SÖ
icr Tättgkeit. 1910
Mionen Mark, 1911
Krei»:
JügeSheim
Friedberg .
Monn#. .
Bechtheim
Bingen . .
Cppenbetm
Rodheim, Tlammhelm
Lauterbach. Schotten . - Llainz . . . ■21l4eo . . . .
Albig, Wonsheim, Steinboden- heim, Rad, GumdSheim
Darmstadt .
VenSheiin .
Dieburg ..
AlSfeld .
Büdingen
Am 9. März waren verseucht:
Erbach . . -
Groh-Gerau
Heppenheim Offenbach. . Liegen
Nachweisung über den Stand der Maul« und Klauen seuche in Hessen vom 9. bis 16. März 1912.
Biblis, Urberach, Rieder- Klingen
Kelsterbach, Groh-Gerau, Mörfelden
Steinbach, Hainstadt Leihgestern, Muschenbeim, Harbach, Grüningen
Ranstadt. Leibheden, Lindheim, Mittel-Gründau
Rieder-Eschbach, Mossenhetm, Ober- Rosbach, Assenhetm, Okarben
Müel- Dründau, Ltildheim Masienheint, Oder- Rosbach
Arheilgen
Biblis
Urberach, Dr.-Ztmmern, Rieder-Klingen
Vom 9. bis
15. März sind neu verseucht :
Hatnstadt, Neustadt
Vom 6. bis .15. März ist die Seuche erloschen in :
Albig, Wonsbeim, Rad, Heimersheim, Erbes- Büdesheim , 6tetn- budenhelm, Bornheim, Lchaibausen, Gumbsheim, Framersheim, Cffenbeun, Weinheim, Bermersheim, Lonsheim
Engelstadt, Schwaben» beim
Eimsheim, Dolgesheim, Guuicrsblum, Selzen
Bechtheim
Landwirtschaft.
LH Stockheim, 15. März, Unter dem Vorsitz de- Bürger- meisterS Fendt-Büdingen fand heute im Walther'schen Saale hier eine Versammlung der Schofzüchter des Vogelsberger und angrenzender Wetterau statt. Als Redner war Herr Sekretär S ch w a r z-Giehen gewonnen. Die Vorteile der Schafzucht sind der Bevölkerung seit Jahren entfremdet; verursacht ist der Rentabilitätsrückgang durch jahrelang betriebene Inzucht, ein minderwertiges Material war die Folge. Durch Einiührung guter Zuchttiere auS guten Herden soll die Anschaffung besserer Tiere an gestrebt werden. Zur Anschaffung ist die Landwirtschaftstammer bereit, einen Zuschub von 20 Prozent zu gewähren. 9(ud) aut die Ausbildung guter Schäler ivird Bedacht qenommen werden müssen. Durch die Futternot 1911 waren manche Herden sehr zusammen- geschmolzen; die Gesellschaitsschäterei Büdingen machte eine rühmliche Ausnahme, da diese Herde über 1000 Lrtück zählte. Ter Vortrag des Sekretär- Schwarz war iür die zahlreich erschienenen Zuhörer sehr anregend und die in den einzelnen Gemeinden zu veranstaltenden Versammlungen werden das Interesse für die bessere Handhabung der Schafzucht in geeignete Bahnen leiten.
AnsiedclungSl'vmmissioii ist in ununterbrochen! hntrbcn an gekauft 14 898 Hektar für 16 Mill . noch bedeutend mehr durch den Ankauf der Koburgischen Güter. Der Wert des Grund imb Bodens steigt besonders auch dtztrch die Konkurrenz der Polen, die mit ihren Leuten besiedeln.
Wandern und Nei-err.
