Nr. 272
Drittes Blatt
162. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giehener ZainilienbläNer" werden dem ,91n;eifler' viermal wöchentlich beiqeleqt, das „Krtlsblnit für den Krtls Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eil- sragen" erscheinen nwnatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
Eeneral-Anzeiger für Oderheffen
Montag, 18. November 19(2
Rotationsdruck und tkrlaq der Brühl'schen UnioersltätS - Buch» und Steindruckerei.
R. Lange, Giebeii.
Redaktion, C-xpcdilro« und Druckerei: Schiil- strahe 7. Erpedltion und Bering: fe*» 51.
Redaktion:^»S112. Tel.-Adr.:Anzeigers,ehen.
Lieb Vaterla«- »nagst rubia fein?
Aus Friedberg erhalten wir von einem höheren Beamten, der sich, wie er uns schreibt, wicht zu den Chauvinisten rechnet, folgende Zuschrift, die „aus Sorgen um die Zukunft unseres Volkes" geschrieben worden ist. Zn manchem hat der Verfasser schon recht, wenn er auch mit etwas krassen Farben malt:
lieber die Vorgänge im naben Osten an fierte dieser Tage ein Minister im Zwiegespräch mit einem Mitglied des preuszitäten Abgeordnetenhauses: ,^Ia, dir bcutfdr. Regierung ist eben durch den Gang und die ernste Wendung der Ereignisse vollkommen überrasch: worden." Genau so unerwartet wie der Balkankrieg kam unserer Diplomatie aber auch 1904 der japanisch-russische Krieg und 1911 die Stellungnahme Englands in der Marotloiragc, sowie der unmittelbar folgende Ausbruch des italienisch türkischen Krieges. Ter endgültige 3ulammenbnid- des gesamten türfifdwn Reiches scheint iefct vor der Tür zu stellen. Tte französische und englische Presse legt sich deshalb, auf Wink vom grünen Disch, bereits scharf dafür ins Zeug, baß ihre Flagge Klein Asien, Snrien und Meso potamicn gebühre, also Gebiete, auf die Deutschland bereits durd) Moltke, List, Sprenger, Kaerpcr, Lagarde, ,o sogar Lassale. Irin gewiesen würde, Landstrich?, tu denen Deutschland heute die aller- aröstten nrirrfdxiitlidicii Interessen hat. Vorstehend an gebeut etc Tatsachen geben nun der „Täglidtcn Rundschau" Anlab zu folgenden Erwägungen, die nur unseren Lesern nich-t vorenthalten miöchten.
„Um ein Haar wären wir in die groteske Lage gekommen, unseren Musketieren sagen zu müssen, wir 3ieben mit Gott in den Krieg, allerdings nicht für Kaiser und Reich, aber dafür, bafc die Serben nidft Durazzo kriegen Mit Angstschweis; auf der Stirn lütte man es auch den Landwehrlenten vorerzählt. Dieser Kelch scheint ja nun glücklich vorüberzugehen. Aber eine ähnliche Lage kann von heute aus' morgen, kann über Radu hereinbrechen. Was bann? Einem Krieg entgehen mir nidjt, darum must es ein von uns gewollter Krieg fein. Tappen wir in ihn hinein, obwohl er uns änderst peinlich ist, so haben wir ihn schon verloren: trenn einer auf bic Mensur gezerrt wirb, so ist die Abfuhr ihm totfidyer.
Man krampft die Hände . . .
Inzwischen vermehrt England seine Nordseeslotte durd) zwei moderne Dreadnoughts, die für Rechnung der Türken auf Stapel gelegt worden waren. Unb Frankreich, über dessen ll-Vulver nur nickt so stürmisch beglückt sein sollten, bat zurzeit elf neue Dreabnouglsts im Ban.
Unb wir? . . .
Zn einer solchen Seit aber herrscht „oben" bei uns nur ein einziges Bestreben: die dtaraltervolle Presse mundtot zu machen. Der Aussd>rei der Nation wird zngebeclt mit offiziösen Waschzetteln : unb in amtlichen Konventikein wirb ber „gutgesinnten" Presse nabcgelcgt, sie möge doch alles tun, was sie könne, um den Leuten vom Wehrverein und ähnlichett Organisationen das Handwerk zu legen.
