Ausgabe 
20.4.1912 Viertes Blatt
 
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viertes Blatt

162. Zahrgang

Nr. 93

Gießener Anzeiger

(Frldjetnt lLaUch mit Aufnahme bet Sonntag».

DieLandwttNchgftttchen Lett-

wöchentlich.

General-Anzeiger für Oberhejfen

tragen" eriehernen monatlich jroeunaL

DieteUener tfamllicnblärttr" roerben dem .Anzeiger* viermal wöchentlich deiqeleql, daß Kretsblan für den Kreis Lietzen" zweimal

Samstag, 20. April (9(2

Roialionsdrua und Verlag der Brühl'tchen UniDcrfuätS Buch» und ©lembvudereL 9L Lange. Dieben.

Redaktion, (^xoebihon und Druckerei: 6chul- stratze 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:112. Tel.-Adr«AuzeigerDleben.

Aus Stadt und Land.

6) i e ü e n, 20. April 1912.

Schutz den Waldungen.

Ein weiter Kranz von Wäldern umschließt unsere Stadt. Tausende ziehen an Sonntagen hinaus in den Wald, dieser Stätte der Erfrischung und des Naturgenusscs, die sich einer besonderen Pflege durch unsere Forftverwaltung erfreut. Soll der Wald dauernd seine große Aufgabe er füllen, so bedarf er des Schutzes, nicht allein des Schutzes durch besondere dafür bestellte Beamte, sondern des Schuttes durch die Gesamtheit. Jeder wahrhafte Naturfreund wird darüber empört sein, wenn er jetzt, wo es allerwärts zu grünen und blühen anfängt, beobachten muß, wie rück­sichtslos vorwiegend das weibliche Geschlecht und Kinder Bäume und Sträucher plündern, Blumen mit den Wur­zeln ausreißen! Wie schnell werden die Blumen meist achtlos beiseite geworfen! Und welch l)äßlichen Eindruck macht es, wenn man an einem hübschen Aussichtspunkt angelangt, sich auf eine Ruhebank niederläßt, in der Um­gebung massenhaft Einwickelpapier, leere Flaschen, Eier- und Orangensck>alen Herumliegen sieht. Eltern und Lehrer könnten und müßten da mehr belehrend eingreifen! Jeder Waldbesucher sollte folgende Regeln beobachten: Laß den Gewächsen des Waldes ihre Zweige, Blätter und Bütten; sie sind der Schmuck des Waldes, sollen noch viele er­freuen und neues Leben bilden. Abgerissen, welken sie rasch, dienen niemand mehr zur Freude, werden meist bald weggeworfen, das beschädigte Gewächs aber verküm- mert Schiit keine jungen Wtpflcrnzungen, locken dich auch die schönsten Beeren und Blumen, denn du siehst die jungen Pflanzen nicht, die zu Bäumen heranwachsen sollen. Die Zerstörung, die dein Fuß dort anrichtet, ist noch nach Jahren kenntlich. Laß Zeitungen, Frühstücks­papiere und sonstige Abfälle nicht auf Wegen und Ruhe­plätzen Herumliegen; balle sie zusammen und wirf sie in Tickungen oder vergrabe sie in Moos oder Laub; zer­schlage auch keine «ausgetrunkenen Flaschen, sondern lege sie beiseite in den Wald. Denn was ist häßlicher, als wenn einzelne Stellen im Walde aussehen wie Sammel­plätze für Abfälle? Gebe mit Feuer und Zigarren recht vorsichtig um. Bei trockenem Wetter kann jede brennend weggeworfene Zigarre und jedes glimmende Streichholz einen Waldbrand verursachen. Störe die Tiere des Waldes nicht; alle fürchten den Menschen als ihren größten Feind. Die Berührung durch Menschenhand kann die Mutter ver­anlassen, ihr Junges oder ihre Eier zu verlassen und so dem Verderben zu weihen. Nimm deshalb auch deinen Hund an die Leine, wenn du nicht ganz sicher bist, daß er keinerlei Jagdlust hat.

Hessischer Richterverein. Die diesjährige ordent­liche Hauptversammlung des Hessischen Richterverems findet am SamStag, den 18. Mai, in Gießen (Gesellschasts- vcrcin) statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Geschäfts­bericht des Vorsitzenden. 2. AuSgewählte Fragen zum Ent» rvurf deS St.-G.-B. (Deutsche Nichterzeitung von 1912, Nr. 2). 3. Bericht über die Rechnung für 1911; Entlastung deS Rechners. 4. Bericht des Schriftleiters der,Hessischen Recht- sprechung*. 5. Besprechung über Einrichtung von Fortbildungs­kursen. 6. Verlosung von Büchern unter die anwesenden Mit­glieder des Vereins. 7. Bestimmung deS OrteS der nächsten Hauptversammlung; Vorschlag: Darmstadt. 8. Sonstige Vereinsangelegenheiten.

