Negierung mi! bollem ^rnff VÄrWf sehen, fine sie Sie GfcTTuhg de? Deutschen Reiches sichern können, dann wollen wir uns nicht von Sentimentalitäten bestimmen lassen, und auch nicht, wenn uns ein Kriegsminister die Ehres feines Besuches zuteil werden läßt, nun glauben, alles ist im Reinen. Nein, wir sind verpflichtet, zur Erhaltung unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande alles zu tun, was notwendig ist. Freilich, die vom Grasen PoscrdowSky aufgestellte These des Vertrauens zur KricgSver- Wallung und hiernach einfache Annahme oder Wlchnung der Militärvorlagen muffen wir ablehnen.
Wir haben doch oft erlebt, der eine KriegZminkster verlangt das und fein Nachfolger etwas anderes, und der eine sagt in dem einen Jahr daö und in dem anderen etwas anderes; und was der Kriegsministcr in diesem Jahr zur Degründuna seiner Forderungen ausführen wird, wird wohl anders klingen alS vor Jahresfrist. (Heiterkeit.) Nein, wir müssen verlangen, ernst zu prüfen, ohne Ueberhebung. (Sehr gut!) Daß falsche Urteile von Laien ausgesprochen werden, und übrigens auch von alten Offizieren, die die Weisbeit in Erbpacht genommen zu haben glauben, wiffen wir auch; aber trotzdem sind wir als Vertreter des deutschen Volkes verpflichtet, genau zu prüfen. kBeifall.) Ter Redner spricht einige Worte für den Deutschen Wehrverein, der durchaus seine Berechtigung habe. Der neue Geist, der die Jugend Deutschlands durchzieht, ist von außerordent- kicher Bedeutung für die Stärkuna unserer Wehrmacht. Das ist keine Parteisache. Dr. Paasche wendet sich sodann gegen Dr. Arendt, den er doch nicht ganz überg-hen dürfe. (Heiterkeit.) Er hat vermißt, daß Herr Junck vom Schutz auch der industriellen Arbeit gesprochen bat; zum Schutz der Großindustriellen, deren Zukunftspartei ja die freikonservative Part-i ist. (Heiterkeit.)
Wir wollen einen vollständigen Schuh der nationalen Arbeit, aller,gewerblichen Arbeit in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie, und Herr Arendt hatte wirklich nicht nötig, uns aufzu- fordern, für die Industrie noch eine extra warme Lanze zu brechen. (Heiterkeit.) Das steht in unserem Programm, und alle unsere Freunde stehen auf diesem Programm.
Ein Schlußwort über das parlamentarische Regiment, mit dem man uns jetzt als Verräter am Vaterlande branddmarkt. Wenn mein Freund Junck nach jeder Richtung an einem Ausbau der Geschäftsordnung und an die Anträge erinnert, die wir vor Jahren schon gestellt haben, die gesetzliche Festlegung der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers durchzuführen, dann kommt man mit dem „parlamentarischen Regiment". Aber, wenn es einen Reichskanzler gibt, der den Mut hat, eine Reform des Preußischen Wahlrechts zu verlangen und den Mut hat, den Herren eine direkte Belastung der besitzenden Klaffen abzufordern, so ist das kein Ausdruck parlamentarischen Re- fimentS, wenn man möglichst alles tut, um diesen Reichs- anzler zu beseitigen! Ist dieser Reichskanzler unbequem, Sann kann sich Herr v. Hennigs-Techlin im Preußischen Abgeordnetenhause hinstellen und Töne anichlagen, die, wenn sie aus liberalem Munde gekommen wären, wahrscheinlich einen Aufschrei veranlaßt hätten: Seht mal, die streben nach parlamentarischen Regiment! (Sehr gut! links.) Und in B a v e r n, was haben Sie da anderes? Das Ministerium Podewils ist gestürzt, daß Ministerium Hertling dem ultcamon- tanen Charakter der Neuwahlen entsprechend, ist eingetreten. Das ist ganz etwas anderes, natürlich.