Wir wüssten nicht, was gleichgültiger wäre, ob gegen Aeuße- rungen des nationalen Unmuts gekämpft wird oder nicht. Das aber wissen wir, bar bic Nation noch nie so hoffnungslos dem Werke ihrer verantwortlichen Staatsmänner zugeschaiit bat. Staaten gehen in Trümmer, Erbteile werben neu verteilt, Nationen schleifen wider uns das Schwert, bei uns aber heißt es: Ruhe ist die erste Bürgerpslid^. Was würden wohl die Engländer, trenn sie in Berlin regierten, jetzt tun? Jetzt, wo bic europäisdye Türkei „gewesen" ist, unb Syrien, Arabien, Armenien zu folgen scheinen?
Sie würden erklären: dann übernehmen wir Staatsmänner von Berlin, weil wir von jeher bic Organisatoren unb Helfer der Türkei gewesen sind, jetzt das Protektorat über den Nest, über Kleinasien unb Mesopotamien, zumal da wir dort die allergrößten wirtschaftlichen Fntercssen haben, nidst nur an ber Lnatolischen unb Bagbabbahn.
Unb mir?
Niemanb bei uns beult an eine berartige „Vermessenheit", nicmanb bei uns denkt überhaupt daran, was wir haben müssen, wenn alle anderen Nationen fid' bereichern und burd) Land- enrerb für ihre Enkel sorgen. Wir haben ja bic beiben Kongo- tzipfel: wir kriegen oiclkidyt einmal etwas von Portugiefisch- Ajrika . . .
Wohin bicse Politik führt, daS ist völlig klar: zur absoluten EntfretNduug zwischen der Negierung unb ben nationalen Sdächten des Volkes. Viel starker, als die Herren am grünen Tisch ahnen, wirkt die äußere auf die innere Politik. Es ist Tein Wunder, das; 1912, int Jahre nach Agadir unb bem nachherigen kläglichen Rückzug, 110 Sozialdemokraten in den Reichstag entzogen. Man Lat keine Lust mehr. „Es ist bod) alles vergebens." So sprechen nidst junge Brauseköpfe, sondern weis haarige Herren der geistig führenben Kreise, unserer höchsten Beamtensdxn't selbst. Eine sressenbe Wut hat sie alle gepackt, weil Deut sd lanb mit einem starken Heer unb einer mächtigen Flotte nichts anzufangen weist, ein geradezu rasender Zorn gegen die V erpasser aller Gelegenheiten. Wer wagt cs, das zu bestreiten ? Oder geben nicht vielmehr Zehn-- tausende mir recht?"
Eine tiefe Niedergeschlagenheit greift ohne Frage zusehends in weiten, nationnlgcfüinten Kreisen nufere» Volkes Platz au gesichts der Schwachen unserer Diplomatie und angesichts der Ohnmacht unserer :)lcgierung, dem Volke große Ausgaben unb Ziele zu weisen, während unsere Warfibarlänbcr fid) einer strassen und klaren Führung erfreuen. Lieb Vaterland, magst ruhig fein ? Gewiß, Handel und Wandel blühen unter den Segnungen des Friedens, wie nie zuvor. Das deutsche Volk erntet mit vollen
Händen die Früchte seines Fleitzes Aber gerade das gibt unseren Neidern ringsum Anlas;, schier über ihre Kraft zu rüsten,, um den unliebsamen bcutichen We.tbewerb auf dein Weltmarkt wo- möglich mit ' lewalt auszust nicht mehr „Das Volk in Waffen". Frankreich hat ihm, was Zahl unb Organnation angcljt, trotz geringerer Einwohnerzahl, den Rang nbgclamcn. Unb wir treiben eine verhängnisvolle Bogelstraustpol'lik, wenn wir etwa auf die körperliche Unterlegen heit der französischen Armee redrnen.. Man lese nur