Ausgabe 
21.6.1912 Zweites Blatt
 
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Mogelet, Manufaktur, in Bühl, ist heute eingestürzt wobei drei Personen, zwei Männer und eine

Unlversitäts-Nacl^ricyten.

Ein Dresdener Bürger, der vorläufig nicht genannt fein will, erklärte sich bereit, eine Million zur Errichtung einer Universität in Dresden zu stiften. Anderweitige Beiträge für diesen Zweck sind in Aussicht gestellt. Außerdem sind weitere fünf Millionen Mark in Aussick>t gestellt worden.

Die Universität Iena zählt in diesem Semester 1943 immatrikulierte Studierende gegen 1738 im Wintersemester 1911/12 und 1902 im Sommersemester 1911. Hierzu kommen 115. Hörer. Die Gesamtfrequenz beträgt somit 2058.

Di e tierärztliche Hochschule in Berlin feierte am Donnerstag ihr fünfundzwanzigjähriges Jubi­läum.

LuftSctnffahrt.

! Mainz, 19. Juni. Heute vormittag kurz vor 7 Uhr über­flog eine Rumplertaubc die Stadt, und landete auf dem großen Sande, wobei das Fahrgestell zerbrochen wurde. Sie kam von Straßburg und wurde von 2 Offizieren der dortigen Flieger­truppe geführt, die bei dem Unfall keine Verletzungen erlitten. Der Aufstieg war um 4,36 Uhr erfolgt.

Hamburg, 19. Juni. Ten Mitteilungen des Führers Glund des Luftschiffes .Viktoria Luise* über die gestrige Fahrt ist folgendes zu entnehmen: Trotz starker Winde und heftiger Regenschauer wurde um 4 Uhr 32 Min. morgens die Fahrt von Düsseldorf nach Ham­burg angetreten. Dichte Nebel erschwerten die Orientierung, ive?- halb den Nbemlani abwärts die Richtlinie genommen iviirbe. In 'chnellcr Fahrt fuhr das Luftschiff bis Gelder n. Von 91 m m ers- fort wurde die Fahrt westlich am Zuydersee nach Amsterdam fort­gesetzt, daS um 7 Uhr 40 Min. erreicht wurde. Nach einer Fahrt über den Zliydersee war das Luftschiff über Groningen. Die Wetter­lage hatte sich nicht verändert. Starke Querwinde aus Süden, dichter Nebel und stärker werdender Regen gaben zu bedenken, ob nicht eine Abkürzung der Fahrt geraten sei. Ein Schaden am hinteren rechten Propeller zwang das Luftschiff, den in Aussicht genommenen Weg über Norderney, Borkum und allenfalls Eux- Haven auszugeben und möglichst direkt auf Hamburg zu steuern. Auf der weiteren Fahrt bewährte sich die Leistungsfähigkeit der beiden Motors auks beste. Von Groningen ging es nm 12.15 Uhr über Langekken am Dollart vorbei immer noch in Sturm und Regen. Bei Bremen trat günstige Witterung ein, so daß das Luft- schiff abtrocknen konnte. Ueber Zeven und Buxtehude wurde um 4 Uhr 50 Min. Hamburg erreicht. Nach Aussage eine« Fahrt- teilnehmers hat das Luftschiff in Holland, wo man eine derartige Bauart bisher nicht gesehen hat, großen Eindruck gemacht. I" den größeren Städten wurde cs mit lautem Jubel empfangen.

Kiel, 19. Juni. Ganz vorzügliche Leistungen vollbrachte der Flieger Caspar auf seiner Taube. Er erreichte eine Höhe von 3250 Metern: Hirth vollführte einen zweiten Höhenflug ohne Passagier und erreichte 2900 Meter Höhe. Beide Flieger wurden bei ihrer Landung von dem Publikum mit jubelndem Beifall begrüßt.

Madrid, 19. Juni. Der Flieger M a u v a i s versuchte gestern einen Rundflug und fuhr um Madrid, als der Flugapparat durch einen Schwarm Heuschrecken überfallen wurde und aus 20 Meter Höhe abstürzle. Mauvais blieb unverletzt.