0 b * 91 beim, 15. März. Ein Wanderverem hat fxd) beute unter dem Rainen .Touri st entlud Bad-Rouheim* neben der hier beliebenden Sektion des Tamnisklubs Wetterau und dem Zweigverem des V H.-lL neu gebildet. Zweck des neuen Vereins »st, Wanderungen auszusühren und bie Geselligkeit zu
genommen, alle öffentlichen Wege sind sorgfältig mit Obstt»äumen bcpstan^t. In dem neuen SiedelungSgedict enlitehen grobe Obstplantagen, 480 000 Apfelbäume sind angevflanzt und erfahren die sorgfältigste Pflege. Zn wenigen Jahrzehnten werde besonders die Provinz Posen als die obstreichste Provinz gelten. Von Aepfcln ged-ihen vorzüglich .der Kantapfel, der königliche Kurz- stiel, die Wintcrgoldparmäne. Unsere Fcldsrüchtc gedeihen auf den meisten Böden .vorzüglich, Rotklee ist überall sicher im Er- trage. Kartoffeln, Zuderrüben, Dickivurzeln wachsen wie bet uns. Kartoffeln und Zuckerrüben.zeichnen sich auS durch besonders hohen Stärke- resp. Zuckergehalt. — Der Winter ist schncereich und kalt. Auch der deutsche Landwirt kommt hier ohne den scharpelz nicht aus. Der Uebcrgang in den Frühling ist schroff Die FruhiahrS- bestcllung nruß daher.beeilt werden, weil cs sonst leicht zu trocken wird. Die Ernten folgen rasch hintereinander. Roggen. Wcizen, Hafer rcick-cn sich in der Reife die Hand. Eigentliche Windstille gibt es in dieser Ebene nicht, stets weht ein mäßiger Wind. Der Herbst ist meist sonnenreich und trocken. Die Wintersaat muß früh bestellt werden. Mitte November beginnt der Winter.
Das alte Polenland bestand in der Hauptsache aus Wald und Sümpfen. Kulturfortschritte wurden aufgehalten durch ständige politische Unruhen im Innern. Litchauer und Polen l-atten die Vorherrschaft. Friedrich der Große entwässerte Sumpfe, grim- bete Dorfgemeinden und Städte und siedelte deutsche Hauern unb Handwerker unter den vorteilhaftesten Bedingungen an. Rach seinem Tode kamen die grossartigen Unternehmungen mS Stocken. Der Traum der Wiederherstellung Polen-, bie Revolution tm Jahre 1863, tat das Übrige und warf das Land für viele Jahrzehnte in der Kultur zurück. Der preußische Staat musste sich aüfS neue entschließen, um die Provinzen vorwärts zu bringen unb das unordentliche Polcntum einzudämmen durch das An- siedelungSshstem. Unter Kaiser Wilhelm I. unb seinem großen Kanzler entstand am 26. April 1886 das Ansiedelunasgesetz. Der Ansi.delungskonrmission wurde ein Kredit von 360—400 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. 400 000 Hektar polnischen u>w deutschen Großgrundbesitzes wurden nach und nach erworben, 46 Quadratmeilcn angesiedclt mit deutschen Bauern auf kultiviertem Acker- unb Wiesengelände. Es sind 1 150 000 Morgen besiegt, 600 neue deutsche Dörfer gegründet mit 15000 Ansiedelerstellen (BauernHäse >. In jedem Jahr wird n<nie5 Land ausqelegt, das zur Gründung von 30 -50 Dörfern Platz bietet. Die einfcimifdje deutsche Bevölkerung betrug 1=4 Millionen. Durch die Ansiedelung deutscher Bauern aus dem übrigen deutschen Vaterlande soll die vorhandene deutsche Bevölkerung vermehrt nnb gestärkt werden. Die Ansiedelungsprovinzen sind kineswegs, wie bad oft angenommen wird, unkultiviertes, verkehrsarmes Heideland, sondern landwirtschaftlich ebenso vorgeschritten, wie daS Übrige Deutsck^ land, in manchen Gegenden sogar austerordentlich fruchtbar und ertragreich - In den neuen Siedelungen leben heute 131000 Personen. Kirche, Schule, Wirtshaus baut in den neuen Dörfern der Staat auf seine Rechnung, auch für Arzt und Apotlxcker werden Gebäude ausgeftihrt. Im Jahr 1910 wurden 1580 Familien mit (.000 Köpfen angesiedelt. Es fehlt allmählich an Land, nicht an Menschen. Daher beginnt man mit dein Zerschlagen von Staatsdomänen.
Nicht alle Ansiedler gedeihen auf dem neuen Grunde, manche kehren zurück, weil sie sich in der Fremde nicht zurechtfinden, sich nicht aupassen rönnen. Im allgemeinen aber ist die Entwickelung gut. Die Ansiedelungsgüter steigert im Preise bei ordentlicher Bewirtschaftung. Der Bodenpreis ist auf das vier- und fünffache gestiegen. Der Vichstand hat sich ungeheuer durch die zahlreichen Bauerngüter gehoben. Der Bestand an Rindvieh und Schweinen ist um da- acht- und zwölffache gesttegen.