die Beridn? unabhängiger unb durdwns fadmerftänbiger Männer über ben Verlaus ber sranzöfifd)en Herbstübungen. Ein böser Wind bläst eben von Westen her. Frankreich träumt von neuen Siegen und hält uns für minderwertig, entsdstustlahni^ und opsermüd. Es pocht auf feine gewaltige Uebcrteqcnhcit in Flugzeugen, Ma- fdiinengewchrkomvagnien, Feldartillerie Besvannungen und Rad- fahrabteihmgen bei der Kavallerie. Es weist aud) z. B. hohn Indien!) darauf hin, das; die jüngst ausgestellte „Kavallerie der deutschen IG. Division in Trier" in Friedenszeit überhaupt kein Kavallerieregiment besitzt. Eine derartige „Wirkung" bat sich her gute deutsche Michel von seiner vielgerühmtcn Heeresvorlage 1911 denn bad, wohl nicht ücrforodieit. Und er wird noch seine blauen Wunder erleben, wenn er wähnt, . nur Ruhe könne es machen." Voraussichtlich stehen wir nur allzubald vor ber ent scheibenben Prüfung unserer militärischen Stärke, unserer Einigkeit in grosten Fragen unb unserer Entschlußkraft. Eile tut bitter not. Die Lüden in unserer Rüstung müssen ohne weiteres auSgcfüllt merben. Denn ben Frieben unb unsere Weltstelluna sichern wir um fo aewisser, je eher bem Ausland k ewiesen wird, das; das deutsche Volk die Nolle des Aschenbrödels gründlich satt hat unb baf; wir fest entschlossen sind, entsprechend unserer Kops zahl, Industrie, Mad>tmiltel unb hdtircUen Verdienste, hinläng lidyen Platz an der Sonne zu beanspruchen.
Der Verfasser, der nicht als Ehauvinist ang "sehen wer- will, ist aber ein Sc' .varzseher. © ine Menung ist j'öoch, wie wir schon bemerkt hiben, an vie'en Stellen zntreff'nb Dast unserer Reichsrsgierunq Zielbewusttsein und Ent- schlossenh-'it fehlt, wirb attmäh ich di' Ansicht b"s ganzen Volkes. Die neueste Nummer eines Wihblattes, bas wabr- lich nicht nattonalen Tendenzen hu'digt, bringt eine Karr:- katur des Reichskanzlers v. Bethmann-^ol'w g wie er als Schläfer auf seinem Sessel die Fragen der inneren unb äusseren Politik abtut etwa mit ber W rnbung „Was gehts uns an". Wir glauben nicht, hast bei ber Balkanfrage jetzt schon für uns eine Gelegenheit verpaßt ist. ES war bisher unseres Erachtens unmöglich, baß bas amtfid’e Deutsd lanb mit territorialen Ansprüchen auftrat. Allerdings trauen auch wir der jetzigen Rgierung nicht die nötige Geschicklichkeit zu, unsere Interessen gegebenenfalls entschieden zu wahren. Unb in ber Wchrfrage wirb es allmählich zweifelhaft, ob Herr v. Bethmanu-Hollwcg das Nötigste angeforbert hat. Wenn wir heute, ohne unfern Willen, in einen Krieg verwickelt werben, wirb man vielleicht mit Sorge biefe Frage aufwersen.
Berlin, 17. Nov. Die „N 0 r b d e n t s ch e Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wod>eurunbschau: Die Bewaldung des Einvernehmens unter den Großmächte!!, die für eine gemein same Lösung ber Crientiragcu notig ist, sand während der ab- gclaufcncn Woche in mehreren Shmbgcbungen berusenc Fürsprecher. Die Hoffnung ist berechtigt, dast sid) etwaige Erwartungen ans ein Ansein andersallen Europas in zwei Lager nicht verwirklichen werden.
Ein allgemeiner öeutf^er hansa^ai.
