Nr. 145
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
eines
■fall
Juli d. I.
Ausschuss
Virweilen schläst auch der gute Homer...
Ein-' reiche Auswahl aus den Fehlern, Entgleisungen, falschen Bildern und anderen Schnitzern, wie sie den Dichtern in ihrem Schaisensrausch in die Feder lausen, stellt Alüert C i in in der Revue
Ans Hessen.
Aus den Ausschüssen.
bs. Darmstadt, 21. Juni. Heute nachmittag trat der Finanzausschuß zu einer Sitzung zusammen, in
entnommen sind. Außerdem finden noch turnerifdK Vorführungen der beiden Gießener Turnvereine und eine Lon- dernorsübrnng der Damenadreilung des Wetzlarer Turnvereins im >ienlenschwingen stau Der Montag bringt außer einer Wiederholung des Festspieles und mehreren Vorträgen der vereinigten Gießener MännerGesangvereine turnerisckw Vorführungen und von nachmittags 4 Uhr ab ein Volksfest.
"Der Alldeutsche Verband wird nächsten Freitag, 28. Juni, abends, in Steins Garten einen öffentlichen Vortragsabend veranstalten, in dem AmtSgcrichtSrat Dr. Mahr ans Darmstadt über ,Burg Persen und daS Fersen- taP sprechen wird. Der Reinertrag wird zur Erhöhung deS im Winter für die Abgebrannten in Lusern, daS ja ebenfalls in Südtirol liegt und dessen deutsche Einwohner dringend noch weiterer Unterstützung bedürfen, eingegangenen Betrages verwendet werden. Ter Vortrag wird durch Lichtbilder er< läutert sein.
" Eine Versammlung der Eisenbahn-Ober bau ar beiter findet, wie man nnS schreibt, morgen nach mittag im Lenz'schen Felsenleller statt. Ter junge Verband der deutschen Eiscnbahn-Oberbanarbelter, Sitz Halle, hat in den drei Jahren seines Bestehens einen großen Teil der Eisenbahn-Oberbauarbeiter in sich vereinigt. In nächster Nähe von Gießen sind große BezirkSocreine entstanden und die morgige Versammlung soll dazu beitragen, den noch abseits Stehenden die Bedeutung des organisatorischen Zusammenschlusses vor Augen zu führen.
Kreis Büdingen.
(?) Lindheim, 20. Juni. Zum zweitenmale innerhalb weniger Wochen hat sich am hiesigen Bahnhof ein UnglüekSfall zugetragen. Von dem nahen Hofgut Heng- heim waren mehrere Gespanne zum Ausladen von Steinen nach dem Bahnhof gefahren. Plötzlich scheuten die Pferde des einen Wagens und gingen durch. Der Verwalter des GutSpächterS wollte sich den Pferden entgegen stellen, wurde aber zu Boden geschleudert und der Wagen ging ihm über den Körper. Außer einer Gehirnerschütterung und Kopfverletzungen trug er anscheinend innere Verletzungen davon. In bewußtlosem Zustande wurde ec sofort mit dem nächsten Zuge nach Gießen überführt, und man hofft, ihn am Leben zu erhalten.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Sdbul- ftrafee 7. Expedition und Verlag: eyeü 51. Redaktion:«rENL. Tel.-Adr--AnzeigerGietzen.
Vie MaroNosrage in Ser französischen Kammer.