In den Landstädten sind Molkereien gegründet, in die bäuerlichen Wirtschaften kommt durch den regelmästigen Verkauf von Milch das notwendige Geld. Die Molkereien verarbeiten täglich etwa 1000 Liter Milch. Die Butter geht duf den Berliner Markt, die entrahmte Milch in bie bäuerlichen Wirtschaften zurück. Die
begnfigen will, wird dies gegen äusterst mäßige Bedingungen möglich gemacht Er kann durch Abzahlungen in absehbarer Zett bie Pachtung als Eigentum erwerben.
Der anspruchsvollere Siedler must 5000—8000 Thrrf bare^ Geld in Händen haben, um ein Grundstück von 15—30 Hektar erwerben zu können. Die Bedingungen der Uebernalnne sind so erleichtert, daß sie icder ordentliche Wirt, tontn ihn kein aufeer- ordentlicheS Unglück trifft, erfüllen kann. Die Schuld, die er auf sich nimmt, ist unkündbar, die Rente austerordentlich Niedrig (2 Prozent).
Wenn irgend angängig, siedelt man zwischen uiddeutsch. Bauern solche aus der Provinz Brandenburg an, Sachten zwischen Westfalen. So kommen sie erfahrungsgemäß am besten miteinander aus und regen sich wirtschaftlich gegenseitig in dieser Mischung am besten an.
DaS Genossenschaftswesen kommt bei den Ansiedlern sehr zur Geltung. Von Molkereigenossenschaften wurde bereits gesprochen. Aber auch Spritgenossenschaften bilden sich. Die Siedler bringen ihre Kartoffeln zur Brennerei und nehmen die als Viehfutter werwolle Schlempe in ihre Wirtschaft mit zurück. Genossenschaftliche Kaufhäuser liefern alles, was die Siedler bedürfen, vom Baustein biS zur Pelzmütze. KornhauSgenofsenfchaften vermitteln den Verkauf des Getreides und liefern Kraftfutter, genossenschaftliche Brotbäckereien forgen für den täglichen Bedarf.
Der Redner kommt jum Schluß. Er rät jüngeren Söhnen von Bauern, die ihre Militärdienstzeit hinter sich haben, und Über 5000—8000 Mark verfügen, sich in der Ostmark eine neue »eutsche Heimat zu gründen, unter Erleichterungen, die ihnen die alte Heimat nicht bieten Cann. Er schlägt vor, man möge sich in Trupps von 5—10 Personen zusammentun und sich die Gelegenheit ansehen. Die Reise von Frankfurt a. M. bis ins An- siedelungSgeviet kostet 3. Klasse zirka 21 Mark. In Kassel wohnt der Vertreter der Königlick)en AnsiedeluitgSkonnntssion, ein Herr Schaumberg, Schönfelderstraste 7. Dieser Herr, bei dem man ich arnnetben mag, sorgt für die Führung. Der Aufenthalt im AnsickelungSgebiet zum Zwecke der Besichtigung ist kostenlos.
Durch die Aussprache wurde noch manche Aufklärung ge- chasfen. Die Vorteile, die der preußische Staat dem Siedler bietet, sind tatsächlich so groß, baß sie verlockend wirken müssen. Was kann bei uns ein lunger, fleißiger Bauer mit 5000 bis 8000 Mark anfangen. Dafür erhält er kaum eine enge, in ihrer Anlage unzweckmäßig gebaute Hofrerte. Und dann beginnt erst »er öanbkaus ober bie Pacht zu in hohem Maste übertriebenen Preisen: der Morgan Acker 1500 Mark, Wiesengelände zu 2000 Mark, unb Wiese unb Acker sind nicht einmal immer zu haben, da muß erst die Gelegeirheit zum Ankauf abgepaht werden, oft an den Grenzen der Gemarkung, eine halbe Stunde vom Dorfe. AuS den Händen der Ansiedelunaskommission erhält der Siedler vor seiner Haustür gelegenes Gelände von guter Qualität zu 250 Mark den Morgen. Es stellte sich heraus, daß schon Land- torrte cru5 dem Kreise Büdingen sich in der Ostmark angesiedelt haben. Andere, wie z. B. Pfarrer W. von Ranstadt, waren in die Provinz Posen gefahren, um sich das Ansiedelungsgebiet an- -usehen. Dieser Herr rühmte auch die durch die Siedelungen so vorteilhaft txrpnberte Landschaft ‘mit ihren größeren oder kleineren malerischen Seen.