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Landwirtschaft«

E i n Einfuhrverbot in Oesterreich. Tie .Diener Zeitung" veröffentlicht eine Bekanntmachung de4 Ackerbau- m i n t st e r i u m s vom 18. Juni, durch welche ivegeu des Be­stehens der M a u l - u n d K l a u e n s e u ch e i n T e u t s ch l a n d die Einfuhr von K l au en tieren zu Zucht- und N u tz - zwecken nach Le st erreich verboten wird.

Friedberg, 20. Juni. Auch in diesem Jahre findet an der Obstbauichule zu Friedberg ein Kursus statt, bei dem die Verwertung sämtlicher Beerenobstarten nach be­währten Verfahren vorgekührl wird. Ter Kursus hatte sich bisher stets der Kunst unserer Hausfrauen und der jungen Damen er­freut. Sein Besuch hat sich von Jahr ah Jahr erhöht, so daß im vergangenen Jahre verschiedene Anmeldungen nicht mehr berück­sichtigt werden konnten. Ter Kursus findet am 2., 3. und 4. Juli statt. TaS Honorar beträgt für Hessen drei und für NicbtKeffen iünf Mark. Anmeldungen sind an die Direktion der Lbslbaujchule zu richten.

Müller'sche Badeanstalt.

W a i i c r marine der Lahn a in 21. Juni: 166 R.

Vermischter.

Einsturz einer Fabrik Aus Bühl bei Gebweiler toirb unterm 19 Juni gemeldet: Das Stückputzereigebäude E.

HanSel.

* Die Wormser Bankfir m a F. n. E. R i s ch m a n n Qet)t am 1. Juli d. I. an die Süddeutsche Tiseonto-lÄesellschast über.

Oberrheinische Versicherung Maunhei m. Tie Hauptversammlung genehmigte die Verschmelzung des Unter­nehmens mit ter Kölnischen GlaSversicherunaS-GeseUschaft.

Der Kupferblech-Verband Kassel, welcher erst kürzlich den Preis für Kupferbleche um Mk. 2. steigerte, hat neuerdings eine weitere Erhöhung deS Preises um Mk. 3. be­schlossen und berechnet jetzt Mk. 194..

Arbeiterbewegung

Der Verband der M c t a l l i n d u st r i e H e n in Halle a. d. S., der sich mit dem Kamps der Metallindnstriellm in Hannover be'chäftigte, beschloß, am kommenden EamStag 60% der Metallarbeiter von Halle und den Nachbarorten an»- zusperren. Magdeburg wird ähnlich vorgehen.

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Verfügung mit Zustimmung des Berechtigten erfolgt war, konnte auf Aufhebung des ersten Urteils,. Freisprechung und Belastung der Staatskasse mit den Kosten, erfannt werden.

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Sport.

Kiel, 19. Juni. Bei der zehnten Regatta um den fran­zösischen Eintonnerpokal siegte die englische JachtBunty" zum dritten Mal und gewann den Eintonnerpokal. Die dänische Jacht Nurdug 2" wurde zweite, die deutsche JachtWindspiel 16'" dritte, die holländische JachtNeerlandia" vierte.

Märkte.

II Marburg, 20. Juni. Auf dein heutigen Schweine markt, der mit rund 900 Ferkeln, Läufern und Einlegschweinen be'ahren war, zogen bei flottem Geschäft die Preise tüchtig an. 67 Wochen alte Ferkel kosteten 35-40 Mk., 34 Monate alte Läufer 60-80 Mk. und Einlegschweine 100160 Mk. das Paar.

le. Wiesbaden, 20. Juni. H e u- und Stroh markt. Angesahrcn waren 6 Wagen mit Heu und Stroh. Man notierte:* den 6.40-8.00 Mk., Stroh fRichtslroh) 4.00-5.60 Mk. Fr u ch 1 m a rkt. Hafer 22.0023.20 Mk. Alles tot 100 Kilo.

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Zusammenhang zwischen dem, was der Zeuge dem Angeklagten mitgeteilt hat und seiner jetzigen Aussage gefunden werden kann.

