Beleidigten vorliege und daß gerade' diese Verkennung zu einer unrichtigen Würdigung des s 193 geführt haben kann. Aus diesen Gründen ist das Urteil aufgehoben worden.

Ochsen.

Polllleischige, nuSacrnnflete, höchsten Schlacht- wertes, 47 Jahre alt . . .....

die noch nicht gezogen haben (ungejockste)

Junge fleischige, nicht ansgemästete unö ältere cnisgemästete............

Bullen.

Voll fleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw.

Vollfleischige, jüngere

Färsen, K u h e.

Vollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachtw. Poltfleiichige ausgeniäsieteKühe höchsteilSchlacht- ivertes bis zu 7 Jahren wenig gut entwickelte Färsen ältere ausgeniästete Kühe Müßig genährte Kühen ud Färsen .... Gering genährte Kühe und Färsen

Halber.

Feinste Mastkälber

Mittlere 'blast- unö beste Saugkälber .... Geringere 'Mast- unö gute Saugkälber .

Geringere Saugkälber

S ck> a t e.

Etallmastschase:

Mastlämmer unö lungere 'Masthammel . . .

Aeitere 9)la|tbanunel, gut genährte junge Schale und geringere Mastlämmer Schweine.

Die Spannung in China.

Peking, 20. Jan. Ton ganzen Tag über herrschte gewaltige Aufregung sowohl unter den Ausländern als auch unter den Chinesen, da man einen Aufruhr der M a n d- s d) u -3 befürchtet, wofür indes keine Wahrscheinlichkeit be-

Nach einer chinesischen Nachricht trat der frühere Re­gent Prinz Tschtng dafür ein, daß der Hof zwar abdankt, aber in Peking bleibt, und daß Juanschikai eine provi­sorische Regierung in Nordchina errichten soll, bis der Natio- nalkonvcnt seine Entscheidung gefällt hat.

Eine blutige Schlacht?

London, 22. Jan. -Wie aus Neuyork gemeldet Ivird, ist dort die Nachricht eingetroffen, daß es zu einer blutigen Schlacht zwischen den Kaiserlichen und den revolutionären Truppen kam, die mit einer gänzlichen "Niederlage d e r Kaiserlichen cn- o C t c. Tie Schlacht wurde bei Iagnachi geschlagen, also nur noch 3 0 Meilen von Peking selbst entfernt. Ter kaiserlichen Regierung stehen jetzt nur noch die Mand- schutrnppen in der Stadt Peking zur Verfügung. Ter größte Teil des gesamten Heeres soll zu den Aufständischen iibergegangen sein.

2lit5 Hessen.

Tie Veräußerung von fiskalischen Grundstücken.

Ter Zweiten K a m m e r ist folgende in der Thron­rede schon berührte Regierungsvorlage übergeben worden:

Dcr Großh. Regierung wurde durch einstimmige Beschlüsse beider Kammern t i di Dauer des 31., 32., 33.

unh 34. Landtags die Ermächtigung erteilt, landwirtschaft lid) benutzte, zerstreut liegende, d. h. nicht zu Hof gütern gehörige k a m c r a l s i s k a l i s ch e Grundstücke, die Dem Familieneigentum des Großh.rzoglichen Hauses angehören, allgemein ohne nähere Bestimmung der einzelnen Gemarkungen und Parzellen zu veräußertn unter der Bedingung, daß Den Ständen alljährlich ein Verzeichnis der hiernach veräußerten Grundstücke vorgelegt wird.

Die Gründe für die im I n t e r e N e d es p ri v a t e n land­wirtschaftlichen Betriebs vorgeschlagene Veräußerung solchen fiskalischen Besitzes wurden in den früheren Beratungen gebilligt. Tie Veräußerung kann naturgemäß nur allmählich stattfinden, auch zeigt sich daS Interesse für Erwerb fiskalischen Besitzes bei Der LanDwirtfckmft treibenden Bevölkerung biird) fort­gesetzte Nachfrag e. Es wird daher die gleiche Ermäch­tigung, wie sie für Die Taner des 31., 32., 33. und 34. Land tags von Den Ständen erteilt wurde, and) für die Tauer des 3d. Landtags nachgesucht.

Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs beehrt sich Das unterzeichnete Ministerium Daher, an Die StänDc Des Großherzogtums unD zunächst an Die Zw.ite Kammer das Ansinnen zu richten, Die Großh. Regierung auch für die Tauer Des 35. LanDtags zur Veräußerung lanDwirtsckiaft- lid) benutzter, zerstreut liegender, D. h. nicht zu Hofgütern ge­höriger kameralfiskalischer Grundstücke allgemein ohne nähere Be stimmung der einzelnen Gemarkungen und Parzellen unter Der Bedingung zu ermächtigen. Daß Den Ständen alljährlich ein Ver­zeichnis Der hiernach veräußerten Grundstücke vorgelegt wird.

Aus SiaM und Land.

erneuen, 22. Januar 1912.

Rcichögründuttgsscicr.