Berlin, 17. Nov. Heute mittag fand im Abrnirali- tätspalast ber Allgemeine beutsche Soanfatag statt Zahl- reidje* Abgeordnete ber liberalen Parteien waren erschienen Der Präsibcnt bes HansabunbeS, Riesser, wies in einer längeren Rebe darauf hin, baß ber Hansabunb in erster Linie bic Herbeiführung bes sozialen Fricbens erstrebe. Er trete ebenso für bie Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ein. Dann sprach Prof. Delbrück über Sozialpolitik unb Unternehmertum. Er führte aus, es sei erforberlich, be- zuglich her Sozialpolitik vorläufig nicht w.i'erzugehen, ba bie Unternehmer alsbann als Konkurrenz auf bem Weltmarkt nicht bestehen könnten. Abg. Stresemann sprach über bie Inbustrie unb Hanbelspolitik. Er forderte, baß ber Inbustrie unb bem Handel bie glcid>en Rechte wie der Landwirtfckmft eingeräumt werben. N a u m a n n sprach über Wirtschaftspolitik unb nationale Ausgab n. Er betonte bic Notwcnbigkcit, baß alle linksstehenden Parteien, möglichst einschließlich ter Sozialdemokratie, Zusammengehen müßten, luenn es gelingen sollte, bic Junker unb bic Klerikalen zu bekämpfen unb ein weiteres Fortschrciten der Reaktion zu verhinbern.
In einer Schlußrebe bemerkte Ricsser, ber Hansabunb führe ben Kampf nicht bes Kampfes w.g'n, sondern um bic allgemeine Gleichberechtigung. Er sei leineswegs ein Feinb ber Landwirtschaft unb wolle auch bie Land- wirtschaft förbern. Die bürgerlichen Erwerbsständc müßten sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenschließen, um bessere wirtschaftliche Zustände herbeizuführen. Dann schloß Ricsser ben Hansatag.
wie der Sultan die Einzeltzeiteu öcs Zusammenbruchs erfuhr.
Einen bczeichnenben Einblick in bic Lage bes türkischen Sultans, ber, auf Nachrichten ivartenb, in seinem Schlöffe in Konstantinopel jetzt eine Unglückskunde nach der unteren empfangen hat, gcnwbrt ein Vorfall, ber sich am Sonntag ereignete, und ber dem Padisdmh zum erstenmal, wenn auch nur indirekt, die ganze Tragiueitc der verlorenen Schlachten und den ganzen Jammer der Flucht vor Augen führen mußte. Und es wirr kein türkischer Offizier, der dem Beherrscher der Gläubigen von all diesen urchtbaren Einzelheiten erzählte: aus bem Munde eines Fremden, aus ben Schilderungen eines Europäers mußte ijer Pabischah bie Details der Ereignisse erfahren, bereit grobe Umrisse ihm ber Draht schon nritgctcilt hatte. Am Sonntag mittag würbe ber englische Kriegsbericht- e r ft a 11 e r Alan Ostler vorn Sultan empfangen, benn ber Herrscher wollte von bem europäischen Augenzeugen einen ungeschminkten Bericht hören.
Ostler war uad) ber Schlacht von Lu eie Burgas ber Küste zugeeilt, ritt zwei Pfcrbc zu Schauben, telegraphierte aus dem Wege über Rumänien seine Berichte unb eilte bann nach Konstantinopel, wo er von Kiamil Pascha, dem Großvcsir, empfangen würbe. Der Englänbcr schilberte dem Großvesir bic furchtbaren Szenen, bic er auf ber Flucht mit angesehen hatte, unb bic trostlose Verfassung ber Flüchtlinge. Zwei Stunben später rief ein Bote ben Englänbcr zu bem Sultan.
