Ausgabe 
22.6.1912 Viertes Blatt
 
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Nr. 145

eifdten, der wohlweis

seinen Sport über die

ieuge

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Feauen-Feuilleton.

Die neueste Mode von Shanghai.

Eine ganz besonders geschmackvolle Wandlung scheint zurzeit die Shanghaier chinesisckx Sranennwbc burd^umodten: jedenfalls hat sie einen dortigen Ehemann zu einem Berzweiflunasausbruch ge­trieben. den die chinesische ZeitungSin-wen-pao" veröffentlicht: allerdings nicht mit dem Namen -des Bei

-r. ie Pariserin ohne Hut. Ter Pariser Flaneur, der die regensreien sonnigen Zunimorgen dazu benubt, um mit einem Spaziergang im Bois dem guten Tone der Tradition der Pariser Gesellschaft zu dienen, wird seit einigen Tagen der eines merkwürdigen bisher ungewohnten Anblicks. Auf den

lich anonym zu bleiben vorzog.

feit den Sagen der Revolution ins Schlimme gewandelte Mode ai erllären, muh man sich eine nach demdernier cri de Shanghai gekleidete Schöne vorstellen. An ihr fallen vor allem die neuen Haartracksten auf. So wird zum Beispiel das Haar M einer Brezel geformt und auf den Vorderkopf' gelegt: oder es wird (nach (Sketchenort) um den Hinterkopf gewickelt. Tie blaue, golbimiränberic Brille ist ebenfalls ein wichtiger Bestand­teil der neuen Mode, wenn auch die »Lugen gar nicht danach ver- longen. Auch die Bänder, die um den Hals gelegt werden oder von Brnstdöde auf das Kleid flattern, und die goldene Schmuckkette erscheinen nicht minder neu als überflüssig. An Stelle der kleinen Tuchschuhe sind Sckuihe aus Leder getreten: der itützenv Ann der Magd, den früher die humpelnde Schöne bet ihren Ausgangen nicht entbehren konnte, wird jc^t von einem zierlichen Spazrer-

a. ie Hochschule für Frauen zu Leipzig, die im vergangenen Herbst eröffnet wurde, zeigt eine erfreuliche Ent Wicklung. In den zwei ersten Semestern haben sich zusammen bereits weit über lausend Hörerinnen und Studierende einschreiben lassen: besonders die philosovdischen, historischen und pädagogischen Vorlesungen weisen einen überaus starken Besuch auf. Tie neue Hochschule will nicht nur für eine grünblidie Allgemeinbildung des weiblichen Geschlechts sorgen, sondern sie erstrebt poj allem, den mütterlichen Erziehungsberuf in umfassender Weise zu pertiefen und die Frau für dir mannigfaltigen sozialen Aufgaben vorzu- bereiten, die ihr innerhalb der Gemeinde, des Staates und der Gesellschaft erwachsen.

gtebaftion, Expedition und Druckerei: 64nd- ftraee 7. Expedition und Verlag. 51.

Redaktion: ^»Sl12. Tel.-Adr.. AnzeigerGießen.

bau fiji

-----,------ ---------- ______gen wandeln die eleganten Schönen der 'Seinestadt und zeigen ihre raffinierteste Sommerroiletie, viele von ihnen entzücken aud) durch den tadellosen Schnitt und durch die elegant flicfjen> n Linien eine- meisterhaften Tavlor made das Auge des Nenners: aber nur eines läßt die Herren unwillkürlich neben bleiben. Das ist gc= sch:hen? 2inb alle diese Damen.vielleicht nur auf wenige Augen­blicke dem Automobil entstiegen, das irgendwo in der Nähe halten mutz? Denn die mondänen Pariserinnen wcrndeln barhaupt durch den Bois, die raffinierte stomposition der Modistin, die sonst das Haupt ber Dame schmückte, ist nirgends zu sehen, ja nidn einmal ein Schleier deckt die koken arrangierte Frisur gegen die Zudring­lichkeit der Sonne oder die Unhöflichkeit eines plötzlichen Regen­schauers. Das der Beobactuer hiermit pveiselndcin Staunen sieht, ist die neueste Modclaune der Töc^er der Seinestadt: die Pariserin

Samstag, 22. Juni (912

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfcheu UnioersitälS»Buch» und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Ein«

PensionThörne

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieOletzeaer La»iliendlStter" werden dem jBngeigfr4 viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seih fragea" erscheinen monatlich zweimal.

