Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.
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lich herabmindern.
Per StappcDauf der Linienschiffes „Prinzregeni
In dem
die der
Regie führte ist d^bci noch
Sxrc Gübne, und die Kürre der Zwischenakt besonders hervorzuheben. N.
Darmstädter Ausstellungen.
Darmstädter Gemerbemmeum ist eine Ausstellung
künstlerischer Plaketten und Münzen eröffnet, die in dem Mittcl- saal sehr vorteilhaft untcrgcbrackl wurde. Es ist gewissermaßen eine neue Porträtkunst, die sich hier sehen läßt, Hatten die Bildnisse aur Münzen immer envas Starres, Lebloses, etwas Unkünstlerisches an sich, so wird durch die neue Darmstädter Ausstellung der Beweis erbracht, daß das auch anders sein kann. L>ier sind Münzen und Plaketten zu sehen, deren Bildwirkung geradezu überrascht. Ein deutscher Meister der Plastik ist Ad. v. Hildebrand in München, der einige Bismarckvorträts auf Plaketten und Münzen sowie eine Plakette mit dem Bildnis des Deutschen Kaisers ausgestellt hat. Die Bismarckmünze Hildebrands, die den Kanzler mit Kürassierhelm ohne Helmspitze dar-
Luitpold."
Prinz Ludwig und Prinzessin Therese von Bayern, Taufpaten des am SamStag, den 17. Februar, auf! Germaniawerft vom Stapel laufenden Linienschiffes
„Prinzregent Luitpold" („Ersatz Odin") sind am Freitag in Kiel eingetrofsen. Arn Bahnsteig hatten sich zuni Empfang versammelt: Pxinz und Prinzessin Heinrich von Preußen', Prinz Adalbert von Preußen, die Admiralität. Nach dem Eintreffen im Schloß feuerten die im Hafen liegenden' Kriegsschiffe einen Salut von 21 Schuß.
Der Kaiser ist Freitag abend 11 Uhr nach Kiel abgercist. Er hat an den Prinzregcntcn Luitpold folgeitdes Hand-, schretben gerichtet:
Der Linienschiffsneubau „Ersatz O d i n", der mit Eurer Königlichen Hoheit gütiger Erlaubnis den Namen „Prinzregent Luitpold" rühren wird, steht auf der Germaniawerft in Stiel zum ^tapellaui bereit und soll am 17. Februar seinem Element über geben werden. Es würde mir eine besonders hohe Ehre und Freude gewesen sein. Eure Königliche Hoheit selbst bei dieser Gelegenheit in Kiel begrüßen zu können. '?Ibcr die Beschwerden der weiten Reise sind in dieser Jahreszeit zu groß. Eure Königliche Hol)eit bitte ich deshalb, sreundlickst genehmigen zu wollen, daß Seine Königliche Hoheit Prinz Ludwig von Bayern in iSurrr Königlichen Hoheit Vertretung die Daufrede hält und Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Therese von Bauern die Taufhandlung vollzieht. Ihre Königlickien .Hoheiten haben sich wie die in Meinem Auftrag durck: Meinen Gesandten in München gehaltene Anfrage ergab, gern hierzu bereit erklärt. Mit der Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung und freunbsckwstlichften Gesinnung verbleibe ich Eurer Königlichen Hoheit freundwilliger Vetter und Bruder.
Der Prinzreaent Luitpold richtete an den Kaiser nachfolgendes Antwortschreiben:
Eure Majestät bitte ich, meinen tiefst gefühlten Dank für das gütige Schreiben vom 3. Februar lausenden Jahres entgegennehmen zu wollen, durch das Hochdieselben mir von dem bevorstehenden Ltapellauf des neuen Linienschiffes „Ersatz Odin" Mitteilung machen. Eure Majestät mögen überzeugt sein, uric sehr ich es bebau re, mir versagen zu müssen, der schönen Feier persönlich anzuwohnen und wie dankbar ich es empfinde, daß mein Sohn,
herangezogen, die neben Possart den Löwenanteil des Beifalls erhielten. Herr Otto Fricke von Frankfurt spielte den Tempelherrn mit achtbaren Mitteln und hielt sich neben dem erlauchten Gast sehr wacker. Herr Josef Krähe von Kreuznach gab den Saladin zu schwer, nicht wie ihn der Dichter — u. a. auch in der gestrichenen, für seinen Charatter ungemein bezeichnenden Szene mit den Mameluken — gezeichnet hat, als einen gütigen, sorglosen, ja leichtsinnigen Fürsten, dem nichts gleichgültiger ist als Geld und Gut.
