Ausgabe 
14.12.1912 Sechstes Blatt
 
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Nr.1 95

Sechster Blatt

162. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?.

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uhuhL Mit Leib und Seele hingen seine Jäger an ihm, und der Meute war er ein freundlicher Herr, der selbst den bissigsten Kater

Tieeic&encr äannlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das KrcisHatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Ter Prinzregent und die Kunst.

Von seinem Vater, bem grasten Mäcen Ludwig I., war Luil pold die Liebe zur Kunst als ein heiliges Vermächtnis überkommen, das für immer in seiner Seele haften blieb. Schon ehe er als Landesherr der berufene Schüler der schönen Künste wurde, war er längst zu Münchens lrervorragenden Künstlern in enge Bezieh­ungen getreten. In einer künstlerischen Atmosphäre ausgewachsen, war ihm früh der Blick für die Welt des Schönen geschärft, hatte er die Bedeutung der künstlerischen Faktoren für die allgemeine Kultur erkannt. Zwanglose Atelierbesuche, wie er sie noch bis zuletzt gemacht hat, waren schon dem jungen Prinzen zur bewohn heil geworden. Wo ein bedeutender Künstler ein neues Werk fertig hatte, wo ein tüchtiger Anfänger der Aufmmiterung bedurft', da war er zur Stelle und wußte nicht nur zu helfen und Aufträge zu erteilen, sondern auch gut zu raten und int rechten Augenblick zu loben. Als Prinz erschien Luitpold allwöchentlich in dem alten Bürgermeistergarteu, einem längst dahingcschwundencnStück von Altmünchen. Als dann die Kegelgesellschaft in den Sciblgartcn übcrfiedclte, blieb er bis zum Jahre 1886 ein häufiger Gast. Bet günstlerfesteti war er stets dabei: wie wurde er bei den Ver instaltungen der Allotria bejubelt, wenn er erschien. Diese rege Anteilnahme an Münchens künstlerischem Leben, dieses stille Wirken für Münchens Kunst fanden ihren schönsten Ausdruck in der groß artigen Huldigung, die die gesamte Künstlerschaft zu Beginn des Jahres 1887 dem Regenten üarbrachte. Es war ein unoer gcßliches Bild, wie aus dem Meer der vielen tausend Fackeln der gewaltige Triumphwageti emporragte und die Königshymne in mächtigem dlnschwcllcn über den Residenzi'lan dahinflnteie. Was der Pr nz begonnen und versprochen, das hielt dann dec Landesherr in vollem Maste. Mit fernem Takt wußte er stets über den Parteien zu stehen und versagte sein Interesse nicht den empor - ringenden Mächten. In seine Zeit fiel ja die große Revolution der Malerei, jene Scheidung der Geister im Kamps um die Schön­heit. Ter Prinzregent bewahrte den alten Freunden seine Gunst, aber auch die neuen Männer, die jungen und modernen, fanden in ihm einen nie engherzigen Beschützer. Ter Sezession, die gegen die von Lcnbach geführte Künstlergenossenschaft auftrat, überließ er aus eigener Initiative das Ausstellungsgebäude auf dem Königs- plan. Ter nach ihm benannten Luitpoldgruppe, auch derScholle" nahm er sich an. Unter seiner Unterstützung erhob sich das Kunst- lerhaus, das eine» Mittelpunkt künstlerischer Festfreude bildete. Vor allem aber gelang es ihm, eine Kunstkimmission ins Leben zu rufen, die einen segensreichen Einftust auf die stilgemäße Wciter- entwickelung Münchens gcivtmncit hat.

Tierfreund und Jäger.

den Veteranen. Stets hat er ein offenes Herz und eine offene Hand für die alten Kämpfer, bewegte sich bei einem Kcller- seft wohl als der ehrwürdigste unter den Alten oder beging seiii Jubiläum bei seinem allen Artillerieregimcnt mit einemExer­zieren in alter Zeit", bei dem die alten .Haubitzen und Raupenhclmc aus dem Arsenal hervorgeholt wurden. 7 r

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Samstag, H. Dezember 1912

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Ter begeisterte Naturverehrcr, der Prinz Luitpold war, fand seine beste Erholung und Erfrischung in der Jagd. Dem Jüngling war kein Weg zu weit, lein See zu tief, kein Berg zu hoch gewesen, um des edlen Waidwerks zu pflegen. Alljährlich fuhr er zur Winterszeit nach Berchtesgaden, um hier auf steiler Halde den Gemsbock und den Hirsch zu jagen: auch im Allgäu war er ein l äufiger Gast und der Saujagd lag er im Hocksvessart ob, wo er sich im schönsten Revier ein einsames Jagdschloß erbaut hatte, ^tad: idem harten Tagewerk saß er dann noch lange mit den 'm um -

