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18.5.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. U6

Erscheint täqfi<6 mit Au?nabme de- Sonntag«.

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General-Anzeiger für Oberhessen

für 5 Jahre sei doch gerade ein Sicherungsfaftor, da man

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4,1.40,100.85,40 Pfg.

u Mk. 3.25, 2.50, 1.50.

des Publikums zu dem Prozeß ist daher ungeheuer.

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, 85,65.40,30.20 Pfg. von Mk. 2.- bis 15 Pfg.

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Jahre schlechter Konjunktur erwarten wolle.

Z c n t r u m S m i t g l i c d hält die allzu vorsichtige der Sätze nicht für berechtigt. Tatsächlich seien vorliegenden Etat noch verschiedene stille Reserven Für das nächste Jahr könnte man sogar bei der

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:^4S 112. Tel.-2ldruAnzeigerGreßen.

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Stift it w [D% nad)i Pf. bei ibtr.- oer- ;ori: müN yr- Ä

GevrcvtrsaaL.

Rom, 17. Mai. Heute begann vor dem hiesigen Gericht der Prozeß gegen den früheren .itavallcricleutnant Baron Vincenz Palermo, der am 2. März 1911 seine Geliebte, die Hofdame Gräfin Giulia Trigona in einem kleinen Hotel in Rom ermor­dete. Tie Tat erregte seinerzeit größtes Aufsehen. Ter Andrang

o Giessen u, Selterswej 20.

Lieitfjtiier Famllienblätter- werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, bol Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die ..kandwirtschastlicheU -clt» tragen" erscheinen monatlich zweimal.

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ma lieft itDerans [Hinten, illRommen

Samstag, 18. fllai 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchea Universität-- Buch- und Cteindnnkeret.

R. Lange, Gießen.

nationalliberales Mitglied glaubt ebenfalls, daß der Grundstücksmarkt in Zukunft große Schwierigkeiten haben werde. Im ganzen genommen, sollte man nicht rechnen mit den Erträg­nissen eines für die Reichskajse hervorragenden Jahres: solche Erträgnisse können namentlich nicht zur Deckung von Wehrvor­lagen verwendet werden, deren Begründung eine schwierige poli­tisch^ Lage sei, die doch iwtwcndig wieder Rückwirkung äußere auf das wirtschaftliche Leben. Es werde immer die finanzielle Kriegsbereitschaft unterschätzt. Tarum sollte der Etat so vorsichtig ausgestellt werden, daß er den plötzlich eintretenden Bedürfnissen für eine gewisse Zeil genügen könnte. ?lus diesem (Wrunbe könne man gerade bei den Börsengeschäften nicht so optimistisch sein und man müßte mindestens auf die Hälfte herunter- gc he n.

Ein konservatives Mitglied betont demgegenüber, daß doch gar nicht die Erträgnisse des Jahres 1911 zu Grunde gelegt seien, sondern man habe doch diese Summe beträchtlich ermäßigt. Ein Bolksvarteilcr regt einen Ausgleichsfonds an, wenigstens für die Zölle zum Ausgleich der starken Schwan­kungen zwischen den guten und den schlechten Jahren. Tas allein gebe die Stetigkeit für den Etat und damit die Möglich­keit, auf längere Jahre einen Finanzplan aufzustcllcn. Ter Schatz sckretär erkennt das Gute eines Ausgleichsfonds an, fürchtet aber, daß die verfassungsrechtlichen Schwierigkeiten groß seien, namentlich im Hinblick auf die Matrikularbeiträge. Ten Ausführungen des nalionalliberalen Vertreters über die finan­zielle Kriegsbereitschaft stimme er voll und ganz zu, diese werde namentlich bei der Beratung des Maßes der Tcckung noch zu beachten sein. Aber hier handele es sich ausschließlich um die Einschätzung des wahrscheinlichen Ertrages. Er wiederhole, daß man alle notwendige Vorsicht angewendel habe. Tie Einschätzung

Das Müllheimer Lisenvahnungliick vor Gericht.