Aber wenn wir -eine Aeußerung tun, man konnte Wohl die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers festlegen, dann kommt Herr v. Putlitz und andere und erklären: Niemals werten wir uns gefallen lassen, daß die Rechte der Krone und des Monarchen an- getastet werden I Wir sind mindestens ebenso königS- treu bis auf die Knochen, wie Sie ! '(Stürmischer Beifall linte.)’ Wir schützen die Rechte der Krone genau so wie Sie. Aber die Entwicklung steht nicht still, das hat ja ter Reichskanzler selbst gesagt, und da ist es ein Gebot, das Staatsund Verfassungsrecht weiter^ubilden, nur dann sichert man seinen Bestand. (Sehr richtig! links.) Der Reichskanzler hat gemeint, et könne weder reaktionär, noch radikal sein. Dann hätte er sagen sollen: weder links noch rechts — in der Mitte, die goldene Mittel st raße! Wir sind weder reaktionär,^ noch radikal, aber bei ihm klang es so, als sollte es heißen, wir waren die Radikalen. Gelviß, keine Regierung würde Bestand haben, die reaktionär oder radikal regiert; aber wenn der Reichskanzler uns den Ruck nach links vorwirft, so kann die Politik der Regierung auch nur dann zum Ziele führen, wenn sie in gewisser Beziehung einen Ruck nach links mitmacht.
Sie werden nicht mit einem lückenlosen Zolltarif, nicht mit einem überagrarischen Programm, nicht mit Hintertreibung einer Wahlreform in Preußen, nicht mit bureaukratischen und polizei- uchen Mißgriffen und nicht mit Niederhaltung der liberalen Forderungen in Kirche und Schule die Zufriedenheit im Volke erwerben. Denn es ist die Hauptsache: die Zufriedenheit im Volke! In den 4'^Millionen sozialdemokratischer Stimmen steckt ein großer Haufen Unzufriedenheit mit den bestehenden Zu- ständen, mit der bestehenden Verwaltung, mit der bestehenden Exklusivität, mit all jenen Mißgriffen, die immer und immer wieder im Wahlkampf zutage getreten sind. (Sehr wahr! links.) Und daher sage ich: Rücken Sie ein klein wenig nach links und helfen Sie die Unzufrieden- heit beseitigen. Dann werden Sie dem Umsturz wirklich einen Riegel vorschieben, (Stürmischer Beifall links; Zischen rechts und im Zentrum.)^ ~
916g. Gothem (Vp.)k
Wir fvürd'en eß für sehr wertvoll halten, lveNn die Mißber- ständnisse zwischen Deutschland und England endlich beseitigt mürben, allerdings unter Wahrung der berechtigten Interessen Deutschlands. Der Redner übt dann eingehende Kritik an der deutschen Wirtschaftspolitik und der bisherigen Steuerpolitik. Immer heißt eS: diese ober diese Finanzreform ist dis letzte! Auch auf die unwiderruflich allerletzte Finanzreform des Schatzsekretärs Shdow kam die wirklich unwiderruflich allerletzte des Herrn Wermuth. Und nun verlangt man schon wieder neue Steuern! Die letzte Finanzreform hat den erwarteten Erfolg nicht gehabt. Der Redner bespricht die Erträgnisse der einzel. neu Steuern. Der Scheckstempel hat nichts eingebracht. Wir
haben ihn auch nicht borgescklagen. '(STEg. Erzbrrger '(Zenlr.s: Herr v. Mendelssohn!) Ich kenne keinen solchen Abgeordneten! Haben Sie sich dort Rat geholt, Herr Erzberger? Es ist ja inter- effant zu sehen, mit welchen Kälbern Sie pflügen. Auf die Vorschläge des Grafen Westarp geben wir nichts, seit er bei der Finanzreform die Wertzuwachssteuer der Stadt Köln mit ihren Fehlern wörtlich abschrieb und hier als eigene Arbeit vorlegte. (Heiterkeit.) Wir verlangen eine allgemeine Besitz st euer, entweder zur Deckung neuer Forderungen, oder zur Beseitigung anderer unsozialer Steuern. (Beifall links.)