Paris, 22. Juni. Zu der gestrigen Beantwortung der eingcbrachten Anfragen über die Ltkupation Marokkos durch den Kriegsminister Millcrand wird gemeldet:
Es wurden über die Zahl der französischen Truppen und über die zukünftige Verwaltung allerlei Fragen an die Regierung gestellt. Der interessanteste Moment der Verhandlungen war, als ein sozialistischer Abacord- n et er gegen das Eindringen kapitalistischer RäuberundGründerin Marokko protestierte und als er für diese Bemerkung den lebhaften Beifall der Rechten sand. Die Verbrüderung zwischen den Sozia^ listen und den Konservativen, die mehr Berührungspunkte haben, als man anuehmen möchte, wurde in diesem Augenblick wieder einmal offenbar. Der Zkriegsminister Millerand antwortete aus alle Fragen recht ausführlich, ohne aber besonder» viel neues miitcücn zu können. Er nahm die Truppen, namentlich die Offiziere der Kriegsschule gegen die sozialistischen Angriffe in Schutz. 9hir auf die Frage, wieviel Truppen Frankreich nach Marokko senden werde, und welcher Art diese Truppen sein würden, konnte der Minister bestiunnte Auskunft geben Tie Regierung toerdc dem General Liautey soviel Mannschaften schicken, als er brauche und verlange
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Der „wollapoftel".
Professor Dr. Gustav Jäger, der in Stuttgart lebende Zoologe, der „Woll-Jäger", vollendet am 23. Juni sein achtzigstes Lebensjahr. Tie jüngere Generation wird vielleicht kaum wipen, ivas cs mit der Bezeichnung „Woll-Jäger" auf sich hat und kaum ahnen, daß der Name dieses Gelehrten vor einem Vierteljahr^ hundert sturmumtost ivar. Ein paar Jahre hindurch hat er ebenso leidenschaftliche Auseinandersetzungen in Portragssälen, wie in der Presse hcrvorgerufen, und ein Jahr lang war er das Ziel zahlloser Verspottungen m Witzblättern. Die folgende, damals ihm von einem Witzblatt in den Mund gelegte Rede konnte beinahe icdeS Schulkind auswendig:
W engesctzatzte Weltenbürger!
Wer wohlauf reellem will wandern. Werde WoUner, wie wir Weisen, Werfe weg, was wohlsahrtswrdrig. Wähle woll'ne Webewarcu, Woll'nes Wamms, wie woll'ne Wäsche' Wolle wirkc wahrhastig Wunder!
• Weder Wüstling, weder Weichling Wird, wer wollumwoben wallet; Wäss rig widerliche Ditt'rung Weicht, wie Wolken Winden weichen. Widerstandslos WollenNeiüern, Während ivunderbarcriveise Wohlgerüche willig weilen.
Wolle werde WeltbeNerdung, Wcltenwahlspruch WollapouelS Wort: Wer weise, wählet Wolle r
Ausstelinng Hygiene
Reuden amtlichen
Herren
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aus München,
Die Abgeordneten der russischen Duma beim Zaren. . dlus Anlaß des Schlusses der gesetzgeberischen Periode der russischen Reichsduma empfing der Kaiser im »eifern des Ministerpräsidenten und des Ministers des kaiserlichen Hauses 260 Abgeordnete der Duma, Vertreter aller ,Fraktionen, mit Ausnahme der sozialdemokratischen. Der Empfang dauerte ungefähr eine Stunde. Rach dem Empfang, wurden die Abgeordneten bewirtet. Der Präsident der Duma brachte einen Trinkspruch auf den Kaiser, der Vizepräsident einen auf die Kaiserin und den Thron- folger aus.
. Uhr, in Steins Gart»' Hahr (Darmstadt!: V MM
Thalia.
, Juni, von l Ubr ab iommerfes' Konzert, Taur undA
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Franz»»
Eine Ansprache des Zaren.