0 Freiburg i. Br, 17. Mai.

Tas furchtbare Eifenbahnnnglück von Müllheim, das zu den schwersten Eisenbahnkatastrophcn der letzten Jahre zählt, gelangt heute vor der 2. Strafkammer des hiesigen Landgerichts zur Ver­handlung. Tie Anklage richtet sich gegen den Lokomotivfülwer. Karl Platten aus Laus, den Zugführer Leonhard Bähr aus Leimen und den Reservel)§izcr Matthias Männle aus Urlofsen. Tie drei Angeklagten werden der fahrlässigen Tötung, Körperverletzung und Gefährdung eines Eisenbahntransportes be­schuldigt. Am 17. Juli v. Js. ereignete sieb das furchtbare Eisenbahnunglück, das im ganzen 14 Tote, 12 Schwerverletzte und zahlreiche Leichtverletzte sordertc. Ter Unglückszug war dec Eilzug Nr. 9, der 8 Uhr früh Basel verläßt und 11 Uhr abends in Berlin etntrifft. Bor der Station Müllheim in Baden, die damals einem gründlichen Umbau unterworfen wurde, ent­gleiste der Zug, als er in eine Weiche einfuhr und eine beinahe fertiggestellte Brücke überfuhr. Ter Lokomotivführer Planen und der Heizer Männle wurden verhaftet, da nad) den ersten Er Mittelungen sie durch zu schnelles Jahren das Unglück verschuldet haben sollen.

Ter Packmeister Mann von dem Zugbegleitungspersonal gab bei seiner Vernehmung folgendes an: Als wir uns vor der einen Haltestation nach Bajel, Müllheim, dem dort wegen der Um­bauten angebrachten SignaleLangsam fahren" näherten, sagte; der Zugführer Bähr zu mir:Ich weiß nicht, der Loiomotiv- lührer fährt mir zu schnell: er macht ein so komisches Gesicht!" Als dann das Einfahrtssignal mit voller Geschwindigkeit über­fahren wurde, zog der Zugführer die Luftdruckbremse, aber in dem­selben Augenblick war das Unglück schon geschehen. Wie die Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahn feststellte, war für das Gebiet der Umbaunrecke in Müllheim sur alle Züge eine Geschwindigkeit von 20 Kilometer vorgeschrieben: dieser Be­fehl wurde dem Zugführer und Lokomotivführer des veruuglüclten Zuges gegen Bescheinigung unmittelbar vor der Abfahrt in Basel ausgehändigt. Ter Lokomotivführer Platten, dessen früherer Heizer ihn bei den Fahrten nicht mehr begleiten wollte, da er an­geblich dem Alkohol ergeben war, soll vor seiner Ablahrt in Basch ziemlich viel Alkohol genossen haben. Trotzdem dies der ihich vorgesetzten Eisenbahnbehörde bekannt war, soll ihm die Führung von großen SchncUzugSlokontotiven übertragen worden sein.

Ter gesamte Materialschaden betrug gegen 150 OOO Mark.! An Entschädigungen der Hinterbliebenen, sowie an die Schwer­verletzten und Leichtverletzten milßte der badische Staat schon über 1 Million Mark bezahlen.

Für die Verhandlung sind ungefähr 8 Tage vorgesehen. Ten Vorsitz sühn Landgericklsdirektor Mühling, die Auklagü vertritt Staatsanwalt Bender, Platten wird verteidigt von Rechtsanwalt Katz (Offenbach), Männle von Rechtsanwalt F r ü h a u f (Karlsruhe), dem bekannten Eifenbahnreformer, und Bähr von Rechtsanwalt Tr. Straub iFreiburg). Zu der Verhandlung sind zahlreiche Zeugen und Sachverständige gclabcn;