In seinem Lonboncr Blatte gibt bet Kriegskorrespondent eine Schilderung dieser unerwarteten Auoienz. „Um 2 Uhr mittags ging ick; zum Dolmabagtsche-Schloß^ Man führte mich sofort zum Sultan, und dreiviertel Stunden lang lauschte er meinen Sck;ilberungen der furchtbaren Bilder, bie ich währ en b meines Rittes sah. Ich sagte ihm alles, beschrieb ihm bic entsetzliche Verwüstung des Landes, das id) durchritten hatte, berichtete ihm, daß jedes Dorf von seiner Bevölkerung verlassen unb daß die meisten Dörfer abgebrannt seien „Die ganze Bevölkerung der östlichen Türkei flüchtet nach Konstantinopel", so sagte id) zum Sultan. „Das Volt hat seine .Habselig- i'eiten auf Ochseukarren geladen unb biefe Gefährte sperren 15 unb 20 Meilen weit wie ein Damm alle Straßen." Ich wies ben Sultan barauf hin, baß Tausende von ver- 1 tim bet en Solbaten ber Armee sich unter bicse Menge von Bauern gemischt hätten unb ich sagte ihm: „Alle hungern, Männer, Frauen unb M'inbcr, beim nirgends ist Nahrung zu erlangen." Ich stellte seiner Majestät bic cringenbe Notwenbigkeit einer sofortigen Organisation von Hilfeleistungen vor, wenn anders diese Horben verhungerter unb von ber Furcht gepeitschter Leute nicht buck>stäblich vor ben Toren der Hauptsrabt ben Hungertob erleiben sollten.
Der Sultan war sichtbar bebrückt, währenb er meinen Schilberungen lauschte. Am Schlüsse ber Uiitcrrebimg nahm der Sultan meine Hanb unb dankte mir mit großer Wärme." Nod) am Abenb begannen bann bic Vorbereitungen zur Einschisfung ber Flüchtlinge, bic nach Asien hinübergeschafft werben sollen, aber, so berichtet Ostler, „es fehlt an Organisation. Schon jetzt umlagern bic ausgehungerten Scharen bic Stabt unb bringen bic Ruhr mit sich: unb wenn nicht sofort etwas geschieht, wirb eine Hungersnot ohnegleichen bic Folge sein. Wenn bic Armee selbst nicht ernährt ist, ist es unmöglich, bie Flüchtlinge zu ernähren, unb ungezählte Tausenbc müssen bem Hunger tobe anheim- fallen".
Tagung des hessischen Eauverbandes gegen den 2llfol)oli$mus.
Gieß en, 18. Nov.
Die vierte Tagung bes Hessischen Gau- verbanbes gegen ben Aiko Holismus unb die mit ihm verbundene A u s st e l t u n g wurde am Sonntag vormittag 12 Uhr burd) Geh. Regierungsrat Dr. Dietz, ben Ehrcnvorsitzcnben bcS Verbanbes, in Gegenwart der Behörden unb eines zahlreich erschienenen Publikums eröffnet. Geheimrat Dr. Dietz zeigte, wie alle Gebiete ber Verwaltung unb ber Wohlfahrtspflege an ber Alkoholfrage interessiert seien Zwar sei schon mancherlei zur Bekämpfung bic)cs Erbübels geschehen, namentlich seitbem in letzter Zeit bic Regierungen unb kommunalen Verwaltungen ihr Augenmerk auf bic Enthallsamkeitsbcstrebungen gerichtet hätten, aber noch immer sei ein gutes ^tück Auf- Ilärungsarbeit zu leisten. Diesem Zwecke will bie Wanderausstellung bienen. Möge sie Gießen unb Umgegend ’unt Segen gereichen! Darauf übernahm Mebizinalrat Dr. Dietz von ber Heil- unb Pflegeanstalt in Gießen bic Ausstellung mit Worten bes Dankes, inbeni er barauf hin-
Dauernde Behebung
der Nervenschwäche
darf iuan sich nicht ohne gleichzeitige allgemeine Kräftigung des Organismus vorstellen.
Die Nerven sinb bic birigicrcnbm Organe bes Körpers iliib ihre Schwäche beeinträchtigt bcShalb auch bas Gesamtbefinden. Umgekehrt ist bei diesen hörigen Wechselbeziehungen eine einseitige Kräftigung der Nerven ohne Behandlung des ganzen Körpers als ausgeschlossen zu be-
zeickfuen.
Eine Wirkung ans die Nerven wird immer erst durch verschiedene andere £ rganc und Vorgänge im Körper vermittelt und ermöglicht. Es gibt deshalb keine direkte Nervennahruug, sondern nur eine indirekte Nervenkräfti- gung durch Hebung des Allgemeinbefindens.