**DerMitteldeutscheSängerverband, der sich rn erster Linie die tatkräftige Pflege des Volksliedes und mittelbar dadurch auch die Förderung der Heimat- Pflege und die Veredelung der Volksunterhaltung zur Auf­gabe macht, hält seine diesjährige Verba ndsversamm- jung unter der Leitung seines 1. Vorsitzenden, Provin- zialdirektor Geheimerat Dr. ll sing er, am Sonntag, den 12. Mai, nachmittags 31/2 Uhr, int Restaurant Metropole «Blockstraße) in Gießen ab. Der Versammlung geht eine Vorstandssitzung .in demselben Lokal voraus. Das dies- lährlge B e r b a u d s f o st ist für Sonntag, den 4. August in L i ch geplant. Dem Verband sind auch im verflossenen

Grauen-Feuilleton.

Allerlei von der neuen Hutmodc.

Zum Schneiderkleid ist jetzt auch derSchneider- 1jut" gekommen, der im großen und ganzen denselben Stil vertritt, den das Schneiderkleid zeigt. Auch bei ihm "huldigt man dem Grundsätze der Einfachheit. Jedes Ueber- slüssige, alles Auffällige wird vermieden, und gerade darin liegt'fern Reiz. Und dann noch eins? Er läßt den indi­viduellen Neigungen freien Lauf. Ueberhaupt scheint die Ttiraniim Mode mehr und mehr ihre Macht verlieren zu sollen; man beginnt den Grundsatz gelten zu lassen, daß jede Dame das tragen soll, was.ihr steht. e>o eignet sich gerade für manche Dame ein Hut, dessen eine Seite größer -ist als die andere, und wiederum gibt es andere Hutfor­men, hei denen eine Seite in die Höhe geklappt werden muß, um die Trägerin reizvoller erscheinen zu lassen. Allen diesen Individualitäten kann beimSchneiderhut" Rechnung getragen werden.

Zu einem Mantel gehört notwendigerweise ein großer, lozusagen phantastischer Hut, der sich eben dem ganzen Nahmen anpaßt. Ader zum Schneiderkleid, das bie For­men zum Ausdruck bringt, bedarf die Dame eines Hutes, Hessen Größe über das Mittelmaß nicht hinausgeht, da sonst die ganze Erscheinung beeinträchtigt wird. Selbst­verständlich gibt es überall Uebertreibungen. Wenn kleine hüte Mode sind, so gibt es immer Damen, denen die hüte nicht klein genug sein können, und umgekehrt. Ader um Modegesetz können solche Extreme niemals werden. .Fm allgemeinen wird der Strohhut aus ziemlich rauhem Material hergeftellt, und zwar ist bezüglich der Farben den persönlichen Neigungen der weiteste Spielraum ge­lassen. Der spärliche Besatz, der manchmal nur aus einer ' mrporstehenden Aigrette besteht, läßt die Farbe deutlich yum Vorschein kommen, und gerade die glänzendsten.Farben- chattterungen werden bevorzugt. Besonders Grün, Blau,

Jahre wieder neue Vereine beigetreten, was beweisen Dürfte, daß seine Bestrebungen immer mehr Anklang bei den Sängern finden.

"In Amerika verstorbene Hessen. Frau Helene He idels berger, 88 Jahre alt, aus Lampertheim, in Chick». cothe (Ohio); Phil. Wildert anS Löhrbach, in Quincy; Hg. Schmidt, 75 Jahre alt, auS Rodheim, in PittSburg; Fran Maria R. 9he §, 74 Jahre alt, an§ Ober-Seemen, n Carrick, nahe PittSburg; Lari Hch L 0 hl ha a S, 61 Jahre alt, aus Erbach, in Brooklyn, R.-P.; Wilh. (Sibert, 65 Jahre alt, ans Wendelsheim, in Brooklyn, R.-P.