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Ultimi?

stöckchcn ersetzt.

Das etwa sind die angreifbaren Punkte der neuen Mode, gegen die dieSin-wen-pao ihre Pfeile absendet Datz es nicht in schmcichelhafler Weise geschieht, geht aus den folgenden Versen lvervor. die in der Uebersetzung derShanghaier Nachrichten" eTtwa lauten:

-.Eine Dame mit blauer Brille gleicht dem Kops etncdCcfren."

Das weihe Band um den Hals sieht aus, wie ein strick, an b«m man sich aufhängen roill."

Die ledernen Sckstilie machen einen glauben, datz das ^räu- fotm einer Missionsgesellschaft angehöre."

Die goldene Kette um den Hals erinnert an die Eisenkette echtes Strafgefangenen "

Der Aufputz der Haartracht, von hinten gesehen, gleichtdem Kopf eines Lämmleins, das auf der Weide Gras schnuppert. '

DetGretchenzoof" erinnert an einen zum stampf berc.ten Kauflustigen.' (Wenn zwei Zopftniger in Streit aeratcn, dann

Luftkurort (§* Altenburg J.MN.V Alsfeld,-tai.d.Ln Tiehen-^ulda, b.DroiL va» U-roalbTcidic Umgeb mwo« mfdjL9leueib.Vouictb.Ga« hau« zur Linde. Sens Georg Herdt. Jc1cp1). :l n;i}rantmrL.$)enrid)ö^rai «einl®el!n.c""ÜOI<flLRu,k Prachtvoll. schattiger Garin-.

Reisen Sie

in ein Bad oder'n eineSominerfrischt.

so versäumen Sie nicht, sich bei An­fragen oder bei Prospekteinforder­ungen auf die An­zeigen im Gießener Anzeiger zu be­ziehen!

sch^Aoass^ pinat°r®fj.

von Hector Berlioz zur 9tuffülnung. Tas Werk fand bei leinen früheren Aufführungen Nets begeisterten Beckall, da neben vielem Bizarren auch Lzenen von ivunderdarer Schönheit wir erinnern nur an die prachtvolle Gewittei'zene, den Gang zum Richtpfay, die Szene auf dein Balle aufweift. Solist de« Abends ist Roniert- nieisler Iani 3 janlo, der das heirliche Biolm-stonzert von Max Bruch in G-moll Nr. 1 spielen wird, h'ingeleitet wird das Konzert durch den schon vor nielneren Zähren einmalig aufgefiihrten Prolog zu Bfönflons Traina .Riccio' von Adolf Landberger.

Salzungen, 21. Juni. Bi» heute sind 1383 Per- s o n e n zur « u r hier eingenoffen.

Nordseebad B ü s n m. Tie Ferien-Souderzüge, die zu Beginn der Lchnlfericn verkehren, verbilligen die Badereise ganz bedeutend. Ab Berlin sind am 6. und 15. Juli, in der Nacht vom 14. zum 15. August Ferien-Conderzüge nach Hamburg vorgesehen, und zwar mit zweimonatlicher Anckiahrtdauer. Tie Londerzug- karten zu diesen Ferien-Sonderzügen iverden au-gegeben vorn 30. Juni bis 8. Juli und vorn 8. biS 12. August. In Hamburg werden gegen Borzeigung der Sonder-Nnck'ahrlkarten Anlchlnß- Londerzng-Nuckiabrkartcn nackt Büsum für Mk. 6.W mit gleicher Reisedauer verabfolgt. Diesel! e (5rleid)terung uud Verbilligung wird auf den übrigen deutschen Eisenbahnen in den Jenen-Londer- zngen zu Beginn der Schntterien gewährt.