Feier der Gründung des R e i ch^s. Tie vom All­deutschen Verband am 18. Januar in Steins Garten Jzcr anitaltctc R eichsgründungsfeier nahm vor gefülltem Saal einen sehr stimmungsvollen Verlauf. Eröffnet wurde Die Feier .nit einem von Dem 1. Vorsitzenden, Frhr. v. Liebig, ausgebrach icn Hock) auf den Großl-erzog, woran fick) unmittelbar Die vom Bauerfchen Gesangverein unter Leitung von Herrn Görlad) klang |d)ön vorgetrageneWeihe Des Gesanges" von Mozart anschloß. In zwei LieDern von Brahms und Wolf, wußte Fräulein I. Stammler Das erstemal ebeniogut Die etwas jdjivermütige wie im zweiten Die frische, freudige Färvung zu treffen. Herr Pianist I. Hahn brachte Die warme Empfindung in Der Lisztfchen Para» phrase über Das MenDelsiohnsche LiedAuf Flügeln des Gesanges" ebenso schön zur Geltung wie in Der humorvollen Gavotte T-molt aon d Albert und Dem virtuosen Valse-brillant As Dur von Ehoptn leine hervorragenDe Technik; wenn an Dem Vortrag etwas aus- zufetzen war, so war es Das in Der Nähe etwas ftbrenDe Mitfummen oer Melodie Durd) Den Künstler. Privatdozent _2r. '21. Wirth ivrad) in seiner Festrede über Die Entwiulung Des Deutschen Reiches oon 1871 bis 1911. Sie hatte zum Gegenstand Hauptsächlicki Die Verschiebungen Der jeweiligen meltyolitiidjcn Lagen; Der Vergleich, ivie Bismarck aus jcDcr, auch Der für Deutschland ungünstigsten Lage, Das Aeußerste für TeutschlanD herauszuholen vermochte, während in Der nachbismarckischen Zeit nicht einmal bei günstiger Konstellat.oii Das beanspruckuare Minimum erreicht wurde, ent­hielt eine vernichtende Kritik der Wettpolitik Der letzten zwanzig Jahre. Ter Redner überlief* allerdings Dem Hörer, Den Vergleich jii ziehen, wie überhaupt Der sehr gehaltvolle Vortrag vielleicht etwas zu wissenschaftlich für Die Gelegenheit war. Ter Vortrag ichloß mit Dem .Hinweis auf Die Notwenoigkeit neuen toieDelnngs- landes für das Deutsche Volk, wenn es nicht durch die zunehmende Industrialisierung Schaden an- seiner Volksgesundh.it erleiden wolle; bei dem wachsenden Uebermute des Auslandes werde schon tu absehbarer Zeit Dem Deutschen Volk Das Schwert in Die HanD gcDrüdt und ihm Dabei Die Möglichkeit zu Landerwerb gegeben iverDen. Tie Begeisterung, mit Der Die Versammlung in Das Vod) auf Den Kaiser ein stimmte unD die Wacht am Rhein den Saal durchbrallste, zeiate. Daß Der sehr ernst gehaltene Spruch des 1. Vorsitzenden auf Den Kaiser richtig aufgefatzt wurde. Im zweiten Teil Der Feier brachte Frl. I. Stammler Drei Lieder oon Strauß, Reichard unD Weingartner zum Vortrag, wobei Das ihr golDige Timbre Der Stimme unD Die vorzügliche Aussprache noch schöner zur Geltung tarnen als int ersten Teil. Tie LieDer waren eingefaßt von zwei ä capella-(Sl)ören des Bauerschen Ge sangvcreinsTie drei Worte des Glaubens" von Zöllner und Dem Deutschen Ehrenpreis" von Methfessel, ans denen Die treffliche Schulung und das reiche Stintmenniatcrial des Vereins machte, was zu machen war. Tie beiden Solisten, wie der Gesangverein, fanden reichsten Beifall und mußten sich zu Zugaben beguemen Mit einem warmen Tankeswort an die Mitwirkenden schloß Der VorsitzenDe Die erhcbenDe Feier.

** Der Bierverbrauch in Gießen im Jahre 1911 beläuft sich nach den Nachweisungen durch das erhobene Oktroi auf 4 666 724 Liter oder auf den Kopf unserer rund 31000 Einwohner 150,5 Liter. Ter Bierkonsum belief sich (nach dcr Statistik für das Deutsche Reich im Jahre 1908) für den Kopf der Bevölkerung in Bapern 235 Liter, in Württemberg 154 Liter, in Baden 150 Liter, in Elsaß-Loth- ringen 92 Liter, im deutschen Zollgebiet Ul Liter und int Brausteuergebiet 92 Liter. Wir wandern also in Gießen wo auf etwa 80 Einwohner eine Schantkonzesston entfällt, au dcr goldenen Mittelstraße. Bei der Zahl der Schankkon­zessionen im Verhältnis zur Einwohnerschaft, wird Gießen von annähernd gleich großen Städten nur noch von Er­langen übertroffen, wo auf 72 Einwohner eine Ansschank-

Ausland.

Portugal will, Londoner Blättern zufolge. Deutsch land Angola mit den Inseln San T ho m e u n Principe am bieten. Tas britische auswärtige Amt habe privatim seine Zustimmung erklärt. Wie gnädig!

Zu Den französisch-spanischen Marokko-Ver­handlungen wird ans Ai a D r i D berichtet: Auch in Der tyrci lag-Unterredung Des französischen Botschafters mit Dem ..\inifter Des Aeußern, welcher Der englische Botschafter zum erstenmal ferngeblieben war, ionrbe keinerlei Einigung betreffs trgenD einer wesentlichen Frage erzielt. Tie beiden Diplomaten ver­ständigten sich nur über Die Dem Haager SchieDsgericku m unter- breitenden Konfliktspunkte, sowie über Die Stellungen an Der