Der Staatsanwalt fragt den Angeklagten, ob er diesen Fall als Grundlage zum Beweise eines Uebergriffes der Frau Schapiro benützt habe. Ter Angeklagte und sein Verteidiger Bernstein bejahen dies. Staatsanwalt: Tas ist also falsch! Ich möchte an den Angeklagten die Frage richten, ob 'er zugibt, dav in diesem Falle Frau Schapiro keine Schuld trifft.

Verteidiger Bernstein: Ich gebe das nicht zu und ver­wahre mich gegen die Art der Fragestellung.

Staatsanwalt: Gut. Vorsitzender: Ter Herr Staatsanwalt wollte ia nur sagen, ob der Angeklagte zugibt, falsch informiert zu sein. Es wäre doch möglich, daß durch diese Feststellung die Verhandlung etwas gekürzt werden könnte. Verteidiger Bernstein: Tas ist etwas anderes.

Die Verhandlung wird dann abgebrochen und auf morgen früh 8 Uhr vertagt.

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Gietzener Strafkammer.

Gießen, 18. Juni.

Freiwillig gestellt hat sich der Arbeiter L. G. von Wallenrod, der an einem Sonntag im Hofe einer hiesigen Wirtsck>aft ein Fahrrad im Werte von etwa 90 Mark gestohlen hatte. Mit dem Rad war er nach Lollar gefahren, wo er es für 13 Mark an einen Arbeider veräußerte. In Friedland machte er einem Gendarmen Anzeige von dem Diebstahl und ließ sich verhaften. Da er wegen ähnlicher Straf­taten schon mehrfach vorbestraft ist, wurde er als rückfälliger Dieb mit einem Jahr Gefängnis und Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren bestraft. Ein Monat der Untersuchungshaft wurde ihm auf die Strafe ange- redynet.

Auf raffinierte Art und Weise verstand cs der wegen Betrügereien mehrfach vorbestrafte Reisende S. Sch. von Temesvar in Ungarn, den Kaufmann G. W. dahier um 100 Mark zu schädigen. Er gab vor, er wolle ihm ein Fuß- bodenreinigungsmittel Antiolin verkaufen, und zeigte ihm an einer Probe, die er bei sich hatte, die verblüffende Wirkung dieses Mittels. Er bot dem .Kaufmann den Alleinvertrieb des Mittels für einen größeren Bezirk an und W. unterzeichnete einen Lizenzvertrag, nach dem er als Gegenleistung 200 Mark, davon 100 Mark sofort, zu zahlen hatte. Jetzt erft machte ihn der An­geklagte mit den Bestandteilen des Reinigungsmfttels bekannt. Als W. erfuhr, daß Chlormagnesium, pessen zersetzende Kraft ihm bekannt war, einen wesentlichen Bestandteil bilde, tauchten ihm zwar Bedenken aus, allein er fühlte sich durch den Vertrag ver­pflichtet und zahlte die 100 Mark aus. Später stellte sich heraus, daß weitere Angaben des Angeklagten erfunden waren. Da der Angeklagte sich heute darauf berief, .das Mittel habe sich ander­wärts glänzend bewährt, hielt die .Strafkammer die Vornahme weiterer Ermittelungen für geboten und vertagte die Verhandlung. Wegen Urkundenfälschung und Betrugs stand der Schreinermeister W. I. von Zell vor Gericht. Er hat im Sommer v. I. an eine Reihe Alsfelder Geschäftsleute Karten und Briefe gesandt, in denen er unter fremdem Namen Waren bestellte und um deren Ablieferung (in der Wirtschaft zumGrünen Bäum" in Alsfeld ersuchte. In zwei Fällen gelang es ihm, sich in den Besitz der abgelieferten Waren zu setzen. Da der Angeklagte noch unbesttaft ist und offenbar Rene über seine Tat empfindet, wurde er unter Annahme mildernder Umstände wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs zu vier Monaten Gefängnis ver­urteilt.

Erfolgreiche Berufung.