Wenn auch der Vortragende immer wieder betonte, er wolle nicht zu viel versprechen, nicht zu rosig schldern, immer kam bet ihm doch wieder zum Durchbruch die Freude, die er empfand über die bei uns noch zu wenig bekannte gewaltige Ausdehnung der erst feit 1886 im Gange befindlichen planmäßigen Besiedelung der Ostmark mit deutschen Bauern. Der Vortrag hatte nicht zum Zweck, Reklame zu machen für die Ansiedelung in der Ostmark. Man muß aber doch int Vaterlande Bescheid wissen über Vorgänge, die geeignet sind, daS Deutschtum im Reiche zu pflegen und zu örbern.
Die Ansiedelungskvmmission geht folgendermaßen zu Werke. Sie kaust beisvielSw. ist eine Besitzung von 12 000 Morgen für 2 Millionen Mark. Zunächst werden nur diesem Besitz alle Lästen äbgclöfl, die Ghcnjc«, die ost sehr imfubct sind, festgeftellt, nicht selten auf dem Prozeßwege 9hm beginnt die planmäßige Melioration der ganzem Fläche. Sümpfe, nasse Feldlagen, sumpfige Wiesen roerben in großem Stil entwässert, unnötige Gräben, Wege verschleist. Dann folgt der Dantpspslng und stürzt das untere zu ofrerft. Nicht feiten werden größere Fläck»en durch (Sträflinge rajolt, um schlechten Boden »u versenken und guten obenauf zu bringen. Nun beginnt der Geometer Straßen und Wege al\mftccfcn. Die geeigneten Plätze für die Dorfanlage werden feftgcstellt. Die Bauernstellen von 30, 40, 50 bis 120 Morgen passend abgeteilt Die Käufer dieser Flächen wohnen meist nicht tm Dorf, svitdern auf ihrem erworbenen Besitz. Im Dorfe sollen in erster Linie die Handwerker wohnen, betten Ackerflächen von 10 bis 12 Morgen unmittelbar am Dorf zugewiesen werden.
Man ist bemüht die deutschen Siedelungen abzurücken von alten polnischen Siedelungen. Der Einfluß der Polen und besonders der Polinnen ist den deutschen Altsiedlern verderbt ick». Schon Bismarck sprach tm Deutschen Reichstage über die geraden unfreinilid)cn Einflüsse der immer liebenswürdigen und oft schönen Polinnen, die es verstünden, aus guten deutschen Männern schlechte Polen zu machen.
Der Vortragende schildert den Polen als im frohen Grabe unmäßig im Genuß von Branntwein. Die Quantitäten, bie ein Pole zu sich nimmt, ohne gererbe stark betrunken zu werben, scheinen uns unglaublich. Nicht selten begegnet es bem Reisenben, daß die Pferde vor dein Magen ober Schlitten in her Dunkelheit plötzlich stutzen unb halten. Dann liegt sicher ein sinnlos betrunkener Pole im Wege, der da seinen Rausch ausschlafen will.
Die Ehen der Polen sind in der Regel ganz außerordentlich gesegnet. 15—18 Kinder in der Familie bilden die Regel. Viele der Kinder sterben wieder loeg bei der ungeordneten Lebensweise. Was übrig bleibt, erweist sich als außerordentlich zähe und widerstandsfähig.
Aber auch die Eben der deutschen Ansiedler gedeihen gut. 6—8 Kinder finden sich ziemlich regelmäßig ein. Der Kindersegen wirb als ein Glück angesehen Ist boch ber deutsche Einsiedler vorzugsweise auf seine eigene Kraft und auf die seiner Familie angewiesen in der Bewirtschaftung seines Besitzes.