In feiner Ansprache beim Empfang der Tumaabgeoro- neten führte der Kaiser aus:
,/3m Verlaufe von 5 Jahren verfolgte ich aufmerksam dem Atveitsgang der Reichsduma und will cs nicht vor Ihnen ver^ bergen, daß einige Fragen nicht eine Mästung erhalten haben, die mir wünschenswert erschien. Ich finde, die Debatten haben nicht immer den ruhigen Charakter getragen, nährend die Arbeiten hauptsächtich Rul-e erfordern. Andererseits bin ich froh, bestätigen zu fönnen, daß Sie viele Mühe- und Fleiß auf die Lösung der mir augeiiblicklich als hauptsächlich erscheinenden Fragen verwandt haben, und zwar ocr Frage der Organisation des Agrar wese ns und der Sicherung und Versorgung der Arbeiterfamilien, der Volksbildung sowie aller die Landesverteidigung berührender Fragen. Die gestrige Abstimmung über die A nweisung eines sehr bedeutenden Kredits zum Ausbau der Flotte Hal mir wahreFrcude bereitet. Ich finde es für wünsckjenswerl, in erster Linie die Aufmerksamkeil auf das mir von meinem heiß geliebten Vater hinterlassene Erbe der Kirchen und Gemeinde schul en zu richten. Ich wünsche, daß Ihr glücklich heimkehrt und denen, die in die vierte Reichsduma wieder kehren sollten, ivünsche ich, sie zur ruhigen und fruchtbringen den Arbeit mir zur Freude, dem teuren Rußland zum Nutzen wieder-n sehen."
Aus StaM und Land.
Gießen, 22. Juni 1912.
" Vereinfachung des Schriftverkehrs. Das Staatsministerium hat zur Vereinfachung des Lchriftvec- kehrö für sämtliche Behörden und Beamten angeordnet, daß künftig bei den amtlichen Schreiben, Verfügungen und Berichten, um den 91 au in der ersten Seite besser wie seither ausnupen zu können,, die Notensorm, wie he schon jetzt vielfach hÄ Schriftverkehr mit nichthessischen Behörden üblich ist, allgemein anzuwenden ist. Bei Schreiben an nichthessische Behörden sind besondere Vordrucke herzu stellen, in denen die absendende Belzürde als „Großherzoglich Hessische" zu bezeichnen ist, während bei Schreiben an Behörden ufw. innerhalb des Großherzogtums die einfache Bezeichnung „Grvßherzoglich" genügt. Bei Berichten ist die rechte Hälfte der ersten Seite des gebröckelten Bogens stets von der Mitte ab mit dem Bericht texte zu beschreiben, damit genügend Raum für die auf' diesem Aktenstück zu treffende Verfügung frei bleibt. Auch bei den übrigen Schreiben, besonders an die hessischen Behörden, empfiehlt es sich, mindestens cm Drittel der ersten Seite für etwaige Heinere Entschließungen der empfangenden Behörde frei zu lassen. Die vorhanoeuen Bestünde an alten Formularien sind jedoch aufzubrauchen.
** Jubiläums-Gauturnfest Gießen. Bet dem vom 6. bis 8. Juli in Gießen stattfindenden Jubiläums- und Gautttrnfest des Gaues Hessen sind außer den turnerischen Wettkämpfen auch turnertsche Aufführungen, Massenchöre und Festaufführungen vorgesehen. Aus den zahlrcick)en, feit Wochen vorbereiteten Darbietungen seien einige yerausgegriffen. Am Samstag, 6. Juli, findet abends auf dem Festplatz am Trieb die Eröffnung des Festes statt. Dabei wirkt ein Gcsamtck)or der Gießener Männer- Gesangvereine mit, der u. a. E. Frommes Heinrich der Vogler, Heisers Der Wald und Zöllners Einkehr vortragen wird. Außerdem werden Sondcrvorführungen von Turnern und Turnerinnen, darunter auch Bronzegruppen des Gießener Turnvereins, sowie