m. 295
Drittes Blatt
162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint lSgllch mit Ausnahme des Sonntagß.
General-Anzeiger für Oberhessen
Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag:
Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzelgerL>eßen.
Tie siebener Zamilie«blätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „KreisBIott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „rnndwirtlchastlichen Zett' fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 14- Dezember 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Tas „Marineverordnungsblatt" veröffentlickft folgenden Marinebefehl des Kaisers:
„Der schwere Verlust, welchen durch das £>im'dKibrn des Prinzregenten Luitpold von Bayern der Wille des Allmächtigen dem bayerischen Lande auserlegte, wird, wie von mir und meinem Dause, auch von meiner Marine auf das tiefste empfunden, hat doch erst vor kurzem der innige Zusammenhang des Dahinge- gangenen mit unserer Wehrmacht zur See in der Namensgebung des Linienschiffes „Prinzregent Luitpold" einen erneuten und sortlebenden Ausdruck erfahren. Als sichtbares Zeichen der Trauer meiner Marine bestimme ich: 1. Die Offiziere und Beamten meiner Marine legen vierzehn Tage hindurch einen Trauerflor um den linken Unterarm an. 2. Bei den Offizieren und Beamten meines Linienschiffes „W i t - telsba ch" dauert diese Trauer d r e i W o ch c n. 3. Meine Schiffe in der Heimat haben Halbstocks zu flaggen und am Tage der Beisetzung mittags 12 Uhr einen Trauersalut von 21 Schuß zu feuern. Mit Beendigung des Trauersaluts sind die flaggen wieder vorzuhissen. 4. An den Beisetzungsfeierlichkeiten bat eine Llbordnung der „Wittelsbach" teilzunehmen, bestehend aus dem tt'ommanbanteu, einem Stabsoffizier, Kavitänleutnant und Oberleutnant zur See, ober Leutnant zur See, je einem Teckoffizier, Unteroffizier und Gemeinen."
Ein Armeebefehl des Prinzreaenten Ludwig.
München, 13. Dez. In dem Armeebefehl des Prinzregenten Ludwig, der in der Extraausgabe des Verordnungsblattes des bayerischen Zvriegsministeriums bekanntgegeben wird, heißt es:
Gottes Wille hat meinen -teuren, innig geliebten Derrn Vater, Königliche Hoheit Prinzen Luitpold von Bayern aus diesem Leben abberusm. In diesem Augenblicke, in dem mich Gottes Fügung an die Spitze der Armee stellt, hege ich die Zuversicht, daß die unermüdliche P f l i ch 11 r e ue, die der Verewigte der Armee hxibreni) seiner mehr als 77jährigeit Zugehörigkeit in Krieg und Frieden durch sein leuchtendes Vorbild eingepflanzt hat, ihr u n - entreiß bares Erbe für alle Zeiten sein wird. Ich vertraue darauf, daß die unerschütterliche Treue zu ihrem Kriegsherrn ein unbestrittenes Ruhmesblatt der bayerisck)en Armee auch unter meiner Regierung bleiben wird.
Wien, 13. Dez. Erzherzog Franz Ferdinand vertritt den Kaiser bei der Beisetzung des Prinzregentcn Luitpold in München.
DeuNcbes Uetcb.
Der Budgetausschuß des Reichstages beschloß, die Staatsregierung zu ersuchen, dafür zu sorgen, daß die Nachbargrund st ückedesLandtages nicht in Privathände übergehen, sondern für Reick>s- und Staatszwecke erhalten bleiben. Das dem Abgeordnetenhanse zunächst gelegene unbebaute Grundstück der Heeresverwaltung möge für Zwecke des Abgeordnetenhauses erworben werden.
Zum Voranschlag für den Reichstag hat die nationalliberale Fraktion des Reichstags folgende Entschließung eingebracht: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen das Gesetz, betreffend die Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder des Reichstags, vom 21. Mai 1906 dahin abgeändert wird, daß den Mitgliedern des Reichstags freie Fahrt während der Dauer der Legislaturperiode auf den deutschen Eisenbahnen gewährt wird.
Eine neue Tabakszollordnung.
Der Bundesrat hat dem Entwurf einer neuen Tabakzollordnung seine Zustimmung erteilt, die am 1. März 1913 in Kraft treten soll und zur Vereinfachung der Tabakabfertigung dient.
Eine Zentrumsprotestversammlung in Straßburg.
Eine vom Zentrumsverein Straßburg nach dem Großen Sängerhaus-Saal einberufene gut organisierte Protestver- sammlung gegen das Jesuitengesetz war von 1800 Personen besucht. Hauptredner des Llbends war der Jesuiten- pater C o h a u ß aus Münster, der sich in nahezu zweistündiger Rede über Zweck und Bedeutung des Jesuitenordens verbreitete und betonte, daß die Bestrebungen des Jesuitenordens durckwus nicht staatsgefährdend, vielmehr erhaltend seien und auch nicht den konfessionellen Frieden gefährdeten. Amtsgerichtsrat Geßler-Mannheim verbreitete sich sodann über die Ausführungsbestimmungen zu 8 1 des Jesuttengesetzes, welche einer Revision bedürften. In einer ohne Erörterung angenommenen Entschließung wird Verwahrung eingelegt gegen die Ausnahmebestimmungen des Jesuitengesetzes, die Aufhebung des Gesetzes verlangt und die elsaß-lothringische Regierung aufgefordert, sich beim Bundesrat dafür einzusetzen.
2lu»lnnö.
Die „Schwarze Armee" Frankreichs.
Bei Beratung des Kolonialbudgets in der französischen Kammer erörterte der Deputierte und ehemalige Gouverneur von Französisch-Westaftika V e i l l a t die Frage der „Schwarzen Armee'". Er sagte u. a.: man habe ursprünglich gehofft, iit Westafrika ein Kontingent von 70 000 Mann ausheben zu können, aber man habe sich mit 10 000 Mann begnügen müssen unb alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß die Aushebung der schwarzen Truppen cm stetig abnehmendes Ergebnis liefern werde. Um da eine Aenderung herbeizuführen, müsse man sich vor der Zwangsrekrutierung hüten und für die Eingeborenen günstigere Lebensbedingungen schäften.
Vermischter.
— Eine wichtige Erfindung hat der Professor an der Technischen Hochschule in Braunschweig, Geh. Hofrat Tr. Reinke, gemacht, indem es ihm gelang, aus Spargelkraut einen weißen langfaserigen Zellstoff zu gewinnen, der zu den verschiedensten Zwecken wie zu Geweben und zur Papierfabrikation zu verwenden ist. Nach der „Umschau" soll das Verfahren febr einfach sein Bisher wurde das tausende von Morgen bedeckende Svargelkraut wegen der Brut der Spargelschädlinge verbrannt, während es jetzt bedeutenden Gewinn bringen wird.
Kleine Tageschronik.
In Stuhlweißenburg ließ die Frau des Ziegeleiarbeiters S o m o g y i ihre drei Kinder in einem Zimmer ihrer Wohnung allein, als infolge Ueberheizung des Ofens die Möbel Feuer fingen. Alle drei Kinder konnten nur als verkohlte Leichen geborgen werden. Die Frau wurde unter der Anklage der fahrlässigen Tötung verhaftet.
In Chemnitz durchschnitt die Frau des Monteurs Hope ihrem zwölfjährigen Sohne mit einem Rasiermesser die Kehle und tötete sich felbft auf die gleiche Art. Die Frau war schsr^rmütig.
Im Hafen von Neapel brach durch Selbstentzündung von Paraffin ein großer Brand aus. Sechs Leichterschifte mit Ladung wurden zerstört.
In der Nähe des Gasthauses „Waldftuß" bei Weiden (Oberpsalzs erschoß sich ein Obertertianer, rveil er eine schlechte Zensur erhalten hatte.
Bei einem Brand in Rehder bei Danzig erlitten drei Kinder den Erstickungstod. Die Eltern befanden sich auswärts bei der Arbeit.
Der Beginn der Arbeiten für den z w eiten Simplon- tnnncl hat am Freitag begonnen. Man rechnet damit, daß sie etwa sieben Jahre bauern werden.
Märkte.
Ziehen, J4. Dez. TI n rf tberi dif. Ank heutigen, Wochenmarkte toftcle: Butter das Piund 1,30—1.35 T/fN Hühnereier 1 ?tnck 10—12 Tfg., 2 Stuck 00 Pkg., Enteueier 1 Stück0—0 Mg.» Hänfener 1 St. 00 Pf., .Vase das Stück 6—8 *1 fg., Kasematte 2 Stück 5—6 tzfg., Tauben pr Tr. 0,R0—l,oo Tif„ Hübner vr. St. 1,00—1,60 Mk., Lahnen vr. Stück 0,80—1,30 Mk., Enten vr. <L 2,00-3,00 Tlf„ Gänse daS Pid 70-80 T;fow Erbsen fleisch vr. Md. 92-100 1-fg., Rindfleisch vr. Pfnnd 90—94 Psg., «ubfleisch 80 Psg„ Schweine« fleisch pr. Pstmd 90—lio Pfg^ Malbflciicb vr. Pkd. 92—96 big., i^annnelsleisch vr. Pid. 70—90 Pfg.. Kartoffeln pr. 1«'0 Ug. 4.5) bis 5.00 Alk., Weißkraut das Stück 5 bis 10 Psg^ Zwiebeln ver Ztr. 4,00—5,00 Mk., Milch das fiter 22 Pfg., Nüsse 100 Stück 50—60 Pfg., per Ztr. 0—00 W„ Birnen daS Pfund 10 bis 15 Pfg., Aepfel der Zentner 9 bis 15 Alk. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.
F.C. Wiesbaden. Plehh o» -M arktbericht vom 13. Dez. Auftrieb: Rinder 72 (Ochsen 15, Bullen H Kühe 57), Kälber 128,
Schafe 16, Schweine 169.
Geschäft mittelmäßig. Preise für 100 Md
Lebend- Schlacht« O ch f e n. aewicht
Bollfleischige. ouSgemästete, höchsten Schlacht- Mk. Mk.
wertes im Titer von 4-7 fahren .... 53—56 96—101
Die noch nicht gezogen haben lungejocht) . . 52-55 94—100 Einige, fleischige, nicht auSgemästete und ältere
auSgemästete 47—50 85—9
Bull e n.
Vollfleifchige, au§geivw höchsten Cchlachtw. . . 49—52 81—87
Pollfleischige, jüngere ..... 44—48 73—80
V ä ri e n. ft n (j ?.
Pollfleischige auSgemästete Färsen höchsten
Ccblactztwertes . . 49 -53 88—95
Pollfleücknge auSgemästete Kühe höchsten
SchlachlwerteS bis zu 7 Fahren ... 41—44 80—85
Wenig gut entwickelte Färsen 43—43 83—92
Acltcre ausgemäslete Kühe und ivenig gut ent
wickelte jüngere Kühe......... 36—40 66—74
Mäßig genährte Kühe und Färsen 30—35 61—72 Sl ä L bei
Feinste Mastkälber 66—68 111—115
Muttere Mail- und beste Saugkälber .... 59—63 98 - 105 Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 53—58 88—97 Geringere Saugkälber......... 48—52 80—87
Schn f •.
Weidemastschafe
Geringere Mauyainmel und Schafe .... 00—00 86—00 Schwein».
Pollfleischige Schweine von 80—100 k» Lebend
gewicht 67-68'/, 86—83
Pollfteischige Schweine unter 80kg-Lebendgewicht 67-67*/, 86-87
Bollsleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht .............. 69-70»/, 86-88
Spielplan der vereinigten Sranfiurter Stadttheater.
Gpernhaus.
Sonntag, den 15. Dezember. nachm. */., 4 Uhr: „Die lustige Witwe/ DlbendS 7 Uhr: .Der Kuhreigen." 'Montag, den 16. Dez., abends */,8 Uhr: „Der ferne Klang Dienstag, den 17. Dezember'): »Der Troubadour/ Mittwoch, den 18. Dezember, abends 1 ,8 Uhr: „Fidelio." Donnerstag, den >9. Dezember: .Pelleas und Melisande." Freitag, beit 2o. Dezember, geschloffen. Samstag, den 21. Dezember: ,9Ueffanbi-o Stradella " Sonntag, den 22. Dezember, nachmittags */,4 Uhr: „Hansel und Gretel." Abends 7 Uhr: Zum ersten Male: „Der liebe Augustin." Operette in 3 Akten von Rud. Bernauer und Ernst Welisch. Mufft von Leo Fall. Montag, den 23. Dezember, abends ^7 Uhr: Zum ersten Male. „Die goldene Gans" Weihnachtsmärchen in 5 Bildern von Oskar Dähnhardt. Mustk von Otto 'Findeisen. Dienstag, den 24. Dezember, geschlossen. Mittwoch, den 25. Dezember, nachmittags l/,4 Uhr: „Die goldene GanS." Abends 7 Uhr: „Der Kuhreigen." Donnerstag, den 26. Dezember, nachmittags %4 Uhr: „Tie goldene Gans." Abends 7 Uhr: -Ter hebe Augustin."
Schauspielhaus.