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Im äußeren Schicksal wie im inneren Wesen ist Prinzrezem Luitpold Kaiser Wilhelm I. ähnlich gewesen Auch er em schlichter Mann und eine eckst e Personlichkeii, auch er durch die Gebur: nicht eigentlich für den Thron bestimmt und doch int höchsten Sinne zum Herrschen berufen Aber nicht an die Stell, des älteren Bruders trat er, wie König Wilhelm, sondent er gehört, einer früheren Generation an als fein Reffe, der bäuerische König, iür den er die Regierung führen muffte. Weik in die Vergangen beii reichte sein Gedenken zurück: der erste König von Bahern batte ihn, den Enkel, muh auf den Armen gewiegt. Ten Vater hatte er aus den Thron steigen sehen und mit tief getroffenem Herzen erlebt, wie er im Vollgefühl seiner Kraft fteiwillig wieder herabstieg, um für seinen Lebensabend das freundlichste Glück in der innigen Häuslichkeit seines Luitpold zu finden. 2cm 8ruber hat der Prinz in Freud und Leid treu zur Seite gestanden, bis fick schließlich die Ahnung seines Vaters erfüllte, daß mich ihm, dem Trittgeborenen, ein Thron beschieden sein werde, mir seinen Söhnen Max und Otto. So war Luitpold gleichsam er selbst geworden mit der Entwicklung des Königreichs Bayern, aber über die Grenzen der Heimat hinaus hat sein Herz stets sür das größere Vaterland geschlagen, bittere Tage sind ihm be schieden gewesen, in jener Zeit von 1866, da er mit Preußen die Waffen kreuzen muffte. Wie glücklich war er dann vier Jahre später, da er am 20. Juli im Rainen deS Königs in der .'la nun er der Reick>sräte das entscheidende Wort für den Bund mit Preußen und den Krieg gegen Frankreich gesprochen hatte und die große Zeit von 1870 int Hauptguartier miterlebte. Mit seiner ganzen Persönlichteit hat er sich dann eingesetzt für die politische Entscheidung des schwankenden Königs Ludwig und so mitgeschaffen die deutsckie Einheit, die durch die Zustimmung Bauern besiegelt wurde. Mit den regiereitden Fürsten Deutsch landS huldigte der bayerische Prinz int Spiegelsaale von Ver­sailles dem neuen Kaiser, zog mit ein in das befiegte Paris und war an der Seite Kaiser Wilhelms, als die Sieger durch dos Brandenburger Tor seierlich zurückkehrten. Und als Regent hat cf dann treu zu Kaiser und Reick, gestanden. Tätigen Anteil nahm er an allen Sorgen und Bedürfnissen des großen, sich immer ! mächtiger entfaltenbcit Vaterlandes. 5o Ihit er u n f e r c r Flotte das wärmste Interesse entgegengebracht, wohnte der Erössnung des RoidostseelanalS bei und hat sich gefreut an der Tüchtigkeit der bayerischen Matrosen, die hinter den sceharten Söhnen der Water kant nicht zurückblieben. 'Roch inniger war er, der im nächsten Jahre sein 7 0 j ä h r i g c s G e n e r a l s j u b i l d u in hätte feiern können, mit seinem Heere verwachsen: er fühlte sich als Kamerad unter Kameraden und vielleicht am stärksten als Veteran unter

streichelte und fick) bon feinen Lieblingebuuoeu, dem gruudgeicheiien Pudel Sck.nauzel und dem lustigen Tackel Puschel ungern trennte. Als leidenschaftlicher Tierfreund freute er sich an jenen Eulen int Kleinhesscloher See, streichelte und fütterte Külte und Schate, denen er im Gebirge begegnete, hatte eine besondere Vorliebe iur das Tierbild. Selbst tu der Räbe von München, an der Isai, 1 attc er seinen Wildvark und fühlte sich nirgends so iwN wie int grünen Wald. So ist eine der sinnigsten Huldigungen hinter den -alllosen Tenlm.ueru, die man ihm errichtet, die Stanie in Bercktesgaden, die ibn in Weidmannstracht darstellt, mit der Büchse im Arm, wie er freundlich und milde ins Grane blickt . . .

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ov^ will »ii ivHui utiuuiyv^uu tuuiviii. Fest wurzelnd in heimischer vanen, tzlaudertc freundlich und zutraulich mit allen und schmunzelte Rahe und alter Erinnerung hat er sich bis zuletzt den Blick bewahrt gutmütig zu dem Irgerlateui, das er dann und wann zu l?orai auch für das weitere Teutschtum und sich als ein starkes Glied bekam. Mit Leib und ^eele hingen ,eme Jäger v"

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