* Ladis bei La ndcck in Tirol. Den Erholung­suchenden, die Ruhe und Stille an einem schönen Fleckchen Erde suckicn, sei Ladis angflegcnthd) empfohlen Im entzückenden Ober- inntal wunderbar gelegen, bat sich Ladis auch in Hessen manchen Freund erworben. Umgeben von grüitfdtimmemhcn Bergen und schneebedeckten, weitzglitzernden (Metidtmt liegt es an sonnigem, aber trotz seiner hohen Lage ;i2(H) Meter ü. d. M.) imnd- geschütztem Platz. Das Stlima ist mild und warm und die Ladiser Lchweselauellcn tragen ebenfalls dazu bet, den Kuraufenthalt am Orte angenehm und nutzt,ringend zu gestalten. Sowokst als Luftkurort wie aud) als Bad bringt Ladis allen Erholung und Kräftigung, ist doch aud) für eine in jeder Beziehung gute Unter­kunft im öl urbaus gesorgt. Das ganze Arrangement dcS herrlich gelegenen Kurhauses ist im Charakter des Tiroler Landes ge­halten, gemütlich, angenehm, frei von tedem gesellschaftlichen Zwang. Die Pensionspreise sind autzerordentlich mastig. Nähere Angaben und Mitteilungen macht die Direktion des .sturhauseS Ladis, die auch illustrierte Prospekte versendet.

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VogekbergflOOngobelÜ ff» ^Isenmeer MaB.Preis.ProSp.d. lhuw _______ SS»/g

Erfolge gehabt, worüber Dr. JuleS Arnar in einem Amiatz der Revue bericknet. '

. . Arbeitsteilung und Schnelligkeit sind die beiden Faktoren, . c &,e am wenigsten ermüdend und am ertragreichsten ge- r man diese beiden miteinander verbindet, werden die gunftigiten Bedingungen gegeben fein, um lange zu arbeiten, viel iu vollbringen und wenig zu ermüden. Unter diesem G'ichts- bunit hat der Fabrikdirektor F. Dinslow T a v l o r in einer grosten meioe von Betrieben eine Organisation der Arbeit durchgefuhrt, die me täglichen Leistungen verdreifachte und vervierfachte. Bei au" ^r5ridininflrn wurde durch sorgfältige Einübung jede unnötige -Wiederholung von Bewegungen vermieden, die eine grotze Muskel anftrengung Hervorrufen Auch die Arbeitswerkzeuge, die Be- wrderungsvorrichtungen usw. unterzog Tavlor einer scharfen llritif tnbejug darauf, ob sie unnötige Anforderungen an die Kräfte ttelltfrt. Durch Verbesserung der Werkzeuge und durch praktische Verteilung der Arbeit, durch Regelung der aiiszusiihrenden De wegungen und der Schnelligkeit hiescr Bewegungen brachte Tavlor lede .Irbcit auf die günstigste Formel, die am ivenigsten Ermüdung hervorrief. Nach 35iäbtigrn Versuchen in Fabriken und Werk­stätten. nach unendlichen Mühen, Opfern und Mollen hat der amcnlaniJdK Gelehrte eine Methode ausgearbeitet und in einem unnangrcichen Werk nicbergciegt, die vielfach begeisterte Aufnahme gnunben bat und geeignet ist, eine Revolution in allen Formerk der ^Mthuftric hervorzurufen.

Von anderen Forschern wurden Versudre unternommen, die Ar­beiten, die Tpvlor nickst in das Bereich seiner Studien gezogen hatte, nach seinen Gesetzen praktisch zu organisieren. Als Beispiel sei die Organisation der Maurerarbeit durch Gilbreth angeführt. Die Bewegungen der Maurer beim Legen von Ziegeln wurden dadurd) von 18 auf 5, ja sogar 2 für jeden zu legenden Ziegel zurück gedrängt: das mühevolle Bücken und Wiederausrichten des Körpers wurde bernueben durch Verwendung eines vraklisdren (Gerüstes und kleiner Haufen von Ziegeln, die im Handbereidi aufgefdncbtcl waren. Infolge davon konnte ein Maurer statt 120 Ziegeln in der Stunde 350 legen, wodurch die Leistting fast um das Dreifache erhöht wurde. In ähnlicher Fonn lätzt sich in allen Handwerken eine wissensdxistliche Organisation der Arbeit durchführen, bei denen die Muskeltätigkeit auf das notwendige Minimum befd>ränft wird.