Der Maurer G. B. und der Bergmann H. R. in Nieder Ohmen waren vom Schöffengericht in Grünberg mit Freiheits­strafen belegt worden, weil sie für schuldig befunden wurden, im Januar d. I. zu Mieder-Ohmen nach einer sozialdemokratischen Hierversammlung den Landwirt Cl/r. M. von Niedcr-Ohmcn und den Maurer K. G. von Ruppertenrod nachts auf dem Heim weg überfallen und mißhandelt zu haben. Auf die Berufung der Angeklagten führte die heutige Verhandlung zu dem Ergebnis, daß ein Beweis für die Täterschaft des Angeklagten B. nicht au erbringen war, weshalb seine Freisprechung erfolgte. Den Angeklagten R. hielt die Strafkammer nur der Körperverletzung an dem Ehr. M., der den AngeNagten in der Dunkelheit bestimmt erkannt hatte, für überführt und verurteilte ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 50 Mark. Im übrigen wurde er unter Aufhebung des ersten Urteils freigesprod^en.

Freisprechung erzielte auf seine Berufung gegen ein Schöfsengerichtsurteil der frühere Gutsbesitzer K. G. in Elpenrod. Er hat eingeerntetes Heu, das von dem Spar- und Vorsdmßverein in Groß-Felda für rückständige Zinsen gepfändet worden war, bei dem Berkans seines Gutes mitveräußert. In der heutigen Verhandlung stellte sich heraus, daß der Angeklagte vor dem Verkauf bei dem Verein angesragt batte, ob er das Heu mit dem Gute veräußern dürfe, und daß er hierzu die.Genehmigung erhalten hatte. Ta somit seine

tötet und neun Personen, darunter zwei schwer ver­letzt wurden. Ein Arbeiter wird noch unter den Trümmern vermutet Das eingestürzte Gebäude n»ar nad) einem Brande im Jahre 1893 neu ausgebaut worden. Bon Mühlhausen ist eine Sanitätskolonne mit Aerzten zur Unglücksstelle geeilt. Weiter wird darüber noch berichtet: Heute mittag kurz nach 3 Uhr stürzte ein Teil des Webereigebäudes der Firma Rogelet ein und begrub etwa 60 Arbeiter unter seinen Trümmern, die in diesem Teile des Gebäudes beschäftigt waren. Getötet wurden vier Personen, zwei Männer und zwei Frauen, verletzt wurden 16'Personen, davon zwei oder drei schwer. Mit den Ausräumungsarbeiten wurde sofort begonnen. Es^waren Feuer­wehren von Bühl, Gebweiler, sowie versclnedene Sanitätsabtei­lungen gleich zur Stelle. Tie Verwundeten wurden teils in ihre Wohnungen, teils in das Spital gebracht. Ueber die Ursache des Unglücks steht noch nichts genaues fest.

* Kasernenhofblüte. Unteroffizier szu einem Sol­daten, der wähvend des Dienstes einen Bleistift hinter einem Ohre hat):Ja, sagen Sic mal, Meyer, Sie sind wohl tanz von Jott verlassen. Oder soll ick Ihnen vieUcicht sür'n Blei­soldaten halten?"

Kleine 5na:schroniL

Um sich in den alleinigen Besitz einer Erbschaft zu setzen, ermordeten die Brüder ö z e l l o n g in einer nah« bei jfrafa gelegenen Ortschaft ihreMutternndihrebeidenSdiwe- stcm. Sie wurden verhaftet und haben die Tat eingestandcn.

In einem Eisenbahnzug der Wiener Südbahn wurde ein Liebespaar aufgefunden. Tie Dame, die einen Brustschuß er­halten hatte, war tot. Der Herr verletzte sich durch einen Schuß in die Schläfe lebensgefährlich. Es handelt sich um die 30 jährige Komtesse Alice Alberti -tnd den ungarischen Baron Laszlo Kuerthy, der 22 Jahre alt und Student der Preß- burger Rechtsakademie ist.

Rack) einer Meldung aus Dombr owa ist in Galizien durch ein furchtbares Unwetter mit Hagelschlag in 36 Ge­meinden an Aeckern und Obstbäumen ungeheurer Schaden an* gerichtet roorden.

Seit Ende voriger 23odjc wird der deutsche Graf Alexander von Welsburg, der in einem Londoner Hotel wohnte, oct mißt. Man befürchtet ein Verbrechen.

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