Im Blldgctausschuß ^ur Beratung des Gesetzentwurfes über die Deckung der Kosten zur Verstärkung für Heer

und Flotte ist ein Antrag B a s s e r m a n n eingcgangen, im Fall der Annahme des Zentrumsantrags bctr. Hinaus­schiebung der Ermäßigung der Zuckersteuer dis 1. Okto­ber 1916, folgende Bestimmung beizufügen:

Bis zum 31. Dezember 1913 soll das Reichsgesetz, welches eine allgemeine Besteuerung des Be­sitzes vorschreibt, eingeführl werden. Dieses Gesetz ist dem Reichstage bis zum 1. April 1913 vorzulegen Sechs Monate nach dem Inkrafttreten desselben tritt die in deut Artikel 5 des Gesetzes bctr. Acnderungen im Finanzwesen vorn 15. Juli 1909 vorgesehene Ermäßigung der Zucker- steucr in Kraft.

Kf {Bernsti fr \u*

Die Deckungsvorschläge int vudgetausschutz.

:: Berlin, 17, Mai.

Der Budgetausschuß des Reichstages hatte bciftc, nach­dem der Branntweinsteuerausschuß seine Arbeit beendet hat, sich mit dem Ergänzungsvoranschlag zu befassen, und damit mit Der Deckung des finanziellen Bedarfs für die Wehrvorlagen. Hierzu liegt, wie schon mitgeteilt, ein Zentrums antrag vor, der den aus den Beschlüssen des Branntweinausschusses sich gegenüber dem rechnungsmäßigen Deckungsbedarf bis 1917 ergebenden Ausfall durch Hinaus­schiebung des Termins für die Herab seyuiig der Zuckersteuer um 21/» Jahre, auf den 1. Oktober 1916, ersetzen will. Hierzu haben die Nationalliberalen einen Zusatzantrag gestellt. Hiernach soll der Zentrumsvorschlag nur in dem Falle zur Durchführung kommen, daß nicht die fehlende Deckung durch eine allgemeine Besitzsteuer er­möglicht werden kann. Der erste Satz dieser Zusatzbestimmung, die dem vom Zentrum beantragten Gesetzesartikel angefügt werden «soll, lautet:B i s zum 3 1. Dezember 1913 soll ein Aeichsgesetz, welches eine allgemeine Besteuerung des Besitzes vorschreibt, eingeführt werden." ES ist dies eine Soll- und keine Muß- Bestimmung, weil ja nicht mit Sicherheit voraus- gefehen werden kann, ob ein solches Gesetz die Zustimmung des Reichstags finden würde. Jedenfalls soll die Meichsregierttng oerpslichtet sein, ein solches Gesetz vorzulegen, und falls es dann angenommen wird und in Kraft tritt, soll die Ermäßigung der Zucker st euer binnen einem halben Jahr in Kraft treten. Der zweite und dritte Satz des nationalliberalen Antrags hat folgenden Wortlaut:Tiefes Gesetz ist dem Reichs­tage bis zum 1. April 1913 vorzulegen 6 Monate nach dem Inkrafttreten desselben tritt die in Art. V des Ge­setzes, betreffend Aendertmgen int Finanzwesen vom 15. Juli 1909 (frinanjreform) vorgesehene Ermäßigung der Zucker­steuer in Kraft."

Weiter hat die fortschrittliche Volkspartei zur Deckungsfrage Anträge gestellt. Zunächst soll der bei der Finanz­reform eingeführte Scheck stempel aufgehoben werden. Tann sollen im Ergänzungsvoranschlag neben der veranschlagten Erhöhung der Erträge aus der bestehenden Erbschaftssteuer um V/o Millionen Mark, weitere 15 Millionen Mark aus einer spätestens am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden Aenderung des E r b s ch a s t s st e u e r g e s e tz e s nach Maßgabe der Bundesratsvorlage vom 14. Juni 1909 «der damaligen Erbschaftssteuervorlage, in den Voranschlag eingestellt werden. Für den Fall, daß diese Erläuterung der Einnahme­erhöhung um 15 Millionen abgelehnt werden sollte, beantragt die Volkspartei, den Reichskanzler um erneute Ein­bringung des Erbschaftssteuergesetzes voit 1909 zu ersuchen, und zwar so rechtzeitig, bif; es mit dem 1. Januar 19 13 in Kraft gesetzt werden kann. Ter Scheckstempel, der nach dem volksparteilichen Antrag beseitigt werden soll, hat im Jahre 1911 3 Millionen Mark gebracht. Tiefe von den 15 Mill, neuer Erträge an Erbschaftssteuer abgezogen, die der Antrag in Aussicht nimmt, ergibt 12 Millionen, die bis zum 1. Jan. 1913 den Ersatzbedarf decken sollen; für das erste Jahr fallen nach den Beschlüssen der Branntweinsteuerkommission 71A. Millionen aus und es treten weiter hinzu 71/. Millionen infolge des Be- schlnsses über die Mannschastslöhnung.