Starkenburg unD Rheinhessen.

bs. Darmstadt, 18. April. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Beratung des H au p t v 0 r a n schl a g e s für 1912. Stadtv. Henrich erstattete den Bericht des Finanzausschusses. Er führte folgendes aus: Der Voranschlagsentwurf schließt um rund 80 000 Mark ungünstiger ab als der für 1911. Eine Verschlechterung der Finanzlage gegen 1912 wäre budgetmäßig nicht zutage getreten, wenn bei Aufilellungg des Voranschlagsentwurfcs das Ergebnis der Steuereinschätzung für 1912 bereits bekannt gewesen wäre. Da letzteres ein Mehr an Gemeindesteuer von rund 78 000 Mark aufrocift, so kann in Wirklichkeit von einer Ver­schlechterung nicht gesprochen werden. Die Steigerung der Verwaltungsausgaben hält sich in mäß gen Grenz n. Es darf dies zugleich als ein Beweis dafür gelten, daß die Bürgermeisterei ernftlid) bemüht ist, nach Kräften zu sparen. Es wird auch weiterhin nicht darauf verzichtet werden können, Vorsicht und Zurückhaltung in der Bewilligung neuer Ausgaben zu üben. Wenn mich 1910 mit Hilfe einer ganz erheblichen Steuer­erhöhung nicht nur ein .Ausgleich für das wegfallende Oktroi auf Lebensmittel und für den ungünstigen Einfluß der wirtschaft­lichen Krise auf die Finanzen der ^tabt geschaffen, sondern auch die Solidarität der städtischen Finanzen durch eine geregelte Fonds­bildung bedeutend verstärkt wurde, so kann immer noch nicht die Rede davon sein, daß die Stadt das Uebergangsstadium, in dem sie sich aus Anlaß mancherlei liefeinschneioeiider wirtschaftlicher und gesetzgeberischer Maßnahmen b.finbct, nun überwunden habe. Es bestand lein Zweifel darüber, daß die Neuordnung für die Uebergangszeit nicht ohne ungünstigen Einfluß auf die städtischen Finanzen bleiben werde, ein Einfluß, der noch ungünstiger in die Erscheinung getreten wäre, wenn die Stadt die nicht mehr aufschiebbaren wirtschaftlichen Maßnahmen (Vereinheitlichung der Straßenbahnen, Ausbau des Vvrortsverkehrs, Herabsetzung des Preises für elektrischen Strom, Erbauung einer elektrischen lieber- landzentrale) auf ihr eigenes Risiko ausgemhrc hätte. Obwohl die neue Gesellschaft mit Wirkung vom 1. April 1912 ins Leben treten soll, so ist doch der Voranschlag in Bezug auf die hier in Betracht kommenden Betriebe noch in der bisherigen Weise aus­gestellt. Die als Mlieferung des Elektrizitätswerks eiligeftcllte Summe von 128 000 Mark (58 000 Mark mehr als im Vorjahr, trotz voller Abschreibung bei dem neuen Werke, entspricht zugleich dem Jahresettrag, der für die Vecwaltungseinn-ahmen des städtischen Budgets aus dem Elektrizitätswerk von der Hessischen Eisenbahn­gesellschaft sichergestellt ist. Der in Höhe von 16 000 Mark vor­gesehene Zuschuß zur städtischen Straßenbahn wird zwar in dieser Form nicht zur Tatsache werden. Da aber unter Umständen nicht ausgeschlossen ist, daß das Aktienkapital der neuen Gesellschaft in den ersten Jahren keine volle Verzinsung in der Dividende erreichen wird, so ist mit dem eingestellten Zuschußbetrag die Deckung für einen etwaigen Dividendenausfall geschaffen. Es entspricht das der Annahme einer 3Vi prozcntigen Dividende für den städtischen Anteil an dem Aktienkapital der Gesellschaft. Die Herabsetzung des U (Verschisses des Gaswerkes um 20 000 Mk. ist auf den Ausfall an Gasverbrauch infolge Wegfalls der alten Bahnhöfe zurückzuführen. Der ungünstige Einfluß auf die städtischen Finanzen, der für die nächste Zeit aus dem Berttage mit der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft zu erwarten ist, besteht hiernach nicht in einem Rückgang der Einnahmen aus den städtischen Betrieben, sondern er ist in der Richtung zu vermuten, daß man für einige Jahre auf die regelmäßige Steigerung dieser Einnahmen zu verzichten hat. Angesichts der soliden Grundlage der Finanzen könnte dann im Vertrauen auf die natürliche Steigerung der Steuereinnahmen bei Betätigung strenger Sparsamkeit mit Ruhe entgegengesehen werden, wenn nicht bereits wieder neue größere Ausgaben in naher und sicherer Aussicht ständen. Durch die bei den Landständen eingebrachte Besoldungsvorlage wird die Stadt nicht nur durch die Gehaltserhöhung für die Lehrer an den von der Stadt unterhaltenen höheren Schulen in Mitleidenschaft gezogen, es ist vielmehr eine weitere Belastung durch Ausdehnung der Beitragsvflicht der Städte auf die Gymnasien in Aussicht! genommen, die für Darmstadt etwa 70 000 Mark im Jahr aus- machen wird. Im Anschluß an die Besoldungserhöhung der Staats­beamten und der Volksschillehrer ist eine Erhöhung der Bezüge der städtischen Beamten, Lehrer und Arbeiter nicht länger zu

umgeben. Wenn ftB and) als ausgeschlossen gelten muß, daß die Stadt hierin mit dem Staate glcidum Schritt hält und wenn sich darnach die städtischen Beamten zum Teil an den Gedanken gewöhnen müssen, von ihren staatlichen Berufsgenossen im Ein­kommen überholt zu werden, so ist dock) damit zu rechnen, daß die Stadt mit einer geringeren Summe als 200 000 bis 250 000 Mk. nicht auskommen wird. Kommt diese Erhöhung bereits für 1912 in Betracht, so kann sie für die»es Jahr ohne Stcuererhöhimg burdmcfülnt werden, 'da der Barüberschuß des Jahres 1910 mit 569 199,58 Mark hierfür in Anspruch genommen werden kann. Audi in Zukunft muß der Grundsatz aufrecht erhalten bleiben, dauernde Ausgaben nur auf dauernde fidjerv Einnahmen zu grün­den. In welcher Form das Dorti nächsten Jahre ab zu gesch.hen hat, wird sich erst genaue r sagen lasten, wenn bi. oben ange beuteten veränderten Verhältnisse im Finanzhaushalt der Stabt (Eisenbahngesellschaft und Gemenidesteuerresorm) in ihren Wir­kungen deutlicher übersehen werden können Die allgemeine Be­sprechung war nur kurz. Sozialdemokratische Vertreter erklärten sich im Namen ihrer Partei bereit, einer von Jahr zu Jahr gering steigenden Steuererhebung znzustimmen, um die Beamtenbesoldung durchzuführen. Oberbürgermeister Dr. GI ä f f i n g konnte sich damit nidtf befreunden, da eine Steuer erböhung, die sich wenn audj um ein Geringes in jedem Jahre wiederholt, sehr unbeliebt fein würde.

Arbeiterunruhen.

107 Mann getötet.

Irkutsk, 18. April. In den Goldwäschereien der Lengesellschaft kam es zu ernsten Arbeiterunruhen. Zur Unterdrückung des Aufstandes wurde Militär ans- geboten. Die Soldaten schossen und töteten 107 Arbei­ter und verwundeten 80.

Metz, 18. April. Gestern nachmittag unternahmen zwei Flieger der hiesigen Fliegerstation aus einem Ein­decker und einem Zweidecker einen Flug nach Dicdenhvsen. Bei dem Versuch, zu landen, erlitt der Taube-Apparat mit Leutnant Braun einen Unfall. Weyen der dichten Men­schenmenge sah sich der Flieger genötigt, die Landung da­neben, auf einem Sturzacker, vorzunehmen, wobei die Ga­bel brach. Die Ausbesserung wurde an Ort und Stelle ausgeführt, worauf der Apparat wieder auf dem Luft­wege nach Metz zurückkchrte.

Bis an die Grenze

des Erlaubten wird die Packung von Scotts Lc- bertran-Emulfion vielfach nachgemacht, um ja den Eindruck des Originalprä­parates zu erivccken. Man hüte sich vor solchen Nachahmungen und bestehe darauf, die echte Scotts Emulsion zu erhalten, wenn man sein Geld nutz­bringend anwenden will.

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die sich seit 35 Jahren bewährt hat.

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Ambra- und Kirschfarben erfreuen sich der größten Beliebt­heit. Die Hutform der Saison ist aber unstreitig ein Mo­dell, das mit dem sogenanntensteifen H e r r e n h u t" am meisten Verwandtschaft zeigt. Vielleicht gerade wegen des männlichen Anstriches, den er feiner Trägerin ver­leiht, vielleicht aber auch wegen feiner Einfachheit hat er solch großen Erfolg gehabt. Trotz der prächtigen Far­ben, die die Hüte zeigen, hat der schwarze Hut seinen Vor­rang nicht verloren. Besonders die Französin, die über­haupt die schwarze Farbe äußerst schätzt, bevorzugt den schwarzen Hut zu allen möglichen Gelegenheiten.

An alle Hausfrauen

richten eine Anzahl von Handels- und Gewerbeverbänden, darunter auch der Verband der Tetaillisten-Vereine im Großherzogtum Hessen ein Rundschreiben, das sich mit dem Zugabeweien int Kleinhandel beschäftigt und die Nachteile dieses Gebrauches aus- deckt. Wir geben die Ausführungen im Auszug wieder:

Seit längerer Zeit tritt im Kleinhandel die Unsitte zutage, eine Reihe von Verbrauchsartikeln mit Zugaben zu verkaufen. Viele Hausfrauen glauben ein Geschenk zu bekommen, wenn sie Waren mit Zugaben kaufen.

Tas ist ein großer Irrtum. Kein Kaufmann kann etwas verschenken! Wenn man etwasjugibt", so ist entweder der Kostenpreis der Zugabe auf den Preis der Ware draufgeschlagen, oder es wird versucht, geringwertige Ware, die man sonst nicht los wird, durck) eine Zugabe anzubringen. Jede Zugabe vei> teuert die Ware. Ter Wert einer mit Zugabe gekauften Ware entspricht daher nie dem gezahlten Preise.

Wenn gesagt wird, es würden Zugaben gewähtt, weil da­durch andre Reklame gespatt werde, so ist das ebenso falsch; denn das Geschäft in i t Zugaben erfordert ebensoviel Reklame wie das Geschäft ohne Zugaben. Dazu kommen noch die be­sonderen Unkosten für den Versand, die Verpackung der Zugaben, Tür verlockend ausgestattete Prospekte usw. Aber auch aus andren Gründen wird eine kluge Haussrau keine Waren mit Zugaben kaufen, nämlich:

1. Weil sie, um in den Besitz der Zugaben zu gelangen, die Gutscheine lange sammeln und ausbewahren muß; denn der

Verlust der Gutscheine ist gleichbedeutend mit dem Verlust an barem Geldc.

2. Weil sie sich nicht dem Zwange unterwerfen will, immer dieselbe Ware zu kaufen, auch wenn sie ihr längst nicht mehr zusagt: denn sobald sie eine andre Ware nimmt, sind die Gut­scheine wettlos.

3. Weck über die Ansammlung der ettoroerlichen Gutscheine längere Zeit vergeht und jede Gewähr fehlt, daß man dann noch die verlangten Zugaben erhalten kann: denn erfahrungs­gemäß sind manche Fabrikanten schließlich nicht in der Lage, die Gutscheine einzulösen.

4. Weil die Gutscheine keinerlei Vorteile bieten. Tie Haus­frau spart besser das Geld selbst das sie für reelle Ware ohne Zugaben weniger bezahlt. Sie kann dafür wittlich wertvolle Gegenstände nach eigener Wahl billiger kaufen.

5. Weil sie nicht durch Einkauf minderwertiger Waren die Lebenshaltung ihrer Familie Herabseyen will, und weil ihr iur die Ernährung ihrer Kinder nur die besten Erzeugnisse angesehener Firmen, die meist feine Prämien geben, gerade gut genug sind.

Bei denZugaben" wird aus die Leichtgläubigkeit der Frauen spekuliert, deren gesundes Urteil man durch Geschenke beein­flussen will.

Ter beste Beweis, daß der Zugaben-Schwindel" nur bardfcf abzielt, den Dummen das Geld aus der Tasche zu locken, ist die Tatsache, daß der redliche Kaufmannsstand diesen Unfug ausnahms­los auf das schärfste verurteilt. Ter Kausmann weiß genau, daß niemand etwas verschenken kann; er führte die Waren mit Zugaben nur gezwungen, weil es die Hausfrauen wollten Nun soll es aber anders werden! 23 große deutsche Tttaill'ä nfe Verbände mit weit über 1000 angeidilonenen Vereinen gehen dem Unwesen zu Leibe unb suchen zunächst die Hausfrauen aits- zuklären. Auch die meisten deutschen Handels- und ^l^rerbe- Kammern haben sich dieser Bewegung bereits angeschloss. : sie Törbern in ihren Bezirken burch ihren Einfluß diese auf Gesun­dung bes redlichen Handels gerichteten Bestrebungen, die das kaufende Publikum vor UcberDorteilung schützen sollen. Tie Haus­frau aber muß selbst auch das Ihrige dazu beitragen, sie muß Waren mft Zugaben ablehnen in ihrem eignen und auch im In­teresse der Familie.