Von unseren einheimischen Künstlern ist vor allen Herr Gü h n e als Terwisch zu erwähnen. Der schlaue, behende Orientale wurde von ihm zwar mit einer etwas übertrieben aussehenden, aber zu dem Besen trefflich passenden Beweglichkeit gegeben, stand aber sonst dem Gast am wenigsten nach. Fräulein S ch o l; gab der schwatzlustigen Taja ein fröhliches, sehr beifällig auf genommenes Gehaben. Sehr schön war Herr V o l ck als Klosterbruder, nur sprach er so leise, daß er mitunter kaum vernehmbar war. Ten Patriarchen spielte Herr Goll mit anmaßender Fröm melci, die so recht in der Absicht Lessings lag, der in seinen Bemerkungen zum Nathan ausdrücklich bedauert hatte, daß der Patriarch Heraklius in seinem Stücke „noch bei weitem nicht so schleckt erscheine als in der Geschichte". Fräulein Schmidt war eine liebe, schöne Recha, schwärmerisch und empfindsam, Fräulein .Hoermann — offenbar immer noch etwas unpäßlich, wich als Sittha von der üblichen Darstellung, die sie als kluges, munteres Mädchen zeigt, etwas ab, ohne daß die Rolle dadurch gewonnen hätte, lieb erbau pt schienen sich der Sultan und seine Schwester am wenigsten glücklich in den weit gespannten Rahmen der gestrigen Aufführung rinzuvassen. Tic
stellt, ist allgemein bekannt und bildet auch in dieser Ausstellung ein Hauptobjekt. Benno Elkan, Msbach a. d. B., hat sich besonders französische Staatsmänner als Objekte feiner großen plastischen Kunst gewählt. Von Falliöres, Loubet, Combes, Cle menceau usw. findet man gelungene Porträts auf Münzen und Plaketten in verschiedenstem Material. Von Prof. Hermann Hahn in München ist u. a. eine große Plakette, die Bismarck und Moltke im Profil darstellt, zu sehen. Ausgezeichnet gr langen sind auch die beiden Bildnisse der Berliner Architekten Messel und Ludwig Hoffmann. Von dem verstorbenen Künstler Jof. Kowarzik aus Frankfurt a. M- bringt die Ausstellung neben einer Plakette des Geschichtsschreibers Theodor Mommsen auch eine Erinnerungsplakette an Goethes 150. Geburtstag. Ter Leipziger Plastiker Felix Pfeifer hat eine Bronzeplakette seines berühmten Mitbürgers Max Klingers, sowie Porträts Robert Schumanns, von Brahms und dem Dichter Ferdinand Avenarius ausgestellt. Luise Staudinger -Berlin bringt u. a. eine sehr seine Kantplakette. Eine Anzahl ausgezeichneter Silbermünzen stellt Prof Stanislaus C a uer - Königsberg aus.
Von Ausländern, die in der Ausstellung vertreten find, fallen die Plaketten mit Tierbildern von V. Peter, Paris, auf, die von großer realistischer Wirkung find. Als gute Könner zeigen sich ferner I. P. Legastelois, Paris, A. Charpentier, Parts, und I. C. Ehaplain, Paris. Trotz haarscharfer Ausprägung wirken ihre Bilder doch nicht hart.
Der größte Teil der ausgestellten Werke ist verkäuflich.
In den kleinen Ausstellungsräumen am Rheintor hat sich auch eine Ausstellung niedergelassen. Tort zeigen eine Anzahl Zeichner des „Simplizissimus" und der „Lustigen Blätter" ifor? Originale. Tie Bilder, die man dort zu sehen bekommt, sind 5um größten Teil jedem Cafebausbesucher bekannt. Ernst Heile mann mit feinen eleganten Frauen und fefchen Leutnants, Ed. Thöny mit feinen bayerischen Bauerntypen, Olaf Gublbranssohn, der sich besonders durch seine Karikaturen unterer Zeitgenossen sowie durch seine Schissergestallen aus der Hamburger Gegend einen Namen gemacht hat, sie alle sind durch eine grötzere Anzahl von Zeichnungen vertreten, die ebenfalls verkäuflich sind. Auck einen, der dem „Simplizissimus" untreu wurde und seine außer ordentlichen Fähigketten jetzt im Kunstgewerbe betätigt, find: man wieder:fBrunoPaul.