lieber diese Anträge wird zunächst noch nicht verhandelt, sondern über die einzelnen Posten des Ergänzungsvoranschlags.

Zu einer lebhaften Erörterung führte die vorgesehene Er­mäßigung der diesjährigen Anforderung für den Ausbau des N o r d-O st s c e - >l a n a l s um 10 Millionen Mark. Der Schatzsekrctär teilte aus Anfrage mit, daß eine Verlang­samung deS Baues nicht beabsichtigt sei. ES sei vielmehr durch das Rcichsamt des Innern ihm die Mitteilung geworden, daß die ursprünglich für das Jahr 1912 vorgesehenen 42 Millionen Mark nicht verbaut werden können, zumal aus dem vergangenen Jahr volle 27 Millionen unverwcndet herübergenommcn wurden, so daß nach Abstrich der 10 Mill, immer noch 32 + 27 Mill., also nahezu 60 Mill, zur Verfügung stehen. Diese Mitteilungen riefen verschiedentlichst Widerspruch und Beanstandungen hervor.. Es sei doch merkwürdig, in wie oberflächlicher Weise die Etatansätze aufgestellt werden. Man müsse Wert daraus legen, das; die Ansätze dem tatsächlichen Bedürmts ent­sprechen. Es sei nicht angängig, bei Aufstellung des Etats auf Ersparnisse zu spekulieren. Der Schgtzfekretär erwidert, daß es sich keineswegs um Ersparnisse handele, sondern lediglich um Die Verschiebung der Ausgaben entsprechend den Fortschritten des Baues. Die durchschnittliche Jalwcsbausumme betrage vierzig Millionen Mark, so das; man mit Sicherheit mit zirka fünfzig Millionen unter allen Umständen auskontme. Tie Aussprache hierüber wurde zunächst abgebrochen, weil der Dezernent aus dem | Reichsamt des Innern zugezogen werden soll.

D i e M e h r a ii s ä tz e für Eisenbahn und Post, 10 Millionen Mark, werden nicht beanstandet. Dagegen erheben sich lebhafte Zweifel gegen die Mebransätze bei den Zöllen, Steuern und Gebühren «ein Mehr von 45 Millionen, insbesondere bei den Zöllen (11,5 Millionen), Stempelabgaben von Wertabgaben (11 Millionen, Kaufgeschäften (7 MUlwnen) und Z u w a dj ssteuer £5 Millionen).