Sonntag, den 15 Dezember, nachmittags %4 Uhr: „DaS Prinzip " AbendS 7 Uhr: „Moral." 'Montag, den 16. Dezember*): „Velmde." Dienstag, den 17. Dezember: „Nenaifiance." Mitt- ivoch, den 18. Dezember: „Betinde." Donnerstag, den 19. Dezember, abends ‘/t8 Uhr: „Das Krithchen von Veilbronn." Freitag, den 20. Dezember, abends *',8 Uhr: .Gabriel Schillings Flucht." Samstag, den 21.Dezember: „Renaissance." Sonntag, den 22. Dezember, nachmittags '/,4 Uhr: „Tie Lreuzelschreiber." Abends 7 Uhr: „Ter Kaufmann von Venedig." Montag, den 23. Dezember: „Renaissance." Dienstag, den 24. Dezember, geschloffen. Mittwoch, den 25. Dez., nachmittags %4 Uhr: „Moral." Abends 7 Uhr: Zum ersten lUale: „Der Retter in der Not." Lustspiel in 3 Ulkten von Franz v. Schönthan und Rudolf Presber" Donnerstag, den 26. Dez., nachmittags 7-4 Uhr : „Alt-Heidelberg" Abends 7 Uhr: „Ter Retter in der Rot."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
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Die Proklamation des Prinzregenten Ludwig.
Die Regentschafts-Proklamation des Prinzen Ludwig hat folgenden Wortlaut:
Im Namen Sr. Majestät des Königs! Ludwig von Gottes Gnaden königlicher Prinz von Bayern, Regent. Unser königliches Haus und das in altbewährter Treue mit ihnr verbundene Bayern- Volk sind nach Gottes unerforschtichern Ratschluß von einem tiefschmerzlichen Verlust betroffen worden, indem unser treuer Vater Se. Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Kvnigreiclrs Bayern Verweser, am 12. Dezember 1912 nach einer mehr als 26jährigen, zu reichstem Segen des Vaterlandes geführten Regentschaft aus dem Leben geschieden ist. Das schwere Leiden, das unfern viel geliebten Vetter Se. Majestät König Otto dauernd an der Ausübung der Regierung Ijinbert und wegen dessen im Jahre 1886 vom Landtage die Notwendigkeit der gesetzlichen Regentschaft an- erkamtt lvorden ist, besteht zu unserer und des ganzen Volkes Betrübnis unverändert fort. Die Bestimmungen der Verfassungs- urfuntn* legen daher uns als dem nach der Erbfolgeordnung nachstberiifenen Agnaten die schwere Pflicht auf, d i e bestehende Nechtsverfassung fortzusetzen Indem wir dies vom tiefsten Schmerz ergriffen öffentlich kund und zu wissen tun, verfügen wir hiermit gemäß Titel 2 § 16 der Ver- fassungsurdurde die Einberufung des Landtages auf Samstag, den 21. Dez ember . zur Teilnahme an der Ablegung des versa ssungsmähigen Regent schäft seides. Wir befehlen den Regierungen, Aemtern des Innern, sofort alle aus ihren Kreisen berufenen Abgeordneten für die Zweite Kammer unter Mitteilung einer öffentlichen Ausschreibung aufzufordern, sich rechtzeittg in der Haupt- und Residenzstadt einzufinden.
Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Im Hinblick auf die Pressemeldungen, daß das Herz des Prinzregenten Luitpold einbalsamiert werde, wie die Herzen der verstorbenen Baycrnkönige und dann nach Altötting gebracht werden solle, wird hiermit festgestellt, daß auf den ausdrücklichen Wunsch des Verewigten auch das Herz in der Gruft der Theatiner-Hofkirche beigesetzt wird.
Vom Kaiser
ging auf die Mitteilung von dem Ableben des Prinzregenten urch den Prinzen Rupprecht folgendes Beileidstelegramm ein:
„Mit tiefster Trauer erfüllt mich Deine Nachricht von dem Hinscheiden Deines geliebten Großvaters, des allverehrten Prinzregenten, meines treuen Freundes. Ein bedeutungsvoller Abschnitt beutfeber Geschichte geht mit ihm zu Ende. Ein langes Leben, ausgefüllt mit einer für Bayern und das ReichsegensreichenArbeit,ist vollendet. Deinem Vater, Dir und Enrein ganzen Hause spreche ich meine wärmste und innigste Teilnahme aus. Deutschland trauert um den Dahin- gefd)iebcnen. Ich werde immer dieser herrlichen Gestalt in tiefster Dankbarkeit gedenken."
Die Antwort des Prinzregenten Ludwig
1 auf bie Beileid skundgebung des Kaisers lautet: „Ich bitte Dich für Deine durch den Prinzen Rupprecht mir übermittelte rührende Teilnahme an unserem großen Schmerze meinen und des Königlichen Hauses herzlichsten Dank entgegen» mnehmen und die meinen geliebten Vater ste t s bewiesene Freundschaft auf mich zu übertragen. Ich werde in der Bunde streue z u Kaiser und Reich dem erhabenen Beispiel meines erlauchten Vaters s o l gen."
Das Telegramm des Reichskanzlers v. Belhmann Hollweg an den Prinzregenten lautet:
„Tief bewegt durch die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Prinzregenten, bitte ich Eure Königliche Hoheit, meiner wärmsten unb aufrichtigsten Teilnahme an beut schweren Schicksalsschlage unb bem unersetzlichen Verlust Ausdruck geben zu dürfen. Möge Eure Hoheit eine lange, reich gesegnete Nachfolge des im ganzen beutfeben Vaterlande so ehrfurchtsvoll und geliebten verewigten Prinzregenten beschieden sein, dessen so überaus gnädige Gesinnung ich immerdar mit dankbarem Herzen bewahren werde."
Prinz Ludwig antwortete mit einem Telegramm, in welchem er seinen Dank für die warme Teilnahme an dem Schmerze unb für den Ausdruck der treuen Verehrung, mit welcher der Reichskanzler des Regenten gedachte, Ausdruck gab unb in dem es zum Schluß heißt: Das Beispiel meines Vaters in seiner Stellung zu Kaiser und Reich wirb mir ein leuchtendes Vorbild sein.
Der Präsident des Reichstags, Dr. Kamps richtete an den Prinzregenten Ludwig folgendes Beileidstelegramm :
Eure Königliche Hoheit wollen den chrfurchtvollsten Ausdruck des tiefsten Schmerzes des Reichstags über den Heimgang allerhöchst Ihres Herrn Vaters entgegenzunehmen geruhen. Der Reichstag betrauert mit Eurer Königlichen Hoheit und dem ganzen Bayernlande das Dahinscheiben des edlen, um Deutschlands Einigung hochverdienten Für st e n , der in rastloser Tätigkeit bis in sein hohes Alter für das Wohl des Volkes unb beS gesamten Reiches treusorgenden 5->errsck,ers. Sein Andeicken wird allezeit in uns sortleben.
Außerdem sandte der Präsident des Reichstags an den Präsidenten der bayerischen Kammern der Reichsräte und der Abgeordneten, sowie an Staatsminister Frciherrn von 5>ertling int Namen des Reichstags Beileidstelegramme.
Armee- und Marienebesehl des Kaisers.
Dns „Armeeverordnungsblatt^" veröffentlicht folgenden Armeebefehl des Koffers:
,Das nach Gottes Ratschluß heute erfolgte Ableben des Prinzen Luitpold, Regertten des Königreichs Bayern, hat miri) aufs tiefste erschüttert. Mit mir unb meinem Hause be- klagt auch meine Armee das Hinscheiden dieses ritterlichen [ Fürsten, der einst meinen in Gott ruhenden Herrn Großvater [ als Vertreter seines Königs und des bapermben Heeres bei dem ' Siegeszuge der bcutfdxn Armeen nach Frankreich begleitete und der während seines selten langen und rcubgeigneten Lebens unauägesetzt darauf bedacht gewesen ftt, die Kriegstüchtrgkett der Truppen zu fördern und dadurch die Wehrkraft des gesamten deuftchen Vaterlandes zu stärken. Ich bin fieber, daß es meiner Armee ein lief empfundenes Bedürfnis sein wird, auch die äußeren Trauerabzeichen anlegen zu dürfen. Ich bestimme deshalb, erstens: Sämtliche Offiziere der Armee legen aus 14 -tage Trauer an: zweitens: Bei dem Fel dar tillerie-Regiment Prinzregent Luitpold von Bayern (Magde- lburgisches Nr 4) währt bie Trauer drei Wochen: drittens: Zu den Beisetzungsseierlichkeiten haben Abordnungen, be- Itehenb aus dem Regimentskommandeur, einem Stabsoffizier, einem .Hauptmann, sowie einem Oberleutnant oder Leutnant zu ent senden: a) das vorgenannte Regiment, b) das Zweite Nieder- schlesische Infanterie-Regiment Nr. 47."
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