geschädigt zu haben, so kann der Reichstag gegen den Reichskanzler Antlage erheben". So wird da u. a. wuchtig beantragt. Dazu folgen Vorschläge eines geiraltigcn Nntersuchungsapparates: lettenUirrenbc Para araphcn, die den Gegnern des Polizeistaates eigentlich schlecht zu Gesichte stehen Tie Einleiiungsrede des Herrn Tr. Frank in der vorgestrigen Sitzung des Reichstags war unter diesen Umständen außerordentlich zahm Ter „Vor märte" macht denn auch aus seinem Mißvergnügen darüber keinen Hehl und stellt den revisionistischen Genossen sozu sagen als Lückenbüßer hin, üibem er erklärt, zuerst sei als Redner Herr Scheidemann vorgesehen gewesen. Tie Rede habe bei ihrer Kürze „Uuzutrüglichkeiten" gehabt und habe ein Bild ergeben, „als wenn ein F-eldherr mit zu großen Truppenkörpern auf zu Keinem Felde exerzierte". Mit andern Worten: Frank hat den Mund nicht voll genug gv nonunen. Ter „Vorwärts" vermißt die Kriegslanze und das Kriegsgeheul. Wie Wallenstein einst die Wiener, so hat der Feldherr Frank die radikalen Oberen „um ein Spektakel betrogen". Vielleicht nimmt er gar das Reichskanzler-An tlagegesetz gar nicht so recht ernst! Vielleicht denkt er, daß sogar in parlamentarisch regierten Ländern die Minister neben ihren Gehältern keine besonderen gesetzlichen Strafandrohungen beziehen. Tort macht'S die „gute parlamen tarische Sitte", und das höchste, was z. B. das englische Parlament den verantwortlichen Ministern gegenüber sich leistet, ist ein Mißtrauensvotum. „Seiner Majestät Minister besitzen nicht im genügenden Maße das Vertrauen des Unterhauses, um sie zn befähigen, durch das Haus Maßregeln zu veranlassen, welche sie von wesentlicher Bedeutung für das öffentliche Wohl halten. Ihr Verbleiben im Amte ist also unter solchen Umständen im Widerspruch mit dem Geiste der Verfassung." Dann aber übernimmt die Partei, die ein solches Votum durchgebracht hat, selbst die Verantwortung, eine neue Regierung aus ihren Reihen zu stellen. Was in Deutschland wirtlich verbessert werden kann, ist das Ansragerecht im Reichstag. Ec muß die Mittel der Kontrolle gegenüber der Regierung besser als bisher anzuwenden in der Lage sein. Dagegen verlangen die 110 Genossen eine merkwürdige Rechtserweiterung für den Reichstag, indem sie für diesen ganz allgemein das Recht fordern, „behufs feiner Information Kommiffionen zur Untersuchung v o n T a t s a ch e u zu ernennen." Tiefe Kommissionen sollen Zeugen und Sachverständig- eidlich vernehmen dürfen, und die Behörden „sollen gehalten fein", ihnen dabei Unterstützung zu gewähren. Untersuchung von Tatsachen; welch weites Feld der Betätigung! Studienreisen nach dem Osten, um Wahlbeeinflussungen, landrätliche Eigenmächtigkeiten zu suchen und zu untersuchen; dazu sollen die Kommissionsmitglieder nach dem Antrag für ihre Zeitversäumnisse und Auslagen reichsgesetzliche Entschädigungen beziehen! Was würde das bei der großen Menge von Tatsachen, die es gibt, für ein üppiges Gedeihen unseres Kommissionswesens zur Folge haben!
llnb nun hat gestern der Reichskanzler geantwortet. Temperamentvoll und an manchen Stellen schlagend, wie man zugeben muß. Auch er hatte den Eindruck, daß der erste Tag der Beratung verhältnismäßig ruhig vonstatten gegangen war, aber es klang doch fast! wie eine ernste Mahnung, als er sagte, es gebe wohl keinen erfahrenen Parlamentarier, der schon »einer derartigen unsicheren politischen Lage gegenüber gestanden hätte, wie wir sie heute haben. Der Kanzler denkt nicht daran, so erklärte er, die Richtung der Regierungspolitik „neu zu orientieren". Seine Vor-
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen» schäft. In Davos starb der Archäologe Dr.,Rudolf Hackl au5 München im 31. Lebensjahre. — In Hamburg ist am 15. b. M. der frühere langjährige Leiter der Irrenanstalt Fried- richsberg Professor Dr. med. Daniel Wilhelm R e y e im 80. Lebensjahre gestorben.
politische Wochenschau.