Fechtübungcu veranstaltet, zu denen sich auch auswärtige Vereine gemeldet habeii. Am Sonntag abend finden nach der Preisverteilung wiederuni neben dem Konzert Festauf,ühruiigen statt, in deren Mittelpunkt das zu dieser Feier versüßte Festspiel steht, das Bildcr aus der Geschickte des deutschen Turnwesens bringt. Diese Aufführungen, bei denen etwa ÜO Personen Mitwirken, sind durchaus neuartig und werden auf die Besuck-er des Festes sicher einen großen Eindruck machen, um so mehr, als sie zum Teil der reichen turnerischen Vergangenheit Gießens man nur wollene Stosse (auch zur Wäsche) benutzen solle, da Pflanzenfasern, also Leinen, säjädlich seien. Vom Jahre 1884, in dein er seine Aemter niederlegte, widmete er sich fast nur der Agitation für diese „Normalkleidung". Da dabei Industrie und Landet recht lebhaft beteiligt waren, kam es zu leidenschaftlichen Kämpfen. Jäger selbst unternahm durch ganz Deutschland Vor- tragsreisen, auf denen er in einer ettvas abenteuerlichen Klei düng — vom Kops bis zum Fuß in Wolle — erschien und dura- seine ost recht wunderlichen Behauptungen mehr Heilerkeil, als wahrhaften Widerspruch erregte, so z. B. wenn er allen Ernstes äußerte, daß es zahlreiche Menschen gebe, zu denen auch er gehören wollte, die Wetterglück hoben, und mehr dergleichen. Nicht selten kam es daher in seinen Versammlungen zu recht stürmischen Szenen. Doch halte er üi den ersten Jahren eine große Zahl von Anhängern, zumal seine „Normalkleidung" sehr praktisch für die Anhänger des damals zur Blüte gelangenden Radfahrspotts wurde. Später wandte er sich dann wieder anderen Fragen zu: so behandelte er in mehreren Arbeiten die Frage des Einflusses des Mondes auf das Wetter. Man Hal wohl entschieden Gustav Jäger Unrecht getan, wenn man ihn, wie das vielfach geschah, als Eharlatan ansehen wollte. Wohl stand die Art und Wetsc, rote er seine wissenschaftlichen Folgerungen mal tisch verwettete, nicht recht im Einklang mit dem Wesen eines Gelehrten, eben so wenig wie seine oft allzu sprungha'ten Folgerungen als exakte wisienschastliche Forschungen gelten konnten. Wer aber den temperamentvollen Mann selbst einmal in seinen Vorträgen gebärt hatte, der mußte wohl der Ueberzcugung sein, daß er selbst durchaus ernst genommen zu sein wünschte, ob wohl er doch auch mit großem Vergnügen von den zahllosen Scherzen Kenntnis nahm, die die Witzblätter über ihn uno sein System brachten. Nachdem Jäger seine Gattin nach mehr als vierzigjähriger Ehe vor einigen Jahren verloren hatte, vermählte fick der greife Gelehrte noch zum zweiten Male, wie er sich damals äußerte, „aus Heimweh nach der Häuslichkeit". So hat sich der Gelehrte bis ins hohe Alter hinein Rüstigkeit bewahrt, wohl, rote er sicherlich sagen wird, dank seiner Normal- kleidung, der er wohl treuer geblieben ist als die einst recht statt lichc Schar seiner Anhänger. 0. K.
zusammen: und wir entnehmen dieser Sammlung komischer Stellen einige bezeichnende Beispiele. Da lieft man z. B. bei angesehenen Sck:. ntelletti: Wir drangen ein in einige dieser jung fraulichen Wälder, in denen noch niemals des Menschen Hand Fuß gefaßt bat." — „Sein zerbeulter und zerrissener Hut hatte kein menschliches Aussehen mehr.^ — „Der Brabanter Hengst irr zählte siebzig
Mit einer Hand lieb-
Kreis Lauterbach.