Die unerhörte Bran.rtweinskeuergesetzgebung muß zurückrevidiert werden. Die Erbschaftssteuer muß kommen, und wenn Die Rechte sie nickt will, auch ohne sie. Schon 1909 fanden sich auch bei der Rechten eine ganze Anzahl Stimmen dafür. Heute spielen Sie die Bourbonen, die nichts gelernt und nichts vergessen haben. Unser Jubel über die Wahlen 1907 und 1912 ist ganz berechtigt gewesen. Damals handelte es sich darum, eine Mehrheit des Zentrums und der Sozialdemokraten zu zu brechen im Interesse unserer Kolonien und die Eiterbeule auf- zustechen, wie der damalige verdiente Staatssekretär Dernburg sagte. Jetzt handelte eß sich um eine anberc Mehrheit, die wir ganz konsequent in den Stichwahlen bekämpft haben. Tie Rede des Reichskanzlers hat tatsächlich provokatorisch gewirkt, und er kann sich nickt wundern, wenn es ihm nun entsprechend entgegen schallt. Tie Rechte will, daß wir einen Zentrumsabgeordneten zum Präsidenten wählen sollen — als ob alles beim alten geblieben wäre! Tie Sezialdemokratie hatte einen Anspruch auf "einen Platz im Präsidium, und es war ein Fehler, daß man. sich früher dagegen sträubte. Aber was geht es den Reichskanzler an, welches Präsidium sich der Reichstag wählt. (Lebhafte Zustimmung links.) Das ist eine interne An- gelegenBeit deS Reichstags. (Sehr richtig! links.) Tann kann er ja ebenso gut verlangen, daß wir keinen Sozialdemokraten in die Kommissionen wählen. Wir haben den dringenden Wußsch, daß der Reichskanzler sich solcher Einmischungen in interne Angelegenheiten des Reichstages enthält. (Lebhafte Zustimmung links.) Ter Reichskanzler hat sich so ziemlich zwischen alle Stühle gesetzt. Das Verantwortlichkeitsgesetz wird kommen; auch China bat es schon, nur noch nicht Rußland. (Zuruf b. d. Soz.: Preußen!) Natürlich Preußen! Der Wahlapparat der Landräte hat bei den Wahlen wieder tadellos funktioniert . Fürst Bülow hatte so viel für die Konservativen getan, daß ihm zu tun nichts ui ehr übrig blieb. Tas hat ihm ober alles nichts genützt. So wird es dem jetzigen Reichskanzler auch gehen. Die Rechte schiebt die Erhaltung der monarchischen Macht vor, bloß um ihre eigene Macht zu erhalten und zu stärken. Die Sozialdemokratie glaubt nicht mehr an den Zukunftsstaat. Das Ziel ist ihr Nebensacke, die Bewegung ist ihr alles. Auch denkt sie nicht mehr an die Verstaatlichung der Produktionsmittel. (Lebhafter Widerspruch bei den Soz.) Mir hat einmal ein Sozialdemokrat in einer Versammlung gesagt, das wäre nur ein Schwindel, den die Liberalen aufgebracht hätten. (Große Heiterkeit.) Wir arbeiten weiter für den Fortschritt und die Freiheit des Volkes. (Beifall links.)
Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg:
Ich will nur einige Bemerkungen zu Fragen macken, die in der bisherigen Debatte aufgeworfen sind. Ter Abg. Gothein hat voichin gesagt, er wünsche nicht, daß ich mich in die Geschäfte deS Reichstages bei der Wahl des Präsidiums einmische. Denselben Gedanken hat der Abg. Ledebour am vorigen Sonnabend in der an ihm gewohnten etwas schärferen Sprache Ausdruck gegeben. Er hat es eine unerhörte Anmaßung, einen Uebergriff don mir genannt, was ich neulich über die Vorgänge bei der Präsidentenwahl gesagt habe. (Sehr richtig! links.) Ich habe nicht daran gedacht, eine Bemerkung darüber zu machen, daß dem Reichstage nicht die volle Freiheit zusteht, sich dasjenige Präsidimn zu wählen, das er will.