Gießen, 17. Februar.
Die Staubwolken des Wahlkampfes haben uns in den feftrn Tagen noch vielfach den Blick ins Freie entzogen, ter Deutsche ist nirgends gründlicher als in Prinzipien fragen. £o war ihm auch die Reichstagspräsidentenwahl eine allgemeine Prinzipienfrage und Rechthaberei. Jeb- fort et wollte, von ihrem Prograium aus, der dunkeln Zn Ünift schon jetzt einen sichtbaren Stempel aufdrücken. Nichts dec ist doch heute eigentlich so unsinnig als der Streit um tzie „prinzipielle" Mehrheit Erst der Austausch sachlicher flaue und Entwürfe bringt doch eine Klärung zustande; frisches Wasser brauchte man statt der abgestandenen Waschbrühe. Es war, wie wenn ein Romandichter über Hrm Titel seines Werkes brütete, bevor er sich überhaupt Sen Stoff dazu zurecht gelegt hatte. Vorläufig haben tir nun ein provisorisches Präsidium, und die starre ist stngsam ins Laufen gekommen. Gemeinsame Arbeit; dazu m i'5 wirklich vor allem erforderlich, daß man über gemein inne Ziele sich klar wird und daß die Parteien fragwürdige Bonbcranträgc vorerst womöglich ganz beiseite stellen. Wie pellt • dieser Beziehung im gegenwärtigen Reichstag Wm aus? in die allgemeine HäuAhaltungsberütung . ffliffetrctcn, und siehe, der Vorhang wurde schon ein wenig «lüftet! Es gibt gemeinsame Wünsche, die auch dieses von 110 Genossen bevölkerte Parlament ohne besondere Schwie- ngfeiten wird lösen können. „Es gibt keinen Stillstand in Irr Entwicklung", dieses Wort der Thronrede war nicht nur tmc Aufmunterung, sondern auch eine Kennzeichnung der wirklichen Lage. Auch der konservative Redner, Gras feftarb, hat vorgestern für die Fortführung der Sozial' -olitik plädiert. Auf diesem Gebiete wird der Reichstag Kerlich gemeinsame Arbeit vollbringen können: Sicherung
Einvernehmens zwischen Arbeitgebern und Arbeitneh lern, zeitgemäße Regelung der üonkurrenzklauseln und Irr Erfinderrechte, Schutz des Koalitionsrechtes aller An Schellten, weitere Arbeit an der Wohnungsfrage, der Erhaltung selbständiger Existenzen. Tas sind
nur einige Punkte, über die eine Einigung erzielt lverden kann. Schwer wird freilich
Teckungsfrage für neue Ausgaben werden. Aber Herr Junck bat recht: weitere Steuern auf den Verbrauch und Verkehr ftnb unmöglich. Doch darüber bleibt ja abzuwarten, welche -übe der neuen Ausgaben die Regierung fordern wird. E.n brauchbarer Vorschlag ist jedenfalls der, die Steuer auf bas Erbe entfernter Verwandten außerordentlich zu |! erhöhen.
v Tie Sozialdemokratie stellt in den Vordergrund ihrer zahlreichen Forderungen: die Aenderung der Geschästsord-- nimg des Reichstages und ein Ministerverantwvrtlichkeits- gtfeg. Darin begegnet sie auch den Wünschen des Liberalis- nui., ja auch sogar einer Anregung des Zentrums. Wenn Mu aber in den Reichstagsdrucksachen lieft, was die Herren ftriioffcn da alles verlangen, so flimmert es einem orr den Augen „Der Reichskanzler ist zu entlassen, wenn btr Reichstag es fordert"; „Wenn der Reichstag den Reichs- kvizler für schuldig hält, durch eine von ihm zu verant- «ortende Handlung oder Unterlassung vorsätzlich ober grob iibrläffig seine Amtspflichten verletzt, namentlich ver- schungswidrig gehandelt oder sonst das Wohl des Reiches
würfe gegen die Rechte klangen klarer und härter als früher. Tie Ablehnung der Erbschaftssteuer sei ein Fehler gewesen, und es sei ein starkes Wort, wenn Herr Speck von „Brüskir ruitg" gesprochen habe, im Falle dieser Steuervorschlag von neuem eingebracht würde Demnach scheint die Regie ruitg die Erbsclnsstssteuer wirklich wieder Vorschlägen zu wollen. Ten neuen Wahlrechts und Verfafsungswünschen streckt Herr von Bethmann beschwörend die abwehrende Hand entgegen. Wir sind auch der Ansicht, daß eine weite Temo- kratisierung unserer Zustande vom Uebel ist Aber mit einigen Modernisierungen wird sich die Regierung doch wohl absinden müssen. Sie hat mit ihrer Geheimniskrämerei und so manchen Widersprächen gerade in der äußeren Politik sicherlich einiges Mißtrauen verdient. Herr von Bell)- mann-Hollweg sollte sich von maßvollen derungsvorschlägen ebenfalls nicht brüskiert
len. Hat doch gestern auch Graf Posadowskp deutlich durchblicken lassen, daß unsere Tiplomatie nicht gerade auf der Höhe sei. Es ist wieder der alte ungeschmei- dige Beamten- und Bureautratenstandpunkt, den Herr von Belli mann-hollweg hervorgetehrl hat. Tas wird die Wir- hing seiner Rede auf den bcutfdjen Liberalismus toefentt
(Siebener Stadttheater.
Ernst von Possart als Rathan.
Gießen, 17. Fck>r.
Ernst vvn Possart, der am 11. Mai des vergangenen JahreS «A r allgemeiner Anteilnahme seinen 70. Geburtstag feierte, y uns gestern als Nathan in Lessings dramattschem Gedickt a der reifsten Gaben seiner auserlesenen Kunst gegeben. Als feetPöbnlid) begabten Rezitator, der unumschränkt^ über feine Mgiebige, jeder lei festen Empfindung gehorckfendc Stimme gt> fc t, haben wir ihn hier sckon mehrfach begrüßen lönnen, als Müllender Stiinftlcr ist er gestern zum erstenmal hier aumetreten, fr hat uns damit einen iiiwergleicklich genußreichen -Lbeater- *::ib geboten Mit feinfühlendem, ficheren Empfinden hat er * Rolle des greifen Juden, die feiner Veranlagung unb feiner Stärke vorzüglich ciitipridg, bis crufs äußerfte durchgearbeitet, hiebet einzelnen Regung und jeder Wendung bis auf den inncriten Snt geprüft und reickt fic unS nun als Vollreife »rrucht eines vttietzlicken und ausgezeichneten Lebens mit überlegenem Be Mt. Mil bewundernswerter Kunst entwickelt er den Charakter vielerfahrenen Mannes leicht und fluffig, deckt ihn in feinem fchorgenften Wesen auf und führt ihn — stets in innigster «iüh k-g mit den Absichten des Dichters, dem er auf jedem Gedanken- S'ge prüfend folgt — m vollendeter Einheit zum Ziel. Jeder ist aufs feinste erwogen und abgettuft, jede Gebärde — unb i» sparsam geht Possart gerade mit ihr zu Werk — vorzüglich gRcjicn, und abgestimmt — und alles ist wie lautete, durch die Mr.st geadelte Natur. Einfach, und ihrer Einfachheit schiei über billigend war — um nur eins herauszugreifen — bie #yabcl
den drei Ringen, die Possart ganz schlickst, aber als ein Meister- ftl künstlerischer Crzählerkunst, bis in die letzten Fasern erfüllt toi tiefstem Miterleben, dem Sultan vortrug.
Seine bedeukmden Fähigkeiten, mit der Machst des Wortes tot die Zuhörer zu wirken, haben mir mehrfach kennen gelernt, toft aber feine jihinft des Zuhörens, die er gestern müJDiciiter jhit bewies. Seine Mimik, feine Haltung gibt dem Spiel der Wegen ein besonderes Relief, er erläutert und uittcrftreidit jedes wir Worte, unb gibt ihm seinen richtigen Platz in der Dichtung. gJB.— wie Lessing ihn gebatfit — ging Nathan über die Buhne, tot 'eine ivahrhaste, auf Weisheit gegründete Güte leuchtete wie J*’ milde Sonne über allen Geschehnissen, die vor ihr nur gleich M Wolken sind, die votuberziehen.
%ben Possart hatten die übrigen Darsteller einen harten <mib, aber sic bemühten sich alle mit regstem Eifer, wenigstens 'ttiUttmaßen neben ihm zu bestehen. Wegen der Erkrankungen « Unserem Personal hatte die Tirektion zwei weitere Gäste
irr. 41 Erster Blatt 162. Jahrgang Samstag, 17. Zedrnar 1912
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