Lohrhaupten 'M - mit

Börscn-Wochcnbcricht.

= Frankfurt a M., 21. Juni

Die Umsätze bleiben gering. Spekulation und Publikum ver­harren in ihrer Untätigkeit, weil fiel) Anregungen für neue Gescktäfte nicht bieten. Der Privatdiskont hält sicki nahe an der Lfrenze der offiziellen Banksatzung und dürfte, solange die Ansprüche für den Semestcrwechsel nicht befriedigt sind, nicht iurüdgehen: aber die Vorbereitungen, die hierfür getroffen wer­ben, sind jiemlid) weitgehend und man glaubt, hast der Sc- mesterwcchsel ohne Störungen übenounben wird. Für Schie­bung s g e l d nimmt man einen Satz von etwa 6 Prozent für den Ultimo in Aussicht Mit Spannung erwartet man die Entwickelung des Geldmarktes nad) dem Quartals­wechsel ; allein, wenn man bedenkt, datz auch der cnglifcbe und der französische Geldmarkt angespannt sind, so wird man sich großen Hoftnungen nicht bingeben dürfen. Wenn auch der Be- bari der Börse infolge der Einschränkung der Spekulation zurück- gegangen ist, so nimmt doch die Industrie immer noch Mittel in Anspruch. In den Ziffern unseres Außenhandels und der Mebrein nahmen der Eisenbahnen spiegelt sich die Leb- haftigfeit des VcrkehrslcbenS deutlich ab. Wie lange die gute inbuitriellc Monjunftur andauern wird, läßt sich nicht absehen, e.nc Abi'ckm'ädmng glaubt man bis jetzt nur aut dem Stabeisen^ und bi*m Koksmarkt wahrzunehmen, aber andere Erzeugnisse der Eisenindustrie sind begehrt, so daß verschiedentlich Preiserhöhun­gen vorgenommen wurden: auch der englische und der belgische Eisenmartt liegen fest, ebenso die Metallmärkte, besonders Kupfer, wenn die sickstbaren Vorräte in Abnahme begriffen sind. Gut besä istigt ist auch die Maschinenindustrie. Große Aufträge liegen namentlich auf Automobilen vor, aber aus Amerika kommt eine Meldung, die nicht untersdstitzt werden sollte D-ort soll infolge des stark forcierten Baues an Lurusautomobileit eine llcbcriättigung des Marktes eingetreten sein und diese Ueber- sättigung kann sich auch auf den beutfdxn Markt verpflanzen. Es ht also ein Signal zur Vorsicht beim nauf der hochnotierten Aktien von Automobilen bauenden Gesellschosten. Ter Anlage­markt bleibt schwach disponiert, besonders kommt von deutschen Anleihen immer noch Material anscheinend auch vom Ausland zum Verkauf. Don fremden Renten waren Gnedin infolge der guten Monopoleinnahmen, an deren Ucberfdnme die Gläubiger partizipieren, fest, auch Mexikaner etwas besser, weil die Un- rul-en im Lande ahilaucn Portugiesen blieben zwar behauptet.

gebt diesen Sommer und freut sich, wenn orr Morgenwind in ihren und den anderen Haaren spielt. Noch l-alten sich einige konservative Gemüter ängstlich zurück, aber wenn die schönen und eleganten Vorlampferinnen ihrem frisch aus Amerika importierten neuen Prinzip treu bleiben, dann wird in den Ateliers der Hm- macknrinnen bald Heulen und Wehklagen aubbrcdxm, denn die Pariserin verzichtet auf das, was fönst ihrer Toilette die letzte uno höchste Vollendung gab: die Pariserin entsagt dem Hute ... Die moderne persische Frau. Ter frühere per-^ Mche «ckatzsekrerär, W. Morgan ^huster, gibt in dem neuesten LeitEcnturv" eine treffliche Schilderung der modernen persljd-en Frau, die iidi in den letzten 5 Jahren von allem Herkömm­lichen losgelöst und auf die Geschicke ihres Vaterlandes einen nickst zu untcn'diG^nbcn Einfluß gewonnen hat.Ohne ihren morahfdien Einfluß," so schreibt Shufter,wurde die revolu­tionäre Bewegung, die von Rußland mit Hilfe Englands so lange nicd?rgehaltcn worden ist, nur em unfruchtbarer Dort- vrotcst gewesen fein. Die Frauen allein haben in die Herzen her pcrnfdxTt 'l'iänner den Keim des Widerstandes gesät und ihnen ist es zu verdanken, daß die so oft versprochene Ver- fajfung icinerjeit endlich eingeführt worden ist. Seit dem Jahre 1906 haben sie dem ganzen Lande den Freiheitsdurst eingeflößr und das Lechzen nach dem Abschutteln des fremden Joches. Sie allein haben in Persien den Patriotismus, der heute mehr denn ;e zutage tritt, e-nttachr. Es gibt heute in Teheran allein wenig- stens 12 Geh-imbünde, von denen jebermann üenntnis hat, die einzig und allein von Frauen ins Leben gerufen worden sind. 'xn ihnen geben Frauen den Ton an und verteidigen und verbreiten die liberalen Grundsätze Die Perser sagen mit Berechtigung, bau, wenn bei einem Ehuluk em Streik ober ein Aufstand eine «yrau die Hand im Spiele hat, ist die Lage gefährlich und dasKabinett in Gefahr". Aber mehr als einmal hoben )ie auch praktisch in die Kämpfe des Landes eingegriffen, und lie haben den Mut und die Tollkühnheit an den Tag gelegt, von denen die großen Epen des Firdusi erzählen. Unvergessen "t noch, wie sie den Präsidenten des Parlamentes zwangen, ihre Abordnung »u empfangen und ihren Forderungen zu roill* fahren. Mit Revolvern in der Hand erschienen sie im Parla­mente und drohten, ihre Männer, Brüder und Söhne zu er- schietzen, wenn diese sich nicht dem Vorgehen der Russen wider- letzten und die Ehre des Vaterlandes retten würden."

Viertes Blatt 162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefjen

Heues vom ANumulator öer Zukunst.

lieber den neuen, leidsten und billigen Akkumulator aus porösem Blei, von dem jüngst aus Kopenhagen berichtet wurde, hat sein Enindcr, Professor Hannover, dieser Tage vor einer Versammlung von Technikern und Industriellen in Kopenhagen einen Vortrag gehalten, in dem.er die dish.'r unbeantwortet ge­bliebene Frage beantwortet, wie er seinporöses Blei" herstellt und wesivegen dieKapazität" seines Akkirmulators die gewöhn­lichen Akkumulatoren um das Vierfache übertrifft.

Zu seinemporösen Blei" gelangte Professor Hannover durch die genaue Beobachlusty der Schmelz- und Erstarrungsvorgänge beim Metall. Manche geschmolzenen Metalle erstarren beim Er­kalten nicht ans einmal, sondern bei bestimmter Temperatur er narrt die Masse an einzelnen Teilen, während nod) kleine Kanäle mit flüssigem Metall in der festen Masse bleiben Erwärmt man solche Metallstücke Professor Hannover nahm dazu Platten von einer Btei'Antimonlegieriing so geschieht das Umg.lehtte: die noch nidit ganz »efte Flüssigkeit in den Kanälen 'djmint zuerst und läßt sich dann durch Zenttifugieren aus dem feftbleibcnbvn übrigen Metall entfernen, f0 fraf; eine poröse Masse zuriickbleibt, die tatfadUid», was anfänglich nickst geglaubt wurde, Millionen von uiikroskopisdnm Köthern enthält und daher eine außerordent hd) große Oberfläche hat. Professor Hannover gab an, er habe unter dem Mikroskop auf jedem Millimeter Lange diirdflchnittlich 20 solcher Locher gezählt. Tie Oberslädst von Metallplatt-n, die nach diesem Verfahren bergeftent sind, ist daher ungefähr äUmal so gron, wie btc geivöhnlick>er, gegossener Bleiplatten mit Rivpen. Da nun die Wirksamkeit eines Akkumulators von der Größe der Metall fläche ablsangt, die dem Angriffe der Säuren ausgesetzt ist klingt Professor Hannovers Angabe durchaus glaub!id), sein Akku' mulator sei viel leiituiigssälnger, als der gewöhnlidx'.

Seit der Erfindung des Akkuinulators 18.59 sind viele Patente angemeldet worden, die Verbesserungen des Akkumulators be treffen. Hierunter gibt es nur eins, das wirklich einen bedeutenden Fortschritt brachte, nämlich die Faurcsck e Füllmasse, die 1882 patentiert worden ist. Bestätigt sich Prosessor Hannovers Be­hauptung, so handelt es sich in der Tat um einen neuen, großen Forttchritt der Akkumulatortechnik.

wandern und Reisen. Räder und 5ommersrischeir

= y a h 91 (t u h e i m, 21. Filin. Sinfonie-Konzert der St u r f a p e 11 e. Moraen Samstag abend gelangt als Haupt- nununer deö Programms die '"'roße 1- b a n t a ft 11 ri) c Sinfonie wickeln sie gewöhnlich vorher ihr um den Kopf, um dem Gegner keine Gelegenheit zu geben, den Zopf zu packen.)

Eine Dam.' mit einem Spazierstock gleicht einem Assen, der spazieren geht."

Schreiber war offenbar derart über die Kühnheit seiner btssigcn stritik erschrocken, daß er rasch noch die letzte Glosse an flickte, um alles Vorhergesagte zu mildern:

,'Itn übrigen gleicht das Auftreten und das Gehen der Dame dem eines Kriegers, der in die Schlackst zieht."

3ft Gedächtnis Hebung?

fihrirfuünrt9 k?.0 brn " so sagt das Sprichwort, und das rw"wllos reck': Warum aber Uebung den andere Frage Die Mehrzahl der Menschen

-1u"' 'Ärt bn Urbuna sei, daß es ^brauch so ähnlich zunähme, wie ber Muskel durch ^UatSrro5fbd 9flibrfir,Utr^ 7^. ")l cntt fuhrt nun in der

den Beweis, daß nicht das rI Ucbuna ttt, sondern daß umgekehrt Uebung auf

neroäier Baus nur auf Gedackstnis beruhen kann.

nnuN'ch an das bekannte Beispiel vom Muskel, der durch SfflSfk Jrbfvt flCubt wird, so erkennt man leicht, daß die .Auslnldung des Muskels nur Nebensache ist, nmbraib seine Ar .veittweisc durch die Hebung nicht beeinflußt wird. Der Muskel muh vielmehr auf den Ren, der ihm vom Nerven aus zugehet, d,n1 ( und Stärke unb ganz bestimmtem

die zugehörige Bewegung richtig ab- Konnten Muskelbetvegungen, etwa auch verwickeltere, wtrklid) geübt werden, so da» sie bei Wiederholung immer besser k ° ?°rc<nvaö ^ür ben Menschen höchst naditeilig: das Jaefen oder dte Magen und L-armbewegungen gelängen immer belfer ebenso etwa das Erbrechen, so daß schließlich der ge­ringste Retz diese Bewegungen auslösen könnte. Der sich also einen Magenkatarrh zuzöge, stände in Gesalfr, das Erbrechen so einzu üben, daß der Hungertod die Folge märe! Bei Tieren wie bei ^cnfdwn kommen übrigens manche äußerst benvidelkn nervösen Funktionen rrur einmal oder wenige Mal im Leben vor, und sie laufen trotzdem ganz, richtig ab, ohne jemals vorher geübt worden

**W 'öetfriel hierfür mag der Hochzeitsflug solcher Insekten angeführt werden, die die Flügel bald wieder adwersen, 3nJni.fn ti,n- ^cn ersten und einzigen Flug ihres Levens führen bicie Tiere vollkommen aus, weil sie dessen Mecha­nismus ererbt haben. Ebenso ist es mit den Bewegungen der Eingeweide des Menschen und der Tiere, des Herzens, des Magens und anderer: sie erfolgen sofort, vom ersten Tage des Lebens an, ohne erlernt ober geübt werben zu können. Geübt werden können mir solche Tätigkeiten, die auf dein Gedächtnisse beruhen. Der Mensch, der als völlig hilfloses Wesen zur Welt kommt, muß jede Bewegung erlernen unb üben, unb gerade baher bringt er es eben Weiter, als bie Tiere bei den eiitfurcdwnben Bewegungen, die sic von Anfang an ausführen können. Alle menschlichen Hand­lungen, sotveit sie willkürlick) sind, sind dem G.-dächtnis unter Worten, und cd gibt keinen anderen Weg zu ihrer Beherrschung, als den Versuch. Das ftinb erlernt das Greifen, das Gelst-n und das Sprechen, teils durch selbständige Versuche, teils durch andere unterstützt. Die ersten Versuckn sind ungeschickt, aber schließlich macht Hebung, Uebung des Gedächtnisses, den Meister.

Allerdings braucht die Gedäckstnistatigkeit gar nickst bewußt zu sein: im Oka enteil, bei sehr vielen verwickelten Ben'eguirgen weiß man gar nicht, wie man sie aussührt. Der Sänger lernt richtige Tonintervalle zu ttoffen, ohne daß er weiß, wie sich seine Stimm- organe daher verändern: jeder Junge lernt Pfeifen, indem er hm und herprobiert, bis er die richtige Pduskelstellung herausfindet, und ebenso ist es mit ber sdpvierigen Bewegungen, die yum Spreckren nötig sind. Seine Muttersprache lernt jeher Mensch durch Ver suchen sprechen, ohne die einzelnen Bewegungen beivußt kennen zu lernen. Nur der Taubstumme und der Plwnetiker sind damit vertraut, und beim (Erlernen fremder Sprachen werden die Be- wegungen zu Anfang bewußt auszieführt. Auch hölst're Leistungen werden mit Hilfe des Gedäckstnisses geübt, das Schreiben, künst­lerische Tätigkeiten usw. Die Hebung erwirbt das Gedäckstuis an jedem Tage des Lebens, und von Tag zu Tag wird sie ver- at.'i-.ert, meistens ohne daß man etwas davon weiß. Das Ge dächtnis erwirbt nicht, wie die Hebungen der Muskelkraft, zu einem vorhandenen Kapital die Zinsen, sondern es erwirbt alles selbst unb schreibt es auf eine leere Tafel.

war wissenschaftliche Wrgonifation ver Arbeit leistet.

Die Fragen nach der Umsetzung von Menschenkrast in Arbeit, die durch die Entdeckung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft angeregt wurden, sind in zahlreichen, nun schon mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Untersuchungen beantwortet 1 vor bett unb beginnen nun auch praktische Ergebnisse zu zeitigen. Be sonders haben die in größtem Umsaug auSgesührten Versuche des amerikanischen Earnegie Industrie gezeitigt, daß das Vorhei rsckst'n ber Eiweikstosse, wie Fleisch, Eier, in der Nahrung die A r be 11 s - sähigkeit becinträd)tigt und daß bie Leistungen von Arbeitern, die vorzugsweise von Früchten und Gemüsen leben, viel besser sind. Ein ganz neues Wissenschaftsgebiet ist ent­standen, das der industriellen Hygiene, auf dem besonders deutsche Gelehrte wie Z u n tz und R u b n e r Ausgezeichnetes geleistet haben Aber die wissenschaftliche Betrachtung der Arbeit als einer Umsetzung von Menschenkrast in Leistung hat auch organi-

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