Der Schatzsekretär betont, daß die An,ätze durckwus vorsichtig gewählt seien. Tie Ueberschüssc des letzten Jahres seien nur teilweise eingerechnet und alle Mehrerträge, die auf Zufälligkeiten zurückgeführt werden können, neu abgezogen worben. Die Zuwachssteuer habe 6 Monate lang gleiduna&ig ca. 1,5 Mil­lionen betragen, so daß es berechtigt sei, mit einem Gesamterträge von 18 Millionen Mark zu rechnen. Allerdings habe der 2lprrl nur 0,5 Millionen Mark ergeben, aber das sei wohl am die Harte Inanspruchnahme der Steuerbeamten mit anderen Geschäften zu- 'Tlckzuführen. Ein s o z i a l d e m o k r a t i s d, e s Mitglied ver­mutet, daß die Zollertragnisse für Lebensmittel geringer werden, wenn eine gute Jnlandernte erzielt wird. Die gegenwärtige Steige­rung der Börsengeschäfte sei kein Zeichen guter Monjunftur, son­dern ein krampsljaftes Bemülxn, die Konjunktur zu halten, -ter Schatzsekretär erwidert, das; gerade an den Zollen fürebene» mittel 30 Millionen Mark abgcseyt worden leien. Auch von rolksparteilicher Seite werden die Ansätze für zu Hom erklärt. Gerade bei den Zöllen habe man m den letzten zwölf Jahren gewaltige Schwankungen erlebt, so datz |ie ein Mo­ment starker Unsicherheit in den ganzen Finanz plan hineinbringen. Jedenfalls aber sei es unrichtig, ffrr die folgenden runt <abre m:t den hohen Summen zu rechnen. Die Börsenge,chaste icien in gegenwärtig sehr rege: aber es sei nicht berechtigt, hieranr nie die Zukunft zu bauen. Tie Lage am Grundltucksmarkte ie i eine höchst unbefriedigende, zumal die Hypothekenbanken ütand- briefe nicht absetzen können, so das; das ganze Beleibungsge>ck>an litdt. Tie Gütcrprcisc haben in dem letzten cahr eine Harte Steigerung erfahren; man müsse jetzt mit einer Stockung rechnen. Der S ch a tz s e kr e t ä r erklärt, man könne doch unmöglich die 5ad)e nach augenblicklichen Verhältnissen einrichten, man habe innrer Durchschnittswerte genommen. Man habe bei den Borien- ilmiern die gegenwärtige Hochkonjunktur nicht emgeredmet und bei der Zuwachssteuer habe man die feste Grundlage an den glleichbleibeitden Erträgnissen der letzten Monate. Ein kon,cr- "3 111 o e e> Mitglied h ilt die Bedenken gegen die Jn,ane Der Zuwachssteuer für nicht berechtigt; es kommen in biqem -jabre zahlreiche Geschäfte des letzten Jahres zur Abwicklung, enn

wachssteuer in der Schätzung noch) höher gehen. Ter national- liberale Abgeordnete Roland-Lücke hat inzwischen den An­trag eingebradit, für das Jahr 1912 in den Sätzen für die Stempelabgabe für Wertpapiere und Kaufgeschäfte die Hälfte zu streichen. Ter Schatz- sckretär bittet, den Antrag abzulehnen. Tas Jahr 1912 habe sich bisher sogar sehr gut angelassen.

Ein Zentrumsmitglied betont, daß unter den Wert­papieren auch die Talonsteuer enthalten sei, die ganz feste Beträge in sich schließe: es könnte sich also höchstens banbcln um die Herabsetzung der Stempelerträge für Kaufgeschäfte. Aber hier berechtigen doch die gegenwärtigen lebhaften Geschäfte nicht zu so pessimistischen Annahmen. Tcr Antrag Roland-Lücke au' Herabsetzung dieser Stempelabgaben au;'die Hälfte, also um 5,5 und 3,5 'Mill. Ma^rk, wird mit 13 der gesamte n Linken gegen 12 Stimmen der Konservativen, des Zentrums und der Polen angenommen.

Ter Antrag der Volkspartei aus Beseitigung des S ch e ck st e m p e ls wird mit dem geringen Ertrag der Steuer und den schädlichen Wirkungen des Stempels begründet. Ter Schatzsekretär crflärt den geringen Ertrag des Scheckstempels mit der gleichzeitigen Einiührung des Postschecks und einer Heber» schätzung der Zahl des Sckjecks.

Tie Beseitigung von Gesetzen im Etat sei be­denklich. Ein nationalliberales Mitglied hält es staatsrechtlick) nicht für möglich, in dem Etat ein solches Steuer- gesetz auszuheben. Er halte den Scheckstempel für vollständig verfehlt, aber auf diesem Wege sei er nicht zu beseitigen. Auch ein Zentrumsmitglied hält dieses Vorgehen für staats­rechtlich unmöglich. Ein sozialdemokratisches Mitglied stimmt sachlich den Ausführungen über die Schädlichkeit des Scheckstempels zu, hält aber allerdings auch das Verfahren, wie es der volksparteiliche Antrag vorschlägt, für nicht richtig. Es müsse vielmehr sofort ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt werden. Formell müsse er also den Antrag beanstanden. T t e Volkspartei zieht hierauf ihren Antrag zurück, verweist aber auf ihren formell für das Plenum gestellten Antrag, den Scheckstempel aufzuheben. Auch der Antrag der Volks Partei, 15 Millionen Mark aus einer spätestens am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden Aenderung des Erbschaftssteuergesetzes zu entnehmen, wird zurückgezogen, bestehen bleibt aber die Aufforderung, die Ver­lage von 1909 einzubringen. Als Teilergebnis der Branntwein­steuer wird an Stelle von 14Vr Mlllionen entsprechend den Be- schlüssen der Branntweinsteuerkommission 71/* Millionen Mark eingesetzt.

Ter inzwischen eingetroffene Vertreter des Reichs- arntsdesJnnern gibt Auskunft über die Arbeiten am Nord- Ost s e e k a n a l. Sie erforderten 1910 29,2 Millionen, 1911 29,5 Millionen Mark, im ganzen rund 84 Millionen Mark in fünf Baujahren. Aus dieser Turchschnittssurnme ist jedoch kein Schluß zu ziehen. Bei einer Nachprüfung habe sich ergeben, daß wir bei Schluß des Etatsjahres 1911 einen Rest von 27 Millionen Mark hatten. Um den Bedarf für 1912 neu zu ermitteln, sind genaue Anschläge erfolgt. Tanach ergibt sich, daß bis zum Schluß rund 144 Millionen Mark verausgabt werden und für das Jahr 1912 rund 55 Millionen Mark, so daß nun 10 Millionen abgefetzt werden könnten. Tie Gründe für das langsame Fortschreiten liegen hauptsächlich darin, daß die Erdarbeiten infolge des nassen Sommers 1910 langsamer vorwärts gingen. Dazu kam der Frost dieses Winters, der für Schleswig Holitein etwas ungewöhnlich mar. Infolgedessen sei der Bedarf erheblich geringer gewesen. Es sei audi bei den Eisenbahnarbeiten ein Minderbedarf von drei Millionen Mark eingetreten. Es könnten infolgedessen noch weitere 9 Millionen Mark weniger verwendet werden.

Ter Regierungsvertreter kommt zu dem Schluß­ergebnis, daß von dem ursprünglich angeforderten Betrag 19 Mil­lionen abgestrichen werden können. Ein Zentrumsmitglied glaubt, nach den Ausführungen des Regierungsoerrreters könne man sogar noch weiter heruntergehen. Es würden offenbar drei­zehn Millionen Mark neue Bewilligungen ausreicken, unb es könnten demnach 29 Millionen Mark gestrichen werden. Ter R e - gierungsVertreter widerspricht dem entschieden; der Ka­tt a 1 müsse unbedingt bis 1914 fertig werden, im 3 nt er elfe der Kaiierlichen Marine. Jetzt kommen in dem nächsten Jahre die großen Kunstbauten der Schleuse, 50 Millionen das Schlensenwr, sowie die großen Eisenbahnbrücken; daher rühre der stärkere Bedarf in diesem Jahre.

Ein volksparteiliches Mitglied wendet sich gegen weitere Abzüge, da in der Tat die Ausgaben für foldje Bauten gegen das Ende der Bauzeit eine starke Steigerung erfahren. Tic Sozialdemokratie schließr sich dem an und der Zentrums- antrag auf Abstrich von 29 Millionen wird zurückgezogen. Es wir d beschlossen, 19 Millionen a b z u st reichen. Tas bedeutet, zu Dem Rest von 27 Millionen aus dem letzten Jahre eine Neubewilligung für den Kanal von 23 Millionen.