— Lauterbach, 21. Juni Der hiesige Beamtenverein hielt gestern abend in der Wirtschaft zur Burg hier eine außerordentliche H a u p t v c r s a m m l u n g ab, die sehr zahlreich besucht war. Auf der Tagesordnung war Neuwahl des Vorstandes gesetzt, die durch verschiedene Ver- setzuiigcn notwendig geworden war. Zum 1. Vorsitzenden wurde an Stelle des nach Offenbach versetzten Aktuar- ajsistenten, jetzigen Lrtsgcrichtsvorstchcrs Babel, Bureau- Vorsteher Bechtold vom hiesigen Kreiscunt gewählt, zum 2. Vorsitzenden Kreisamtsgehilse Krrschbauin und zum Rechner Lehrer R e i b e l i n g. Tas Amt des Schriftführers behielt Geometer K c in p f Ter durch den Wegzug des 1. Vorsitzenden und des Lagerhalters etwas ins stocken geratene Geschäftsgang foll wieder neu aufleben, besonders aber auch die ideelle Sette des Vereins mehr ins Auge gefaßt unb ein engerer Zusammenschluß der hiesigen Beamten angestrebt werden. Die am 1. Mai zur Auszah- koste sie seine Haare, mit der anderen sagte sic." — „Diese Stadt," schreibt der bclannte Schri.tneller Richebonrg in einem seiner Romane, „liegt m der Mitte des stumpfen Dreiecks, das die drei Stabte Ehatillon, Dijon und Vang re» bilden." — „Er hatte zwei schwere Verwundungen erhalten, die eine am Bein, die andere bei Waterloo." — „Dieses Fen fallt in den Frühling und in Vergessenheit." — Weniger sprachlicl-e als inhaltlich Kuriosität haben z. B. die Sätze Bcrnardin de Saint-Pierres: „Tie schwarze Hautfarbe ist eine Wohltat des Himmels für die Völker der Tropen, weil sie die Wiedersttahlung der brennenden Sonne dämpft, unter der sie leben. Aber diese Völker finden die weißen Frauen nichts destoweniger viel schöner als die schwarzen, ans demselben Grunde, aus dem sic den Tag schöner linden als die Nacht ..." — In ähnlichen sonderbaren Naturbettachtungen ergebt sich Flau bett: „Die Flöhe stürzen sich, überall wo sie sind, auf die iveißen Farben. Dieser Instinkt ist ihnen gegeben worden, damit wir sie leichter erwischen können." — „Tie Melone ist von der Natur in Scheiben geteilt worden. Damit sie in der Familie gegessen werden kann: der Kürbis, der viel größer ist, kann mit den Nachbarn zusammen verehrt werden."
Eim weist darauf hin, daß z. B. in der berühmten dem Aesop nacherzählten Fabel Lafontaines „Tie Grille unb die Ameise" auch nicht ein Wort wahr ist. Tie Ameise sammelt keine Vorräte für ben Winter, weil sie während dieser Jahreszett klugerweise ihren Winterschlai halt. Sie kann auch der Grille nichts verweigern, die ihrerseits niemals cito>3 von ihr erbeten hat, weil es im Winter keine Grillen gibt.
Unter den literarischen Satzungeheuern hat in Frankreich ein Pasius des gelehtten Philologen Patin unter dem Namen „Tcr Satz vom Hut" eine geradezu klassisck)e Geltung erlangt 2ieje Perle des Unsinns lautet: „Im Vorbeigehen bemerft, bat dieser durchaus klassische Hut, der übrigens von Orestes und Phlades bei ihrer Rückkehr von einer Reise getragen wurde, dessen ( 'n beit unserer