Der Odometer hat also die zu besiedelnde Fläche in die ent- sprcclnnde Anzahl von Bauerngütern eingeteilt. Die Flächen werden durch die Verwalter bestellt, etwa so wie sie der neue Ansiedler bestellt hoben itxlrbe, wenn er schon da wäre und gekauft hätte. Die Ansiedler tvmmen nun im zeitigen Frühjahr in Trupps an, um die Grundstücke zu prüfen. Ter Verkauf geht in der Regel rasch, um recht gutes Gelände reißt man sich geradezu. Der Vertrag wird geschlossen, der Käufer reift ab, um seine Verhältnisse zu Hause vollends zu ordnen, und um seine Familie und den alten HauSrat zu freien.
Der Vortragende rät. nicht zu viel alten Hausrat milzu- bringen unb nicht zu viel Ansprüche.
Kommt eine Ansiedlerfamilie mit ihrem Kram an unb bat fic sich wie selbstverständlich angemclbd, so wird sie an der Eiten- babmtatinn von den GulSgespanneu unb den zum Umlabtn erforderlichen Arbeitern erwartet, und mit ihren Sachen i»gleich ftchcr unb unentgeltlich auf baS Ansiedriungsgut gebracht Der Ans,edler, der tm ersten Jadrc wegen des ^dofteaufbaues noch tnchl selbst ernten kann, erhält bis zur ersten Ernte, abari'ben vorn Saatgut, Ptund- und 'ötmcbaftoDorrat für sich unb ferne fvamihe unb fern Vied unnitgelrhch. Je na* ben Verbaltntssen erhält der Aniiedler nn oder zwei oder bm Frenahre. b h er bezahlt tn dieser Zeit weder Rente, noch Steuern, noch Zinsen
Zur Anstedelung ist geeignet jeder gut beleumundete deutsche Bauer, Bauernsohn. Landar.niter und ländliche Handwerker, ber mit ei gern 1 Hand die Scholle bebauen kann unb will. Auch dem Landarl . ilcr, der mit der Pachtung einer Hnntn Stelle, auf der die Wohnung bereits errichtet ist, sich mit SRotgeu
pflegen. Ter Verein, der eine beträchtliche Anzahl von Thtglicbem ausweisen kann, wird am kommenden Sonntag ferne erste Wanderung oeranftoUen.
Arbeiterbewegung
w. Wiesbaden, 16. März. Heilte abend treten nach vor- ausgeganaener -Itägiqer Kündigung^fänitliche Spengler- unb Jn- uallateuraehilfen in den Ausstand, eie verlangen eine Erhöhung des Slundenlovnes um 3 Plg. und eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde. Die Innung hat ein 23erfranbein mit den Gehtllen abqelebnt.
Luftdcyiffahrt.
Dortmund, 16 März. Die Gemeinden Wanne, Eickel und Herten haben zusammen mit dem Grafen Droste zu. Nefselrodc eine Flugplatz-Gefell schäft mit 800000 Mark gegründet. Der Flugplatz wird auf dem Hertener Gebiet in Größe von 300 Morgen sofort eingerichtet und zu Pfingsten in Betrieb genommen Neben den für ben olugplatz erforderlichen Bauten wird sogleich eine eiserne, transportable Ballonhalle errichtet werden. Die neue Flugplatz-Gesclsscbaft hat bei der Luftverkehrs-Gesellschaft den im Bau befindlichen P. L. 12 bestellt.
Heidelberg, 16. März. Das Heidelberger Tageblatt" veröffentlicht heute einen Aufruf zur Sammlung einer Heidelberger Spende für einen deutschen Militärflugapparat. Tie Gesamtsumme soll dem Kaiser überreicht werden mit der Bitte, daß aus ihr ein Flugapparat beschafft werde, der, wenn möglich, den Namen „Heidelberg" trägt. Es sind bereits am ersten Tage aus allen Kreisen der Büraer- schaft Spenden im Gesamtbeträge von über 10000 Mark gezeichnet Iworden.
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Kleine Lageschronik.
Bei Mülheim (Rhein) überraschte am Freitag abend gegen 11 Uhr der Posten des Forts Nr. 11 drei Arbeiter bet einem Einbruch in bie Kantine. Ztvei versuchten zu entfliehen, -vährenb ber brittc sich ergab. "Der Posten verfolgte bie Fliehenben unb schoß sie nieder, da fic auf breimaligen Anruf nicht stehen blieben. Beibe waren sofort tot.