Weiterberatung Samstag.

Zweiter Blatt 162. Jahrgang

Giehener Anzeiger

Börsen-BZochcnbericht.

Frankfurt a. M., 17. Mai.

Das Hauptereignis bildete ein Schreiben, das dec Ber-, l in e r S t a a ts k o nt m is f a r an den dortigen Börsenvorstand' gerichtet hat und in dem er gegen die lieb er griffe der Spekulation auf dem Kassamarkt für Jndustrtepaplere w amt e. Die Uebertreibungen auf diesem Gebiete waren in den letzten. Wochen namentlich in Berlin hervorgetreten. Tie ShtrSfteigerungen; vollzogen sich rotlb und der Markt war heftig bewegt. Wiederholl! halte der Präsident Der Reichsbank gegen die übermäßige Aus­dehnung der Effektenspekulation seine Stimme erhoben und die Banken zu bestimmen gesucht, daß sie die SlrcDite für Effekten» Operationen möglichst einschränken sollen. Die Aktion war aber ohne Erfolg geblieben und das spekulative Treiben hat in Der letztem Jeit wieder große Ausdehnung genommen. Jetzt ist der Berliner. Staatstommiffar hervorgetreten und hat den Börsenvorstand" ersucht, eine Beratung über Maßnahmen zur Abhilfe einzuleitems Bestimmte Vorschläge hat der Staatskommiffar nicht gemacht^ Besonders sei zu prüfen, ob im Kassageschäft an dem Stiftern) des Eutheitskurses ausnahmslos festzuhalten sei. Ter Vorschlag ist auf Widerspruch gestoßen, da man befürchtet, daß dadurch die Spekulation nod) mehr ausgedehnt und eine Erweiterung des! Marktes herbeigeführt werden wurde. Tic Wirkung der War­nung war eine empfindliche Reaktion auf allen GeoiAen und ein starker Rückgang bei solchen Werten, die in der letzten Zeih sprunghaft gestiegen waren. Ein weiterer Anlaß, Entiastiings- oertäufc vorzunehmen, war auch der Hinweis aus die Geld- mar k t v e r 11 n i s s e, besonders das Schwinden der Aus­sicht auf eine Tiskontermäßigimg der Reichsbank, Deren Leitung sich durch die letzten Ausschreitungen der Börse zu ihrem Fest­halten an dem hohen Ttskont beftunmen läßt. Tie Spekulation schien sich eine Art von Rückversicherung gegen etwaige Rück­schläge durch Blanko-Abgaben an den Ultimo-Märkten verschafft: zu haben. Ties trug offenbar zu der Abschwächung der Mou- tanpapiere nicht unwesentlich bei. Tie sonst betonten gün­stigen Momente aus der heimischen Eisenindustrie blieben unter diesen Umständen ganz wirkungslos. Bemerkenswert war, daß sich der hiesige Markt rin Gegensatz zu Berlin zu Den ermäßigten Preisen als aufnahmefähig erwice Im übrigen verhielt man sich möglichst reserviert, um die weitere Entwicklung der gefpanntenJ Börsensituatton obzuwarlen. Tie Kursrückgänge erstreckten sich auch auf K a s s a - I n d u st r ie p a p i e re. Immerhin und bei einzelnen Werten ansehnliche Kursbesserungen zu verzeichnen. So stellten sich Höchster Farbwerke und Scheidcanstalt je 32 Proz. höher, obwohl in letzteren Angaben aus einer Erbschaft-' vorgenommen wurden. Akkumulatoren Berlin gewannen weitere 46 Proz. und Metallätzwerke München 26 Proz kleinere ' urs* gewinne sind noch vielfach zu verzeichnen, während die Kurs-- rüdgänge noch feinen größeren Umfang erreichten. Für An-'

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