•stelle durch den Schonasten aufberoairrten Versen erwähnt, den lebet um den Hals gehängt und auf den Rücken herabsallend, in den Darstellungen der Basreliefs sehen kann, Brumoft viel Müße gemacht, der ihn durch ■ men Regenschirm ersetzte." An argen Schnitzern ist auch bei klassischen Schriftstellern kein Attuigel. In Victor Hugos „Legend.- ver Jahrhunderte" spricht so Karl der Droste von einem Studenten der Sorbonne, obwohl die Pariser Unwersität erst saft 400 Jahre nach seinem Tode ettichtet wurde. S c r i b c läßt in feiner Sizilianischen Vesper" ein Korps von Arkebusieren gegen das Volk marschieren, also fast ein Jahr- hundert vor der ersten Vermeidung von Feuerwaffen. cribe hat auch bei einer Rede in der Academie Franeaise Molttre den Vor- murr gemacht, daß er in feint m seiner Seife auf d.e Widerrufung des Edikts von Nantes ansp de. Als aber oieses Edckt aufgehoben wurde, nämlich 1685, lag Moliöre betens zwölf Bahre int Grabe. Merkwürdig st es auch, wenn Eugöne Labiche die Beobachtung macht: Tie Frauen lieben es, sich aus einen Ann ju stützen, der ein Schwert um den Gürtel traut/'
der aber nur die Berichte verlesen wurden. Sämtliche Berichte sind vom Finanzausschuß gutgeheißen worden. Berichterstatter über die Besoldungsvorlage und das Schul denittgungsgefetz war der Vorsitzende des Ausschusses Dr. Osann. Heber das Urkundenstempelgesetz berichtete 2lb- gcordneter Henrich, lieber daS Gesetz, betreffend die Erbschaftssteuer und die Zivilliste erstattete Tr. Heyden- reich Bericht. Uebcr das Gesetz die Pensionei, der Witwen und Waisen sowie der Volksschullehrer betreffend war Berichterstatter Dr. Weber.
bs. Darmstadt, 21 Juni Ebenfalls heute nachmittag war Sitzung deS Bittschriftenausschusscs. Punkt 1 der Tagesordnung „Gesetz über Vichseuck)cn und Nebsck)ädlinge" mürbe zurückaestcltt, dagegen die beiden anderen Punkte „Dich- und Sckstachtviehversicherung" sowie „Wal'lgesetz" wurden angenommen.
Heute ist dieser Schlachtruf Jägers „Wer weist', wlblt Wolle!" längst verstummt: mau denkt kaum noch an den „Wollapvitcl" und wird heute mehr den verdienstvollen Gelehrten würdigen, ter am 23. Juni 1832 zu Bürg am Kocher in Württemberg ols Abkömmling einer in der Rcformatttmszeit bedeutend her- fcorgetretenen Familie geboren wurde. In Wien, wo er sich 2858 als Dozent der Zoologie hadilttiette, war er Begründer tes Tiergartens, ward aber 1867 in seine roürttembergudjc Heimat terujen, um dort nacheinander an der Akademie in Hohen beim, <nt Polytechnikum unb an der Tierarzneischule eine Prosesiur «us-iiüben. So hatte er auch eine große Slnjabi wis.rnchaftlicher und populärer Arbeiten seines Gebietes vero'fentUriu, als er trnbe der siebziger Jahre m der „Zeitschrift für wmensckaftliche -Zoologie" eine 'arbeit über „Geschmack-, unb Geruchs imbli gierte, auf welchem bis da dm noch nicht betretenen Pfade er zu immer gewagteren Folgerungen kam Er wollte in dem dem Menschen anbaftenben Geruch die Seele entdeckt haben und ^behauptete, baß Liebe, Sympathie unb Antipathie von diesen, tom Menschen ausgehenden Duftstoffen abhängig seien.
Im Zusammenhang mit diesen Theorien, die er m einem. um mm iuaiu.il- mcgi. — „
zweibändigen Werk , Die Entdeckung der Seele" nieberlegte, >:and ist die gt.e.ne Sier legende Henne Belgiens tfienn auch seine Bekttidungsreform. die daraus hinausging, ooß! Ja. r.. imien aber dopp-.tt so alt ;u sein. -
T»e „•lehener tfaeulicnblaittr
werden dem
Anzeiger' viermal wöchcntlich beigelegt, daS .Kreisblatt ffir den Kreis «letzen" ziveimal wöchentlich. Tie „randwirtschaftllchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 22. Juni 19(2
Rotationsdruck und Benag der üi-'.’l ben
Uiuvtrsnai ? - Buch- und leiudruckerci.
R. Lange, (Sicjen.
Zweiter Blatt
162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien


