Ausgabe 
15.3.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. 64

Erlcheint «-ttch mtt Ausnahme des Sonntag».

ilbct und

Dir. Prof. Schmidt

_ --' . .. vvw.hv.^vmv.v, wo .yfc vu der Auf-

Itcllung des Lehrplanes für die medizinische Jugend ein besonderer Platz eingcräumt werde.

Das nebenstehende Slikett der ächten, Apotheker

Richard Brandts

SchweizerpiSlen

w tt <Hniragung deS Äatfert ParentanUS ht Berlin unter Dr. 10100 geietjlid» geslbützt, und Du Zähmungen desselben ftnD von den RpL Lanogerichlen Berlin, Altona usw. beftraft »erben, Hn Urtell wurde bereit- vorn Reichs- geruht bestättgt. Wir warne« de-halb vor Aachahwuna unsere- geschü-te« Zeichen-.

«chafstzansen (Schweiz).

El. G. »er*. «lPothefer «ichard Brandt.

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntaa. oen 17. März, Lätare:

Kollekte zum Besten des Kirchenbanes der evangelischen Gememde zu Framersheim

Sotterdienst.

3n der Stadtkirchr.

Vormittags 9% Uhr: Pfarrer D. Schlosser,

Vormittags 11 Uhr: Kmderkirche für die DtatthauSgcmeind

Pfarrer D. Schlosser.

Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konsiv manden aus der Piarkus- und Btilitärgememde.

Pfarrer S ch w a b e.

SlbenbS 6V, Uhr: Geistliche Musikaufführung unrer Mitwirkung des evang. Kirchengesangvereins.

Tie Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde fällt aus und wird dafür am folgenden Sonntag gehalten.

Dienstag, den 19. März, nachmittags 4 Uhr, im Matthäus- saal: Frauenmissionsverein.

Mittwoch, den 20. März, abends 6 Uhr:

5. P a s s i o n s a n d a ch t.

Pfarrer D. Schlosser.

Mittwoch, den 20. März, abends 8 Uhr: Dereiniguna der konfirmierten Mädchen der Markusgemeinde.

3n der Zohannerkirche.

Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer BechtolSheimer.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die LukaSgemeindc.

Pfarrer BechtolSheimer.

Abends 5 Uhr: Prof. D. E ck.

Abends 7'/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde.

Donnerstag, den 21. März, abends 7'/, Uhr: Bereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde.

Samstag, den 23. März, abends 6 Uhr: Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten.

Dt»Oiehenn LamNienblätter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigdcgt, da» Krtlsblan fBr de, Kreis riehen' zweimal wöchentlich. Diekandwirtschastttchev -ett- fragen erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Exveditton und Druckerei: Schul- strohe 7. <Frpfötnon und Vertag> e<i> 6L Redaklwm^-SS IIL. rel.-Adr^AnzeigerLcesen.

Sreitag, 15. März 1912

lUtottonlbnid und vertag bet Srühl'schen Uawersilät» - Buch, und 6tetnbru(fereL 8L Lange. Gießen.

Nicht jeder junge Arzt", so äußerte sich auf der internationalen Konferenz in Laag Dr. Kaufmann, der Präsident des Reichs- Versicherungsamtes,beherrscht heute dies alles schon genügend. Der Wunsch, daß besondere Lehrstühle für soziale Medizin ge­schaffen, daß dieses Fach als obligatorischer Gegenstand des Uni- verfitätsunterrichts und daß fakultative Fortbildungskurse für Aerzle eingerichtet werden, erscheint hiernach nicht unberechtigt.

Auch die spätere Begutachtung der Unfallverletzten, die Ab­fassung der Atteste, die prozentuale Abschätzung des Grades der Erwerbsbeschränkung, die dein Verletzten aus dem Unfall erwachsen ist, bilden einen ganz eigenartigen Zweig ärztlicher Tätigkeit und stellen ganz außerordentliche Anforderungen an den Arzt, denen gerecht zu werden der jüngere Mediziner nach seinen bisherigen Studien meist von vornherein nicht befähigt ist. Professor Thiem hat in seinem Vortrage auf dem Hildesheimer Aerztetage 1901 die Forderung aufgestellt:

Den Aerzten wird vom deutschen Aerztetag dringend ans Herz gelegt, durch sorgfältige Ausstellung ihres Gutachtens in einer nach Form, Inhalt und Beweisführung für Rentenzabler und Richter verständlichen Weise ihrerseits jeder Veranlassung zur Klage und Mißachtung ihrer Zeugnisse den Boden zu ent­ziehen."

Gewiß eine sehr berechtigte Forderung, die aber der jüngere Arzt bisher ohne weiteres nicht erfüllen formte, weil er eben ganz unvorbereitet vor diese wichtige Aufgabe sich gestellt sah.

Herrscht jetzt also bereits vollkommene Einigkeit hinsichtlich der Notwendigkeit besserer Vorbildung der jungen Mediziner in der Unfallheilkunde, so gehen die Meirrungen über die Art dieser Vorbildung zurzeit noch auseinander.

Man darf aber heute schon behaupten: Die Ausbildung der jungen Mediziner auf der Universität wird um so gründlicher und Erfolg versprechender sein, wenn sie nicht bloß in Gestalt von theoretischen Vorlesungen oder, wenn es hoch kommt, von seminaristischen Hebungen erfolgt, sondern wenn den Studierenden ein systematischer klinischer Unterricht erteilt wird. Den jungen Medizinern, die bei dem großartigen Aufschwung der operativen Chirurgie in den letzten Jahrzehnten heute während ihrer Studien­zeit oft nur verhältnismäßig wenig Verletzungen zu sehen be­kommen und gerade deswegen später den Anforderungen der Unfall­versicherung nicht zu genügen vermögen, müssen in dem klinischen Unterricht frische Verletzungen in möglichst großer Zahl vor Augen geführt werden. Diese Verletzungen müssen sie in ihrem Verlauf bis zur Heilung, bezw. bis zur möglichst vollständigen Wieder­herstellung der Funktionsfähigkeit des verletzten Gliedes verfolgen können. Nur an einem großen Material kann sich der angehende Arzt über die Eigenart der Fälle und die erforderliche Behandlung die notwendigen Kenntnisse verschaffen: nur so kann er es lernen, am Ende der Behandlung das Heilresultat in richtiger Weise festzustcllen und endlich auch die erwerblichen Folgen des Un­alles genau zu untersuchen und zu beurteilen.

Eine derartige Ausbildung ist aber für jeden jungen Mediziner erforderlich. Die Unfallheilkunde ist durchaus fein Spezialfach Jeder praktische Arzt", sagt Professor Tr. Rieder,kommt mir ihr in engste Berührung: Betätigung in ihr bedeutet ein gut Stück täglichen Brotes für den praktischen Arzt; nicht nur Spezialisten, sondern das Gros der praktischen Aerzte muß in

er- .einmal heute nicht mehr zu leugnen, daß in den

<u r crn' to0 b*e Unfallversicherung einen sehr großen Teil der Gesamtbevölkerung umfaßt, und da steht ja Deutschland an allererster Stelle die Unfallmedizin eine hervorragende Bedeutung erlangt hat. Sie hat sich zweifellos zu einem be­sonderen Zweige der ärztlichen Wissenschaft herausgeb kann deshalb auch mit Recht beanspruchen, daß ihr bei

Die Errichtung eines Lehrstuhls für soziale Medizin an der Landesunioersität.

Von der L a n d - u n d f o r st w. Berufs genoss e n s ch a ft für das Großherzogtum Hessen wird uns geschrieben:

Bisher sind die Vorgänge und äußeren Umltände zu dem Antrag des Vorstandes der land- und forstwirtschaftlichen Berufs- aenossenschast für das Großherzogtum Hessen auf Errichtung eines Lehrstuhls für soziale Medizin milgeteilt worden. Es wird in­dessen von allgemeinem Interesse sein, auch die inneren Gründe durch eine eingehendere Darstellung Tennen zu lernen, welche diese Bestrebungen auf eine Förderung des Heilverfahrens auf dem Gebiete unserer sozialen Gesetzgebung rechtfertigen.

Es kann nicht Wunder nehmen, daß in einer Zeit, wie der heutigen, die sich in einem weit höheren Maße als jede frühere mit sozialer Fürsorge und mit der Lösung sozialer Aufgaben befaßt, immer bringender d i e Notwendigkeit beson­derer Bvrbilduiig der Aerzte für di e soziale Ver­sicherung sich geltend macht. Nicht nur die Versicherungsträger, 'licht nur die Schiedsgerichte und das Reichsversicherungsamr, die die Ausführung unserer wichtigen sozialpolitischen Gezetze über die Unfall- und Jnvaliditätsversicherung zu überwachen haben, sondern auch all die Aerzte, die als Autorität auf dem Gebiet« der sozialen Medizin und Unfallheilkunde angesehen werden müssen, jwben stets von neuem wieder betont, daß für die Heranwachsenden Mediziner schon auf her Universität eine Unterteilung erfolgen müsse, wenn man späterhin von dem praktizierenden Ai^te »le, erforderlichen Kenntnisse auf dem komplizierten Gebiete der Unfallversicherung, der Jnvaliditäts- und Krankenversicherung ver- longeu wolle. So l)at man auf den internationalen Mongrencn' Ar Arbeiterversicherung in Wien, Düsseldorf und Rom eingehende 'Erörterungen über die.Organisation des Unterrichts in der lozialen

Hus den Hdd)$tag$au$fd)üficn.

:: Berlin, 14. März.

Eine Erklärung de8 Reichskanzlers zu den Ges. äftsordnungS- anträgtn.

Der verstärkte Geschäftsordnungsausschuß faßte heute einen Beschluß über die kurzen Anfragen. Gestern waren die Abgg. Dr. v. Payer (Bp.) und Dr. Junck iNatl.) beim Reichskanzler gewesen und haben mit ihm über diese Frage Rücksprache genommen. In der heutigen Sitzung des Ausschusses machte Abg. v. Payer hierüber folgende Mitteilung. Ter Reichs­kanzler habe erklärt, daß er kein grundsätzlicher Gegner der kurzen Anfragen sei und daß er zur Mitwirkung bei ihrer Einführung im Reichstage bereit sei. Er bitte aber, der Negierung Zeit zur Beratung der Beschlüsse des Ausschusses zu lassen.

Der heutige Beschluß des Geschäftsordnungsausschusses über die Einrichtung der kurzen Anfragen lautet: Das Wort kurze" wird gestrichen und es heißt nurAnfrag en". Der § 33a erhält folgende Fassung:

An zwei Tagen jeder Woche können Mitglie­der des Reichstags vor Eintritt in die Tages­ordnung Anfragen an den Reichskanzler stellen Die Tage werden vom Präsidenten im Voraus für die Tauer der Session bestimmt.

Die Anfragen sind spätestens am Tage zuvor dem Präsidenten schriftlich zu überreichen und von ihm unverzüglich dem Reichs­kanzler mitzuteilen. Sie sind auf die Bezeichnung der Tatsachen, über welche Auskunft verlangt wird, zu beschränken.

Eine Aussprache über d i e Antwort des Reichs­kanzlers ist unzulässig. Der Anfrager kann zur Er­gänzung oder Berechtigung seiner Anfrage das Wort verlangen.

Erklärt der Anfragesteller bei Einreichung der Anfrage aus­drücklich, daß er mit Erledigung auf schri ftlichem Wege sich begnüge, dann unterbleibt die mündliche Anfrage und es er­folgt die Eintragung der Anfrage in ein Verzeichnis.

Schriftliche Antworten des Reichskanzlers sind allen Mit­gliedern des Reichstags gedruckt ziizustellen.

Die Stellung und ^Beantwortung der Fragen soll nicht länger als eine Stunde an den bestimmten Tagen in Anspruch nehmen." Abgelehnt wurden Anträge der Konservativen, die bestimmen wollten, daß die Anfragen Tatsachen von allgemeiner Bedeutung aus dem Gebiete her inneren oder auswärtigen Po­litik des Reiches zum Gegenstand haben müssen und daß An­fragen, die ein schwebendes Gerichts-, Verwaltungs- oder Diszi­plinarverfahren betreffen, unzulässig sind. Ebenso wurde ein Z e n - trumsantrag abgelehnt, der eine gewisse Zahl von Mit­gliedern zur Voraussetzung für die Zulässigkeit einer Anfrage machen wollte und ein Antrag der Sozialdemokraten der eine Diskussion zutassen wollte.

Mit Rücksicht auf die Erklärung des Reichs­kanzlers wird sich der Geschäftsordnungsaus­schuß nach Erledigung unwesentlicher Sachen au, längere Seit vertagen. 1

Ter BudgetauZschuß

erledigte heute den P o st v o r a n s chla g mit der bei Schluß jeber Etatberatung üblichen Behandlung der Bittschriften. Im ganzen liegen etwa 50 Eingaben vor, über die Abg. Kovsch lVp j berichtet. Zumeist wurden sie als durch die vom Ausschuß bei den einzelnen Etattiteln gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt, oder der Regierung als Material überwiesen, u. a. die Eingaben unterer Postbeamten um höhere Wohnungsgeldzuschüsse und Tagc-

ihr ausgebildet werden, und das kann nur auf der Universität! geschehen".

Ter junge Arzt aber, der während seiner Studienzeit sckwn solche Vorbildung gcnofsen hat, wird mit einer festen Grundlage die Praxis beginnen können: er wird gefestigt fein für die oft recht schwierige Stellung, die er einnehmen muß zwischen dem Versicherten, der seine Rente behalten, und dem Bersid>crungS- träger^ der sie kürzen oder aufheben will. Auch die Bekämpfung von Simulation und Uebertrechung, die gewöhnlich schon bald nach dem Unfall beginnen und die beständig genährt werben durch eine ungenügende und int Unsicheren tastende ärztliche Behandlung, wird der Arzt um so leichter rübreit können, je besser er für die besonderen Aufgaben der Unfallversickwrung ausgebildet worden ist.

Aber auch auf dem Gebiete der Jnvalidenversickwrung und Krankenversicherung ist beute ein sachgemäßer Unterridit für den Arzt schon während des Mediziitstudiums unerläßlich. Bei seinem Eintritt in die Praxis wird er sich auf diesem weitverzweigtes Gebiete um so leichter zurcchtsinden, je reichere Kenntnisse er sich auf der Universität ungeeignet hat, sei es über die staatlichen und privaten Versicherungsanstalten, sei es über die zahlreichen Ein­richtungen und Bestrebungen, die der öffentlichen Woblfalwt bienen, fei es über die Beziehungen zwischen Aerzten und .Wranfen zu Krankenkassen. Ein Arzt, der sich über genügende Kenntnisse der besonderen Anforderungen der Krankenversick^-rung auszuweiseir vermag, darf sicher sein, daß seine Tätigkeit in der Kassenpraxis erheblich an Wertschätzung gewinnen wird.

Ebenso erbeifeben die Begutachtung sowie die Durchfiihrnng der Heilbehandlung in der Invalidenversicherung ganz besondere Vorkenntnisse des Arztes, «soll er hier nicht versagen, so muß ihm frfwn während seines Studiums Gelegenheit gegeben werden, sich mit den UrJadjcn der Invalidität und ihrer Rückwirkung auf die Erwerbsfähigkeit und auf den Verdienst vertraut zu mucken.

Gebe man also dem jungen Mediziner die erforderliche Vor- bildung schon auf der Universität! Nicht nur die Verletzten, die Kranken, nicht nur die Versicherungsträger, sondern and) die Wissensdiast und die Rechtsprechung werden dadurd) in gleicher Weise gefördert werden.

Medizin an den Universitäten gepflogen, allerdings ohne daß es bisher in wünschenswertem Maße zur Verwirklichung dieser Plane gekommen wäre.

r Am ausgesprochensten ist unstreitig das Bedürfnis nach einer besseren Vorbildung der Mediziner auf dem Gebiete der Unfall­versicherung.

" Thüringloche s -"

» ,, Elektro- und Maschinen-

Technikum «Ilmenau

Es ist dafür Sorge zu tragen, daß den angehenden Aerzten schon auf. der Hochschule im Wege einer entsprechenden Belehrung aas Verständnis rür eine sachgemäße Behandlung der Unfall verletzten vermittelt wird, um sie später in die Lage zu versetzen, eure genügende und richtige Diagnose im Interesse einer wirk-

Behandlung zu stellen. Es wird dadurch auch vermieden, daß sich der Heilerfolg bei Verletzungssolgen unnötig lange ver­zögert, worüber bisher die Versicherungsträger immer wieder und wart mit Unrecht Klage geführt haben. Dr. Kaufmann, Dozent Nir Chirurgie an der Universität Zürich, einer der tüchtigsten Kenner der Unfallheilkunde, hat fick auf der internationalen Hon« ferenj für Arbeiterversicherung in Haag (September 1910) dahin ausgesprochen, daß auf etwa 90 Prozent aller entschädigten Unfälle me, ärztliclie Behandlung von entscheidendem Einflüsse sei. Je leistungsfähiger und je intensiver sie ist, um so besser sei cs für die Unfallversicherung: deslmlb müsse diese ganz energisch eine gründliche Ausbildung der Aerzte in der Unfallmedizin ver­langen.

Es gilt als erwiesen, daß in einem großen Prozentsatz der Betriebsunfälle die Unfallfolgen, die eine Rente bedingen, wesent- lid) gemildert, ja zuweilen völlig hätten beseitigt werden können, wenn das Heilverfahren nid>t zu spät eingeleitet oder nicht mangel­haft durchgeführt worden wäre.

Nack) Ansicht von Professor Ledderhose-Straßburg wird sich durch eine zweckmäßigere,-intensivere Gestaltung des Heilverfahrens ungefähr ein Drittel der Summe der gegenwärtig infolge von Betriebsunfällen in Deutschland bestehenden Arbeitsverminderung ausschalten lassen.

Ja, diese Schätzung ist nad) den Erfahrungen von Geh. Rat Prof. Dr. Rieder in Bonn eher zu medrig als zu hoch. Tie Unzulänglichkeit des Heilverfahrens bringt es aber mit sich, daß in Deutschland die Arbeitgeber alljährlich enorme Summen für Unsallrenten aufbringen müssen, die erspart werden könnten.Weit schlimmer aber ist es", sagt Rieder,daß die Arbeitskraft des beutfdien Volkes jahraus, jahrein eine Einbuße erleidet, die sehr wohl vermieden werden könnte".

Es wäre durchaus falsch, den Aerztestand allein hierfür ver­antwortlich zu machen. In den Fällen, wo die ärztliche Be­handlung später als mangelhaft oder unzweckmäßig befunden wurde, ist dies in erster Linie nur eine Folge davon, daß der Arzt au der Universität überhaupt keine oder doch nur eine ganz un­genügende Dor- und Ausbildung in der Unfallheilkunde erfahren hatte.

Die Unfallverletzten erheischen vom ersten Augenblick der Ver­letzung an eine besonders genaue Beurteilung und Beobachtung. Ihnen gegenüber muß der Arzt sofort nach dem Unfälle die Körperbeschädigung in ihrer ganzen Tragweite erkennen, damit er in der Lage ist, sofort über die richtige Auswahl des auf spezielle Ziele gerichteten Heilverfahrens und über den richtigen Zeitpunkt für die Uebernahme dieses Heilverfahrens Entscheidung zu treffen. Dazu gehört aber für den Arzt große Erfahrung und eine genaue Kenntnis der speziellen aetiologischen Forichung der Unfallschäden; dazu gehören ganz besondere diagnostische Kenntnisse: dazu gehört schließlich eine ausreichende Kenntnis der zahlreichen, zum xeil recht schwierigen modernen Behandlungs- und Beobach- tungsmet Hoden.