Die Amveiiduug eines Mittels wie der Soma kose mit jhrcn appetitanregenden, kräftigenden Eigenschaften ist gaiiz besonbea's ratfam, und zwar deshalb, weil bie Ursche der Nervensck>wäche weit wciiiger auf Ueberaustren- gun-g im allgemeinen (geistige und körperliche) zurückzuführen ist, als auf unzweckmäßige Lebensweise und uu- ratwncUc Ernährung. Viele nervöse Personen leiden auch an Appetitmangel, der in engem Zusammenhang steht mit zu geringer .Absonbernug ber Berbauungssäftc.
Diese Schwäche ber Verbauungsorgane vermag bie So- matosc zu beheben, weil sie — wie in vielen Wissenschaft^ liehen Arbeiten betont bic Magensaftabsonberung günstig beeinflußt unb baburd) bireft appetitanregend wirtt.
Es ist also irrig, wenn man glaubt, mit Beefsteaks, Eiern usw. bie Nerven unb ben Körper schnell wicberher- stcllen zu können. Die kräftigste Nahrung nützt vielmehr nichts, wenn ber geschwächte VerbauungSapparat sie nicht verarbeiten farm, sondern sic nur als Belastung enipfiiibct. Wenn infolge des Appetilmangels das Essen nicht mit Freude, sondern birett mit Unlust und Zwang genossen wird, dann kann es nicht anschlagen.
Ein Füllen des Magens ist eben noch keine Ernährung, weil es nickst darauf antommt, was der Mensch ißt, son- dorn was er verdaut.
Das zweckmäßigste Mittel für Personen mit geschwächten Verdauungsorganeu ist darum dasjenige, das die Absonderung der Berbauungssäftc auf natürliche Weife an- regt, ebenso bem Magen und überhaupt ben Bcrbauungs- organen bie Arbeit erleichtert.
Wenn mir von diesem Standpunkt ausgehen, finden nrir, daß die in der S 0 m a t 0 f e vorliegenden Albumofen — eine aufgeschlossene, leichtverdauliche Eiweißform — gegenüber ben obenerwähnten Eiweißkörpern ber üblichen Kost bei Bcrdauungsschwäche entschieden im Vorteil sind. Sie beanspruchen nicht nur vom Magen eine kürzere und
geringere Arbeit, sondern vermögen auch eine natürliche Steigerung des Appetits zu bewirken.
Wirb besl>alb bic S 0 mat 0 se als 93 c t F 0 ft in ben übliästn sparsamen Dosen gegeben, so erfolgt in ber Regel eine allmähliche Beseitigung ber Bcrbauungsstörungen unter befferer Blutbildung und Ernährung bes gesamten ztörpers Als weitere natürliche Folge ergibt sich die Wicderträftigung und Aufsrischung ber Nerven.
Es ist also ratsam, bei Nervenschwäche, Verbauungsstörungen, >hräfteverfall, überhaupt bei allen Beeinträchtigungen bes Allgcmeinbcfinbens infolge unzweckmäßiger Ernährung bie S 0 mat 0 se zu probieren.
Seit nahezu 20 Jahren bewährt, in allen Kulturstaaten bekannt, unb von ber Aerztewelt so grünblich wie kein ähnliches Präparat geprüft, bietet bie S 0 mat 0 se die beste Garantie für eine erfolgreiche Anwendung.
Man mache einen Versuch von 3—4 Wochen Dauer, um sich selbst von der Wirksamkeit der Somatose zu überzeugen.
Man verlange bie Somatose in ber nächsten Apotheke ober Drogerie, entweder flüssig in Originalflaschen zu Mk. 2.50 (Zwei Geschmacksarten: „süß" und „herb") ober in geschmackfreier Pulverform. Von dieser sinb Packungen zu Mk. 1.40, Mk. 2.60, Mk. 5.— und Mk. 12.— erhältlich Für längeren Gebrauch sind die großen Packungen als etwas vorteilhafter zu empfehlen. C”/