Ich habe lediglich die Haltung der beiden liberalen Fraktionen zum Beweise dessen angeführt, daß nach meiner Ueberzeugung sich die liberalen Parteien nach links entwickelt haben. Es ist feine Anmaßung, das zu sagen, und daß ist kein Uebergriff. Es handelt sich dabei um Akte, welche in unserer gesamten politischen Oeffentlichkeit das größte Aufsehen erregt haben. Und daran soll der Reichskanzler stillschweigend Vorbeigehen? Nein, meine Herren, ich denke gar nicht daran. Ich werde barüber biejenigen Bemerkungen machen, bie ich von meinem Stanbpunkte aus für richtig halte. (Beifall rechts, Zurufe links.) Wenn ich tatsächlich ber eingebildete Sureaulrat wäre, als den mich bie rabifalc Presse unb die radikalen Redner immer hinzustellen pflegen, so könnte ich versucht sein, den Vorwurf der Anmaßung -zurück- zugeben.
Aber die Sprache, die der Herr Abg. Ledebour am letzten Sonnabend nicht nur gegen mich geführt hat, ist mir in keiner Weise ärgerlich gewesen. Der Abg. Ledebour hat im Verlaufe seiner Rede sestgestellt, zwischen dem rechten und dem linken Flügel seiner Partei herrsche volles Einverständnis. Nun, wenn man die Sieben des Abg. Franck und des Herrn Ledebour vergleicht, wenn man, wie es Herr Ledebour getan hat, sie auf denselben Standpunkt stellt, dann ist doch aber bie Besorgnis gerechtfertigt, ob der Sieg des Revisionismus über den Radikalismus sich so schnell vollziehen werde, wie eß noch eben der Abg. Gothein angenommen hat. (Sehr richtig! rechts.)'
M. H., es hat bann weiter in der bewegten Debatte die Frage der Erbschaftssteuer einen sehr breiten Raum eingenommen. Ich kann ja nichts dagegen einwenden, wenn sich die Herren über die Erbschaftssteuer, was die Vergangenheit angeht, unterhalten, obwohl ich einen großen Nutzen mir davon, wie ich schon neulich gesagt habe, nicht versprechen kann. Etwa? anderes ist eß aber, über bie Erbschaftssteuer zu sprechen im Zusammenhang mit der Steuervorlage, die von den veickündeten Regierungen noch
gar nicht "elilgebrächt Ist. Ich Mine,'man sollte' d'esti Zeliffunkl Einbringung dieser Vorlage abwarten. Sonst bekommen wir j, immer vom Parlament zu hören. Deckung zu suchen, sei eine gäbe der verbündeten Regierungen und nicht beß Reichstags.
Ich bin ganz derselben Ansicht, unb barum sollte man au.5 in diesem Falle nicht über die Deckung sprechen, bevor nicht tie Vorlage, die Vorschläge der Verbündeten Regierungen Ihnen vor- liegen. Wir, ber Herr Schatzsekretär unb ich, haben nicht onae. fangen, von der Erbschaftssteuer zu sprechen, sondern wir ha!?en nur erwidert auf Bemerkungen, bie au8 bem Hause gefallen sind unb haben e5 tun müssen, um zu zeigen, daß den verbünbeten Re- gierungen volle Freiheit in ber TeckungSfrage offen bleiben muß. Antizipierte Erörterungen üter diese Frage können die sckwierigr Situation nicht erleichtern, und ich möchte deshalb bie bringende Bitte an das Hohe Haus richten, die Kritik bis zu dem Zeitpunkt auf,uschieben, zu dem die verbündeten Regierungen mit ihren Vorschlägen hervorgetreten sind.
Schließlich — ich will mich auf diese letzte Bemerkung 6e. schränken — hat Tr. Paasche gemeint, ich sei den Beweis für die Linksentwicklung des Liberalismus und namentlich der national, liberalen Partei schuldig geblieben.
Tie Frage der Linksentwicklung der SafionnlTiberoTen ist in ihrer Parteipresse feit drei Jahren die TageS frage. Tie Jungliberalen haben sich zusammengetan, um die Partei weiter noch links zu ziehen. (Sehr wahr! rechts.) Ihre animofe Frontstellung gegen reckts — ick will bie Orünbe unb die Frage ber Berechtigung der Stellung nicht untersuchen; mir komm! es nur darauf an, die Tatsache zu konstatieren — Ihre Stellung gegen reckts (zu den Nationafliberalen) ist dock eine Signatur für das Bestehen dieser Bewegung in Ihren Reihen. Sie haben ja schließlich in den letzten Wecken — auch daS wird Ihnen nicht entgangen sein — mit der Haltung dec Partei zeit- weise selbst Gnade vor den Augen deS Berliner Tageblatts gefunden. (Große Heiterkeit.)
Ich will von ber hauptstädtischen Presse nicht sprechen. Ter Abg. Paasche Bat, wie ich glaube, mit vollem Recht mir eine ganz besondere Stellung eingeräumt. Aber bie Herren werben bock an der Haltung der Provinzpresse, an den Beschlüssen, an den Bc. sorgnissen zahlreicher Parteivorstande, die zu ihnen gehören, nicht blinden Auges vorübergegangen sein. (Sehr richtig rechts und im Zentrum.) Aus allen diesen Tatsachen konnte, glaube ich, der un. parteiische Beobachter nur den Schluß ziehen, den ich gezogen habe. Belehren Sie mich eines Besseren, ich werde der erste sein, der daß freudig begrüßen wird. Und ich nehme schon heute dankbar von der Erklärung des Herrn Abg. Paasche Akt, daß seine Partei nicht daran denke, sich nach link- weiter zu entwickeln, (Heiterkeit rechts und int Zentrum), daß seine Partei an ihren alten Traditionen festhalten wolle.
Sie haben das mit Heiterkeit begleitet. Ich habe das, meiner Ansickt nach, ohne jede Spur von — na, wie soll ich sagen •— Jronrr gesagt, sondern cS ist meine positive lieber« 3 e u g u n g. Ich werde Ihnen nur dankbar fein, wenn Sie diese Ihre Absicht verwirklichen, denn wenn Sie eß tun, dann kann ich hoffen, daß die Zeit wiederkehrt, wo sich trotz aller Gegensätze zwischen konservativ und liberal die Parteien sich nicht mehr auseinander entwickeln, baß die Tendenzen zu einer solchen Auseinanderentwickelung auch auf der rechten Seite aufhören, und daß damit bet Boden toietergefunben werden wird, auf dem sich schließlich im großen unb ganzen die Politik ber mittleren Linie bewegt hat, von Der unser Reich während seines gesamten Bestehens gelebt hat. Daß dieser Zeitpunkt bald wieder kommen möge, ist allerdings mein ernste' Wunsch. (Beifall rechts unb im Zentr.)
Ein Vertagungsantrag wirb angenommen.
Persönlich bemerkt Abg. Bcbel (Soz.): Ter Abg. Paascke ist irrtümlich unterrichtet, wenn er meint, wir hätten unß bereit erklärt, im Präsidium das Kaiserhoch auszubringen. (Hört! Hört! rechts.) Auf die Frage der Liberalen, wie wir uni zu den höfischen Verpflichtungen stellen, haben wir erflärt: diese erkennen wir nicht an, aber wir sind bereit, alle ftaatl- rechtlichen Verpflichtungen zu übernehmen, worauf die Nationalliberalen erflärten, mehr zu fordern, hätten sie keinen Anlaß. Sie erklärten sich also damit einverstanden. (Höri! Hört! rechts.) Ich habe auch dem Abg. Spahn erklärt, daß wir hinsichtlich der höfischen Verpflicktungen unseren alten Standpunkt nicht verlaffen, daß wir höfische Verpflichtungen nicht übernehmen. Auch der Fraktionsvorsitzende, Freiherr v. Hertling, fragte uns bann nach unterer Stellungnahme zum Kaiserhoch. Auch ihm gegenüber erklärte ich, daß wir an unserem alten Stanbpunkt festhalten. Ich stelle also fest, daß am 9. Februar kein Mensch über unseren Intentionen im Dunkeln fein konnte. (Hört! Hört!)
Abg. Erzberger (Zentr.) stellt gegenüber bem Abg. Gothein fest, daß die Schecksteuer eine Regierungsvorlage gewesen fei, und zwar fei sie von Herrn von Mendelssohn unb anderen Großbankierl vorgeschlagen worden. ->
Abg. Tr. Paasche (Nakl.)^ Ich kann nur feststellen, daß mein Fraktionskollege Dr. Schiffer, der seine Aussagen sehr scharf zu präzisieren pflegt, ausdrücklich erklärt hat, daß die Herren der sozialdemokratischen Fraktion damit cinberftanocn sind, daß bet sozialdemokratische Vizepräsident im Falle der Verhinderung btl Präsidenten auch die Verpflichtung übernehmen werde, das Kaiserhoch auSzubringen. Ich bin nun nicht dabei gewesen, ick kann nur feststellen, was mir mitgeteilt wurde, mag sich Herr Bebel mit Herrn Schiffer auseinanbersehen. (Hört! Hort!)
Abg Bebel: Ich stelle fest, daß eine solche Erklärung nicht abgegeben worden ist. (Hört! Hort!)
Dienstag 1 Uhr Weiterberatung, ferner die Anträge auf Revision ber Geschäftsordnung Schluß G% Uhr.
Gerichtssaal.
sb. Hildesheim, 1?. Februar. Eine gewisse Leidenschaft für militärische Hebungen hat für einen hiesigen jungen Kaufmanns- lehrliug sehr unangenehme Folgen gehabt. Während der letzten großen Manöver, die auch Nachtübungen in sich Ichlossen, faßte er mit einem Freunde den Plan, sich in das iDlanöuevgelänbe zv begeben. Zu diesem Zwecke mußten sie, da der Standort der Truppen ziemlich weit entfernt war, ein Automobil benutzen. Der junge Mensch, Georg Leising, kam nun, nm die Kosten zu sparen auf die ^dee, für die Fahrt ein Automobil zu benutzen, das in einem Schuppen seines Vaters untergeftellt war. Ain einem Nachschlüssel wurde der Raum geöffnet und Leising betätigte sich als Ehaufieur, obwohl er früher niemals einen Siraftivagen gelenkt hatte. Es schien auch alles ganz gut zu gehen. Die Hebungen wurden von den beiden jungen Leuten beobachtet und nachts gegen 2 Uhr trat man bie Heimreise an. In einem Doris, das zu passieren war, bemerkte der Führer des Wagens zu spät, daß er einem Meuschentrupp sich gegenüber befand. Es war eine CfhjierSpalrouiUc, die in der Nacht noch einen Auftrag auszniühren hatte. Tie Distanz war zu gering, um noch bremsen zu können und der Wagen fuhr in die Patrouille hinein. Immerhin war das Unglück noch nicht so grou, wie es hätte fein können. Emern Pferde wurden die beiden Vorderbeine abgefahren/ so daß es sofort getötet werden mußte. Ber Reiter kam mit dem Schrecken davon. Ter Führer der Patrouille, ein Rittmeister der Reserve, kam zu Fall, da sein Pferd gescheut hatte und erlitll verschiedene Bruche an den ttnochen des Fußes, woran er noch) heute laboriert. Als der junge Mensch merkte was er angerichiLl hatte, ergriff er die Flucht, tonnte aber bald ergriffen werden, Wr Genchtsl os verurteilte ihn nut Rücksicht auf seinen bodenlosen^Lkichtsnui zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten. x.
Vmirh'cbtes.
• Aus dem finne r st - n r raut r ei ch. In der schönen Bretagne herrschen im Volke «och immer dunkelster Aberglauben und wunderliche Vorstellungen von Heren, Zauberet und lchwarzer
Kunst. Ein für diese abergläubischen Ideen deS Volkes in der Bretagne charakteristischer Vorfall hat vor dem Polizeigericht von Saint Brieux jemen Abschluß gefunden, nachdem ein armer, unschuldiger Esel vorher dem Zauberglauben zum Lpfer gefallen war. Als Angeklagte erschienen eine Anzahl junger Burschen; sie hatten abends gegen 11 Uhr das Wirtshaus verlassen und aus dem Wege durch das Dorf stießen sie auf einen Esel, der mitten auf der Ltr-.iße stand. Sofort regten sich in den Gemütern der jungen üeute abergläubische Gedanken; ein Esel mitten aus der Straße — nein, das war sicher kein wirklicher Esel, das mußte ein Zauber- eiel sein. Der eine flüsterte es dem anderen zu und einer meinte schließlich, das sei der Ortsgeislliche, der die 'JJladjt habe, sich an gewissen Tagen des Jahres in einen Esel zu verwandeln. Tie Burschen standen beieinander, raunten und flüsterten, jeder einzelne von ihnen wäre ivahrscheinlich am liebsten umgekehrt und schleunigst davongelanien, aber einer mochte sich vor dem anderen schämen und jeder wollte jemen Mut beweisen. Und so traten sie denn tapfer auf das Ungetüm zu und riefen herausfordernd: »Wir haben keine Angst vor Ihnen, Herr Pfarrer, Sie sehen es jo, wir haben durchaus leine Angst vor Zhnen!" Unglücklicherweise stel es dem armen guten Langohr in diesem 'Augenblicke ein, seine Stimme zu erheben und ein trassiges ,ia* durch die Stille der Nacht ertönen zu lassen. Tie tapferen jungen Bretonen wichen entsetzt zurück, dann aber faßten sie sich ein Herz, stürzten auf den Esel los und ivaxfen das atme Tier in eine Sandgrube. Jeder zog sein Liesset und in ein paar Minuten war der Langohr regclredjt er- boid i Tas beichteten sie jetzt, ein wenig beschämt, vor dem Polizeirichter uno erklärten: „Wir haßten ihn." Sie haben dafür ö Wochen Untersuchungshaft sitzen müssen unb jeder von ihnen ist jetzt noch mit einer Geldstrafe von 50 Frs. belegt worden.
Irischer Humor. )n diesen Tagen, in denen wieder io viel von Home Rule die Rede ist, macot folgende Geschichte oon irndhii’ Humor bie Runde in englischen Blattern. In einer Giic^tjchast in Fr land bringt ein Arzt, ein eifriger Unionist, Die Rede auj ,ei,i Lieblingstheina, die Home Rule. „Ich kann es beweisen- sagte er, „daß daS irische Volk nicht reis für Home
Rule ist, da seine Ehrenhaftigkeit zu wünschen übrig läßt. , beweisen Sie es," riefen alle Anwesenden. ,.Schön, ich vrafiu* i früher in einem Arbeiterviertel und halte itber hundctt irtV Patienten in Meinen Büchern. Nun, und was glauben 3’ ’ viele von diesen Patienten mir mein Honorar gesandt babti „Tas können wir nicht wissen, aber wir werden es Ihnen gfaul» wenn Sie es uns sagen," erwiderte man ihm „Nur >cd - sagte der Toktor mit Betonung und sah sich triumphierend < Kreise um, wollen Sie noch weitere Beweise? oder wie wo.'' Sic das erdären? „Ach, ganz einfach," erwiderte bei '.''.ar der dem Dollar am eifrigsten widersprochen, ,,es waren noch zehn von all den hundert Patienten, die Sie behandelt, ’ Leben geblieben !" Er hatte die Lacher auf seiner 5eile.
kf. Eine Herausforderung b c 6 Spiritismus •' die Wissenschaft hat kürzlich Fernand Giiod, ein dckoni c Pariser Spiritist, ergehen lassen. Er hat sich erboten, vor '<? skeptischen Mäimern der Wissenschaft ferne Borfühnigen mit «'* ■ Medium zu veranstalten. Seine Herausforderung ist angenomi r worden und Tr. Eharpentier hat den Spiritisten die Ledmgunei zugehen lassen, unter denen er äussreren soll. Bor allem foll J Sitzung in einem Laboratorium slattsinden - der Raum soll •* erleuchtet und bie Fenster und Türen versiegelt lein. Ter rühmte" Tisch muß wenigstens 40 cm von bem Medium ent «® I stehen und er darf feine überstehenden Ecken haben- Auberv» sollen photographische Platten das Ereignis genau unb über \t - I Zweifel erhaben festhalten. Dr. Charpenlier ersucht den -r'.nb I ferner noch, folgenden Versuch zu machen: Tas Gleichgewicht n- »i einer luftleeren Glaskugel befindlichen Wage soll das 1' < 1 , I stören. Girod ist auf diese Bedingungen eingegangen; nur hat er Vorbehalten, daß die Versuche in drei Stadien gemacht irer^ nämlich zuerst in der Dunkelheit, bann bei einem roten "ichte » zuletzt bei gewöhnlicher Beleuchtung. Ferner bestehl er bai; alle Anwesenden einen Kreis bilden. Man ist gcspanm den Erjotg, den der Spiritist und fern l'ieöium, Mabaine Dm«a> haben werden.