In ber Kaserne auf bem Truppenübungsplätze Grafenwöhr stahlen 25 Arbeitssolbaten nachts Bier au3 ber Kantine. Sie gerieten in eine wüste Schlägerei, verweigerten bem WachthaLenben ben Zutritt zur Stube unb bebrohten ihn unb ferne Leute mit Totschlag. Als die Tür etngestoßen wurde stellten sie sich schlafenb. Fünf würben in Haft genommen, wo sie alles zertrümmerten.
Ein heftiger Sturm wirb von ber maurischen Küste im Silben Marokkos gemelbet. Ein in Eeuto eingetroffener Fischbampfer bringt bie Nachricht, baß ein italienischer Dumpfer tn ber Mhe ber Bucht von Almanza gescheitert sei unb sich in gefährlicher Lage befinbe. Der Dampfer habe Boote inS Meer gesetzt, welche sofort kenterten. Alle Insassen bis auf einen seien umgekommen; anbere Reisenbe seien an Borb geblieben^ boch sei eS unmöglich, zu Hilfe zu kommen.
In W i e n ist am Samstag bie 2. Internationale Koch« kunstausstellung eröffnet worden.
In Sarajewo veranstaltete wegen Ausschließung eines Schülers ein Teil ber Gymnasiasten einen Streik. Eine Scf>ar von etwa 15 Schülern verließ bie Anstalt unb brang später, nachbem sie burch Realschüler verstärkt würben, wieder in das Klassenzimmer Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Auch die Gymnasiasten in M 0 st a r streikten vor einigen Tagen.
Aus Taganrog wird gemeldet: Auf ber Zeche „Ito- lianka" ereignete sich eine schwere Gasexplosion 49 Leichen würben geborgen, zehn Arbeiter erhielten schwere Branbwunben.
Ms Genbarmen in bem KlosterPenvueste bei Lori en t erschienen, um zwei Nonnen, bie wegen Kur- pfus chcrei verurteilt waren, zu verhaften, wibersetzte sich bie ganze Bevölkerung, bie in Waffen um bai Kloster versammelt war, bem Einbringen ber Gen barm en, so baß bicse unverrichteter Sache abzogen.
Handel.
"GewerkschaftDießenerBraunsteinbergwerke vorrn. Fernte. Die ordentliche Gewerkenversammlung, die am Samstag mittag im WerkSdureau auf dem Oberhof ftatifanb, tn der 79d Kux« vertreten waren, genehmigte den RechnungSadfchtuß voin 81. Dezember 1911 und erteilte dem Äriibenvorstano und der Direktion Entlastung. AIS Rechnungsprüfer für 1912 wurden die Herren Karl Weiß-Siegen und Direktor Kistemann vom Schaff- baufenfchen Bankverein Bonn beslimmt, atS deren Stellvertreter Prokurist Schroeder, Banner Bankverein Tuffeldorf, und Jofef Otten, Geschäftsführer der Rheinifch-Weftfältfchen Diskonto-Gefell- fchaft Aachen. Für das verstorbene langjährige GriidenvorstaiidS- mitglteb Hch. Ref-Fiankfurt a. M. würbe Generaldirektor a. D. Karl Müllcr-Kaffel, früher Friedrich-WilhelniSbülte-Atühlheini a. R, neugewähll. Tie Aussichten für daS laufende Geschäftsjahr bezeichnete ber Vorsttzenbe beS GrudenoorfianbeS, Juflizral Grünewald, alS günstig. Der Versand fei bi« heute schon um mehr al« lOOüO Tonnen höher al« im gleichen Zeitraum de« Vorjoöre«; treten keine unvorhergesehenen Ereignisie ein, hoffe man der nächst» tährigcn Gewerkenverjamnilung einen guten Abschluß verlegen zu können. Die verbreitete Nachricht ivegen Fusion der Grube mit einem Hüttenkonzern entspreche nicht den Tatsachen, e« seien aber Verhandlungen im Gange, die den Absatz etnefl erheblichen Teil« der Förderung auf Jahre hinaus stcherstellerr sollen.
Meteorologische veobachtungender Station Sieben.
Höchste Temperatur am 16. bi« 17. März — + 6,9 * C.
Niedrigste , , 16. ,17. , ■4- 0,3 • C.
Niederschlag: 1,0 mm.
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