gelber. Eingaben dieser Beamtenkategorie aus Elsaß-Lothringen um Gleichstellung jnit den entsprechenden Beamtengruppen des Eisenbahndienstes wurden zur Erwägung überwiesen. Durch lieber- gang zur Tagesordnung erledigt wurden Bittschriften von Unter­beamten um Teuerungszulagen oder Notstandsgelder. Den gleichen Beschluß faßte bei- Ausschuß bei einer Eingabe, die den Zeitpunkt bei" lebenslänglidien Anstellung ber Unterbeamten zurückrüden will, damit die Beamten früher die Sicherung ihrer Stellung erreichen. Der Unterstaatssekretär im Reickspostamt Granzow führte hiergegen an, daß auch für die nicht lebenslänglich An­gestellten eine Kündigung nur bei grober Vernachlässigung des Dienstes in Betracht komme und daß nur in sehr geringem Um­fange Entlassungen erfolgten. Jetzt erreichten die Unterbeamten ihre lebenslängliche Anstellung nach fünfzehnjähriger Dienstzeit im Alter von 35 bis 40 Lebensjahren: darum liege ein Anlaß zur Vorrückung des Termins nicht vor.

Nach Erledigung des Postvoranschlags und im Anschluß daran des Voranschlags der Reichsdruckerei verhandelte der Aus­schuß über den Voranschlag der Reichseisenbahnen. Morgen Weiterberatung.

Ter Wahlprüfungsausschuß

führte heute die Prüfung der Wähl' des Abg. Kuck ho ff (Zentr., Köln-Land) zu vorläufigem Ende. Das Ergebnis ist B e a n st a n- bun g ber Wahl und Beweiserhebung darüber, ob in gewissen Lokalen die Isolierzelle den Vorschriften entsprach.

Sodann begann der Ausschuß mit der Prüfunader Wahl des nationalliberalen Abg. Kölsch, ber im babischeir'Wahlkreise Ofsenbura-Kchl bas Mandat dem Zentrum abgenommen hat. Die Prüfung wird am Dienstag fortgesetzt. Die Wahl des Abg. Dr. Kämpf wird in ber übernächsten Sitzung, am Mittwoch, herankommen.

katholische Gemeinde.

Samstag, den 16. März:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag, den 17. März, 4. Fast en- Sonn tag: Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.

, um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

, um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt. Militärgottesdienst.

Nachmittags um 5'/, Uhr: Christenlehre, darauf sakramentalifche Bruderschafts-Andacht.

TienStaq und Freitag abend um 61/, Uhr ist Fasten-Andacht.

Wie verlieren wir die Zähne? Ganz harmlos fängt eS an! Eine kleine Stelle wird schwarz,stockig", wie vielfach gesagt wird. Dann bricht ein Stück auS. Zahnschmerz stellt sich ein. Allmählich ist der ganze Zahn hohl geworden. Stück um Stück bröckelt ab. Schließlich bleibt nur noch die Wurzel übrig, die von Zeit zu Zeit unangenehmmuefert". Der eben geschilderte Vorgang ist die Zahnfäule oder Zahnkaries. Die Lauptucsache ist gewöhnlich nichts anderes als die grenzenlose Vernachlässigung der Zähne, wenn auch andere Ursachen, besonders Unterernährung, nicht ganz unerwähnt bleiben dürfen. Bleibt bei den Mahlzeiten Speisedrei an und zwischen den Zähnen hasten, so fängt er zu gähren an, zersetzt sich und bildet Säuren. Außerdem ist er ein guter Nähr­boden für Batterien. Die entstandenen Säuren lösen die Kalkbe- standteile der Zähne auf, es bleibt eine knorpelige Masse zurück, die durch die Batterien in Fäulnis übergeführt und zerstört wird. Zahn­karies wird verhütet durch tägliches, zweimaliges Putzen der Zähne mit KoSmodont-Zahncreme mtt aktivem Sauerstoff (Tube 60 Pf.), zu haben in allen einschlägigen Geschäften. Probetube gratis durch die Kolberger Anstalten für Exterikultur, Ostseebad Kolberg.

Zweiter Blatt 162. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen